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An den Fuß des Everest II

Das zweite Stück mei­ner Wan­de­rung an den Fuß des Ever­est führte mich mit einem neu­ge­won­nen Freund ins Hoch­ge­birge. Nach dem Frie­den des ers­ten Teil­stücks, befan­den wir uns nun auf einem wah­ren Highway. 

 

Von einem Moment auf den ande­ren war es mit dem himm­li­schen Frie­den vor­bei. Es schien uns, als wären wir auf einem Rum­mel­platz gelan­det; der unge­wohnte Lärm­pe­gel war sehr befremd­lich: Stim­men schnat­ter­ten durch­ein­an­der, grel­les Lachen ertönte, die unver­meid­li­chen Tele­skop­stan­gen kla­cker­ten im Takt auf den Boden, und aus einem Gast­haus dröhnte grau­en­volle Pop­mu­sik. Drin­nen saß ein Mann von solch volu­mi­nö­sem Kör­per­um­fang, dass wir uns frag­ten, ob man die Hütte um ihn herum errich­tet hatte. Wie war er nur hier­her­ge­langt? Ein Blick auf die Tafel ver­riet, dass sich die Preise inner­halb weni­ger hun­dert Meter ver­dop­pelt hat­ten. Von nun an stie­gen die Preise buch­stäb­lich mit jedem Kilometer.

Wir erblick­ten Wan­de­rer, die voll­aus­ge­stat­tet in ihrer Funk­ti­on­s­klei­dung aus­sa­hen, als stün­den sie im Begriff, eine Mond­mis­sion in Angriff zu neh­men. Trä­ger schlepp­ten Unmen­gen an Gepäck­stü­cken hin­ter­her. Einige Tou­ris­ten müh­ten sich red­lich, um mit der Video­ka­mera nur ja kei­nen Schritt für die Nach­welt undo­ku­men­tiert zu las­sen. Wir waren gerade ein­mal eine Woche am Rande der Zivi­li­sa­tion gewan­dert und fühl­ten uns wie Autis­ten in einem 3‑D-Kino. Wie hat­ten wohl die Syn­ap­sen getanzt, als Mogli die Lich­ter der Stadt erblickt hatte?

In der nächs­ten Ort­schaft kon­kur­rier­ten meh­rere Läden mit Pool­bil­lard. Seit einer Woche hat­ten wir kei­ner­lei Kühl­schränke gese­hen – nun waren sie prall gefüllt mit den Ver­hei­ßun­gen der Kon­sum­in­dus­trie – Soft­drinks und Scho­ko­rie­gel in allen Varia­tio­nen lach­ten uns von wei­tem an. Von einem klu­gen Mann las ich ein­mal, welch gro­ßer Unter­schied zwi­schen Ver­zicht und einem erlo­sche­nen Ver­lan­gen besteht. Das traf es gut: Die Kon­sum­gü­ter reiz­ten uns noch immer, und wir deli­rier­ten scherz­haft über einen Über­fall auf einen der prall gefüll­ten Kühl­schränke. Auf dem ers­ten Teil der Wan­de­rung hatte sich das Ange­bot an Luxus­gü­tern auf ein paar ver­staubte Dosen Cola in einem Bret­ter­ver­schlag beschränkt – wenn überhaupt.

Doch wir beschlos­sen, bei unse­rem ein­fa­chen Leben zu blei­ben und uns wei­ter in Ver­zicht zu üben. Wir woll­ten der Gier, die uns die Sug­ges­tion der Wer­bung seit Ewig­kei­ten ein­trich­terte, auf die­ser Wan­de­rung bewusst ent­sa­gen. Wir schöpf­ten unser Trink­was­ser wei­ter aus den Flüs­sen. Das war bes­ser, als drei oder vier Plas­tik­fla­schen am Tag zu hin­ter­las­sen. Die Fol­gen waren deut­lich sicht­bar. Es war tröst­lich, dass wir das Befrem­den ob des Trei­bens um uns herum teil­ten. So schu­fen wir unse­ren eige­nen Kos­mos, ori­en­tier­ten uns wei­ter an der Natur und igno­rier­ten die blin­ken­den Lich­ter oder mach­ten unsere Scherze dar­über. Unsere Ernäh­rung bestand aus­schließ­lich aus ver­schie­de­nen Varia­tio­nen von Kar­tof­feln, Reis, Gemüse, Eiern und Schwarz‑, Masala‑, Ing­wer- oder Pfefferminztee.

Am Abend fan­den wir ein Gast­haus, des­sen gemüt­li­cher Auf­ent­halts­raum von einem Kamin beheizt wurde. Seit län­ge­rem wur­den die Kno­chen mal wie­der rich­tig warm. Das war wirk­li­cher Luxus.

 

Der Anstieg nach Nam­che war anspruchs­voll. Die gerade in Lukla gestar­te­ten Wan­de­rer taten uns fast leid. Ich musste wei­ter auf die Zähne bei­ßen, doch Johan­nes dros­selte sein Tempo ein wenig, so dass ich Schritt hal­ten konnte. Immer­hin waren die Schmer­zen berg­auf klei­ner. Unter­wegs begeg­nete uns eine unge­wöhn­li­che Erschei­nung. Da lie­fen wir schwer atmend den Berg hin­auf und wur­den plötz­lich von einer jun­gen Frau über­holt, die locker an uns vor­bei­schwebte. Am nächs­ten Rast­platz voll­führte sie ein Aero­bic-Pro­gramm, das mich an unsäg­li­che Videos aus den 80ern erin­nerte. Trotz der Kälte trug sie ein bauch­freies Top, und wir bemerk­ten bos­haft, dass ihr Gepäck nur aus einem Vor­rat an Lip­pen­stift zu bestehen schien. Sie hätte deut­lich bes­ser an einen Par­ty­strand oder in eine Dis­ko­thek gepasst. In die­ser Umge­bung wirkte sie reich­lich deplat­ziert – als käme sie von einem ande­ren Stern. Sie erschien selt­sam entrückt.

Kurz vor unse­rem Ziel hat­ten wir eine wei­tere Vision: aus dem Nichts tauchte ein Wan­de­rer in Bade­hose, Bade­lat­schen und Zip­fel­mütze auf – ein uner­war­te­tes Bild. John kam aus Schwe­den und war auch sonst ein amü­san­ter Bur­sche. Gemein­sam bezo­gen wir ein Gasthaus.

Nam­che liegt auf 3400 Metern und ist wie ein Amphi­thea­ter in den Hang gebaut. Diese spe­zi­elle Lage ver­leiht dem Ort einen gewis­sen Charme. Gleich­zei­tig bestä­tigte sich, was wir gehört hat­ten: Der Ort war auf grau­same Weise kom­mer­zia­li­siert. Neben zahl­lo­sen Aus­rüs­tungs­lä­den, Restau­rants und rie­si­gen Lod­ges waren es die Super­märkte mit ihrer beacht­li­chen Aus­wahl an Luxus­gü­tern, die uns am meis­ten irri­tier­ten. Schließ­lich musste alles müh­sam hier hoch­ge­tra­gen wer­den. Und wer um alles in der Welt konnte nicht wenigs­tens hier oben auf den gan­zen Quatsch ver­zich­ten? Offen­sicht­lich die Wenigs­ten. Sie schei­nen nicht begrif­fen zu haben, in welch fra­gi­lem Öko­sys­tem sie sich befin­den. Ein Aben­teuer ohne Ver­ant­wor­tung. Es bedarf einer deut­li­chen Stei­ge­rung des Bewusst­seins, damit auch fol­gende Genera­tio­nen die Wun­der der Natur erle­ben können.

 

­­­­­­Ab Nam­che muss­ten wir zur wei­te­ren Höhen­an­pas­sung lang­sa­mer wer­den. Den­noch beschlos­sen wir dort kei­nen Rast­tag ein­zu­le­gen – wir woll­ten so schnell wie mög­lich wie­der weg.

Der angeb­li­che Geld­au­to­mat ist ein Phan­tom, obwohl er in allen Rei­se­füh­rern beschrie­ben wird. Daher hat­ten wir geplant, unsere Devi­sen hier auf­zu­fri­schen. Ich war bis auf umge­rech­net 10 Euro blank. Doch wir erfuh­ren, dass der Geld­au­to­mat fast nie funk­tio­niert. Es gibt einige Anhalts­punkte, dass die­ser Umstand kein Zufall ist. Denn seine Dys­funk­tion schafft ein ganz eige­nes Geschäfts­feld, nur über eine Kre­dit­karte konnte man an Geld zu kom­men. Bevor wir uns näher dar­über infor­miert hat­ten, streif­ten wir durch ein Aus­rüs­tungs­ge­schäft. Ich bat den Ver­käu­fer, einige Klei­nig­kei­ten zurück­zu­le­gen, da wir zunächst Geld besor­gen müss­ten. Doch er wusste selbst Rat. Er könne uns gegen die übli­che Ser­vice­ge­bühr von 10 Pro­zent eine über­höhte Rech­nung schrei­ben und uns die Dif­fe­renz aus­zah­len. So nahm das kuriose Schau­spiel sei­nen Lauf: Der Mann tätigte einen kur­zen Anruf und keine zehn Minu­ten spä­ter betrat ein Mann mit zwei Plas­tik­tü­ten den Laden. Aus der einen zog er einen abge­zähl­ten Sta­pel nepa­le­si­scher Rupien, aus der ande­ren ein Kre­dit­kar­ten­le­se­ge­rät. Wir staun­ten nicht schlecht. Wo mochte wohl der geheime Ort lie­gen, an dem all diese Bar­re­ser­ven lagerten?

Da ich mit mei­ner auf­lad­ba­ren Kre­dit­karte nur Geld für den Rück­flug von Lukla ein­kal­ku­liert hatte, würde es für mich sehr eng wer­den. So kaufte ich mir nur einen ein­zel­nen Tele­skop­stock zur Unter­stüt­zung für das Knie. Aus finan­zi­el­len Grün­den war das sinn­voll, aus Balan­ce­grün­den keineswegs.

 

Als wir Nam­che am nächs­ten Mor­gen ver­lie­ßen, stapf­ten wir unter fins­te­rem Him­mel bergan. Das Wet­ter wurde immer trost­lo­ser. Schließ­lich begann es in Strö­men zu reg­nen. Wir ret­te­ten uns in eine Lodge. Der Besit­zer wollte uns davon über­zeu­gen, dort abzu­stei­gen. Wir woll­ten abwar­ten, ob sich das Wet­ter nicht doch noch besserte.

Ein völ­lig abge­hetz­ter und schwer nach Luft schnap­pen­der Japa­ner erschien in der Lodge. Da wir gerade über eine Land­karte gebeugt waren, zeigte er uns, wel­che Route er in den letz­ten Tagen absol­viert hatte. Er hatte rie­sige Stre­cken in kür­zes­ter Zeit zurück­ge­legt und an Höhen­ak­kli­ma­ti­sa­tion kaum Gedan­ken ver­schwen­det. Er setzte voll­stän­dig auf die pro­phy­lak­ti­sche Ein­nahme von Dia­mox – einem Medi­ka­ment, das die Pro­duk­tion von roten Blut­kör­per­chen beschleu­nigt. Das senkte das Risiko, doch es blieb ein Spiel mit dem Feuer. Die Höhen­krank­heit kann von Schwin­del, Übel­keit, Gleich­ge­wichts­stö­run­gen über schwere Ver­wirrt­heit bis hin zum Tode durch ein Hirn­ödem füh­ren. Die Sym­ptome tre­ten mit Ver­zö­ge­rung auf; wenn man sie bemerkt, ist es manch­mal schon zu spät. Doch wir hat­ten Geschich­ten von Tou­ris­ten gehört, die sich per Hub­schrau­ber nach Nam­che ein­flie­gen las­sen, um sich direkt auf einem Pferd noch höher brin­gen zu las­sen. Gerade Japa­ner, die ihre kur­zen Urlaube opti­mal aus­nut­zen wol­len, ris­kie­ren alles. Es ver­ging kein Tag mehr, an dem wir nicht Heli­ko­pter hör­ten, die Tou­ris­ten in tie­fere Lagen aus­flie­gen muss­ten. Höher, schnel­ler, weiter.

Wir erfuh­ren, dass bald eine grö­ßere Gruppe von Korea­nern erwar­tet wurde. Die Inha­ber der Lodge began­nen, Schirme auf­zu­span­nen und teure Sou­ve­nirs aus­zu­le­gen. Wir ergrif­fen die Flucht. Diese Rei­se­gruppe hat­ten wir schon unter­wegs gese­hen; sie filmte ihren gan­zen Trip unun­ter­bro­chen. Rette sich, wer kann!

So stie­gen wir bei wei­ter schlech­tem Wet­ter nach Teng­bo­che auf. In end­lo­sen Ser­pen­ti­nen schraubte sich der Pfad nach oben. Ich fühlte mich wie eine alters­schwa­che Dampf­lok, die Kette raucht. Unter­wegs begeg­ne­ten wir einem Rus­sen, der uns schon auf­ge­fal­len war, als er, mit einer Video­ka­mera bewaff­net, wahl­los in Gast- und Pri­vat­häu­ser hin­ein­ge­stol­pert war, um alles zu fil­men, was nicht bei drei auf den Bäu­men war. Womög­lich wähnte er sich in einer Fas­sa­den­stadt und hatte nicht ver­stan­den, dass hier wirk­lich Men­schen wohn­ten. Eine schwer zu schla­gende Igno­ranz. Es schien ein wenig, als hielte er sich mit der Kamera die Rea­li­tät auf Distanz. Auf sei­nem brei­ten Kreuz trug er einen gewal­ti­gen 120-Liter-Ruck­sack. Als er außer Hör­weite war, klagte uns sein Füh­rer sein Leid. Es war offen­sicht­lich kein Zucker­schle­cken, mit die­sem kan­ti­gen, wort­kar­gen Brumm­bär unter­wegs zu sein. Laut sei­nen Schil­de­run­gen besaß er die Empa­thie eines Stahl­rohrs. Als wir den jun­gen Füh­rer am nächs­ten Tag wie­der tra­fen, waren wir erstaunt zu erfah­ren, dass er sei­nen unge­lieb­ten Auf­trag­ge­ber unter einem Vor­wand ste­hen gelas­sen hatte. Er ver­zich­tete lie­ber auf das Geld, anstatt in den Wahn­sinn getrie­ben zu werden.

Plötz­lich riss die Wol­ken­de­cke auf, die Sonne brach durch und gab inner­halb weni­ger Augen­bli­cke die Sicht auf die Umge­bung frei, die wir zuvor nicht mal erah­nen konnten.

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Stau­nend stan­den wir vor dem Pan­orama. Meine Ver­su­che, Worte zu fin­den, ver­san­de­ten in sinn­lo­sem Geplap­per. Die Zeit stand still. Nach­dem wir die letz­ten hun­dert Meter des Auf­stiegs hin­ter uns gebracht hat­ten, war es end­gül­tig um uns gesche­hen. Der Wind hatte die Wol­ken davon­ge­bla­sen. Vom Pla­teau, auf dem das bud­dhis­ti­sche Klos­ter Teng­bo­che liegt, bot sich ein Blick in alle Him­mels­rich­tun­gen. Zum ers­ten Mal konn­ten wir die ganze Majes­tät der Berge vor uns lie­gen sehen. Der Ama Dablam glänzte im Abend­licht der Sonne.

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Wir genos­sen den Anblick, bis die Sonne unter­ge­gan­gen war und die Kälte uner­träg­lich wurde. In einem ange­nehm abseits ste­hen­den Gast­haus fan­den wir das letzte freie Zimmer.

Kaum hat­ten wir uns in den Gast­raum gesetzt, als ein klein­wüch­si­ger Mann den Raum betrat. Für seine Kör­per­größe trug er einen völ­lig über­di­men­sio­nier­ten Ruck­sack. Sein Kopf war hoch­rot, als würde er gleich plat­zen. Er japste nach Luft. Doch anstatt sich hin­zu­set­zen und aus­zu­ru­hen, lief er wie Rum­pel­stilz­chen durch den Raum. Seine Unruhe schien nicht klei­ner zu wer­den. Manch­mal frag­ten wir uns, ob die Leute wirk­lich wuss­ten, was sie hier oben taten. Als ich ihn Tage spä­ter fast tau­send Meter höher wie­der­sah, war ich ver­wun­dert, dass er durch­ge­hal­ten hatte.

Außer­dem bevöl­ker­ten zwei Liver­poo­ler den Raum, die ein wenig durch­ge­knallt wirk­ten. Sie ver­kün­de­ten uns stolz, sie seien die lang­sams­ten Wan­de­rer aller Zei­ten. Das hing wohl nicht unwe­sent­lich mit ihrem erheb­li­chen Mari­hua­nakon­sum zusam­men. Es schien, als seien sie direkt aus den 60ern hier­her tele­por­tiert; rein optisch hät­ten sie sofort bei den Beat­les mit­spie­len kön­nen. Ich habe noch nie Men­schen zuge­hört, bei denen „dude“, „Hey, man“ und ähn­li­che Flos­keln so essen­ti­elle Bestand­teile der Kom­mu­ni­ka­tion waren…

Abends saßen wir drau­ßen auf einer Holz­bank hin­ter dem Gast­haus ober­halb eines jähen Abgrunds. Wir betrach­te­ten die vom Mond­licht silb­rig erleuch­te­ten Berge, die in ihrer kon­tu­ren­haf­ten Zeich­nung noch ein­drück­li­cher wirk­ten. Über uns zeig­ten sich Tau­sende Sterne in ihrer gan­zen Pracht. Die Milch­straße war deut­lich zu erken­nen. Sel­ten war uns der Him­mel so nah erschienen.

In Teng­bo­che muss­ten wir end­gül­tig eine Pause zur Höhen­an­pas­sung ein­le­gen. Inzwi­schen war ich 12 Tage am Stück gelau­fen. Johan­nes war seit zehn Tagen unter­wegs. Wir freu­ten uns über die ver­diente Pause.

Unser Hip­pie­l­e­ben hatte auch seine Schat­ten­sei­ten. Hei­ßes Was­ser für eine Dusche kos­tete hier oben drei Dol­lar und die woll­ten wir uns spa­ren. Wir baten den Haus­herrn um einen Eimer kal­tes Was­ser – der war umsonst. Er war aus­ge­spro­chen amü­siert – das kam wohl sel­ten vor. Ich bestieg den klapp­ri­gen Bret­ter­ver­schlag, in dem mir schon so arsch­kalt war. In dem Bot­tich schwam­men Eis­klum­pen. Wäh­rend sich Johan­nes im Anschluss mit drei Litern Was­ser für die Kör­per­wä­sche begnü­gen würde, ver­stand ich das als Wett­be­werb zweier Idio­ten und jagte mir 40 Liter des eis­kal­ten Nass Becher für Becher über den Kör­per. Ich emp­fand ein fürch­ter­li­ches Zie­hen am Hin­ter­kopf; mein Kör­per ver­suchte ver­zwei­felt, die Kör­per­ober­flä­che zu ver­rin­gern. Ich fühlte mich, als müsste ich sterben.

Wenigs­tens schien seit einer gefühl­ten Ewig­keit wie­der die Sonne, so dass wir gleich wie­der tro­cken waren. Die warme Höhen­sonne war eine Wohl­tat. Als wir uns ein wenig die Beine ver­tra­ten, stie­ßen wir auf John, der gerade den Ort erreichte. Auch er fand einen Platz in unse­rem Gast­haus und würde sich uns anschließen.

Wir muss­ten drin­gend waschen; kein ande­rer Mensch hätte frei­wil­lig unser Zim­mer betre­ten. Johan­nes, John und ich wuschen wie die Wasch­wei­ber unsere Klei­der an einer offe­nen Was­ser­lei­tung. Die Nepali, die uns als Beglei­ter ver­schie­de­ner Rei­se­grup­pen pas­sier­ten, amü­sier­ten sich präch­tig über uns. In den orga­ni­sier­ten Trecks musste man sich um nichts küm­mern. Män­ner, die ihre Wäsche selbst wuschen, pass­ten nicht ins Bild. Dum­mer­weise begann es bald wie­der zu reg­nen, und so blie­ben unsere Sachen klatschnass.

Am nächs­ten Mor­gen pack­ten wir die nas­sen Kla­mot­ten wie­der ein und mach­ten uns auf den Weg. Mir war nur ein T‑Shirt geblie­ben, doch Johan­nes lieh mir seine Fleece-Jacke. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, in den nächs­ten Tagen einige harte Rou­ten zu gehen, und wollte sich für die ker­ni­gen Pässe abhär­ten. Kurz nach der nächs­ten Ort­schaft über­quer­ten wir die Baum­grenze. Nur noch ein­zelne Sträu­cher fan­den sich am Weges­rand. Schließ­lich ging die Land­schaft in karge Geröll­fel­der über. Es wurde extrem neb­lig, so dass wir kaum die Hand vor Augen erken­nen konn­ten. Es war, als tas­te­ten wir uns auf einem Ter­rain ent­lang, das jen­seits die­ser Welt lag. Es hätte auch ein Traum sein kön­nen. Bald hat­ten wir keine Ahnung mehr, ob wir in die rich­tige Rich­tung gin­gen. Schließ­lich wurde es wie­der kla­rer, und wir erreich­ten Ding­bo­che auf 4400 Metern. Dort muss­ten wir dann einen wei­te­ren Ruhe­tag ein­le­gen. Wir spiel­ten schließ­lich kein rus­si­sches Rou­lette wie die Japaner.

Hier schloss sich Hug­han aus Schott­land unse­rer Gruppe an. Inzwi­schen fiel es mir schwer, etwas Ver­nünf­ti­ges nie­der­zu­schrei­ben. Oft fühlte ich mich ein wenig benom­men. Das fühlte sich jedoch sel­ten unan­ge­nehm an, eher wie ein leich­ter Rausch; meine Gedan­ken fühl­ten sich leicht an. Ich konnte mich ganz auf die unmit­tel­bare Natur­er­fah­rung ein­las­sen. Über uns thronte der impo­sante Ama Dablam. In der Höhen­sonne las ich ein gutes Buch und schwelgte in dem Anblick.

Johan­nes und ich hiel­ten uns kon­se­quent an Daal Bhat – das Natio­nal­ge­richt der Nepali aus Reis und Lin­sen­suppe. Je nach Zube­rei­tung gehö­ren auch Kar­tof­feln und/oder Gemüse dazu. Es war das ein­zige Gericht, bei dem man eine zweite Por­tion erhielt, und wir aßen, bis wir zu plat­zen droh­ten. Wir ver­brann­ten Unmen­gen an Ener­gie – ent­spre­chend groß war der Hun­ger nach Kalo­rien. John hatte eine andere Tak­tik und trug eine Groß­pa­ckung Scho­ko­rie­gel mit sich. Er hatte auf der Wan­de­rung bereits eine regel­rechte Sucht entwickelt.

Johan­nes hatte große Pläne: Am nächs­ten Mor­gen würde er nach Chu­kung auf­bre­chen, um den Chu­kung Ri zu bestei­gen. Dann wollte er über einen höl­li­schen Pass auf die Ever­est-Route zurück­ge­lan­gen und nach dem Besuch des Base Camps über einen wei­te­ren ker­ni­gen Pass zu den Seen von Gokyo gelan­gen. Ich hätte ihn gerne beglei­tet, doch das war mit dem lädier­ten Knie uto­pisch. Ich konnte mir den Schmer­zen ein­fach nicht schnell genug gehen; ohne High-Tech-Aus­rüs­tung war eine dro­hende Über­nach­tung auf einem der Pässe lebens­ge­fähr­lich. So würde ich mich mit Hug­han und John auf die Route zum Kala Patar beschränken.

Johan­nes und ich waren uns in der Kürze der Zeit rich­tig ans Herz gewach­sen. Wir hat­ten viel zusam­men gelacht und einige beson­dere Momente mit­ein­an­der geteilt. Diese Begeg­nung war ein Glücks­fall und hatte der Wan­de­rung eine beson­dere Tiefe gege­ben. Er drückte mir einen 50-Euro-Schein in die Hand, damit ich auf jeden Fall zurande kam. Ich bat ihn, auf sich auf­zu­pas­sen; ich wusste, wie sehr er das Risiko liebte.

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John war die letz­ten Monate durch Süd­ost­asien gereist. Er war auf den Back­pa­cker­stra­ßen in Thai­land, Laos, Kam­bo­dscha und Malay­sia unter­wegs gewe­sen. Mit sei­nen 20 Jah­ren war er ein unbe­küm­mer­ter, offe­ner und locke­rer Typ – ein ange­neh­mer und lus­ti­ger Rei­se­be­glei­ter. Hug­han war ein völ­lig ande­rer Typ. Er war Mitte 30, ernst­haf­ter, aber genauso aben­teu­er­lus­tig. Er gehörte zu den Rei­sen­den, die in kür­zes­ter Zeit mög­lichst viel sehen möch­ten. Er lebte im Moment in Abu Dhabi. Als pas­sio­nier­ter Gleit­schirm-Flie­ger bot ihm die Wüste per­fekte ther­mi­sche Bedingungen.

 

Nach­dem wir den Grat hin­ter Ding­bo­che erklom­men hat­ten, bot sich hin­ter uns erneut ein impo­san­ter Anblick auf den Ama Dablam – für mich der schönste Berg in der Region.

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Nach einem fla­che­ren Abschnitt wurde der Weg extrem steil. Wir erreich­ten einen wei­te­ren Pass, an dem auf­ge­türmte Steine und ein klei­nes Mahn­mal an die töd­lich ver­un­glück­ten Men­schen erin­ner­ten. Im dich­ten Nebel hat­ten die tibe­ti­schen Gebets­fah­nen über den Geröll­fel­dern etwas Gespens­ti­sches. Es schien, als wollte das Wet­ter unter­strei­chen, wie unge­eig­net die­ser Ort für uns Men­schen war. Immer wie­der kam ich mir ange­sichts der über­mäch­ti­gen Kulisse wie ein Ein­dring­ling in eine fremde Welt vor. Das hatte etwas Furcht­ein­flö­ßen­des und zugleich etwas zutiefst Tröst­li­ches. Dies war ein Ort, den wir uns nie­mals unter­tan machen wür­den. Ange­sichts der alles beherr­schen­den Natur wird man sich der eige­nen Win­zig­keit unmit­tel­bar bewusst.

Natür­lich gibt es Men­schen, die mei­nen, sie könn­ten die Natur bezwin­gen. So gilt die Bestei­gung des Mount Ever­est man­chem als reine Mut­probe. Als Hel­den­tat. Doch was man wirk­lich ler­nen kann, ist Demut. Viel­fach wurde der Hoch­mut bit­ter bestraft. Die zuneh­mende Kom­mer­zia­li­sie­rung zer­stört die ursprüng­li­che Magie des Berg­stei­gens. Längst gehö­ren Staus zum All­tag bei der Bestei­gung. Jeder, der die 60 000 Euro für die Bestei­gung auf­bringt, kann es heute nach oben schaf­fen. Es bleibt natür­lich eine unglaub­li­che kör­per­li­che Anstren­gung, aber den Groß­teil der Arbeit machen die Sherpas.

 

Am letz­ten Auf­stieg nach Lobu­che schien die Luft mit jedem Schritt dün­ner zu wer­den. Selbst wäh­rend der Pau­sen schlug mir das Herz bis zum Hals. Auf 5000 Metern wird der Sauer­stoff nur noch mit hal­bem Druck in die Lun­gen­bläs­chen gepresst. Daher braucht man mehr Atem­züge, um den not­wen­di­gen Sauer­stoff auf­zu­neh­men. Die Sher­pas haben den Vor­teil, dass sie von Geburt an die Ver­hält­nisse gewöhnt sind und in ihrem Kör­per mehr rote Blut­kör­per­chen pro­du­zie­ren. Das schmä­lert meine Bewun­de­rung für die Trä­ger in kei­ner Weise. Fas­zi­niert betrach­tete ich, wie sie auf dem Steil­stück schwere Holz­ele­mente in die Höhe wuch­te­ten. Die Las­ten sind mit Stirn­gur­ten befes­tigt und die Trä­ger beherr­schen eine ganz beson­dere Tra­ge­tech­nik, die ein hohes Gleich­ge­wicht vor­aus­setzt. Sie sind unglaub­lich zäh: ihre Seh­nen müs­sen aus Stahl sein. Die meis­ten tra­gen eine Art Sche­mel bei sich, auf dem sie ihre Last immer wie­der abstüt­zen und viele kurze Pau­sen ein­le­gen – dafür mar­schie­ren sie den gan­zen Tag. Kon­zen­tra­tion und Anstren­gung ste­hen ihnen ins Gesicht geschrie­ben und den­noch habe ich sie oft lächeln sehen. Sie wer­den meist anhand des Gewichts bezahlt, das sie tra­gen. Bei eini­gen sind das über 100 kg. Ein­mal durfte ich das Gepäck eines Sher­pas einige Meter tra­gen. Es schien mir unglaub­lich, dass sie dau­er­haft ein sol­ches Gewicht stem­men kön­nen. Über mein Gewicht hät­ten sie herz­lich gelacht.

 

Längst hatte sich die Land­schaft in eine ein­zige Stein­wüste ver­wan­delt. Nur der Schnee und das bläu­lich schim­mernde Eis boten eine farb­li­che Abwechs­lung. Schließ­lich erreich­ten wir Lobu­che auf etwa 4900 Metern. Der Ort war gera­dezu absto­ßend und bestand aus rie­si­gen Lod­ges – ein wah­res Tou­ris­ten-Ghetto. Wir fan­den ein Drei­bett­zim­mer. Unsere rus­si­schen Zim­mer­nach­barn ver­trie­ben sich den Abend mit Wodka und Krakeelen.

Ich bekam hef­tige Kopf­schmer­zen – eine eisige Kralle hatte sich in mein Hirn gebohrt. Hug­han hatte für den Not­fall Dia­mox dabei und ich nahm vor­sichts­hal­ber eine Tablette. Sie brachte Lin­de­rung, hatte aber den Nach­teil, dass ich nachts noch öfter in die Eises­kälte hin­aus musste. Ohne­hin fühlte man sich bei den Flüs­sig­keits­men­gen, die man in sich hin­ein­schüt­ten musste, wie ein nie­ren­kran­kes Pferd.

Am Mor­gen fühlte ich mich deut­lich bes­ser, dafür fühlte sich John, als wäre er über Nacht see­krank gewor­den. Er war kurz­at­mig und bekam eben­falls starke Kopf­schmer­zen. Die letzte Etappe lag vor uns. Wir fühl­ten uns zuneh­mend berauscht ange­sichts des nahen Ziels. Von den Kup­pen der auf- und abstei­gen­den Geröll­fel­der sahen wir immer wie­der die mäch­ti­gen Berge, deret­we­gen wir uns auf den Weg gemacht hat­ten. Wir konn­ten es kaum noch erwar­ten. Schließ­lich erreich­ten wir die letzte Ort­schaft – Gorak Shep auf etwa 5100 Metern. Der Ort besteht aus einer Hand­voll Lod­ges und einem Inter­net­café. Ich frage mich bis heute, wel­che gel­tungs­süch­ti­gen Idio­ten sich hier bei Face­book ein­log­gen, um der Welt zu ver­kün­den, dass sie nun den Ever­est sehen kön­nen. In Teng­bo­che hatte das Inter­net­café gar mit Busi­ness Con­fe­ren­cing gewor­ben. Deka­den­ter geht es wohl nicht mehr.

 

Da das Wet­ter ziem­lich gut war, depo­nier­ten wir unsere Ruck­sä­cke und mach­ten uns gleich daran, den Kala Pattar zu bestei­gen. Aus der Ferne erscheint er nur wie ein klei­ner Hügel, doch das stimmt nur in der Relation.

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John fühlte sich inzwi­schen rich­tig mies. Hug­han schien die Höhe weni­ger aus­zu­ma­chen. Ich war ziem­lich am Limit. Es erschien mir, als wäre der Sauer­stoff fast voll­stän­dig aus der Luft gewi­chen. Es war kaum noch mög­lich, sich auf den Weg zu kon­zen­trie­ren, da die Kulisse mit jedem Meter ein­drück­li­cher wurde. End­lich erreich­ten wir den Gip­fel auf 5675 Metern. All die Stra­pa­zen waren in die­sem Moment ver­ges­sen; der Blick auf die in glei­ßen­des Son­nen­licht getauch­ten Berge war atem­be­rau­bend. Wir hat­ten ein gutes Zeit­fens­ter erwischt und konn­ten eine halbe Stunde lang einen fast unge­trüb­ten Blick auf den Ever­est und die umge­ben­den Berge genie­ßen. Der Wind wehte in kräf­ti­gen Böen. Sein Pfei­fen über­tönte alle ande­ren Geräusche.

Nun waren wir schon so hoch gestie­gen und noch immer blick­ten wir auf Gigan­ten, die wie Wände vor uns stan­den. Es war leicht, sich vor­zu­stel­len, warum die umlie­gen­den Berge als Wohn­sitz der Göt­ter gel­ten. Der Ever­est heißt bei den Nepali Sag­ar­man­tha – „Stirn des Him­mels“ – die Tibe­ter nen­nen ihn Qomal­angma – „Mut­ter des Universums“.

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Doch lei­der ist Respekt nicht allen Men­schen zu Eigen. Trotz der Gebets­fah­nen, die die­sen Ort als hei­lig kenn­zeich­nen, nutzte ein 50-jäh­ri­ger Russe die Gele­gen­heit, um seine deut­lich jün­gere Freun­din oben ohne vor die­ser Kulisse abzu­lich­ten. Sicht­bar stolz auf die Reize sei­ner Gefähr­tin, erklärte er mir, dies wäre sein Hobby. Sie hät­ten ähn­li­che Fotos auf allen Kon­ti­nen­ten gemacht. Man­che Leute wis­sen wohl wirk­lich nicht, was sie mit ihrem über­mä­ßi­gen Reich­tum anfan­gen sollen!

Ich war glück­lich, dass ich bis zum Schluss durch­ge­hal­ten hatte. Da saß ich nun, umge­ben von beängs­ti­gen­den Abgrün­den auf allen Sei­ten, blickte auf gigan­ti­sche Berge, Glet­scher und Seen und ver­suchte die Atmo­sphäre tief in mich ein­zu­sau­gen. Ich war berauscht. Höher würde ich in mei­nem Leben viel­leicht nie­mals kom­men – meine Höhen­angst hatte ich auch mit einer Reihe von Ross­ku­ren nicht ver­rin­gern kön­nen. Im Gegen­teil. Also schied Berg­stei­gen aus.

Schließ­lich war es ein beson­de­res Schau­spiel zu beob­ach­ten, wie sich die Wol­ken­wände blitz­schnell aus dem Tal nach oben beweg­ten und die Berge verhüllten.

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Auf dem Weg zurück ins Tal schwebte ich fast.

 

Hug­han und John bra­chen nach der Rück­kehr zum Base Camp auf. Da mich der Besuch dort wenig reizte, machte ich mich deut­lich spä­ter auf den Weg, um zumin­dest einen Blick auf den Khumbu-Glet­scher zu wer­fen, der sich vom Ever­est hin­ab­zieht. Der tosende Lärm, wenn Spal­ten vom Glet­scher abbra­chen, war ohren­be­täu­bend. An man­chen Stel­len hat­ten sich kleine Seen gebil­det; das schim­mernde Hell­blau bestimm­ter Eis­schich­ten wirkte unwirk­lich. Einige hun­dert Meter vor dem Base Camp machte ich kehrt. Spä­ter sah ich in einem Museum in Pok­hara Auf­nah­men ver­schie­de­ner Glet­scher, 40 Jahre alte Bil­der ver­gli­chen mit aktu­el­len. Ich war scho­ckiert zu sehen, dass der Kumbhu-Glet­scher in die­sem Zeit­raum die Hälfte sei­ner eins­ti­gen Größe ein­ge­büßt hat. Wenn man bedenkt, dass der Hima­laya mit sei­nen Glet­schern das Was­ser­re­ser­voir für große Teile Asi­ens und Lebens­grund­lage für über eine Mil­li­arde Men­schen dar­stellt, muss man sich große Sor­gen machen. An weni­gen Orten kann man so deut­lich die Kli­ma­ver­än­de­run­gen erken­nen, die sich gerade vollziehen.

 

Nachts war die Tem­pe­ra­tur im Zim­mer unter dem Gefrier­punkt; im Bart setzte sich Eis fest.

Am nächs­ten Mor­gen hat­ten wir kla­res Wet­ter. Nach der Kälte der Nacht wurde es in der Sonne rich­tig heiß. Ich genoss einen letz­ten Blick auf das unglaub­li­che Natur­schau­spiel. Dann mach­ten wir uns wie­der an den Abstieg. Schon nach weni­gen Kilo­me­tern wurde offen­sicht­lich, dass ich den bei­den nicht fol­gen konnte. Sie hat­ten sich vor­ge­nom­men, den gan­zen Weg bis nach Nam­che in einem Stück zu lau­fen. Doch bergab kam ich nur lang­sam voran. Ich ver­ab­schie­dete mich herz­lich von ihnen. Für einen Moment war ich betrübt. Doch schnell wurde mir klar, dass ich im Grunde ganz froh war, nie­mand mehr hin­ter­her­he­cheln zu müs­sen und mein eige­nes Tempo zu gehen. Außer­dem erschien es unsin­nig zu het­zen. Warum sollte ich die tolle Wan­de­rung nicht gemäch­lich aus­klin­gen las­sen? So fokus­sierte ich mich auf das ein­ma­lige Panorama.

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Mit jedem Kilo­me­ter strömte mehr Luft in meine Lun­gen. Der Treck endete wie er begon­nen hatte – alleine. Doch ich war vol­ler neuer Kraft. Das Kämp­fer­herz hatte den Schmerz besiegt.

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Cate­go­riesNepal
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  3. Jozef says:

    Danke Ole­an­der fur dein tol­ler bericht, aus dem her­zen geschrie­ben. Wir haben dei­nen story genos­sen und wer­den in marz 2017 die stre­cke Jiri-bis Gokyo-Jiri zu fuss machen.

    1. Lie­ber Jozef! Freut mich sehr, dass Euch meine Geschichte gefal­len hat und Ihr sie mit dem Her­zen lesen konn­tet. Ich wün­sche Euch unver­gess­li­che Ein­drü­cke auf Eurer Wan­de­rung. Von den Gokyo-Seen habe ich lei­der nur Bil­der von mei­nem Freund gese­hen, aber sie sind defi­ni­tiv ein beson­ders schö­nes Ziel.
      Alles Gute für Euch! Liebe Grüße! Oleander

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