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Singapur

Oh du holde Dusche

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Schweiß.

Vorsichtig platziere ich mich ein paar Zentimeter nach rechts, weg von der Pfütze, die ich nähre. Keine Bewegung zuviel. Und doch läuft es herab, sammelt sich in den Falten und Rinnen meines Körpers, perlt von den Härchen der Augenbrauen, schwillt an zu kleinen Rinnsalen, läuft von den Schultern das Rückgrat herunter, nässt die Matratze. Blip. Blip.

Timor. Hitze. Die Blutsauger warten aufgeregt, und sie sollen Dengue-Viren und Malaria-Parasiten im Angebot haben. Das Moskitomittel hat sich mit meinem Schweiß vereinigt, wurde weggeschwemmt. Sie fürchten es nicht mehr, ich höre sie leise kichern, sorglos, während sie mich anzapfen.

Katharsis.

Seit Wochen reisen wir in Indonesiens riesiger Inselwelt, und sie hält viel für uns bereit – nur keine Dusche. Die sämige Melange aus Moskitospray und Schweiß, angedickt mit dem Staub der Straße und abgeschmeckt mit klebriger Hydrocortison-Salbe lässt sich nicht abspülen mit der Kelle kalten Wassers, die ich in der bröckelnden Nasszelle über mich kippe. Die frappierende Ähnlichkeit mit einer mittelalterlichen Selbstkasteiung wird noch verstärkt durch die verzweifelten Schläge, die ich mir mit der freien Hand verpasse, den Biestern schutzlos ausgeliefert.

Ich. Will. Duschen.

Heiß.

Die Dusche an sich ist eine der fantastischsten Erfindungen der Neuzeit, denke ich, als mich das heiße Wasser entkrustet. Warum hat Indonesien das nicht gemerkt? Das wäre mal ein echter Sieg im Kampf gegen den braunen Sumpf. Ein paar Schattierungen heller trete ich aus der Kabine. Das frische, weich-duftende Handtuch. Die funktionierende Klimaanlage. Schnelles Internet. Eine Waschmaschine. This is Singapore.

Simpel. Simpler. Singapur.

Ich war noch in keiner Stadt, die es einem Ankömmling einfacher macht sich zurechtzufinden. Durchdacht angelegte Straßen. Intelligente Schilder. Ein schnelles, effektives Transportsystem. Keine manntiefen Löcher im Gehweg.

Singapur ist sauber. Singapur ist leise. Singapur ist elegant. Als ich durch die gläsernen Häuserschluchten der Marina Bay spaziere wird mir eines klar: Dies ist nicht Dubai. Ja, es prahlt, es glänzt, alles ist neu – und trotzdem kommt es mir sehr viel gelassener und authentischer vor als das arabische Emirat. Ich kaufe ein Glas Nutella.

Lecker.

Diesmal bin ich standesgemäß untergekommen. ;-)

Ach… ein weiterer überzeugender Airline-Slogan. Ja, wir haben Batavia geglaubt, dass sie fliegen können:

Warum? Na, sie schreiben Sicherheit schon beim Check-In ganz groß.


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15 Kommentare

  1. Jenny, am

    Da ist sie wieder die gute Hydrocortison-Salbe. Danke nochmal für den Tipp ;) Wobei es mich bei deiner Schilderung unweigerlich kratz und juckt… und fast könnte man meinen du könntest im Dunklen leuchten ;)
    Sehr entspannend dann der Rest der Bilder, man merkt die Wohltat förmlich :)
    Liebe Grüße

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  2. Cici, am

    Du Fux! Schaem Dich die zenterschwere Schutzhuelle mit Seife beseitigt zu haben. Banause. Was wir uns die letzten Monate auf den Balg gesprueht oder geatmet haben geht eh auf keine Kuhhaut. Probier gerade eine Phase ohne DEET auf Palawan. Die Moskitos trauen sich nicht ran, viel zu toxisch schmeckt der Schweiss, auch nach warmer Dusche noch!

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    • klys, am

      klingt nach nem ausgekluegeltem system! werd ich auch probieren. ich denke, ich dampfe auch immer noch DEET ab…