Santiago beim Sonnenuntergang
Expedition 6000 ~ Santiago de Chile

Die Entwicklung des Charme

Es braucht mehr als einen Anlauf um diese Stadt zu mögen. Santiago de Chile versteckt sich vor einer zu schnellen Entdeckung, vor den Blicken hinter die Kulissen.

Auf unserer Reise durch Südamerika haben wir die Stadt für unser Drehkreuz auserkoren. Innerhalb von zwei Monaten durchstöbern wir die Stadt in insgesamt drei Etappen. Und mit jeder Etappe wird die Stadt sympathischer.

1. Akt – Die Widerspenstige

Gerade erst gelandet und schon im tiefsten Stadtgewusel. Wir landen frisch und unvoreingenommen in Chile und nehmen den Bus in die Stadt. Nur noch ein Paar Metrostationen und schon sind wir in unserem Hostel. Mit einer vollen Metro haben wir nicht gerechnet und so zwängen wir uns mit unseren fast 30 Kilo Gepäck pro Person und vier Rucksäcken in die überfüllte Metro. Bevor wir überhaupt im Hostel ankommen sind wir stress- und schweißgebadet. Die Dachterrasse des Hostels ist eine willkommene Oase zum Entspannen, auch wenn der Straßenlärm die Ohren beschallt und mich irgendwie nicht runterfahren lässt.

Ankunft in Santiago

Die Anspannung sitzt tief und so nehme ich auch die Stadt wahr. Die Suche nach einem ersten Essen lässt uns in die Stadt entschwinden, sechs-spurige Straßen queren und dem Hunger in die Innenstadt folgen. Wobei wir sind ja eigentlich schon in der Innenstadt. Aber dafür fehlt jedes Gefühl. Die Straßen sind gefüllt mit Autos, Bussen und Menschenmassen. Wir schlängeln uns vorwärts. Hier und da werden Erinnerungen wach von vor sechs Jahren. Aber wirklich kann ich mich nicht mehr erinnern. Wo hatte ich nochmal übernachtet? Wo war das alles? Die Stadt hat es geschafft innerhalb von sechs Jahren sich aus meinen Erinnerungen zu verbannen. Ein komisches Gefühl.

Auf nach Patagonien

Palacio de La Moneda

2. Akt – Die Entdeckung

Mit Ruhe und Gelassenheit hatte die Stadt es schon im 1. Akt nicht so wirklich. Besonders zeigt es sich jetzt, wo wir gerade die Abgeschiedenheit in Patagonien genossen haben. Dafür haben wir etwas mehr Zeit die Stadt aus einem anderen Blickwinkel zu entdecken. Im ersten Akt war eigentlich schon eine Stadtführung geplant, die dann aber unerwarteten Neuplanungen der Reiseroute zum Opfer gefallen ist.

Panorama

Im zweiten Anlauf klappt es aber. Wir erkunden Vormittags den „Cerro San Cristóbal“ und sind erstaunt über die riesige Ausbreitung von Santiago. In dem Bergkessel gelegen, sind die Berge als natürliches Limit die Stadtgrenze. Was aber nicht bedeutet, dass die Stadt nicht riesig sein kann. Um etwas mehr über die Geschichte zu erfahren, schließen wir uns einer Free-Walking-Tour an. Einmal quer durch die Innenstadt. Santiago wird immer vertrauter, dennoch fehlt mir etwas der Blick in die Seele.

Auf nach Bolivien

Streetart

3. Akt – Die Seele

Ein drittes und letztes Mal sind wir in Santiago de Chile. Gefühlt haben wir alles Wichtige gesehen. Die Sehenswürdigkeiten brav abgegrast. Was bleibt ist die Entdeckung der Seele der Stadt. Keine einfache Übung. Von unserer Unterkunft aus starten wir die Suche. Entlang der Avenida Libertador Bernardo O’Higgins laufen wir in Richtung Stadtzentrum mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Vom Plaza de Armas aus laufen wir Zick-Zack bis wir an der Autopista Central ankommen und über eine Fußgängerbrücke in das Viertel Brasil queren.

Friseursalon in Bario Brasil

Hier wird es augenblicklich ruhig. Die Wohnhäuser sind bunt, Straßenkunst ist omnipräsent. Wir queren das Viertel und erreichen Yungay. Die Farbenfreude nimmt zu. Der städtische Charme ist definitiv angenehmer als in der Innenstadt. Es geht ruhiger zu als in dem Künstlerviertel Bellavista am Fuße des Cerro San Cristóbal.

Yungay

Unser Rundgang endet im Viertel „Estación Central“. Hier drängen sich zu bester Tageszeit tausende Menschen vorbei an kleinen Ständen, Läden und Einkaufszentren. Hier pocht das Leben der Hauptstadt. Immer wieder dazwischen Touristen und andere Reisewillige, die sich zu den Busterminals durchschlagen. Vor dem Hauptbahnhof steht ein riesiger Weihnachtsbaum. Es fühlt sich nicht so an, aber in zwei Tagen ist Weihnachten. Zeit nach Deutschland zurück zu kehren.

Auf nach Deutschland…

Weihnachtsbaum in Santiago de Chile

Expedition 6000+

Dieser Artikel ist Teil meiner Serie „Expedition 6000+. Sie führt zwei Monate durch die schönsten Wanderregionen Südamerikas von Patagionen, Bolivien bis zum höchsten Punkt der Reise, dem Aconcagua in Argentinen. Folge der Reise und genieße die weiten Landschaften, hohe Berge und die abwechslungsreiche Kulturen Südamerikas.

Originalpost: http://www.followtheshadow.de/santiago-de-chile/
Dominik Mohr

Dominik folgt seinem Schatten durch die Welt. In einem minimalistischen und einfachen Reisestil wird man von ihm um die Welt geführt und einmal beschleunigt, geht es dann immer weiter. Meist geht die Tour an abgelegene Orte und bringt das tägliche Leben und die Hürden der Menschen näher. Ausgefallene und teilweise auch ungewöhnliche Reiseziele rund um Afrika und den Nahen Osten stehen vereinzelten Reisezielen in den beliebten Gegenden entgegen und zeigen den Kontrast der Welten und der Natur.

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