Der Atlantik ist der zweitgrößte Ozean der Erde, und zwischen Westafrika, Europa und Nordamerika liegen Hunderte Inseln: Vulkaninseln mit Lorbeerwäldern, baumlose Felsen im Nordmeer, Inseln mit Steinzeitdörfern und solche, auf denen der Hubschrauber wie ein Linienbus fährt. Diese Auswahl stammt aus Reisen, über die unsere Autor*innen bei Reisedepeschen geschrieben haben. Wir beginnen im Süden, vor der Küste Afrikas, und arbeiten uns nach Norden bis ins Eis vor.
1. Kapverden: Inseln unter und über dem Wind
Rund 570 Kilometer vor der Westküste Afrikas liegen die Kapverden, neun bewohnte Inseln, die auf vielen Landkarten kaum auffallen. Über drei Jahrhunderte waren sie ein Knotenpunkt des transatlantischen Sklavenhandels, später Verbannungsort für politische Häftlinge aus Portugal. Wie in der Karibik unterscheidet man die südlichen »Inseln unter dem Wind« und die nördlichen »Inseln über dem Wind«.
Bernadette Olderdissen ist für ihre Kapverden-Trilogie von Insel zu Insel gereist. Sie beginnt in Praia, der Hauptstadt auf Santiago, deren Name übersetzt »Strand« heißt und die sie zunächst ernüchtert. Auf Santo Antão, der zweitgrößten Insel, hat sie das Gefühl, ein neues Zuhause gefunden zu haben. Nach Maio, einer der am schlechtesten erreichbaren Inseln, fliegt sie am Ende in acht Minuten und findet dort ein Paradies.
Weiterlesen: Jenseits der Zeit – Kapverden-Trilogie Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Fisch ahoi!, ein Tag auf einem kleinen Fischerboot vor den Kapverden.
2. Kanarische Inseln: Sterne über La Palma, Nebelwald auf La Gomera
Die Kanaren kennen viele als Badeziel. Abseits der Strände lohnen sich vor allem die kleineren Inseln.
Auf La Palma, der »Isla Bonita«, zeigen Wegweiser die Entfernung zu Sternen an. Auf dem Roque de los Muchachos, mit 2.426 Metern der höchste Punkt der Insel, steht eines der größten Observatorien der Welt. Selbst wer mit Astronomie wenig anfangen kann, wird dort oben neugierig. Außerirdisch schön – Der Roque de los Muchachos
Auf La Gomera ist Sebastian Haas mit Rucksack und Ein-Mann-Zelt über die Berge rund um Vallehermoso gewandert und schließlich vor dem Dauerregen in den Nebelwald geflüchtet. Regen im Nebelwald
Und wer Teneriffa für überlaufen hält, findet in One moment in time auf Teneriffa eine andere Sicht auf die Insel. Wie man dort sieben Tage über den Jahreswechsel verbringt, steht in Ein kanarisches Vulkanfleckchen.

3. Azoren: Wale zwischen Pico und Faial
Die Azoren gehören zu Portugal, liegen aber mitten im Atlantik, rund 1.400 Kilometer westlich des Festlands. Lu Morgenstern ist vom Hafen von Madalena auf Pico zum Whale Watching aufgebrochen, vorbei an der Nachbarinsel Faial. Unterwegs gleiten Gelbschnabel-Sturmtaucher knapp über die Wellen, und Portugiesische Galeeren treiben wie kleine Plastikschiffe vorbei. Anfassen sollte man sie nicht, ihre Tentakel sind giftig.
Weiterlesen: Whale Watching auf den Azoren
4. Irland: die wilde Westküste
Irlands Westküste liegt dem offenen Atlantik zugewandt, hier öffnet sich der Atlantik weit nach Westen. In Galway soll es rund 80 Pubs geben, viele mit täglicher Live-Musik. Matthias Kutzscher hat dort unter anderem im 130 Jahre alten »Tigh Neachtain« erfahren, warum Reisemagazine die Stadt zu den liebenswertesten Orten der Welt zählen. Weiter im Norden liegt Donegal, im Südwesten haben auf der Beara-Halbinsel und im Killarney-Nationalpark Reste eines uralten Regenwalds überlebt.
Weiterlesen: Galway: Die charmante Stadt am wilden Atlantik, Zum nördlichen Ende Irlands, Verzaubert von Irlands Regenwäldern
5. Schottlands Inseln: Wale vor Mull, Steinzeit auf Orkney
Vor der Westküste Schottlands treffen der Golfstrom und kaltes Wasser aus dem Nordatlantik zusammen. Das lockt Plankton und Fische an, und mit ihnen Wale, Delfine, Seehunde und Riesenhaie. Auf der Hebrideninsel Isle of Mull lassen sie sich sogar von einem Wal-Pfad an Land beobachten. Mull erreichst du vom Hafen Oban aus in knapp einer Stunde mit dem Schiff, Coll in zwei und Tiree in drei Stunden. Isle of Mull: zwischen Walen und Hochlandrindern
Ganz im Norden liegt der Orkney-Archipel. Im Steinzeitdorf Skara Brae stehen Betten, Regale und Feuerstellen aus Stein, so als hätten die Bewohner*innen sie gerade erst verlassen, dabei sind sie rund 5.000 Jahre alt. Im Neolithikum lebten auf den Inseln vermutlich über 10.000 Menschen. Orkney: wo Meer und Steine sprechen und Die »Lady of Hoy«: Schottlands einsamstes Grab
6. Färöer: das Land des Vielleicht
Die Färöer ragen mitten im Nordatlantik wie grüne Haifischflossen aus dem Meer. Wind und Wetter bestimmen hier den Tag, deshalb werden die Inseln auch »The Land of Maybe« genannt. Martin Hülle und Nina Wilms sind mit ihrer dreijährigen Tochter nach 30 Stunden auf der Fähre im Nebel angekommen, mitten im Olavsfest, dem Nationalfeiertag. Danach ging es auf Schafspfaden zu den entlegensten Zipfeln der Inseln. Eine Reise auf die Schafsinseln
Robert Strehler hat die Färöer aus der Luft gesehen: Ein öffentlicher Hubschrauber fliegt zwischen den Inseln, quasi als Straßenbahn, in rund 300 Metern Höhe durch Sunde und Fjorde nach Klaksvík. Das Schöne am Nichts
Einmal im Jahr wird es laut: Beim G! Festival am Strand von Syðrugøta spielen drei Tage lang Bands. Von lauten Beats und leisen Tönen
7. Island: Feuer, Eis und Buckelwale
Island braucht kaum eine Einführung. Bei Reisedepeschen gibt es so viele Island-Geschichten, dass sie für einen eigenen Überblick reichen würden. Marc Herbrechter ist in Husavik im Norden mit einem alten Segelschiff zu den Buckelwalen hinausgefahren. Whale watching in Husavik
Wie die Insel aussieht, wenn die meisten Touristen fehlen, zeigen Island im Winter und Von wilden Fällen und leisen Wassern. Am Dettifoss steht man vor einem der wasserreichsten Wasserfälle Europas: Das erste Mal Island vergisst man nie. Und wer vor der Reise noch etwas über Literatur, Musik und Trolle lernen möchte, findet es in 22 Fakten über Island.

8. Lofoten: Berge aus dem Meer
Die Lofoten liegen im Europäischen Nordmeer vor der Küste Nordnorwegens, nördlich des Polarkreises. Ihre Berge sind bis zu 1.200 Meter hoch und steigen direkt aus dem Wasser auf. Nur eine Straße führt über die Inselkette, die E10, rund 180 Kilometer bis in das Dorf Å. Andrea Dublaski war im Winter dort, zur Zeit des Skrei, des Winterkabeljaus, und hat Fischerdörfer und Nordlichter gesehen. Die Inseln der Fischzungen
9. Grönland: die größte Insel der Welt
Grönland liegt zwischen Atlantik und Arktis, und die meisten Reisenden sehen es vom Wasser aus. Der Beitrag Der Walruf der Inuit führt auf die Disko-Insel, einen der bekanntesten Orte Grönlands, um Wale zu sichten. Andere sind mit dem Kajak die Küste entlanggepaddelt oder an Bord eines Expeditionsschiffs an der Westküste unterwegs gewesen: Grönland, vom Kajak aus, We take the Maximum!
10. Neufundland und Fogo Island: am anderen Ufer
Auf der anderen Seite des Atlantiks liegt Neufundland, Teil der kanadischen Provinz Neufundland und Labrador. Bernadette Olderdissen fand dort Eisberge, Wale, Papageientaucher, Leuchttürme und Menschen, die ihre Türen nicht abschließen. Die Neufundländer*innen sagen, auf ihrer Insel habe man »a whale of a time«. Ihre Reise beginnt in St. John’s, der Hauptstadt der Provinz. Neufundland, das 8. Weltwunder?
Vor der Nordostküste liegt Fogo Island, für Katharina und Henryk ein Ort am Ende der Welt und ein echter Sehnsuchtsort. Lost and Found – auf Fogo Island
Welche Inseln im Atlantik erreicht man ohne Flugzeug?
Einige Inseln im Nordatlantik erreichst du ganz ohne Flug:
- Isle of Mull: mit dem Zug bis Oban, dann mit der Fähre in knapp einer Stunde
- Orkney: mit dem Zug bis Thurso, mit der Fähre ab Scrabster
- Färöer und Island: mit der Fähre ab Hirtshals in Dänemark, nach Island über die Färöer
- Lofoten: mit dem Zug bis Bodø, dann mit der Fähre nach Moskenes
Wie du mit dem Zug zu den Häfen kommst, steht im Reisehandbuch Europa mit dem Zug, mit Streckennetzen und Verbindungen in 43 Länder Europas.

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