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Verzicht rettet die (dritte) Welt nicht

Jetzt wird wie­der in die Hände gespuckt, wir sen­ken das Brut­to­so­zi­al­pro­dukt.

Umfang­rei­cher Ver­zicht gilt oft als Lösung für die Kli­ma­krise.

Und warum nicht: Ver­zich­ten ist ein Luxus­pro­blem, oder?

Aber Luxus­pro­bleme hei­ßen aus gutem Grund auch Erst­welt­pro­bleme.

Und in Indus­trie­na­tio­nen leben nur gut eine Mil­li­arde Men­schen.

Ver­zicht ret­tet die Welt nicht, schon gar nicht die dritte Welt.

zwei­stö­ckige Hüt­ten im Dha­ravi Slum in Mum­bai

Die globale Sicht als Reisender

Du reist auch so gerne wie ich? Dann kennst du die glo­bale Ungleich­ver­tei­lung: In den aller­meis­ten Län­dern hast du als Rei­sen­der viel mehr Geld als Ein­hei­mi­sche.

Beson­ders gilt das für Süd­asien, Süd­ost­asien, Afrika und den Groß­teil von Latein­ame­rika. Aber selbst im schnell auf­stei­gen­den China gibt es noch viele arme Men­schen.

Im 21. Jahr­hun­dert über­win­den immer mehr davon die Armuts­grenze oder kom­men sogar zu beschei­de­nem Wohl­stand. Das könn­ten wir nicht ein­fach auf­hal­ten, selbst wenn wir woll­ten.

Ver­zicht in Indus­trie­län­dern ist viel­leicht denk­bar. Aber in Ent­wick­lungs­län­dern ist das völ­lig unmög­lich. Dort wol­len die Men­schen end­lich auch ein Stück vom Kuchen.

Es geht eben nicht um ein paar SUVs in Indus­trie­län­dern. Es geht darum was pas­siert, wenn ganz China SUV fah­ren will. In vie­len Dis­kus­sio­nen zur Kli­ma­krise fehlt die glo­bale Sicht.

Quelle: Glo­bal­rich­list

Du bist einer der reichsten Menschen der Welt

Wir hören in den Nach­rich­ten von den Opfern der Glo­ba­li­sie­rung, aber rich­tig vor­stel­len kann man sich das aus der Ferne nicht.

Daher erst­mal eine Erdung: Wenn du das hier lesen kannst, gehörst du wahr­schein­lich zum reichs­ten Zehn­tel der Mensch­heit.

Mit 1.000 Euro pro Monat Netto-Ein­kom­men bist du laut Glo­bal Rich­list rei­cher als 91% aller Men­schen. Mit 2.000 Euro pro Monat netto wärst du sogar bei den obers­ten 1,3 Pro­zent.

5 Mil­li­ar­den Men­schen leben laut Our World in Data von weni­ger als 270 Euro pro Monat (10 USD pro Tag). 3,5 Mil­li­ar­den Men­schen leben sogar von weni­ger als 90 Euro pro Monat, das ist jeder zweite Mensch!

Ver­füg­ba­res Tages­bud­get welt­weit – Quelle: Our World in Data CC-BY‑4.0

Weniger Armut heißt mehr Klimakrise

Das klingt erst ein­mal schlimm. Aber vor 10 Jah­ren war es schlim­mer und vor 50 Jah­ren noch viel schlim­mer. 1820 haben noch 94% aller Men­schen in abso­lu­ter Armut gelebt (weni­ger als 60 heu­tige Euro pro Monat)

Armut ver­schwin­det lang­sam über die Jahr­hun­derte. Im Aus­nah­me­fall China rei­chen sogar Jahr­zehnte.

Je mehr Geld aber zur Ver­fü­gung steht, desto mehr steigt der Kon­sum. Je mehr kon­su­miert wird, desto mehr Kli­ma­schä­den und Umwelt­schä­den wer­den ver­ur­sacht.

Wohl­stand ist in unse­rem Wirt­schafts­sys­tem kli­ma­schäd­lich. Wenn wir sowohl Armut als auch die Kli­ma­krise bezwin­gen wol­len, müs­sen wir Wachs­tum und Klima ent­kop­peln.

Das ist um so wich­ti­ger, weil die Fol­gen der Kli­ma­krise im glo­ba­len Süden am Schlimms­ten wer­den. Die Kli­ma­krise bekämp­fen heißt Armut bekämp­fen.

Impos­si­ble Bur­ger: 100% Geschmack, 0% Fleisch

Technologie ist eine Alternative zum Verzicht

Die Kli­ma­krise ist eine Neben­wir­kung von Tech­no­lo­gie. Wir kön­nen schlechte Tech­no­lo­gie aber genauso gut durch bes­sere Tech­no­lo­gie erset­zen, statt dar­auf zu ver­zich­ten.

Für eine Ver­zichts-Lösung ist es sowieso zu spät. Laut Welt­kli­ma­rat müs­sen wir unbe­dingt Tech­no­lo­gien ein­set­zen, selbst um aus­ge­sto­ße­nes CO2 wie­der aus der Luft zu holen.

Auch viele CO2-Emis­sio­nen las­sen sich durch ein Tech­no­lo­gie-Upgrade ohne Ver­zicht sen­ken:

  • Land­wirt­schaft 2.0: Impos­si­ble Food & Insek­ten statt Mas­sen­tier­hal­tung
  • Wärme & Strom 2.0: Erneu­er­bare & Kern­kraft statt Kohle, Öl & Gas
  • Trans­port 2.0: Nah­ver­kehr-Aus­bau & Ridesha­res statt Pri­vat-PKWs
  • Indus­trie 2.0: Aus­rol­len aktu­el­ler Tech­no­lo­gie & Effi­zi­enz­stei­ge­rung

Tech­no­lo­gi­sche Lösun­gen sind auf­wen­dig und teuer. Ande­rer­seits sind sie gesell­schaft­lich ein­fa­cher umzu­set­zen. Das gilt um so mehr in Ent­wick­lungs­län­dern, wo Ver­zicht keine Alter­na­tive ist.

Diese Jungs aus Äthio­pien brau­chen ein Vor­bild

Industrieländer müssen ein Vorbild sein

Natür­lich schlie­ßen sich Tech­no­lo­gie und Ver­zicht nicht aus. Aber Ver­zicht muss gering genug sein um nicht nicht zum Ver­lust von Wohl­stand zu füh­ren. Indus­trie­län­der müs­sen ein Vor­bild sein.

Viele Men­schen in Ent­wick­lungs­län­dern schauen zu uns Indus­trie­län­dern auf. Sie sehen in Fil­men und TV-Serien, wie hoch unser Lebens­stan­dard ist und wol­len auch so leben.

Wenn wir zu viel von unse­rem Wohl­stand auf­ge­ben führt das nicht nur zu Akzep­tanz-Pro­ble­men bei uns. Wir ver­lie­ren auch unsere Vor­bild-Funk­tion im Rest der Welt.

Ein Vor­bild kön­nen wir natür­lich nur dann sein, wenn wir auch vor­bild­haft han­deln. Gegen Nichts­tun oder schlechte Lösun­gen hilft der beste Vor­bild-Sta­tus nichts.

Die deut­sche Ener­gie­wende ist zum Bei­spiel zu teuer und wir­kungs­los zum Nach­ah­men. In Frank­reich kos­tet der Strom halb so viel und die pro Kopf CO2-Emis­sio­nen sind halb so hoch. Das ist schon eher ein Vor­bild, aber muss auch noch bes­ser wer­den.

Gut gemeint: Auf­ruf zum frei­wil­li­gen Fleisch­ver­zicht

Freiwilliger Verzicht hilft erst recht nicht

Das war meine glo­bale Sicht auf die Kli­ma­krise als Lang­zeit­rei­sen­der. Konnte ich dich davon über­zeu­gen, dass Ver­zicht allein nicht die Welt ret­tet?

Wenn du wei­ter­hin über­zeugt vom Ver­zicht bist, setze dich zumin­dest für ver­pflich­tende Gesetze ein. Frei­wil­li­ger Ver­zicht hat noch nie funk­tio­niert.

Frei­wil­li­ger Ver­zicht geht davon aus, dass ein nen­nens­wer­ter Teil der Bevöl­ke­rung von sich aus ent­halt­sam lebt. Das ist eine nette Idee, aber passt gar nicht zur mensch­li­chen Psy­che.

Ver­zicht zu einer mora­li­schen Frage zu machen ist sogar eher schäd­lich als nütz­lich. In mei­nem Arti­kel zur Flug­scham steht noch mehr dazu, warum es Gesetze braucht.

„Cli­mate will be fine“: die Poli­tik ist taten­los

Mach mit: Fridays for Future & Extinction Rebellion

Das heißt aber nicht, dass du per­sön­lich macht­los bist. Es gibt viel bes­sere Hebel als frei­wil­li­gen Ver­zicht.

Zuge­ge­ben, die Poli­tik schei­tert ganz offen­sicht­lich an der Kli­ma­krise. Es ist sogar egal wel­ches Land und wel­che Par­tei.

Aber zwei große glo­bale Bewe­gun­gen set­zen sich für Lösun­gen der Kli­ma­krise ein. Beide pla­nen in den kom­men­den Wochen grö­ßere Aktio­nen:

Extinc­tion Rebel­lion ver­an­stal­tet regel­mä­ßig Aktio­nen, viel­leicht auch in dei­ner Stadt. Für mehr Infos schau zu einer Ein­füh­rung im XR Café vor­bei, in vie­len deut­schen Groß­städ­ten.

Was sind deine Gedan­ken zur Kli­ma­krise?

Sehen wir uns bei der Demo und der Blo­ckade in Ber­lin?

Cate­go­riesWelt
  1. Lisa & Julia Hermes

    Was ich argu­men­tiere? Wofür und woge­gen?
    Gut, wenn du möch­test fasse ich dir meine Punkte gerne noch­mal zusam­men:

    Ich finde es unre­flek­tiert das Wort „dritte Welt“ zu benut­zen, weil es für mich eine Abstu­fung der Men­schen ein­schließt, die die Verlierer*innen des kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schafts­sys­tems sind. Die Ein­tei­lung der Welt in erst, zweit und Dritt­län­der ist eine Kate­go­ri­sie­rung, die ‚wie auch die in dei­nem Arti­kel dar­ge­legte Sicht ist, sehr euro­zen­trisch ist. Diese Kate­go­ri­sie­rung negiert die Mög­lich­keit, dass es Völ­ker auf die­ser Erde gibt, die Stolz auf ihre Lebens­weise und Kul­tur sind. Nicht ALLE wol­len so leben wie wir, das kann ich dir mit Sicher­heit sagen! Im Gegen­teil: In vie­len Län­dern lei­det die Bevöl­ke­rung eher unter der west­li­chen Dok­trin und dem, vor allem US-ame­ri­ka­ni­schen, Ein­fluss. Es kön­nen eben nicht alle Kon­zepte, die in Europa und USA als „posi­tiv“ gewer­tet wer­den – sei es in tech­no­lo­gi­scher als auch in vie­len ande­ren Hin­sich­ten – auf alle Völ­ker die­ser Erde ange­wen­det wer­den. Dabei wer­den die kom­ple­xen kul­tu­rel­len Fein­hei­ten ein­fach kom­plett aus­ge­blen­det. Neh­men wir das Bei­spiel Mexiko: Hier gibt es Men­schen, die ihrer tra­di­tio­nel­len Lebens­weise nach­ge­hen WOLLEN und für den Erhalt der Natur kämp­fen weil sie ihre Unab­hän­gig­keit bewah­ren und sich eben NICHT vom Sys­tem abhän­gig machen möch­ten. Und oft set­zen diese Men­schen ihr Leben aufs Spiel, um gegen die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen mul­ti­na­tio­na­ler Groß­fir­men ihr Land zu ver­tei­di­gen.

    Wieso gehen wir in unse­rem Kul­tur­kreis so gerne davon aus, dass unsere Kul­tur das „Non-Plus-ultra“ und so etwas wie eine „Vor­zei­ge­kul­tur“ ist? Das ist ein gefähr­lich kolo­nia­lis­ti­scher Blick auf die Welt! So nach dem Motto „Wir müs­sen die Wil­den zivi­li­sie­ren und ihnen zei­gen wie man rich­tig lebt“ und dann auch Begriffe wie „Ent­wick­lungs-Poli­tik“- so als müss­ten wir unse­ren klei­nen Kin­der­chen mal zei­gen, wie es die Erwach­se­nen rich­tig machen. (Und dabei aber mit unse­rem Lebens­stil auf kurz oder lang den Pla­ne­ten zer­stö­ren. Wirk­lich sehr sehr fort­schritt­lich.…)

    Und dann will ich dich gerne fra­gen was denn eigent­lich DEIN Ansatz ist, um das Klima zu ret­ten? Du hast zwar erzählt wie wir es NICHT machen sol­len aber ist deine ein­zige Lösung wirk­lich auf Gesetze zu war­ten?!
    Denn Ver­zicht ändert eben doch etwas und muss abso­lut nicht hei­ßen, dass wir dafür in ein Slum in Mum­bai zie­hen müs­sen. Was du als „Ver­zicht“ bezeich­nest ( und merk­wür­di­ger­weise nega­tiv kon­no­tierst) kann auch ein­fach bedeu­ten, wie­der ein neues Bewusst­sein dar­über zu ent­wi­ckeln, dass wir eben nicht all die Dinge brau­chen die sie uns ver­kau­fen. Ist es für dich schlimm, mit dem Fahr­rad statt mit dem Auto zum Bäcker zu fah­ren? Oder eine Stoff­ta­sche zum ein­kau­fen zu benut­zen? Oder Second Hand Klei­dung zu kau­fen, statt jede Sai­son ins Shop­ping­cen­ter zu fah­ren? Wie­der­erwend­bare Fla­schen zu haben, statt Plas­te­fla­schen zu nut­zen? Ein­mal in der Woche Fleisch zu essen statt jeden Tag drei mal? Sind all diese klei­nen Hand­lun­gen für dich ohne Gesetze wirk­lich NICHT mög­lich?!

    Zum Schluss möchte ich dich noch bit­ten, mit nicht irgend­wel­che Phra­sen in den Mund zu legen. Ich habe nie­mals behaup­tet dass wir zur Kli­ma­ret­tung „ in einen Slum in Mum­bai ziehen“müssen und habe das auch an kei­ner Stelle von ande­ren Men­schen ver­langt.

    Julia

    1. Hi Julia,

      dar­über kön­nen wir reden, wobei eine Kri­tik am Aus­druck „dritte Welt“ ja eher von mei­nem Arti­kel ablenkt.

      Ursprüng­lich war das so:
      1. Welt: Libe­ra­lis­mus
      2. Welt: Real­so­zia­lis­mus
      3. Welt: Block­freie Staa­ten

      Das war frü­her also ein poli­ti­scher Begriff und hatte wenig mit Kapi­ta­lis­mus zu tun. Noch weni­ger hat der Begriff heute mit Kapi­ta­lis­mus zu tun. Es ist ja nicht so, als ob irgend­ein Land heute kei­nen Kapi­ta­lis­mus hätte, inklu­sive Mexiko und mitt­ler­weile sogar Nord­ko­rea.

      Heute ist die dritte Welt zum wirt­schaft­li­chen Begriff gewor­den. Ich finde den Begriff auch nicht abwer­tend. Er beschreibt ein­fach wirt­schaft­li­che Tat­sa­chen. Das würde sich auch nicht ändern, wenn man ein Syn­onym ver­wen­det.

      Ich habe nicht behaup­tet, dass unsere Kul­tur ein Vor­bild ist. Das ist sogar ganz sicher nicht so. Es geht um unse­ren Wohl­stand.

      Bei mir per­sön­lich rennst du mit Ver­zicht offene Türen ein. Ich bin seit mei­ner Welt­reise über­zeug­ter Mini­ma­list. Um so mehr weiß ich, wie schwer es ist andere Men­schen von den Vor­tei­len zu über­zeu­gen. Und ich weiß auch, wie viel CO2 ich trotz­dem emi­tiere, ein­fach des­we­gen weil ich nun in Deutsch­land lebe. Daran kann ich per­sön­lich gar nix ändern, das geht nur durch Poli­tik.

      Ver­zichts-Pre­dig­ten schre­cken außer­dem ab und len­ken von effek­ti­ven Maß­nah­men ab. Deine Plas­tik­fla­schen sind dem Klima herz­lich egal. Auch eigent­lich effi­zi­ente Maß­nah­men wie aufs Auto ver­zich­ten brin­gen im Klei­nen nichts.

      Stell dir vor, du bringst 3,5% der Bevöl­ke­rung dazu, signi­fi­kant zu ver­zich­ten. Dann ist damit gar nichts gewon­nen. Wenn aber 3,5% der Bevöl­ke­rung auf die Strasse gehen, dann kann sich alles ändern!

      Unser Ansatz nennt sich Öko­mo­der­nis­mus oder Öko­prag­ma­tis­mus. Das heißt in mei­nen eige­nen Wor­ten, dass wir CO2-Emis­sio­nen vom Wachs­tum mit effi­zi­en­ten Maß­nah­men und Tech­no­lo­gien ent­kop­peln. Dann kön­nen wir der gan­zen Welt Wohl­stand bie­ten, ohne sie damit zu zer­stö­ren.

      Der Kapi­ta­lis­mus als größte Wohl­stands­ma­schine ist dabei unser Ver­bün­de­ter. „Unser Kapi­ta­lis­mus“ ist zuge­ge­ben scheisse, aber „der Kapi­ta­lis­mus“ nicht. Kapi­ta­lis­mus muss immer wie­der auf die rich­ti­gen Ziele gelenkt wer­den, sonst wird er wie „unser Kapi­ta­lis­mus“. Das ist Sache der Poli­tik, nicht der Bür­ger.

      Mehr Infos zum Öko­mo­der­nis­mus auf Wiki­pe­dia.

  2. Lisa & Julia Hermes

    Nig­ger ist auch ein Syn­onym für „Men­schen mit dunk­ler Haut­farbe“. Benutzt du das Wort auch noch?
    Aber nun gut. Da du weder kon­struk­tiv noch destruk­tiv auf meine Argu­mente ein­ge­gan­gen bist, son­dern Deine mir bereits bekann­ten Ansätze wie­der­holt hast, gehe ich jetzt auch nicht wei­ter auf deine Aus­sa­gen ein. Viel­leicht begeg­nen wir uns ja im rea­len Leben irgend­wann ein­mal und haben die Mög­lich­keit unsere Sicht­wei­sen noch­mal aus­zu­tau­schen.
    Bevor ich dir etwas unter­stelle , möchte ich dich ein­fach mal ganz direkt fra­gen: Unter­hältst du dich auf dei­nen Rei­sen auch mal mit der loka­len Bevöl­ke­rung oder besteht dein Bezugs­kreis eher aus Men­schen der west­li­chen Welt?

    Wir kön­nen die Welt nur ver­än­dern, wenn wir erken­nen, dass die wahre Ver­än­de­rung bei uns selbst anfängt.

    1. Wel­che Argu­mente? Kapi­ta­lis­mus ist böse und macht alles kaputt? Die Stämme am Ama­zo­nas leben das ein­zig wahre Leben? Was argu­men­tierst du denn eigent­lich und wofür oder woge­gen?
      Wie wäre es mit Prag­ma­tis­mus?

      Ich unter­halte mich dau­ernd mit Locals in Dritt­welt­län­dern. Und wirk­lich alle wol­len sie unse­ren Lebens­stan­dard. Das liegt halt auch daran, dass unser Wohl­stand mitt­ler­weile durch die Ver­brei­tung von Fern­se­hen für jeden und Tag für Tag ersicht­lich ist.

      Mal ehr­lich, willst du in einen Slum in Mum­bai zie­hen um das Klima zu ret­ten? Nein? Wie kannst du das dann von ande­ren Men­schen ver­lan­gen?

  3. Lisa & Julia Hermes

    Hallo Flo­rian,

    schön, dass du dir Gedan­ken zur Kli­ma­krise machst.
    Trotz­dem Finde ich einige Aus­sa­gen in dei­nem Text sehr bedenk­lich.
    Ich gehe nach der Reihe au die ein­zel­nen Punkte ein. Begin­nen wir mit dei­ner Über­schrift : fin­dest Du es, gerade als Rei­sen­der, nicht etwas über­heb­lich den Begriff „dritte Welt“ wei­ter­hin zu benut­zen. Sind wir in den Indus­trie­län­dern also die „erste Welt“ – und ste­hen damit ganz oben auf der „Welt-Klas­sen­stufe“? In Zei­ten der Tita­nic gab es auch ein „dritte Klasse“ Abteil. Viel­leicht hast du den Film gese­hen und kannst dich daran erin­nern wie die „erste Klasse“ auf die untere Klasse herab geschaut hat…Dieser Begriff schließt auto­ma­tisch eine Abwer­tung der Men­schen ein, die nicht über die glei­chen mate­ri­el­len Res­sour­cen Ver­fü­gen wie Du.
    Diese Inter­pre­ta­tion fin­det sich dann auch in wei­te­ren Abschnit­ten dei­nes Tex­tes: „Wenn wir zu viel von unse­rem Wohl­stand auf­ge­ben führt das nicht nur zu Akzep­tanz-Pro­ble­men bei uns. Wir ver­lie­ren auch unsere Vor­bild-Funk­tion im Rest der Welt“ VORBLID Funk­tion? Ist es Dei­ner Mei­nung nach tat­säch­lich vor­bild­lich seit mehr als 500 Jah­ren (mit der Erobe­rung der „neuen Welt“ .) Kul­tu­ren zu zer­stö­ren, Res­sour­cen aus­zu­beu­ten und Kriege zu füh­ren gegen all jene, die nicht nach den Regeln der „west­li­chen Welt“ (USA & Europa) spie­len wol­len? Glaubst du, wenn wir die Völ­ker auf dem ame­ri­ka­ni­schen & afri­ka­ni­schen & asia­ti­schen Kon­ti­nent ihre Lebens­wei­sen hät­ten fol­gen las­sen, wäre es zu der „Kli­ma­krise“ gekom­men? Wir haben der Welt die kapi­ta­lis­ti­sche Denk­weise gera­dezu AUFGEZWUNGEN. Der Regen­wald brennt, Indi­gene Völ­ker au der gan­zen Welt, kämp­fen um den Erhalt der Natur, weil es ihre Lebens­grund­lage ist ( Ama­zo­nas ecc.). Und wenn in den Indus­trie­staa­ten wei­ter­hin fröh­lich kon­su­miert wird, dann wer­den auch die Ölfir­men immer wei­ter in den Regen­wald drin­gen, Berg­bau­un­ter­neh­men Berge und Flüsse ver­gif­ten.

    Und dann finde ich es äußert bedenk­lich dass du ein­fach behaup­test „Frei­wil­li­ger Ver­zicht geht davon aus, dass ein nen­nens­wer­ter Teil der Bevöl­ke­rung von sich aus ent­halt­sam lebt. Das ist eine nette Idee, aber passt gar nicht zur mensch­li­chen Psy­che.“ WAS GENAU ist die mensch­lich Psy­che für dich? Unsere „Psy­che“ ist unser Leben lang von Eltern, Schule, Chef , Kir­che, Gesell­schaft so geformt wor­den, dass wir sys­tem­kon­form leben und han­deln. Sprichst du unse­rer Spe­zies Mensch die Eigen­schaft der Selbst­stän­dig­keit , Ein­sicht, Empa­thie und Ent­schei­dungs­frei­heit ab? Brauchst DU wirk­lich Poli­ti­ker und Gesetze die die sagen was rich­tig oder falsch ist? Das wäre eine sehr trau­rige Erkennt­nis.

    Ver­stehe mich bitte nicht falsch- ich will dich hier­mit nicht als Per­son kri­ti­sie­ren. Ich finde ein­fach nur den Fakt scho­ckie­rend, dass ein sol­cher Text von einem Men­schen ver­öf­fent­licht wurde, der die Welt auf Rei­sen ken­nen­ge­lernt hat und von dem ich erwar­ten würde, dass sich eben jener mit den kom­ple­xen Zusam­men­hän­gen und Lebens­rea­li­tä­ten die­ser Erde inten­si­ver und reflek­tier­ter aus­ein­an­der­setzt hat.

    1. Dritte Welt ist ein Syn­onym für Ent­wick­lungs­land. Das hat mit drit­ter Klasse nix zu tun.
      Und ja, in der drit­ten Welt haben wir eine Vor­bild-Funk­tion. Die ganze Welt will end­lich so wohl­ha­bend sein, wie wir.
      Und ja, das ist Teil der mensch­li­chen Psy­che. Nie­mand will Wohl­stand oder das Ver­spre­chen auf Wohl­stand frei­wil­lig auf­ge­ben.

      Des­halb bleibt es dabei: Ver­zicht ret­tet die Welt nicht.

      Du kannst ver­su­chen davor die Augen zu ver­schlie­ßen und Geschich­ten vom noblen Wil­den erzäh­len. Oder du akzep­tierst die Rea­li­tät und wir kön­nen anfan­gen die Welt zu ret­ten.

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