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Wenn der Dschungel ravt

Als ich nach einer vier­stün­di­gen Fäh­ren­über­fahrt von Siha­nouk­ville aus auf Koh Rong anlegte war ich schon hin-und-weg. Ein weiß­san­di­ger, kilo­me­ter­lan­ger Strand der links und rechts von Ber­gen müt­ter­lich behü­tet wird – was sollte da noch kom­men? In einer mitt­ler­weile schon scham­lo­sen Art Leute aus­zu­quat­schen, erfuhr ich, dass ich mich lie­ber schnell auf die Socken machen solle um noch recht­zei­tig vor Son­nen­un­ter­gang am rich­ti­gen Strand anzu­kom­men; den Sun­set-Beach. (irgend­wie naheliegend)

Die­ser liegt näm­lich auf der gegen­über­lie­gen­den Seite der Insel und ist nur durch einen Dschun­gel­pfad erreich­bar. Und nicht irgend ein Pau­schal­ur­lau­ber-High­way – Nein(!) ein ver­damm­ter Dschun­gel mit Kobras, Black Mam­bas, Rie­sen­tau­send­füss­lern und Skor­pio­nen. (Erfuhr ich zwar erst am ande­rem Ende des Pfa­des, aber okay…) Der Weg war beim Auf-und-Abstieg mit fünf­zehn Kilo­gramm Gepäck zwar ziem­lich kräf­te­zeh­rend aber am Ende, als mich der bevor­ste­hende Son­nen­un­ter­gang begrüßte war alles ver­ge­ben und ver­ges­sen. Sel­ten kam in mir solch ein Gefühl von Glück auf.

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Im Grunde ist es nur eine still­schwei­gende Bucht im end­lo­sen Golf von Thai­land. Es gibt weder eine echte Strom­ver­sor­gung, Infra­struk­tur oder Geschäfte. Dafür wird so ziem­lich alles über Solar­pa­nels gespeist. Nur wenige Besu­cher ver­ir­ren sich hier her, sodass wir circa zu drei­ßigst gemein­sam unsere Zeit mit Gesprä­chen oder zupros­ten ver­brin­gen. Nach­dem mir ein Bett für die Nächte zuge­wie­sen wurde, machte ich die Bekannt­schaft mit drei Deut­schen. Ein Paar aus Koblenz und ein Macker aus (ratet mal.….) Frank­furt (Oder)! Wir beide konn­ten es nicht glau­ben. Wie oft kommt es schon vor, dass sich zwei Typen aus einer nicht-mal-50.000-Einwohner-Stadt, auf einer ein­sa­men Insel in Kam­bo­dscha tref­fen? Wahr­schein­lich nicht so häufig.

Er erzählte und erklärte mir gern alles was ich über den Strand wis­sen müsse, zum Bei­spiel dass am Abend noch ein Rave im Her­zen des Insel­wal­des statt­fände, das offene Wun­den ein­fach nicht hei­len wür­den oder diese Geschichte:
„…Vor eini­gen Jah­ren haben sich ein paar ver­rückte Deut­sche und Fran­zo­sen dazu ent­schlos­sen hier zu blei­ben und vier Bars, Baum­häu­ser, Hän­ge­zelte, einen Gemein­schafts­schlaf­saal und eine Tauch­schule auf­zu­bauen und zu betrei­ben. Die Pacht wurde in einem Zehn­jah­res­ver­trag mit dem Insel­be­sit­zer fest­ge­schrie­ben und seit­dem geht es hier allen prächtig…“

Die Natur; der weiß-quiet­schende Sand, der Dschun­gel, die Küste und das Meer sind unbe­schreib­lich schön. Lei­der unbe­schreib­lich, Sorry!

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Ich hätte mir nie im Leben erträu­men kön­nen, dass ich tat­säch­lich mal auf solch einen Ort tref­fen würde.
Die Bil­der spre­chen sicher für sich.

Als die Sonne längst unter­ging konnte ich nicht ein­fach taten­los im Bett rum­lie­gen und Wel­len zäh­len. Auch ich wollte auf die­ser nicht-all­täg­li­chen Dschun­gel­party dabei sein. Schuhe wur­den geschnürt und rein ins dun­kele Dickicht. Nach zwan­zig minü­ti­gen Gequäle stand ich also in Mit­ten einer gero­de­ten Flä­che zu klän­gen Neun­zi­ger­jahre-Tech­nos im Tro­pen­wald einer Insel im Süd­ost­asia­ti­schen Ozean. Diese Gewiss­heit ließ den Abend, auch mit beschis­se­ner Musik, zu einem ganz beson­de­ren werden.

Am nächs­ten Tag machte ich das ein­zig logi­sche – nicht viel! Nur schrei­ben, lesen, essen, schwim­men und schmach­ten. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Da mir ziem­lich schnell das Bar­geld aus­ging hatte ich zumin­dest einen trif­ti­gen Grund die Insel wie­der zu ver­las­sen und meine Reise fortzusetzen.

Was wohl gewe­sen wäre, gäbe es dort einen Geld­au­to­ma­ten? Man weiss es nicht…

Euer Her­wig.

Cate­go­riesKam­bo­dscha
  1. Edwina says:

    Mit dem Pfad zum Sun­set Beach hast du sogar noch Glück gehabt, ich bin ahnungs­los Rich­tung Robin­son Bun­ga­lows spa­ziert, der „Pfad“ war noch um eini­ges äh… aben­teu­er­li­cher! Ist aber wirk­lich eine wun­der­schöne Insel.

  2. Stefan says:

    Tol­ler Bericht! Ich err­in­nere mich gut an den quit­sche Sand!! Den gibts wohl nur in Ko Rong. Aber du hast nichts über die elen­den Sand­flie­gen geschrie­ben oder sind die aus gesandflogen?

    1. Herwig says:

      Hallo Ste­fan,
      der kleine und feine Unter­schied ist, dass es auf der klei­ne­ren Insel (Saloem) keine Sand­flie­gen gibt. :) yeah!

      Grüße

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