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Durch den Balkan im Zug

Ich liebe Zugfahren

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Ich liebe Zugfahren. Vor allem, wenn ich ein ganzes, mit hellblauem Plüsch gepolstertes Abteil für mich allein habe. Die Fenster tatsächlich öffnen kann. Kaffee von freundlichen Schaffnern serviert wird, die gerne auch ein paar Sätze auf Deutsch plaudern.

Es insgesamt nur drei Waggons gibt, von denen einer das Bordrestaurant ist. Der Blick über die sonnenbeschienen Felder schweift, die, gefleckt mit rotem Mohn, an mir vorbeiruckeln.

Mal ein Bauerndorf, ein kurzer Halt an einem Provinzbahnhof. Kinder winken.

Die Strecke zwischen Belgrad und Sarajewo wurde erst vor ein paar Monaten wieder eröffnet, und ist nicht gerade das, was man effektiv nennen kann. Bei einer direkten Verbindung wären etwa 250 Kilometer nach Südwesten zu überwinden; Wir fahren jedoch erst einmal nordwestlich nach Kroatien, um dann nach Süden umzuschwenken. Das dauert dann etwa zehn Stunden, vier Passkontrollen, viele Ticketchecks.

Der serbische Grenzbeamte fragt, ob ich wegen dem Elton John-Konzert in Belgrad gewesen sei. Der Kroatische drückt seinen Stempel erst nach ausführlichen Erkundigungen per Funkgerät in meinen noch so blanken Reisepass. Das bosnische Model, was sich als Grenzschützerin verkleidet hat, macht’s ohne Worte.


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15 Kommentare

  1. Lukas, am

    Zugfahren the good old style.
    Und wiedermal würde ich gerne mit Dir tauschen. Sitze hier mal wieder an the never ending story called „Stadtgeschichte“.

    Warum gibts kein Foto von der netten Grenzerin?

    PS: Denglisch rocks

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    • Lukas, am

      Übrigens: made some little bugfixing. Auf den Archivseiten hatten die Zeilenabstände der headlines nicht gepasst und habe überall die Kategorien mit Bullets statt mit Bindestrichen getrennt.

      PS: Denglisch rocks immer noch

  2. Soisteswirklich, am

    Es ist eine große Freude, Dich bei Deiner Reise zu begleiten.
    Ich wünsche Dir eine gute lausfreie Matratze und grüße Dich mit dem Schaolin-Spruch des Tages:

    „Ein Boot, das nicht angebunden ist, treibt mit dem Strom.“

    Gut, dass du mit dem Zug unterwegs bist.

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  3. Anita, am

    :D Die Polster sind die wirklich kuschlig, plüschigsten die ich je gesehen habe. Und diese herlich fröhliche Farbe! Kann das schlummerbedürfniss sehr gut nachvollziehen. Im Gegensatz zu meinem alten Bekannten dem ICE… *eyesroll*
    Meine Sonntagsheimfahrt war wieder sehr unerquicklich.

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  4. Imam, am

    Juanito, zu deiner beschaulichen Fahrt kann ich nur sagen:
    „Slow is beautiful…“ und sehr gut zum Auskurieren von heftigem Schnupfen… ;)
    Sieht sehr gemütlich aus in deinem strahlend blauen Plüschsofa-Privat-Abteil,ohne mausgrau, beigebraun, gelbbraun…
    bist du inzwischen angekommen???

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  5. Philipp, am

    Das ist mal Entschleunigung. Sieht herrlich aus, auch ich würde gerne den Platz mit Dir tauschen. Ich hoffe, Du erlebst Schönes und bist den Schnuppen los. Liebe Grüße ausm Schietwetter-Norden, de Kusängg

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  6. Susan, am

    Klys!

    du machst es genau richtig: Kein Timetable haben (denglisch find ich dufte!) und keiner festen Route folgen!
    Deine Berichte und Beobachtungen lesen sich fantastisch und bei den Fotos werd ich ein bisschen neidisch bezueglich deines Talents (warum kann nicht ich…?).
    Nun ja, es gruesst herzlichst aus dem „Nepper Schlepper Bauernfaenger“-Land Peru, Susan

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    • klys, am

      grüße zurück nach peru und danke für die lieben worte! muss allerdings das kompliment zurückgeben, lese euer berichte mit vergnügen! habt ihr pläne, wie es weitergeht?

  7. Ronja, am

    hi, dein blog ist wirklich beeindruckend, muss mir alles mal in ruhe anschauen…
    Aber das witzigste ist, dass ich genau 2 Tage früher mit dem gleichen, vielleicht sogar selben (die Polster sahen genauso aus), zug gefahren bin :)

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