Die Wan­de­rung durch den Jebel Saghro würde meine vor­erst letzte Gele­gen­heit sein, um exis­ten­ti­elle Erfah­run­gen in den Ber­gen zu sam­meln und ich wollte sie voll aus­rei­zen. Doch ich hatte kei­nen blas­sen Schim­mer davon, wie weit mich das bevor­ste­hende Aben­teuer über alle Gren­zen hin­aus­füh­ren würde.

Als ich nach mei­ner Rück­kehr die Schrift­stü­cke fand, die ich vor mei­nem Auf­bruch ver­fasst hatte, über­kam mich Gän­se­haut; wie ein Frem­der blickte ich auf meine Noti­zen, las die Pas­sage, in der ich in der drit­ten Per­son über mich und mein bevor­ste­hen­des Aben­teuer sprach und fragte mich, was Freunde und Fami­lie auf Grund­lage die­ser Über­reste auf mein ver­lo­re­nes Lebens geschlos­sen hätten.

 

Warum hatte ich es wie­der so weit getrie­ben? Das ist die ent­schei­dende Frage. 

 

Doch zurück zum Anfang: Schon auf dem Weg zur Her­berge in der Dades-Schlucht, die bald zu mei­ner Hei­mat wer­den sollte, hatte ich zum ers­ten Mal von der Wan­de­rung gele­sen und Blut geleckt. Den­noch dau­erte es lange Zeit bis meine Pläne Form annah­men; zeit­weise schie­nen sie fast zu einem run­ning gag ver­kom­men zu sein. Tief im Innern jedoch hatte ich kei­nen Zwei­fel, dass ich mich auf­ma­chen würde, wenn die Zeit reif war. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt hatte, gab es kein Zurück. Ein­mal ver­schob ich die Wan­de­rung auf­grund von Schnee­fall, dann wollte ich lie­ber das Glück genie­ßen, wie­der ein­mal einen Hei­mat- und Sehn­suchts­ort gefun­den zu haben, an dem ich mir mein Leben vor­stel­len konnte. Hier schien sich ein gro­ßer Kreis zu schlie­ßen. Aus­ge­dehnte Rei­sen hat­ten die letz­ten sechs Jahre bestimmt und ich war weit gekom­men. Nur diese Erfah­run­gen ermög­lich­ten es mir, mich in die zuvor völ­lig fremde Kul­tur der Ber­ber ein­zu­füh­len und die Grenz­erfah­run­gen im Hima­laja gaben mir das Selbst­be­wusst­sein, um alleine in die fremde und zugleich ver­traute Berg­welt zu gehen. Außer­dem lag das vor­läu­fige Ende mei­nes Noma­den­le­bens in greif­ba­rer Nähe; das erste Mal auf mei­nen Rei­sen wusste ich, was mich nach der Rück­kehr erwar­ten würde: die Sess­haf­tig­keit in einer soli­da­ri­schen Hofgemeinschaft.

 

Der Höh­len­mensch

 

Eine erste Wan­de­rung lag bereits einige Wochen zurück und hatte mich wider Erwar­ten an meine Gren­zen her­an­ge­führt. Die von mei­nem Freund Moham­med als lockere 2‑Ta­ges-Wan­de­rung beschrie­bene Route, die auch an einem Tag zu schaf­fen sei, stellte sich als Aben­teuer her­aus, das mit 25 Kilo­gramm auf dem Rücken, ohne Karte zur Ori­en­tie­rungs­hilfe und ohne Reit­tier kaum unter drei Tagen zu bewäl­ti­gen war; ich brauchte schließ­lich vier. Ich schlief die ers­ten zwei Tage in Höh­len. Es war ein ein­drucks­vol­les Erleb­nis, in der Gebor­gen­heit der Höh­len im Schein der Ker­zen über dem Gas­ko­cher Spei­sen zuzu­be­rei­ten. Nie zuvor nahm ich in solch einer Klar­heit wahr, wie die Nacht im Mond­schein nie­mals ganz dun­kel wurde. Es war wie eine Zeit­reise zu mei­nen Vorfahren.

Manch­mal zwei­felte ich an der ein­ge­schla­gen Route, litt Durst und erlebte eine Fremde, die mich über­wäl­tigte, manch­mal Über­for­derte und dann wie­der tief im Innern anrührte und mir in die­sen Momen­ten ver­trau­ter schien als Alles, was ich einst gekannt hatte. Mir begeg­ne­ten Noma­den mit kris­tall­blauen Augen und es schmerzte mich fast in ihre Rein­heit zu bli­cken. Sie leb­ten noch immer voll­stän­dig in die Natur ein­ge­bet­tet – ich suchte einen Weg zurück. Wenn mir ein ein­sa­mer Rei­ter auf einem Esel begeg­nete, fühlte ich mich gar in bibli­sche Zei­ten ver­setzt. Es war eine archai­sche, über­mäch­tige Land­schaft, eine Stein­wüste, die ihren Bewoh­nern alles abver­langte. Die frucht­ba­ren Fluss­tä­ler schie­nen plötz­lich weit weg. Ich war auf mich selbst zurückgeworfen.

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Die dritte Nacht schlief ich bei einem Dorf­vor­ste­her, der mich bei sich auf­nahm und bewir­tete. Die tou­ris­ti­sche Infra­struk­tur war räum­lich gese­hen nicht allzu fern und zugleich zeit­lich Licht­jahre entfernt.

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Spä­tes­tens diese Wan­de­rung änderte end­gül­tig die Wahr­neh­mung mei­ner Per­son – grund­sätz­li­cher konnte ich mich kaum von ande­ren Tou­ris­ten unter­schei­den, die Kom­fort und Ent­span­nung such­ten und in Win­des­eile die tou­ris­ti­schen Sehens­wür­dig­kei­ten abklap­per­ten. Sie tun alle das Glei­che: Sie buchen in Ouar­za­zate eine Grup­pen-Tour, die zu sie zu den Dünen bei Merz­ouga und durch die Todra- oder Dades­schlucht führt. Ihr Vor­teil war, dass sie von einem guten Füh­rer viele Infor­ma­tio­nen beka­men, aber sie kamen dafür nur sel­ten direkt mit den Ein­hei­mi­schen in Kon­takt. Von ihnen trenn­ten mich seit lan­gem Wel­ten; ich war ein aus der Zeit gefal­le­nes Fos­sil, ein Ana­chro­nis­mus, auf der Suche nach dem ein­fa­chen, guten Leben. Inzwi­schen hatte ich mir einen klei­nen Basis­schatz an Taschel­heit-Kennt­nis­sen (einer der Ber­ber­dia­lekte) zuge­legt. Das reichte zwar nicht im Ansatz für eine rich­tige Kon­ver­sa­tion, stieß mir aber immer mehr Türen auf. Meine eif­ri­gen Bemü­hun­gen mich der Ber­ber­kul­tur anzu­nä­hern brach­ten mir Ach­tung ein. Auch wenn es anma­ßend klin­gen muss – ich fühlte mich bald im Her­zen als Ber­ber. Deren Ideale von Frei­heit, Gemein­schaft, Fami­lie, ihre Ver­bun­den­heit mit der Erde und ihr Wider­stand gegen unzäh­lige Inva­so­ren impo­nier­ten mir. Schon lange trug ich den Dschel­laba (den Kapu­zen­man­tel der Ber­ber) mit gro­ßer Selbst­ver­ständ­lich­keit. Nun wollte ich einen Schritt wei­ter­ge­hen und in die halb­no­ma­di­sche Welt des Saghro vor­drin­gen. Dies­mal war ich wild ent­schlos­sen; so lie­ßen mich die War­nun­gen mei­ner Freunde Ibra­him und Moham­med kalt. Sie hat­ten die Ankün­di­gung von schwe­rem Schnee­fall im Saghro gehört und emp­fah­len mir, meine Wan­de­rung noch ein­mal zu ver­schie­ben. Doch ich musste end­lich los, ich war auf das große Aben­teuer  fokus­siert und wenn es zwei Tage schneien sollte, dann würde ich das Ende eben in den Ber­gen abwar­ten. Doch da hatte ich die Rech­nung ohne mei­nen Stolz gemacht.

 

Zunächst machte ich mich auf den Weg nach Tag­dilt, direkt am Fuße der Berg­kette. Mit einem Fah­rer hätte ich andert­halb Stun­den dort­hin gebraucht. Ich war jedoch immer wie die Ein­hei­mi­schen unter­wegs: Ich bestieg eines der Sam­mel­ta­xis, die unre­gel­mä­ßig durch die Dades-Schlucht fah­ren, war­tete stun­den­lang in Bou­male-Dades, bis der nächste klapp­rige Mer­ce­des­bus sich so weit gefüllt hatte, dass sich die Fahrt für den Fah­rer lohnte. Dann fuh­ren wir auf einen Gemü­se­markt, wo sich die Pas­sa­giere mit dem Nötigs­ten ein­deck­ten – die Sam­mel­ta­xis sind für viele die ein­zige Mög­lich­keit, um Waren nach Hause zu brin­gen. So dau­erte es den hal­ben Tag, um Tag­dilt zu errei­chen. Dort stieg ich in einer Gite, einer ein­fa­chen Her­berge unter. Das Wet­ter war präch­tig und es schien mir schwer vor­stell­bar, dass es bald schneien sollte. Über dem Hohen Atlas hat­ten sich zwar schwere Wol­ken gebil­det. Doch zwi­schen ihm und der Berg­kette des Saghro liegt eine 30–40 Kilo­me­ter weite Ebene.

 

Im Schnee­sturm

 

Am nächs­ten Tag wusste ich, dass die Pro­gno­sen nicht aus der Luft gegrif­fen waren. Als ich erwachte, lag bereits eine Schnee­schicht auf dem Boden, der Him­mel hatte seine Pfor­ten geöff­net und ließ schwere Schnee­flo­cken auf die Erde rie­seln. Wind war auf­ge­kom­men und es wurde immer die­si­ger. Die Kin­der des Hau­ses lie­fer­ten sich eine Schnee­ball­schlacht und ich war ein wenig unschlüs­sig, was ich tun sollte. Der älteste Sohn des Besit­zers wie­der­holte in einem fort, wie kalt es sei und dass ich doch nicht ernst­haft los­ge­hen könne. Ich ertappte mich bei dem absur­den Gedan­ken, wer wohl hier der Ber­ber war. Bald beschloss ich das ner­vige Gejam­mer hin­ter mir zu las­sen und auf­zu­bre­chen. Zumin­dest die einige Stun­den ent­fernte Ort­schaft  Imi n’Ouarg wollte ich unbe­dingt errei­chen. So stapfte ich mit den 30 Kilo­gramm auf dem Rücken los.

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Bald war aus dem Wind ein hef­ti­ger Sturm gewor­den und es schneite sich immer wei­ter ein. Der Ruck­sack war viel zu schwer, der Dschel­laba wurde immer feuch­ter und damit noch schwe­rer. Die Sicht ver­rin­gerte sich auf wenige Meter. Aber ich musste wei­ter. Bald pas­sierte ich ein klei­nes Dorf; Kin­der häng­ten sich an meine Fer­sen und stürm­ten mich mit Fra­gen. Am liebs­ten hätte ich eine Pause gemacht und mich irgendwo auf­ge­wärmt. Doch ich ver­bat es mir; ich musste mei­nen Rhyth­mus finden.

Von der Land­schaft war wenig zu erken­nen. Die Fel­der und Gär­ten waren kaum zu erah­nen und manch­mal waren es nur die Berge in unmit­tel­ba­rer Nähe, die mir ein vages Gefühl davon ver­mit­tel­ten, wo ich mich befand. Ein Trans­por­ter pas­sierte mich und der Fah­rer bot mir an, mit­zu­fah­ren. Doch ich wollte keine Hilfe anneh­men – ich war bereits jetzt in mei­nem Ein­zel­kämp­fer-Modus. Es hörte nicht auf zu schneien und zu stür­men. Die Wei­ler, die ich pas­sierte, wirk­ten wie aus­ge­stor­ben, dann traf ich wie­der zwei junge Bur­schen, die mich ein Stück beglei­te­ten. Schließ­lich erreichte ich erschöpft Imi n’Ouarg. Ich war kaum mehr als vier Stun­den unter­wegs gewe­sen, aber die Nässe, der Sturm und der Schnee hat­ten mir zuge­setzt, von dem Gewicht auf dem Rücken ganz zu schwei­gen. Eigent­lich führte ich für die Wan­de­rung zu viel Gepäck bei mir, aber ich hatte gehofft, wie auf der letz­ten Wan­de­rung ein oder zwei Mal in Höh­len über­nach­ten zu können.

Als ich den Wei­ler erreichte, wollte ich nur noch unter ein tro­cke­nes Dach und hatte mei­nen Ruck­sack gerade für einen Moment an der Tür zur Moschee abge­setzt, als ich vor dem benach­bar­ten Haus den Mann erkannte, der mir unter­wegs die Mit­fahrt ange­bo­ten hatte. Ohne zu zögern lud er mich in sein Haus ein. Dank­bar betrat ich einen klei­nen, offe­nen Innen­hof, in des­sen Mitte sich bereits ein beacht­li­cher Schnee­berg ange­sam­melt hatte und wurde einer jun­gen Ara­be­rin vor­ge­stellt. Bald stellte sich her­aus, dass mein Gast­ge­ber Yous­sef einige der Leh­re­rin­nen der Dorf­schule bei sich woh­nen ließ. Wäh­rend sie mir ihre Pan­tof­feln aus­lieh, führte mich Yous­sef in einen Lager­raum und begann mir ein Nacht­la­ger her­zu­rich­ten. Ich war gerührt von sei­ner Gast­freund­schaft und meine Dank­bar­keit wuchs mit jeder Geste. Er ver­sorgte mich mit Essen und einem klei­nen Gas­ofen, für den er zwei­mal eine neue Gas­fla­sche kaufte. Zunächst war er ein wenig ent­täuscht über meine nicht vor­han­de­nen Fran­zö­sisch-Kennt­nisse. Umso erfreu­ter war er über meine Bemü­hun­gen etwas Taschel­heit zu ler­nen und mei­nem Inter­esse für die Ber­ber­kul­tur. In Win­des­eile schloss er mich in sein Herz und war wie ein Vater zu mir.

Da es in dem Dorf kein regu­lä­res Gast­haus gab, gab ich eine son­der­bare Erschei­nung ab. Über­haupt stellte sich die Frage, was ein ein­sa­mer Wan­de­rer bei die­sen Bedin­gun­gen über­haupt hier machte. Mit Fatima, einer wei­te­ren Leh­re­rin, unter­hielt ich mich in einer wil­den Mélange aus Eng­lisch, ein paar Bro­cken Fran­zö­sisch und Taschel­heit über den Islam und wir waren uns trotz unter­schied­li­cher Vor­stel­lun­gen vom Leben einig, dass nur in reli­giö­ser Koexis­tenz Zukunft für unsere Erde lag. Ihre fast naïve Rein­heit rührte mich an. Am Abend saß ich vor dem Gas­ofen. Drau­ßen weh­ten die Stürme durch den Saghro, der Schnee­fall hatte nicht nach­ge­las­sen, aus einem Nach­bar­zim­mer erklang das fröh­li­che Glo­cken­la­chen der Leh­re­rin­nen. Ich schlief gut. Am nächs­ten Tag ver­wi­ckel­ten mich die Dorf­kin­der und Leh­re­rin­nen in eine Schnee­ball­schlecht. Es war eine unver­fälschte Erfah­rung ganz nach mei­nem Geschmack. Viel­leicht würde mir die Voll­endung mei­ner Wan­de­rung ver­wehrt blei­ben, aber alleine diese Tage waren den Auf­bruch wert gewesen.

Nach der zwei­ten Über­nach­tung hatte es auf­ge­hört zu schneien und zu stür­men. Der Blick, der sich mir bot, war atemberaubend:

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Ich wollte wei­ter. Zumin­dest bis zum nächs­ten Etap­pen­ort; dort würde ich wei­ter­se­hen, ob der dahin­ter lie­gende Pass pas­sier­bar wäre. Inzwi­schen lag über ein hal­ber Meter Schnee; Dort, wo sich Schnee­ver­we­hun­gen auf­ge­türmt hat­ten, war er noch deut­lich tie­fer. Yous­sef schip­pte gerade sein Dach frei und war kei­nes­wegs begeis­tert über mein Ansin­nen, bei die­sen Bedin­gun­gen wei­ter zu gehen. Schließ­lich beglei­tete er mich mit sei­nem Sohn und eini­gen Kin­dern aus dem Dorf noch ein Stück auf mei­nem Weg und half mir, einen Weg zu spuren.

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Dann war ich wie­der allein und kämpfte mich durch den Schnee.

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Ein­mal machte ich bei einer halb­no­ma­di­schen Fami­lie halt und wurde in einem höh­len­ar­ti­gen Raum mit Tee, Oli­venöl und Brot ver­kös­tigt. Kurze Zeit spä­ter erreichte ich Ishu Has­sein, wo mich eine kleine Her­berge mit gran­dio­sem Blick erwartete.

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Der Wei­ler wird nur von zwei Fami­lien bewohnt. Mein Gast­ge­ber Has­sein war einer der weni­gen Ein­hei­mi­schen unter­wegs, die ein pas­sa­bles Eng­lisch spra­chen. Er ver­sorgte mich mit einem klei­nen Chi­mini (ein klei­ner Holz­koh­le­ofen) und leis­tete mir Gesell­schaft. Ich machte mir Sor­gen, mich mit dem Anstieg zum fol­gen­den Pass zu über­neh­men und frage ihn nach sei­ner Ein­schät­zung. Es sei „dif­fi­cult, but not impos­si­ble“. Das musste genügen.

In der Nacht ging ich immer wie­der nach drau­ßen, um den Him­mel zu betrach­ten. Ich war voll­kom­men dem Moment erge­ben, ergrif­fen von den Ele­men­ten. Sel­ten war ich ihnen so nah. Über mir blitz­ten die Sterne in all ihrer Pracht um die Wette. Hun­de­ge­bell drang aus der Ferne zu mir und das Echo hallte im Tal wie­der. Ich war glücklich.

 

Der Grenz­gän­ger

 

Am nächs­ten Mor­gen zog ich wei­ter. Noch ein­mal mache ich kurz bei einer Noma­den­fa­mi­lie halt. Es war die letzte Behau­sung vor dem Pass. Wir tausch­ten Tee, Brot und Ziga­ret­ten, im Halb­dun­kel lag ein schwer behin­der­tes Kind, das voll­stän­dig auf die Für­sorge sei­ner Eltern ange­wie­sen war. Sie hat­ten noch ein wei­te­res Kind. Die Mut­ter buk auf ein­fachste Weise Brot­fla­den. Es fiel mir unend­lich schwer mir vor­zu­stel­len, wie sie die­ses Leben meis­tern konn­ten. Die Ele­mente ver­lang­ten ihnen alles ab. Im Som­mer herr­schen im Saghro oft über 50 Grad, es wim­melt von Skor­pio­nen und Kobras und wie wid­rig die Ver­hält­nisse im Win­ter sein kön­nen, erlebte ich gerade selbst. Da stieß die roman­ti­sche Vor­stel­lung von einem Leben inmit­ten der Berge an ihre Grenzen.

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Ich brach wie­der auf. Nach drei Schrit­ten sank ich das ers­ten Mal im Tief­schnee ein und fiel um. Müh­sam rap­pelte ich mich wie­der auf. Spä­tes­tens jetzt war mir klar, dass ich unter die­sen Bedin­gun­gen auf kei­nen Fall wei­ter­lau­fen sollte, doch ein Umkeh­ren war in mei­nem Kopf nicht vor­ge­se­hen.  Also wei­ter, immer wei­ter, ohne Rück­sicht auf Verluste.

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Längst betrachte ich mein Aben­teuer aus einem Tun­nel­blick her­aus, ohne den ich keine mei­ner Wan­de­run­gen über­stan­den hätte. Das ein­ge­schränkte Blick­feld durch die Kapuze ver­stärkte die­ses Gefühl noch.

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In der glei­ßen­den Berg­sonne war es unglaub­lich heiß, aber für den schwe­ren Kapu­zen­man­tel aus Schafs­wolle war kein Platz in mei­nem Ruck­sack. Ich schwitze wie ein Schwein. Müh­sam schleppte ich mich wei­ter und befand mich bald im Auf­stieg zum Tizi N’uarg. Es kos­tete unglaub­lich viel Kraft, um mich im Tief­schnee nach oben zu arbei­ten. Bereits bei Errei­chen des Pas­ses fühlte ich mich völ­lig entkräftet.

Der Blick zurück:

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Doch ich glaubte, das Schlimmste hin­ter mich gebracht zu haben. Ich ging noch ein wenig über den Pass hin­aus wei­ter und genoss den Blick auf die betö­rende Schnee- und Berg­land­schaft. Vor mir lag ein Tal aus­ge­brei­tet, das sich in zwei Rich­tun­gen teilte.

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Im Tal machte ich einige Stein­be­hau­sun­gen von Noma­den aus; sie waren ver­las­sen. Ich wusste, dass meine Route unmit­tel­bar vor dem Pass nach links wei­ter­führte und dort ver­lie­fen auch Spu­ren im Schnee. Das irri­tierte mich jedoch auch ein wenig, denn Has­sein hatte gesagt, kei­ner sei in den Ber­gen unter­wegs. Ich hatte ver­mu­tet, das steilste Stück bereits hin­ter mich gebracht zu haben und war daher über­rascht, dass nach einer rela­tiv fla­chen Pas­sage ein wei­te­res Steil­stück war­tete. Hier war der Schnee bereits bis zu einen Meter tief. Wir reden spä­tes­tens jetzt von Extrem­sport und ich schwankte zwi­schen leich­ter Hys­te­rie ob mei­nes ver­rück­ten Unter­neh­mens, mich hier hoch­zu­stem­men und einem unbän­di­gen Stolz, dass ich mal wie­der dabei war, Gren­zen ein­zu­rei­ßen. Nicht zuletzt musste ich über mich selbst lachen, mich wie­der in so einer Extrem­si­tua­tion wie­der­zu­fin­den, bei der jeder Ver­nünf­tige Mensch die Not­bremse zie­hen würde. Mein Was­ser war inzwi­schen auf­ge­braucht. Um nicht völ­lig zu dehy­drie­ren, hatte ich begon­nen, Schnee zu essen.

Es war ein Him­mel­fahrts­kom­mando. Alle Kraft und Kon­zen­tra­tion waren nach vorne gerich­tet. Jeder Schritt war eine Qual, doch ich wusste genau, dass mich auch auf den ande­ren extre­men Wan­de­run­gen nicht die Kon­di­tion, son­dern mein unbän­di­ger Wille ans Ziel gebracht hatte. Wie­der ein­mal hatte der risi­ko­be­reite Drauf­gän­ger in mir den Vor­sich­ti­gen mei­len­weit abge­hängt. Dem Herrn Alles-oder-Nichts ging es darum, inten­siv und wahr­haf­tig zu leben und alles aus­zu­mer­zen, was in mir unle­ben­dig ist. Doch diese schein­bar nur nega­ti­ven Sei­ten in mir hat­ten in mei­nem Leben eine wich­tige Funk­tion gehabt: Selbst­schutz. Sie muss­ten ent­ste­hen, als ich ver­ra­ten und ver­ach­tet war. Diese Seite sucht nach Hei­mat, zumin­dest nach einem Hafen. Mir ging es in mei­nem Leben immer nur gut, wenn ich einen Aus­gleich zwi­schen den Ich-Antei­len fand. Beide haben ihre Berech­ti­gung und Not­wen­dig­keit. Doch wie­der ein­mal igno­rierte ich den schwa­chen Anteil und ver­suchte den Schat­ten der Ver­gan­gen­heit abzu­schüt­teln. Ich wollte mich spü­ren, mich mei­nes Selbst­werts ver­si­chern. Die Aben­teu­er­lust war zu einem wich­ti­gen Teil mei­ner Iden­ti­tät gewor­den. Wer hier hoch kam, der konnte alles schaffen.

Ich hörte Rufe aus dem Tal, dem ich gerade ent­stieg, inter­pre­tierte sie als War­nung, auf dem fal­schen Weg unter­wegs zu sein und die gren­zen­lose Erschöp­fung löste Ver­wir­rung aus. Ich konnte mir nicht vor­stel­len, dass mein Weg immer wei­ter nach oben füh­ren konnte. Ich begann zu zwei­feln. Folgte ich wirk­lich dem rich­ti­gen Weg oder war ich längst auf einer aber­wit­zi­gen Route, die mich in die Irre führte? Hätte ich viel­leicht doch in Rich­tung der Noma­den­be­hau­sun­gen gehen sol­len? Mir ging die Zeit aus, die Situa­tion spitzte sich zu und ich musste zuse­hen, dass ich einen geeig­ne­ten Ort für eine Über­nach­tung fand.

In Wahr­heit war ich vom höchs­ten Punkt mei­ner Route viel­leicht noch eine drei­vier­tel Stunde ent­fernt. Ich müsste nur noch zwei oder drei letzte Kup­pen bezwin­gen und befände mich dann im lan­gen Abstieg nach Igli. Doch in die­ser völ­lig unüber­sicht­li­chen Berg-und Schnee­land­schaft war Ori­en­tie­rung fast unmög­lich. In mei­ner Ver­un­si­che­rung traf ich die fatale Ent­schei­dung, in ein Sei­ten­tal hin­ab­zu­stei­gen, um wie­der auf die Route zu sto­ßen, die ich von der Pass­höhe aus hatte erah­nen kön­nen. Das war völ­li­ger Wahn­sinn, eine völ­lig unwahr­schein­li­che Annahme. Doch es war bereits seit Stun­den eine Grenz­erfah­rung fernab jeg­li­cher Rationalität.

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Die Todes­falle

 

Um es mir ein wenig ein­fa­cher zu machen, beschloss ich seit­lich über die Fel­sen in das Tal zu klet­tern. Über den Fels hin­un­ter­zu­stei­gen war deut­lich ange­neh­mer. Dazwi­schen war der Schnee ver­bo­ten tief.

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Als ich das Tal erreichte, erlebte ich eine böse Über­ra­schung: Unter dem Schnee hatte sich ein unter­ir­di­scher Fluss gebil­det und mir blieb nur, den Fluss immer wie­der zu kreu­zen auf der Suche nach Pas­sa­gen, in denen ich nicht zu tief ver­sank. Die Nässe spielte keine Rolle; meine Schuhe waren ohne­hin schon seit dem Mor­gen durch­nässt. Ich über­legte kurz, doch wie­der zu den Fuß­spu­ren zurück­zu­keh­ren, aber ich hatte kaum noch Kraft. Es fiel mir immer schwe­rer, ver­nünf­tige Gedan­ken zu ent­wi­ckeln. Mir war bewusst, dass mir vor dem Ein­bruch der Dun­kel­heit nicht mehr viel Zeit blei­ben würde und begann nach einer Höhle Aus­schau zu hal­ten – ver­geb­lich. Dann ver­engte sich das Tal. Ein klei­ner Was­ser­fall ver­hin­derte ein Wei­ter­kom­men. Ich klet­terte auf den lin­ken Grat, stand aber bald vor einem Abgrund. Auch ein wei­te­res Auf­stei­gen schien mir unmög­lich; von die­sem Aus­sichts­punkt aus ent­schied ich mich, auf die rech­ten Flanke hin­auf­zu­klet­tern, um das Nadel­öhr zu umge­hen. Doch ich schaffte es nicht mehr hin­auf­zu­kom­men, ich war viel zu ent­kräf­tet, der poröse Fels gab kaum Halt oder von zu viel Schnee bedeckt. In die­sem Moment der abso­lu­ten Schwä­che nahm ich wahr, dass ich von mei­ner Posi­tion aus den klei­nen Was­ser­fall umge­hen konnte, indem ich mit dem Schnee wie­der zur Tal­sohle hin­un­ter rutschte. Ich sah ohne­hin keine ande­ren Optio­nen mehr.

Umso grö­ßer war mein Ent­set­zen, als mir das ganze Aus­maß mei­ner Ent­schei­dung klar wurde: ich hatte mich in eine Todes­falle bege­ben. Das Tal hatte sich an die­ser Stelle auf wenige Meter ver­engt, in der Mitte hatte sich ein klei­ner See gebil­det und der Schnee links und rechts davon war abschüs­sig und gerade dabei, sich in Was­ser zu ver­wan­deln. Rechts und links über mir ragte nur schrof­fer, stei­ler Fels auf.

Zunächst ver­suchte ich die Was­ser­an­samm­lung am Rande zu umge­hen. Nach weni­gen Schrit­ten ver­sank ich voll­stän­dig im Schnee, aus dem ich mich lange nicht mehr befreien konnte. Nun hatte ich Todes­angst. Nur mit den Irr­sinns­kräf­ten der Ver­zweif­lung gelang es mir noch ein­mal, mich seit­lich aus dem Loch her­aus­zu­rol­len. So kam ich nicht wei­ter. Ich wurde zuneh­mend hys­te­risch und ein laut­lo­ses, ver­zwei­fel­tes Schluch­zen über­kam mich. Die ein­zig ver­blie­bene Option erschien nun das Durch­que­ren der Was­ser­an­samm­lung; doch als ich bereits am Rande bis zu den Hüf­ten ein­sank, musste ich auch die­ses Vor­ha­ben auf­ge­ben. Im eisi­gen Was­ser ste­hend, war ich mir sicher, dass mein Leben hier enden würde. Alea iacta est! Die Wür­fel waren gefal­len. Nackte Panik erfüllte mich; Gedan­ken­fet­zen ras­ten durch mei­nen Kopf: du gehst kaputt wie­der­holte eine Stimme in mir stu­pide. Was für ein erbärm­li­ches Ende! Ich dachte daran, wel­che schöne Erfah­run­gen, ich nie wie­der machen dürfte. Die ande­ren Gedan­ken kreis­ten um die Frage, was die Lie­ben sagen wür­den, wenn man mich irgend­wann fin­den sollte. Der Aben­teu­rer in mir hatte sich oft ins­ge­heim gewünscht, wäh­rend einer die­ser Grenz­gänge im vol­len Seins­zu­stand mit erho­be­nem Haupt zu ver­un­glü­cken und nicht wäh­rend einer der Pha­sen der Unle­ben­dig­keit, die mich immer wie­der ein­hol­ten. Aber doch nicht so! Ein ande­rer Gedanke jagte mir durch den Kopf: Mit 16 hatte ich ster­ben wol­len, jetzt war ich 32 und ich würde ster­ben, obwohl ich unbe­dingt leben wollte.

Ich stieg müh­sam aus dem Was­ser her­aus und setzte mich auf einen Stein, um wie­der einen kla­ren Kopf zu bekom­men. Ich ver­suchte den auf­kom­men­den Zynis­mus auf­grund der bit­ter-absur­den Situa­tion zu ersti­cken. Ich hatte nur noch eine ein­zige Chance: Ich musste irgend­wie den Fels erklim­men. Ein ers­ter Ver­such endete nach weni­gen Metern. Da saß ich nun in einem Fels­spalt, krampf­haft bemüht mich selbst und die bei­den Ruck­sä­cke fest­zu­hal­ten und beschloss in die­ser wind­ge­schütz­ten Posi­tion eine Nudel­suppe zu kochen. Wie das tech­nisch mög­lich war, ist mir völ­lig unklar, aber es gelang. Blei­ben konnte ich dort jedoch nicht, ich konnte mich unmög­lich die ganze Nacht hier fest­hal­ten, geschweige denn die Klei­der aus mei­nem Ruck­sack anzie­hen. Ich klet­terte wie­der hinab und ver­suchte es an der ein­zig ande­ren Stelle, die theo­re­tisch in Frage kom­men konnte. Doch der Fels war brü­chig und bot kaum Mög­lich­kei­ten, sich fest­zu­hal­ten. Es blieb mir nur mich am Rande des Gesteins im Tief­schnee an den Fels geklam­mert hin­auf zu arbei­ten, den einen Ruck­sack immer wei­ter nach oben wuch­tend, den ande­ren am Kör­per. Mir war bewusst, wie knapp ich davor stand mit den Ruck­sä­cken nach unten in das Eis­was­ser zu fal­len; das wäre der sichere Tod, davon würde ich mich nicht mehr erho­len kön­nen. Selbst einen der Ruck­sä­cke zu ver­lie­ren, hätte alle ver­blie­be­nen Hoff­nun­gen ver­nich­tet – darin war alles, was mich noch von außen schüt­zen konnte.

Ich besaß keine Kraft mehr, dort hin­auf zu klet­tern, alle Not­re­ser­ven waren lange ver­braucht. Doch im Ange­sicht des siche­ren Todes mobi­li­sierte ich über­mensch­li­che Kräfte. Ich war in einem rei­nen Über­le­bens-Modus. Alles schien auf Zeit­lupe ein­ge­fro­ren. Alle Ener­gie galt der nächs­ten Bewe­gung. So über­wand ich die schroffe Fels­wand und erreichte wie­der den Punkt, an dem ich mir einen Über­blick ver­schafft hatte. Schon da hatte ich über­legt, dort aus­zu­har­ren, den Platz aber als unge­eig­net ver­wor­fen. Nun blieb mir nichts ande­res mehr. Das erste Mal in mei­nem Leben schrie ich laut­hals nach Hilfe, doch Nie­mand konnte mich hören. Ich war auf mich allein gestellt.

Mein Lager­platz war der ein­zige Ort in der nähe­ren Umge­bung, an dem auf etwa drei Metern Breite kein Schnee lag; Ich konnte mich gegen einen Fel­sen leh­nen, der mich ein wenig vor dem Wind schützte, der immer mehr an Stärke gewann. Selbst wenn ich ein Zelt gehabt hätte – hier hätte es mir nichts genutzt. Um mich herum war nur Schnee und Stein. Kurz über­legte ich noch, nach einem bes­se­ren Ort Aus­schau zu hal­ten, aber ich wusste, dass ich keine Kraft mehr ver­geu­den konnte. Also begann ich, mich in mein Schick­sal zu fügen und holte alles aus mei­nem Ruck­sack, was mir in der Nacht hel­fen konnte.

Ich dachte an die ein­zig halb­wegs ver­gleich­bare Situa­tion, als ich in Ladakh ohne Zelt drau­ßen über­nach­tet hatte, weil ein Fluss unpas­sier­bar gewor­den war. Das war auf 4000 Metern gewe­sen. Doch damals war ich nicht alleine, es hatte kein Schnee gele­gen und es war auch nicht feucht. Dies hier war um Leben und Tod.

Nun war ich froh über die Viel­zahl an Klei­dern, die ich mit­ge­nom­men hatte. Vor allem ohne die bei­den Dschel­laba und den Ahan­dir, eine schwere Noma­den­de­cke aus einem Zie­gen-/Schafs­woll­mix hätte ich keine Chance gehabt. Dazu hatte ich Ther­moun­ter­wä­sche, meh­rere T‑Shirts, einen Pull­over, eine leichte Jacke, Hand­schuhe, eine Mütze und drei paar tro­ckene Socken bei mir. Vor allem letz­te­res schien mir jetzt beson­ders wert­voll. End­lich tro­ckene Füße! Doch die fri­schen Socken hiel­ten meine Füße gerade mal 15 Minu­ten tro­cken, bevor sich mir der schlimmste Umstand mei­ner Über­nach­tung offen­barte: von unten drückte Was­ser durch den Fels – wohl auch der Grund, warum hier kein Schnee lag. Schon zog die Feuch­tig­keit lang­sam durch alle meine Kleiderschichten.

Ich kon­zen­trierte mich ganz dar­auf, inner­lich ruhig zu wer­den. Panik würde inner­halb kür­zes­ter Zeit alle ver­blie­be­nen Über­le­bens-Reser­ven ver­brau­chen und mei­nen siche­ren Tod bedeu­ten. Ich hatte etwas Fei­gen­schnaps bei mir. Trank ich den Schnaps auf einen Zug, ent­schied ich mich für den Tod im Schlaf. So trank ich lang­sam, Schlück­chen für Schlück­chen und rauchte einige Ziga­ret­ten, um mich run­ter­zu­brin­gen und ein Gefühl für die Zeit auf­recht­zu­er­hal­ten. Dann ver­sag­ten meine Feu­er­zeuge und damit wur­den Vor­räte und Gas­ko­cher unbrauch­bar. Wenigs­tens hatte ich die Nudel­suppe gegessen.

Ich rich­tete mich noch ein­mal auf und warf einen Blick auf den erha­be­nen Son­nen­un­ter­gang. Es würde mein letz­ter sein, des­sen war ich mir sicher. Wie sollte ich die nächs­ten 16 Stun­den über­le­ben? Und selbst wenn, die Zeit arbei­tete gegen mich. Unter mir ver­wan­delte sich ste­tig Schnee in Was­ser. Nicht mal die­ser Hoff­nungs­schim­mer war allzu groß. Es wurde dun­kel. Der Moment war gekom­men, mich von mei­ner Exis­tenz zu ver­ab­schie­den. Es war Neu­mond und die Sterne fun­kel­ten wie­der in all ihrer Inten­si­tät. Aber ich hatte kei­nen Blick mehr für den voll­kom­me­nen Ster­nen­him­mel über mir. In mei­nem Inne­ren war es pech­schwarz. Der Sturm gewann an Kraft und die kräf­ti­gen Böen erreich­ten im 5‑Minutentakt mein Ster­be­la­ger. Es war unfass­bar kalt; noch schlim­mer war die Feuch­tig­keit und der Wind. Nicht­mal in die­ser aus­sichts­lo­sen Situa­tion konnte ich weinen.

Doch trotz mei­ner aus­sichts­lo­sen Lage kehrte die Hoff­nung noch ein­mal zurück. In mir erwachte ein Lebens­wille, der mich in sei­ner Inten­si­tät über­raschte. Ich wollte noch etwas bei­tra­gen, etwas schaf­fen, für etwas kämp­fen, vor allem Lie­ben. Ich wün­sche mir sehn­lichst einen gelieb­ten Men­schen an meine Seite, in mei­nen Phan­ta­sien wärm­ten wir uns gegen­sei­tig. Es war kein rein ego­is­ti­sches Über­le­ben-Wol­len, son­dern viel­mehr das Gefühl, das ich noch gebraucht würde, das ich noch etwas zu geben hätte, mein Auf­trag auf die­ser Erde noch nicht erfüllt war. Ich musste alle men­tale Kraft auf­wen­den, um das innere Feuer zu näh­ren, das mich viel­leicht aus der Dun­kel­heit ret­ten konnte. Ich ver­suchte mich mit den Böen anzu­freun­den, mich ihrem Rhyth­mus zwi­schen Wachen und Träu­men, zwi­schen Leben und Tod anzu­pas­sen. Ich kam zur Ruhe in dem voll­kom­me­nen Bewusst­sein, dass ich mich zum Ster­ben hin­ge­legt hatte und mobi­li­sierte zugleich noch ein­mal allen inne­ren Wil­len, um die mini­male Chance wahr­zu­neh­men, die Nacht zu über­ste­hen. Es war ein wider­sprüch­li­cher Draht­seil­akt: den eige­nen Tod akzep­tie­ren und aus die­ser Ruhe her­aus doch überleben.

Ich drif­tete immer wei­ter ab und mein Bewusst­sein wurde immer schwä­cher. Manch­mal kamen mir Fet­zen aus dem 23. Psalm in den Sinn:

 

„Und ob ich schon wan­derte im fins­tern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Ste­cken und Stab trös­ten mich.“

 

In der unend­li­chen Nacht fiel ich immer wie­der in kur­zen, koma­tö­sen Schlaf. Ich war weit weg von allem Irdi­schen, irgendwo auf dem schma­len Grat zwi­schen Leben und Tod.

Neu­ge­burt

 

Als ich irgend­wann den Ahan­dir von mei­nem Kopf zog, war es zu mei­ner Über­ra­schung schon hell. Ich konnte es kaum glau­ben: ich hatte die end­lose Fins­ter­nis über­stan­den. Noch war es eisig, aber ich wusste, dass ich die Zeit bis zur Ankunft der Sonne über­ste­hen würde. Bald sah ich die ers­ten Son­nen­strah­len auf einen nahen Gip­fel schei­nen und ganz lang­sam über­nahm die Sonne wie­der das Kom­mando über die Erde. Das Leben war zurück­ge­kehrt. Das Glücks­ge­fühl ist kaum zu beschrei­ben. Doch zunächst musste ich hier wie­der weg­kom­men. Meine Ver­su­che wie­der in die Schuhe zu stei­gen, waren aber aus­sichts­los. Sie waren über Nacht schock­ge­fro­ren. So erwar­tete ich gedul­dig dar­auf, dass die Sonne mich erreichte und Schuhe und die voll­stän­dig mit Was­ser auf­ge­so­ge­nen Klei­der und die Decke einen Moment trock­nen konn­ten. Trotz­dem wog jeder Gegen­stand nun das Doppelte.

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Im Tages­licht sah mein Über­nach­tungs­ort gera­dezu fried­lich aus. Ich war der Dun­kel­heit entstiegen.

Zu mei­ner Über­ra­schung funk­tio­nierte eines der Feu­er­zeug wie­der und ich machte mir eine Suppe. Ich ver­suchte aus klei­nen Stöck­chen ein klei­nes Feuer zu ent­zün­den, gab es aber bald auf. Meine Zehen waren stark ange­schwol­len, doch es blieb mir nichts Ande­res als wie­der in die nas­sen Socken zu schlüp­fen und wei­ter­zu­ge­hen. Es würde Wochen dau­ern, bis sich meine Zehen wie­der nor­mal anfühl­ten. Zunächst rät­selte ich noch, ob ich ver­su­chen sollte, einen der bei­den Fels­hänge zu erklim­men, um mir klar­zu­ma­chen, wo ich mich befand. Dann beschloss ich das ein­zig Sinn­volle zu tun und zurück nach Ishu Has­sein zu lau­fen. Glück­li­cher­weise war der Fluss nicht noch viel mehr ange­schwol­len. Den größ­ten Teil der Nacht hatte ich die Beine eng an den Kör­per gewin­kelt; in Kom­bi­na­tion mit den Anstren­gun­gen des Vor­tags konnte ich kaum noch Lau­fen. Aber ich hatte keine Wahl.

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Blick zurück: Auf der lin­ken Flanke des Tals (in der Bild­mitte) hatte ich dem Tod wiederstanden.

 

Ich war viel­leicht eine Stunde unter­wegs und fragte mich, wie ich völ­lig ent­kräf­tet wie­der über den Pass kom­men sollte. Ich hatte mir vor­ge­nom­men, nie­mals wie­der so etwas alleine zu wagen, zumin­dest nicht unter sol­chen Bedin­gun­gen. Ich hatte das Schick­sal oft genug her­aus­ge­for­dert, genug Grenz­gänge unter­nom­men. Ich wollte auch den Ängst­li­chen in mir mit ins Licht neh­men; er hatte genauso sei­nen Platz wie der Drauf­gän­ger. Ich hatte genug ris­kiert, es war an der Zeit end­lich ein­mal zur Ruhe zu kom­men. Ich wollte nicht mehr mit dem Kopf durch die Wand. Kein Mensch kann immer kämp­fen. Ich wollte Gebor­gen­heit, inne­ren Frie­den und Gleich­ge­wicht fin­den. Ein neuer Tag, ein neues Leben.

Plötz­lich kam mir wie aus dem Nichts ein Ber­ber ent­ge­gen. Er war mei­nen Spu­ren gefolgt. Ich hatte mir so sehr nach einem Men­schen gesehnt, der mir half. Und nun stand er vor mir. Eine Tonne Gewicht fiel von mei­nen Schul­tern. Er bot mir an, mir die Route nach Igli zu zei­gen und for­derte einen staat­li­chen Geld­be­trag dafür. Es war absurd: gerade wäre ich fast gestor­ben und nun feilschte ich mit ihm über Geld. Meine Ver­hand­lungs­po­si­tion war zuge­ge­ben schlecht; bald wur­den wir uns einig und er würde sich sein Geld mehr als ver­die­nen. Bald nahm er mir mei­nen schwe­ren Ruck­sack ab, den ich kaum noch schul­tern konnte. Als wir wie­der die Route erreich­ten, an der ich ins Nichts abge­bo­gen war, sahen wir eine Gruppe von Eseln, die von ein paar Ber­bern Rich­tung Ishu Has­sein getrie­ben wur­den. Selbst die Esel ver­wei­ger­ten die Gefolg­schaft und oft muss­ten die Füh­rer sie schie­ben. Sie waren auf dem Weg zurück nach Tag­dilt, nach­dem alle Tou­ris­ten­tou­ren abge­sagt wor­den waren oder auf schnee­freie Kor­ri­dore aus­ge­wi­chen waren. Ich war der ein­zige Aus­län­der weit und breit und hatte mit­ten im Schnee­kor­ri­dor über­nach­tet. Einen unpas­sen­de­ren Ort für die ver­gan­gene Nacht hätte man sich nicht vor­stel­len kön­nen. So erklärte ich es auch mei­nem Füh­rer. Ich war auf dem Weg von Igna nach Igli. Igna bedeu­tet auf Taschel­heit Himmel.

Trotz des nun viel gerin­ge­ren Gewichts, war es für mich eine unmensch­li­che Anstren­gung wie­der berg­auf durch den Tief­schnee zu lau­fen. Mein uner­war­te­ter Füh­rer trieb mich zwar immer wie­der zur Eile, akzep­tierte dann aber, dass ich auf Not­re­serve lief. Schließ­lich erreich­ten wir den höchs­ten Punkt der Wanderung.

Hatte ich auf den Wan­de­run­gen in der Dades­schlucht das Bild von den „Stu­fen zum Him­mel“ ange­nom­men, das ich in einer Lek­türe über die Ber­ber gefun­den hatte, so ging ich dies­mal die Stu­fen vom Him­mel herab. Vor uns lag eine schnee­freie Ebene. Es erschien mir fast unwirklich.

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Nach­dem das Ziel direkt vor mei­nen Augen lag, machte sich mein Beglei­ter wie­der auf den Rück­weg und ich stieg schein­bar end­los an mäch­ti­gen Tafel­ber­gen ent­lang ins ret­tende Tal hinab.

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Noch ein­mal machte ich eine Pause und blickte ungläu­big auf die völ­lig ver­än­derte Landschaft.

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Ich sah die ers­ten Vögel, sie san­gen für mich von der Schön­heit der Sonne und des Lebens. Erst nach­dem ich das Bild der ers­ten klei­nen Gär­ten ganz in mich auf­ge­so­gen hatte, machte ich mich im Dun­kel auf die letz­ten Meter zu einer klei­nen Her­berge. Nach­dem ich mich erst­mal hin­ge­legt hatte, konnte ich mich nicht mehr auf­rich­ten. Ich musste zur Wand rob­ben und mich mit aller Kraft gegen die Wand auf­stem­men. Als ich mich noch ein­mal in die Nacht hin­aus­ge­quält hatte, war ich ent­setzt und ungläu­big ob der Kälte, der ich in der Nacht zuvor hoch oben in den Ber­gen im Sturm und durch­nässt 16 Stun­den lang aus­ge­setzt war. Wie hatte ich das nur über­ste­hen können?

Am nächs­ten Tag bewegte ich mich kaum, beschränkte mich auf das Lie­gen in der Sonne, fühlte mich geer­det wie seit Jah­ren nicht mehr, wusch meine Klei­der und kochte. Es war ein wun­der­vol­ler Ort, um sich neu­ge­bo­ren zu füh­len. Immer wie­der blickte ich auf die Tafel­berge, die mei­nen Weg aus der Schnee­zone mar­kiert hat­ten. Fast war ich die Stu­fen zum Him­mel ganz hin­auf­ge­stie­gen. Es schien völ­lig absurd, hier in der Sonne zu lie­gen, umge­ben von klei­nen Gär­ten und nur einige Kilo­me­ter ent­fernt den Ort zu wis­sen, an dem ich gerade erst fast erfro­ren wäre.

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Wie gut rochen die Sträu­cher und Wild­blu­men, wie satt leuch­tete das Grün der Fel­der und Gär­ten, wie hell zwit­scher­ten die Vögel, strahl­ten die Sonne und der blaue Him­mel um die Wette, mun­dete das Was­ser, zirp­ten die Gril­len im Wohl­klang. Ich war neugeboren.

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Noch immer lagen drei anstren­gende Tages­etap­pen vor mir, die mir alles abver­lang­ten. Einige Impressionen:

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Schließ­lich erreichte ich völ­lig ent­kräf­tet Nekob. Als ich das erste Mal wie­der an einer Ver­kehrs­straße stand, konnte ich den Lärm kaum aus­hal­ten, so still war die letzte Woche in der Berg­welt des Saghro gewe­sen. Für die Men­schen hier war der Schnee ein Segen. Die Fel­der konn­ten erblü­hen. Seit acht Jah­ren hatte es nicht mehr so viel Was­ser gegeben.

Der Abschied war stan­des­ge­mäß; Ich lud Said, einrn Minen­ar­bei­ter, der mich auf dem letz­ten Stück mei­ner Wan­de­rung beglei­tet hatte, in ein Tee­haus ein. Es wurde ein groß­ar­ti­ger Abend. Ich lief noch ein­mal zu gro­ßer Form auf und machte alles aus mei­nem Mini-Wort­schatz und mei­nem thea­tra­li­schen Talent. Als wir zu spä­ter Stunde durch die Stra­ßen des Ortes schlen­der­ten, saß vor einem klei­nen Laden ein jun­ger Mann der „Imgoune Life“ auf der Gitarre spielte, einen rebel­li­schen Frei­heits­song der Ber­ber. Neben eini­gen Stü­cken aus dem „into the wild“-Soundtrack war dies das ein­zige Musik­stück, das mich schon lange, vor allem aber auf der Wan­de­rung durch den Saghro beglei­tet hatte. Es war zu schön, um wahr zu sein. So schien das letzte Aben­teuer mei­ner Rei­sen zu Ende zu gehen. Ich würde wei­ter über das Karus­sell des Lebens schleu­dern. Ich war noch nicht am Ende angekommen.

Cate­go­riesMarokko
Oleander Auffarth

Grenzenlose Neugier auf fremde Kulturen und die Suche nach einer neuen Essenz für mich und die Welt zog mich 2009 nach Indien. Seitdem bin ich dem Reisen und der Magie der Suche verfallen.

  1. Sven Zühlke says:

    Hallo,
    das sind sehr schöne Bil­der von den Ber­gen .Nur wenn man nicht weis was Du da foto­gra­fiert hast geht man wei­ter­hin Blind durch das Leben. Ich nenne deine Berge jetzt mal Baum­stümpfe oder bes­ser der ver­stei­nerte Rest vom Baum.Es lässt sich nicht in Wor­ten wie­der­ge­ben wie man uns belo­gen hat.Suche alle Bil­der von den ver­stei­ner­ten Bäumen,alle sind geschnit­ten ;) Nur wer schaffte das vor oder nach der Ver­stei­ne­rung! Alles Gute.Der Mensch muss wie­der zurück zur Natur.9 Mil­lio­nen Hexen star­ben nicht wegen der Inqi­si­tion son­dern weil es das Natur Volk war.Gedanken erschaf­fen die Rea­li­tät ( Bedingt durch gesunde Ernäh­rung ohne Gen­ma­ni­pu­la­tion )und genau das ist die Macht vor der die Herr­scher sich fürchten

  2. Astrid Därr says:

    Hallo Ole­an­der,
    Danke für Deine Ant­wort. Da Deine Geschichte eher wie eine 8000er-Bestei­gung klingt, hoffe ich, dass sich nie­mand davon abschre­cken lässt, diese durch­aus „nor­male“ und pro­blem­los durch­führ­bare Trek­king­tour zu einer geeig­ne­ten Rei­se­zeit (und mit Karte oder Füh­rer) zu unternehmen ;-)
    Viele Grüße

  3. Astrid Därr says:

    Sorry Ole­an­der, aber über die­sen Bei­trag musste ich mich als Marokko-Ken­ne­rin und Berg­stei­ge­rin doch recht ärgern. Zum einen wim­melt es an maß­lo­sen Über­trei­bun­gen („Im Som­mer wim­melt es an Kobras und Schlan­gen“, in einem Absatz sind es 25 kg im Ruck­sack, im nächs­ten 30 kg). Zum Ande­ren gerät man auch auf jedem ein­fa­chen Vor­al­pen­gip­fel in Bay­ern in die „Todes­falle“, wenn man bei Schlecht­wet­ter ohne Ori­en­tie­rungs­sinn (oder ‑hil­fen) auf­bricht, mit einer Djel­la­bah und Woll­de­cken als Aus­rüs­tung statt ordent­li­cher Funk­ti­ons­kla­mot­ten und einem Zelt. Vom Dj. Saghro gibt es eine deut­sche Trek­king­karte, außer­dem kann man sich für ein paar Euro am Tag einen orts­kun­di­gen Mulitrei­ber oder Guide anmie­ten – wenn man schon den Kon­takt zu den Ein­hei­mi­schen so betont, wäre es doch eine gute Sache, ihnen ein biss­chen Ein­kom­men zu sichern. Ich bin die Durch­que­rung mehr­mals gelau­fen – eine der schöns­ten Gegen­den in Marokko.

    1. Hallo Astrid!

      Zunächst vie­len Dank für Deine Rück­mel­dung! Zu Dei­nen Anmer­kun­gen: Die Aus­sage über die Kobras und Schlan­gen habe ich häu­fig von Ein­hei­mi­schen gehört und über­nom­men, da ich den Saghro im Som­mer selbst noch nicht durch­wan­dert habe. Die Dis­kre­panz bei den Gewichts­an­ga­ben resul­tiert dar­aus, dass ich unter­wegs Pro­vi­ant ver­braucht habe. Ansons­ten trifft mich der Vor­wurf der maß­lo­sen Über­trei­bun­gen nicht; das habe ich wirk­lich nicht nötig.

      Selbst­ver­ständ­lich kann ich Ande­ren nur emp­feh­len, einen Füh­rer zu neh­men. Ich habe aber auch Nie­man­den ermun­tert, ähn­lich unkal­ku­lier­bare Risi­ken auf sich zu neh­men – im Gegen­teil. Ich habe nur von mei­nen per­sön­li­chen Erfah­run­gen berich­tet und beschrie­ben, was mich antreibt und wel­che Dyna­mik sich unter­wegs ent­wi­ckelt hat.

      Ein Zelt hätte mir in die­ser Situa­tion nichts genutzt. Ich denke nach wie vor, dass die bei­den Dschel­laba und der Ahan­dir in Kom­bi­na­tion mit der Funk­ti­ons­un­ter­wä­sche das Beste war, was ich bei mir tra­gen konnte – zumal ich wie ein Ein­hei­mi­scher unter­wegs sein wollte. Gefehlt hat mir am meis­ten eine Plastikplane. 

      Kei­nen Füh­rer zu neh­men war eine bewusste Ent­schei­dung – ich wollte unbe­dingt alleine gehen, um die unmit­tel­bare Natur­er­fah­rung ganz in mich auf­zu­neh­men – das ist meine Form der Medi­ta­tion und Selbst­er­fah­rung – genährt von ver­gleich­ba­ren Wan­de­run­gen im Hima­laja. Die Ein­hei­mi­schen unter­stütze ich auf andere Weise.

      Den­noch ist mir bewusst, dass man mein Aben­teuer als reine Fahr­läs­sig­keit wer­ten kann und darf – da stehst Du mit Dei­ner Ein­schät­zung sicher nicht alleine. Für mich sind sol­che Grenz­erfah­run­gen exis­ten­ti­ell wich­tig; diese führte mich wei­ter als mir lieb sein konnte, aber am Ende habe ich nur mein eige­nes Leben gefähr­det und Nie­man­den sonst. Ich bin weder gro­ßer Marokko-Ken­ner, noch Berg­stei­ger oder Rei­se­jour­na­list. Ich berichte von mei­ner exis­ten­ti­el­len Suche und wohin sie mich führt.

      In die­sem Sinne liebe Grüße!

      Ole­an­der

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