British Columbia & Alberta

Von haarigen Pelztieren und goldenen Loonies

8.000 km Rundtour mit dem Auto durch British Columbia und Alberta. 9 Tage allein auf einem Boot durch die Fjorde und Inlets des Great Bear Rainforest an der Pazifikküste. Zu den abgelegensten und spektakulärsten Gegenden, um Bären zu erleben, die gerade aus dem Winterschlaf erwacht sind. Wir machen dort die wunderbarste Erfahrung unseres Lebens mit einer Grizzly-Mutter und ihren 3 Jungen. Auf der Tour haben wir Schönes, Nachdenkliches und Berührendes erlebt und erzählen von unseren persönlichen Erlebnissen, Emotionen und Eindrücken über Menschen, Tiere und Natur Westkanadas.

ES GEHT LOS

Schon das 12. Mal in B.C. und Alberta! 1993 haben wir in Vernon am Okanagan Lake geheiratet. Davor und seitdem waren wir echt oft hier zu Besuch. Aber nun ist es wohl wirklich die letzte Reise in unserem Leben in diese beiden kanadischen Provinzen. Sozusagen unsere Westkanada-Abschieds- und Revival(foto)tour. Wir haben uns dieses Mal viel Zeit gelassen zum Schauen, Geniessen und Fotografieren. Anders als sonst haben wir uns weder Orts- noch Zeitziele gesetzt mit Ausnahme des Besuchs bei unseren Freunden in Vernon und unserer „Great Bear Rainforest-Schiffstour ab dem 8. Juni. So sind wir einfach drauflos gefahren, jeweils nur mit dem aktuellenTagesziel. Andrea hatte dadurch ausreichende Ruhe und die richtige Muße gehabt, ihre Fotomotive zu finden und sie ins rechte Bild zu setzen. Mit viel Geduld und Ausdauer. Wir haben das sehr genossen. Und wir wurden dafür belohnt, denn wir haben auch viel erleben dürfen. Schönes und Berührendes. Mit Menschen, den Tieren und der Natur Kanadas. Es ist wohl daher ein sehr umfangreicher Reiseblog geworden …..

Aber fangen wir ganz vorne an: Wir landen mittags, in einer pünktlichen und freundlichen 747 von LH sitzend, im wolkenverhangenen Vancouver und erleben die bislang schnellste (weniger als 30 min.) und problemloseste Zollabfertigung unseres Lebens: Ganz neu via vollelektronischer Erfassung. Ein tadelloser Jeep Cherokee wartet bereits und wird uns von nun an auf fast 8.000 km begleiten. Wir finden unser B&B im grünen Stadtteil Granville mit plüschigen weißen Teppichen und „Shoe Out“. Am Spätnachmittag statten wir Downtown einen ersten Besuch ab und kassieren gleich unseren ersten Strafzettel wegen Falschparkens im Wert von 40 Euro. Irgendwie sind Parkhäuser in dieser Stadt schwer zu entdecken. Vancouver ist ein einziges Einbahnstraßengewirr. Trotz der vielen Touristen in der Gastown sind die armen Menschen, die hier auf der Straße leben, nicht zu übersehen. Wir dinieren in der altehrwürdigen „Old Spaghetti Factory“ mit Original-Straßenbahnwaggon innendrin und fahren dann müde im Nieselregen zurück in unser Schlafnest.

Am nächsten Tag ist dann der von uns so geliebte Stanley Park und noch einmal das kleine Chinatown mit der engsten Gasse der Welt dran. Leider war der Himmel wieder grau und die sonst so erwünschten Farben kommen nicht so recht heraus. Eine Herausforderung für die Fotografin! Ein kleines Highlight ist das Marine Building mit seinem traumhaft gestalteten, sehr alten Innendesign. Ein Mini-Geheimtipp.

Ganz traurig sieht es hingegen auf und rund um die Hastings Road im Osten der Stadt aus. Wahrscheinlich haben wir noch  niemals so viele Hunderte oder Tausende von Obdach- und Heimatlosen, Armen und Drogensüchtigen auf so engem Raum gesehen wie dort. Wir sind entsetzt darüber und Andrea macht ein paar Fotos von diesen Menschen. Es ist einfach furchtbar! Wir erfahren später noch Einiges über diese Situation hier. Sehr unterschiedliches und Widersprüchliches. Wir wissen nicht, was davon der Wahrheit entspricht und was nicht. Wie so oft auf dieser Welt.

Wir entscheiden uns, in Richtung Osten Vancouver zu verlassen, heraus aus der inzwischen riesigen Stadt mit ihren großen asiatisch geprägten Stadtbezirken. Nach Osoyoos und Penticton biegen wir spontan nach Norden ab. Dort machen wir Stopp im stark gewachsenen Kelowna am südlichen Okanagan Lake und wollen unseren Freund Rod aus alten Zeiten nach über 15 Jahren überraschen, der jetzt dort wohnt. Wie es der Zufall so will, liegen unser B&B, der Kaffee-Halt Starbucks und Rods Wohnung nur 2 km voneinander entfernt. Die Stippvisite wird ein voller Erfolg.

Am nächsten Tag hat Matthias Geburtstag und wir nehmen uns vor, nahe Kelowna die Myra Canyon Trestles zu bewandern. 18 supergeniale, hohe hölzerne Eisenbahnbrücken wie im Wilden Westen auf einer Strecke von 12 km. Wir sind total traurig, denn der Eintritt bleibt uns wegen Baumfällarbeiten an diesem Tag verwehrt. So fahren wir weiter in Richtung nach Nelson und übernachten dort im historischen Hume-Hotel von 1898 (s. u. Reisetipps). Zu früheren Besuchszeiten von uns flanierten in der bekannten Baker Street mit ihren hübschen, bunten Holzhäusern Hippie-ähnliche Menschen. Es gab viel Musik und es war sehr romantisch. Zu unserem Bedauern ist von diesem Flair heutzutage nicht mehr viel übrig geblieben. Einen Tag später brechen wir über Creston, Cranbrook, Fernie, Pincher Creek und Crowsnest in den Waterton Lakes National Park auf, unsere südöstlichste Tourecke. Uns erwarten Regen, Graupel, graue Wolken und Eiseskälte bei knapp über null Grad! So haben wir uns das nicht gedacht. Zudem hat auch noch das berühmte Hotel „Prince of Wales“, auf dem kleinen Hügel direkt vor dem grandiosen See mit Bergkulisse dahinter, geschlossen. Toll! Mit zittrigen Eisfingern macht Andrea noch ein Timelapse-Video von dem Bisschen, was wir sehen können. Wir essen danach eine schlecht zubereitete Pizza und schlafen im nicht allzu gemütlichen Bayshore Inn.

Kommando zurück. Das Wetter sieht ein wenig besser aus am nächsten Morgen. Kurz nach der Ortsausfahrt doch noch eine kleine, nicht erwartete Begegnung: Andrea will ein Stückchen Natur fotografieren und plötzlich umgibt uns eine Herde Rehe, die überhaupt keine Angst vor Menschen haben. Ein paar davon lecken mit ihren langen Zungen unseren Jeep ab. Matthias sitzt drin, Andrea ist draussen. Wir fahren dieselbe Strecke über eine wunderschöne Hochebene und einen spannenden Pass wieder zurück und biegen bei Cranbrook auf die Highways 93/95 über Kimberley nach Norden ab.

Die ersten Aufnahmen von Bighorn-Schafen ganz nah entstehen mitten in der Landschaft. Auch sie lassen sich von nichts beeindrucken und sonnen sich in der aufkommenden Wärme. Nächster Halt ist Golden, in unserer Erinnerung ein eher unscheinbarer Ort am Rande der Rocky Mountains. Aber weit gefehlt! Der kleine Ort glänzt frisch herausgeputzt  mit einem großen, interessanten Eisenbahngelände und netten kleinen Restaurants. Es ist 20 Grad, nur noch ein paar Wolken und die Sonne lacht. Übernachten werden wir in einem sensationellen B&B samt sehr freundlichen Gastgebern hoch über Golden (s.u. Reisetipps). Gespeist wird am Abend in dem nicht minder fantastischen „1122“ in der Ortsmitte. Sie kochen dort echt prima. Eine große Überraschung für uns.

Wir nehmen uns für den nächsten Tag folgende Fotoziele vor: a) Ein Wolf-Wildlife Center, b) eine Büffelfarm und c) die ewig langen Eisenbahngüterzüge in Golden. Das „Northern Lights Wildlife Wolf Centre“ wurde 1998 von Shelley und Casey Black gegründet und liegt etwas verborgen in der Nähe von Golden im Blaeberry Valley (kein Schreibfehler!). Es beherbergt ein Wolfsrudel mit in Gefangenschaft genommenen oder nach der Geburt dem Zentrum geschenkten Wölfen. Die Blacks und ihre Unterstützer kämpfen seit Jahren für wolffreundlichere Gesetze in Kanada und nehmen beim Erzählen kein Blatt vor den Mund.

Ihr Programm „Walk with Wolves“ ist Teil ihrer Aufklärungsarbeit. Wir würden hier an dieser Stelle gerne sehr viel mehr Wissenswertes und sicherlich noch Unbekanntes über Wölfe schreiben, was wir dort gehört haben, aber dies würde den Rahmen des Reiseblogs echt sprengen. Stattdessen hier für Interessierte der Link zur englischen Webseite www.northernlightswildlife.com Unser Wunsch: Lest es einfach einmal dort. Ihr werdet total überrascht sein, was Ihr über Wölfe erfahrt!

Der Besuch der Büffelfarm fällt ins Wasser, da schlicht und ergreifend keine Büffel da sind. Sie befinden sich wohl auf Sightseeingtour, irgendwo.

Tja, und dann noch die Eisenbahnen. Wir fahren mit unserem Auto einfach mal auf das riesige Gelände dort und werden – nach nur wenigen Fotos – von den Sicherheitsleuten darauf aufmerksam gemacht, dass wir hier, aus Sicherheitsgründen natürlich, nicht erwünscht sind. Kaum haben wir das Areal verlassen und befinden uns oberhalb dessen auf dem Highway (um von dort zu fotografieren), werden wir von einem Polizeiwagen angehalten. Er weist uns diskret darauf hin, dass auch dieses Vorhaben nicht gesetzeskonform ist und überprüft unsere Papiere. Nach mehr als einer Stunde Warten entlässt uns der freundliche Polizist mit deutscher Oma dann endlich aus seiner Obhut.

Wir sind weiterhin in Kanada nicht vorbestraft und machen erleichtert noch einen Nachmittags-Abstecher nach Westen die Rockies hinauf. Die ersehnten Spiral Tunnels kann man inzwischen leider fotografisch und auch sonst vergessen, da die hohen Tannen mehr oder weniger alles verdecken. Und ein langer Zug kommt natürlich erst, als wir fast wieder in Golden zurück waren. Auch die zu dieser Jahreszeit wassergefüllten Takkakaw Falls sinds für uns nicht erreichbar. Die Weg dorthin ist gesperrt.

Wir möchten gerne die landschaftliche schöne Strecke von Radium Hot Springs nach Banff über den Highway 93 geniessen und fahren deshalb wieder ein Stückchen nach Süden, um dann nach Nordosten abzubiegen. Unterwegs sehen wir den kleinen, smaragdgrünen Vista Lake von oben auf 1.700 m Höhe unter uns liegen und träumen ein wenig in die einsame Landschaft hinein. Wir erreichen den Banff National Park und treffen auf zwei berühmte, jedoch komplett vereiste und mit Schnee bedeckte Seen.

Der weltberühmte Lake Louise und Moraine Lake. Damit hatten wir Ende Mai definitiv nicht (mehr) gerechnet! Auf dem letztgenannten See laufen Horden von Menschen herum und wir entdecken eine fotografisch sehr interessante Gruppe von buddhistischen Mönchen in ihren gelb-orangefarbenen Kutten.

Den Luisen-See werden wir wohl nie mehr besuchen, denn die Touristenmengen sind unfassbar groß, das wunderschöne See-Hotel ist gesperrt für diese Menschenmassen, nur Hotelgäste haben heute noch Zutritt. Die Parkplätze sind noch monströser als die in manchen Großstädten Europas. Das kannst Du getrost vergessen.

Nach einer Übernachtung in Banff und einem schmackhaften „Mexikaner“ am Abend entdecken wir die drei kleinen Vermilion Lakes am Stadtrand gelegen. Ein total romantischer Anblick. Genuss pur für Naturliebhaber. Andrea fotografiert jede Mengen Vögel und Enten(familien). Die Entenkinder werden im Volksmund „Loonies“ genannt, weil sie rundlich und flauschig sind und auf der kleinen Brust einen Kreis haben, der an die goldfarbenen 1-Dollarmünzen Kanadas zu früheren Zeiten erinnern.

Leider ist der auf unserem Plan stehende Johnston Canyon auch geschlossen. Wir fragen uns zum wiederholten Male, warum eigentlich. Ziel ist daher heute Revelstoke, ein kleiner süßer Ort mitten in den Bergen. Am späten Nachmittag sitzen wir dort auf einer Parkbank gemütlich in der Sonne am Ufer des Columbia Rivers und entspannen uns ein wenig vom Tag.

Nächste Station ist Vernon am Nordende des Okanagan Lake. Das ist diejenige Stadt, in der wir vor 26 Jahren in einem B&B namens „Castle on the Mountain“ bei unseren kanadischen Freunden geheiratet haben. Das Castle gibt es zwar immer noch, hat jetzt einen neuen Besitzer und es werden nur noch zwei Zimmer vermietet. Wir übernachten trotzdem in nostalgischer Erinnerung dreimal dort. Und vermissen die alten Zeiten und die familiäre Atmosphäre von früher. Kein gemeinsames Frühstück und kein nächtlicher Outdoor-Whirlpool mehr. Mit Sharon, Eskil, Lyndell und Ian machen wir übers Wochenende eine Winery-Tour auf den alten romantischen Strassen des länglichen Landstrichs zwischen dem Okanagan und dem Kalamalka Lake und essen zum Lunch eine geniale Lobster-Pizza. Und natürlich gibt es Eskil´s legendäres Originalfrühstück mit warmen Porridge und Whipped Cream inklusive zermantschter frischer Himbeeren. Alles geht einmal zu Ende. Es wird wohl das letzte Treffen dieser Art gewesen sein.

Wir machen an diesem etwas traurigen Abend zu Zweit die Grobplanung für die zweite Hälfte der Autotour und verlassen unseren Heiratsort frühmorgens wieder in Richtung Rocky Mountains nach Norden. Über Kamloops kommen wir über die Highways 97 und 5 zum endlich einmal sonnenüberfluteten und klar sichtbaren Mount Robson nach Jasper, wo uns eine Wärme von über 28 Grad C. erwartet. Bei all unseren Besuchen vorher hüllte sich der Berg immer geheimnisvoll in die Wolken.

Allzu viel hat sich in diesem traumhaft in den Bergen eingebetteten Ort in der Zwischenzeit nicht verändert. Ein „Must“ ist natürlich der neue, breit ausgebaute Icefield Parkways – einmal runter und wieder hoch mit insgesamt fast 500 km an diesem Tag mit ausgewählten Zielen: Den schäumenden Athabasca Falls, dem immer weiter abschmelzenden Athabasca Glacier mit neuen Wegen und Parkplätzen für die Besuchermengen und den leider tiefgefrorenen Bow Lake und Peyto Lake. Wir hätten beide so gerne in ihrem milchigen Smaragdgrün fotografiert.

Am 2. Tag noch eine schöne Fahrt zum schönsten See der gesamten Tour, dem Maligne Lake.

Matthias legt sich mit dem Guide eines riesigen schwarzen Reisebusses an, der mit seinem überlauten Dieselmotor Elche und Schwarzbären am Straßenrand verscheucht. Gerade als die chinesischen Businsassen wieder einmal durchs Fenster mit ihren Handys und iPads versuchten, irgendwelche Bilder zu machen. Eine amerikanische Touristin schreit Andrea aus scheinbarem Sicherheitsabstand heraus an: „This is a bear!!“ – als wüssten wir nicht, was das für ein Pelztier ist und wie man mit einem solchen umzugehen hat. Und ein Japaner rennt mit erhobener Kamera die Böschung herunter direkt auf einen Bären zu.

Nun ja, an diesen Tagen haben wir wirklich viel Glück mit unserer Tierfotografie: Grizzlys, Schwarzbären, Weißkopfadler (im Nest hoch oben auf einem total vertrockneten Baum), Elche, Bighorn Sheep, Enten, Rehe, kanadische Gänse, eine Art „Wiesel“, Wapiti-Hirsche, Wölfe und jede Menge Vögel. Am Abend des letzten Tages in Jasper lässt Matthias sein Portemonnaie mit Allem drin einfach mal so auf einem Haufen Bananen in einem Supermarkt liegen. Was ein Glück haben das die Angestellten gesehen und es uns unversehrt zurückgegeben! Eine Empfehlung fürs Dinner in Jasper ist übrigens das Kimchi House Korean Restaurant (s. Reisetipps).

SCHON ÜBER 6.000 KM GEFAHREN

Weiter geht es in Richtung Osten wieder raus aus den Rockies über Prince George und dann nach Süden über 100 Mile House (Achtung: Seenlandschaft = 1 Mio. Moskitos-Gefahr !!) nach Barkerville, einer alten Historic Town tief in den Cariboos. „Dahooja, Weyt-kp!“, sagen die indigenen Menschen der Cariboos zu Neuankömmlingen in dieser Gegend: „Willkommen, hallo Ihr Alle!“. Barkerville liegt nämlich in den Gebieten von sieben First Nations mit den unaussprechlichen Namen Lhtako, Nazko, Lhooskúz, Ulkatcho, ?Esdilagh, Xat´sull und Simpcw. Im Jahr 1862 entdeckte Billy Barker dort Gold am Williams Creek. Diese Entdeckung brachte eine Flut von Glücksrittern aus der ganzen Welt in die Wildnis der Cariboos. Zwischen 1862 und 1870 bereisten mehr als 100.000 Menschen die Cariboo Wagon Road, die auch schon als das 8. Weltwunder bezeichnet wurde, damals. In ihrer Blütezeit war Barkerville die größte Stadt westlich von Chicago und nördlich von San Francisco. Heute kann man dort mehr als 125 historische Gebäude und Geschäfte sowie die Einwohner in historischen Gewändern bewundern, die durch die Straßen schlendern, grüßen und mit denen Du perfekt plaudern kannst. Und man kann lecker essen im Goldrausch-Stil. Und selbst mal Goldwaschen probieren und sein Glück versuchen. Zu guter Letzt auch Billy Barker persönlich treffen …..

Der 3. Tag in Folge mit mehr als 30 Grad C.! Wir lassen einen unserer Autoreifen für kleines Geld reparieren am Highwayrand. Der Mechaniker findet einen Mininagel.

Von 100 Mile House fahren wir am enttäuschenden Hells Gate vorbei den spannenden Fraser entlang nach Süden, um nach Hope zu kommen. Unterwegs dürfen wir in der Nähe von Cache Creek auf einem sehr großen Privatgrundstück in aller Seelenruhe ein Weißkopfadlerpärchen samt Nest aus nächster Nähe fotografieren. Welch eine Ruhe und Gelegenheit, diese Tiere so erleben zu dürfen.

Ein paar Kilometer weiter entdecken wir in einem Waldgebiet die alte, eiserne Alexandra Bridge, die über den hellbraunen Fraser führt. Ein kleiner Geheimtipp!

In Hope angekommen statten wir dem Coquihalla Canyon Provincial Park einen abendlichen Besuch ab. Vier ehemalige, stockdunkle Eisenbahntunnel in den harten Fels gehauen, durchschreiten wir und als Begleiter daneben immer ein hellgrün schäumender Fluss in einem hypersteilen Canyon. Hier ist es mehr als schön.

Am nächsten Tag Wechsel vom Festland auf Vancouver Island per Fähre ab Horseshoe Bay (Vancouver Nord) nach Nanaimo. Welch eine perfekte Abwicklungsorganisation der vielen Autos! Wir fahren ein Stückchen nach Norden und biegen dann links in westlicher Richtung ab. Dort müssen wir natürlich noch einmal die uralten Baumriesen bei Cathedral Grove sehen und lassen dabei 1,5 Stunden lang unsere Autotür unbeobachtet offen stehen ohne es zu bemerken! Aber als wir zurückkommen, ist alles noch da.

Wir übernachten im überraschend hübschen Port Alberni, einem wohl sehr bekannten Sportfischerort, essen sehr leckere Fish & Chips im „Bare Bones“ (s. Reisetipps) und versuchen uns trotz eines gleissenden Scheinwerferlichts an einem Zeitraffervideo des Nachts von einer rauchenden Papierfabrik am Flussufer des Somass River.

Weiter am nächsten Tag nach Westen bis hin zum Pazifik mit seinen Städtchen Tofino und Ucluelet.

Fotografisch gesehen ist dieses First Nations-Land mit seinen wunderschönen, sturmumtosten wilden Stränden und Inselchen – zu dieser Zeit – für uns aber nicht das Gelbe vom Ei. Über Comox im Osten der Insel und dann gen Süden sehen wir doch noch einmal das berühmte Chemainus mit seinen Wandmalereien. Es sind sehr viele dazugekommen seit unserem letzten Besuch hier. Wir essen das beste Speiseeis von Vancouver Island bei bestem Wetter.

Woher hat das im Jahr 1858 gegründete Chemainus eigentlich seinen Namen? Er kommt von „Tsa-meeun-is“ (Broken Chest), einem legendären Schamanen und Propheten, der eine massive Verwundung in seiner Brust überlebte, um dann ein mächtiger Häuptling zu werden. Sein Volk übernahm seinen Namen zur Identifikation ihres Stammes. Die ersten der großen Wandgemälde, für die das Städtchen dann berühmt wurde, wurden im Jahr 1982 fertiggestellt. In der Zwischenzeit gibt in diesem kleinen Ort auf Vancouver Island über 70 verschiedene davon zu sehen, die sich alle mit der Geschichte, der Ansiedlung, dem Leben und der Forstwirtschaft der First Nations beschäftigen.

An der Küste entlang nutzen wir den alten Highway 19A, bis er kurz vor Nanaimo leider endet und erreichen abends Victoria, die schöne Stadt im Süden. Dort stehen natürlich der traumhaft belebte Hafen, eine neue hochklappbare Autobrücke, Fisherman´s Wharf, das Empress Hotel und eine Art Geisterhaus (Craigdarroch Castle) auf dem Besuchs- und Fotoprogramm. Wir bleiben drei Tage in dieser Stadt, die uns so gut gefällt.

Bei einem Ausflug über den Highway 14 nach Nordwesten an der rauhen Pazifikküste fahren wir über Sooke bis fast nach Port Renfrew, um nach vielen Mühen endlich den gesuchten Fairy Lake mitten in den Wäldern zu finden. Dort treffen wir auf einer Art Campingplatz Diane, die hier als ehemalige Postbusfahrerin in einem Camper wohnt. Umgeben von zig Kolibris, blauen Vögeln („Blue Steller´s“ oder auf deutsch Diademhäher) und Honey Whisky erzählt sie uns ihre Geschichte. Wir hören ihr gerne zu und brechen dann zu unserem eigentlichen Ziel, dem „Lonely Tree on the Lake“ auf. Im Regen macht Andrea von ihm super Fotos.

Wir übernachten schließlich in Richmond nahe am Vancouver Airport mit einem Einwohneranteil von über 66 % Chinesen. Am Spätnachmittag trinken wir frischen, selbst gerösteten Kaffe im „Viva Java“, einem superwinzigen Coffee Shop, dessen viel redender Besitzer Arturo aussieht und spricht wie der bekannte Hollywood-Schauspieler Jean Reno in früheren Zeiten. Gast ist auch Jeff aus Kanada, der den Bodensee, dort Fischbach (Friedrichshafen) kennt und gerne „Schwäbisch“ isst.

DER GREAT BEAR RAINFOREST

Der Grosse Bären-Regenwald. 9 Tage und 8 Nächte lang. Es gibt wirklich viel zu erzählen von und über diese/r Schiffsreise. Nicht so einfach, sich dabei einigermaßen kurz zu fassen. Und eines noch gleich zu Anfang: Wir haben versprochen, nicht zu verraten, in welchen Buchten und Inlets wir genau waren, um die Pflanzen- und vor allem die Tierwelt dort ein wenig zu schützen vor dem Unbillen massentouristischer Initiativen. Also verwenden wir stattdessen keine Namen. Mit der Bitte um Verständnis.

Nachdem wir das 18 Insassen fassende Flugzeug der Pacific Coastal Airlines von Vancouver über Port Hardy auf Vancouver Island kommend in Bella Bella auf Campbell Island verlassen hatten, werden wir mit einem klapprigen, weißen Van in 10 min. und für 20 CAD zum örtlichen Pier gebracht, um von dort das (kostenlose) Wassertaxi nach Shearwater zu erreichen – zu einer Mini-Bucht mit ein paar Gebäuden, Geschäften, einer Fabrik und einem ältlichen „Hotel“ auf einer der 1.000 mega-kleinen Inseln irgendwo an der Pazifikküste des nordwestlichen Kanadas.

Unsere Tour wird am Dock in Shearwater beginnen. Wir sehen zum 1. Mal die auf Hochglanz gebrachte „Great Bear II“ am Kai liegen. Viel größer als jemals angenommen. Ein 17 m langer „Hatteras Long Range Cruiser“, eine weltweit bekannte Motoryacht im „Trawler-Stil“, die entworfen wurde, um jeden Ozean zu überqueren.

Unsere Crew steht auch schon da: Es sind Eric (der Captain), Cindy (die Chefköchin) und Marjan (die gute dritte Hilfe). Der Mund bleibt ein wenig offen stehen, als wir erfahren, dass wir ganz alleine mit den Dreien die Tour machen werden. Leider musste ein Ehepaar sehr kurzfristig absagen. An Bord gibt es sogar einen Bio-Kräutergarten und essbare Blumen. Ein eigenes Bad mit Dusche, zwei Schlauchboote, eine Meerwasseraufbereitungsanlage. Also: Welch ein Luxus steht uns da bevor!!

Bevor es richtig losgeht, treffen wir noch Harry und Sally, ein ortsgetreues Weißkopfadlerpaar am Hafen, welches Andrea natürlich sofort in professioneller Art und Weise ablichtet.

Frische Calamari und Caesars Salad mit Lachs und Rotwein runden den Abend dann ab. Am nächsten, etwas verregneten Tag fahren wir durch den Queen Charlotte Sound nach Norden, um herauszufinden, warum diese Region als „The Great Bear Rainforest“ bekannt ist: In die abgelegensten und spektakulärsten Gegenden von B.C. Zu atemberaubenden Landschaften, einer beeindruckenden Tierwelt, zu den Fjorden und Gezeitenkanälen mit knallgrünem, hohem Gras und Wildblumen bewachsenen Flussmündungen. Die Berggipfel der Coastal Range sind zu dieser Zeit immer noch mit Schnee bedeckt und bilden einen schönen Kontrast zum azurblauen Himmel. Polierte Granitwände ragen Tausende von Metern aus dem Meer heraus und sind zu dieser Jahreszeit mit rauschenden Wasserfällen übersät, die scheinbar vom Himmel fallen.

Wir wollen große Grizzlys erleben, die gerade aus dem Winterschlaf erwacht sind und in diese Inlets kommen, um sich an eiweißreichem Sedge-Gras und Lachsbeeren zu erfreuen. Und wir werden hoffentlich Buckelwale, Orcas, Seelöwen, Seeotter und andere Meeressäuger beobachten. Und immer brav die Küstenlinien nach schwarzen oder braunen Bären, Rehen, Hirschen und Wölfen absuchen.

Unsere Crew sagt uns, weil die Trophäenjagd auf diese fühlenden Bären-Wesen in jenen Buchten endlich beendet ist, wird deren Anblick unser Herz berühren. Wir würden bald sehen, warum Geschichten, die wir über die Grausamkeit von Grizzlies gehört haben, einfach nur Geschichten sind, die weit von der Realität entfernt sind. Obwohl diese Bären eindeutig wilde Tiere sind und mit Respekt behandelt werden müssen, unterscheiden sie sich weit von den Monstern, die Jäger uns glauben machen wollten.

Eric ist Bärenfinder, staatlich geprüfter Bärenführer und ein Naturschützer mit einem sehr großen Herz für die Tiere und die Natur hier. Durch seine um- und vorsichtige Art, mit diesem Schiff umzugehen, ermöglicht es uns, die natürlichen Verhaltensweisen der Tierwelt zu genießen, ohne dabei das Land und die Tiere, die wir sehen, nachhaltig zu stören oder zu beeinträchtigen. Während einige Kreuzfahrtschiffe eine sehr festgelegte Reiseroute haben, bevorzugt er es, anpassungsfähiger zu sein. Wenn die Natur den besten Weg kreuzt, so sagt uns Eric, wollen wir anhalten können, so lange wir wollen, und diese lebensverändernden Momente genießen können. Und genauso passiert es dann auch in den nächsten Tagen.

Der erste Seeotter ist gesichtet. Er sieht lustig aus, da man nur einen kleinen silbernen Kopf sieht mit zwei großen Augen. Wir fotografieren bunte Seesterne am Ufer und Seeanemonen. Ein schicker Oktopus ist leider zu schnell für Andrea´s Kamera. Trotz schlechten Wetters besuchen wir auf einer Insel den Ort Klemtu und das Big House der First Nations. Vern, der Chief of the Village, erzählt uns eine lange, spannende „Story“ von diesem großen hölzernen Haus, vier Männern in Kanus und Equinox, einem Unterwasser-Häuptling und Super-Hero. Auch am 3. Tag schüttet es aus Eimern, aber der Wetterbericht gelobt Besserung ab morgen Mittag. Wir warten auf die Sonne. Frische Erdbeeren, Pancakes und Schlagsahne zum Frühstück helfen uns über das Warten hinweg.

Das Wetter wird tatsächlich besser, wir sehen etwas Sonne. Wir ankern am Ende eines Inlets und beobachten am „grünen Strand“ die ersten drei Grizzlys, die dort in aller Ruhe riesige Mengen Muscheln fressen.

Später nehmen eine Bärenmutter mit ihren drei „Cubs“ vor einem männlichen Exemplar Reißaus. Überall gibt es wahnsinnig schöne, rauschende Wasserfälle und traumhafte Wasserreflexionen der Landschaften und des Himmels in allen Farben.

Heute erreichen wir der Crew liebstes Inlet. Als wir die letzte Ecke dieser langen Bucht umrunden, wissen wir sofort, dass dies ein Zuhause sein sollte, von dem Grizzly-Bären träumen. Und wir haben wir hier dann die wunderbarste Erfahrung mit solchen Lebewesen gemacht. Mit einer Grizzly-Mutter und ihren drei Jungen. Sie fressen seit drei Stunden schon das hohe grüne Gras am Ufer und wir sitzen trotz aufkommender Ebbe regungslos und still davor in unserem Schlauchboot. Offensichtlich überkommt sie der Durst und sie trinken etwas vom Süßwasser der Bucht. Vor unserer Nase marschiert Mutter Bär anschließend auf die sich inzwischen gebildete Sandbank und hinter ihr her im Gänsemarsch ihre Jungen. Plötzlich bleibt sie stehen und die drei Cubs umringen sie als wollten sie gemeinsam etwas besprechen. Und da geschieht es: Die riesige Mutter lässt sich auf ihren Rücken fallen und beginnt die drei Bärenjungen zu säugen. Liebevoll umfasst sie sie mit ihren Bärenpranken.

Die kleinen Bärenschnauzen sind ganz weiß von der Milch. Was für ein Anblick! Uns Fünfen rollen die Tränen im Gesicht herunter. Wir sind total gerührt und können es kaum fassen. Danke dem Himmel, das wir das einmal sehen und erleben dürfen. Andrea macht die Fotos ihres Lebens!

Eine andere Bucht mit einer sehr großen und weitläufigen Mündung, Schneebergen und mit Nebel bedecktem Regenwald bietet uns eine der besten Krabbenarten. Andrea und Eric gehen Krabben fangen. Also ist ein abendliches Krabbenfest an Bord voll in Ordnung, oder?! Die Hälfte der gefangenen Krabbeltiere wird wieder freigelassen da zu klein. Die anderen schmecken extrem lecker. Es ist lustig, in unserem „Drehrestaurant“ zu speisen, weil sich das Boot in der Flut vor Anker oder während des Tages im Halb- oder Dreiviertelkreis dreht.

Während des letzten Teils der Schiffstour reisen wir durch ein Gebiet, von dem bekannt ist, dass es ein wichtiger Lebensraum für Humpbacks ist. Um diese Jahreszeit ernähren sich diese Buckelwale nach ihrer langen Rückwanderung aus Hawaii von Hering und Krill. Und dann sehen wir endlich die ersten Buckelwale, die bis zu 18 km/h schnell schwimmen können. Andrea erwischt sie in dem Moment, wo sie abtauchen und ihre wunderbare Schwanzflosse zeigen. Ein Traum, dass wir dies hier in grösster Ruhe und Einsamkeit erleben dürfen. Später identifizieren Cindy und Eric diesen Wal tatsächlich anhand eines dicken Buches mit Hunderten von Schwanzflossenfotos dieser Region. Er heißt „Teeth“.

Wen wir wohl leider nicht sehen dürfen auf dieser Reise, sind die tollen schwarzweißen Orcas und ihre wahnwitzigen Sprünge aus dem Wasser. Sie wollen einfach nicht erscheinen. Ok, dann eben das nächste Mal. Aber als Ersatz für sie immerhin kleine Dall’s Porpoises und Pacific White Sided Dolphins, die oft auf der Bugwelle unseres Schiffes spielen. Wieder eine Herausforderung für die Fotografin!

Der vorletzte Tag bricht bei totaler Windstille und Sonne an. Alles ist ruhig draußen. Das Wasser ist spiegelglatt. Man kann meilenweit sehen. Eric entdeckt in der Ferne drei Wale und als wir hinfahren, sind sie wie vom Erdboden besser vom Wasser verschwunden. Keine weiteren Wale werden gesichtet. Wir sind ein wenig frustriert. Noch einmal wird Eric getäuscht von den riesigen Meeressäugern. 100 m vor dem Schiff taucht ein großer Wal auf. Unglaublich nahe! Alle laufen aufs Deck, um ihn zu fotografieren. Er verschwindet im Nichts. Wie schade! Der Tag geht zu Ende. Ein letztes Dinner. Es regnet.

Das Thema Tierschutz beschäftigt uns die gesamte Schiffsreise hindurch. Wie rücksichtslos Menschen sein können, erleben wir leider auch hier wieder. Eine wirklich sehr große Motoryacht (im Wert von 15 Mill. Euro) mit Namen „815 – Sherpa“ ankert in derselben Romantikbucht wie wir. Deren Passagiere haben tatsächlich nichts Besseres zu tun, als mit ihren Zodiaks durch die kleinen Flussläufe zu rasen, um sich an den vor Angst ins Wasser springenden Bärenmüttern und weglaufenden Bärenkinder zu erfreuen. Was sind das nur für Idioten! Eric ist total erbost und fährt mehrfach zum Schutz der Tiere im eigenen Schlauchboot hinterher, um sie zur Rede zu stellen. Cindy informiert indes die B.C. Park Rangers und die sog. „Watchmen“, die dann leider nicht vor Ort kommen. Die Watchmen passen im Great Bear Rainforest an vielen Stellen darauf auf, dass die Besucher, Touristen, Fotografen und Fischer nicht gegen die Schutzregeln verstossen. Die allermeisten Gewässer und Inlets sind First Nations-Gebiet. Leider haben sie keine Möglichkeit, Strafen zu verhängen, sondern nur Verwarnungen. Leider sind sie nur „zahnlose Tiger“! Eine Unterhaltung per Bordfunk lehnt der Kapitän der 815 Sherpa einfach ab. Abends machen sie dann in der ansonsten undurchdringlichen Stille der Bucht auch noch außen an Bord „Big Party“. Es ist echt unfassbar! Geld scheint alles zu gestatten auf diesem Planeten! Und dann wundern wir uns, wenn beim nächsten Besuch hier die Einfahrt in das Inlet für immer gesperrt ist.

Die echt einmalige Schiffsreise endet schließlich in Prince Rupert. Wir gehen dankbar und sehr glücklich. Wir gehen, noch ganz benommen, schwankenden Schrittes von Bord.

Am nächsten Tag zurück mit dem Flieger nach Vancouver und von dort weiter nach Frankfurt und Friedrichshafen in Deutschland. Unsere Westkanada-Revivaltour 2019 ist zu Ende.

PS.: Wir danken Trish und Eric Boyum von Ocean Adventures für diese fantastische Zeit auf ihrem wunderschönen Boot (https://www.oceanadventures.bc.ca/).

PPS.:  Und wir danken Cindy Lewis, die uns als Chefköchin auf unserer Bootstour durch den great Bear Rainforest so liebevoll begleitet hat, für ihre Erlaubnis, zwei ihrer wundervollen Fotos des „Spirit Bear“ hier in unserem Reiseblog veröffentlichen zu dürfen. Leider haben wir diesen weißen Riesen nicht gesehen …..

UNSERE TOUR IN DER ÜBERSICHT

Gereist sind wir vom 15. Mai bis 18. Juni 2019. In 5 Wochen 6 mal geflogen, fast 8.000 km mit dem Auto und 4 mal mit einer Schiffsfähre gefahren, 9 Tage lang durch die Fjorde, Channels und Inlets des Great Bear Rainforests leise mit dem Boot getuckert. Und das alles nur in den Provinzen British Columbia und Alberta Westkanadas.

Und hier die wichtigsten „Stationen“ in chronologischer Reihenfolge im Überblick: Friedrichshafen, Frankfurt, Vancouver, Osoyoos, Kelowna, Nelson, Creston, Crowsnest, Waterton Lakes National Park, Cranbrook, Golden, Radium Hot Springs, Vista Lake, Banff, Lake Moraine, Lake Louise, Revelstoke, Vernon, Okanagan Lake, Kamloops, Mt. Robson, Jasper, Maligne Lake, Icefield Parkways, Athabasca Falls & Glacier, Prince George, Barkerville, 100 Mile House, Hope, Nanaimo, Port Alberni, Tofino, Ucluelet, Comox, Sooke, Fairy Lake, Chemainus, Victoria, Vancouver, Bella Bella, Shearwater, Great Bear Rainforest, Prince Rupert, Vancouver, Frankfurt, Friedrichshafen.

EPILOG:  WIE KANADA SICH (NICHT) VERÄNDERT HAT

  • – Das Leben, das Verhalten und die allgemeine „Kultur“ sind sehr beeinflusst von der USA
  • – Es existieren immer noch dieselben 5 Salatsaucen im Restaurantangebot wie vor 20 Jahren
  • – Ein kostengünstiges Leben in Kanada ist etwas Anderes
  • – Überall wird kostenloses Wifi angeboten
  • – Das Benzin kostet durchschnittlich 1,45 CAD = 1 Euro
  • – Es fährt eine unfassbar große Anzahl von Autos, insbesondere von Campmobilen durch das Land und die Städte
  • – Unsere asiatischen, nicht immer so sehr rücksichtsvollen Mitmenschen sind einfach überall
  • – Ohne riesige Werbetafeln wäre es ein anderes Land
  • – Es gibt wirklich nicht wenige, hilfsbereite und freundliche Kanadier/innen
  • – Viele Micro-Bierbrauereien sind auf dem Land und in den Städten entstanden: Lecker!

EIN PAAR REISETIPPS

Nr. 1: Für uns die schönsten Locations der Reise sind der einmalige Maligne Lake in der Nähe von Jasper, die gewaltigen Athabasca Falls in den Rockies, der ruhige Fairy Lake mit dem berühmten „Lonely Tree“, die ehemaligen Eisenbahntunnels und der mitreissende Canyon im Coquihalla Canyon Provincial Park in Hope, das romantische Revelstoke am Columbia River und Port Alberni, das Fischerparadies auf Vancouver Island.

Nr. 2: Besonders gefallen und geschmeckt hat es uns im Restaurant „Eleven22“ in Golden, https://www.eleven22restaurant.com/,

im Restaurant & Pub „The Black Fin“ in Comox, https://blackfinpub.com/,

im Sushi-Restaurant „Ebizo“ in Victoria, 604 Broughton Street,

im „Kimchi House Korean Restaurant“ in Jasper, 407 Patricia Street, http://kimchihousejasper.com/,

im „Iron Horse Pub“ am Highway 24 in Lone Butte (nahe bei 100 Mile House) einsam und mitten im Wald der Cariboo Mountains gelegen, https://www.facebook.com/caribooironhorse/

und im Restaurant „Bare Bones Fish & Chips“ in Port Alberni, 4824 Johnston Road.

Nr. 3: Bestens geruht haben wir im traumhaften B&B „Le Beausoleil“ in Golden, https://www.lebeausoleilbandb.com/,

im wunderbaren „Cedar Wood Lodge B&B“ in Port Alberni, https://cedarwood.bc.ca/

und im altehrwürdigen Antik-Hotel „The Hume“ in Nelson, https://www.humehotel.com/.

 

 

Andrea Dublaski

Ich bin leidenschaftliche Fotografin und bin in meinem Leben viel durch die Welt gereist, immer auf der Suche nach Abenteuern und Wegen, um von Kulturen und Menschen zu lernen. Und reise immer noch. Zusammen mit meinem Mann sind wir Spicy Artworks, meine langersehnte, eigene Mischung aus Fotografie, Freiheit und Kunst.

  1. Roman Foller

    Ziemlich überheblich, sich als Tierfreund und Naturschützer darzustellen und andere, die im Prinzip das gleiche tun, zur Rede stellen zu wollen. Besuchte Orte nicht zu verraten, damit andere diesen nicht besuchen. Warum? Andere machen alles kaputt aber ihr zwei nicht? Wenn ihr wirklich etwas für den Planeten und die Menschen übrig habt, dann gebt doch positiven Input! Z. B. in Form von Verhaltensregeln, welche eigentlich in jeder Kinderstube gelehrt werden sollte. Die goldene Regel ist dafür völlig ausreichend.
    8000 km und mehrere Flüge in dieser kurzen Zeit, was sagt euch das??
    Schöne Fotos, keine Frage!!
    Es muss uns aber bewusst sein, dass diese ein großes Stück unserer Welt zerstört haben und weiter zerstören werden.
    Alles Gute.
    R.

    • Lieber Roman,
      danke zunächst einmal für dein spontanes Feedback zu unserem neuesten Reiseblogbeitrag hier bei Reisedepeschen.de

      Wir möchten zu Deinen Worten gerne Stellung nehmen:

      Wir sind überzeugte Tierfreunde und Naturschützer und haben deshalb auch dieses Thema im Rahmen unserer Westkanadatour aufgegriffen. Was wir im Great Bear Rainforest mit den sog. „Anderen“ erlebt haben, die wir dort zur Rede stellen wollten, hat wirklich dem Faß den Boden ausgeschlagen. So etwas geht einfach nicht. Sie sind mit ihren Schnellbooten durch die Flussarme gerast und haben Bären – ob Jung oder Alt – dazu veranlasst, vor Angst wegzurennen oder ins Wasser zu springen. Das war echt übel! Die haben also „nicht das Gleiche“ wie wir getan (ruhig im Schlauchboot gesessen und stundenlang mit weitem Abstand beobachtet und fotografiert), sondern das Gegenteil. Und dies hat sehr viel mit Tierschutz zu tun.

      Dass wir die einzelnen Buchten und Inlets dieses Gebiets nicht einzeln namentlich in die Welt hinausposaunen, ist doch nur allzu verständlich. Wenn dort dann entweder der Massentourismus oder die Millionärsschiffe (wie gerade erlebt) auftauchen, ist es vorbei mit den Bären und der Natur dort. Darum geht es. Die Bärenschützer, die mit Herzblut und Überzeugung ihre Touren machen und auf alles achten, und mit denen wir zusammen waren auf dem Boot, sind eng liiert in diesem Thema mit den ansässigen First Nations People. Und sie unternehmen nur Bootstouren durch die Gewässer des Regenwaldes, in dem sie den Lebensraum der Tiere – insbesondere der Bären – voll respektieren und nicht durch laute Schiffe oder Menschen nachhaltig stören. Probiere es doch einfach mal selbst aus und wende Dich an Eric und Trish Boyum von „Ocean Adventures“ in Nordwestkanada, mit denen wir unterwegs waren. Die Internetadresse findest Du in unserem Blogtext am Ende. Dann wirst auch Du es verstehen.

      Das sind dann übrigens „positive Verhaltensregeln“, stimmts?!

      Wir schreiben Reiseblogs wie Du ja weisst. Und zum Reisen gehört nun mal Fliegen, Autofahren u.ä. mit dazu. Das dies nicht durchgängig und immer umweltfreundlich ist, vor Allem, wenn man es damit übertreibt, wissen auch wir. Unsere Welt wird jedoch durch andere, viel schlimmere Dinge in Mitleidenschaft gezogen als durch eine 5wöchige Fototour durch B.C. in Kanada……

      Vielleicht helfen Dir ja unsere Worte hier, das Ganze nun ein wenig besser zu verstehen.

      Herzliche Grüße vom Bodensee – Andrea und Matthias

  2. Axel Baberschke

    Vielen Dank für die kurzweilige Unterhaltung, welche mir Eure sehr persönlich geschriebenen Reisereportage bot. Ich konnte richtig mitfühlen, wenn die Regenwolken mal wieder die grandiose Landschaft verdeckten und die Gletscherseen statt türkis zu leuchten noch gefroren waren. Ich spürte und teilte Eure innige Freude wenn der Mount Robson nach vielen Anläufen endlich in der Sonne erstrahlte. Die Erhöhung Eures Pulses beim Anblick der Grizzlys war genauso authentisch umschrieben wie der Blutdruck von 200 wenn diese magische Momente von Vollidioten gestört werden.
    Ich hatte Anfang der 90ziger auf dem heiligen Uluru in Australien ein ähnliches Erlebnis. Da hatte doch so eine Meute nichts Besseres zu tun als ein Lagerfeuer zu machen, Gitarre zu spielen und Partylieder zu singen. Zum Glück war das mein einziges Erlebnis dieses offensichtlich respektlosen Verhalten gegenüber Ureinwohnern, Flora und Fauna. Ich freue mich schon auf Eure Live Reportage, welche ja hoffentlich noch folgen wird.

    • Lieber Axel,
      ganz herzlichen Dank für Deine tollen Worte. Die tun richtig gut und haben uns sehr gefreut. Man sieht, Du warst auch schon einmal dort und hast ähnliche Emotionen gefühlt und erlebt. Westkanada ist immer wieder eine tolle Region zum Erkunden und Fotografieren.
      Und ja – wir haben vor einigen Tagen begonnen, eine Idee und ein erstes Konzept für unsere nächste Multivisionsshow und Live-Reportage über genau diese unsere Reise zu erarbeiten. Da dies jedoch immer viel Zeit braucht, damit es wirklich gut wird, rechnen wir mit einer Premiere aber nicht vor Herbst 2020. Aber das ist ja nicht so schlimm, oder?! Du kannst Dich jedenfalls schon heute drauf freuen. Wir wollen dieses Mal Struktur, Aufbau und Aussehen komplett ändern und eine neue Art Präsentation – zumindest was unsere bisherigen Filme von Spicy Artworks angeht – zusammenbauen.
      Also bis bald dann. Wir bleiben in Kontakt.
      Liebe Grüße vom Bodensee von Andrea & Matthias

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.