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Und der König sprach zu ihm: Geh hin in Frieden! Da machte er sich auf und ging nach Hebron. 2. Sam 15,9

Alle sind gleich, aber manche sind gleicher

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In Hebron sind ein paar Tausend Soldaten stationiert, um einige hundert Einwohner zu schützen – das ist die erste Info, die wir bekommen. Auch in den Zeitungen wird Hebron regelmäßig als das Hauptquartier der Hamas im Westjordanland genannt. Dann muss es ja wirklich gefährlich dort sein, denkt man sich. 

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Irgendeine Begründung braucht es ja auch für dieses Zahlenverhältnis – überhaupt für die Stationierung von israelischen Soldaten in einer Stadt, die nicht auf israelischem Staatsterrain liegt, sondern mitten im Westjordanland.

Die Soldaten schützen übrigens die jüdischen Siedler, die sich dort seit den 60er Jahren niederlassen. Mittlerweile ist die wunderschöne Altstadt fast vollständig eine jüdische Enklave, stark bewacht von den Soldaten und zugangsbeschränktes Gebiet. Die palästinensischen Einwohner haben keinen Zutritt.

Die Situation vor Ort ist makaber. Wir dürfen zwar alle Bereiche der Stadt besuchen, fühlen uns aber nicht richtig wohl bei dem Gedanken, dass dies den Einheimischen verwehrt ist.

Wir spazieren durch die Gassen des Basars, unser Blick schweift nach oben. Ein Drahtgeflecht zieht sich über unseren Köpfen hinweg. Einige palästinensische Kaufmannshäuser sind von jüdischen Siedlern okkupiert worden, bei anderen haben sie ein zweites Haus oben drauf gebaut.

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Der Maschendrahtzaun über uns dient dem Schutz der Passanten im Basar. Von oben wurden immer wieder größere Gegenstände geworfen; jetzt nur noch Fäkalien, die lässt der Zaun noch durch.

Ich bin schockiert. Schweigend gehen wir weiter.

Es folgen mehrere Militärposten. Ich werde nach meiner Religion gefragt, antworte christlich, darf passieren.

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Wir nähern uns der Machpela, den Gräbern der Patriarchen, in denen Abraham, Jakob, Isaak und ihre Frauen begraben liegen. Für beide Religionen, Islam und Judentum ist dies eine der wichtigsten religiösen Stätten und Ursache für den Konflikt in Hebron.

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Der religöse Komplex ist in zwei Teile getrennt, einen jüdischen, einen muslimischen. Durch das Gitterfenster am anderen Ende des Grabes kann ich Juden bei der Andacht zusehen.

Gemeinsam beten wäre ja auch zu schön.

Aber nach dem Attentat 1994 von Baruch Goldstein undenkbar.

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Dahinter beginnt eine wahre Geisterstadt. Die Geschäfte sind geschlossen. Die Strassen leer. Eine Kutsche wirbelt Staub auf und ein gepanzertes Fahrzeug kommt vorbei gerollt. Die Strasse ist in zwei Wege getrennt. Rechts für Palästinenser, links für Juden. Palästinenser dürfen jüdische Wege nicht benutzen.

Ein Disaster für die paar verbliebenen palästinensischen Familien auf der nun jüdischen Seite. Sie mussten ihren Betrieb schließen, es gibt keine Kunden mehr für sie. Jetzt bewirten sie die paar Touristen, die in Hebron vorbeischauen. Uns auch. Die Stimmung ist gedrückt.

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Der jüngste Sohn versucht uns die Situation seiner Familie zu erklären. Mit dem Touristengeschäft kommt die Familie zwar über die Runden, aber jeden Tag fürchten sie, dass auch sie von jüdischen Siedlern vertrieben werden könnten.

Dafür gäbe es keine Vorwarnung und auch keine Kompensation.

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