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Sumatra Rain

Mein Po ist im Arsch

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Freie Fahrt für freie Bürger

Gewichtsverlagerung auf Pobacke links. Ein kurzes Strecken der Beine, Rücken gerade… zurückfallen. Dem Krater, der sich im Asphalt auftut, ausweichen. Das nicht StVO-gerecht beladene Tuktuk, das mit einer fünfköpfigen Familie besetzten Motorbike, den mit Ölpalmfrüchten beladenen Laster, alle, überholen, winken, hupen, rufen, …Ööööööööp, und den Gegenverkehr nicht vergessen, Herr Klaus! Der kommt von vorne, links und rechts, aber gerne auch auf der eigenen, linken Seite, ja, Linksverkehr hier. Die andere Arschbacke will auch nicht mehr. Aber bis zur größeren Stadt müssen wir es noch schaffen, vor dem Regen.

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Sumatra Rain

Die Wolken ballen sich schon bedrohlich düster vor uns auf, so wie jeden Nachmittag bisher. Und wenn es anfängt… dann will ich nicht mehr auf der Straße sein! In sieben Stunden regnet es hier auf dem Quadratmeter so viel wie in Stuttgart im ganzen Jahr. Fünf Sekunden reichen, um bis auf die Unnerbux nass zu sein, und auch mit unseren feschen silbernen Regenponchos macht es bei glatter Straße und schlechter Sicht eher weniger Spaß…

Die Freiheit der Straße

Mit einem Motorbike Sumatra zu erfahren, von grünen Reisfeldern geblendet zu werden, durch riesige farnbewachsene Palmenplantagen, unter mächtigen Urwaldriesen auf kurvigen Straßen… ein fantastisches Erlebnis! Wir scheinen Neuland zu betreten, die Motorbikes ermöglichte der nette Hotelmanager des Trav-Fella in Medan, einen Verleih gibt es hier nicht. Dank sei ihm!!!

Manchmal, in der Nähe der Städte, brummt die Straße vor Geschäftigkeit, alles überholt sich, man hupt und weicht gleichzeitig den knietiefen Schlaglöchern aus. Doch oft haben wir die Straßen für uns, und grüßen entspannt die Menschen am Wegesrand.

Kleine Orte, nur ein paar Hütten, die Einheimischen schauen verdutzt, ja perplex, als würde ihnen eine Erscheinung Mohammeds freundlich zuwinken. Aber auch in den Städten staunen die Leute, und es ist ein Wunder, dass sie keine Auffahrunfälle bauen. Viele berappeln sich rechtzeitig und rufen uns lachend ein „Hello, Mister!“ zu. Halten wir, wie so oft, an einer der kleinen Hütten an, um einen Tee zu trinken, oder gebratene Nudeln zu futtern, sammelt sich sogleich die Schar der Nachbarn und Passanten. Und meistens endet es mit einer schüchtern vorgetragenen Frage, die das Wort „Foto“ oder „Picture“ enthält – und routiniert posieren wir mit der Tochter, Papa oder gleich der ganzen freundlichen Familie für den glorreichen Was-Auch-Immer-Moment, der mit der allzeit bereiten Handykamera festgehalten wird.

Long Way Up
Auf unserem Weg von Medan der an der Straße von Malakka liegenden Ostküste hinauf an die Nordspitze Sumatras müssen wir ein paar Kilometer mehr fressen als erwartet – Sumatra ist schließlich die sechstgrößte Insel der Welt, und ein gutes Drittel größer als Deutschland. (Das wir uns erst einmal kolossal verfahren haben schiebe ich mit Gleichmut auf unsere hübsche Straßenkarte, die nicht viel mit der Realität zu tun hat.) Als wir nach drei Tagen Banda Aceh erreichen, haben wir über 800 Kilometer gerissen – und brauchen eine Pause. Auf den halbautomatischen 125er-Roller-Motorbike-Zwittern kann man gemütlich bei 50 bis 80 km/h reisen, aber irgendwann zwickt der Po und Rücken ganz gewaltig…

Fotos. Hier.

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10 Kommentare

  1. Josh, am

    Hahah „bis auf die Unnerbux“! Bin jetzt wieder zuhause…Früuhling kommt nach 3 Montaten Sommer und dann kommt wieder Sommer…toll! :) Bin mal auf den ersten Regentropfen hier gespannt, auch lange nicht gesehen!
    Bin im Senegal auch mal Motorrad gefahren mit ähnlicher Ausstattung, das ist als würde jemand einem mit dem Föhn direkt in die Augen föhnen! :D

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  2. Marc Wiegelmann, am

    Ich lach mich schepp! :D Unnerbux und so :P man ey das ist echt geil – ich schau immer mal wieder das Lichtbildarchiv durch und bin begeistert man findet immer mal wieder was, was man noch nicht gesehen hat – echt toll!

    In diesem Sinne einen schönen Tag dem Reisenden! Oder Nacht? Egal. Schön muss es sein!

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