23 Kuriositäten über Indien, die du noch nicht wusstest

1. Beauty Babys – die geschminkten Kleinsten

Auf dem Indi­schen Sub­kon­ti­nent, also auch in Paki­stan, Nepal, Ban­gla­desch und Sri Lan­ka, schmin­ken Eltern ihre Babys ab dem zwei­ten Lebens­mo­nat bis zum drit­ten Lebens­jahr mit Kajal, einer schwar­zen Pas­te aus Kokos­nuss­öl und Ruß oder Aloe Vera. Dabei hat Kajal wenig mit dem west­li­chen Schmink­stift zu tun. Dem kul­tu­rel­len Brauch zufol­ge schützt die Pas­te vor bösen Geis­tern. So tra­gen die Klei­nen Kajal auf den Augen­li­dern, als dunk­le Krei­se auf der Stirn, am Haar­an­satz oder auf den Fuß­soh­len – wohl geschützt vor dem Schlech­ten auf der Welt.

2. Das Ideal der bleichen Haut

Das Schön­heits­ide­al in Indi­en ist die wei­ße Haut der west­li­chen Welt. Wäh­rend wir uns im trü­ben Euro­pa einen dunk­le­ren Teint wün­schen, ver­heißt dunk­le Haut in Indi­en nichts Gutes. Sie sym­bo­li­siert die Men­schen der unte­ren sozia­len Klas­sen, die har­te, kör­per­li­che Arbeit im Frei­en ver­rich­ten müs­sen und der Son­ne schutz­los aus­ge­lie­fert sind. Ein guter Job in Indi­en ist stets son­nen­ge­schützt. Am liebs­ten in einem kli­ma­ti­sier­ten Büro. Spä­tes­tens bei der Wahl eines Ehe­part­ners spielt die Haut­far­be in Indi­en eine exis­ten­zi­el­le Rol­le. Müt­ter raten ihren Töch­tern, nicht in die Son­ne zu gehen, man wol­le ja noch einen Ehe­mann für sie fin­den. In Hei­rats­ge­su­chen in der Zei­tung wird stets erwähnt, dass die zukünf­ti­ge Ehe­frau mög­lichst hell­häu­tig zu sein habe. Gro­ße Pla­ka­te und Wer­be­an­zei­gen prei­sen über­all im Land Auf­hel­lungs­cremes und –wäs­ser­chen an, die über Nacht eine magi­sche Blei­che ver­spre­chen. Auch die Haut­far­be sämt­li­cher abge­druck­ter Wer­be­per­so­nen wird mit Hil­fe von Foto­be­ar­bei­tungs­pro­gram­men im Nach­hin­ein auf­ge­hellt. In Fil­men des süd­lichs­ten Bun­des­staa­tes Tamil Nadu wer­den kei­ne Rol­len mit ein­hei­mi­schen Frau­en aus Tamil Nadu besetzt, da ihre Haut­far­be schlicht zu dun­kel ist. Statt­des­sen wer­den hell­häu­ti­ge­re Frau­en aus Nord­in­di­en oder gar aus Euro­pa ange­heu­ert, die dann tami­li­sche Frau­en ver­kör­pern. Hel­le Haut ist ein enor­mer Vor­teil im Beruf, bei der Part­ner­wahl und im gesell­schaft­li­chen Leben gene­rell. Eini­ge Inder machen kei­nen Hehl dar­aus, dass es ein Ziel in ihrem Leben sei, ein­mal Sex mit einer wei­ßen Frau oder einem wei­ßen Mann zu haben.

Inside India
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3. Gold

In Indi­en lagern rund 20.000 Ton­nen Gold in Pri­vat­haus­hal­ten, das ent­spricht etwa 13% der seit Anbe­ginn der Mensch­heit geför­der­ten Men­ge an Gold und hat einen Wert von einer Bil­li­on US-Dol­lar. Indi­en ist, nach Chi­na, der zweit­größ­te Gold­im­por­teur der Welt.

Jedes Jahr führt das Land zwi­schen 700 und 800 Ton­nen Gold ein, das ist etwa ein Fünf­tel der Welt­pro­duk­ti­on. In ers­ter Linie wird der Roh­stoff zu Schmuck ver­ar­bei­tet, der vor allem bei indi­schen Hoch­zei­ten zum Vor­schein kommt. Es ist Brauch, dass die Eltern der Braut der Fami­lie des Bräu­ti­gams Unmen­gen Schmuck schen­ken. Offi­zi­ell ist die Mit­gift in Indi­en zwar ver­bo­ten, jedoch wird die­se Tra­di­ti­on noch immer mit gro­ßen Ges­ten voll­zo­gen. Etli­che Fami­li­en ver­schul­den sich dabei hoff­nungs­los. Die­se finan­zi­el­le Belas­tung trägt mit dazu bei, dass in vie­len indi­schen Fami­li­en Söh­ne weit ange­se­he­ner sind als Töch­ter.

4. Saris, die weibliche Schönheit und das dunkle Geheimnis

Der Sari ist Indi­ens cha­rak­te­ris­ti­sches Klei­dungs­stück. Er gehört zu den bekann­tes­ten Gewän­dern der Welt und ver­bin­det die tra­di­tio­nel­le Kul­tur des Sub­kon­ti­nents mit einem ele­gan­ten Aus­se­hen. Schon seit dem drit­ten Jahr­tau­send vor Chris­tus hül­len sich Frau­en in ihre Saris.

Der Sari besteht aus einem ein­zi­gen, recht­ecki­gen Stück Stoff von etwa fünf bis acht Metern Län­ge. Das Paluv, das Schul­ter­stück des lan­gen Tuchs, ist beson­ders deko­ra­tiv gestal­tet. Der Haupt­teil des Saris ist dage­gen meist schlicht gehal­ten. Er wird fünf bis sechs Mal gefal­tet, bevor er an der Hüf­te fest­ge­steckt wird. Unter dem Sari trägt die Frau einen lan­gen Unter­rock. Am Ober­kör­per trägt sie meist eine kur­ze fes­te Blu­se, die Cho­li. Tra­di­tio­nell tra­gen indi­sche Frau­en ihre Saris zu jeder Gele­gen­heit. Egal ob sie zu einer Hoch­zei­ten ein­ge­la­den sind, ins Büro, ins Kino, zur Arbeit auf dem Feld oder auf dem Bau gehen. Mitt­ler­wei­le bevor­zugt die jun­ge Gene­ra­ti­on jedoch zuneh­mend einen west­li­chen Klei­dungs­stil, der im All­tag beque­mer zu tra­gen ist. Jun­ge Frau­en holen ihre Saris nur noch zu fest­li­chen Anläs­sen und Fei­er­ta­gen aus dem Schrank.

Doch die hüb­schen Saris haben eine dunk­le Sei­te. Ihr dau­er­haf­ter Gebrauch im feucht-hei­ßen Kli­ma des Sub­kon­ti­nents ist stark gesund­heits­schäd­lich. An der Hüf­te, dort wo der Sari eng am Kör­per liegt, wird die Haut ver­mehrt mit Staub und Schweiß­rück­stän­den ver­un­rei­nigt. Die bun­ten, stark schwer­me­tall­hal­ti­gen Far­ben der Stof­fe grei­fen die Haut an und füh­ren zu einer stän­di­gen Rei­zung. Die Fol­ge ist der soge­nann­te  Sari-Haut­krebs, der ent­lang der Hüf­ten der Frau­en auf­tritt, und zu Schup­pen­bil­dung oder Pig­ment­stö­run­gen führt.

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5. Dienstmädchen ahoi

Für Men­schen der Mit­tel- und Ober­schicht in Indi­en gehö­ren ange­stell­te Dienst­mäd­chen zum All­tag. Sie küm­mern sich um den Haus­halt, berei­ten Mahl­zei­ten zu und erle­di­gen die Ein­käu­fe. Dabei ist ihre Arbeits­kraft so güns­tig, dass es nichts Außer­ge­wöhn­li­ches ist, wenn selbst ein 30-jäh­ri­ger Sin­gle drei Män­ner und Frau­en beschäf­tigt, die sechs Tage in der Woche bei­na­he rund um die Uhr für ihn arbei­ten. Mor­gens berei­ten sie den Tee frisch zu, zur Mit­tags­pau­se oder nach Fei­er­abend steht das Essen bereits damp­fend auf dem Tisch. Auch in der Abwe­sen­heit ihres Arbeit­ge­bers haben sie immer etwas zu tun. So wird geputzt oder Wäsche gewa­schen. Ihre Arbeit ist so mäßig bezahlt, dass ihre schweiß­trei­ben­de Hand­wä­sche güns­ti­ger ist, als die Anschaf­fung einer Wasch­ma­schi­ne.

6. Seifenopern des Lebens

Der Fern­se­her steht im Mit­tel­punkt der meis­ten indi­schen Haus­hal­te. Auch wenn das Pro­gramm nicht inten­siv ver­folgt wird, läuft der Fern­se­her den gan­zen Tag im Hin­ter­grund und strahlt die schil­lernds­ten indi­schen Sei­fen­opern und Spiel­fil­me in die Wohn­zim­mer des Lan­des. Die Hand­lung ist dabei stets die Glei­che. Es geht um die unglück­li­che, weil uner­füll­te Lie­be, die an den elter­li­chen Anfor­de­run­gen oder Unter­schie­den in Reli­gi­on, Kas­te oder sozia­ler Klas­se schei­tert. Zweit­häu­figs­tes The­ma ist die schwie­ri­ge Bezie­hung der frisch ver­hei­ra­te­ten Frau zu ihrer Schwie­ger­mut­ter. Nach einer Hoch­zeit ist es in Indi­en üblich, dass die Frau mit ihrem Mann zu sei­ner Fami­lie zieht. In den Sei­fen­opern wird die frisch Ver­mähl­te meist von der hin­ter­häl­ti­gen Schwie­ger­mut­ter zur Haus­ar­beit ver­don­nert oder ist ihren Intri­gen und Sti­chel­lei­en schutz­los aus­ge­lie­fert.

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7. McDonalds ohne Rindfleisch

Kühe gel­ten im hin­du­is­ti­schen Indi­en als hei­lig. Daher bie­ten die zahl­rei­chen McDo­nalds-Filia­len in den gro­ßen Städ­ten kein Rind­fleisch an. Dort gibt es weder den Big Mac noch einen übli­chen Cheese­bur­ger zu kau­fen. Hier wer­den neue, auf den indi­schen Geschmack ange­pass­te Bur­ger ange­bo­ten, die meist Hühn­chen­fleisch ent­hal­ten und sehr scharf gewürzt sind: unter ande­rem der Maha­ra­ja Mac, den McSpi­cy Chi­cken oder den Big­S­pi­cy Paneer Wrap.

8. Lecker Pappe

Indi­sche Kühe fres­sen ger­ne Pap­pe und Papier. Wäh­rend ich gera­de in einem Café auf mei­ne Tas­ta­tur tip­pe, kam soeben eine gro­ße, hell­brau­ne Kuh auf die Ter­ras­se geschlen­dert, quetsch­te sich ziel­ge­rich­tet durch Tische und Stüh­le hin­durch, klau­te die gefal­te­te Tages­zei­tung vom Tisch und fraß sie in aller See­len­ru­he auf.

9. Schmuggelware Kuh

In Indi­en sind Kühe hei­lig. Jedoch wer­den jähr­lich bis zu zwei Mil­lio­nen Rin­der ins benach­bar­te Ban­gla­desch geschmug­gelt. Auf den grenz­na­hen Vieh­märk­ten im mus­li­mi­schen Nach­bar­land wer­den die indi­schen Tie­re ein­fach auf dem Papier zu ban­gla­de­schi­schen Kühen umge­schrie­ben. Mit­samt neu­er, gefälsch­ter Papie­re wer­den sie dann direkt in die Schlacht­häu­ser nach Dha­ka trans­por­tiert. Der rege Kuh­schmug­gel sichert ein gutes Ein­kom­men, brin­gen die Tie­re auf dem ban­gla­de­schi­schen Markt doch dop­pelt so viel ein, wie auf dem indi­schen Markt.

Der hin­du-natio­na­lis­ti­sche Pre­mier­mi­nis­ter Indi­ens, Naren­dra Modi, möch­te die­sen ille­ga­len Han­del ger­ne unter­bin­den. Um die hei­li­gen Kühe zu schüt­zen, beauf­tragt er 30.000 indi­sche Grenz­sol­da­ten damit, den Kuh­schmug­gel an der Gren­ze zu Ban­gla­desch zu stop­pen. Doch mit den Regeln und Geset­zen ist es in Indi­en so eine Sache. Modis Maß­nah­men blei­ben wei­test­ge­hend erfolg­los. Aus ihnen resul­tie­ren ledig­lich ris­kan­te­re Schmug­gel­rou­ten und höhe­re Bestechungs­gel­der. Mitt­ler­wei­le wer­den die Tie­re meist nachts in gro­ßen Her­den über uner­schlos­se­ne und schwer zugäng­li­che Grenz­ab­schnit­te nach Ban­gla­desch getrie­ben, was den Stress der Tie­re noch mal immens erhöht.

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10. Leichen verboten

Schil­der in der Metro in Neu-Delhi ver­bie­ten den Trans­port von Lei­chen oder Lei­chen­tei­len, mensch­li­chen Ske­let­ten und Dün­ge­mit­teln jeg­li­cher Art.

11. Verkackt und zugenäht

70 % der Bevöl­ke­rung in Indi­en hat kei­nen Zugang zu sani­tä­ren Anla­gen. Gekackt wird aus die­sem Grund drau­ßen. Beliebt sind Strän­de und offe­ne Grün­flä­chen. Mor­gend­li­che Spa­zier­gän­ge am Strand oder irgend­wo den Son­nen­auf­gang beob­ach­ten wol­len, endet schnell in einer unan­ge­neh­men Situa­ti­on für bei­de Sei­ten. So offen der Toi­let­ten­gang in Indi­en auch getä­tigt wird, so beschä­mend ist er doch für die meis­ten. Frau­en brin­gen sich durch nächt­li­che Toi­let­ten­gän­ge zudem auch immer in Gefah­ren­si­tua­tio­nen. An den tou­ris­ti­schen Strän­den und in Wohn­ge­gen­den der Rei­chen ver­bie­ten Schil­der den öffent­li­chen Toi­let­ten­gang und dro­hen mit einer Geld­stra­fe.

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12. 2%

Nur zwei Pro­zent der Bevöl­ke­rung in Indi­en zah­len Steu­ern. Die rest­li­chen 98% ver­die­nen zu wenig, als dass sie Steu­ern zah­len müss­ten oder fin­den ande­re Wege, um den Steu­er­zah­lun­gen zu ent­kom­men. Indi­ens kom­plet­te Staats­aus­ga­ben, wer­den also von einem win­zi­gen Bruch­teil der Bevöl­ke­rung finan­ziert.

13. Zwischen Chinooks und Black Hawks – indische Helikoptereltern

Indi­sche Eltern sind immer da. Sie bestim­men in der Regel, was ihre Kin­der stu­die­ren, wel­chem Beruf sie nach­ge­hen, wo sie woh­nen und wen sie hei­ra­ten. Den Kin­dern kommt es gar nicht in den Sinn, ihren Eltern zu wider­spre­chen, auch wenn sie sich ein ganz ande­res Leben wün­schen und so arran­gie­ren sie sich zwangs­läu­fig mit den Vor­stel­lun­gen ihrer Eltern.

14. Ödes Hausfrauenleben

Das Leben indi­scher Haus­frau­en der Mit­tel- und Ober­schicht ist ziem­lich öde. Was soll man als Haus­frau auch den gan­zen Tag tun, wenn meh­re­re Haus­halts­hil­fen einem jede mög­li­che Arbeit abneh­men? Gibt es kei­nen Haus­halt, um den man sich selbst küm­mern muss, ist das Haus­frau­en­da­sein obso­let. Doch die Frau­en wis­sen sich zu hel­fen. Vor allem Klatsch und Tratsch, die qua­si rund um die Uhr lau­fen­den Sei­fen­opern und natür­lich die Kin­der ver­trei­ben die aku­te Lan­ge­wei­le. Wir haben häu­fig erlebt, dass erwach­se­ne Män­ner alle 30 Minu­ten von ihren Müt­tern ange­ru­fen wer­den. Die Für­sor­ge der (erwach­se­nen) Kin­der scheint für jene die ein­zi­ge Lebens­auf­ga­be zu sein.

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15. Hoch lebe die Armee

Im Groß­teil der indi­schen Bevöl­ke­rung herrscht eine beängs­ti­gen­de Affi­ni­tät für Waf­fen, Krieg und die Armee. Schlen­dert man durch Muse­en in Indi­en, sieht man die Ein­hei­mi­schen an den schöns­ten Gemäl­den und Skulp­tu­ren, an Zeug­nis­sen ihrer Jahr­tau­sen­de alte Kul­tur vor­bei­ra­sen. Sie wol­len zur Abtei­lung mit den Waf­fen, den Schwer­tern, den Rüs­tun­gen, den Geweh­ren. Hier gibt es kaum ein Durch­kom­men. Sel­fies wer­den mit Gegen­stän­den geschos­sen, die kei­nem ande­ren Zweck die­nen, als Men­schen zu töten. Klei­ne und gro­ße Jungs geben sich ihrer Eksta­se mit stän­di­gem „Pow Pow Pow“ Gebrüll hin.

Ist irgend­wo im öffent­li­chen Raum ein Pan­zer oder gar ein Kampf­flug­zeug aus­ge­stellt, ver­sam­meln sich die Ein­hei­mi­schen in Scha­ren und berüh­ren das Kriegs­ge­rät ehr­fürch­tig. Sie kön­nen gar nicht genug davon bekom­men. Dut­zen­de Fotos wer­den geschos­sen und sofort irgend­wo online gestellt. Offi­zie­re und Sol­da­ten der indi­schen Armee haben einen unge­bro­che­nen Rück­halt in der Bevöl­ke­rung und wer­den mit Respekt qua­si über­häuft. Das groß­flä­chi­ge Pro­pa­gan­da­pro­gramm der Regie­rung trägt ihren Teil mit kit­schi­gen, über­gro­ßen Pla­ka­ten dazu bei, die beson­ders in den Grenz­ge­bie­ten des Lan­des zu fin­den sind. Sie zei­gen etwa die Sil­hou­et­ten bewaff­ne­ter Sol­da­ten vor einem Son­nen­un­ter­gang, über denen in gro­ßen Let­tern die Wor­te „Our heros“ pran­gen.

16. „No means no“, oder etwa nicht?!

Das Nach­stel­len von Mäd­chen und Frau­en hat in indi­schen Bol­ly­wood-Fil­men Tra­di­ti­on. In den meis­ten Schmon­zet­ten der indi­schen Film­in­dus­trie beob­ach­tet man immer wie­der den­sel­ben Plot: Der Mann zeigt Inter­es­se an einer Frau, wird aber von die­ser abge­wie­sen. Doch er gibt nicht auf, stellt ihr nach, ver­folgt sie. Man kann getrost von wochen- und mona­te­lan­gem Stal­king spre­chen. Am Ende über­zeugt der Prot­ago­nist die Frau jedoch immer von sei­ner tie­fen Lie­be und erobert ihr Herz. Dass sich die Frau am Anfang zunächst ziert ist Teil der indi­schen Zurück­hal­tung, die hier von den Mäd­chen und Frau­en erwar­tet wird. Wäh­rend Anti-Ver­ge­wal­ti­gungs-Kam­pa­gnen im Land mit dem Slo­gan „No means no“ wer­ben, pro­pa­gie­ren die Fil­me Bol­ly­woods, die erheb­lich zur Mei­nungs­bil­dung im kino-ver­rück­ten Land bei­tra­gen, eine ande­re Ansicht. Hier heißt „No“ ledig­lich „ver­su­che es wei­ter“.

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17. Schick im Alltag

Das belieb­tes­te Klei­dungs­stück für Män­ner in Indi­en ist das geknöpf­te Hemd. Das gilt für alle Alters­klas­sen, für Kin­der, Jugend­li­che oder auch Senio­ren. T‑Shirts sieht man im All­tag kaum. Denn mit einem Hemd ist man in fast allen Situa­tio­nen des Lebens pas­send und schick geklei­det. Dabei erfreu­en sich beson­ders wild gemus­ter­te Hem­den gro­ßer Beliebt­heit. Ein­far­bi­ge Hem­den gel­ten als lang­wei­lig. Je wir­rer das Mus­ter, des­to bes­ser. Beson­ders klas­se sind Hem­den, die mit hun­der­ten klit­ze­klei­ner Schnee­flo­cken, Krin­geln, Punk­ten oder Blü­ten bedruckt sind. So bekommt man extra viel für sein Geld. An zwei­ter Stel­le der Beliebt­heits­ska­la steht das breit gerin­gel­te Polo­hemd. Bun­te Quer­strei­fen, in zwei bis fünf Far­ben wer­den ger­ne getra­gen.

18. Haariges Hören

Zahl­rei­chen Män­nern in Nord­in­di­en wach­sen lan­ge Haa­re in Büscheln aus den Ohren. Echt.

19. It›s never too dark to be cool

Indi­sche Män­ner ste­hen auf Pilo­ten­bril­len mit dün­nem Gold­rand. Für sie gibt es nichts Coo­le­res. Für Sel­fies und Ein­zel­auf­nah­men hel­fen sie sich ger­ne gegen­sei­tig aus der Pat­sche und rei­chen die Son­nen­bril­le ein­fach an ihre Freun­de wei­ter. Vor jedem Foto strei­chen sie noch ein­mal groß­zü­gig mit der rech­ten Hand über die Haa­re, um die Fri­sur in einem idea­len Zustand zu wis­sen. So ent­ste­hen die schöns­ten Boy Group Fotos im Stil der 90er Jah­re.

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20. Dauerhafter Hörverlust durch Lärmbelastung

Der andau­ern­de Lärm in Indi­ens Groß­städ­ten ver­ur­sacht mit der Zeit bei vie­len Men­schen einen stark ver­min­der­ten Hör­sinn, der bis zum dau­er­haf­ten Hör­ver­lust füh­ren kann. Stu­di­en bele­gen, dass drei von vier Poli­zis­ten, die täg­lich Strei­fe in einer der Mega­städ­te Indi­ens fah­ren, in rela­tiv kur­zer Zeit an per­ma­nen­tem Hör­ver­lust lei­den. Die Wahr­schein­lich­keit nach vier Jah­ren in die­sem Beruf an Schwer­hö­rig­keit zu erkran­ken, liegt bei fast 100%. In Kal­kut­ta lei­den 4 von 10 LKW-Fah­rern unter einem dau­er­haf­ten Ver­lust ihres Gehörs. Grund dafür ist der Lärm der gro­ßen Fahr­zeu­ge, die täg­lich durch die Städ­te rol­len. Cir­ca 170.000 LKWs, Bus­se, Mini­bus­se und Taxis fah­ren täg­lich nur durch Kal­kut­ta. Das per­ma­nen­te Hupen in Indi­en trägt einen Groß­teil zur Geräusch­be­las­tung bei. Wer­te von 100 Dezi­bel im indi­schen Groß­stadt­ver­kehr sind die Regel. Das ent­spricht dem Lärm einer auf Hoch­tou­ren lau­fen­den Ket­ten­sä­ge, direkt neben dem Ohr.

21. Müll

In Indi­en gibt es kei­ne gere­gel­te Müll­ab­fuhr. Der Abfall, der in einem Haus­halt ent­steht, wird ver­brannt oder ein­fach hin­ter das Haus gewor­fen. Im All­tag wird Müll – Ver­pa­ckun­gen jeg­li­cher Art – oft noch am Ort der Ent­ste­hung lie­gen gelas­sen. Bon­bon­pa­pier fällt im Gehen auf die Stra­ße, Plas­tik­fla­schen flie­gen in Büsche, Chips­tü­ten wehen über den Asphalt.

Gene­rell ist Müll in Indi­en ein gro­ßes Pro­blem. Klei­ne und gro­ße Müll­hal­den exis­tie­ren über­all. Abge­se­hen von eini­gen weni­gen Orten ist es schwie­rig, einen Platz in Indi­en zu fin­den, an dem kein Müll liegt. Auch fehlt das Bewusst­sein für die Her­aus­for­de­rung, die der Müll für die Natur bedeu­tet. Pro­ble­ma­tisch ist vor allem Indi­ens gro­ße Popu­la­ti­on und die damit ver­bun­de­ne Men­ge an Abfall. Recy­cel­sys­te­me gibt es nicht und auch die Bereit­schaft Müll zu ver­mei­den ist nicht ver­brei­tet. Aber selbst wir, mit dem euro­pä­isch geschul­ten Müll­ver­ständ­nis, kön­nen nichts aus­rich­ten. Auch wenn wir unse­ren täg­lich pro­du­zier­ten Müll bis ins Hotel mit­schlep­pen, wird er vom Per­so­nal am nächs­ten Tag auch nur irgend­wo am Stra­ßen­rand ent­sorgt. Nach Schät­zun­gen des indi­schen Umwelt­mi­nis­te­ri­ums wer­den im Jahr 2030 rund 165 Mil­lio­nen Ton­nen Müll in Indi­en anfal­len.

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22. Krankheiten des Westens

Krank­hei­ten wie Herz-Kreis­lauf-Pro­ble­me, Dia­be­tes und Krebs sind mitt­ler­wei­le Grund für jeden zwei­ten Todes­fall in Indi­en. 2015 wur­den etwa 70 Mil­lio­nen Inder mit Dia­be­tes dia­gnos­ti­ziert.  Das ent­spricht 9 % der erwach­se­nen Bevöl­ke­rung. Mehr als eine Mil­li­on Inder sind im glei­chen Jahr an den Fol­gen von Dia­be­tes gestor­ben. Das Pro­blem fin­det sich vor allem in Indi­ens Mega­städ­ten Neu-Delhi, Mum­bai, Chen­nai und Kal­kut­ta: Hier lei­det jeder Fünf­te an einer Kom­bi­na­ti­on aus Blut­hoch­druck und Dia­be­tes. Beson­ders schlimm trifft es die Finanz­me­tro­po­le Mum­bai. Fast 70% lei­den hier ent­we­der an Dia­be­tes oder Blut­hoch­druck oder bei­dem. In den nächs­ten 20 Jah­ren, so wird erwar­tet, soll die Zahl der Erkran­kun­gen um 150% anstei­gen.

Die Ursa­che für den explo­si­ons­ar­ti­gen Anstieg an Dia­be­ti­kern in Indi­en wird im Lebens­wan­del der neu­en Mit­tel­schicht ver­mu­tet. Die Umstel­lung auf west­li­ches, nicht-vege­ta­ri­sches Essen trägt dazu bei. Piz­za, Bur­ger und Cola gel­ten der neu­en Mit­tel­schicht Indi­ens als west­li­che Sta­tus­sym­bo­le, mit der sie sich nur all­zu ger­ne schmückt. Bei McDo­nalds zu essen ist cool. Der Bewe­gungs­man­gel, der mit dem stei­gen­den Wohl­stand ein­her­geht, kommt tra­gisch hin­zu. Ein Auto ist ele­men­tar im neu­en, kom­for­ta­blen Leben der indi­schen Mit­tel­schicht. Stress im Job und lan­ge Büro-Arbeits­zei­ten las­sen dar­über hin­aus kei­ne Zeit für Sport oder gesun­de Ernäh­rung.

Wäh­rend die Bevöl­ke­rung auf dem Land noch har­te, kör­per­li­che Arbeit ver­rich­tet, gilt kör­per­li­che Arbeit und Bewe­gung in der Mit­tel- und Ober­schicht Indi­ens als ver­pönt. Die Haus­ar­beit wird von Dienst­mäd­chen oder elek­tri­schen Haus­halts­ge­rä­ten ver­rich­tet, jeder Gang wird mit dem Auto, dem Taxi oder der Auto-Rik­scha abge­kürzt. Es scheint, dass die rei­chen Inder am liebs­ten kei­nen Meter zu Fuß auf den stau­bi­gen, oft zuge­müll­ten und über­füll­ten Stra­ßen des Lan­des zurück­le­gen wol­len. Auch Fahr­rad fah­ren nur die­je­ni­gen, die sich kein moto­ri­sier­tes Fahr­zeug leis­ten kön­nen. Die sen­gen­de Son­ne bringt sie nicht nur ins Schwit­zen, sie ver­dun­kelt auch den Teint, was stil­be­wuss­te Inder um jeden Preis ver­mei­den wol­len.

Der aku­te Bewe­gungs­man­gel ist nicht nur dem neu­en Lebens­stil, son­dern manch­mal auch der Situa­ti­on im Land geschul­det. In den über­füll­ten Städ­ten Indi­ens haben vie­le Schu­len aus Platz­man­gel häu­fig nicht ein­mal einen Spiel‑, geschwei­ge denn einen Sport­platz.

23. Giftiges Obst und Gemüse

Bei der Benut­zung von Pes­ti­zi­den, die beim Anbau von Gemü­se und Obst ver­wen­det wer­den, gibt es in Indi­en kei­ne Kon­trol­len. Ledig­lich beim Export wer­den bestimm­te Kri­te­ri­en beach­tet. Vie­len Bau­ern in Indi­en fehlt das Wis­sen über die schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen ihrer Pes­ti­zi­de. Oft ver­tei­len Arbei­ter, dar­un­ter auch schwan­ge­re Frau­en, die Gif­te ohne Mund­schutz oder ande­re Prä­ven­ti­ons­klei­dung auf den Fel­dern. In Indi­en liegt die Pes­ti­zid­be­las­tung auf Blu­men­kohl etwa 200 Mal über der EU-Norm. Dies hängt zusam­men mit der „Grü­nen Revo­lu­ti­on“, die Ende der Sech­zi­ger Jah­re die land­wirt­schaft­li­che Pro­duk­ti­on in Indi­en stei­gern soll­te. In Fol­ge des­sen wur­den immer mehr Kunst­dün­ger, Pes­ti­zi­de und Hoch­er­trags­sor­ten ver­wen­det. Zwar wuchs so die Pro­duk­ti­on von Nah­rungs­mit­teln, aber die über­mä­ßi­ge Benut­zung der natür­li­chen Res­sour­cen führ­te zur Absen­kung des Grund­was­ser­spie­gels und zur Ver­sal­zung des Bodens. Zudem sind Pes­ti­zi­de und Kunst­dün­ger für gesund­heit­li­che Pro­ble­me der indi­schen Bevöl­ke­rung ver­ant­wort­lich. Eine Stu­die des indi­schen Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums unter­such­te Obst, Gemü­se und Milch und stell­te auf 2.500 von 20.000 Pro­ben sogar Rück­stän­de ille­ga­ler Pes­ti­zi­de fest.

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  1. Avatar von Manuela Pastore

    Schö­ner Blog. Indi­en ist unglaub­lich lehr­reich, kon­tras­tie­rend und wer etwas vom Leben in Schnell­tem­po ver­ste­hen will, soll­te unbe­dingt ein paar Wochen dort sein und mög­lichst offen und unor­ga­ni­siert Men­schen und Din­gen begeg­nen. Indi­en ist nicht anders, nur kras­ser. Eine Welt der Mög­lich­kei­ten. Und eine Welt, die sicher­lich auch scho­ckiert, weil sie eben nicht so ein­sei­tig ist, wie wir im Wes­ten häu­fig mei­nen. Ich fra­ge mich nach vie­len Jah­ren, in denen ich Mana­ger der west­li­chen Welt in Lea­der­ship­wo­chen mit indi­schen Dör­fern und Men­schen zusam­men­brin­ge, wer eigent­lich wen ent­wi­ckelt bzw. ob unse­re Wer­te tat­säch­lich erstrebenswert(er) sind.… viel­leicht habt ihr mal Lust auf mehr und schaut in mei­nem Blog goindiagofuture.com vor­bei. Neh­me auch ger­ne Gast­bei­trä­ge ( in Eng­lisch)

  2. Avatar von A+K Weltenbummler

    Da habt Ihr aber echt weit hin­ter die Kulis­sen geschaut. Unse­re fünf Wochen Auf­ent­halt in Indi­en (Delhi, Kera­la und Goa) waren eine extre­me Erfah­rung. Schon bei der Rei­se­pla­nung wuss­ten wir, dass Indi­en eini­ges von uns ver­lan­gen wird. Unse­re Vor­stel­lun­gen wur­den in allen Rich­tun­gen weit über­trof­fen, posi­tiv wie nega­tiv. Indi­en ist spe­zi­ell.

    1. Avatar von Morten und Rochssare
      Morten und Rochssare

      Indi­en ist wirk­lich spe­zi­ell, man kann es nicht anders in Wor­te fas­sen. Ein fas­zi­nie­ren­des Land, bis­wei­len unglaub­lich, anstren­gend und bele­bend zugleich. Indi­en for­dert her­aus.

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