Jenseits der Zeit – Kapverden Trilogie Teil 2

Wie in der Kari­bik, wer­den auch die Kap­ver­di­schen Inseln auf­ge­teilt in ‚Ilhas de Soto­ven­to‘, Inseln unter dem Wind, die süd­li­chen, und ‚Ilhas de Bar­la­ven­to‘, die Inseln über dem Wind, die nörd­li­chen. Nach Sant­ia­go, einer Insel unterm Wind, will ich nach São Vicen­te im Nor­den flie­gen. Von dort soll es wei­ter­ge­hen auf die nach Sant­ia­go zweit­größ­te Insel, San­to Antão.

So kurz mei­ne Zeit auf São Vicen­te selbst auch ist, so sehr bleibt sie mir doch in Erin­ne­rung: Genau wie in Pra­ia ste­he ich in Min­de­lo, São Vicen­tes Haupt­stadt, vor dem Geld­au­to­ma­ten im Flug­ha­fen und ver­flu­che einen Smi­ley auf dem Bild­schirm, der Geld ver­spricht – doch wie­der pas­siert nichts. „Haben Sie auch ein Pro­blem mit dem Auto­ma­ten?“, ertönt es hin­ter mir in Fran­zö­sisch. Eine Frau mit kurz­ge­schnit­te­nen Haa­ren sieht mich erbost an. So ler­ne ich Joani­ta ken­nen. Im Sene­gal gebo­ren, aber kap­ver­di­schen Ursprungs und vor Kur­zem nach 40 Jah­ren in Frank­reich pen­sio­niert. Sie ist mit ihrer Cou­si­ne am Flug­ha­fen, will ihre ver­spä­tet ange­kom­me­nen Kof­fer abho­len. „Wir haben einen Pick-up gemie­tet, komm ein­fach mit.“ Dank­bar sprin­ge ich auf die Lade­flä­che und las­se mir vom Fahrt­wind den Staub São Vicen­tes um die Ohren bla­sen. Ein Gefühl gro­ßer Frei­heit über­kommt mich – ich soll­te öfter auf einem Pick-up mit­fah­ren. An Joani­tas Haus laden wir das Gepäck der Frau­en ab, dann geht es wei­ter zum Gare Mari­ti­ma. Joani­ta quält sich mit mir hin­ten auf die Lade­flä­che. „Ich habe hier eine Woh­nung von 100 Qua­drat­me­tern und zah­le nur 200 Euro im Monat“, erzählt sie mir. „Die Kap­ver­den sind der bes­te Ort, um alt zu wer­den. Letz­tes Jahr hat­te ich Brust­krebs und wur­de ope­riert.“ Sie deu­tet auf ihre stop­pe­li­gen Haa­re. „Aber jetzt geht es mir gut. Ich will den Rest mei­nes Lebens ein­fach genie­ßen.“ Ich bestä­ti­ge ihr, dass sie sich einen echt hüb­schen Ort dafür aus­ge­sucht hat. Joan­ti­ta schreibt mir ihre Tele­fon­num­mer in den Rei­se­füh­rer, falls ich bei mei­ner Rück­kehr nach São Vicen­te Hil­fe brau­chen soll­te. Jedes Mal, wenn ich an die Insel den­ke, den­ke ich nicht an Orte oder Land­schaf­ten, son­dern an die­se fröh­li­che Frau.

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Die Fäh­re von São Vicen­te nach San­to Antão ist das wohl ein­zi­ge Trans­port­mit­tel, das auf den Kap­ver­den wirk­lich pünkt­lich ist. Um Punkt 14 Uhr legen wir ab, dann rei­ten wir wort­wört­lich eine Stun­de lang die Wel­len bis Por­to Novo, den Haupt­ort San­to Antãos.

Eine Insel mit (mehr als) zwei Ber­gen

Auf der nörd­lichs­ten und west­lichs­ten Insel der Kap­ver­den ange­kom­men, wer­de ich erst ein­mal zum Spiel­ball von Fah­rern von Mini­bus­sen, Pick-ups und ande­ren fahr­ba­ren Unter­sät­zen. Ich las­se es an mir abtrop­fen, weiß ich doch genau, was ich will: nach Pon­ta dol Sol im Nor­den. Dort blei­be ich eine Nacht und wan­de­re die Küs­te ent­lang, dann sehe ich wei­ter. Um in das Dorf zu kom­men, brau­che ich ein Sam­mel­ta­xi die Ost­küs­te ent­lang für 450 Escu­dos, knapp 4,50 Euro. „Pon­ta do Sol?“, ruft mir ein jun­ger Mann ent­ge­gen. Auf sei­nem wei­ßen Mini­bus steht ‚Day, P. Sol‘. Ver­stan­den: Der bie­tet Tages­fahr­ten nach Pon­ta do Sol an. Schon lan­det mein Ruck­sack hin­ten im Gepäck­fach. Aber wo sind die ande­ren Rei­sen­den? Der Typ grinst. „Nur für dich allein, wir fah­ren die Stre­cke durch das Lan­des­in­ne­re, über Cova. Die Küs­te ist echt lang­wei­lig. 3000 Escu­dos.“ Mist! Knapp 30 Euro für eine Pri­vat­fahrt habe ich an die­sem Nach­mit­tag eigent­lich nicht ein­ge­plant. Ande­rer­seits woll­te ich die Berg­stra­ße über Cova, angeb­lich eine der schöns­ten der Insel, auf jeden Fall sehen. Ich stei­ge ein. Day hat eigent­lich nichts mit dem eng­li­schen Wort für Tag zu tun, son­dern ist der Spitz­na­me des Fah­rers Odair. Wei­ter erfah­re ich, dass er seit 2006 Tou­ris­ten her­um­fährt. Auf mei­ne Fra­ge, ob er auch schon mal im Aus­land gewe­sen sei, schüt­telt er den Kopf. Sei­ne Ex und ihr Sohn leb­ten zwar in Lis­sa­bon, aber besucht habe er sie noch nie. Statt­des­sen lebe er mit sei­nen Eltern und zwei sei­ner acht Geschwis­ter.

Die kar­ge Berg­land­schaft wird zügig grü­ner, am Stra­ßen­rand wächst Aloe Vera und immer wie­der schaut man in grü­ne Oasen hin­ab. Wir hal­ten am Vul­kan­kra­ter Cor­va do Paúl, doch es ist nicht mög­lich, über­all dort einen Stopp ein­zu­le­gen, wo mein Auge die Berg­land­schaft in einem Foto ver­ewi­gen möch­te. „Hier hat jedes Dorf eine katho­li­sche Kir­che, eine Grund­schu­le und einen Fuß­ball­platz“, erzählt Day. In einem der Dör­fer bremst er, steigt aus und kommt mit einem in Stü­cke geschnit­te­nen Zie­gen­kä­se wie­der. Dazu öff­net er eine Fla­sche mit selbst­ge­mach­tem Pas­si­ons­frucht­punch und kippt mir Eis­wür­fel, die er soeben beim Bau­ern erstan­den hat, in einen Papp­be­cher. Erst, als ich beschwipst den zwei­ten Becher lee­re, fällt mir ein, dass Eis­wür­fel ja auf der Tabu-Lis­te der kap­ver­di­schen Geträn­ke- und Spei­se­kar­te stan­den. Aber jetzt ist es ohne­hin zu spät.

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Auf dem Weg zu neu­en Freun­den

Um kurz vor acht geht’s am nächs­ten Mor­gen los. Die Ber­ge ragen noch düs­ter hin­ter Pon­ta do Sol auf, wäh­rend ich über dem Ort ent­lang­lau­fe. Als Ers­tes sto­ße ich auf eine Unmen­ge Schwei­ne­stäl­le with a view – in bes­ter Mee­res­blick­la­ge – die gera­de von einem Bau­ern aus­ge­mis­tet wer­den. Fast bin ich ein biss­chen nei­disch auf die Tie­re – so einen Blick habe ich von mei­ner Woh­nung nicht.

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Erst, als ich das Dorf Fon­tain­has land­ein­wärts errei­che, quält sich die Son­ne über die Ber­ge. Wol­ken fal­len wie Wel­len über die Berg­spit­zen und ich blei­be mit offe­nem Mund ste­hen, schaue dem Natur­schau­spiel minu­ten­lang zu. Die klei­nen, bun­ten Häu­ser von Fon­tain­has kle­ben in den Ber­gen, inmit­ten der ter­ras­sen­för­mig ange­leg­ten Fel­der und unter schrof­fen Berg­wän­den. Tat­säch­lich soll es das schöns­te Dorf der Kap­ver­den sein. Je näher ich ihm kom­me, des­to üppi­ger wird das Grün. Es gibt Pal­men und Fel­der vol­ler Gemü­se. Und einen Hund, der mich schwanz­we­delnd am Dorf­ein­gang begrüßt. Stolz posiert er auf mei­nem ers­ten Foto von Fon­tain­has, um mich dann unge­fragt zu beglei­ten.

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„Bom dia“, ruft mir ein Bau­er zu, der zwei Was­ser­ei­mer zu sei­nem Feld schleppt. „Ich hei­ße Noel.“ Dabei sieht er mich lüs­tern an. Er sei einer von 80 Dorf­be­woh­nern. Noel ver­schwin­det auf sei­nem Feld, ich gehe wei­ter – der Hund eben­so. Schnell gewin­ne ich mei­nen vier­bei­ni­gen Beglei­ter lieb, nen­ne ihn Bob wegen sei­ner röt­li­chen Far­be – er erin­nert mich an den eigen­sin­ni­gen Kater Bob, über den ich kürz­lich einen Film gese­hen habe. Dann fällt mir auf, dass Bob zur Männ­lich­keit ein ent­schei­den­des Glied fehlt und tau­fe ihn nach por­tu­gie­si­scher Manier in Bobin­ha um. Jedes Mal, wenn ich anhal­te, um ein Foto zu schie­ßen, war­tet Bobin­ha auf mich. Der Wunsch über­kommt mich, das treue Tier anzu­lei­nen, beim Tier­arzt ent­wur­men und imp­fen zu las­sen und für immer an mei­ner Sei­te zu wis­sen.

Im nächs­ten Dorf, Cor­va, sto­ße ich auf einen Kiosk vol­ler Fuß­ball­schals an den Wän­den und will mir eine Cola gön­nen. Ich plau­de­re mit dem schüch­ter­nen Ver­käu­fer, der mir sei­ne Schwä­che für Bay­ern Mün­chen gesteht und stolz auf den dazu pas­sen­den Schal tippt.

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Zurück auf dem Weg ist mei­ne Ent­täu­schung groß: Bobin­ha war mei­ne Cola-Pau­se offen­sicht­lich zu lang. Ich füh­le mich nackt, ein­sam, hat­te ich doch sogar begon­nen, mit dem Hund zu reden und unser gemein­sa­mes Mit­tag­essen zu pla­nen. Lan­ge den­ke ich dar­über nach, wie bescheu­ert west­eu­ro­pä­isch ich doch bin, ein wil­des, glück­li­ches Tier an mich bin­den zu wol­len. Ist es nicht genau das, was ich auch will – frei sein und nur so viel mei­nes Weges mit jeman­dem tei­len, wie ich Lust habe? Den­noch wer­de ich lan­ge an die Hün­din zurück­den­ken, denn was mir bei Rei­sen neben sagen­haf­ten Orten am meis­ten im Gedächt­nis bleibt, sind die Men­schen, die mich ein Stück mei­nes Weges beglei­tet haben – und die Tie­re. Wäh­rend ich zurück zum Küs­ten­pfad lau­fe, den­ke ich über das Rei­sen nach, dar­über, was es mich immer wie­der lehrt: dass es in Ord­nung ist, dass Men­schen – und Tie­re – in mein Leben tre­ten und es dann still­schwei­gend wie­der ver­las­sen. Dass nur eini­ge weni­ge Freund­schaf­ten eine Rei­se über­dau­ern. Was immer bleibt, ist die Erin­ne­rung, und was oft geht, sind klei­ne Stü­cke mei­nes Her­zens, die ich zurück­las­se. Schon in die­sem Moment ahne ich, dass ein Stück­chen auch auf San­to Antão ver­blei­ben wird.

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Hoch über dem wüten­den Atlan­tik geht es wei­ter in Rich­tung des Dor­fes Cru­zin­ha, dem Ziel mei­ner gut fünf­stün­di­gen Wan­de­rung. Eine Stun­de lang sit­ze ich auf Fels­bro­cken und schaue aufs Meer. Ein­fach so. Spü­re die Gischt auf mei­nem Gesicht. Kom­me zu dem Schluss, dass Ärz­te und Psy­cho­lo­gen weni­ger zu tun hät­ten, wenn wir alle öfter am Meer sit­zen wür­den.

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Day hat ver­spro­chen, mich gegen 14 Uhr in Cru­zin­ha abzu­ho­len. Ich ver­traue blind dar­auf, dass er sein Wort hält. Als ich müde dort ein­lau­fe, ent­de­cke ich den wei­ßen Toyo­ta mit der Auf­schrift Day P. Sol. Day lich­tet vor dem Mee­res­pan­ora­ma eine jun­ge Frau, die aus­sieht wie Miss Kap­ver­den, ab. Wer ist das denn? Sekun­den spä­ter bekom­me ich die Ant­wort: Die Schön­heit sieht zwar aus wie eine Ein­hei­mi­sche, kommt aber aus den USA. Nun lebt sie seit einem Jahr auf San­to Antão, um zu schrei­ben. Sele­na, die bald zu mei­ner neu­en Freun­din wer­den soll. Zurück geht es durch das Tal von Gra­ça, eine grü­ne, saf­ti­ge Oase, wo eine Frau, die ich auf etwa 100 schät­ze, unbe­dingt mit mir foto­gra­fiert wer­den will.

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Unter­wegs hal­ten wir noch an einer Grog-Fabrik. Grog, das Natio­nal­ge­tränk der Kap­ver­dia­ner aus Rum, Zucker und hei­ßem Was­ser, ist bil­lig, und manch einer ver­wech­selt es auch schnell mal mit Was­ser, wie ich erfah­re. Mir steigt schon die Kost­pro­be zu Kopf.

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Berg­ab

Die Natur San­to Antãos lockt mich auch am nächs­ten Mor­gen wie­der in mei­ne Wan­der­schu­he. Längst habe ich mei­ne Unter­kunft für wei­te­re Näch­te gebucht – ich möch­te mehr Zeit mit Day und Sele­na ver­brin­gen. Außer­dem habe ich Sele­na über­re­det, mit­zu­kom­men. Früh mor­gens fährt uns ein Kum­pel von Day in die Ber­ge, in denen noch ver­schla­fe­ne Wol­ken hän­gen.

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Am Vul­kan­kra­ter Cova de Paúl beginnt unse­re Wan­de­rung. Der Aus­blick über Ser­pen­ti­nen­we­ge und die sich bis zum Meer erstre­cken­de, grü­ne Berg­land­schaft ver­zö­gert unser Wei­ter­wan­dern erst ein­mal um 30 Minu­ten. Wenn ein ein­zi­ger Blick satt machen könn­te wie eine Cachu­pa rica, das Natio­nal­ge­richt der Kap­ver­dia­ner, dann müss­te ich lan­ge nicht mehr essen.

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Zuerst füh­ren  rut­schi­ge Wege ohne jeg­li­che Ein­zäu­nung im stei­len Win­kel nach unten, wo die Land­schaft immer grü­ner und die ter­ras­sen­för­mi­gen Fel­der zahl­rei­cher wer­den. Wir schau­en zu, wie Bau­ern ihre Zucker­rohr­fel­der bebau­en und die lan­gen Roh­re schnei­den, wie sie auf dem süß-kleb­ri­gen Zeug kau­en, als han­del­te es sich um Kau­gum­mi.

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Schat­ten gibt es kaum, und irgend­wann set­zen wir uns mit schmer­zen­den Knien mit­ten in ein Kohl-Beet unter den ein­zi­gen Schat­ten spen­den­den Baum. Sele­na klagt mir ihr Leid über die kap­ver­dia­ni­schen Män­ner, die sie alle­samt für Machos hält. Von Day hin­ge­gen habe ich erfah­ren, dass er zu Hau­se stän­dig mit­hilft, sogar kocht. Auch die Frau­en sähen fast immer mie­se­pri­me­lig aus – wahr­schein­lich wegen der stän­di­gen Pfif­fe und Anma­chen, so Sele­nas Inter­pre­ta­ti­on. „Vie­les gibt es hier nicht und ich muss war­ten, bis ich nach Euro­pa oder in die USA kom­me“, erzählt sie wei­ter. Zum Bei­spiel sei ihr Lap­top kaputt­ge­gan­gen und auf San­to Antão gebe es weit und breit nie­man­den, der es repa­rie­ren kön­ne. Auch Scho­ko­la­de fin­de sie kaum. „Dafür habe ich aber eine 3‑Zimmerwohnung mit Mee­res­blick für eine Mie­te von 150 Euro im Monat.“

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Die letz­te Stre­cke bis Vil­la de Pom­bas am Meer legen wir für einen Euro pro Per­son mit einem Pick-up zurück. Die Son­ne knallt, der Asphalt strahlt und wir sind müde. Ich bin schon dar­an gewöhnt, nach den schwar­zen Let­tern Day P. Sol auf einem wei­ßen Gefährt Aus­schau zu hal­ten, doch meis­tens kün­digt er sich aus der Fer­ne mit wum­mern­der Musik an. Am Abend spre­che ich mit Day über mei­nen Plan, die nächs­ten Tage Tar­ra­fal an der fer­nen West­küs­te zu besu­chen – einen Ort, den man nur nach mehr­stün­di­ger Pick-up-Fahrt durch die Wüs­te erreicht. Er orga­ni­siert im Hand­um­dre­hen sowohl einen Fah­rer als auch eine Unter­kunft in Tar­ra­fal für mich. Ich muss mir auf ein­mal um nichts mehr Gedan­ken machen – und komi­scher­wei­se fühlt sich das gut an.

Die Wüs­te und die Oase 

In aller Herr­gotts­frü­he holt mich Day ab. Die­ses Mal fun­giert sein Toyo­ta als Sam­mel­ta­xi. Ich set­ze mich auf den ein­zig frei­en Platz neben einer Frau mit einem Plas­tik­be­cher vol­ler Kaf­fee in der Hand. Wäh­rend der Bus über die Stra­ße schau­kelt, hält sie den Becher immer wie­der in die Höhe – genau über mich. Bei jedem Schluck, den sie nimmt, sto­ße ich ein Dan­kes­ge­bet aus. Ich schaf­fe es kaf­fee­fle­cken­frei nach Por­to Novo, wo mich Day dem Pick-up-Fah­rer vor­stellt. Er ver­putzt gera­de eine Cachu­pa rica, den def­ti­gen Ein­topf aus Boh­nen, Kar­tof­feln, Fleisch und vie­lem ande­ren, was dick macht. „In einer Stun­de fah­ren wir!“ Alles klar. Ich tue es ihm gleich und bestel­le auch das Natio­nal­ge­richt. Ich ärge­re mich nicht mehr dar­über, war­ten zu müs­sen, wie ich es zu Hau­se tun wür­de, son­dern genie­ße die Zeit, ein­fach mal nichts zu tun – oder die Fah­rer am Hafen zu beob­ach­ten, wie sie um Kund­schaft von der ein­ge­fah­re­nen Fäh­re buh­len. Dabei weiß ich kaum noch, wel­cher Tag ist. Zeit ist rela­tiv gewor­den. End­lich.

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Irgend­wann geht es los in Rich­tung der sich karg in der Son­ne aus­brei­ten­den Hügel und Ber­ge im Wes­ten, die sich grau-grün vom hell­blau­en Him­mel abset­zen – mit einer Kata­stro­phen­pa­ckung Klo­pa­pier und ein paar Ein­hei­mi­schen auf der Lade­flä­che.

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Auch wäh­rend die­ser Fahrt greift San­to Antão immer wie­der in die Trick­kis­te der Farb­pa­let­te: Um die Ecke ent­fal­tet sich die Land­schaft auf ein­mal saf­tig grün, fällt zum Meer hin ab. Dann wird es wie­der grau und tro­cken. Wir hal­ten gegen­über dem Vul­kan Tope de Coroa, mit 1979 Metern der höchs­te Berg der Insel. Die Stra­ße win­det sich wie eine gehäu­te­te Schlan­ge durch gel­be Fel­der nach unten, bis wir auf die letz­ten zwölf Kilo­me­ter Schot­ter­stra­ße sto­ßen. Ich füh­le mich wie auf dem Mond, als tief unter uns plötz­lich eine grü­ne Oase auf­taucht. Tar­ra­fal. Mein Herz hüpft vor Freu­de, dass ich ein paar Tage in die­sem Para­dies ver­brin­gen darf. Am gefühl­ten Ende der Welt.

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Dort ange­kom­men, begrüßt mich der Spa­ni­er Tomas, Besit­zer des B&B. Er ist begeis­tert von mei­nen Por­tu­gie­sisch-Kennt­nis­sen, legt mir ans Herz, mich mit einem ein­hei­mi­schen Gui­de auf den Weg zu machen. Ande­re Spra­chen könn­ten die wenigs­ten. Tomas erzählt, dass San­to Antão als ein­zi­ge Insel so viel Was­ser habe, dass es sogar nach São Vicen­te gelie­fert wur­de. „Nur Strom, den haben wir in Tar­ra­fal erst 2015 bekom­men. Jeden­falls 24 Stun­den am Tag, vor­her gab es nur sie­ben Stun­den Strom pro Tag.“ Ich möch­te nach der unsanf­ten Fahrt erst ein­mal an dem schwar­zen Sand­strand chil­len. Natür­lich weit weg von der Mar­kie­rung der Wel­len im Sand. Kaum habe ich mich genüss­lich hin­ge­legt, neh­me ich auch schon mit­samt mei­nes Hab und Gut ein Atlan­tik­bad. Als ich den klam­mern­den schwar­zen Sand gera­de in mei­nem Zim­mer aus den Sachen gewa­schen habe und mei­ne Zim­mer­tür abschlie­ßen will, um einen zwei­ten Strand­ver­such mit neu­em Hand­tuch zu star­ten, bricht der Schlüs­sel im Schloss ab. Tomas zuckt mit den Ach­seln. Das Schloss müss­te kom­plett aus­ge­tauscht wer­den, dazu müss­te man eins in Por­to Novo kau­fen. Und Por­to Novo ist Licht­jah­re ent­fernt. Fort­an steht mei­ne Tür Tag und Nacht offen – was mir daheim in Ham­burg schlaf­lo­se Näch­te berei­ten wür­de. In Tar­ra­fal nicht.

Der Abend klingt gemüt­lich aus mit einem eigens von Tomas zube­rei­te­ten Drei-Gän­ge-Menü. Als Vor­spei­se liegt etwas auf mei­nem Tel­ler, das aus­sieht wie Kral­len von irgend­ei­nem Vieh mit Bein­chen dar­an. Auf mei­nen fra­gen­den Blick nimmt die Kell­ne­rin eins der Tei­le, bricht es an den Kral­len ab und hält es mir an den Mund. Ich muss die dar­in befind­li­che Mas­se raus­sau­gen. Sie schmeckt ein­fach köst­lich. Spä­ter erfah­re ich, dass die Spe­zia­li­tät unter dem Namen Prece­bes läuft, ein Ran­ken­fuß­krebs. Danach gibt es einen rie­si­gen Fisch mit einem Hau­fen Kar­tof­feln, Reis und Gemü­se, als Nach­spei­se Apfel mit Pas­si­ons­frucht­so­ße. Ich war lan­ge nicht mehr so voll – und so wunsch­los glück­lich.

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Bin­go!

Pünkt­lich um 7.30 Uhr steht der von Tomas orga­ni­sier­te Gui­de vor mei­nem Früh­stücks­tisch. „Alle nen­nen mich Binga – nicht Bin­go!“ Schon wäh­rend des Früh­stücks erfah­re ich eini­ges über Binga, nicht Bin­go – fast 32 Jah­re alt, wur­de er in Tar­ra­fal gebo­ren, genau wie sei­ne gan­ze Fami­lie. Er kön­ne alles, von Autos repa­rie­ren bis Fel­der abern­ten. Wir machen uns zunächst auf den Weg die Küs­te ent­lang, in Rich­tung von Mon­te Tri­go. Noch liegt der Weg im Schat­ten, noch brennt die schwar­ze Erde zu unse­ren Füßen nicht, aber ich kann mir vor­stel­len, wie heiß es hier gegen Mit­tag wird. Wann der Vul­kan das letz­te Mal aktiv war, weiß jedoch nie­mand. Es dau­ert eine Wei­le, bis wir den Pfad errei­chen, denn Binga bleibt bei jedem Dorf­be­woh­ner ste­hen und hält ein Schwätz­chen. Wie auch im Nor­den von San­to Antão, fal­len die Klip­pen steil zum Meer ab, bricht sich der Atlan­tik am rau­en Gestein. Eine abge­ma­ger­te Zie­ge strolcht den Weges­rand nach Fut­ter ent­lang, wäh­rend sich die Ber­ge zu unse­rer Rech­ten in der sanf­ten Mor­gen­son­ne gelb­lich ver­fär­ben.

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Binga hüpft vor­aus, ver­gisst manch­mal, dass ich auch noch da bin. Ich kom­me mir in mei­nen dicken Wan­der­schu­hen unbe­hol­fen vor, als zwei Frau­en mit schwer bela­de­nen Eimern auf den Köp­fen an mir vor­bei­zie­hen, an den Füßen Flip-Flops. „Schon Schul­kin­der müs­sen jeden Tag run­ter ins Dorf kra­xeln und wie­der zurück. Meis­tens tra­gen nur die Frau­en Sachen auf dem Kopf, Män­ner in der Hand“. Auf mei­ne Fra­ge, ob er ver­hei­ra­tet sei, schüt­telt er den Kopf. „Ich habe zwei Kin­der, aber ich lebe nicht mehr mit der Frau zusam­men. Wir waren nie ver­hei­ra­tet.“ Über­haupt sei es trotz der Viel­zahl an Katho­li­ken nicht üblich, kirch­lich zu hei­ra­ten – man lebe zusam­men und nach sechs Mona­ten füh­le man sich wie ver­hei­ra­tet. Die Kap­ver­dia­ner über­ra­schen mich immer wie­der.

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Wir pas­sie­ren Stein­mau­ern und ‑wege, die laut Binga von den por­tu­gie­si­schen Kolo­ni­al­her­ren in Auf­trag gege­ben und immer wie­der erneu­ert wur­den. Schließ­lich deu­tet er auf einen Strand in der Fer­ne: „Dort arbei­te ich im Som­mer, von Juni bis Okto­ber – ich habe ein Schild­krö­ten­schutz­pro­gramm ins Leben geru­fen!“ Mit leuch­ten­den Augen erzählt er mir von sei­ner Mühe, den Fischern klar­zu­ma­chen, dass die Mee­res­schild­krö­ten geschützt wer­den müs­sen. „Ich schaue den Schild­krö­ten immer nachts zu, wie sie ihre Eier legen. Es ist die schöns­te Sache der Welt!“ Eine Schild­krö­te kön­ne bis zu 400 Eier legen, doch oft über­le­be wegen der vie­len Räu­ber nur ein Klei­nes. „Die Natur ist das Wun­der­bars­te hier auf den Kap­ver­den. Wir haben alles, was wir brau­chen.“ Ich fra­ge mich, wie vie­le Leu­te in Deutsch­land das von sich sagen wür­den.

Irgend­wann machen wir uns auf den Rück­weg zum Dorf, denn Binga möch­te mir auch noch die Land­wirt­schaft erklä­ren. Es geht vor­bei an einem klei­nen Kran­ken­haus, das aus­sieht wie neu. Binga führt mich hin­ein, zeigt mir die klei­nen Zim­mer mit frisch bezo­ge­nen Bet­ten, die an die­sem Tag leer ste­hen. Alles ist blitz­blank und die her­um­ste­hen­den Appa­ra­te sehen moder­ner aus, als ich sie in manch euro­päi­schem Kran­ken­haus gese­hen habe. Dann sind wir wie­der in der Natur. „Die Fami­li­en leben hier ent­we­der von der Fische­rei, von der Land­wirt­schaft oder von Zie­gen“, erklärt Binga. Wir spa­zie­ren hin­ein in die grü­ne Oase rund um Tar­ra­fal. Über­all plät­schert das Was­ser, es grünt und wächst und die Bau­ern ackern auf ihren Fel­dern. Mit einer Arm­ges­te schließt Binga die gesam­ten Fel­der ein: „Das alles ist inha­me.“ Jams­wur­zeln. Mich erin­nern sie an Kar­tof­feln. Außer­dem gibt es Mani­ok, Kar­tof­feln und Zwie­beln, aber auch Papa­ya, Bana­nen und wei­te­re Früch­te.

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Bald sehe ich gar kei­nen Weg mehr und fol­ge Binga über Fels­bro­cken und Pfa­de aus wei­cher Erde, bis wir eine Grot­te errei­chen, in die es von oben tropft. Erleich­tert ver­put­ze ich mein mit­ge­brach­tes Sand­wich, wäh­rend Binga die Nah­rungs­auf­nah­me ver­wei­gert. „Ich kann einen gan­zen Tag wan­dern, ohne zu essen und zu trin­ken.“ Eine Was­ser­fla­sche hat er nicht mal dabei. Dafür aber die nächs­te Über­ra­schung für mich: „Wirst du leicht schwin­de­lig oder hast Höhen­angst?“ Ich ver­nei­ne – ein Feh­ler. Zurück zum Dorf führt er mich quer durch die Ber­ge über Nicht-Wege an den Was­ser­ka­nä­len ent­lang. Ich schwe­be minu­ten­lang über den Tälern, ohne jeden Halt, unter mir ein Weg wenig brei­ter als ein Draht­seil. Binga springt wie eine jun­ge Zie­ge vor­aus, pfeift und singt. Ich bin damit beschäf­tigt, zu über­le­ben.

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Wie eine Ein­hei­mi­sche

Mit dem Pick-up-Fah­rer habe ich ver­ab­re­det, dass er mich am nächs­ten Mor­gen um fünf Uhr gegen­über des B&B wie­der abholt. Der Voll­mond bescheint die sich wild bre­chen­den Wel­len. Außer mir gam­meln noch ein paar jun­ge Typen um die Bäu­me. Plötz­lich stürmt ein Mann mit Woll­müt­ze auf dem Kopf aus einem der Bun­ga­lows und winkt mir zu. „Ich bin‘s, Binga!“ Er will zur Fäh­re nach Por­to Novo. Wir war­ten gemein­sam. „Weißt du, dass männ­li­che Schild­krö­ten 24 Stun­den am Tag Lie­be machen kön­nen?“ Gute The­men­wahl zu nacht­schla­fen­der Stun­de. „Und dass die Fischer des­we­gen frü­her Männ­chen gejagt und ihnen den Penis abge­schnit­ten haben, um ihn in den Grog zu wer­fen? Sie dach­ten, damit wür­de auch ihre Potenz erhöht.“ Sel­ten wer­de ich davon wach, dass ich laut lachen muss, aber an die­sem Tag pas­siert es.

Wie­der hol­pern wir zwölf Kilo­me­ter Schot­ter­pis­te ent­lang. Nur ein paar Zie­gen und deren Besit­zer sind schon auf den Bei­nen, als sich die Son­ne hin­ter den Ber­gen her­vor­schiebt.

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Die­ses Mal geht die Fahrt ohne Stopps ruck­zuck vor­über. Schon bin ich wie­der am Fähr­ha­fen. Sogar Por­to Novo wirkt nach dem abge­schie­de­nen Tar­ra­fal wie eine Groß­stadt. Ich brau­che nicht lan­ge zu war­ten, da sehe ich Days Toyo­ta her­an­brau­sen. Er strahlt. Gemein­sam war­ten wir vor sei­nem Wagen, dass die Fäh­re ein­läuft. Er möch­te mich zwar an einer Stel­le abset­zen, wo ich mei­ne letz­te Wan­de­rung auf San­to Antão star­ten kann, doch da ich nicht zah­len soll, müs­sen das ande­re Fahr­gäs­te für mich tun. Wir ste­hen gegen eine Mau­er gelehnt, bekom­men bald Gesell­schaft von einem Kum­pel Days und des­sen Toch­ter. Alle sind begeis­tert von mei­nem Por­tu­gie­sisch und paar Bro­cken Kreol. Das Gefühl, schon ewig auf San­to Antão zu sein, über­kommt mich. Ich bin nicht mehr die Tou­ris­tin, die um jeden Preis feil­schen muss. Ich ste­he da mit den Ein­hei­mi­schen und hof­fe, dass die Fäh­re gute Kund­schaft aus­spuckt, die schon am frü­hen Mor­gen für den Tages­ver­dienst sorgt.

Dann ist es ist. Das Schiff hat ange­legt, die Pas­sa­gie­re gehen von Bord. Day stürzt sich ins Getüm­mel – und kommt bald mit gefun­de­nem Fres­sen zurück. Einem spa­nisch-deut­schen Paar, Rosa und Tho­mas. Sie wol­len den Bus für den gan­zen Tag buchen. Zuerst beäu­gen sie mich miss­trau­isch. „Wir wol­len die­sen Bus für uns haben!“ Läs­sig erklä­re ich ihnen, dass ich mit dem Fah­rer befreun­det sei und daher Mit­fahrt­recht habe. Anfän­ger!

Bei Chã de Mor­te lässt mich Day raus – an dem Punkt, wo der drei­stün­di­ge Wan­der­weg run­ter nach Xôxô beginnt. Dies sei der schöns­te Weg der Insel. Eigent­lich hat­te ich die­se Wan­de­rung gar nicht im Pro­gramm, doch immer öfter auf Rei­sen las­se ich mei­ne Plä­ne im Ruck­sack wie ein über­flüs­sig gewor­de­nes Klei­dungs­stück. Day ver­spricht, mich vier Stun­den spä­ter in Xôxô abzu­ho­len. Mein Gepäck bleibt in sei­nem Wagen. Ich kom­me lang­sam vor­an, weil mich die Schön­heit der Natur immer wie­der zwingt, mei­ne Kame­ra­lin­se aus­zu­fah­ren. Ich stei­ge auf sich schlan­gen­ar­tig durch die schrof­fe Berg­land­schaft zie­hen­den Pfa­den immer tie­fer. Auch hier wer­den die Ber­ge durch­zo­gen von Ter­ras­sen. Tief unter mir kommt eine grü­ne Oase zum Vor­schein, die mich an Tar­ra­fal erin­nert. Von irgend­wo ertönt Kin­der­la­chen, Insek­ten sum­men um mei­nen Kopf, ansons­ten ist es mucks­mäus­chen­still. Je näher ich dem Tal kom­me, des­to lau­ter wird das Plät­schern von Was­ser, des­to feuch­ter der Boden. Ich krie­che unter Bana­nen­stau­den hin­durch, lau­fe an Pal­men vor­bei, einen Was­ser­ka­nal hin­ab, der aber nicht halb so hals­bre­che­risch ist wie in Tar­ra­fal mit Binga. So ähn­lich habe ich mir das Para­dies vor­ge­stellt.

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Day will mich an dem Restau­rant in Xôxô abho­len, wo wir am ers­ten Abend noch etwas trin­ken waren. Statt Day war­tet dort jedoch eine Grup­pe Tou­ris­ten dar­auf, von einem Pick-up zurück nach Pon­ta do Sol gebracht zu wer­den. „Wie­so muss der Typ so lan­ge sein Auto waschen?“, zetern sie und beäu­gen den Fah­rer. Was für die Besu­cher das Ende einer traum­haf­ten Wan­de­rung ist, dient den ein­hei­mi­schen Fah­rern als Gra­tis­wasch­platz. Ich zucke mit den Schul­tern. Weiß nicht mehr, wann mir Zeit das letz­te Mal etwas bedeu­tet hät­te. Als die Deut­schen gera­de in ihren Pick-up ein­stei­gen, ertönt aus der Fer­ne ein voll auf­ge­dreh­tes Auto­ra­dio. Auch Day spritzt sei­nen Wagen genüss­lich mit dem frei gewor­de­nen Schlauch ab. Ich ver­ste­he – bei der Kon­kur­renz am Hafen ist das Image des Wagens lebens­wich­tig. Und wie Sele­na mir erzählt hat, müs­sen die auf Pump gekauf­ten Wagen erst­mal über vie­le Jah­re bei der Bank abge­zahlt wer­den.

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Ich sit­ze gedul­dig am Stra­ßen­rand und war­te in der Gewiss­heit, dass es irgend­wann wei­ter­geht. Tat­säch­lich kom­me ich eine Stun­de spä­ter in Pon­ta do Sol an. Day setzt mich vor Sele­nas Haus ab – sie hat mir ange­bo­ten, bei ihr zu über­nach­ten. Viel zu schnell ver­geht die Zeit, vor allem, weil ich mit Sele­na bis in die Nacht plau­de­re, als hät­ten wir uns von klein auf gekannt.

Ein schwe­rer Abschied

Auf der Fäh­re zurück nach Min­de­lo spre­che ich mit einem Ukrai­ner. „Drei Tage auf die­ser Insel sind echt genug, ich bin froh, dass es wei­ter­geht“, ver­kün­det er. Mein Blick klebt an den lang­sam ver­schwin­den­den Ber­gen von San­to Antão, ich kämp­fe mit den Trä­nen. Lan­ge den­ke ich dar­über nach, was für unter­schied­li­che Ein­drü­cke ein Ort bei ver­schie­de­nen Per­so­nen hin­ter­las­sen kann. Und dass das, was den Unter­schied macht, letz­ten Endes die Men­schen sind. Ich habe gefun­den, was ich nie gesucht habe: mein ers­tes afri­ka­ni­sches Zuhau­se.

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Nach stren­ger Sicher­heits­kon­trol­le im Flug­ha­fen – man darf Was­ser­fla­schen mit ins Flug­zeug neh­men, muss nur vor­her vorm Sicher­heits­per­so­nal einen Schluck dar­aus neh­men um zu bewei­sen, dass auch kein Gift drin ist – geht es zurück nach Sant­ia­go. Der letz­te Teil mei­nes Aben­teu­ers steht bevor – auf der abge­schie­de­nen Insel Maio.

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