Wellen auf dem Mond

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Wellen auf dem Mond

Mark Knopfler wird unwei­ger­lich zum Soundtrack des Trips, bei mir schon musika­lisch ausran­giert, schrab­belt er bei nem Kumpel noch auf dem MP3 und bildet für die nächsten zwei Wochen den Klangteppich für dieses Ödland und feiert seine Widergeburt.

Im Touristenflieger “Sunexpress” ganz Europa überquert – beim Einchecken in Leipzig wird das mit sehr leichtem “s” ausge­spro­chen, wie der Name Sabine -. Die Angestellte der Airline später beim Boarding:»Viel Spass beim Sörfen”. Der Express macht seinem Namen alle Ehre, wir sind die Einzigen ohne Sorglospaket. Zwischen so viel Konserventourimsus Trockenbrot und Warsteiner aus der Dose, wenn man für das Trinken schon bezahlen muss…

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Fuerteventura, was so viel wie starker Wind bedeuten könnte, der einem hier unnach­giebig das Haupthaar ins Gesicht bläst, empfängt uns warm und windig. Das rüttelt am Karma, als würde man sich den ganzen Tag vor einen Ventilator setzen und bei voller Stufe versu­chen ein Kartenhaus zu bauen. Mit den Haaren ständig im Gesicht, üben wir uns im Spotcheck, navigieren den neuen Mietwagen über die Mondlandschaft, Knopfler trällert beruhi­gend “Blood and water” … das Blut schwitzen wir, wenn wir immer wieder die unbefes­tigten Strassen bei unserer Wellensuche auf- und abfahren. Nach einer Woche kennen wir jeden Strauch am Wegesrand und fahren die Schotterpisten todes­mutig mit verbun­denen Augen. Dabei staunen wir über die erdfar­benen Töne der Landschaft, die Schroffheit und Kargheit des Eilands, die auf eine ganz beson­dere Weise stimu­lieren.

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… im Norden

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Corralejo im Nord-Osten. der Sand kommt direkt aus der Sahara

Auf der Wellen-Odyssee immer wieder Aufeinandertreffen mit Expressurlaubern. Unwirklich, als wären wir alle Ausgesetzte, Gestrandete, die es auf einen fremden Planeten verschlagen hat.

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Männer in Badehosen 1: Im Hintergrund der Leuchtturm „Toston“ bei El Cotillo

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Schwarz, Rot, Gold: Die Deutschen stellen zwischen 30% und 40% der Besucher und bräunen sich vor allem im Süden der Insel

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Außerirdische am »Playa de las mujeres« – Strand der Frauen

„Fuerte“ ist ein Instanz in der europäi­schen Wellenreitszene, die Nordküste der Insel über die Landesgrenzen hinaus bekannt, im Jargon großspurig als “Hawaii Europas” veran­kert. Untergebracht sind wir im Nord-Westen der Insel, in El Cotillo, vom Massentourismus verschont, nicht wie das nahe gelegene Corallejo, oder der Südosten der Insel, wo sich riesige Hotelanlagen ausge­breitet haben und wie Kolonien von Seelöwen, unwirk­lich anmutend, auf den kahlen Hängen lungern.

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Kaffeepause

DSC_0327 Männer in Badehosen 2: Puerto de la Cruz im Süden der Insel, vorbild­lich gebräunt und im Einklang mit dem Stadtbild
DSC_0245 Kurz nach der Mondlandung
DSC_0227 Ajuí

Die Wellenflaute setzt uns zu, auflan­diger Wind zerstört jeden Tag aufs Neue die vom Norden her anrol­lende Dünung. Abends, beim Lesen, eine Aufmunterung, – müde vom Wind, der ein oder anderen Surfsession und dem allabend­li­chen spani­schem Traubensaft aus dem Barrique-Fass, komme ich oft über zwei Seiten nicht hinaus-: ”Das Leben ist lebens­läng­lich“, steht da geschrieben. Eine Aufforderung, weiter zu machen, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, was hier nahe liegen würde. Ich bin mir sicher, da draußen findet sich schon noch was.

DSCF0533 Nordwind
DSCF0519 Clean Ocean Project in El Cotillo

Alle Opfer werden gebracht, die sechs Stunden Schlaf dem “frühen Vogel” geopfert. Der Deal geht auf, noch vor Morgendämmerung am Strand, erleben wir den Sonnenaufgang, kein Lüftchen weht, die paar Grashalme am Wegesrand wie gefroren. Vor uns der Atlantik, glatte Oberfläche, immer wieder eine Dünung, glasig und lautlos, bis sich die Wellenkrone, ein ums andere mal, gleich­mäßig, nach beiden Seiten zu einer Weißwasserwalze erbricht und nun endlich kristall­klare Wellen an die Northshore laufen.

Fuerte3 6:54 Uhr
fuerte Das Fischerdorf Majanicho in der Morgendämmerung
Der frü

he Vogel surft allein


Kommentar

  1. Avatar von Jens

    Geniale Fotos und ein nicht weniger faszi­nie­render Bericht über eine der schönsten Inseln Europas!! Das schwarz-rot-gold-Foto ist unbezahlbar…

    Wir haben ähnlich gute Erfahrungen mit Fuerteventura gemacht, wenn auch mit weit weniger Männern in Badehose. Ergänzend zu deinem Artikel also hier unsere Abrechnung mit dem kanari­schen Eiland:

    https://www.tripweazel.de/fuerteventura-highlights/

    Viel Erfolg weiterhin!

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