„Das schönste Land liegt hin­ter dir, das her­aus­for­derndste vor dir!“, so oder so ähn­lich haben wir das in einem ande­ren Rei­se­b­log gele­sen und füh­len uns auf­grund des mor­gen anste­hen­den Län­der­wech­sels sofort ange­spro­chen. Die Tür­kei hat uns schwer begeis­tert! Anfangs waren wir unsi­cher – viele Medi­en­be­richte gab es, gerade auch auf­grund des soeben statt­ge­fun­de­nen Refe­ren­dums und der poli­ti­schen Situa­tion. Wir frag­ten uns: „Wol­len wir da wirk­lich hin?“. Ja, woll­ten wir! (Mehr dazu könnt ihr auch hier dar­über lesen.)

Wir hat­ten uns also ent­schie­den, die Tür­kei zu berei­sen und wir sind froh dar­über! Warum? Wir haben lange über­legt, aber uns sind tat­säch­lich keine doo­fen Begeg­nun­gen oder unfreund­li­che Mit­men­schen hier in der Tür­kei ein­ge­fal­len. Statt­des­sen konn­ten wir uns an unzäh­lige über­aus nette Begeg­nun­gen erin­nern – bei allen unse­ren Couch­sur­fing-Gast­ge­bern, die uns wun­der­bar unter­ge­bracht, bewir­tet und unter­hal­ten haben, in Restau­rants, auf der Straße, in Hotels. Auf die regel­mä­ßige Frage „Where are you from?“ und unsere Ant­wort „From Ger­many.“ haben wir nur lächelnde und nickende Gesich­ter gese­hen. Das ein oder andere Mal gab es einen Kom­men­tar in Rich­tung Poli­tik und Frau Mer­kel, aber immer mit dem Fazit „Poli­tik ist Poli­tik, aber wir sind die nor­ma­len Men­schen!“.turm_erzurum

So sind wir nach nun über drei Wochen doch etwas trau­rig, dass wir mor­gen die Tür­kei ver­las­sen wer­den. Wir hat­ten uns gut hier ein­ge­fun­den und konn­ten mit unse­ren paar, hier auf­ge­schnapp­ten, Bro­cken Tür­kisch unse­ren All­tag ganz pas­sa­bel bestrei­ten. Und sorg­ten so immer wie­der für ein über­rasch­tes Lächeln bei unse­ren Gesprächspartnern.

Unser nächs­tes Rei­se­ziel ist der Iran. Iran… Wohl jedem blit­zen beim Lesen die­ses Wor­tes Bil­der im Kopf auf. War für mich anfangs klar, dass ich in den Iran auf kei­nen Fall rei­sen möchte, so hat mich die Recher­che im Inter­net von zu Hause aus anders den­ken las­sen. So viele posi­tive Berichte konnte ich lesen und auch von Bekann­ten, die selbst dort waren, nur Posi­ti­ves hören. Meine Mei­nung änderte sich. Und wir mer­ken, unsere Erwar­tun­gen an den Iran sind inzwi­schen hoch. Was wir uns erwar­ten? Nette Men­schen. Beein­dru­ckende Land­schaf­ten. Reich­ver­zierte, glit­zernde Bau­ten. Lecke­res Essen. Bar­geld nur durch Tausch in Wech­sel­stu­ben. Hotel­su­che mal ganz ohne Airbnb, Boo­king & Co. Alko­hol­ver­zicht. Gutes Wet­ter. Und ver­schlei­erte Frauen…

Beson­ders die­ser letzte Punkt ließ mich etwas in Stress gera­ten. Wir schlen­der­ten gemüt­lich durch Trab­zon, als mir bewusst wurde, dass dies hier gerade die letzte Groß­stadt vor dem Iran war und dass ich aktu­ell noch über­haupt nichts Pas­sen­des zum Anzie­hen hatte. Ich ging mit dem Handy in der Hand und Bil­dern lan­gärm­li­ger Tuni­ken auf Shop­ping­tour und konnte dadurch alle Sprach­bar­rie­ren über­win­den. Lan­gärm­lig, nicht zu eng, bis min­des­tens zur Mitte des Ober­schen­kels gehende Klei­dung, das wollte ich finden…

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Auch das Thema Kopf­tuch ließ sich pro­blem­los lösen – in zwei Fach­ge­schäf­ten ließ ich mich von den Ver­käu­fe­rin­nen ein­klei­den und in die Kunst des Kopf­tuch­bin­dens ein­wei­hen. Hof­fent­lich ist es nicht win­dig im Iran, so dass meine Kopf­tuch­kunst nicht zu sehr auf die Probe gestellt wird! :-)

Nun hoffe ich, dass ich mit mei­nem Iran-Basic-Kla­mot­ten­set soweit gut gerüs­tet bin und pro­blem­los ein­rei­sen darf. Ein biss­chen Unsi­cher­heit bleibt mir trotz­dem. Aber ich hoffe, genau wie in der Tür­kei, auf nette, ver­ständ­nis­volle Men­schen, die mir zur Not ein­fach sagen, wenn irgend­et­was nicht rich­tig ist.kopftuch_mit_verkaeuferin

So sind wir also lang­sam „ready for Iran“. Vor­freude mischt sich mit Auf­re­gung. Mor­gen geht es los! Dann heißt es: „Hoş­ça­kal Tür­kei!“ – Auf Wie­der­se­hen Tür­kei! – und „Salam Iran!“ – Hallo Iran!

Übri­gens: Warum es in die­sem Bei­trag eigent­lich nur um mich geht? Weil Sebas­tian Glück hat und sich für ihn die Vor­be­rei­tun­gen in Gren­zen hal­ten – er hat einen Blick in den Rei­se­füh­rer gewor­fen, mehr muss er nicht machen… ;-)

Cate­go­riesIran
Leo Sibeth & Sebastian Ohlert

Die beiden Wahl-Augsburger änderten im März 2017 ihr Leben: Jobs und Wohnung haben sie gekündigt, die Möbel verkauft und Persönliches in Kisten verpackt. Mit Bus und Bahn reisten sie 20 Monate lang über Land nach und durch Asien. Mit einem Containerschiff überquerten sie den Pazifik und erkunden nun Mittelamerika. Sie reisen möglichst nachhaltig, langsam und bewusst. Das Flugzeug ist dabei tabu! Wichtig sind ihnen Begegnungen mit Menschen und das Infragestellen ihrer eigenen Bilder und Stereotype.

  1. Esther says:

    Wirk­lich toll, ich wün­sche Euch ganz viel Spaß! Ich war bereits 7 Wochen im Iran und bin wei­ter­hin begeis­tert! ☺️ Ich bin gespannt, auf Eure Berichte,
    LG
    Esther

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