„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“: Die Ausstellung

Aschenbrödels Märchenschloss

Auf Schloss Moritzburg bei Dresden wurde „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gedreht – ein Film, der Generationen verbindet und deshalb auch mir etwas bedeutet. Bis 25. Februar läuft dort noch die jährliche Ausstellung zum Klassiker von 1973.

Etliche Male läuft „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ um die Weihnachtszeit im Fernsehen. Mindestens einmal bleibe auch ich daran hängen, fast jedes Jahr, seit ich denken kann.

Die tschechisch-ostdeutsche Koproduktion von 1973 liegt mir am Herzen, und das nicht etwa, weil ich Fan von kitschigen Märchenfilmen bin oder mich die Geschichte des Mädchens, das buchstäblich wie Phönix aus der Asche steigt, so sehr rührt – dafür habe ich sie viel zu oft gesehen. Der Grund ist ein anderer: Der Film verbindet mich auf wundersame Weise mit meiner Familie.

„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (oder auch: „Hasenbrödel“)

Wenn „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ läuft, bin ich wieder zehn Jahre alt und sitze mit den Frauen der Familie auf dem Sofa im Wohnzimmer meiner Großeltern in Greifswald. Im Schein der Lichterkette am sorgfältig mit Bleilametta geschmückten Weihnachtsbaum schauen wir zu, wie Aschenbrödel das Herz des Prinzen gewinnt und das Gute über das Böse siegt. Meine Oma, meine Mutter und meine Tante haben den Film schon zu Ostzeiten geliebt und lächeln seelig.

Mein Opa kommt durch die Tür, sein Blick fällt auf den Röhrenfernseher. „Och nee, guckt ihr schon wieder Hasenbrödel?“, sagt er in gespielter Entrüstung. Und dann lässt er sich doch in den Sessel fallen und einlullen von den Bildern dieses Märchens. Und von seiner Musik.

„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ – die Ausstellung

Diese Melodie, die einen nicht mehr loslässt, sie erklingt auch in den Räumen und Gängen auf Schloss Moritzburg. Das barocke Jagdschloss ist einer von vier Drehorten von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Jedes Jahr im Winter widmet das Schloss dem Kultfilm eine Ausstellung. Ich habe sie gleich am Eröffnungstag besucht, an einem Samstag Mitte November, als der Wind die letzten Blätter von den Bäumen holte.

Viele der Gäste kamen aus Tschechien, wo „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ mindestens genau so beliebt ist wie hier. Konsequent sind die Erklärungen auf allen Schildern deutsch und tschechisch. Zu sehen gibt es Szenen-Nachbildungen, Originalkostüme und Repliken, Requisiten und Filmplakate und an verschiedenen Stellen begegnet einem Aschenbrödels Rätsel:

Die Wangen sind mit Asche beschmutzt, aber der Schornsteinfeger ist es nicht.
Ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht.
Ein silbergewirktes Kleid mit Schleppe zum Ball, aber eine Prinzessin ist es nicht. Wer ist das?

Dazu ist die Ausstellung reich an Infos zur Entstehungsgeschichte und Anekdoten zum Dreh des Märchenfilms. Und die sind mitunter ernüchternd: Zum Beispiel lag damals, genau wie am Tag meines Besuchs, noch überhaupt kein Schnee. Im kleinen schlosseigenen Kinosaal erzählt Hauptdarsteller Pavel Trávníček auf der Leinwand, dass die weißen Landschaften im Film aus Kunstschnee und Styropor bestehen – und man diverse Szenen wiederholen musste, wenn der Wind letzteren durcheinanderwirbelte.

Schloss Moritzburg: Der Drehort stinkt, der Ballsaal ist woanders

Auch Fischmehl wurde als Schneeersatz verwendet – mit dem Ergebnis, dass es auf Schloss Moritzburg wie Hulle stank.

Die Ballszene wurde nicht im Schloss gedreht, sondern in den Babelsberger Filmstudios in Potsdam. Und wer genau hinsieht, wird feststellen, dass es sich bei Nikolaus nicht durchgehend um dasselbe Pferd handelt: Ungünstigerweise brach während des Drehs die Maul- und Klauenseuche aus, deshalb durfte die Crew den Original-Nikolaus nicht über die tschechische-deutsche Grenze bringen und musste ein anderes Pferd beschaffen.

Nach dem Rundgang landet man schließlich vor der Treppe, auf der sich die Schlüsselszene des Märchens abspielt: Die, auf der Aschenbrödel beim überstürzten Verlassen des Balls ihren Schuh verliert. An dieser Stelle steht heute eine bronzene Skulptur des Schuhs, dahinter ein hüfthohes Geländer, das unachtsame Besucher davor schützt, drüber zu stolpern.

Wer jetzt noch nicht genug hat, kann Schloss Moritzburg in einer Kutsche umrunden. Oder einfach den Film zu Weihnachten zu Hause schauen. Er läuft übrigens auch rund um die Uhr bei Netflix.

 

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