„Whisky!“ „Claro.“

Nach mei­nen zwei auf­re­gen­den Tagen im boli­via­ni­schen Hoch­land war ich wie­der zurück auf geteer­ter Straße. Der Illu­sion fol­gend, dies würde bis Coroico so blei­ben, star­tete ich in den Tag. Wie immer aus der Stadt raus­lau­fen. Dies­mal Oruro. Auf dem Weg nach drau­ßen kam ich an einem Bus vor­bei. Ein paar Men­schen stan­den vor den offe­nen Gepäck­klap­pen und luden neben Kof­fern auch tote Schweine aus. War anschei­nend der tote Schweine Tag in Oruro. 20 Minu­ten Fuß­marsch spä­ter kam ich an einem Taxi vor­bei, was bis unter die Decke mit toten Schwei­nen bela­den war.

Tram­pen lief ganz gut, drei schnelle Lifts zur Poli­zei­kon­trolle hin­ter der Stadt, zwei andere Tram­per über­holt und dann noch einen LKW ange­hal­ten, der bis zu mei­ner nächs­ten Kreu­zung fuhr, von wo aus ich dann wie­der auf klei­nen Stra­ßen wei­ter­rei­sen soll­ten. Sehr zufrie­den saß ich im LKW und beob­ach­tete gedan­ke­ver­sun­ken die Land­schaft. Ich hab noch über die letz­ten zwei Tage resü­miert und mir über­legt, was ich alles in den Blog­ar­ti­kel packe, als es auf ein­mal einen rie­sen Schlag tut. Ich war so erschro­cken, der LKW zieht sofort nach links. Mein Fah­rer hat Mühe ihn in der Spur zu hal­ten. Lin­ker Vor­der­rei­fen geplatzt. Wir hal­ten an, stei­gen aus, star­ren ungläu­big auf den kaput­ten Rei­fen. Mein Fah­rer fängt an zu tele­fo­nie­ren, ich helfe ihm noch die Rei­fen­teile von der Auto­bahn zu räu­men und laufe dann mal wei­ter. Kann noch dau­ern, bis der wie­der fährt. Zum Glück hielt das dritte Auto an und nahm mich zu mei­ner Kreu­zung mit.

Danach folgte erst­mal geteerte Straße. Welch Ent­span­nung. Ich sah mich schon gegen Mit­tag an der Death Road ankom­men und gegen Abend hin­ter La Paz sein. Durch ein paar Dör­fer ging es gut, dann starb der Ver­kehr. Ich hatte einen Lift mit einem Last­wa­gen auf der Lade­flä­che. Die Jungs bogen auf ein­mal ab: Ich musste mich schnell bemerk­bar machen, damit ich nicht in die fal­sche Rich­tung fahre. Habe über meh­rere Ser­pen­ti­nen einen Berg erklom­men, ein paar Hunde gesich­tet, mich gefragt, was diese Hunde hier im nir­gendwo fres­sen und das Pan­orama genos­sen. Nach 28 Minu­ten lau­fen hielt ein Nis­san an.

Atemberaubender Abstieg in das schönste Gebirge von Südamerika

Der Fah­rer war erst etwas stut­zig. Ich hab mal wie­der kein Wort ver­stan­den. Irgend­wie hab ich es aber doch ins Auto geschafft. Wir fuh­ren los. Dachte er fährt in die nächste Ort­schaft oder so. Die Straße führte bergab. Ich schätze wir waren auf 5000+ Meter. Bis ich Aus­stieg soll­ten wir auf unter 2200 sein. Die Straße war.…ich kann es gar­nicht anders sagen.…der Ham­mer. Sie führte in säu­ber­lich geteer­ten Ser­pen­ti­nen hin­un­ter nach Quime. Wir über­hol­ten ein paar Busse und irgend­wann tat sich dann die­ser rie­sige, nicht enden wol­lende Abgrund vor uns auf, den wir Stück für Stück mit dem klapp­ri­gen Auto bewät­lig­ten. Diese Pas­sage war schon der abso­lute Ham­mer. Aber ich wusste ja nicht, das mich noch das gesamte Yun­gas Gebirga erwarte wird. Ange­kom­men in Quime (die Stadt war noch nicht mal auf mei­ner Karte) fand sich eine wun­der­bar am See gele­gene Klein­stadt mit Alpen­fee­ling und freund­li­cher Vege­ta­tion. Ich war ganz ent­zückt wie schön es auf ein­mal war. Wir waren nun mit­ten im Yun­gas Gebirge.

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Am Orts­ende folg­ten wir einem klei­nen Schot­ter­weg und fuh­ren eine Tank­stelle an. Auf die Frage wie weit wir noch unter­wegs sei, ant­wor­tete mein Fah­rer: „2 Stun­den mehr“. Bom­ben­lift also. Was mir aber dann erst klar wurde, dass der kleine Schot­ter­weg kein Schleich­weg zur Tanke war, son­dern eher die Haupt­straße für die nächs­ten 400km. Ich ahnte vor­her schon, dass diese Route einen Haken hat. Und da war er. Aber wir fuh­ren in den Yun­gas und meine Begeis­te­rung kannte keine Grenzen.

Yun­gas ist eine Gebirgs­kette, die sich von tro­pi­schen 500 Metern rauf in die 4000+ Meter hohe Hoch­ebene nach La Paz zieht. Es gibt den nörd­li­chen Yun­gas und den süd­li­chen Yun­gas. Beide Gebirgs­ket­ten wer­den von einem Fluß getrennt. Die Straße ver­läuft prin­zi­pi­ell mit­ten am Berg. Das bedeu­tet, es geht ab und zu mal ein paar hun­dert Meter direkt neben dem Auto run­ter. Es ist wun­der­schön grün, man hat stän­dig eine atem­be­rau­bende Aus­sicht, ein biß­chen Todes­angst und.….es ist schwer zu beschrei­ben. Sagen wir ein­fach es ist so ziem­lich das schönste Gebiet, was ich bis­her in mei­nem Leben durch­quert habe.

Drei Stun­den kurvte ich mit mei­nem Fah­rer und sei­nem Nis­san durch die Berge. Zwi­schen­durch Poli­zei­kon­trolle. Die wur­den natür­lich geschmiert. Kur­zer Small­talk, dann wei­ter. Eine Oma am Markt­platz die mit wollte wurde abge­wim­melt. Ein paar Ort­schaf­ten spä­ter wie­der eine Oma am tram­pen. Mein Fah­rer seufzt, frei nach dem Motte: „Nagut, ruff mit der Alten.“ Oma auf die Lade­flä­che gela­den und wei­ter­ge­fah­ren. Als wir anka­men hab ich mich für ca. 60 Cent mit soviel Essen aus­ge­stat­tet, wie ich tra­gen konnte und lief mal wie­der los durch die Ort­schaft und ab über die nächs­ten Berg­pässe. Dabei ist mir das Erste mal auf­ge­fal­len, dass ich hier ja mit­ten im Jungle bin. Bana­nen­pflan­zen, Oran­gen­bäume am Weges­rand, die zum pflü­cken ein­lu­den. Seit Mona­ten nur kar­ges Hoch­land und dann sowas. Und ich kann hier ja drau­ßen schlafen!!

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Es folgt ein klassisch, wahnsinniger Nachtlift

Meine Wan­de­rung dau­erte auch erst­mal 2,5 Stunden…aber mit Genuss. Ver­kehr war ein biß­chen. Viel­leicht 4–5 Autos. Irgend­wann habe ich ein klei­nes ver­las­se­nes Stein­haus am Stra­ßen­rand im Gebüsch ent­deckt. Es sollte mein Nacht­la­ger wer­den. Noch ein paar Voka­bel­lis­ten abge­schrie­ben, Ziga­rette geraucht, die Abend­toi­lette begangen.…ich war bereit zu schla­fen und es war auch schon dun­kel. Aber ein Auto kam noch. Hand raus.…es hält an. Zwei Men­schen schauen mich an. Offen­sicht­lich ein Taxi. Ich erkläre, dass ich kein Geld für Trans­port habe. Anschei­nend kein Pro­blem für die Bei­den. „Wo geht’s denn hin?“ „DaundDa.“ „Ist das ein Dorf oder eine Stadt?“ „Ein gro­ßes Dorf.“ „Keine Ahnung wo das liegt, aber auf geht’s.“ Rein in die gute Stube. Und was hier folgt sind sol­che Nacht-Lifts, für die ich das Tram­pen liebe.

Erste Beob­ach­tung: Der Bei­fah­rer war total dicht. Aber sowas von total dicht. Er konnte sich kaum auf dem Sitz hal­ten, schwankte immer hin und her, trak­tiert von den Kur­ven und Schlag­lö­cher. Ich hab ihn schon ins Auto kot­zen sehen und hielt mich bereit. Erste Theo­rie war, dass er auf einem Dorf­fest war und sich abge­schos­sen hat und nun nach Hause fährt. Dann obli­ga­to­ri­sche Pin­kel­pause. Kol­lege Besof­fen musste dann auch erst­mal schei­ßen gehen. Ich hatte um Glück Klo­pa­pier dabei, zur Freude der gesam­ten Besatzung.

Wir fuh­ren wei­ter. „EY Amigo, mi Amigo, Ey“, er ver­suchte mit mir zu reden, ich lächelte zurück und er steckte mir 30 Pesos zu, weil er dachte ich hatte kein Geld. Das war mir höchst unan­ge­nehm. Aber gut. Aus­sit­zen Ste­fan, Aus­sit­zen. Solange das Auto fährt, ist alles gut. Wäh­rend ich noch über das Geld nach­denke, kippte die Stim­mung etwas. Mr. Betrun­ken hatte mich in sein Haus ein­ge­la­den und der Fah­rer (Efrain) dis­ku­tierte mit ihm. Das Gespräch ver­lief folgendermaßen:

Efrain: „Schau doch mal. Er spricht sehr schlecht Spa­nisch und ver­steht nichts. Und du benimmst dich hier wie der Aller­letzte, hast eine unschöne Spra­che und bist total betrun­ken. Was soll er denn jetzt von uns den­ken? Da kommt er in unser Land, er ist gebil­det, war auf der Schule, Uni­ver­si­tät und dann fin­det er dich hier.“

Suffi: „NEIN NEIN NEIN; das stimmt nicht, er ist mein Freund.“

Efrain: „Er ver­steht dich nicht.“

Suffi: „Mor­gen reden wir! Morgen!“

Nächs­ter obli­ga­to­ri­scher halt in einem ande­ren Dorf. Tan­ken. Efrain lief in irgend­ein Haus, kam mit einem Kanis­ter und einem Stück Gar­ten­schlauch wie­der. Anzap­fen und lau­fen las­sen. Tan­ken in Boli­vien eben. Suffi hatte ich eine Ziga­rette ange­bo­ten, die rauchte er gerade mit mir und erklärte, dass die Ziga­ret­ten sehr stark sind und er sich nicht an sei­nen Namen erin­nern kann (hatte ihn vor­her mehr­mals nach sei­nem Namen gefragt). Efrain for­derte ihn auf, doch drei mal Huhn für uns zu kau­fen, aber Suffi hatte kein Geld mehr. Das hatte ich ja. Wei­ter gings.

Wir kamen dann in den Ort wo Suffi wohnte und da er mich min­des­tens 10 mal zu sich nach Hause ein­ge­la­den hatte, war nun die Stunde der Wahr­heit. Der Ort war höchst unsym­pa­thisch. Als Suffi Aus­stieg und seine Sachen zusam­men­suchte, setzte ich zum tak­ti­schen Aus­weich­ma­nö­ver an. „Schläfst du hier oder fährst du wie­der zurück?“, fragte ich Efrain. „Nein nein, ich fahre wei­ter?“ „Ach wei­ter, wohin?“ „Iru­pana.“ „Ah.…..ja…weiter.….ähm.…hör mal Amigo.…er fährt weiter…vielleicht.…besser wenn ich mitfahre.…weil es ja näher an mei­nem Ziel ist, weißt du. Nicht böse sein, danke für deine Gast­freund­schaft, aber du brauchst Schlaf und er fährt ja weiter.…nech?“

Suffi ver­stand das, nach­dem Efrain noch etwas wei­ter­ge­hol­fen hatte. Ich nahm vorne Platz, wir fuh­ren los, die Gesamt­stim­mung im Auto war Erleich­te­rung und Efrain war auch froh, dass ich nicht mit­ge­gan­gen bin. „No es much­a­cho.“, meinte er nur. Das Erste was ich ver­suchte war, ihm die 30 Pesos anzu­dre­hen, aber er meinte nur, ich solle mir davon essen kaufen.

Alkohol und korrupte Polizei

Und dann ging die Nacht erst rich­tig los. Erste obli­ga­to­ri­sche Pin­kel­pause. Efrain hatte noch eine halbe Fla­sche Whisky und Cola, die mixte er zusam­men, ver­si­cherte mir, dass er gerne ein biß­chen trinkt, aber nicht so viel wie der Kol­lege. Danach erzählte er mir auch die Story, näm­lich dass die bei­den seit meh­re­ren Tagen unter­wegs waren und ein Auto in Are­quipa bei Chile ver­kauft haben. Ziga­ret­ten an, Whisky hin­ter die binde gekippt und los fuhr der Spa­ß­ex­press. Zu mei­ner guten Laune trug außer­dem bei, dass ich end­lich ver­stan­den hatte, wo er hin­fuhr. Näm­lich noch zwei Stun­den wei­ter in meine Richung. BÄM!

Am ers­ten Ort war der Spaß aber schon wie­der vor­bei. Efrain hielt an, weil ein Rei­se­bus auf der Straße stand und gerade ein­parkte. Er macht die Lich­ter aus, ich fragte ob er Feuer will und er wim­melte mich nur ab: „Nono…psscht.…policia.“ Poli­zei­kon­trolle. Aus Spaß wurde ernst. Er war­tete bis der Bus ein­parkte und fuhr los, um sich durch­zu­mo­geln. Lei­der war nicht genug Platz auf der Straße. Wir muss­ten zurück­set­zen und einen ande­ren Weg fah­ren. Natür­lich war­te­ten die Kol­le­gen nun schon auf uns.

Efrain, Gringo.…Geld. Efrain schmierte die Kol­le­gen, aber es war anschei­nend nicht genug. Er kam ins Auto und fragte mich nach den 30 Pesos, die ich gerne für die­sen guten Zweck her­gab. „Listo“, bereit. Kann wei­ter­ge­hen. Da kam aber irgend­eine pene­trante Frau ans Fens­ter und stellte irgend­wel­che Fra­gen. Sol­che Art von Men­schen die immer in alles und über­all ihre Nase rein­ste­cken. Schwups, auf ein­mal hat­ten wir eine Frau mit Kind und einen alten Mann hin­ten drin sit­zen. Efrain war sicht­lich gestresst, für unru­hi­ger und wir soll­ten ca. eine Stunde Umweg fahren.

Wei­ter gings also über die Berg­stra­ßen. Wir tran­ken, um die Ner­ven zu beru­hi­gen. „Whisky.“ Kom­mando an mich. „Claro.“ Einen für Efrain, einen für mich. Beim Ers­ten hat er noch moniert es sei zuviel, daher danach immer nur kleine Schlück­chen Whisky-Cola. Ich sah mich gezwun­gen mit ihm zu trin­ken, zu Sicher­heit aller Betei­lig­ten. Aber da die Nacht schon wie­der total am eska­lie­ren war, machte sich bei mir auch ein Scheiß-Egal Gefühl breit. Nach 4–5 Whis­keys hat­ten wir alle Pas­sa­giere heile nach Hause gebracht und fuh­ren wie­der in trau­ter Zwei­sam­keit wei­ter. Pro­blem war nur, dass Efrain anschei­nend genauso wenig den Weg kannte, wie ich.

Und wo wird geschlafen?

Pin­kel­pause. „Whisky.“ „Claro.“ Ich war schon leicht beschwippst. Irgend­wann ging das Licht im Auto an und ich erkannte, das Efrain anschei­nend schon ordent­lich einen sit­zen hatte. Ob ich fah­ren kann? Ja, klar. Lei­der hab ich nie das Steuer in die Hand bekom­men. War aber viel­leicht auch bes­ser so. Der Wagen setzte regel­mä­ßig auf der schwie­ri­gen Straße auf. Die stei­len Abhänge waren zum Glück auf­grund von Dun­kel­heit nicht zu sehen. Der letzte Whisky war geleert, in einem Dorf frag­ten wir nach dem Weg und Efrain erkun­digte sich über kom­mende Poli­zei­kon­trol­len. Wir hat­ten beide kein Geld mehr, er erklärte mir, was ich sagen soll, ich ver­staute meine Kamera (man weiß ja nie) und ange­spannt fuh­ren wir wei­ter. Zum Glück war es nur eine Patrouille und keine feste Poli­zei­kon­trolle. Und die erreichte uns nie.

Wir unter­hiel­ten uns präch­tig und erreich­ten schließ­lich das besagte große Dorf. Rat­los hiel­ten wir an, ich schnorrte noch eine Ziga­rette bei Efrain. „Oder soll ich dich noch mit­neh­men in mein Dorf?“ Klingt nach Schlaf­platz. „Wie weit?“ „5 km“ „Claro.“. Wir set­zen noch min­des­tens 10 mal auf, die Straße wurde immer schlech­ter und nach wei­te­ren 50 Minu­ten erreich­ten wir sein Dorf. Zu mei­ner Über­ra­schung hielt er am Markt­platz an und ließ mich raus. Ich hatte noch nie Glück mit Schlaf­plät­zen, aber auch nie ein Pro­blem Nachts wei­ter­zu­tram­pen. Viel­leicht hängt das zusam­men. Ich ver­ab­schie­dete und bedankte mich recht herz­lich bei Efrain und lief in die Nacht.

Geschla­fen hab ich einen Ort wei­ter auf der Ter­rasse eines klei­nen Gemein­de­hau­ses. Am Mor­gen ver­sam­melte sich eine Gruppe klei­ner Kack­bratze an der Stra­ßen­seite und mach­ten ordent­lich Lärm. Ein Mäd­chen rief stän­dig irgend­was. Ich hatte keine Ahnung was. Dachte mir aber, dass ihre Freun­din bestimmt nicht zu Hause ist und ob sie nicht mal end­lich die Schnauze hal­ten kann. Die ganze Nacht hat mich eine viel zu laute Mücke ter­ro­ri­siert, die ein­fach nicht essen wollte und nun irgend­wel­che Kin­der die nach ihren Freun­den rufen. Irgend­wann hörte ich dann nur „Gringo.“ und mir wurde klar, dass die wohl die ganze Zeit nach mir rufen. Meine Tar­nung schien auf­ge­flo­gen. Aus­sit­zen Ste­fan. Die Kack­brat­zen ver­schwan­den als­bald. Zusam­men­pa­cken, übers Gelän­der klet­tern, erste Auto hielt an in die nahe gele­gene Stadt.

Da war Markt und ich gönnte mir erst­mal ein herr­li­ches Street Food Früh­stück, hielt über­all mal an, kaufte etwas. Kuchen, Käse Empa­na­das und lecker gefüllte Knö­del-Kar­tof­fel-Sym­biose. Lift raus aus der Stadt gefun­den. Zähne geputzt. Und dann los­ge­lau­fen. Lau­fen war hier ganz und gar­nicht so toll, wie ich nach 30 Minu­ten fest­stel­len musste, als ich von oben bis unten zuge­staubt war. Ange­hal­ten hat auch nichts. Ins­ge­samt vier Stun­den Fuß­marsch soll­ten vor mir lie­gen. Immer vom Inter­esse ange­trie­ben, was denn hin­ter dem nächs­ten Berg kommt und wie es da aus­sieht. Nach drei Stun­den hatte ich schon zwei Liter Was­ser geleert. Unbarm­her­zig rausch­ten die gro­ßen und klei­nen Busse an mir vor­bei und wir­bel­ten immer mehr Staub auf.

Irgend­wann erbarmte sich ein Taxi. Alte Leier, kein Geld für Transport…ja kannst mit­fah­ren. Letzte Kreu­zung vor mei­nem Ziel­ort. Fisch zum Mit­tag geges­sen, neues Was­ser gekauft. Wei­ter­lau­fen. Lift in einem klei­nen Jeep mit vier Boli­via­nern ange­quatscht, mit­ge­fah­ren, fast Unfall gebaut, letzte Stadt vor mei­nem Ziel­ort erreicht. Wei­ter­ge­lau­fen. Wie­der ein Taxi­lift mit zwei alten Her­ren und einem sehr sehr net­ten Taxi­fah­rer. Von dem Dorf wo wir hin­fuh­ren seien es drei Stun­den zu Fuß nach Coroico. Klingt gut dachte ich. Los­ge­lau­fen und wie­der fast ein Taxi nach Coroico gekriegt, aber die sind weitergefahren.

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Der gefährlichste Lift der Welt auf der gefährlichsten Straße der Welt

Wäh­rend dem Lau­fen dachte ich mir dann so, ich kann jetzt alles stop­pen, was mich näher bringt. Auch Motor­rä­der. Das Erste hielt nicht an. Dann kam ein Motor­rad­fah­rer in Tarn­klei­dung um die Kurve gebret­tert und hielt an. Yeah. Und was nun folgt, ist dann wohl der pas­sende Abschluss für diese total ver­rückte Yun­gas Tour.

Mein Lift war ein Poli­zist. Ich hätte schon mer­ken sol­len, dass hier nicht alles mit rech­ten Din­gen zugeht, als er vom Motor­rad abstieg, anfing mit mir zu reden und wäh­rend­des­sen gegen sein eige­nes Motor­rad schiffte. Manch­mal hab ich aber ne recht lange Lei­tung. Er war mir auch etwas unsym­pa­thisch, aber ich kann so schlecht Lifts ableh­nen und dis­ku­tier auch nicht gerne mit Ord­nungs­be­hör­den. Also hin­ten druff. Nene, enger ran­rü­cken und arme um mei­nen Bauch schlin­gen. Das war nicht so homo­ero­tisch, wie es sich anhört.

Als wir los­fuh­ren und Aris mit mir anfing zu reden, bemerkte ich, dass er ordent­lichst besof­fen war. Eigent­lich merkte ich das schon, als wir Schlan­gen­li­nien fah­rend auf das erste Auto zuhiel­ten. Immer wenn er sich zu mir drehte und was sagte, kam sein Motor­rad vom eigent­lich Kurs ab. Bag­ger, Busse, Jeeps.…naja was uns eben alles so ent­ge­gen­kam und rechts ging es dann meh­rere hun­dert Meter run­ter. Scheiße, was mach ich hier eigentlich.

Hof­fent­lich fährt der nicht so weit, dachte ich. Erste Pause. „Wohin geht’s denn?“ „Coroico.“ Scheiße der fährt echt bis nach Coroico. Da sind wir min­des­tens noch ne Stunde unter­wegs. Wie erklär ich ihm nur, dass ich nicht wei­ter mit­fah­ren will.….ach da geht’s schon wei­ter. Naja. Todes­angst. Irgend­wie wars auf seine Art und Weise auch lus­tig. Ich hielt mich gut an ihm fest und dachte mir nur, dass wir wenn dann zusam­men unter­ge­hen. Nächste Pause. Er will ein Sel­fie machen. Bezie­hungs­weise möchte, dass ich ein Sel­fie mache.

Da kam dann mein Sel­fiestick zum Ein­satz. Ich holte ihn aus dem Ruck­sack und erklärte Aris, dass ich ihn als „Pre­sent“ in Argen­ti­nien von einem Fah­rer bekom­men hatte. „Pre­sent“ ver­stand er, wurde sofort hell­hö­rig. „Für mich ein Pre­sent“. Boli­via­ni­sche Poli­zei. Oh nein, jetzt will der auch noch ein Pre­sent haben. „Nein nein…“ Sel­fie gemacht. Wei­ter­ge­fah­ren. Nächste Pause. Das mit dem Pre­sent schien ihn nicht mehr los­zu­las­sen. Er wollte mir seine Poli­zei­ja­cke geben und ich sollte dafür irgend­was mit ihm tau­schen. Hatte aber nüscht. Sorry. Aber Jacke kannst du mir trotz­dem geben? Hab doch gar kei­nen Platz dafür und anzie­hen kann ich sie auch nicht. Ach ich soll die ein­fach irgend­was schi­cken, wenn ich wie­der in Deutsch­land bin? Ja, die Jacke kann ich ja mei­nem Papa schi­cken. Jaja, wir sind jetzt Poli­zei­brü­der. Wei­ter gings.

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Ich sag mal so, macht das NIE NIE NIE zu Hause nach. Aber ich habs über­lebt. Aris kam heile zu sei­ner Freun­din nach Coroico. Als wir anka­men stellte er sein Motor­rad ab und das Erste was er sagte: „Hier ich hol kurz meine Freun­din, geh du mir mal ein Bier kau­fen bitte.“ Nagut. Ich brauchte auch drin­gend ein Bier. Also noch zwei Bier bestellt und mit Aris + Freun­din getrun­ken. Hatte andere Grin­gos erspäht und bin immer mal raus und hab die nach pas­sen­den Hos­tels gefragt. Wäh­rend wir uns unter­hiel­ten, ist Aris Motor­rad noch­mal schon auf den Bord­stein gefal­len. Naja, alles vom Staat bezahlt. Er ist dann mit sei­ner Freun­din abge­düst. Ich hatte zitt­rige Hände, aber war end­lich in Coroico. Bereit die „Death Road“ zu trampen.

Cate­go­riesBoli­vien
Stefan Korn

Stefan ist Vollblut-Tramper und treibt diese Art der Fortbewegung zur Perfektion. Seine Road Trips gehen meist mehrere tausend Kilometer weit, bis er mal anhält, um sich auszuruhen. Das Leben auf der Straße fasziniert ihn. Hier ist er zu Hause. Die Zufälligkeit und Intimität der Begegnungen ist, was ihn beim Trampen fasziniert. Und die grenzenlose Mobilität. Er zog los, um einmal um die Welt zu trampen.

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