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Win­ter­flucht auf Bra­si­lia­nisch – Reise ent­lang der Ostküste

Bra­si­lien stand seit Jah­ren ganz oben auf mei­ner Liste. Als aus­ge­mach­ter Por­tu­gal­fan war ich neu­gie­rig. Wie würde es wohl sein, das rie­sige Land auf der Süd­halb­ku­gel, das nach Flä­che annä­hernd so groß ist wie Europa? Gibt es nach über 300 Jah­ren Kolo­ni­al­herr­schaft der Por­tu­gie­sen Ähn­lich­kei­ten mit dem klei­nen Land im Wes­ten der Ibe­ri­schen Halb­in­sel oder ist es eine Welt für sich? 

Nach lan­gen Über­le­gun­gen die Rei­se­route betref­fend, fiel die Ent­schei­dung (nicht zuletzt auf­grund des Zeit­fak­tors und der Flug­ver­bin­dun­gen) auf Rio de Janeiro, Tran­coso und Recife. Der Ama­zo­nas, die Was­ser­fälle von Iguaçu, Sal­va­dor de Bahia oder auch die Insel­welt von Fer­nando de Noronha wür­den erst mal war­ten müssen…

Über­ra­schen­der Weise reagierte mein Umfeld auf unsere Urlaubs­ab­sich­ten anstelle mit Begeis­te­rung eher mit Zwei­feln. Bra­si­lien, ernst­haft? Ist das nicht viel zu gefähr­lich? Gras­siert da nicht das Den­gue-Fie­ber? Viel zu teuer! Da gibt es doch Haie. Nicht, dass du von den Strän­den ent­täuscht bist.
Um es vor­weg­zu­neh­men: Bra­si­lien ist wun­der­schön – sowohl land­schaft­lich als auch hin­sicht­lich der Men­ta­li­tät der Men­schen, ihrer Kul­tur, Geschichte und nicht zuletzt kulinarisch.

Unsere Reise beginnt Ende Dezem­ber. Es ste­hen nicht nur Weih­nach­ten und Sil­ves­ter vor der Tür, son­dern in Bra­si­lien sind Som­mer­fe­rien. Die Schu­len blei­ben bis Kar­ne­val geschlos­sen. Es ist Fami­li­en­zeit. Abso­lute Hoch­sai­son. Teuer ja, sehr sogar! Egal. Ein­mal Sil­ves­ter an der Copa­ca­bana – mit einem Drink in der Hand und den Füßen im Sand… 

Barra de Tijuca – moder­ner Stadt­teil und grüne Oase

Wir lan­den früh­mor­gens in Rio de Janeiro. Ich bin vom ers­ten Moment an wie elek­tri­siert. Lässt sich von hier aus bereits der Cor­co­vado sehen? Oder viel­leicht der Zucker­hut? Erst ein­mal ste­hen wir blass und viel zu warm ange­zo­gen in der Schlange zur Immi­gra­tion. Und tat­säch­lich würde ich mich in puncto Sehens­wür­dig­kei­ten noch einige Tage gedul­den müssen.

Unsere erste Sta­tion ist Barra de Tijuca, eine gute Auto­stunde vom Flug­ha­fen ent­fernt und, je nach Ver­kehr, ca. eine halbe Stunde west­lich von Ipan­ema. Der größte und bevöl­ke­rungs­reichste Stadt­teil von Rio wurde bereits in den 1970er Jah­ren ent­wi­ckelt und im Zuge der Olym­pi­schen Spiele von 2016 noch ein­mal stark aus­ge­baut. Mil­li­ar­den Reais wur­den in die Infra­struk­tur inves­tiert und so ist Barra de Tijuca heute ein moder­ner und äußerst begehr­ter Ort zum Woh­nen und Urlau­ben mit einer brei­ten Aus­wahl an Shop­ping­malls, Restau­rants, Bars und Clubs. Hin­ter einem 10 km lan­gen Fein­sand­strand (zwi­schen Praia do Recreio im Wes­ten und Pier da Barra im Osten) ver­tei­len sich ver­schie­dene Natur­schutz- und Nah­erho­lungs­ge­biete nebst zwei Golf­plät­zen (Olym­pic Golf Course und Itan­hangá Golf Club). Der umlie­gende Atlan­ti­sche Regen­wald, Man­gro­ven­wäl­der und Lagu­nen las­sen die ursprüng­li­che Vege­ta­tion erahnen. 

Unser Hotel hat Strand­lage, nur getrennt durch die vier­spu­rige Ave­nida Lúcio Costa. Nach­dem wir ein­ge­checkt und unsere Win­ter­kla­mot­ten gegen Bade­sa­chen getauscht haben, machen wir uns auf an den Praia da Barra. Wei­ßer Sand, azur­blaues Was­ser und aus­rei­chend Son­nen­schirme bil­den die Kulisse für unse­ren 1. Weih­nachts­tag. Feliz Natal!

Natür­lich hatte ich mich im Vor­feld zum Thema Baden erkun­digt – rund um Rio kann man sorg­los ins Was­ser gehen, wenn­gleich man auf­grund des mit­un­ter star­ken Wel­len­gangs auf­pas­sen sollte. Ich bin den Atlan­tik gewohnt und gleich­zei­tig über­rascht, wie warm hier das Was­ser ist. 

Am Mit­tag keh­ren wir ein in eines der etli­chen „Pos­tos“ ent­lang der Strand­pro­me­nade. Die Strand­re­stau­rants und Beach­clubs ser­vie­ren fri­sche lokale Köst­lich­kei­ten. Der Ser­vice ist super­freund­lich, die Preise mode­rat und das Essen top. Wir pro­bie­ren Cas­quinha de Siri (mit Krab­ben­fleisch gefüllte Muschel­scha­len), Cevi­che (in Limet­ten­saft mari­nier­ter roher Fisch) und Moqueca (Fisch­ein­topf). Mmmmhh… que bom!

Hin­weis: Die Por­tio­nen sind grund­sätz­lich eher groß und rei­chen, je nach Appe­tit, locker für zwei Per­so­nen. Natür­lich gibt es in Bra­si­lien auch ein gro­ßes Ange­bot an für uns Euro­päer gän­gige Küchen – sei es Ita­lie­nisch, Bur­ger oder auch Japa­nisch. Doch ver­su­chen Sie unbe­dingt die bra­si­lia­ni­schen Spei­sen, Sie wer­den erstaunt sein, welch exo­ti­sche Geschmacks­er­leb­nisse sich auftun. 

Die kom­men­den Tage gewöh­nen wir uns an die Zeit­ver­schie­bung und das tro­pi­sche Klima, indem wir dem Müßig­gang am Beach frö­nen. Bei Tem­pe­ra­tu­ren um die 30 Grad und hoher Luft­feuch­tig­keit sind wir über­rascht, wie viele Men­schen täg­lich ent­lang der Strand­pro­me­nade Jog­gen und Rad­fah­ren oder auf der Mara­pendi-Lagune Rudern und Stand Up Paddeln.

Rio de Janeiro – kul­tu­rel­les Erbe und bra­si­lia­ni­sche Lebensfreude 

Dann wird es Zeit für einen Loca­ti­on­wech­sel. Wir ver­las­sen das beschau­li­che Barra de Tijuca und zie­hen um in das quir­lige Ipan­ema im Süden Rios. Nur getrennt durch den „Pedra do Arpoa­dor“ (belieb­ter Spot der jun­gen Cario­cas bei Son­nen­un­ter­gang!) grenzt der Strand von Ipan­ema gleich an die welt­be­rühmte Copa­ca­bana. Beide Vier­tel sind bekannt für ihr leben­di­ges und kos­mo­po­li­ti­sches Flair. Strand­kul­tur und Lebens­freude sind omni­prä­sent. Ein biss­chen erin­nert mich die Mischung aus Frei­luft-Gyms, Kör­per­kult und einem Hauch von Extra­va­ganz an South Beach, Miami. I love it! 

Am nächs­ten Tag prä­sen­tiert uns Walmir seine Stadt. Unser Guide spricht acht Spra­chen flie­ßend und führt uns ein­mal quer­feld­ein. Wir besu­chen das Künst­ler­vier­tel Santa Teresa und die berühm­ten „Esca­da­ria Sel­arón“ in Lapa. Das his­to­ri­sche Zen­trum steht ebenso auf dem Plan wie die berühmte Tri­bü­nen­straße „Sam­bó­dromo“. In Lagoa stei­gen wir an der „Estação do Cosme Velho“ in die Zahn­rad­bahn, die uns zum 710m hohen Cor­co­vado bringt. Lei­der hüllt sich Cristo Reden­tor an dem Tag in einen Nebel­man­tel, der prak­tisch nichts erken­nen lässt. Umso lau­ter ist der Jubel, als nach kur­zer War­te­zeit die Wol­ken für einen kur­zen Moment auf­rei­ßen und den Blick auf die impo­sante Sta­tue frei geben (Hin­weis: Ach­ten Sie auf das Wet­ter – auch wenn es in der Stadt warm ist, kann es oben win­dig, kühl und reg­ne­risch sein). 

Am Abend besu­chen wir eine klas­si­sche „Chur­ras­ca­ria“. In der Regel zahlt man in den Loka­len eine Pau­schale und kann nach Belie­ben, und wie es der Appe­tit zulässt, ver­schie­dene gegrillte Fleisch­sor­ten pro­bie­ren, die einem die Kell­ner im „rodí­zio“ Prin­zip (in Rota­tion) direkt am Tisch ser­vie­ren. Muito delicioso!

Für den nächs­ten Nach­mit­tag haben wir eine Boots­tour durch die Gua­nab­ara Bucht gebucht. Ab Marina da Glória führt die 3‑stündige Segel­tour bei mari­ti­mer Lounge-Musik ent­lang ver­schie­de­ner Sehens­wür­dig­kei­ten, dar­un­ter natür­lich dem Zucker­hut. End­lich! Nach einem Bade­stopp in der para­die­si­schen Bucht des Praia de Forte Branco pas­sie­ren wir Niterói auf der gegen­über­lie­gen­den Seite der Bucht und die Ponte Rio-Niterói, die zweit­längste Spann­be­ton­brü­cke der Welt, bevor wir in den Hafen zurückkehren. 

Copa­ca­bana und die größte Party des Jahres

Das Jah­res­ende naht und obwohl Hotels und Restau­rants zuneh­mend besuch­ter sind, wirkt die Stadt in kei­ner Weise über­voll. Ein­zig an der Copa­ca­bana erfol­gen bereits seit eini­gen Tagen die Auf­bau­ten für die größte Party des Jah­res. Meh­rere Büh­nen ver­tei­len sich über den vier Kilo­me­ter lan­gen Strand­ab­schnitt und vor den Top-Loca­ti­ons wer­den die Außen­be­rei­che für die Gäste groß­räu­mig abge­sperrt. So kommt auch der Auto­ver­kehr auf dem 6‑spuringen Bou­le­vard der Ave­nida Atlan­tica rund um das Neu­jahrs­fest kom­plett zum Erlie­gen. Beste Gele­gen­heit für einen aus­führ­li­chen Spa­zier­gang, Jog­ging­runde oder Fahr­rad­tour. Wir ver­brin­gen den Tag am Strand. Anders als in Barra de Tijuca hat das Meer hier mehr Strö­mung und die Strände sind ins­ge­samt wesent­lich fre­quen­tier­ter. Neben den pro­vi­so­ri­schen Strand­bars („Quios­ques“ oder auch „Bar­ra­cas“ genannt), die neben der Ver­mie­tung von Schir­men und Lie­gen auch Snacks und Getränke ver­kau­fen, tei­len sich unzäh­lige Strand­ver­käu­fer das begehrte Ter­rain. Bril­len, Taschen, Bade­mode, Drinks und Spei­sen in etli­chen Vari­an­ten wer­den hier quasi wie im Staf­fel­lauf von allen Sei­ten ange­bo­ten. Chill­out lei­der Fehl­an­zeige, also erge­ben wir uns kampf­los der quir­li­gen Atmosphäre. 

Für den Abend haben wir in einem der zahl­rei­chen Restau­rants an dem wohl berühm­tes­ten Strand der Welt reser­viert. Wie so häu­fig auf die­sen Events ist das Essen knapp und die Geträn­ke­aus­wahl mini­miert (Hin­weis: der Bra­si­lia­ner an sich trinkt zum Essen eher Long­drinks, denn Wein oder Bier!). Aber was soll’s – der Ser­vice ist super­freund­lich, die Leute sind gut drauf und wir sit­zen, am 31. Dezem­ber, in Som­mer­klei­dung und mit Flip­flops unter freiem Himmel. 

Ob Jung oder Alt oder Fami­lien mit Kin­dern – es scheint, die halbe Stadt kommt am Abend an den beleuch­te­ten Strand, um hier die letz­ten Stun­den des Jah­res bei mil­den Tem­pe­ra­tu­ren und rhyth­mi­schen Klän­gen zu genie­ßen. Wer zei­tig vor Ort ist, rich­tet sich samt Kühl­truhe im Sand ein. Aus der Tra­di­tion her­aus sind die meis­ten Men­schen am Sil­ves­ter­abend in weiß geklei­det, als Zei­chen für Rein­heit und Frie­den. Sie ehren die Mee­res­göt­tin Yemanjá, der sie an Mit­ter­nacht Blu­men ins Meer wer­fen, um für Glück und Wohl­stand für das neue Jahr zu bit­ten. Rund um das rie­sige Feu­er­werk ent­lang der Copa­ca­bana wird gelacht, gefei­ert, gesun­gen und getanzt und die Kin­der plant­schen bis in die frü­hen Mor­gen­stun­den in den seich­ten Wel­len, die lang­sam auf dem brei­ten Strand aus­lau­fen… wir star­ten voll bra­si­lia­ni­scher Lebens­freude in ein Neues Jahr. Cheers!

Alles in allem ist Rio sicher­lich keine pracht­volle Stadt, wenn­gleich das Erbe por­tu­gie­si­scher Blü­te­zei­ten bis heute erkenn­bar ist. Auch die Hoch­haus­ku­lisse ent­lang der Strände von Leblon, Ipan­ema und der Copa­ca­bana muss man mögen. Aber Rio ist unkom­pli­ziert, welt­of­fen, sport­lich, jung und vor allem grün. Kein Wun­der, wurde die Stadt inmit­ten eines Urwalds gebaut, der in Tei­len als „Par­que Nacio­nal de Tijuca“ noch heute existiert. 

Tran­coso – ver­bor­ge­nes Para­dies im Bun­des­staat Bahia 

Unser nächs­ter Stopp ist Porto Seguro im Bun­des­staat Bahía, etwa 2,5 Flug­stun­den nörd­lich von Rio. Wir haben uns für das male­ri­sche Ört­chen Tran­coso ent­schie­den. Herz­stück der von den Por­tu­gie­sen ange­leg­ten ehe­ma­li­gen Sied­lung bil­det das „Quad­rado“, ein qua­dra­ti­scher Dorf­platz nebst klei­ner Kir­che, um den sich zahl­rei­che bunte Häus­chen rei­hen, die heut­zu­tage ver­schie­dene Restau­rants, Bou­tique-Hotels und Geschäfte behei­ma­ten. Das idyl­li­sche Fleck­chen Erde ist beson­ders bei Son­nen­un­ter­gang ein belieb­ter Treff­punkt für Ein­hei­mi­sche und Besu­cher, wenn die Sonne lang­sam in den Atlan­tik taucht und die ent­spannte Atmo­sphäre in pul­sie­ren­des Nacht­le­ben wechselt.

Aber Tran­coso ist auch berühmt für seine üppige Flora und Fauna der umlie­gen­den Natur­schutz­ge­biete und seine kilo­me­ter­lan­gen, wei­ßen Fein­sand­strände vor tür­kis­far­be­nem, herr­lich war­men Was­ser. Unser Hotel liegt in pracht­vol­ler Lage ober­halb des Stran­des. Die roten Fel­sen ent­lang der Küste erin­nern mich auf Anhieb an den Praia da Fále­sia an der Algarve, wenn­gleich die Vege­ta­tion und ihre Bewoh­ner hier natür­lich wesent­lich exo­ti­scher sind. So kommt es vor, dass wir auf dem Weg durch das bewal­dete Ter­rain an Äff­chen oder Faul­tie­ren vor­bei kom­men, die läs­sig in den Bäu­men hän­gen und Blät­ter fut­tern… auch wir nut­zen die Tage für abso­lu­tes Nichts­tun und genie­ßen die Zeit am Meer. Keine Strand­ver­käu­fer, keine kom­mer­zi­el­len Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten, keine Hub­schrau­ber. Die mini­male Geräusch­ku­lisse bil­den der Wind und das end­lose Rau­schen der Wel­len. Natur pur. Ein­zig ein paar Kitesur­fer nut­zen den gegen Mit­tag auf­kom­men­den Wind für einen Tanz mit den Elementen. 

Tipp: Mit dem Ter­ra­vista Golf­platz hat sich Rein­hold Gei­ger, Grün­der und Inha­ber des Kos­me­tik­un­ter­neh­mens L’Oc­ci­tane, sei­nen per­sön­li­chen Golf-Traum erfüllt. Die ers­ten neun Spiel­bah­nen des Par 72 Course ver­lau­fen durch die unbe­rührte Natur des Regen­wal­des, wäh­rend die zwei­ten Neun mit­un­ter direkt ent­lang der Küste ver­lau­fen und einen spek­ta­ku­lä­ren Blick auf den Atlan­tik frei­ge­ben. Die Fair­ways sind schmal und zuwei­len hüge­lig, die Grüns schnell und ondu­liert. Vor allem bei Wind ist stra­te­gi­sches Spiel erfor­der­lich. Lohnenswert!

Porto de Gal­in­has – Natur­strände mit einem Hauch kari­bi­schen Flair

Letzte Sta­tion unse­res Bra­si­li­en­auf­ent­hal­tes ist Recife im Bun­des­staat Per­nam­buco. Für unsere letz­ten Urlaubs­tage haben wir uns im klei­nen Küs­ten­ort Porto de Gal­in­has ein­ge­rich­tet, etwa eine Auto­stunde süd­lich des Flug­ha­fens. Die Region ist bekannt für ihre pal­men­ge­säum­ten Strände, kris­tall­kla­res Was­ser, Natur­pools und Koral­len­riffe. Die arten­rei­che Unter­was­ser­welt bie­tet Tau­chern und Schnorch­lern ein wah­res Para­dies. Keine Bange – auf­grund der vor­ge­la­ger­ten Riffe gilt das Gewäs­ser um Porto de Gal­in­has eben­falls als Hai-sicher. 

Der Küs­ten­strei­fen erstreckt sich über 18 km zwi­schen Praia de Muro Alto im Nor­den und Praia de Mara­caípe im Süden. Unsere Pousada liegt inmit­ten einer klei­nen Pal­men­oase direkt am Strand. Trotz der bra­si­lia­ni­schen Som­mer­fe­rien bleibt „unser“ Abschnitt nahezu men­schen­leer. Bei Ebbe lässt sich die Küste wun­der­bar wei­ter süd­lich Rich­tung Pon­tal de Mara­caípe und Tra­ves­sia de Rio lau­fen. Hier star­ten auch die Boote mit Aus­flü­gen zu den nahe­ge­le­ge­nen Natur­schwimm­be­cken. Am Vor­mit­tag wer­den auf den Sand­bän­ken bei Pon­tal de Mara­caípe pro­vi­so­ri­sche Strand­bars mit Son­nen­schirm und Stüh­len auf­ge­baut, die mit der nahen­den Flut im Laufe des Nach­mit­tags förm­lich im Was­ser ver­sin­ken und bis zum nächs­ten Tag in Sicher­heit gebracht werden. 

Am Abend zieht es uns zum Essen nach Porto de Gal­in­has. Unser Taxi­fah­rer Geni­valdo emp­fiehlt uns wäh­rend der kur­zen Fahrt ver­schie­dene Restau­rants. Der ins­be­son­dere bei Bra­si­lia­nern beliebte Urlaubs­ort ist wuse­lig. Die kopf­stein­ge­pflas­ter­ten Sträß­chen rund um den Haupt­platz („Pra­cinha“) sind gesäumt von blin­ken­den Ver­kaufs­lä­den, Restau­rants, Cafés und Bars mit Live-Musik. Das Leben fin­det wort­wört­lich auf der Straße statt. Doch auch wenn die Atmo­sphäre durch­weg posi­tiv ist, hat Porto de Gal­in­has eher Kir­mes­cha­rak­ter denn authen­ti­sches Flair. Nun denn, wir blei­ben ledig­lich zwei Nächte, daher lässt sich unsere Erwar­tungs­hal­tung auf das Wesent­li­che redu­zie­ren: boa comida e bebida.

Recife – Stadt der Kontraste

Da unser Rück­flug spät am Abend geht, ver­brin­gen wir unse­ren letz­ten Tag in Recife. Ich bin im Vor­feld unse­rer Reise auf Wolf­gang gesto­ßen. Der gebür­tige Wup­per­ta­ler ist hier seit über 30 Jah­ren zuhause und zeigt uns mit Hin­gabe seine Wahl­hei­mat. Die 1,6 Mio. Metro­pole ist vol­ler Kon­traste. Auf der einen Seite die his­to­ri­sche Alt­stadt, Recife Antigo, mit ihren Märk­ten, Kir­chen und man­nig­fal­ti­gen Kolo­ni­al­bau­ten, die die Pracht längst ver­gan­ge­ner Zei­ten erah­nen las­sen. Auf der ande­ren Seite ele­gante Ein­kaufs­zen­tren und moderne Wol­ken­krat­zer, die sich ent­lang des Stadt­stran­des von Boa Via­gem gen Him­mel recken.

Doch wie krass die Gegen­sätze Reci­fes, respek­tive des gesam­ten Lan­des, tat­säch­lich sind, erfah­ren wir wäh­rend des Besuchs eines der zahl­rei­chen Elends­vier­tel. In Abspra­che mit Wol­fang besu­chen wir die Favela von Pei­xin­hos, mit über 5.000 Ein­woh­nern eine der größ­ten der Stadt. Ent­lang des Ufers des Rio Bebe­ribe rei­hen sich über Kilo­me­ter unzäh­lige Bret­ter­ver­schläge und rudi­men­tär gemau­erte Bara­cken mit Well­blech­dach. Flie­ßend Was­ser, Strom und Abwas­ser­ent­sor­gung Fehl­an­zeige. Mensch und Tier tei­len sich den zutiefst ein­fa­chen Raum, der trotz allem begehrt ist und gehan­delt wird. Ver­schie­dene cari­ta­tive Ein­rich­tun­gen ver­su­chen die Bewoh­ner von Pei­xin­hos bei der Suche nach Arbeit, Bil­dung und in ihrer Frei­zeit­ge­stal­tung zu unter­stüt­zen. Ein­fa­che Bür­ger, die selbst nicht viel haben und den­noch ihren Mit­men­schen, die auf der Sozi­al­lei­ter noch wei­ter unten ste­hen, ehren­amt­lich hel­fen. Und wie so häu­fig sind es die Kin­der, die, getrie­ben von ihrer Neu­gier, vor­be­halts­los auf uns zukom­men und Fra­gen stel­len. Natür­lich ist Fuß­ball das Thema Nr. 1.

Schwer vor­stell­bar, aber Pei­xin­hos ist in sich ein leben­di­ges und dyna­mi­sches Vier­tel mit einer star­ken Gemein­schaft. Auch wenn seine Bewoh­ner weit unter der für uns denk­ba­ren Armuts­grenze leben, so haben sie ihren Stolz und ihr Lachen bewahrt. 

„Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“ (Aure­lius Augustinus)

Wir schlu­cken ob der Ein­drü­cke, ehe prompt der nächste Kon­trast folgt. 

Nur einen Kat­zen­sprung ent­fernt liegt Olinda. Die 1535 von den Por­tu­gie­sen gegrün­dete Stadt war bis 1827 die Haupt­stadt Per­nam­bu­cos. Die Alt­stadt von Olinda („die Schöne“) ist ein wah­res Juwel baro­cker Archi­tek­tur und zählt nicht ohne Grund seit 1982 zum UNESCO-Welt­erbe. Aber Olinda ist auch Hoch­burg des bra­si­lia­ni­schen Kar­ne­vals. Es ist Mitte Januar und so fin­den wir uns augen­blick­lich inmit­ten vor­kar­ne­va­lis­ti­scher Ver­an­stal­tun­gen. Ver­schie­dene Kar­ne­vals­grup­pen zie­hen durch das Laby­rinth aus engen Kopf­stein­gas­sen, vor­bei an den klei­nen bun­ten Häus­chen, die das his­to­ri­sche Stadt­bild prä­gen. Ani­miert von den zahl­rei­chen Besu­chern wird im Sam­ba­takt getrom­melt, geklatscht, gesun­gen und getanzt. Die aus­ge­las­sene Stim­mung ist ein­neh­mend und so dau­ert es nicht lange, bis wir uns dem ver­rück­ten Trei­ben hin­ge­ben…. Ein Tag der Extreme. 

Dann wird es Zeit Abschied zu neh­men. Die Magie die­ses Lan­des in Form unzäh­li­ger Erin­ne­run­gen im Gepäck tre­ten wir die Heim­reise an. Es gibt noch so viel zu erkun­den, wir kom­men wie­der. Até à próxima!

Rei­se­hin­weise: 

Wir sind mit TAP über Lis­sa­bon geflo­gen. Idea­ler­weise als Non­stop-Flug nach Rio und zurück ab Recife. Für die Ein­reise benö­ti­gen Sie einen gül­ti­gen Rei­se­pass. Bitte erkun­di­gen Sie sich recht­zei­tig über Imp­fun­gen. Gelb­fie­ber ist Pflicht, Den­gue und Hepa­ti­tis wer­den emp­foh­len (Stand Jan 24). 

Zusam­men fas­send ist Bra­si­lien abso­lut rei­se­loh­nens­wert. Las­sen Sie sich vom nega­ti­ven Image in puncto Kri­mi­na­li­tät in den Städ­ten nicht beir­ren. Es hat sich viel getan – die Strände sind beleuch­tet, Mili­tär und Poli­zei sind prä­sent. Doch Reich­tum und Armut lie­gen hier sehr nah bei­ein­an­der. Ach­ten Sie auf Ihre Wert­sa­chen, las­sen Sie teure Hand­ta­schen, Schmuck und Uhren am bes­ten gleich zuhause, neh­men Sie auch für kür­zere Stre­cken ein Taxi oder Uber (vor allem wenn es dun­kel ist) und zah­len Sie bes­ten­falls kon­takt­los. Boa viagem!

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