Wellen auf dem Mond

Mark Knopf­ler wird unwei­ger­lich zum Sound­track des Trips, bei mir schon musi­ka­lisch aus­ran­giert, schrab­belt er bei nem Kum­pel noch auf dem MP3 und bil­det für die nächs­ten zwei Wochen den Klang­tep­pich für die­ses Ödland und fei­ert sei­ne Wider­ge­burt.

Im Tou­ris­ten­flie­ger “Sun­ex­press” ganz Euro­pa über­quert – beim Ein­che­cken in Leip­zig wird das mit sehr leich­tem “s” aus­ge­spro­chen, wie der Name Sabi­ne -. Die Ange­stell­te der Air­line spä­ter beim Boarding:»Viel Spass beim Sör­fen”. Der Express macht sei­nem Namen alle Ehre, wir sind die Ein­zi­gen ohne Sorg­los­pa­ket. Zwi­schen so viel Kon­ser­ven­tou­rims­us Tro­cken­brot und War­stei­ner aus der Dose, wenn man für das Trin­ken schon bezah­len muss…

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Fuer­te­ven­tura, was so viel wie star­ker Wind bedeu­ten könn­te, der einem hier unnach­gie­big das Haupt­haar ins Gesicht bläst, emp­fängt uns warm und win­dig. Das rüt­telt am Kar­ma, als wür­de man sich den gan­zen Tag vor einen Ven­ti­la­tor set­zen und bei vol­ler Stu­fe ver­su­chen ein Kar­ten­haus zu bau­en. Mit den Haa­ren stän­dig im Gesicht, üben wir uns im Spot­check, navi­gie­ren den neu­en Miet­wa­gen über die Mond­land­schaft, Knopf­ler träl­lert beru­hi­gend “Blood and water” … das Blut schwit­zen wir, wenn wir immer wie­der die unbe­fes­tig­ten Stras­sen bei unse­rer Wel­len­su­che auf- und abfah­ren. Nach einer Woche ken­nen wir jeden Strauch am Weges­rand und fah­ren die Schot­ter­pis­ten todes­mu­tig mit ver­bun­de­nen Augen. Dabei stau­nen wir über die erd­far­be­nen Töne der Land­schaft, die Schroff­heit und Karg­heit des Eilands, die auf eine ganz beson­de­re Wei­se sti­mu­lie­ren.

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DSC_0074 … im Nor­den

DSC_0451 Cor­ra­le­jo im Nord-Osten. der Sand kommt direkt aus der Saha­ra

Auf der Wel­len-Odys­see immer wie­der Auf­ein­an­der­tref­fen mit Expres­sur­lau­bern. Unwirk­lich, als wären wir alle Aus­ge­setz­te, Gestran­de­te, die es auf einen frem­den Pla­ne­ten ver­schla­gen hat.

DSCF0531 Män­ner in Bade­ho­sen 1: Im Hin­ter­grund der Leucht­turm „Toston“ bei El Cot­il­lo

DSC_0271 Schwarz, Rot, Gold: Die Deut­schen stel­len zwi­schen 30% und 40% der Besu­cher und bräu­nen sich vor allem im Süden der Insel

DSC_0094 Außer­ir­di­sche am »Playa de las muje­res« – Strand der Frau­en

„Fuer­te“ ist ein Instanz in der euro­päi­schen Wel­len­reit­sze­ne, die Nord­küs­te der Insel über die Lan­des­gren­zen hin­aus bekannt, im Jar­gon groß­spu­rig als “Hawaii Euro­pas” ver­an­kert. Unter­ge­bracht sind wir im Nord-Wes­ten der Insel, in El Cot­il­lo, vom Mas­sen­tou­ris­mus ver­schont, nicht wie das nahe gele­ge­ne Coral­le­jo, oder der Süd­os­ten der Insel, wo sich rie­si­ge Hotel­an­la­gen aus­ge­brei­tet haben und wie Kolo­nien von See­lö­wen, unwirk­lich anmu­tend, auf den kah­len Hän­gen lun­gern.

DSC_0083 Kaf­fee­pau­se

DSC_0327 Män­ner in Bade­ho­sen 2: Puer­to de la Cruz im Süden der Insel, vor­bild­lich gebräunt und im Ein­klang mit dem Stadt­bild

DSC_0245 Kurz nach der Mond­lan­dung

DSC_0227 Ajuí

Die Wel­len­flau­te setzt uns zu, auf­lan­di­ger Wind zer­stört jeden Tag aufs Neue die vom Nor­den her anrol­len­de Dünung. Abends, beim Lesen, eine Auf­mun­te­rung, – müde vom Wind, der ein oder ande­ren Surf­ses­si­on und dem all­abend­li­chen spa­ni­schem Trau­ben­saft aus dem Bar­ri­que-Fass, kom­me ich oft über zwei Sei­ten nicht hin­aus-: ”Das Leben ist lebens­läng­lich“, steht da geschrie­ben. Eine Auf­for­de­rung, wei­ter zu machen, den Kopf nicht in den Sand zu ste­cken, was hier nahe lie­gen wür­de. Ich bin mir sicher, da drau­ßen fin­det sich schon noch was.

DSCF0533 Nord­wind

DSCF0519 Clean Oce­an Pro­ject in El Cot­il­lo

Alle Opfer wer­den gebracht, die sechs Stun­den Schlaf dem “frü­hen Vogel” geop­fert. Der Deal geht auf, noch vor Mor­gen­däm­me­rung am Strand, erle­ben wir den Son­nen­auf­gang, kein Lüft­chen weht, die paar Gras­hal­me am Weges­rand wie gefro­ren. Vor uns der Atlan­tik, glat­te Ober­flä­che, immer wie­der eine Dünung, gla­sig und laut­los, bis sich die Wel­len­kro­ne, ein ums ande­re mal, gleich­mä­ßig, nach bei­den Sei­ten zu einer Weiß­was­ser­wal­ze erbricht und nun end­lich kris­tall­kla­re Wel­len an die Northshore lau­fen.

Fuerte3 6:54 Uhr

fuerte Das Fischer­dorf Maja­ni­cho in der Mor­gen­däm­me­rung

Der frühe Vogel surft allein


Antwort

  1. Avatar von Jens

    Genia­le Fotos und ein nicht weni­ger fas­zi­nie­ren­der Bericht über eine der schöns­ten Inseln Euro­pas!! Das schwarz-rot-gold-Foto ist unbe­zahl­bar…

    Wir haben ähn­lich gute Erfah­run­gen mit Fuer­te­ven­tura gemacht, wenn auch mit weit weni­ger Män­nern in Bade­ho­se. Ergän­zend zu dei­nem Arti­kel also hier unse­re Abrech­nung mit dem kana­ri­schen Eiland:

    https://www.tripweazel.de/fuerteventura-highlights/

    Viel Erfolg wei­ter­hin!

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