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Tirana – Vergangenheit, die nicht vergeht

Doch die Stadt emp­fängt mich freund­lich an die­sem Som­mer­mor­gen: Im Flug­ha­fen­bus auf dem Weg ins Zen­trum hat eine Alba­ne­rin auf Hei­mat­ur­laub mich mit dem Grund­wort­schatz aus­ge­stat­tet – guten Mor­gen, guten Abend, Bitte, Danke. Immer­hin fale­min­de­rit – Danke, habe ich mir mer­ken kön­nen von die­ser Spra­che, die in mei­nen Ohren voll­kom­men undurch­dring­lich klingt.

Der Weg zur Unter­kunft führt eine Haupt­ver­kehrs­straße ent­lang, gesäumt von Ein­zel­han­del, klei­nen Restau­rants und auf­fäl­lig vie­len Eis­die­len, die ihr Ange­bot à la ita­liana künst­le­risch dra­piert haben mit Früch­ten, Nüs­sen und bun­ten Streu­seln. Direkt gegen­über vom „Deut­schen Super­markt“ biege ich ab zu mei­nem Hos­tel und finde mich wie­der in der gren­ze­nigno­rie­ren­den Welt des glo­ba­li­sier­ten Rei­sens. Neben den belieb­ten bil­li­gen Schlaf­saal­bet­ten wer­den auch Ein­zel- und Dop­pel­zim­mer ver­mie­tet, die Rei­sende aller Alters- und Ein­kom­mens­klas­sen anzie­hen. Mischen tut sich das im pflan­zen­über­wu­cher­ten Innen­hof, der aus­ge­stat­tet ist mit Rega­len vol­ler zurück­ge­las­se­ner Rei­s­e­lek­tü­ren, einer Bar, Sitz- und Lie­ge­mög­lich­kei­ten, vor allem aber mit genü­gend Steck­do­sen für die digi­ta­len Tra­vel­ler, die berie­selt von Reg­ga­e­mu­sik Flug­ti­ckets buchen, Urlaubs­fo­tos pos­ten und die Ver­bin­dung zur Hei­mat genauso wie zu den Rei­se­be­kannt­schaf­ten pflegen. 

Doch nicht nur hier ist die Glo­ba­li­sie­rung ange­kom­men – genauso offen und bunt prä­sen­tiert sich die ganze Stadt. Im Jahr 2000 wurde mit Edi Rama ein Künst­ler zum Bür­ger­meis­ter gewählt, der die gesamte Stadt flugs zum Ate­lier erklärt zu haben scheint: Die grauen, gesichts­lo­sen Haus­wände beka­men grell­bunte Anstri­che, und wenn die mit der Zeit auch etwas ver­blasst sind, so prä­gen die viel­far­bi­gen Fas­sa­den doch das Gesicht der Stadt.

Die Bau­ten aus der ita­lie­ni­schen Kolo­ni­al­zeit mit­ten im Zen­trum wur­den auf­wen­dig restau­riert und wir­ken wie eine Stadt in der Stadt, und irgend­wie wie ein eige­nes, etwas sur­rea­les Kunst­werk. Wer mit offe­nen Augen durch die Stra­ßen geht, ent­deckt über­all kleine künst­le­ri­sche Inter­ven­tio­nen mit prak­ti­schem Nut­zen: Auf einer Brü­cke ent­pup­pen sich Flie­gen­pilze als Sitz­ge­le­gen­hei­ten; eine Fuß­gän­ger­zone wird begrenzt von fünf wei­ßen Strei­fen, die ich bei nähe­rer Betrach­tung als Noten­li­nien iden­ti­fi­ziere, als Tische genutzte Baum­stümpfe stel­len die Noten dar. Über einer engen Gasse hängt der Him­mel vol­ler bun­ter Regenschirme.

Die größte Umge­stal­tung hat aber wohl der voll­kom­men umge­stal­tete Skan­der­beg – Platz erfah­ren, der an einer Seite von der sozia­lis­ti­schen Fas­sade des rie­si­gen Opern­hau­ses und an der ande­ren von der ebenso auf­trump­fen­den Archi­tek­tur des His­to­ri­schen Muse­ums begrenzt wird. Der frü­her viel­be­fah­rene Platz ist heute voll­kom­men ver­kehrs­be­ru­higt und spie­gelt in sei­ner Gestal­tung den Geist der Stadt ebenso wider wie auch die Rolle Tira­nas als Haupt­stadt für alle Einwohner*innen Alba­ni­ens: Das Mate­rial für die Pflas­te­rung stammt, genauso wie die Pflan­zen in den umlie­gen­den Gär­ten, aus allen Regio­nen des Lan­des. In den amor­phen For­men der grell­grü­nen Sitz­mö­bel flä­zen sich Tou­ris­ten und Ein­hei­mi­sche, und die Was­ser­rinn­sale auf dem Boden brin­gen an die­sem hei­ßen Sep­tem­ber­tag zwar keine Abküh­lung, sehen aber gut aus. 

“Im Hoch­som­mer habe ich hier schon den einen oder ande­ren weg­schmel­zen sehen“, behaup­tet Ed, den ich abends auf den Stu­fen vor der Oper treffe. So kri­tisch der in Tirana gebo­rene His­to­ri­ker auch den poli­ti­schen und sozia­len Ent­wick­lun­gen gegen­über steht, so ist er doch mit Herz und Seele sei­nem Land und sei­ner Hei­mat­stadt ver­fal­len. Diese Fas­zi­na­tion ver­mit­telt er bei regel­mä­ßi­gen Stadt­füh­run­gen, die mitt­ler­weile Kult­sta­tus haben und wäh­rend der Haupt­sai­son zwei Mal am Tag bis zu drei­ßig Inter­es­sierte aus aller Welt anzie­hen. Diese Inter­na­tio­na­li­tät ist der andere Grund für ihn, seine enthu­si­as­ti­schen Stadt­wan­de­run­gen ehren­amt­lich anzu­bie­ten: „Ein Aus­lands­vi­sum ist für Alba­ner schwie­rig zu bekom­men, und Geld für lange Rei­sen habe ich ohne­hin nicht. Wenn ich selbst also nicht raus in die Welt komme, dann hole ich die Welt eben zu mir.“

Heute komme ich in den Genuss einer Exklu­siv­tour, und schon nach weni­gen Schrit­ten stop­pen wir bei einer der wich­tigs­ten Sehens­wür­dig­kei­ten der Stadt. Lei­der ist die Et’hem-Bey-Moschee mit ihren ein­ma­li­gen Male­reien gerade kom­plett ein­ge­rüs­tet. Die Gel­der für die Reno­vie­rung kom­men aus der Tür­kei, und das Inter­esse auf tür­ki­scher Seite dürfte weni­ger ein kunst­his­to­ri­sches sein. Das hat wohl auch der alba­ni­sche Staat erkannt, der das Geld aller­dings nicht aus­schla­gen wollte, aber immer­hin eine Kom­pro­miss­lö­sung ver­han­delt hat. Nebenan ent­steht ein Islam­museum, für das ein gemein­sa­mes Kon­zept ver­ein­bart wurde, um einer allzu ideo­lo­gi­schen Dar­stel­lung nicht das Feld zu bereiten.

Ich frage nach dem Stel­len­wert von Reli­gion in Alba­nien. Ed grinst: „Wenn du die Leute fragst, bekennt sich eine große Mehr­heit zum Islam. Wenn du fragst, wer von ihnen noch nie eine Moschee besucht hat, mel­det sich die glei­che Mehr­heit. Anders als bei euch in Europa ist der Islam hier kein Thema und Reli­gion spielt gene­rell keine große Rolle.“ Und fügt dann hinzu: „Noch nicht“. 

Ein ganz ande­res tou­ris­ti­sches High­light liegt gleich hin­ter der Moschee. Bunk’Art 2 steht auf einem Hin­weis­schild über einer Beton­run­dung im Boden, die wie ein hal­bes, etwas zu rund gera­te­nes Ei aus dem Pflas­ter ragt. Für mich ist es der erste Anblick eines der berühm­ten Minibun­ker aus der Hin­ter­las­sen­schaft Enver Hoxhas, die mir spä­ter zuhauf über­all in der Land­schaft begeg­nen. Hoxha hatte mit allen sozia­lis­ti­schen Staa­ten gebro­chen, die Nach­bar­län­der gal­ten genauso als Feinde wie der ver­teu­felte Wes­ten. 22.000 über das ganze Land ver­teilte Minibun­ker sind der sicht­bare Aus­druck von Hoxhas Para­noia, die den Albaner*innen Schutz bie­ten soll­ten für den Fall einer Invasion. 

Bei die­sem aber han­dele es sich nicht um ein Ori­gi­nal, belehrt Ed mich, son­dern um ein nach­ge­bau­tes Exem­plar, das als Ein­stieg dient zu dem dar­un­ter lie­gen­den Museum, in dem in einem Laby­rinth aus Tun­neln akri­bisch das Wir­ken der omni­prä­sen­ten Geheim­dienste doku­men­tiert wird. Ver­ständ­lich, dass aus der Bevöl­ke­rung hef­tig pro­tes­tiert wurde gegen die Ver­wen­dung von Steu­er­gel­dern für eine Kopie der sowieso als über­flüs­sig betrach­te­ten Bun­ker. Auf meine Frage, was mit den über­all prä­sen­ten Minibun­kern in der Zukunft geschieht, zuckt Ed die Ach­seln: „22.000 Beton­bun­ker zu ent­sor­gen kos­tet eine Stange Geld. Aller­dings sind sie ein­zig­ar­tige Zeug­nisse des gan­zen absur­den Appa­ra­tes – und nicht zuletzt sind sie, maka­ber genug, Tou­ris­ten­ma­gne­ten. Solange man sich nicht einig ist über den Umgang mit die­sen Hin­ter­las­sen­schaf­ten, blei­ben sie erst­mal stehen.“

Das in den ehe­ma­li­gen Fol­ter­kel­lern unter­ge­brachte zen­trale Museum hat mit dem Bunk’Art1 eine noch ein­drucks­vol­lere Depen­dance. Die­ser rie­sige, etwas außer­halb der Stadt lie­gende Ori­gi­nal­bun­ker mit einem tief in die Erde hin­un­ter­rei­chen­den Tun­nel­sys­tem diente Hoxha und sei­nen engs­ten Gefolgs­leu­ten als Unter­schlupf. Heute wird dort umfas­send über die Schre­cken der sozia­lis­ti­schen Ära infor­miert; zu besich­ti­gen sind auch die Wohn­räume des Dik­ta­tors. Einige künst­le­ri­sche Inter­ven­tio­nen neh­men dem Ort nichts von der bedrü­cken­den, muf­fi­gen, bedro­hen­den Stimmung. 

„Komm, ich zeig dir was!“ Ed schlägt den Weg in Rich­tung Natio­nal­mu­seum ein, aber sein Ziel ist nicht die Aus­stel­lung der groß­for­ma­ti­gen Gemälde mit wacke­ren Arbei­te­rIn­nen, glück­li­chen Schul­kin­dern beim Fah­nen­ap­pell und zufrie­de­nen Fami­lien aus der sozia­lis­ti­schen Ära, son­dern die Rück­seite des Muse­ums, wo sich in einem Hin­ter­hof ein sur­rea­les Bild bie­tet: Über­le­bens­groß star­ren mir Marx, Sta­lin, Lenin und andere ernst bli­ckende Män­ner ent­ge­gen, doch trotz ihrer Monu­men­ta­li­tät wir­ken die Sta­tuen eher bemit­lei­dens­wert in die­ser unre­prä­sen­ta­ti­ven Umge­bung. „Was machen die denn hier?“, rutscht es mir her­aus. „Pla­nung der nächs­ten Welt­re­vo­lu­tion wahr­schein­lich“, grinst Ed. „Nach der Revo­lu­tion wurde die Stadt von den über­all prä­sen­ten Stauen befreit, aber nie­mand wusste so recht, wohin damit und man hat sie erst­mal hier geparkt. Solange man sich nicht geei­nigt hat, was damit geschieht, blei­ben sie hier“. 

Die­ser Satz, der unsere Tour man­tra­mä­ßig beglei­tet, sagt viel aus, über die gespal­tene Stim­mung in der Gesell­schaft. Die einen wün­schen sich, die Relikte der Ver­gan­gen­heit zu kon­ser­vie­ren und aus­zu­stel­len, die ande­ren sind für tabula rasa und einen tota­len Neu­start. Und dann gibt es da noch die Frak­tion derer, die die Sta­tuen am liebs­ten am alten Platz und über­haupt die Ver­gan­gen­heit zurück hät­ten. „Mein Opa zum Bei­spiel“, hatte Ed mir erzählt. „Er ver­flucht den Kapi­ta­lis­mus, die Kor­rup­tion, die Arbeits­lo­sig­keit, die Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit – und hat anschei­nen sehr vie­les sehr gut verdrängt.“

Ich muss nicht fra­gen, was Ed meint und denke an alles, was ich über Alba­ni­ens jüngste Ver­gan­gen­heit gele­sen hatte: Bespit­ze­lung, Fol­ter, Miss­ach­tung aller Men­schen­rechte, Abschot­tung, Hun­ger – ein süd­län­di­sche Nordkorea.

Aber das Para­dies ist eben noch nicht aus­ge­bro­chen und vor allem die, die ehe­mals gute Pos­ten hat­ten und die älte­ren Men­schen, die sich von der rasen­den Ent­wick­lung abge­hängt füh­len, erin­nern sich lie­ber an ver­lo­rene Pri­vi­le­gien als an die dunk­len Seiten. 

Auch die junge Genera­tion hat es nicht ein­fach. Alba­ni­ens Arbeits­lo­sen­quote ist hoch, und gute Jobs set­zen gute Bezie­hun­gen oder eine Menge Schmier­geld vor­aus. Das­selbe gilt für eine gute medi­zi­ni­sche Behand­lung, Aus­bil­dungs­mög­lich­kei­ten und eigent­lich alles, was das All­tags­le­ben aus­macht. Im Café, beim Essen, beim Ein­kau­fen – immer wie­der werde ich ange­spro­chen, immer wie­der kommt das Gespräch sofort auf die aus­weg­lose Situa­tion, und immer wie­der werde ich nach Deutsch­land gefragt – und immer steht am Ende die Frage nach einer Mög­lich­keit, im gelob­ten Land zu arbei­ten oder zu studieren.

„Ein paar Absur­di­tä­ten habe ich noch“, ver­spricht Ed, und wir set­zen unse­ren Weg fort ent­lang einer brei­ten Straße, die zum ehe­ma­li­gen Regie­rungs­vier­tel im Nor­den der Innen­stadt führt. Frü­her Schau­platz von Mili­tär­pa­ra­den und Schlacht­feld der Revo­lu­tio­näre, herrscht jetzt hek­ti­scher Ver­kehr – auch das ein Novum. „Die Zahl der Ver­kehrs­to­ten schlägt hier bald die der Opfer sozia­lis­ti­scher Will­kür“, behaup­tet Ed grin­send. „Natür­lich wollte sofort jeder ein Auto haben und mein Opa setzte sich mit fast 90 Jah­ren und halb­blind hin­ter das Steuer. Erst nach einem Jahr stellte er fest, dass er dazu auch einen Füh­rer­schein brauchte.“

Die ver­spro­chene Absur­di­tät taucht lin­ker­hand in Form einer rie­si­gen Beton­py­ra­mide auf: „Voilà: Pha­rao Hoxhas per­sön­li­ches Denk­mal – ent­wor­fen von sei­ner Toch­ter und ihm zu Ehren als Museum erbaut.“ Mit einer Mischung aus Fas­zi­na­tion und Abscheu betrachte ich den her­un­ter­ge­kom­me­nen, mit Graf­fiti beschmier­ten Bau, des­sen Ein­gang ziem­lich pro­vi­so­risch mit Bret­tern ver­na­gelt ist. 

„Immer­hin bie­tet der obskure Bau Gele­gen­heit, dem Dik­ta­tor nach­träg­lich aufs Dach zu stei­gen“, bemerkt Ed zufrie­den ange­sichts der vie­len Men­schen, auf der glat­ten und stei­len Ober­flä­che mehr oder weni­ger erfolg­reich ver­su­chen, die Spitze zu errei­chen. Diese eigent­lich ver­bo­tene Form der Frei­zeit­ge­stal­tung soll nicht nur legi­ti­miert, son­dern durch Hal­te­griffe auch erleich­tert wer­den, um nach­träg­li­che Todes­op­fer der Hoxha-Ära zu ver­mei­den, berich­tet Ed. „Und sonst?“, frage ich. „Was pas­siert mit dem Ding?“ „Es wurde schon als tem­po­räre Aus­stel­lungs­halle genutzt, als eine Art sozio­kul­tu­rel­les Zen­trum und als Disco, aber so rich­tig funk­tio­niert hat das nicht – schlech­tes Karma wohl. Jetzt dis­ku­tiert man über andere Pläne – im Gespräch ist momen­tan Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum. Aber solange über den Umgang mit all die­sen Hin­ter­las­sen­schaf­ten noch Streit herrscht, wird das Ding wohl wei­ter vor sich hinrotten.“

Die Gegend hin­ter der Pyra­mide unter­schei­det sich deut­lich von der Innen­stadt: Rechts und links der brei­ten Straße ste­hen breite, reprä­sen­ta­tive Bau­ten. „Du musst dir vor­stel­len, die­ser ganze Bezirk war eine Welt für sich. Zutritt für das gemeine Volk strengs­tens ver­bo­ten. Eine kleine Stadt in der Stadt mit Wohn­häu­sern für die Bon­zen, Regie­rungs­ge­bäu­den, Parks, Restau­rants – ein paar Glei­chere gibt es ja immer unter den Glei­chen.“ Wenn irgendwo die Geschichte zurück­schlägt, dann hier: Im Blloku Vier­tel, dem ehe­ma­li­gen Kno­ten­punkt sozia­lis­ti­schen Ter­rors, herrscht jetzt unge­zü­gel­ter Kapi­ta­lis­mus. Nir­gendwo sonst in der Stadt ist die Dichte an teu­ren Cafés, sty­li­schen Bars und Restau­rants mit inter­na­tio­na­ler Spei­se­karte so hoch, über­all haben sich Gale­rien mit moder­ner Kunst ange­sie­delt, dazwi­schen Mar­ken­ge­schäfte, wie man sie auch in Lon­don, Paris oder Rom fin­det. Und so sehr man in Alba­nien auch über die lahme Wirt­schaft und die hohe Arbeits­lo­sen­rate klagt – hier rollt der Lek, und die Gegend ist ein Ghetto der Pri­vi­le­gier­ten geblie­ben, nur mit ande­ren Vorzeichen.

„Einen habe ich noch“, ver­spricht Ed, und ein paar Stra­ßen wei­ter blei­ben wir vor einem umzäun­ten Grund­stück ste­hen. Hin­ter einem hohen Tor befin­det sich ein lang­ge­zo­ge­ner Bun­ga­low, der etwas alt­ba­cken wirkt, in frü­he­ren Jah­ren aber sicher als luxu­riös durch­ge­gan­gen ist. Der umge­bende Gar­ten ist gepflegt, wirkt aber leb­los ste­ril, die Fens­ter sind dun­kel und das gesamte Anwe­sen wirkt, als würde es auf die Rück­kehr sei­ner urlau­ben­den Bewoh­ner war­ten. „Und hier“, ver­kün­det Ed mit fei­er­li­chem Tim­bre in der Stimme, „sind wir nun bei Hoxhas home sweet home, denk dir noch eine Horde Wach­män­ner drum­herum.“ Ich suche nach einem Schild am Zaun, eines mit Ein­tritts­prei­sen und Öff­nungs­zei­ten des „Enver Hoxha Muse­ums Tirana“ oder wenigs­tens auf einen Hin­weis mit Hin­weis auf den frü­he­ren Bewoh­ner des Hau­ses – aber nichts. „Was pas­siert mit dem Haus?“, frage ich. „Wird es heute noch genutzt?“ Ed zuckt die Ach­seln. „Im Moment steht es leer – und…“ „…solange man sich hier nicht einig ist über den Umgang mit den Hin­ter­las­sen­schaf­ten, wird das auch so blei­ben“, beende ich den nun schon so oft gehör­ten Satz. „Du sagst es. Aber wenigs­tens Envas neuen Nach­bar möchte ich dir noch vorstellen.“ 

Ed dreht mich um und deu­tet auf das Haus gegen­über, in dem sich ein Schnell­re­stau­rant ange­sie­delt hat. Von dem leuch­ten­den Schild an der Fas­sade grinst der Ken­tu­cky-Fried-Chi­cken Mann mit sei­nem gro­ßen Zylin­der hin­über als wolle er signa­li­sie­ren: Mis­sion com­ple­ted – freund­li­che Über­nahme gelungen!

Tirana free wal­king tour
täg­lich 10.00/ 18.00 Uhr
Treff­punkt: Skan­der­be­g­platz, vor der Oper
ohne Anmel­dung, kos­ten­frei (frei­wil­lige Spende)

Et‚hem Bey Mosque
She­shi Skenderbej

Bunk­Art 1
Rruga Fadil Deliu

Muzeu His­to­rik Kombetar
Sken­der­beg Platz, Bou­le­vard Zogu I

Natio­nal Gal­lery of Art
Bule­vardi Deshmo­ret e Kombit

Bunk­Art 2
Rruga Abdi Toptani

Unter­kunft
Tirana Back­pa­cker Hostel
Rruga Bog­da­neve Nr.3 , Tirana, Albanien

Cate­go­riesAlba­nien
Maren Jungclaus

Schon früh von den Eltern infiziert, bin ich nie wieder vom Reisefieber geheilt worden (und habe mich auch nicht darum bemüht). Längere und kürzere Auslandsaufenthalte führten und führen mich in die unterschiedlichsten Ecken dieser Welt, und immer wieder stelle ich fest: Nichts ersetzt die persönliche Anschauung! Wenn ich nicht unterwegs bin, nähre ich das Fernweh mit Büchern, Travelblogs und der Begegnung mit anderen Menschen und Kulturen in meiner Heimatstadt Düsseldorf.

  1. Katrin Jungclaus says:

    Liebe Maren,
    ein wun­der­ba­res Stim­mungs­bild, bei dem man Lust bekommt, sofort loszureisen!
    Viele Grüße,
    Katrin

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