Teneriffa

Ein kanarisches Vulkanfleckchen

Nur sieben Tage lang waren wir über den Jahreswechsel hinweg zu Gast auf der Kanaren-Insel Teneriffa. Dieses Mal hatten wir auf unserer Todo-Liste das Fotografieren und Drohnenfilmen mit Fokus auf vier ganz besondere Locations gelegt.

Natürlich sind auch wie immer andere menschliche Gelüste und Genüsse nicht zu kurz gekommen wie z.B. leckere Tapas und frischen Fisch futtern, spanischen Rotwein schlürfen, die Wärme aufsaugen, zur Ruhe kommen, Sterne und pechschwarzen Nachthimmel auf dem Teide gucken, quatschen und abartige Bergstraßen mit x-Haarnadelkurven fahren. Jeden Tag strahlende Sonne bei rund 21 Grad und blauer Himmel – mal mit mehr, mal mit weniger Wolken. Teneriffa ist immer eine Urlaubsreise wert. Aber davon berichten wir diesmal nicht. Wir möchten uns heute auf vier Schwerpunkte unseres Interesses stürzen und Euch hierüber ein wenig erzählen und zeigen.

SECRET PLACES & VERGANGENE ZEITEN

Wer die Autobahn vom Flughafen Teneriffa-Süd gen Norden entlang fährt, kommt an ihr nicht vorbei: Der Geisterstadt von Abades. Man sieht von Weitem bereits einige der 40 leerstehenden Gebäude. Sie stammen aus einer Zeit, als in Europa der 2. Weltkrieg wütete. Während die Kanaren vom Krieg weitgehend verschont blieben, weitete sich hier eine Lepra-Epidemie aus. 1943 sollte hier ein Krankendorf entstehen, auch “Sanatorio de Abona” genannt, um alle Lepra-Kranken hier zusammenzuführen. Denn es lag ein Fluch auf der Insel: Insgesamt 197 Lepra-Tote und Tausende Erkrankte hatte Teneriffa zu verzeichnen. Und nur dort. Die Lösung sollte ein Sanatorium und ein Krematorium sein. Ein Dorf, das ganz der Lepra-Kranken gewidmet sein sollte. Doch kaum wurden Millionen von Peseten investiert, ließ die Krankheit nach und das Bauvorhaben wurde zurückgezogen. Abades wurde sich selbst überlassen, eine Geisterstadt entstand. Alles verfiel.

Höhepunkt einer Besichtigungstour dort ist die nie fertiggestellte Kirche im Franco-typischen Stil. Ein falscher Schritt und zig Tauben fliegen aus der Kirche, als ob sie sich nicht entscheiden können, ob sie vor der unwirklichen Szenerie fliehen oder vor dem Eindringling, der die bedächtige Ruhe stört. Keine mahnenden Worte oder Absperrungen, die Menschen davor abhalten könnten, diesen unheimlichen Ort zu betreten. Er soll heute auch Anziehungspunkt für okkulte Rituale und paranormale Aktivitäten sein – jedenfalls wenn man einer Webseite aus Teneriffa Glauben schenken mag. So wurden angeblich tote Hühner gefunden, mit Kreide gemalte Symbole auf den Fußböden und vieles mehr. Es wurde auch übermittelt, dass manchmal sehr seltsame Geräusche in der Kirche und ihrer Umgebung zu hören sind. Oder ist es doch nur die Fantasie, die mit einem durchgeht?

Was uns aber mit am meisten beeindruckt und in den fotografischen Bann an diesem Secret Place gezogen hat, waren die kleinen und großen Lichteinfälle und -spiele (so haben wir sie genannt) durch zerborstene Fenster und Türen der alten, verfallenden Gebäude hindurch. Wunderbare kleine und große (Triumph)bögen, rechteckige Öffnungen und Tore, Durchgänge, runde Fenster. Und draußen die gleißend helle Sonne, die an diesem Tag genau aus der richtigen Richtung kam. So entstanden dann Rauten, Kreise, Ovale und Rechtecke auf staubigen Fußböden und Wänden. Hell und leuchtend. Als hätte man weißes Papier in Großformat dort hingelegt oder angeheftet. Manchmal sieht es sogar aus, als hätte das Foto einen Fleck oder Fehler. Aber das ist echt nicht so. Es war einfach ein Vergnügen, dort zu sein. Nicht immer ganz so einfach, sie einzufangen, ohne kleine Ecken und Rundungen im späteren Foto dann abgeschnitten zu haben. Aber macht Euch doch bitte einfach mal selbst ein Bild davon! Der Tag in dieser Geisterstadt war wie vom anderen Stern. Zu keinem Zeitpunkt hätten wir gedacht, dass wir auf einer bekannten Urlaubsinsel weilen ….

VERRÜCKTE ARCHITEKTUR

Andrea ist keine ausgewachsene Architekturfotografin. Linien, Formen, Geometrie, Ordnung von, in oder auf Gebäuden, Türmen oder Hallen standen bislang nicht so sehr im Mittelpunkt ihrer fotografischen Liebe und ist auch nicht so ihr Ding. Aber in Teneriffa war es dieses Mal ein wenig anders als sonst. Erst wollte sie nicht so recht. Nämlich in die Hauptstadt der Insel mit Namen Santa Cruz im Norden mit dem Auto hineinfahren. Aber dann ließ sie sich doch überzeugen. Und enttäuscht wurde sie nicht.

Denn Ziel war das „Auditorio de Tenerife“ am Meeresrand direkt neben dem Hafen gelegen. Es ist eine Kongress- und Konzerthalle, sie wurde vom spanischen Architekten Santiago Calatrava entworfen und im Jahr 2003 fertiggestellt. Der 60 Meter breite Sockel schwingt sich sichelförmig bis 57 Meter hoch und endet nach etwa 100 Metern in einer Spitze über dem hauben- oder muschelförmigen Dach des Gebäudes. Diese Betonsichel hat keine eigentliche Funktion und wird nur zur Beleuchtung des Konzertgebäudes von oben genutzt. Die Außenhaut des Gebäudes ist mit Trencadís verkleidet. Die Millionen Bruchstücke weißer Kacheln verleihen dem Gebäude seine strahlende Wirkung. Die Gesamtwirkung und die exponierte Lage am Hafen erinnern an das Opernhaus in Sydney. Oft wird die Architektur des Gebäudes auch mit einer Welle oder einem Segelboot in Verbindung gebracht. Ein Freund hat sogar folgende Idee dazu: „Ganz klar, das Haus ist nicht von diesem Stern. Von vorne sind die Triebwerke links und rechts doch gut zu sehen!“. Was meint Ihr? Auf jeden Fall findet man beim genauen Hinschauen immer wieder neue Details und Einstellmöglichkeiten. Und das fast in Schneeweiß auf blauem (Himmel-)Hintergrund. Echt ein Traum! Das muss man einfach gesehen haben. Also nix wie hin.

Dieser Architektur jedoch noch nicht genug. Wir hatten ja noch unsere Leuchtturmtour vor uns. Ihr denkt jetzt bestimmt, ja ja, die Dinger kennen wir doch. Aber wir müssen Euch enttäuschen. Nicht alle dieser Lichttürme sehen gleich aus auf der Welt. So bestimmt nicht der Leuchtturm bei Punta del Hidalgo im Norden der Insel. Nichts erinnert an seine originäre Funktion, wenn man unmittelbar vor ihm steht und nach oben blickt. Super futuristischer Stil. Sagt selbst?! Und angetan hatte es uns auch dieser süße Leuchtturm: Er gehört unserer Meinung nach zu den schönsten und ungewöhnlichsten Leuchttürmen dieser kanarischen Insel. Wir finden ihn endlich nach einer Art Irrfahrt durch enge, kleine Gassen zwischen riesigen Bananenplantagen hindurch auf der Westseite des Eilandes. Direkt am Rande des Örtchens namens Buenavista. Der Leuchtturm sieht aus wie eine weiße Raketenstartrampe mit einer überdimensioert großen roten Spirale neben dran. Leider konnten wir die Wendeltreppe nicht besteigen und von oben in die Weite blicken ….

KEINE BANANEN MEHR

Man könnte diesen Abschnitt des Blogs vielleicht auch „Die Bananen-Plantagengeister“ nennen. Wir fahren von unserer Finca nahe Santa Ursula aus in Richtung Südwesten der Insel. Durch das malerische Garachico und Los Silos hindurch bis nach Buenavista, wo es einen traumhaften Golfplatz und ein leckeres Fischrestaurant direkt am Meeresrand namens „El Burgado“ gibt. Von dort gibts nur eine einzige Zufahrt zum Punta de Teno, dem rot-weißgestreiften Leuchtturm auf einem schwarzen, scharfkantigen Lavafelsen am Teno-Gebirge. Diese sehr schmale Straße ist für Privatautos nur noch von Montag bis Mittwoch geöffnet. An sehr steilen Klippenwänden entlang windet sich der Weg entlang in die Höhe bis man wieder unten angelangt in eine Art Ebene kommt, die den Südwestzipfel der kanarischen Insel bildet. Auf dem Weg zum Leuchtturm müssen wir dann jedoch abrupt anhalten.

Zur linken Hand flattern zerrissene feinmaschige Netze an metallenen Längs- und Querstangen. In der Sonne schimmern sie sandfarben, manchmal auch leuchtend meeresgrün. Es herrscht Stille. Niemand ist zu sehen. Wir fahren einen staubtrockenen Weg hoch, um auszusteigen. Es ist ein wenig gespenstisch. Was war das hier? Wir meinen Formen und Figuren zu erkennen, die die feinmaschigen Netzfetzen bilden. Sie bewegen sich leicht im Wind. Durch sie hindurch fallen Sonnenstrahlen. Da sind sie die Geister der ehemaligen Bananenplantage. Andrea fotografiert drauf los, was das Zeug hält. Jede Menge Fantasien kommen einem in den Kopf. Wie in einem Endzeit-Kinofilm….. Es fehlt nur noch Tina Turner, dann ist „Mad Max Teneriffa“ perfekt!

Und jetzt muss auch noch unsere Drohne ran. Andrea lässt sie mit geübter Hand nach oben in den sonnendurchfluteten, fast dunkelblauen Himmel aufsteigen und macht dann Fotos von dem ganzen Drama. Hier lebt nichts mehr. Keine Staude, keine Banane. Wir finden zum Abschluss noch eine Menge verrosteter Bewässerungsrohre und Maschinen. Die Stimmung ist ein wenig gedrückt als wir in Richtung Leuchtturm wieder losfahren.

WOLKEN & WELLEN

Auf dieser Tour erleben wir zum ersten Mal zwei Arten von sensationellen Wellen:

Die ersten auf 2.300 m Höhe. Das ist ein Anblick, den du so schnell nicht wieder vergisst. Gegen späten Mittag erreichen wir vom Süden kommend die „Las Canadas“. Das ist das Gebiet des ehemaligen riesigen Kraters des 3.718 m hohen Vulkans Teide. Vollgefüllt mit rostroter, schwarzer und brauner erkalteter Lava. Eine unwirtliche Gegend. Unnahbar, nicht für Menschen gedacht. Mit mehreren 100 m hohen Bergwänden sieht das „Plateau“ aus wie in einem übergroßen Kochtopf. Wärme, Sonne, wenig Wind. Wir laufen in ein einigermaßen begehbares flaches Gelände hinein und haben gerade noch unser Stativ plus Kamera aufgestellt. Da geht es schon los. Über die Kraterwände kriechen von außen schneeweiße Wolkenberge über deren Rand nach innen in die Caldera hinein. Langsam und bedächtig. Das ist unglaublich! Als würde sie Jemand dort hineinschieben. Sie wabern, werden kleiner und wieder größer. Als wären es riesige Wolken-Ozeanwellen. Der Wahnsinn!

Die zweiten Blick bietet unsere treue Mavic Pro 2-Drohne. Wir befinden uns auf der Nordwestseite der Insel direkt an den Vulkan- und Felsklippen mit weitem Blick auf den Atlantik. Der Kopter macht dank Andrea´s professioneller Drohneneinstellungen wunderschöne Fotos von schneeweißer Wellengischt auf dunkelblau-grünem Ozeanwasser. Gestochen scharf. Es spritzt und zischt unablässig. Und zu guter Letzt dann noch mit super kurzer Belichtungszeit angefertigte Bilder mit dem Teleobjektiv. Die Wellen schimmern manchmal voll türkisfarben. Fast wie in Hawaii. Wir denken uns später, wie traumhaft schön diese Ozeanstimmung und deren Wirkung auf uns war, beruhigend.

Wahrscheinlich nicht das letzte Mal!

 
 

Andrea Dublaski

Ich bin leidenschaftliche Fotografin und bin in meinem Leben viel durch die Welt gereist, immer auf der Suche nach Abenteuern und Wegen, um von Kulturen und Menschen zu lernen. Und reise immer noch. Zusammen mit meinem Mann sind wir Spicy Artworks, meine langersehnte, eigene Mischung aus Fotografie, Freiheit und Kunst.

  1. wunderschön geschriebener Beitrag. Danke. Mach weiter so und weiterhin auch viel Glück und Erfolg mit deinem Blog :)
    Wünsche dir noch viele tolle Momente und Reisen… Gruß aus Berlin, Marcel

    • Hi Marcel, danke für Deine lieben Worte, die echt gut tun. Ich bzw. wir werden auch weiterhin unser Bestes geben. Wir freuen uns natürlich auch, wenn Du unseren „Spicys Newsletter“ abonnierst (versprochen ganz ohne Werbung!). Einfach unsere Webseite besuchen und ganz unten sich eintragen. Dort berichten wir immer von unseren neuesten Aktivitäten und Projekten – so 5 bis 6 mal im Jahr. Wäre prima, danke. LG vom Bodensee Andrea & Matthias

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