Eine Liebe zwischen Annäherung, Faszination und Befremden

„111 Gründe, Indien zu lieben“

„111 Gründe, Indien zu lieben“ ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem „schönsten Land der Welt“. Das ungekürzte Vorwort.

Lange galt Indien als Inbegriff der Mystik, ein fremder Sehnsuchtsort, der schon immer die Fantasie von Reisenden, (Sinn-)Suchenden und Schriftstellern beflügelt hat.
Indien ist weit mehr als nur ein Land. Auf einer Fläche fast zehnmal so groß wie Deutschland ist es eher ein eigener Kontinent voller Vielfalt und Gegensätze, mit unzähligen Sprachen, Völkern, Philosophien und Religionen.

Als ich das erste Mal indischen Boden betrat, war ich kaum auf das vorbereitet, was mich erwarten würde. Denn Indien ist längst kein Wunderland voller erleuchteter Asketen und war es wahrscheinlich auch nie. Der Mythos Indien wurde im Westen immer überhöht, nur über wenige Länder der Welt haben wir so viele Bilder im Kopf und wissen tatsächlich so wenig.
Indien ist eine ständige Herausforderung, für den Alleinreisenden manchmal ausgesprochen mühsam zu bereisen. »Mother India« gibt ihre Schätze nicht auf den ersten Blick preis. Der Reisende muss erst lernen, sich in einer völlig anders funktionierenden Welt zurechtzufinden, das Chaos zu umarmen, muss seine Geduld erheblich ausdehnen und Unerwartetem und Skurrilem mit Humor begegnen. Erst dem Neugierigen, der sich Indien ausliefert und versucht es zu durchdringen, eröffnet sich zwischen Annäherung und Befremden ein zweiter Blick, der eine instinktive, manchmal absurde Liebe für das kontrastreiche Land eröffnet.

In letzter Zeit hat sich das Bild Indiens in der Welt grundlegend geändert. Gerade in den letzten 25 Jahren haben Marktliberalisierungen dafür gesorgt, dass der Kapitalismus in Indien mit voller Wucht eingeschlagen und Materialismus massiv an Bedeutung gewonnen hat. Galt Indien kurzzeitig als Konkurrent Chinas auf dessen Weg zur Weltmacht, als kommende IT-Größe und mit seinen Callcentern als Zentrum des weltweiten Dienstleistungssektors, hat sich der Fokus in der Weltöffentlichkeit wieder stärker auf die großen Probleme Indiens verlagert: Die Landbevölkerung ­verharrt in großer Armut, ausbleibende Landreformen verhindern die grundlegende Entwicklung. So wird die Landflucht zu einem immer größeren Problem. Aufstiegschancen sind für viele Menschen kaum vorhanden. Das Kasten­system ist offiziell seit der Staatsgründung Indiens abgeschafft, wirkt aber massiv nach.

Frauen werden in der indischen Gesellschaft gravierend benachteiligt, die alten Traditionen, wie das Kamasutra, sind in einer prüden, patriarchalischen Haltung eingefroren, die Gewalt gegen Frauen begünstigt oder sogar rechtfertigt. Noch immer werden weibliche Föten abgetrieben aus Angst vor den Schulden, die die Familie als Mitgift für die Hochzeit ansparen muss. Vielen Familien sind daher nur Söhne willkommen, nur sie können die Familie später unterstützen. In ländlichen Regionen, in denen es kaum Toiletten gibt, müssen die Frauen vor Sonnenaufgang ihre Notdurft am Rand der Felder verrichten. Dabei kommt es immer wieder zu Vergewaltigungen. Die Benachteiligung der Frau ist ein zentrales Problem der indischen Gesellschaft.

Immer spürbar ist die enorme Bevölkerung Indiens und welche Folgen daraus entstehen. Wie gesagt, spielen noch immer die Kinder eine große Rolle für die Altersversorgung – ein Sozialsystem ist kaum entwickelt. Allein in den 70 Jahren seit der Unabhängigkeit Indiens hat sich die Bevölkerung um annähernd eine Milliarde Menschen erhöht, eine unfassbare Zahl! Fast jeder Sechste auf dieser Erde lebende Mensch ist heute ein Inder. Die Bevölkerungsdichte liegt damit deutlich über der Deutschlands und knapp unterhalb der Hollands. Allerdings sind Gebiete wie der Himalaya und die Tharwüste spärlich besiedelt. Die Menschen ballen sich vor allem in den Städten der Ebenen. Durch die hohe Bevölkerungszahl wachsen auch die ökologischen Probleme unaufhörlich. Der Umweltschutz kann nicht Schritt halten mit der wirtschaftlichen Entwicklung. Die marode Infrastruktur verhindert bislang den Aufstieg zur Weltwirtschaftsmacht.

Es wäre trotzdem falsch, das Land auf diese Probleme zu reduzieren. Auch wenn es Indien dem Neuankömmling nicht einfach macht, lohnt es sich, sich ihm auszusetzen. Denn es gibt unendlich viel zu entdecken. Wichtig für den Reisenden ist es, eine Balance zu finden und sich nach anstrengenden Streifzügen durch die dicht bevölkerten und reizüberfluteten Großstädte mit ihren aus allen Nähten platzenden Straßen und Märkten Ruhe an kleineren Oasen zu gönnen. Es benötigt viel Zeit, das Erlebte zu verarbeiten. Entspannung bieten die weniger besiedelten Regionen des Hoch­gebirges und die Küsten im Süden. So wurde Goa zu einem der Sehnsuchtsorte der Hippies, und noch immer lockt das Flair Touristen aus aller Welt an die entspannten Strände. Doch es finden sich auch unberührte Flecken – kein Wunder bei einer Küstenlänge von über 7.000 Kilometern.

 

 

In Indien lassen sich Zeugnisse aus vielen Epochen bewundern. Von einer der ersten Hochkulturen im Indus-Tal über das buddhistisch geprägte Ladakh ganz im Norden, die Gärten und Prunkbauten der Moguln, die Paläste der Maharadschas, Tempel, Kirchen und Moscheen von Hindus, Jaina, Buddhisten, Parsen, Christen, Muslimen und Sikhs oder die Hinterlassenschaften der britischen Kolonialherren.

Der kulturelle Höhepunkt Indiens ist sicherlich die Stadt Varanasi am Ufer des Ganges. Nirgendwo reicht der Blick in das Innerste der indischen Seele tiefer. Hier wird das Streben der gläubigen Hindus nach Anhäufung von gutem Karma und der Hoffnung nach Erlösung vom Rad der Wiedergeburten und den Eingang in Moksha (analog zu Nirwana) besonders sichtbar.

 

 

Doch meine Erfahrungen mit Indien waren zwiespältig. Und so fragte ich mich, als ich das Angebot zu diesem Buch bekam: Liebe ich Indien tatsächlich? Kann man Indien überhaupt lieben – gerade angesichts seiner extremen Kontraste und der himmelschreienden Ungerechtigkeiten, die noch immer herrschen? Auch wenn ich das Wort eigentlich nicht mag: Vielleicht müsste ich in meinem Fall von einer »Hassliebe« sprechen. Wie gesagt, Indien ist kein einfaches Reiseland, selbst erfahrene Reisende erleben immer wieder Überraschungen. Indien ist völlig unberechenbar, was viel von seinem Reiz ausmacht. Der oft improvisierte indische Alltag bietet reichlich Skurriles – häufig schüttelte ich den Kopf, dann spielte ein breites Grinsen über meine Lippen, fasziniert von dem irrealen Gedanken, dass das, was sich vor meinen Augen abspielte, tatsächlich von dieser Welt sein musste: Ich traf auf Sadhus, die »heiligen Männer«, die mir voller Inbrunst von Bruce Lee erzählten und wie ich den inneren Tiger wecken könne, ich fuhr in schrottreifen Bussen auf atemberaubenden Straßen, die jeder Beschreibung spotten.

 

 

 

 

Wo immer ich ankam, warteten Schlepper, die mich am liebsten davongetragen hätten. Manchmal fiel es mir sehr schwer, mich nicht von ihrer Betriebsamkeit anstecken zu lassen. Auf einer völlig überfüllten Straßenkreuzung in Neu-Delhi sah ich einen gewaltigen Elefanten majestätisch über die Straße schreiten. Die Asketen auf den Straßen sind genauso allgegenwärtig wie Feste und religiöse Prozessionen: So wird beispielsweise an Diwali das ganze Land mit Kerzen illuminiert, an Holi wird alles und jeder in Farbe getaucht. Die vielen eigenständigen Regionalküchen, die sich erheblich voneinander unterscheiden, sind ein Teil der Faszination Indiens: Bis heute lässt der Geruch eines frisch zubereiteten Masala Chai mein Herz höherschlagen. Das Leben in Indien brodelt fortwährend, es ist kaum zu durchdringen und nur schwer mit Sinnen zu fassen. Indien ist eine süchtig machende Droge, man sollte sich aber unbedingt vor Überdosierung hüten.

Lange habe ich mit Indien gefremdelt, es war keine Liebe auf den ersten Blick. Es hat mich manchmal zum Verzweifeln gebracht, im nächsten Moment besänftigt, und wenig später wähnte ich mich schon wieder im schönsten und ungewöhnlichsten Land der Welt.
In meinem Fall kam zusätzliches Gewicht in den Rucksack: Ich hatte meine Wohnung gekündigt und war komplett ausgestiegen, um nach meinem eigenen Weg zu suchen – der Aufbruch nach Indien war aufgeladen mit Hoffnungen und Ängsten und einer existenziellen Suche nach einem glücklichen Leben. Es war manchmal eine schwierige, am Ende aber eine ungemein lehrreiche und horizont­erweiternde Erfahrung.

Auf dieser ersten großen Reise nach Indien hatte ich ursprünglich geplant, gänzlich auf dem Landweg zu reisen, doch die potenziell revolutionären Ereignisse im Iran 2009 hatten meine Pläne durchkreuzt. Also fuhr ich über Österreich, Italien und Griechenland bis nach Istanbul und musste von dort aus nach Neu-Delhi fliegen. Eines Tages werde ich die Reise auf dem Landweg nach Indien aber nachholen.

Gerade meine erste Reise war in vielerlei Hinsicht ein Desaster. Kaum in Indien angekommen, ließ ich mich auf ein windiges Reisebüro mit abgebrühten Profis ein, die mich äußerst geschickt zu einer Reise nach Kaschmir überredeten. Nach acht Tagen Horror inklusive Nötigung und Bedrohung reiste ich angespannt und fast schon traumatisiert durch Indien, ohne mir die dringend benötigte Ruhe in einer der Oasen zu gönnen. Ich fuhr reizüberflutet in klapprigen Bussen durch die indischen Tiefebenen und die überbevölkerten Städte, manchmal fühlte ich mich wie im Taumel, als würde ich durch den Subkontinent geschwemmt. Indien war mir zu laut, kam mir zu nah, raubte mir den Schlaf, laugte mich aus und brachte mich manchmal an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Am Anfang verunsicherte mich das penetrante Starren, das viele Inder praktizieren, besonders. Diese Neugier ist Fluch und Segen, sie ermöglicht unkomplizierte Begegnung, manchmal raubt sie einem jede Privatsphäre. Am britischen Triumphbogen, dem India Gate in Neu-Delhi, verhielten sich die jungen Inder wie wahre Paparazzi und machten unzählige Schnappschüsse von mir.

Besonders erschüttert war ich von der allgegenwärtigen Armut. Von einem flehenden Bettler über längere Strecken verfolgt zu werden, der an der Kleidung zieht und sein Leid klagt, ist schwer auszuhalten. Jeder muss seinen eigenen Umgang mit dem Elend, der Hoffnung, der Verzweiflung und dem Gottvertrauen der Benachteiligten finden. Selbstverständlich kann man die Slums als Orte der Hoffnung begreifen; mit der kommen die Neuankömmlinge vom Land – angezogen von den wenigen Erfolgsgeschichten der Zurückgekehrten. Doch man sollte sich bewusst machen, unter welch katastrophal beengten und zwangsweise unhygienischen Bedingungen die Menschen leben müssen und dass nur wenige den erhofften Aufstieg in die Stadtgesellschaft tatsächlich schaffen. Es ist nicht einfach, sich von dem Elend abzugrenzen, ohne ignorant zu sein. Entscheidend ist es aber, schnell zu lernen, deutlich »Nein« zu sagen und sich Situationen zu entziehen, die einem zu entgleiten drohen. Das gelang mir am Anfang nur unzureichend, dafür musste ich Lehrgeld zahlen.

Sehr betrübt war ich auch angesichts der verheerenden Umweltverschmutzung. Der Smog von Delhi zerstört die Gesundheit seiner Bewohner, die Industriegebiete mit ihren ungefilterten Abgasen spotten jeder Beschreibung, viele Flüsse sind völlig verschmutzt und vergiftet, der Müll stinkt zum Himmel oder lodert am Straßenrand und verteilt von dort den beißenden Gestank von brennendem Plastik. Die aufstrebende indische Wirtschaft lechzt nach billiger Kohle. In den Minen in und um Dhanbad brennen seit 100 Jahren unkontrollierbar die Flöze unter den armseligen Behausungen der Minenarbeiter, die immer in der Gefahr schweben, mitsamt ihrer Existenz sinnbildlich in einen Höllenschlund hinabgerissen zu werden.

Das Bewusstsein der Gesellschaft für die Umwelt und die katastrophalen Arbeitsbedingungen steigt nur langsam. Indien befindet sich in einem rasanten Aufbruch in die Moderne. Dennoch wird entscheidend sein, ob es gelingt, die ländliche Bevölkerung am Wohlstand zu beteiligen und die Landflucht zu stoppen. Doch im modernen Indien werden die Interessen der Industrie häufig über die Rechte der angestammten Bevölkerung gestellt. Diese Entwicklung hat zu einem wenig bekannten Bürgerkrieg zwischen aufständischen Maoisten und der Regierung im Osten Indiens geführt.

Aber die Begegnungen mit Einheimischen, Gasthausbesitzern, Sadhus, Bettlern, den Mitreisenden, den Händlern, Beamten, selbsternannten Führern, aufstrebenden Geschäftsleuten zeigten mir unterschiedliche Blickwinkel.

 

 

Gerührt folgte ich Einladungen in fremde Wohnzimmer und zu Pujas, unterhielt mich mit Wildfremden, wurde wie selbstverständlich auf Reisen von Einheimischen verköstigt, nur selten erlebte ich Abweisung. Doch vor allem am Anfang verzerren die Bauernfänger, Nepper und Ganoven an den touristisch bedeutsamen Orten den Eindruck stark. Eine gesunde Skepsis und innere Ruhe sind an belebten Orten ausgesprochen hilfreich. Besonders wichtig ist, sich immer wieder zwischendurch Auszeiten an ländlichen Orten oder am Meer zu gönnen!

 

 

Und obwohl ich auf meiner ersten Reise in Indien daran dachte, meinen lang ersehnten Trip abzubrechen, so war ich zugleich voller Neugier, was mich noch erwarten mochte. Indien war nämlich ein Rausch aus Farben und Gerüchen, jeder Winkel bot Entdeckungen, jeder Streifzug war ein Gang durch die Jahrhunderte, nichts schien zu verrückt, um nicht wirklich zu passieren. Alles konnte improvisiert werden, ja musste improvisiert werden, weil ständig irgendetwas kaputtging. Diese unberechenbare Kraft hypnotisierte mich und öffnete mir eine völlig andere, oft surreale Welt, die ich instinktiv zu lieben begann. An jeder Straßenkreuzung wollte ich mich Tausenden Impressionen hingeben und meine Fantasie schweifen lassen – würde nicht der indische Alltag aller Aufmerksamkeit bedürfen.

Oft habe ich Indien wie einen großen Spiegel wahrgenommen, der meine Überzeugungen erschütterte und mich zwang, mich noch intensiver mit mir selbst auseinanderzusetzen. Der Kulturschock, den Indien bei jeder Reise verursachte, war gewaltig. Doch auch bei der jeweiligen Rückkehr nach Deutschland ging es mir kaum besser – plötzlich erschien mir Deutschland still, fast steril. So sehr ich Sauberkeit auch schätzte, so sehr vermisste ich die Kühe auf den Straßen und den indischen Alltag, der niemals stillsteht, auch wenn ich das oft als Zumutung empfunden hatte. Doch nach der Rückkehr vermisste ich die Geräuschkulisse und die Unvorhersehbarkeit des indischen Alltags.

So kehrte ich bereits zwei Monate nach meiner ersten Abreise aus Indien zurück. Es folgten auch noch zwei weitere Reisen, die mich vor allem in die Bergwelten des Nordens hinein und am Ganges entlangführten. Die langen einsamen Wanderungen in den entlegenen Bergregionen des Westhimalaya prägten mich besonders, immer gefolgt von anstrengenden Etappen in Bussen und Zügen durch die Tiefebenen und das Herz des Kontinents hin zur Erholung an den tropischen Stränden und schroffen Felsen des Arabischen Meers.

 

 

Ich habe insgesamt ein Jahr in Indien verbracht und alles gelesen, was ich in die Finger bekommen habe, seit ich 2008 die Entscheidung zur Reise nach Indien getroffen hatte. Mich interessierte schon immer vor allem das »alte« Indien. Der unkritischen Fortschrittsgläubigkeit, die sich weltweit breitgemacht hat, stehe ich generell skeptisch gegenüber. Für manchen mag mein Blick auf Indien an einigen Stellen ein allzu kritischer zu sein. Ich hingegen empfände es als Betrug am Leser, mir nur die schönen Seiten herauszupicken. Gerade die Widersprüchlichkeiten machen Indien doch erst zu einem so spannenden Land.

Natürlich ist es ein gewaltiger Unterschied, ob man Indien als Teil einer organisierten Reisegruppe oder als Backpacker erlebt und über welches Budget der Reisende verfügt. Als Teil einer Reisegruppe oder mit kompetentem Führer lässt sich deutlich entspannter reisen. Mein Blickwinkel ist jedoch der des Allein- und Individualreisenden. Nur selten bin ich in Gesellschaft gereist, doch manchmal fand ich einen Ort, an dem ich länger bleiben wollte, und nutzte die Zeit, um mich mit anderen Reisenden über die jeweiligen Erfahrungen in Indien auszutauschen. Ansonsten habe ich mich durch das Land treiben lassen, manchmal wurde ich mehr getrieben. Das ist sicher die anstrengendste Methode, Indien zu bereisen, ermöglicht aber auch viele direkte Einblicke und Begegnungen, die dem Pauschalurlauber oft entgehen, ja die vor ihm abgeschirmt werden.

Jedes Mal aufs Neue brauche ich meine Zeit, um mich wieder an den ohrenbetäubenden Lärm der Städte und Straßen und die Intensität des indischen Alltags zu gewöhnen. Dann beginnt mein Kopf wie von selbst auf die indische Art zu »wackeln«.

Ich möchte Euch, liebe Leser, nun mitnehmen in das Indien, das mich verzaubert, verstört, angezogen und abgestoßen hat, eine Begegnung, die mich für den Rest meines Lebens prägen wird. Und meine nächste Reise nach Indien ist nur eine Frage der Zeit. Es gibt noch unendlich viel für mich zu entdecken, vor allem den Osten des Landes will ich noch besser kennenlernen. Aber im Zentrum dieses Buches sollen die Menschen, Religionen und Kulturen Indiens stehen, ergänzt mit eigenen Erfahrungen.

In den folgenden Wochen stelle ich Euch fünf Gründe vor, Indien zu lieben, die mir besonders am Herzen liegen.

„111 Gründe, Indien zu lieben“ ist erschienen im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag in Berlin und umfasst 336 Seiten. Premium-Paperback mit zwei farbigen Bildteilen.

 

  1. Julia Stratmann

    Ich musste gerade sehr lachen als ich die Formulierung „das Chaos umarmen“ gelesen habe. Danke für dieses schöne Stück Text – meine Indienreise ist jetzt schon fast 10 Jahre her – aber gerade fühle ich mich, als wäre ich gerade in Dheli gelandet. Noch heute muss ich unwillkürlich lächeln, wenn mir aus einem Asiashop oder einem Restaurant bekannte Gerüche in die Nase wandern – auch wenn diese nur ein müder Abklatsch ihrer indischen Verwandten sind. Mein Punkt, an dem die Anspannung, der Stress und die Angst abfielen, war, als am Abfahrtsort unseres Buses von Goa nach Mumbai ein indischer Mitfahrer auf meine Frage, wann denn der (schon 1,5 Stunden) verspätete Bus endlich käme, antwortete: „Der Bus kommt, wenn er kommt!“ und uns auf einen mitgebrachteten Chai einlud. Ich blickte mich um und sah…alle Inder picknickten bereits. Danach begann ich das indische Chaos und Tempo und die Gelasenheit zu lieben….

    • Vielen Dank für Deine Rückmeldung! Mir ging es so, dass ich mich immer wieder neu auf Indien einstellen musste. Aber sobald sich (wieder) die innere Gelassenheit einstellte, ohne die Indien kaum auszuhalten ist, war es eine atemberaubende Erfahrung und all die schwierigen Erfahrungen vergessen. Dieses brodelnde Leben, die Improvisation des Alltags, all diese vielfältigen und oft widersprüchlichen Eindrücke – das wird mich nie mehr ganz loslassen. Um ein Stück Indien zurückzuholen, setze ich auf Räucherstäbchen, Curry, Musik und eine Tasse „Masala Chai“. Liebe Grüße! Oleander

  2. Hassliebe trifft es auf den Punkt! Meine Reise dorthin liegt mittlerweile auch fast 10 Jahre zurück.
    Viele andere Länder habe ich seitdem bereist, aber keines hat mich jemals wieder so geschockt, erstaunt, verwirrt und gleichermaßen so fasziniert, inspiriert und verzaubert wie Indien.
    Vielen Dank für den Text, der gerade so viele Erinnerungen geweckt hat – freue mich auf mehr!

    • Herzlichen Dank für Deinen Kommentar! Schön, dass Du Dich in meiner Schilderung wiederfinden konntest. Diese Gegensätze machen für mich viel von der Faszination Indien aus. Liebe Grüße! Oleander

  3. ich habe schon sehr oft gehört, es in Indien schöne ecken gibt. Auch die Kultur ist wahrscheinlich die Reise wert. Aber der Müll und die Hygiene wäre glaube ich nichts für mich. Beste Grüße aus Rhetorik Seminar Bonn

    • Indien ist unbedingt eine Reise wert, allerdings muss man Indien auch aushalten können.
      In der Tat ist der moderne Verpackungsmüll in Verbindung mit mangelndem Umweltschutz seitens der Regierung und einem erst wachsenden Bewusstsein in der Bevölkerung ein Desaster für die indische Bevölkerung. Allerdings ist dieses Problem – meiner Ansicht nach – in erster Linie hier nur besonders gut sichtbar. Man sollte nicht vergessen, dass die Industriestaaten allgemein kaum Verantwortung tragen – trotz „Müllkontinent“ im Pazifik.
      Auch beim Thema Hygiene sollte man differenzieren. Tatsächlich hatte ich den Eindruck, dass die Inder besondere Aufmerksamkeit auf Hygiene legen. In jedem Restaurant steht ein prominentes Waschbecken und es gilt als verpönt, sich nicht vor und nach dem Essen die Hände zu waschen. In den beengten Slums ohne sanitäre Anlagen ist es schlicht kaum möglich, wirklich hygienisch zu leben. Außerdem fehlen noch immer öffentliche Toiletten in großer Zahl.
      Für viele Inder sind das echte Probleme; als Tourist ist man davon jedoch nur selten direkt betroffen.

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