Sieht so der Service der Zukunft aus?

Kathmandus kellnernde Roboter

In Nepals Hauptstadt Kathmandu gibt es ein Lokal, in dem Roboter die Speisen servieren. Es ist das erste dieser Art in Südasien. „Naulo“ heißt es und ich habe es vor Kurzem mal ausprobiert.

Vieles im Leben ist eine Frage der Erwartung. Zum Beispiel hatte ich von meinem Besuch im ersten Roboter-Restaurant Südasiens in Kathmandu erwartet, dass er mich beeindruckt zurücklässt, dass ich staune, was so ein Roboter heute schon alles so kann. Zumindest ein bisschen.

 „Food meets technology“ im Einkaufszentrum

Nun ja. Der Reihe nach:

Naulo“ heißt das „voll digitalisierte“ Lokal in Nepals Hauptstadt Kathmandu, das im vergangenen Jahr eröffnet wurde und seine Gäste seitdem in der teuersten Straße der Stadt, der Durbar Marg, empfängt. Boutiquen, Hotels und schicke Restaurants säumen sie, an ihrem Ende steht der ehemalige Königspalast. Zur Straße wirbt ein schwarzes Schild für das „Naulo“, darauf das Logo des Restaurants, ein Bild von einem Kellner-Roboter und der Slogan „Where food meets technology“. Angesichts der noblen Adresse sind die Räumlichkeiten überraschend unspektakulär: Das Restaurant befindet sich im ersten Stock eines kleinen Einkaufszentrums namens „Capital Mall“ und hat nicht mal ein eigenes Klo. Gäste benutzen die Kundentoilette, auf die auch alle anderen Kunden der „Capital Mall“ gehen.

Das „Naulo“ („naulo“ heißt „neu“ auf nepalesisch) ist nicht groß. Die Deko, der angeklebte Nachthimmel und das dunkelblaue Licht machen aber durchaus was her und passen zum Roboter-Thema. Als mein Freund und ich das Restaurant an einem späten Sonntagnachmittag betreten, läuft Popmusik. Am Eingang stehen vier Roboter, zwei links, zwei rechts, mit ihren Tabletts bereit. Sie sind mintgrün und weiß und reichen mir bis knapp über die Schulter, sie erfüllen viele Kriterien des Kindchenschemas und blinzeln mit riesigen Kulleraugen in den Raum, sprechen uns aber nicht zur Begrüßung an, als wir an ihnen vorübergehen.

Stattdessen heißt uns ein freundlicher Kellner Willkommen, nachdem wir uns für einen Platz am Fenster entschieden haben. Er drückt einen Knopf irgendwo an unserem Tisch und verbindet ihn so mit einem der vermeintlichen Technikwunder. Die Bestellung nimmt ein paar Minuten später aber kein Roboter, sondern er höchst persönlich auf. Eigentlich gibt es dafür in die Tische integrierte Touchscreens. Unseres scheint jedoch nicht zu funktionieren, sodass der Kellner uns ein Tablet reicht, mit dem wir unsere Speisen und Getränke auswählen – während er daneben steht und wartet.

Kulinarisch kann man das Lokal nirgends einordnen: Alles gibt es hier, von Burger und Sandwiches über Pasta und Pizza bis hin zu indischen Currys und nepalesischen Momos. Die Preise sind – nächste Überraschung – moderat, zumindest sind sie nicht so hoch, wie sie in dieser Gegend von Kathmandu, und dann noch in einem so ungewöhnlichen Lokal, denkbar wären. Jedoch werden hier am Ende, wie in vielen Restaurants in Nepal, zehn Prozent Servicegebühr und 13 Prozent Mehrwertsteuer auf den Rechnungsbetrag geschlagen.

 Wer bringt hier die Getränke?!

Wir bestellen Minzlimonade, Quesadillas als Vorspeise und Sizzler als Hauptgericht, lehnen uns zurück und schauen uns um. Nur zwei weitere Tische sind besetzt und von den Robotern ist erst einmal nicht allzu viel zu sehen. Nur einer von ihnen vollführt unbeladen einen Halbkreis zwischen Küche und Eingang. Drei Angestellte schauen ihm dabei aufmerksam zu. Moment mal, fahren die immer so langsam?


Noch während wir uns das fragen, bringt unser Kellner die Minzlimonaden. Ja, genau, der Kellner. Ihm entgeht unsere Verwunderung nicht. Lächelnd erklärt er uns, dass die Roboter nur das Essen, nicht jedoch die Getränke zum Tisch befördern. Einen Augenblick später wissen wir, warum: Die Roboter schieben sich im Zeitlupentempo über das Parkett und ruckeln dabei so sehr, dass wohl kaum ein Glas heil und voll beim Gast ankäme. Fast eine Minute braucht der Kellner-Roboter mit den Kulleraugen und den leuchtenden Ohren für die vielleicht zwanzig Meter von der Küche bis zu den Tischen am Fenster. Qualvoll mit anzusehen ist das.

Keine Maschine der vielen Worte

An unserem Tisch ist auch zehn Minuten später noch kein Roboter gewesen, denn die Quesadillas bringt uns ebenfalls der nette junge Mann von vorhin. Er wolle nicht, dass die Vorspeise kalt wird, lautet seine Begründung. Erst die Sizzlers, unsere Hauptgerichte, kommen per Roboter zu uns. Zielstrebig ruckelt der digitale Mitarbeiter mit dem dampfenden Essen am anderen Ende des Raumes los und steuert, unter den besorgten Augen des Personals, geradewegs auf den falschen Tisch zu, bevor er schließlich die Kurve kriegt und endlich vor uns steht.

Hello. Please remove all the food items from the tray“, scheppert eine Frauenstimme aus dem Roboterkörper und kaum haben wir die Teller heruntergehoben – natürlich steht wieder ein Kellner aus Fleisch und Blut daneben und hilft – schiebt der blinkende Helfer ein knappes „Thank you. Enjoy your meal“, hinterher, bevor er abdreht und umkehrt. Und das war es dann auch schon. Ende der Vorstellung.

Das Essen ist keine Offenbarung, aber es schmeckt passabel. Die Speisen sind hier aber ohnehin zweitrangig.  Ernüchtert verlassen wir das Roboter-Restaurant. Hätten wir selbst ein Gespräch mit den rollenden Kunststoffkellnern beginnen sollen? Womöglich schon. Zu Hause finde ich ein Youtube-Video, in dem die Roboter aus dem „Naulo“ mit dem Kopf nicken, ihren Namen sagen („Ginger“) und unter anderem auf Fragen zu ihrem Befinden und ihrem Wohnort reagieren können. Als Gäste im „Naulo“ haben wir davon aber nichts mitbekommen.

Sieht so der Service der Zukunft aus?

Mitbekommen haben wir dafür, dass die Maschinenmenschen im Roboter-Restaurant mehr Arbeit machen, als sie dem Personal abnehmen. Ständig müssen die Kellner die Roboter in Position bringen und aufpassen, dass sie ihr Ziel auch erreichen. Wird es irgendwann also mehr Roboter als Menschen in der Gastronomie geben? Nach meinem Besuch im „Naulo“ kann ich mir das nicht mehr vorstellen.

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