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Mit dem Kanu durch den Amazonas – Teil 1

Wir sind mit­ten im Ama­zo­nas­ge­biet, das arten­reichste und größte zusam­men­hän­gende Urwald­ge­biet der Erde. Hier auf einer Sand­bank, am Ufer des Rio Napo – fernab von jeg­li­cher Stra­ßen­ver­bin­dung – wol­len wir heute die Nacht verbringen…

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Wir muss­ten aus­ge­se­hen haben, wie zwei Gestran­dete. Einige Minu­ten nach­dem wir diese Auf­nahme gemacht haben, kam ein Tou­ris­ten­boot vor­bei, die sofort ihre Kame­ras zück­ten und Fotos von uns schos­sen. „Jetzt sind wir wirk­lich ange­kom­men. Von Tou­ris­ten zur Touristenattraktion!“
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Abend­stim­mung auf „unse­rer“ Sandbank.
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Abends wer­fen wir meist die Angel aus. Irgend­wie wol­len die Fische aber nicht so rich­tig anbeißen…

Vor drei Wochen sind wir in der ecua­do­ria­ni­schen Klein­stadt Coca los gepad­delt. In einer Kichwa– Gemein­schaft, nahe Coca, hat­ten wir unser Holz­kanu gekauft. Ein hand­ge­mach­tes Kanu, fünf Meter lang und ein­ein­halb Meter breit – genau die rich­ti­gen Maße für uns beide plus Gepäck. Dass die von der Ölin­dus­trie geprägte Stadt Coca inzwi­schen weit hin­ter uns liegt, lässt uns auf­at­men. Dort hatte die ecua­do­ria­ni­sche Marine unser Kanu kon­fis­ziert, mit zurück zum Hafen geschleppt und uns dazu gezwun­gen, das Boot regis­trie­ren zu lassen.

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Alle Leute, die wir vor der Kanu­reise gefragt hat­ten, ob es recht­li­che Beson­der­hei­ten zum Befah­ren des Flus­ses gäbe, sag­ten Nein. Lei­der stimmte das nicht. Nach­dem wir bereits zwei Tages­rei­sen auf dem Fluss unter­wegs waren, griff uns die Marine auf. Sie drohte uns mit recht­li­chen Fol­gen, soll­ten wir uns wei­gern mit ihnen zurük in die Stadt zu fah­ren und das Boot offi­zi­ell regis­trie­ren zu las­sen. Die Pro­ze­dur dau­erte ganze zwei Wochen.
Regen: kostbares Trinkwasser

 

Jetzt aber sind wir hier am Fluss­ufer und beob­ach­ten ganz gebannt die Sze­ne­rie: Eine dicke, dunkle Wolke bewegt sich lang­sam auf uns zu. Den Regen schleppt sie wie einen undurch­dring­li­chen Schleier hin­ter­her. „Heute könnte es viel­leicht klap­pen, mit unse­rer Regen­was­ser-Auf­fang­sta­tion…“, über­lege ich. Ges­tern hat­ten wir mit Hilfe von Bana­nen­blät­ter ver­sucht, Regen­was­ser zu sam­meln, um unsere Was­ser­vor­räte auf­zu­fül­len. Der Regen war aber nicht stark genug oder das Bana­nen­blatt zu klein. Heute soll unsere vier mal vier Meter große Plas­tik­fo­lie als Auf­fang­sta­tion dienen.

 

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All­tag auf dem Fluss; Eine dicke Regen­wolke bewegt sich auf uns zu.
tropische wasserfluten

 

Inzwi­schen hat uns die Regen­front erreicht. Der Regen ist so stark und dicht, dass wir fast nichts mehr sehen kön­nen. „Ahhh, das das ist ja der Wahn­sinn! Das macht unser Zelt doch nie­mals mit!“, brülle ich und laufe zu unse­rem Zelt, dass wir eben auf einer ebe­nen Flä­che im grü­nen Dickicht auf­ge­baut hat­ten. Und tat­säch­lich: Es reg­net so stark, dass das Was­ser keine Mög­lich­keit hat abzu­flie­ßen. „Wir müs­sen einen Was­ser­gra­ben um das Zelt herum aus­he­ben!“ ruft Lisa. Schnell suchen wir unsere Mache­ten und machen uns an die Arbeit. Um uns herum blitzt und don­nert es, der Regen wird immer stärker

Irgend­wann wird uns ein biss­chen gru­se­lig beim Anblick die­ser Was­ser­mas­sen. Denn hier am Fluss gibt es drei Gefah­ren, vor denen uns bis­her alle gewarnt haben: hohe Wel­len, die ent­ste­hen, wenn ein grö­ße­res Schiff an uns vor­bei fährt und unser Kanu zum ken­tern brin­gen könn­ten, plötz­lich auf­tau­chende Stru­del, die manch­mal kleine Boote „ver­schlu­cken“ und in die Tiefe zie­hen und schließ­lich: der sich in weni­gen Stun­den ver­än­dernde Was­ser­stand des Flus­ses. Was eben noch Sand­in­sel war, kann gleich kom­plett im Was­ser versinken.

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Die Häu­ser wer­den auf hohen Stel­zen gebaut, denn wäh­rend der Regen­zeit steigt der Fluss so hoch an, dass die Ufer stark über­schwemmt sind. In eini­gen Flüs­sen des Ama­zo­nas­ge­biets kann der unter­schied­li­che Was­ser­stand zwi­schen der Tro­cken­pe­ri­ode und der Regen­zeit einem Gebäude von acht Stock­wer­ken entsprechen.

Aber wir haben Glück, auch nach drei Stun­den Tro­pen­re­gen bleibt der Was­ser­stand unver­än­dert – wei­ter oben am Fluss scheint es nicht so stark zu regnen.

Als der Regen nach­lässt ist es schon stock­dun­kel. Nach der erfri­schen­den Regen­du­sche machen wir es uns unter unse­rem „Tarb“- der auf­ge­spann­ten Folie – gemüt­lich, zün­den ein klei­nes Feuer an und berei­ten unser Abend­essen zu.

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Wir pad­deln vor­bei an rie­si­gen tro­pi­schen Bäu­men und einer grü­nen, undurch­dring­li­chen Mauer aus dich­tem Wald. Wir kön­nen nur erah­nen, was sich dahin­ter ver­birgt. Obwohl der Ama­zo­nas die welt­weit größte Arten­viel­falt an Flora und Fauna auf­weist, blei­ben die meis­ten Tiere für unsere Augen unsicht­bar. Sie ver­schwin­den ein­fach in die­sem rie­si­gen grü­nen Durcheinander.
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Wir haben uns dem Ryth­mus der Sonne ange­passt. Meis­tens lie­gen wir abends schon um sie­ben Uhr im Zelt, ste­hen aber auch schon um halb fünf am nächs­ten Mor­gen auf.
Wir haben die Wahl: Mükenstich oder Hitzestich

Am nächs­ten Mor­gen steigt leich­ter Nebel aus den Bäu­men auf. Es reg­net nicht mehr, nur ein paar Trop­fen fal­len hie und da von den Blät­tern auf unse­rer Zelt herab. Schwül und feucht klebt die Luft auf unsere Haut.

Auch die Stech­mü­cken, unsere stän­di­gen Beglei­ter, sind schon hell­wach. Seit­dem wir hier unter­wegs sind, haben wir jeden Mor­gen aufs neue die Wahl zwi­schen Mücken­stich oder Hit­zes­tich. Für eines von bei­den müs­sen wir uns zwangs­läu­fig ent­schei­den, denn die lange Jeans, das Hemd und die knie­ho­hen Gum­mi­stie­fel schüt­zen zwar vor Mücken – kön­nen bei den schwü­len durch­schnitt­li­chen 32 Grad aber sehr unan­ge­nehm wer­den. Heute Mor­gen ent­schei­den wir uns erst mal für die Schutz­uni­form gegen die Mücken und krie­chen aus unse­rem Zelt hervor.

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Die Insek­ten war­ten schon ganz gie­rig dar­auf, dass wir aus unse­rem Zelt herauskommen…
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Trotz Mücken­spray sind unsere Füße beliebte Opfer der klei­nen Blut­sauger. Nur die dicken Gum­mi­stie­fel schüt­zen gegen die  Stechmücken.
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Auf die tro­pi­schen Regen­fälle, folgt meist ein tol­les Natur­schau­spiel: Rie­sige, bunte Regen­bö­gen. Manch­mal sogar zwei oder drei übereinander.

Nach unse­rem Früh­stück – es gibt Reis und Banane – fan­gen wir an, das Kanu zu bela­den. Wir haben eini­ges hin und her zu schlep­pen: Zwei große Plas­tik­ton­nen für Lebens­mit­tel­vor­räte, Gum­mi­stie­fel, Ret­tungs­wes­ten, eine Was­ser­feste Tonne für Wert­sa­chen, unsere Ruck­sä­cke, Regen­män­tel, Mache­ten, Paddel…

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Ent­lang des Flus­ses wer­den uns eine Menge kuli­na­ri­scher Spe­zia­li­tä­ten ange­bo­ten: frisch gerös­tete Maden am Spieß…
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Pla­tano oder Koch­ba­nane ist eine Bana­nen­art, die hier in allen mög­li­chen For­men zube­rei­tet wird und zusam­men mit Yuca, bzw. Maniok- einer Wur­zel­knolle, zu den Grund­nah­rungs­mit­teln gehö­ren. Aus der Yuca wird auch das tra­di­tio­nelle Getränk „Chicha de Yuca“ her­ge­stellt. Dazu wird die Knolle zunächst klein gestampft, dann im Mund zer­ge­kaut und wie­der zurück in den Topf gespuckt. Dann wird alles mit Was­ser gemischt, durch ein Tuch gefil­tert und in einem gro­ßen Behäl­ter gela­gert. Nach zwei oder drei Tagen ist das Gemisch aus­rei­chend ver­go­ren und kann als alko­hol­hal­ti­ges Erfri­schungs­ge­tränk getrun­ken werden.
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Manch­mal ver­brin­gen wir län­gere Zeit in einer der klei­nen Sied­lun­gen am Fluss­ufer. Hier tra­gen wir gerade alle zusam­men unser Gepäck in das Haus, in dem wir über­nach­ten wer­den. Spä­tes­tens wenn wir an man­chen Aben­den in den Dör­fern ankom­men, dort mit einer rie­si­gen Schüs­sel Chicha emp­fan­gen wer­den, mit der gan­zen Dorf­ba­gage in der Däm­me­rung Fuß­ball spie­len oder das letzte Licht aus­nut­zen, um gemein­sam im Fluss zu baden, sind alle Stra­pa­zen der Reise vergessen.
Blinder Passagier

 

Wir haben uns ange­wöhnt, alle Sachen genau auf unge­wollte Gäste zu über­prü­fen. Damit sich nicht wie­der, wie vor ein paar Tagen, eine rie­ßige Spinne in unse­rem Boot ver­ir­ren kann.

Aber eigent­lich war die Begeg­nung mit der Spinne schon fast eine kleine Aus­nahme. Das Ama­zo­nas­ge­biet weist zwar die höchste Arten­viel­falt der Erde auf, aber die Tiere leben eher in den Sei­ten­ar­men oder ver­ste­cken sich tief im Wald und im Dickicht der Bäume. An den Ufern hat der Mensch das Régime: Häu­ser, Sied­lun­gen, Plan­ta­gen, Ölplatt­for­men, laute Moto­ren, Ket­ten­sä­gen und Musik­an­la­gen drän­gen die Tiere vom Fluss­rand in den Wald.

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Ein Ölar­bei­ter spült einen Bach aus. Vor zwei Mona­ten ist hier eine unter­ir­di­sche Pipe­line gebro­chen. Das Öl ver­seuchte den nahe­ge­le­ge­nen Bach, der das Öl über meh­rere Hektar Urwald ver­teilte. Auch nach zwei Mona­ten täg­li­cher Rei­ni­gungs­ar­beit, sind immer noch Ölreste vor­han­den. Durch­schnitt­lich kommt es hier in Ecua­dor alle drei Tage zu sol­chen Rohr­brü­chen. Mit ver­hee­ren­den Aus­wir­kun­gen auf den Regenwald.
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Kro­ko­dile und Kai­mane fin­det man nur in den ruhi­gen Sei­ten­ar­men. Das Fleisch der Kai­mane ist sehr begehrt und steht hier regel­mä­ßig auf dem Menüplan.

Heute sind keine blin­den Pas­sa­giere an Bord – also kann es los­ge­hen. Als wir alles ein­ge­la­den haben, fährt mit lau­tem knat­tern ein klei­nes Holz­boot an uns vor­bei. Ein „Schul­bus-Boot“, das die Kin­der der ein­zel­nen Sied­lun­gen am Fluss ein­sam­melt und zur nächst­ge­le­ge­nen Schule fährt. Zwan­zig neu­gie­rige Augen­paare schauen in unsere Rich­tung, „Buon diaaaa!“, rufen uns die Kin­der zu, dazwi­schen lau­tes Geläch­ter und auf­ge­reg­tes Gemurmel.

Christliche Siedlungen

 

Das Ufer des Rio Napos in Ecua­dor ist rela­tiv dicht besie­delt, was sich erst ab der Grenze zu Peru schlag­ar­tig ändert. In kur­zen Abstän­den gibt es kleine Sied­lun­gen, „Com­mu­nas“ genannt, in denen teil­weise bis zu 600 Men­schen leben.

Die meis­ten die­ser Sied­lun­gen haben christ­li­che Namen wie „Santa Elena“ oder „San Fran­cisco“. Frü­her haben die meis­ten Men­schen im Ama­zo­nas­ge­biet als Noma­den gelebt, sie waren nicht sess­haft. Erst die Mis­sio­nare haben die Men­schen zur Sess­haf­tig­keit gebracht und den Sied­lun­gen ihre Namen gegeben.

einzug des Kapitalismus

 

Die Lebens­rea­li­tä­ten ent­lang des Rio Napos und Rio Ama­zo­nas sind heut­zu­tage unglaub­lich viel­sei­tig und viel­schich­tig. Sie ent­spre­chen schon lange nicht mehr dem von Rei­se­agen­tu­ren ver­kaufte Bild, von im Urwald leben­den Indi­ge­nen, die mit Len­den­schurz beklei­det und Speer bewaff­net durch den Wald laufen.

Der Kapi­ta­lis­mus hat längst in die Lebens­wel­ten der Ein­hei­mi­schen Ein­zug gehal­ten. In Ecua­dor kom­men Ölfir­men mit gro­ßen Ver­spre­chun­gen und Ver­lo­ckun­gen in das Gebiet. Zum Aus­gleich für die von den Ölfir­men ver­ur­sach­ten gra­vie­ren­den Umwelt­schä­den wer­den manch­mal Beton­block-Wohn­sied­lun­gen inklu­sive Innen­aus­stat­tung gebaut und es gibt „kos­ten­lose“ Strom- und Was­ser­ver­sor­gung (die Kos­ten dafür, hat die Umwelt ja bereits bezahlt).

Für die Ein­hei­mi­schen wer­den Nied­rig­lohn­jobs in der Ölbran­che ange­bo­ten, wäh­rend die qua­li­fi­zier­ten, stu­dier­ten Ange­stell­ten aus ande­ren Gegen­den in das Gebiet kom­men. Wer Geld hat, kann jetzt end­lich auch Nestlé und Coca Cola am Kiosk kau­fen und spä­ter in der neu ein­ge­rich­te­ten Kran­ken­sta­tion sein Dia­be­tes behan­deln las­sen. Andere, die noch in den tra­di­tio­nel­len Häu­sern leben, die noch jagen und fischen gehen, leben nach Ana­lyse der aus Quito ange­reis­ten Leh­re­rin in „Extre­mer Armut“ und ihnen muss end­lich gehol­fen wer­den, da raus zu kommen.

Tief im Wald, abseits der gro­ßen Flüsse leben aber doch noch Grup­pen, die ihren alten Tra­di­tio­nen nach­ge­hen. Sie haben sich für eine „gewählte Iso­la­tion“ ent­schie­den und wol­len kein Kon­takt zu ande­ren Men­schen. Doch auch diese Grup­pen wer­den immer sel­te­ner. Ille­gale Rodun­gen, Ölplatt­for­men, Gold­su­cher rücken dem Wald und sei­ner Lebens­welt auf die Pelle und drän­gen die Natur immer wei­ter zurück.

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Die Häu­ser sind aus Natur­ma­te­ria­lien gebaut, Holz­bal­ken wer­den mit Lia­nen zusam­men­he­hal­ten, das Dach mit Palm­blät­tern gedeckt. Meis­tens ste­hen zwei Häu­ser neben­ein­an­der: Ein Haus dient als Schlaf­zim­mer- und Auf­ent­halts­raum, das andere als Küche, mit offe­ner Feu­er­stelle und klei­nem Bal­kon, auf dem die Töpfe gespült und Gemüse geschält wird. Fens­ter und Türen gibt es keine. So jeden­falls sehen die Häu­ser in den klei­ne­ren Sied­lun­gen aus…
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Von der Ölin­dus­trie geprägte Siedlung.
Gefahren auf dem Fluss

 

Es gibt keine Stra­ßen zwi­schen den Sied­lun­gen, aber eine menge Boots­ver­kehr auf dem Fluss: Fähr­ver­bin­dun­gen, kleine Trans­port­schiffe für Rei­sende und/ oder Lebens­mit­tel und große Indus­trie­schiffe, die ganze LKWs von einer Ölför­der­platt­form zur nächs­ten transportieren.

Wir sind mit unse­rem motor­lo­sen Pad­del­boot schon fast eine Aus­nahme auf dem geschäf­ti­gen Fluss. Daher haben uns auch viele Leute davor gewarnt, in der Fluss­mitte zu pad­deln. Denn manch­mal wer­den klei­nere Boote ein­fach über­se­hen und kol­li­die­ren mit den gro­ßen Schif­fen. Aber ganz nah am Fluss­rand ent­lang zu pad­deln ist auch nicht die sicherste Lösung: Vor einer Woche sind zwei dicke Bäume ganz knapp hin­ter uns mit einem lau­ten Don­nern ins den Fluss gekracht. Seit­dem pad­deln wir immer in aus­rei­chen­dem Abstand zu den Uferböschungen….

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Wir mit unse­rem Kanu „Lan­ger Weg“.
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Manch­mal las­sen wir uns ein­fach trei­ben. Dann lesen wir, hören Musik oder Hör­spiele oder genie­ßen ein­fach die Ruhe auf dem Fluss.
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…aber nicht ohne „Schutz­an­zug“ gegen die Mos­ki­tos: Hemd, lange Hose und Socken sind obligatorisch.
Piranhas, Schlangen und Stachelrochen

 

Ein kur­zer Blick auf unsere Fluss­karte zeigt, dass wir nur noch wenige Kilo­me­ter von der ecua­do­ria­nisch-perua­ni­schen Grenze ent­fernt sind. Nach weni­gen Pad­del­me­tern bleibt unser Boot plötz­lich mit­ten auf dem Fluss ste­hen. Schon wie­der eine Sand­bank die wir in dem trü­ben Was­ser nicht gese­hen haben.

Nach­dem wir von ein paar Leu­ten am Fluss gehört hat­ten, dass sich auf dem Boden gefähr­li­che Rochen mit lan­gen Sta­cheln tum­meln, die sich mit Wider­ha­ken tief in die Haut boh­ren (selbst durch die Soh­len der Gum­mi­stie­fel hin­durch), klingt die­ses Vor­ha­ben nicht so ver­lo­ckent. Von den Piran­has und Schlan­gen mal ganz abge­se­hen. Aber wir haben keine Wahl: Wir schlüp­fen in die Gum­mi­stie­fel und stei­gen aus dem Boot. Mit ver­ein­ter Kraft zie­hen wir das Kanu von der Sand­bank. Geschafft!

Wenn jetzt sonst nichts mehr dazwi­schen kommt, kön­nen wir gegen Mit­tag in dem Grenz­städt­chen Nuevo Roca­fu­erte sein. Die Erfah­rung mit der Marine in Ecua­dor sitzt uns noch ziem­lich im Nacken und wir hof­fen, dass es an der Grenze zu Peru ein biss­chen geschmei­di­ger ablau­fen wird….

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Yosé zeigt uns die lan­gen Sta­cheln des gefähr­li­chen Rochens. Sie boh­ren sich mit Wider­ha­ken in das Fleisch und hin­ter­las­sen eine große Wunde, die starke Schmer­zen verursacht.

 

Eine Bootstramperin kommt mit

Irgend­wann am Nach­mit­tag kom­men wir in Nuo­eva Roca­fu­erte an. Auf dem Weg zum Immi­gra­ti­ons­büro tref­fen wir auf Isa­bella und Mat­thias. Isa­bella will auch wei­ter fluss­ab­wärts und so bie­ten wir ihr kur­zer­hand an, das Stück bis zur perua­ni­schen Grenze mit uns im Kanu mit­zu­kom­men. Sofort sind wir alle begeis­tert von der Idee und lau­fen ganz auf­ge­regt zum Kanu, um zu gucken, ob wir denn auch zu dritt hin­ein pas­sen. Nach­dem wir alles ein biss­chen hin und her gescho­ben und zusam­men­ge­quetscht haben, ist tat­säch­lich genug Platz für drei Leute. „Hängt das Boot jetzt auch nicht zu tief im Was­ser?“ rufen wir Mat­thias vom Kanu aus zu. „Nein, alles Prima! Sieht sta­bil aus!“

Juhuu, wir haben eine Boot­stram­pe­rin an Bord! Und dann noch ein so wun­der­vol­ler Mensch, mit der wir uns auf Anhieb gut ver­stan­den haben. Mor­gen Früh soll es los gehen: mit einem klei­nen Abste­cher in den Rio Yasuni, der durch Ecua­dors größ­ten Natio­nal­park, den Par­que Natio­nal Yasuni, fließt.

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Zwei Tage sind wir gemein­sam unter­wegs. Nach einem kur­zen Abste­cher in den Rio Yasuni pad­deln wir bis nach Pan­toja. Von dort aus will Isa­bella ein Schiff nach Iqui­tos nehmen.

 

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Orangen pflücken mit der Marine

 

Die ein­zige Hürde, die uns jetzt noch bevor steht, ist die Marine. Alle Boote, die die Grenze pas­sie­ren, wer­den frü­her oder spä­ter sowieso an dem Mari­ne­ge­bäude vor­bei fah­ren müs­sen. Wir haben also keine andere Wahl.

Aber dann erle­ben wir die zweite Über­ra­schung für heute: Wir wer­den freund­lich begrüßt, freund­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass wir ohne  Pro­bleme wei­ter pad­deln dür­fen und zu guter Letzt sogar dazu ein­ge­la­den, mit Oran­gen pflü­cken zu gehen. Soviel Freund­lich­keit von Sei­ten die­ser Staats­ge­walt sind wir gar nicht gewöhnt – ihre Kame­ra­den in Coca hat­ten zwei Wochen lang eine Menge Schi­kane für uns auf Lager.

Als wir schließ­lich von einem Offi­zier den Satz hören „ Ach das ist ja lus­tig, ihr habt ’ne Matri­kel­num­mer an Eurem Kanu? Ist doch ohne Motor. Das habe ich ja noch nie gese­hen“, sind wir ein­fach nur froh, dass wir Coca weit hin­ter uns gelas­sen haben und gespannt dar­auf, was uns noch alles in Peru erwar­ten wird….

Von unse­ren Erleb­nis­sen in Peru erzäh­len wir Euch im nächs­ten Teil!

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Wei­ter im Unbe­kann­ten; noch lie­gen viele Über­ra­schun­gen und Erleb­nisse auf unse­rer Reise mit dem Kanu vor uns…
Cate­go­riesBra­si­lien
  1. Sebastian says:

    Wow! Und ich dachte unsere Wan­der­rei­sen in Schwe­den wären schon „weit“ und „außer­ge­wöhn­lich“. Das ist noch­mal eine andere Dimension.

  2. Pingback:Sport- und Fitnessblogs am Sonntag, 26.08.2018 – Eigenerweg

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