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7 Aspekte der Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung, wenn Ihr Euch Aben­teu­ern stellt!

Michael Wigge Grand canyon

Als ich mich auf meine Reise ohne Geld bis ans Ende der Welt begab, erwar­tete mich nicht nur ein phy­si­sches Aben­teuer, son­dern auch eine Reise der Selbst­ent­de­ckung und Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung. Also, wie lief die Reise ab?

Um Essen zu bekom­men, musste ich ein­falls­reich sein. Ich bot meine Dienste an, sei es durch das Erzäh­len von Wit­zen auf der Straße, das Zei­gen von Hand­stand­küns­ten oder das Rei­ni­gen von Autos für eine Mahlzeit. 

Für Unter­künfte hatte ich zwei Mög­lich­kei­ten: Ent­we­der schlug ich mein Zelt auf, wo immer ich einen siche­ren Platz fand, oder ich nutzte Couch­sur­fing, um bei gast­freund­li­chen Men­schen unter­zu­kom­men. Es war erstaun­lich, wie offen und herz­lich die Men­schen waren, die mir eine Über­nach­tungs­mög­lich­keit boten.

Um von einem Ort zum ande­ren zu gelan­gen, war ich auf das Tram­pen ange­wie­sen. Eine der auf­re­gends­ten Etap­pen mei­ner Reise war die Arbeit auf einem Con­tai­ner­schiff, das den Atlan­tik über­querte. Ich bot meine Arbeits­kraft im Aus­tausch für eine Pas­sage an Bord an. Es war eine Arbeit echt außer­halb mei­ner Kom­fort­zone, wie z.B. Ölwech­sel an einer 23000 PS Maschine zu machen.

Von Ber­lin bis zur Ant­ark­tis ohne einen Cent in der Tasche zu rei­sen stärkte meine Wider­stands­kraft. Hier sie­ben Aspekte, wie sol­che Chal­lenges jedem etwas brin­gen können:

1) Kon­fron­ta­tion mit Ängs­ten und Befürchtungen

Die Kon­fron­ta­tion mit mei­nen Ängs­ten war eine der ers­ten und inten­sivs­ten Lek­tio­nen mei­ner Reise. Als ich in Las Vegas ste­cken blieb und die Hitze mir zu schaf­fen machte, hatte ich Sor­gen und Befürch­tun­gen. Die Angst, dass ich mög­li­cher­weise nicht mehr wei­ter­kom­men könnte, war recht stark. Doch gerade in sol­chen Momen­ten lernte ich, meine Ängste zu erken­nen, zu akzep­tie­ren und zu kon­fron­tie­ren. Es war eine men­tale Ach­ter­bahn­fahrt, bei der ich lernte, meine inne­ren Dämo­nen zu bezwingen. 

Mein Tipp:  Ängste kann man nach ihrer Stärke von 1–10 ska­lie­ren. Wenn ich merke, dass Angst recht stark ist, also zum Bei­spiel eine 7 von 10, kon­zen­triere ich mich auf die Zahl und weni­ger auf das Gefühl. Ich weiß, dass die Zahl sin­ken wird. Sobald es eine sechs oder fünf wird, weiß ich, dass ich durch das Schlimmste hin­durch­ge­gan­gen bin, ohne in die Abwehr oder Flucht vor dem Gefühl gegan­gen zu sein.

2) Ver­än­de­rungs­be­reit­schaft gestärkt

Meine Reise erfor­derte eine per­ma­nente Ver­än­de­rungs­be­reit­schaft. Fle­xi­bi­li­tät war das A und O. Mal musste ich als char­mante Stra­ßen­be­kannt­schaft über­zeu­gen, mal als Farm­hel­fer bei den Amish-Bau­ern in Ohio ein­sprin­gen. Es war ein stän­di­ges Hin und Her zwi­schen ver­schie­de­nen Rol­len und Lebens­wel­ten in ins­ge­samt elf ver­schie­de­nen Kul­tu­ren. Aber genau die­ses Cha­mä­leon-Ver­hal­ten hat mich nach­hal­tig gestärkt.

3) Übung außer­halb der Komfortzone

Die Reise war eine per­ma­nente Lern­zone, die mich weit außer­halb mei­ner Kom­fort­zone brachte. Das Anspre­chen von Men­schen für Tausch­de­als war ein täg­li­ches Ritual, das mir zeigte, wie wich­tig es ist, sich neuen Situa­tio­nen zu stel­len. Es war eine Übung, Ableh­nun­gen aus­zu­hal­ten und nicht als Nie­der­lage zu wer­ten, die mich stär­ker machte. Aber Vor­sicht: Wenn man zu viele Risi­ken ein­geht und sich Din­gen stellt, die einen kom­plett über­for­dern, kann man in die Panik­zone geraten! 

4) Krea­ti­vi­tät war gefor­dert und gefördert

Ohne Geld war Krea­ti­vi­tät mein bes­ter Freund. Ich musste immer wie­der neue Wege fin­den, um vor­an­zu­kom­men. Ob als mensch­li­ches Sofa in Las Vegas (Pas­san­ten konn­ten sich für einen Dol­lar auf mei­nem Rücken aus­ru­hen, als ich auf dem Bür­ger­steig auf allen Vie­ren kniete) oder als Las­ten­trä­ger für Tou­ris­ten in Peru um kos­ten­los die Inka Stadt Machu Pic­chu in den Anden zu errei­chen. Es war eine echte Her­aus­for­de­rung, aber auch eine Mög­lich­keit, meine Gren­zen zu tes­ten und über mich selbst hinauszuwachsen.

5) Resi­li­en­z­stei­ge­rung

Die Reise brachte mich immer wie­der an meine Gren­zen. Doch ich lernte, meine Resi­li­enz nach und nach etwas zu stär­ken und wei­ter­zu­ma­chen. Lösungs­ori­en­tier­tes Han­deln, Netz­wer­ken und die Fähig­keit, auch in schwie­ri­gen Situa­tio­nen opti­mis­tisch zu blei­ben, waren dabei gute Lern­ef­fekte.  Hier die Sie­ben Säu­len der Resi­li­enz. Schaut mal, wel­che Qua­li­tä­ten Ihr ver­bes­sern wollt:

  • Selbst­wahr­neh­mung: Die Fähig­keit, die eige­nen Gefühle und Gedan­ken wahr­zu­neh­men und zu verstehen.
  • Selbst­re­gu­la­tion: Die Fähig­keit, Emo­tio­nen zu regu­lie­ren und ange­mes­sen dar­auf zu reagieren.
  • Selbst­wirk­sam­keit: Der Glaube an die eige­nen Fähig­kei­ten, Her­aus­for­de­run­gen zu bewäl­ti­gen und Ziele zu erreichen.
  • Opti­mis­mus: Die Fähig­keit, auch in schwie­ri­gen Situa­tio­nen opti­mis­tisch zu blei­ben und Hoff­nung auf eine posi­tive Zukunft zu bewahren.
  • Ver­bin­dung zu ande­ren: Die Fähig­keit, soziale Unter­stüt­zung anzu­neh­men und Bezie­hun­gen aufzubauen.
  • Ziel­ori­en­tie­rung: Die Fähig­keit, klare Ziele zu set­zen und dar­auf hin­zu­ar­bei­ten, auch wenn Hin­der­nisse auftreten.
  • Pro­blem­lö­sungs­kom­pe­tenz: Die Fähig­keit, Pro­bleme anzu­ge­hen und kon­struk­tive Lösun­gen zu fin­den, anstatt sich von ihnen über­wäl­ti­gen zu lassen.

6) Prio­ri­tä­ten set­zen, Gren­zen set­zen und planen

Ohne Geld war es essen­zi­ell, Prio­ri­tä­ten zu set­zen und effek­tiv zu pla­nen. Jeden Tag musste ich genau über­le­gen, wo und wie ich meine nächste Unter­kunft bekom­men würde, wie ich an Essen gelan­gen und wie ich wei­ter­rei­sen könnte. Es war eine Übung in Selbst­or­ga­ni­sa­tion und Dis­zi­plin, die mir half, mei­nen Fokus auf das Wesent­li­che zu len­ken und meine Ziele zu erreichen. 

Gren­zen set­zen war super schwer, da es tolle Ange­bote am Weges­rand gab. Ver­schie­denste Men­schen boten mir an, eine Woche bei Ihnen zu blei­ben, meine Route zu ver­än­dern und bei ande­ren Aben­teu­ern mit­zu­ma­chen. Aber genau das ging nicht, um meine Chall­enge zu bestehen.

7) Selbst­mo­ti­va­tion und Durchhaltevermögen

Es gab Momente auf mei­ner Reise, wo ich regel­recht am Boden war und meine Moti­va­tion run­ter­ging. In Peru hatte ich bei einem Kol­le­gen über­nach­tet, und lei­der gab es einen Woh­nungs­brand. Wir konn­ten uns in Sicher­heit brin­gen, aber danach hatte ich über­haupt keine Lust mehr, ohne Geld zu reisen.

Ich lernte, mich selbst zu moti­vie­ren und kleine Zwi­schen­ziele zu set­zen und Feed­back ein­zu­ho­len, um wei­ter­zu­ma­chen. Die Fähig­keit, auch in schwie­ri­gen Zei­ten durch­zu­hal­ten und mein Ziel vor Augen zu behal­ten, war ent­schei­dend, um die Ant­ark­tis zu errei­chen. Es war ein inne­rer Kampf, nicht in die Opfer­rolle zu fallen.

Fazit: Raus aus der Kom­fort­zone und rein ins Abenteuer!

Letzt­end­lich habe ich gelernt, dass wahre Aben­teuer nicht nur im Äuße­ren lie­gen, son­dern vor allem in unse­rem Inne­ren. Es geht darum, unsere Gren­zen zu erken­nen und zu über­win­den, unse­ren Mut zu fin­den und unse­ren eige­nen Weg zu gehen. Es ist ein Weg, der uns lehrt, wer wir wirk­lich sind und was wir wirk­lich wol­len. Also, los, wor­auf war­test Du noch!

Cate­go­riesWelt
Michael Wigge
Michael Wigge

Der Motiationsspeaker und Abenteurer Michael Wigge hat sich darauf spezialisiert, unglaubliche Challenge-Geschichten zu dokumentieren. "Ohne Geld bis ans Ende der Welt“ und „Wigges Tauschrausch" (als er einen Apfel in ein hawaiianisches Traumhaus nur durch das Tauschen verwandelte), sind nur zwei seiner Reiseaktionen.
Sein Selbstversuch „Ohne Geld bis ans Ende der Welt“ wurde zum Erfolg. Das ZDF verlieh ihm dafür den VJ Award in der Kategorie „Bester Videojournalist-Newcomer“. Die Reportagereihe wurde in Deutschland für den Grimme Preis nominiert.
Wigges Firmenseminare und Vorträge basieren auf seinen Abenteuererfahrungen. Er unterstützt damit Mitarbeiter*innen und Führungskräfte und als Speaker für Motivation, Resilienz, Zeitmanagement und mentale Gesundheit in den USA und in Deutschland.

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