Nach 4 Wochen kriege ich Reisebesuch einer sehr guten Freundin. Zu zweit erkunden wir Lettland mit einem Mietauto.

Das Guesthouse

Das gruselige lettische Guesthouse ist uns beiden nicht geheuer, und doch trifft keine von uns die Entscheidung umzukehren.

Kennt ihr Menschen, die sich bei einem Horrorfilm unter Decken und Kissen verstecken, nicht aufhören zu reden, oder Sachen rufen wie: „Nein, geh da nicht rein!“ oder „Oh maaaan! Wie dumm muss man sein!“ raunen? Ich bin so ein Mensch, weshalb ich nie, nie, nie Horrorfilme schaue. Horrorfilme und Sport treiben sind Zeitvertreibe, die ich aus dem gleichen Grund nicht verfolge. Sie erscheinen mir als sinnfrei und reiner Selbstzweck. (Ich weiß, darüber kann man streiten…) Es überrascht mich, dass ich mich in diesem Guesthouse so verhalte wie der Charakter der zuerst stirbt in einem drittklassigen Horrorfilm.

Das Guesthouse

Das erstaunlich günstige Guesthouse sieht toll aus von der Straße her. Es liegt direkt neben einem von Birken gesäumten kleinen Weiher und vor ihm erstreckt sich eine weite, von Herbstbäumen umringte Wiese, auf der ein kleiner Spielplatz steht. Umliegend ist tiefer und scheinbar nicht enden wollender lettischer Wald.

Vor dem Haus steht nur ein weiteres Auto, welches etwas heruntergekommen und staubig, sich als „von hier“ outet. Der ältere Herr, der uns die Pforten öffnet, spricht kein Englisch, nur Russisch. Wir folgen ihm ins Haus; er führt uns in den ersten Stock, einen langen Flur entlang von dem mehrere Mehrbettzimmer mit Duschen und Toiletten abgehen. Alles sieht relativ geschniegelt aus. Man sieht, dass hier versucht wird, Luxus zu suggerieren, jedoch wird diese Illusion an allen Ecken und Enden gebrochen. Die Badezimmer und Toiletten sind veraltet und wirken zwar nicht gebrauchsdreckig, jedoch schon vor längerer Zeit zum letzten Mal geputzt. Es riecht nicht wirklich sauber, aber der Dreck ist auch nicht doll genug, dass man es hätte ansprechen können.

Meine Freundin und ich denken sofort an eine Horrorfilmlocation. Der lange Flur, die schier endlose Zimmerflucht und die alte Beleuchtung tun ein übriges. Wir sollen uns ein Zimmer aussuchen und entschieden uns für das mit der roten Wand. Dort stehen nur zwei Betten und es gibt keine dunklen Ecken. Es ist so klein, dass man es jederzeit und mit einem Blick überschaut. In unserem Zimmer haust außer uns noch eine Spinne, eine Fliege, zwei Fliegenleichen und eine Mücke. Die wird direkt umgebracht. So richtig kann keine von uns glauben, dass das hier mit rechten Dingen zu geht…

Da wir in der Anzeige von einer Sauna gelesen haben, schreiben wir unserem Host (nicht dem Russisch sprechenden Herren). Er teilte uns mit, dass er gegen 20 Uhr vor Ort sein würde, um uns alles zu zeigen. Da es bis dahin noch gut zwei Stunden sind, beschließen wir eine Runde einkaufen zu fahren. Keine von uns hat Lust, etwas zu kochen und da wir einen Ofen im Haus gesehen haben, entschliessen wir uns eine russische Tiefkühlpizza zu holen.

Kaum sind wir zurück, müssen wir feststellen, dass der Ofen nicht geht. Mit Hilfe einer Mikrowelle tauen wir die Pizzen auf und braten sie dann in einer Pfanne etwas knackig. Diese Pizzen sind so ziemlich die schlechtesten Tiefkühlpizzen unseres Lebens. Die Löcher in unserem Magen sind, wenn auch nicht zu unserer Befriedigung, so dennoch gefüllt und wir beschließen erst einmal abzuwarten, was unser Host für ein Mensch ist. (Dabei höre ich meinen eigenen Livekommentar zu diesem Film im Hinterkopf. Ich würde so etwas sagen wie: „Das ist so überhaupt nicht realistisch! Jaaaa, genauuu! Renn in die dunkelste Ecke! Warum bitte gehst du JETZT aufs Klo!!! Licht anschalten genehm?“ etc.)

Am selben Abend

Die Sonne geht schließlich unter und irgendwann hören wir ein Auto ankommen. Wir hören ihn eine Weile im unteren Geschoss rumoren und gerade als er geräuschvoll die Treppe hoch geht, beschließen wir ihm entgegen zu gehen. Ach ja, was ich zu erwähnen vergaß: die Treppe ist frisch gewachst und mega klebrig. Bei jeder Stufe macht sie ein Schmatz-Geräusch, welches in meinem Kopf entweder Teil einer komplexen Tötungsmaschien oder ein urkomischer Zufall ist.

Unser Gastgeber ist wider erwartend ein netter Kerl. Er ist Geschäftsmann und sobald das Gespräch sich in Richtung Flüchtlingspolitik entwickelte, wird uns gesagt, dass wir eine gutgläubige und naive Nation wären, außerdem, dass die Flüchtlinge alle nur wegen des Geldes nach Europa kämen etc., etc., etc. Ich freue mich ja insgeheim immer auf die Möglichkeit, den Leuten zu erklären, warum ich stolz darauf bin, zu einer Nation zu gehören, wo die „Willkommenskultur“ möglich war. Natürlich ist das keine Diskussion, die man mal eben zwischen Tür und Angel durchexerziert. Wir versuchen es trotzdem und müssen nach einem freundlichen Standpunkt-Austausch versöhnlich die Hände schütteln. Wir werden auf keinen grünen Zweig kommen.

Das Guesthouse ist eine Hochzeitslocation. Das gesamte Haus wird gemietet, samt Anlage, Pool, Sauna und Kinderspielplatz. Es balanciert zwischen Luxus und Verfall. Es wird klar, dass das Allerwichtigste ist, dass es bei Dunkelheit so wirkt, als wäre alles schnieke. Das ist es jedoch nicht. Überall lungern halbtote Fliegen und Mücken herum, die Silikonkanten sind bräunlich, der Pool sieht zwar klar aus, riecht jedoch überhaupt nicht nach Chlor. Wenn man genau hinsieht, erkennt man einen dezenten grünen Schimmer über dem Abfluss. Im Gegensatz dazu steht die Wasserpumpe, der Springbrunnen und die Wasserstrudelanlage, die einen künstlichen Wassersog kreiert, gegen den man auf der Stelle schwimmen kann. In diesem Haus verbringen wir die Nacht mutterseelenalleine.

Wer würde sich bei vollem Verstand in so einem Szenario bei tiefer Dunkelheit und hell erleuchteten Fenstern mehr oder weniger frei bewegen, in die Sauna gehen und in den Pool springen? Nur ein Charakter in einem Horrofilm. Naja gut. Und wir. Nach zwei Saunagängen schließen wir uns in unserem roten Zimmer ein (wenigstens etwas). Wir schlafen wie Steine und brechen am nächsten Morgen unversehrt auf. Die Entspannung der Sauna hält auch im Auto noch an. Es ist das Gefühl von schweren Knochen und purer Entspannung. Da sind wir gerade nochmal glimpflich davon gekommen.

  1. Sorry, aber das fällt gegenüber dem hier normalen Niveau deutlich ab. Entweder gelingt es sprachlich nicht, das Besondere an diesem Hostel herüber zu bringen oder es gibt eigentlich nichts, was einen Bericht wert ist. Der ganze Text lässt sich in 4 Worten zusammen fassen „Nicht ganz sauberes Hostel“.

    • Isabelle Winkler

      Lieber Guido, danke fürs Lesen. Bei diesem Artikel geht es darum, dass man beim Reisen Entscheidungen trifft, die einen selbst überraschen. Ab und zu ignoriert man die Alarmglocken im Kopf, und siehe da, es lugt nicht immer gleich der Mörder um die Ecke. Schade dass das nicht angekommen ist. Vielleicht beim nächsten Mal. Liebe Grüße

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