Ich liebe Zug­fah­ren. Vor allem, wenn ich ein gan­zes, mit hell­blauem Plüsch gepols­ter­tes Abteil für mich allein habe. Die Fens­ter tat­säch­lich öff­nen kann. Kaf­fee von freund­li­chen Schaff­nern ser­viert wird, die gerne auch ein paar Sätze auf Deutsch plaudern.

Es ins­ge­samt nur drei Wag­gons gibt, von denen einer das Bord­re­stau­rant ist. Der Blick über die son­nen­be­schie­nen Fel­der schweift, die, gefleckt mit rotem Mohn, an mir vorbeiruckeln.

Mal ein Bau­ern­dorf, ein kur­zer Halt an einem Pro­vinz­bahn­hof. Kin­der winken.

Die Stre­cke zwi­schen Bel­grad und Sara­jewo wurde erst vor ein paar Mona­ten wie­der eröff­net, und ist nicht gerade das, was man effek­tiv nen­nen kann. Bei einer direk­ten Ver­bin­dung wären etwa 250 Kilo­me­ter nach Süd­wes­ten zu über­win­den; Wir fah­ren jedoch erst ein­mal nord­west­lich nach Kroa­tien, um dann nach Süden umzu­schwen­ken. Das dau­ert dann etwa zehn Stun­den, vier Pass­kon­trol­len, viele Ticketchecks.

Der ser­bi­sche Grenz­be­amte fragt, ob ich wegen dem Elton John-Kon­zert in Bel­grad gewe­sen sei. Der Kroa­ti­sche drückt sei­nen Stem­pel erst nach aus­führ­li­chen Erkun­di­gun­gen per Funk­ge­rät in mei­nen noch so blan­ken Rei­se­pass. Das bos­ni­sche Model, was sich als Grenz­schüt­ze­rin ver­klei­det hat, macht’s ohne Worte.


Johannes Klaus

Johannes Klaus hängte seinen Job als Grafikdesigner an den Nagel, um 14 Monate um die Welt zu reisen. Seine Website Reisedepesche wurde 2011 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. In unbeobachteten Momenten streichelt er den Preis zärtlich, besteht ansonsten aber darauf, dass ihm so was völlig egal sei.

  1. Ronja says:

    hi, dein blog ist wirk­lich beein­dru­ckend, muss mir alles mal in ruhe anschauen…
    Aber das wit­zigste ist, dass ich genau 2 Tage frü­her mit dem glei­chen, viel­leicht sogar sel­ben (die Pols­ter sahen genauso aus), zug gefah­ren bin :)

  2. Susan says:

    Klys!

    du machst es genau rich­tig: Kein Time­ta­ble haben (deng­lisch find ich dufte!) und kei­ner fes­ten Route folgen!
    Deine Berichte und Beob­ach­tun­gen lesen sich fan­tas­tisch und bei den Fotos werd ich ein biss­chen nei­disch bezue­g­lich dei­nes Talents (warum kann nicht ich…?).
    Nun ja, es gru­esst herz­lichst aus dem „Nep­per Schlep­per Bauernfaenger“-Land Peru, Susan

    1. klys says:

      grüße zurück nach peru und danke für die lie­ben worte! muss aller­dings das kom­pli­ment zurück­ge­ben, lese euer berichte mit ver­gnü­gen! habt ihr pläne, wie es weitergeht?

  3. Philipp says:

    Das ist mal Ent­schleu­ni­gung. Sieht herr­lich aus, auch ich würde gerne den Platz mit Dir tau­schen. Ich hoffe, Du erlebst Schö­nes und bist den Schnup­pen los. Liebe Grüße ausm Schiet­wet­ter-Nor­den, de Kusängg

  4. Imam says:

    Jua­nito, zu dei­ner beschau­li­chen Fahrt kann ich nur sagen:
    „Slow is beau­ti­ful…“ und sehr gut zum Aus­ku­rie­ren von hef­ti­gem Schnupfen… ;)
    Sieht sehr gemüt­lich aus in dei­nem strah­lend blauen Plüschsofa-Privat-Abteil,ohne maus­grau, beige­braun, gelbbraun…
    bist du inzwi­schen angekommen???

  5. Anita says:

    :D Die Pols­ter sind die wirk­lich kusch­lig, plü­schigs­ten die ich je gese­hen habe. Und diese her­lich fröh­li­che Farbe! Kann das schlum­mer­be­dürf­niss sehr gut nach­voll­zie­hen. Im Gegen­satz zu mei­nem alten Bekann­ten dem ICE… *eyes­roll*
    Meine Sonn­tags­heim­fahrt war wie­der sehr unerquicklich.

    1. klys says:

      heute in einem alten schwe­di­schen, in mas­si­vem holz aus­ge­stat­te­ten zug gefah­ren. das ist rei­sen mit stil…

  6. Soisteswirklich says:

    Es ist eine große Freude, Dich bei Dei­ner Reise zu begleiten.
    Ich wün­sche Dir eine gute laus­freie Matratze und grüße Dich mit dem Schao­lin-Spruch des Tages:

    „Ein Boot, das nicht ange­bun­den ist, treibt mit dem Strom.“

    Gut, dass du mit dem Zug unter­wegs bist.

  7. Lukas says:

    Zug­fah­ren the good old style.
    Und wie­der­mal würde ich gerne mit Dir tau­schen. Sitze hier mal wie­der an the never ending story cal­led „Stadt­ge­schichte“.

    Warum gibts kein Foto von der net­ten Grenzerin?

    PS: Deng­lisch rocks

    1. Lukas says:

      Übri­gens: made some little bug­fi­xing. Auf den Archiv­sei­ten hat­ten die Zei­len­ab­stände der head­lines nicht gepasst und habe über­all die Kate­go­rien mit Bul­lets statt mit Bin­de­stri­chen getrennt.

      PS: Deng­lisch rocks immer noch

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