Nachhaltiger reisen in Thailand: Vom Süden bis Bangkok

Kontinente und Länder › Asien › Thailand › Nachhaltiger reisen in Thailand
Türkisgrünes Wasser vor bewaldeten Kalksteinbergen am Cheow-Lan-See in Thailand

Es dämmert noch als wir im Ruderboot durch den Mangrovenwald von Thung Yee Peng auf Ko Lanta fahren. Über uns hängen schwere Wolken, im Wasser spiegeln sich die Wurzeln der Mangroven. Ein Eisvogel fliegt knapp über die Oberfläche, weiter vorn sitzt ein Affe in den Bäumen. Dann kommt der Regen.

Zunächst sind es einzelne Tropfen, kurz darauf prasselt der Monsunregen auf die kleinen Boote. Wir ziehen Ponchos über und warten in Ufernähe. Unsere Gastgeber reichen heißen Kaffee und Klebreis in Bananenblättern. Das geplante Sonnenaufgangsfrühstück wird zu einer nassen Pause im Mangrovenwald.

Zwischen Reiselust und Verantwortung

Thailand erfüllt fast jeden Urlaubswunsch. Backpacker finden Abenteuer und Vollmondpartys, Foodies eine Weltklasseküche, Familien kinder­freund­liche Strände und Kulturliebhaber präch­tige Tempel. Dazu kommen Yoga-Retreats, Trekkingtouren, Inselhopping und luxuriöse Resorts für den persön­li­chen White-Lotus-Moment. 

Auch mich begleitet Thailand schon lange. Vom ersten Backpacking-Abenteuer mit kleinem Budget über Familienreisen bis zu stilvollen Boutiquehotels in Bangkok: In jeder Lebensphase fand ich hier eine andere Art zu reisen. Doch der Tourismus stellt das Land vor große Herausforderungen. Thailand lebt wirtschaft­lich stark von seinen Gästen, gleich­zeitig belasten steigende Besucherzahlen Natur, Meere, Regenwälder und lokale Gemeinschaften. Gerade an viel besuchten Orten werden Ressourcen knapp, Müll wird zum Problem und tradi­tio­nelle Lebensweisen geraten unter Druck. Umso wichtiger sind Konzepte, die Reisen nicht nur komfor­tabel, sondern auch verant­wor­tungs­voller machen.

Auf dieser Reise geht es in den Süden und nach Bangkok. Zu Orten, die zeigen, dass sich Genuss, Komfort und Verantwortung nicht ausschließen müssen. Und dass nachhal­tiges Reisen dann am spannendsten wird, wenn es ohne erhobenen Zeigefinger auskommt und statt­dessen mit gutem Essen, eindrück­li­chen Begegnungen und viel Natur überzeugt.

Ko Lanta: Regenwald, Riffe und ein Resort im Grünen

Vom Flughafen Krabi setzen wir mit der Autofähre nach Ko Lanta über. Die Insel an der Andamanensee steht für langsa­meres Reisen: lange Strände, kleine Fischerdörfer, Palmen und viel Grün. Große Bettenburgen oder eine Partyszene sucht man hier vergeb­lich. Stattdessen gibt es Ruhe.

Im Mu-Ko-Lanta-Nationalpark wird deutlich, was es zu bewahren gilt. Das Schutzgebiet umfasst nicht nur Teile der Hauptinsel, sondern auch zahlreiche kleinere, teils unbewohnte Inseln. Besucher finden hier dichten Regenwald, felsige Küsten, bunte Korallenriffe und einsame Buchten. Der Park wurde 1990 gegründet, um die Artenvielfalt Südthailands zu schützen.

Auf einer kurzen Wanderung dürfen wir selbst aktiv werden und Samenbomben mit einer Schleuder in den Wald schießen. Die kleinen Kugeln enthalten Samen und Nährstoffe, aus denen im besten Fall neue Pflanzen wachsen. Es ist nur eine kleine Geste, Renaturierung braucht Zeit und viele weitere Schritte.

Dass Naturschutz hier weit über das Pflanzen von Bäumen hinaus­geht, zeigt auch das vielfach prämierte Projekt „A Hero’s Tale“. Weil an vielen Stränden leere Schneckenhäuser knapp werden, nutzen Einsiedlerkrebse Verschlüsse, Dosenreste oder andere Abfälle als Behausung. Einheimische, Ranger und Reisende sammeln deshalb leere Gehäuse, damit die Krebse wieder ein natür­li­ches Zuhause finden. Im Besucherzentrum des Parks infor­mieren Guides und Ranger über die Projekte.

Felsige Küste mit Pandanusbaum im Mu-Ko-Lanta-Nationalpark
Blick durch tropische Pflanzen auf das Meer im Mu-Ko-Lanta-Nationalpark
Eine Hand spannt eine Schleuder zum Ausbringen von Samenbomben im Wald auf Ko Lanta
Eine Rangerin mit einem Korb im Besucherbereich des Mu-Ko-Lanta-Nationalparks
Breiter Sandstrand unter Wolken auf Ko Lanta
Einsiedlerkrebs mit Schneckenhaus auf sandigem Boden

Nachmittags errei­chen wir das luxuriöse Pimalai Resort & Spa im Südwesten der Insel. Nach Flug, Fähre und Programm eine schöne Belohnung. Die Anlage zieht sich vom Regenwaldhang hinunter bis zum Strand und fügt sich in die üppige Landschaft ein. Das Zimmer bietet eine freiste­hende Badewanne und einen Balkon, zur Begrüßung steht eine gekühlte Kokosnuss bereit. Das Pimalai wurde so angelegt, dass möglichst viel vom ursprüng­li­chen Baumbestand und den Wasserläufen erhalten bleibt. Wasser wird aufbe­reitet, Korallenriffe werden überwacht, lokale Gemeinden bei Ausbildung und Beschäftigung einge­bunden. Natürlich bleibt ein Fünf-Sterne-Resort ein Fünf-Sterne-Resort. Aber es ist ein gutes Gefühl, wenn Komfort nicht zu Lasten der Umwelt geht.

Wasserbecken und tropischer Garten mit Meerblick im Pimalai Resort auf Ko Lanta
Freistehende Badewanne vor einem Fenster im Pimalai Resort

Sonnenaufgang im Mangrovenwald

Frühmorgens fahren wir zur Thung Yee Peng Community, einer musli­mi­schen Fischergemeinde mitten im Mangrovenwald. Die Menschen hier bieten zerti­fi­zierten Ökotourismus an: Kajaktouren, Bootsfahrten, Wanderungen und Homestays. Die Einnahmen bleiben in der Gemeinschaft, und zugleich wird die Natur geschützt, von der viele Familien leben.

Unser Plan klingt super: Sonnenaufgang im Mangrovenwald. Die Realität liefert eine sehr nasse Version davon. Unsere Gastgeber bleiben vollkommen gelassen. Regenzeit eben. 

Kleine Boote am Mangrovenufer von Thung Yee Peng im frühen Morgenlicht
Klebreis in einem geöffneten Bananenblatt beim Frühstück auf dem Boot
Bootsführer mit blauem Regenponcho vor Mangrovenwurzeln in Thung Yee Peng

Krabi: Kreativität aus Meeresmüll

Zurück auf dem Festland geht es nach Krabi Town. Im RuenMai Restaurant, einem Gartenrestaurant unter einem großen Bambusdach, machen wir Mittagspause. Das Restaurant setzt auf saiso­nale Produkte aus kleinen Fischereien und Biohöfen. Gebratener Fisch mit Ingwer und Tamarinde, würziges Cashew-Curry und frische Kräuter zeigen einmal mehr, warum die thailän­di­sche Küche zu den besten der Welt gehört.

Mit Blumengirlanden geschmückte Elefantenfigur im Garten des RuenMai Restaurants

In der Nähe von Ao Nang besuchen wir „Souvenirs by the Sea“. Hinter einer bunt bemalten Fassade verbirgt sich eine Mischung aus Werkstatt, Galerie, Café und Verkaufsraum. Die Gründerin Wiyada Kowsanti arbeitet mit lokalen Kunstschaffenden und verwan­delt ausge­diente Fischernetze sowie andere Abfälle aus dem Meer in Taschen, Accessoires und kleine Kunstwerke. Besucherinnen und Besucher können selbst mit Nadel, Garn und Heißklebepistole arbeiten oder fertige Stücke kaufen. Das Projekt macht aus Abfall etwas Schönes und lenkt gleich­zeitig den Blick auf ein Problem, das an vielen Küsten Südostasiens sichtbar ist. 

Taschen und Kunsthandwerk aus wiederverwendeten Materialien bei Souvenirs by the Sea
Buntes Material und selbst gestaltete Stücke auf einem Werkstatttisch bei Souvenirs by the Sea

Krabi entwi­ckelt sich zuneh­mend zu einer Destination für Öko-Wellness und Öko-Luxus. Im Varana Hotel Krabi wird Nachhaltigkeit mit Sport und Erholung verbunden. Plastik wird reduziert, Materialien werden wieder­ver­wendet und die Küche arbeitet nach Zero-Waste-Prinzipien. Auf dem Gelände wachsen heimi­sche Nutz- und Zierpflanzen, sogar Honig von stachel­losen Bienen wird hier gewonnen.

Nach einem aktiven Tag tut die Hydrotherapie im hotel­ei­genen Spa gut. Kräuterdampf, warme Bäder, Schlammpackungen und ein Floating-Becken lassen den Reisestress schnell vergessen. Danach geht es mit einem Songthaew hinauf zum Khaothong Hill. Der Blick über die Phang-Nga-Bucht wäre spekta­kulär, doch es regnet erneut. Spät am Abend lässt der Regen endlich nach und so kann ich den Tag mit einem kalten Singha-Bier am Strand ausklingen lassen.

Blick über die Phang-Nga-Bucht mit kleinen Felseninseln unter grauem Himmel

Zu Gast in Ban Nai Nang

Die Ban Nai Nang Tourism Community liegt zwischen Mangrovenwald und Kalksteinfelsen. Die musli­mi­sche Gemeinde öffnet sich seit einigen Jahren für Gäste und zeigt dabei ihren Alltag, ihre Küche und die Landwirtschaft der Region.

Mit einigen Frauen aus dem Dorf bereiten wir eine Süßspeise zu, die in frischen Bananenblättern gedämpft wird. Dazu mixen wir Mocktails aus Passionsfrucht, Wassermelone und Mango. Die Zutaten kommen direkt aus der Umgebung. Es wird viel gelacht, weil nicht jeder Handgriff sofort gelingt.

Anschließend fahren wir im Longtailboot durch die Khao-Karos-Bucht. Die Felsen ragen steil aus dem Wasser, an ihren Rändern wachsen Mangroven und dichter Wald. Zu Mittag essen wir gemeinsam mit den Gastgebern hausge­machte Gerichte. Und schon geht die Reise weiter.

Tropischer Garten mit Palmen und kleinen Gebäuden in Ban Nai Nang
Hände falten Bananenblätter bei der Zubereitung einer Süßspeise in Ban Nai Nang
Bunte Kajaks unter einem offenen Dach in Ban Nai Nang
Bug eines Longtailboots vor bewaldeten Kalksteinfelsen in der Khao-Karos-Bucht

Begegnung mit Elefanten

Auf dem Weg Richtung Khao Sok halten wir am Elephant Conservation Center. Der Elefant ist in Thailand ein wichtiges natio­nales Symbol. Die Dickhäuter gehören zugleich zu den Tieren, deren Geschichte mit Tourismus, Arbeit und Ausbeutung eng verbunden ist. Viele Tiere wurden jahrzehn­te­lang für die Forstwirtschaft oder für touris­ti­sche Angebote einge­setzt. Heute brauchen sie Schutz, Pflege und vor allem Platz.

Im Conservation Center leben Elefanten, deren frühere Besitzer sich ihren Unterhalt nicht mehr leisten konnten. Ein ausge­wach­senes Tier benötigt täglich enorme Mengen an Wasser und Futter. Daher sind solche Einrichtungen auf Einnahmen angewiesen. Entscheidend ist, wie Begegnungen gestaltet werden: keine Shows, kein Reiten, keine Kunststücke. Stattdessen kleine Gruppen, Informationen und die Möglichkeit, die Tiere mit Abstand zu beobachten.

Wir lernen die Elefantendamen Boon Klong und Boon Song kennen. Sie bekommen Bananen, Zuckerrohr und Energiebällchen, die wir selbst formen. Danach begleiten wir sie ein Stück durch den Wald. Die Tiere sind ruhig und erstaun­lich vorsichtig. Ihre Präsenz lässt alles andere für einen Moment lang unwichtig werden.
Man möchte sie strei­cheln, umarmen und am liebsten sofort mitnehmen. Natürlich wäre das eine denkbar schlechte Idee. Also verfüt­tere ich lieber noch eine Banane und hoffe, dass verant­wor­tungs­voller Tourismus tatsäch­lich helfen kann, solchen Orten langfristig eine Zukunft zu geben.

Elefant streckt seinen Rüssel über ein Holzgeländer im Conservation Center
Ein Elefant nimmt mit dem Rüssel Futter aus einer ausgestreckten Hand
Zwei Elefanten auf einer grünen Lichtung vor dem Wald

Im Dschungel von Khao Sok

Die Anurak Community Lodge am Rand des Khao-Sok-Nationalparks wird für zwei Nächte unser Zuhause. Wo früher Ölpalmen standen, wird nun Schritt für Schritt renatu­riert. Die Lodge setzt auf Bambus, recycelte Materialien, biolo­gi­sche Reinigungsmittel und Kompostierung. Die Bungalows liegen zwischen dichtem Grün, die Geräuschkulisse besteht aus Vogelrufen, Rascheln und einem unermüd­li­chen Chor aus Fröschen.

Von der Terrasse des Restaurants blicke ich in den Regenwald. Nach einem Schauer steigt Dampf aus den Baumkronen auf. Es sieht aus, als würde der Dschungel atmen. Zum Abendessen wird in Bambusrohren über offenem Feuer gekocht. Tom Yam, grünes Curry und duftender Reis in Bananenblättern schme­cken im Dschungel noch besser.

Bewaldete Kalksteinberge hinter dem Garten der Anurak Community Lodge
Beleuchteter Bungalow zwischen tropischen Pflanzen in der Anurak Community Lodge
Thailändische Gerichte auf einem gedeckten Tisch in der Anurak Community Lodge

Am nächsten Morgen geht es zum Cheow-Lan-See. Nach einer halben Stunde Fahrt errei­chen wir den Ratchaprapha-Pier und endlich reißt der Himmel auf. Der See liegt smaragd­grün zwischen steil aufra­genden Kalksteinfelsen. Bewaldete Inseln und kleine Buchten ziehen vorbei, während unser Longtailboot über das Wasser gleitet.

Wir steuern die berühmten „Drei Brüder“ an, eine Formation aus drei Felsen, die sich dicht neben­ein­ander aus dem Wasser erhebt. Später gehen wir an Land und wandern zur Prakay-Phet-Höhle. Knorrige Baumstämme stehen versprengt in der Landschaft. In der Höhle hängen Fledermäuse von der Decke, der Weg wird enger und rutschiger. Warnschilder empfehlen Schutzkleidung und raten, den Mund geschlossen zu halten. Ich trage Birkenstocks und Shorts und hoffe aufs Beste.

Nach dem Mittagessen in einem schwim­menden Restaurant breche ich allein zu einer Kanutour auf. Langsam paddle ich an kleinen Inseln vorbei, beobachte das Ufer und höre endlich einmal keinen Motor. Diese Ruhe, das Wasser, ein Traum.

Blick vom Ufer über den Cheow-Lan-See und seine bewaldeten Hügel
Proviantdose mit Snacks für den Ausflug zum Cheow-Lan-See
Türkisgrünes Wasser und bewaldete Kalksteinberge am Cheow-Lan-See
Drei steile Kalksteinfelsen ragen aus dem Cheow-Lan-See
Trockene Baumstämme am Ufer zwischen steilen Bergen am Cheow-Lan-See

Wasserfall, Gibbons und Miang Kham

Für den Nachmittag steht eine kurze Wanderung zum Bang Hua Raet Wasserfall auf dem Plan. In den Baumwipfeln tummeln sich freche Gibbons ein paar Wasserwarane kreuzen unseren Weg.

In der Lodge werden wir am Abend mit einem südthai­län­di­schen Festmahl empfangen. Besonders lecker ist Miang Kham, ein Fingerfood, das als Snack oder Vorspeise gereicht wird. Wilde Pfefferblätter werden mit Ingwer, Limette, Chili, Erdnüssen, getrock­neten Garnelen und gerös­teten Kokosraspeln gefüllt und zu kleinen Wraps gerollt. Dazu gibt es eine süß-würzige Sauce aus Palmzucker und Fischsauce.

Wasser strömt zwischen Felsen am Bang-Hua-Raet-Wasserfall
Schalen mit Miang-Kham-Zutaten und weiteren südthailändischen Speisen

Khanom: Rosa Delfine und stille Strände

Nach zwei Nächten im Dschungel geht es 165 Kilometer quer durchs Land an die Ostküste. Ziel ist Khanom, ein kleiner Landkreis am Golf von Thailand. Internationale Gäste kennen die Region bisher kaum, viele reisen nur auf dem Weg zu den Fähren nach Ko Samui oder Ko Phangan durch. Dabei bietet Khanom feine Strände, einsame Buchten, Fischerdörfer und spekta­ku­läre Küstenlandschaften.

Blick von einer überdachten Terrasse auf die grüne Berglandschaft bei Khanom
Zwei große bemalte Vogelfiguren unter einem Dach bei Khanom
Bunte Fischerboote am Ufer in Khanom

Zum Mittagessen probieren wir uns im Khanom Sea Food Restaurant durch die Spezialitäten der Region. Frischer Fisch und Meeresfrüchte kommen mit Blick aufs Wasser auf den Tisch. Die Qualität ist überra­gend, die Aromen ungewohnt. Touristenessen sucht man hier vergeb­lich. Zum Nachtisch darf Durian nicht fehlen. Wir probieren sie auf dem kleinen Markt der Stadt. Die berühmt-berüch­tigte Frucht polari­siert. Ihr Geruch ist gewöh­nungs­be­dürftig, ihr Fruchtfleisch cremig, der Geschmack überra­schend fein. 

Fischgerichte, Gemüse und weitere Speisen auf einem Holztisch in Khanom
Geöffnete Durianfrüchte mit gelbem Fruchtfleisch auf einem Holztisch

Übernachtet wird im Khanom Beach Resort & Spa, einem kleinen Boutiquehotel direkt am Strand. Meine Poolvilla ist wunder­schön, trotzdem zieht es mich vor allem ans Meer. Der Golf von Thailand ist an diesem Nachmittag der größere und schönere Pool.

Sonnenuntergang über dem Meer am Strand von Khanom

Am Nachmittag machen wir einen kurzen Abstecher zur Küstenstraße zwischen Khanom und Sichon. Die Route führt in Kurven und über Hügel direkt am Meer entlang. Sie ist ein beliebter Fotospot: Menschen posieren, tanzen oder liegen für Bilder auf dem Asphalt, während am Straßenrand Fotografen auf Kundschaft warten. Unser Guide ruft bei jedem heran­na­henden Auto sofort „Car“. Nach dem Shooting gibt es noch ein Kokoseis am Straßenrand.

Kurvige Küstenstraße zwischen Palmen und dichtem Grün bei Khanom
Eine Person posiert auf der von Palmen gesäumten Küstenstraße bei Khanom

Frühmorgens starten wir vom Ban Khao Ok Community Pier zur Delfinsuche. An der Küste von Khanom leben rosa Delfine, auch Indopazifische Buckeldelfine genannt. Sie sind scheu und zeigen sich beson­ders in den frühen Morgenstunden. Zunächst ist lange nichts zu sehen. Dann springt in der Ferne ein Tier aus dem Wasser, wenig später tauchen mehrere Delfine auf.

Ihr Rosa ist nur zart ausge­prägt, gerade jüngere Tiere wirken eher grau. Trotzdem ist die Begegnung bezau­bernd. Weiter geht es zu den Pancake Rocks, deren überein­an­der­lie­gende Gesteinsschichten tatsäch­lich an einen Stapel Pfannkuchen erinnern. Auf der kleinen Insel Ko Nui begegnen wir dann noch einer Gruppe Wildschweine. Sie sind fast ebenso fotogen wie die Delfine und deutlich leichter zu entde­cken.

Der Abend endet mit einer Sundowner-Cruise auf einem tradi­tio­nellen Holzboot. Entlang des Sichon-Flusses ziehen Fischerdörfer, Palmen und Mangroven vorbei. In der Hand eine frische Kokosnuss, vor uns das langsam dunkler werdende Meer.

Zwei rosa Delfinskulpturen vor dem Meer in Khanom
Bootsfahrt zwischen bewaldeten Küstenhügeln bei Khanom
Geschichtete Felsformation der Pancake Rocks an der Küste von Khanom
Wildschweine im flachen Wasser vor der bewaldeten Insel Ko Nui
Abendlicht über dem ruhigen Sichon-Fluss mit Palmen am Ufer

Handwerk und Alltag in Ban Khiri Wong

Der Wecker klingelt beson­ders früh, denn heute steht viel auf dem Programm, bevor es am Abend mit dem Flieger nach Bangkok geht. Der Tag führt uns in die Provinz Nakhon Si Thammarat. Wir fahren in das Bergdorf Ban Khiri Wong. Die Menschen hier leben fernab von Trubel, umgeben von tropi­schen Wäldern. Die Luft ist beson­ders klar, das Leben entschleu­nigt.

Wir sehen zu, wie Stoffe mit Naturfarben aus Mangostan und Rambutan gefärbt werden. Wir rühren Körperpeelings aus Fruchtschalen an und knüpfen kleine Schlüsselanhänger. Mittags gibt es Hausmannskost in einem der Homestays des Dorfes. Reisende können sich hier für mehrere Tage oder Wochen einbu­chen, das tradi­tio­nelle Leben kennen­lernen oder einfach zur Ruhe kommen.

Der Wang-Mai-Pang-Wasserfall ist beson­ders bei Kindern beliebt. Sie füttern die Fische und fangen sie mit den Händen, um sie dann wieder freizu­lassen. Am kleinen Kiosk kann man Fischfutter kaufen und es selbst versu­chen.

Sehenswert ist auch der tradi­tio­nelle Garten einer Familie, die direkt beim Wasserfall lebt. Im Schatten großer tropi­scher Bäume wachsen verschie­dene Obst- und Gemüsepflanzen. Es ist das Gegenteil von Monokultur und Plantagenlandwirtschaft. An der Straße werden die Erzeugnisse in Bündeln verkauft. Besonders beliebt sind die langen Schlangenbohnen und die süßsauren Mangostan.

Leider ist die Zeit in diesem Naturidyll zu Ende und es geht weiter Richtung Flughafen. Spontan legen wir noch einen Stopp bei einem der ältesten Tempel Thailands ein, dem Wat Phra Mahathat in Nakhon Si Thammarat. Der könig­liche Tempel wurde 2026 ins UNESCO-Welterbe aufge­nommen.

Dorfhäuser und Bananenpflanzen vor grünen Bergen in Ban Khiri Wong
Eine Frau arbeitet an einem Stoffstück in einer Werkstatt in Ban Khiri Wong
Lange grüne Bohnen in Körben an einem Verkaufsstand
Tempelbauten und goldene Spitze des Wat Phra Mahathat in Nakhon Si Thammarat

Bangkok am Chao Phraya

Gefühlt nur ein Katzensprung, und wir landen am Don Mueang Airport in Bangkok. Für zwei Nächte sind wir im Capella Bangkok unter­ge­bracht, einem atembe­rau­benden Boutiquehotel direkt am Chao Phraya.

Das Capella wurde 2024 von The World’s 50 Best Hotels zum besten Hotel der Welt gewählt. Darauf stoßen wir erst einmal mit einem Glas Champagner im gedie­genen Living Room an, wo auch der Check-in statt­findet. Beim Betreten meines Zimmers kann ich mein Glück kaum fassen: Ein riesiger, geschmack­voll einge­rich­teter Raum mit allen erdenk­li­chen Annehmlichkeiten wartet auf mich, dazu eine gut gefüllte kosten­freie Minibar und eine frische Kokosnuss.

Das eigent­liche Highlight ist der Blick auf den Chao Phraya. Ob vom Balkon, aus der freiste­henden Badewanne oder vom großen, bequemen Bett: Stundenlang möchte ich das bunte Treiben auf dem Fluss betrachten. Doch das Bett ist zu bequem und der Tag zu lang gewesen. Schnell falle ich in einen erhol­samen Schlaf.

Bangkok darf bei keiner Reise nach Thailand fehlen. Die thailän­di­sche Hauptstadt ist eine der quirligsten Metropolen der Welt, voller Eindrücke und voller Menschen: die Gerüche, die Wolkenkratzer, die Garküchen. 

Beleuchtete Hochhäuser am Chao Phraya in Bangkok bei Nacht
Kleine Süßigkeiten und Getränke auf einem Tisch im Capella Bangkok

Talat Phlu und die alten Khlongs

Eigentlich mache ich mir nicht viel aus Frühstück, doch dieses sollte man sich nicht entgehen lassen. Ich lasse mir ein Omelett mit Lachs schme­cken, dazu frische Früchte und eine kalte Kokosnuss. Für die wunder­schönen Pastries bleibt leider keine Zeit, denn wir werden schon in der Lobby erwartet. Ein aufre­gender Tag in Bangkok steht uns bevor.

Heute führt uns Michael von BangkokVanguards durch das schein­bare Chaos der Stadt. Michael, Sohn einer Thailänderin und eines Deutschen, lebt seit vielen Jahren hier. Seine Touren widmen sich kreativen Stadtprojekten, grünen Oasen, histo­ri­schen Wasserwegen und dem ursprüng­li­chen Bangkok abseits der klassi­schen Sehenswürdigkeiten. Unsere Tour beginnt auf der anderen Seite des Chao Phraya, im Stadtteil Thonburi, der früheren Hauptstadt.

Das Viertel Talat Phlu am Westufer ist noch stark von einem Netz kleiner Wasserwege, den Khlongs, geprägt. Zuerst besuchen wir den Wat Klang Market, einen farben­frohen Nachbarschaftsmarkt, und besorgen ein paar Snacks für den Vormittag. Würzige Gerüche aus Garküchen und Musik liegen in der Luft. An uns vorbei schlän­geln sich Mopeds und Händler mit Anhängern. Es ist ein wildes Wimmelbild.

Enge Gassen und alte Häuser bestimmen das Bild. So hat es in Bangkok früher vieler­orts ausge­sehen. Schwer vorstellbar, wenn man an den Hochglanzfronten der neuesten Shoppingmalls am anderen Ufer vorbei­schlen­dert. Mitten durch das Viertel führt eine alte Bahnlinie. Noch steht dort der kleine histo­ri­sche Bahnhof Talat Phlu. Im Zuge der Modernisierung der Stadt soll dieser bald weichen, auch die gesamte Nachbarschaft wird neu geplant. Viele Bewohner wehren sich gegen die Pläne, die sie als Gentrifizierung wahrnehmen. So ist eine Protestbewegung entstanden, die das alte Bangkok bewahren möchte.

Wir schlen­dern weiter zum Pier und treffen dort auf den gut gelaunten Sun, den  ersten Bootsführer Bangkoks, der auf Solartechnik umgestiegen ist. Mit großer Begeisterung erzählt er uns von seinem wachsenden Geschäft. Mit seinem elektri­schen Longtailboot gleiten wir geräuschlos durch die histo­ri­schen Khlongs, vorbei an Stelzenhäusern, Restaurants und dem großen goldenen Buddha. Um uns herum knattern die Boote mit Verbrennungsmotoren. Der direkte Vergleich fällt eindeutig zugunsten der Solartechnik aus.

Am Künstlerhaus Baan Silapin legen wir einen Stopp ein, um ein wenig zu stöbern. Im pitto­resken Holzhaus werden Arbeiten von lokalen Künstlern und Handwerkern ausge­stellt. Die Atmosphäre ist entspannt und kreativ. Mit ein paar getöp­ferten Tassen und Zeichnungen im Jutebeutel geht die Fahrt weiter.

Sun legt noch kurz bei Auntie Panee Sweet Sticky Rice an und besorgt für uns Mango Sticky Rice in einer tradi­tio­nellen Tiffinbox. Seiner Meinung nach ist es der beste Sticky Rice in Bangkok. Wir genießen ihn nach dem Lunch im Poomjai Garden.

Omelett mit Lachs und Obst beim Frühstück im Capella Bangkok
Marktstände mit Lebensmitteln in einer engen Gasse in Thonburi
Eine getigerte Katze sitzt zwischen Waren an einem Marktstand
Bahnhofsschild Talat Phlu über den Gleisen in Bangkok
Große goldene Buddhafigur über den Häusern am Khlong in Thonburi
Holzterrasse mit Sitzplätzen am Kanal beim Künstlerhaus Baan Silapin
Ein Mann steht mit einer Tiffinbox am Kanal in Bangkok
Mango Sticky Rice in blauen Schalen mit Kokossauce

Grüne Pausen in der Großstadt

Der Poomjai Garden entstand mitten in der Großstadt auf einer ehema­ligen Litschiplantage. Als die Plantage aufge­geben wurde, entschied die Gemeinschaft, das rund einen Hektar große Gelände als grüne Lunge für die Nachbarschaft und als leben­diges Museum tradi­tio­neller Lebensweisen in Zeiten der Urbanisierung zu erhalten. Das Essen schmeckt hervor­ra­gend, und der Sticky Rice von Auntie Panee ist tatsäch­lich legendär.

Im Poomjai Garden kann man fast vergessen, dass man sich in einer Millionenmetropole befindet. Nur wenige Meter weiter stehen wir wieder im zähen Stadtverkehr und fahren zu unserem nächsten Ziel, dem Dib Bangkok. Das neue Kunstmuseum eröff­nete im Dezember 2025 in einem umgebauten Lagerhaus aus den 1980er Jahren. Heute werden hier zeitge­nös­si­sche Werke natio­naler und inter­na­tio­naler Künstler gezeigt. Besonders angetan hat es mir die Installation „Straight Up“ von James Turrell, die speziell für diesen Ort reali­siert wurde. Insgesamt ist das Dib ein Erlebnis für alle Sinne und ein deutli­cher Beweis für die Bedeutung Bangkoks als kreatives Zentrum Südostasiens.

Holzgebäude zwischen dichtem Grün im Poomjai Garden in Bangkok
Thailändische Gerichte in Schalen beim Mittagessen im Poomjai Garden
Farbige Kunstinstallation an einer Außenwand des Dib Bangkok

Wie Stadtgrün in einem Einkaufszentrum aussehen kann, erleben wir anschlie­ßend auf dem Dach der neuen Dusit Central Park Mall. Zwischen modernen Hochhäusern ist eine weitläu­fige Stadtoase entstanden. Über mehrere Stockwerke zieht sich eine Parkanlage, die sich an thailän­di­schen Landschaften orien­tiert. Wasserläufe und naturnah angelegte Wege sollen Besucherinnen und Besucher dazu einladen, Natur unmit­telbar zu erleben. Der Blick auf den benach­barten Lumphini Park und Bangkoks Skyline rundet das Erlebnis ab. Es ist spürbar einige Grad kühler. Der öffent­lich zugäng­liche Park ist eine willkom­mene Atempause.

Ganz schön viel Input. Der Abend klingt deshalb gemäch­lich bei einem letzten gemein­samen Dinner in Tha Tien aus, einem der ältesten Stadtviertel Bangkoks. Von der Dachterrasse des Restaurants Chom Arun haben wir einen perfekten Blick auf den Wat Arun, den Tempel der Morgenröte. Auch beim Sonnenuntergang ist er wunder­schön anzusehen, wenn er mit dem Chao Phraya um die Wette funkelt.

Bangkoks Skyline hinter einer weiten grünen Parkfläche
Beleuchteter Wat Arun am Chao Phraya in der Abenddämmerung

Stella und ein Abend am Fluss

Auf ein weiteres Highlight freue ich mich beson­ders. Ich liebe schöne Hotelbars, daher ist ein Besuch des Stella, der Bar des Capella, für mich Pflicht. Sie liegt im Erdgeschoss des Hotels. Ein weißer Pfau thront über den eleganten ledernen Sitzgruppen mit Blick auf den Chao Phraya. Mein Begleiter und ich sitzen lieber an der Bar.
Aus inter­na­tio­nalen Klassikern entstehen hier eigene Cocktails mit thailän­di­schem Akzent. Jedes Glas ist sorgfältig kompo­niert. Die Bar ist auch für Gäste geöffnet, die nicht im Hotel übernachten. Eine gute Möglichkeit, den Luxus und Service des Capella kennen­zu­lernen, ohne gleich ein Vermögen für die Übernachtung auszu­geben. Für beson­dere Drinks ist das Stella eine ausge­zeich­nete Adresse.

Barbereich mit glänzenden Oberflächen und Sitzplätzen im Stella des Capella Bangkok
Weißer Pfau als Dekoration über den Sitzgruppen der Stella Bar

Der letzte Tag in Bangkok bricht an, und langsam heißt es Abschied nehmen. Damit der nicht ganz so schwer­fällt, hat das Capella noch ein kleines Programm für uns zusam­men­ge­stellt. Gemeinsam besuchen wir den Bootstempel Wat Yannawa, der die Form einer tradi­tio­nellen chine­si­schen Dschunke hat und an den Handel zwischen Siam und China erinnern soll. Hier treffen wir den Mönch Phra Ajan Prasert, der mit uns eine kurze Meditation durch­führt und sich unseren Fragen stellt. Ein inniger Moment der Andacht.

Zurück im Hotel bekommen wir eine Führung durch den hausei­genen Gemüsegarten. Das Luxushotel legt großen Wert auf Nachhaltigkeit, etwa durch die Reduzierung von Einwegplastik, Wasser- und Energieeinsparung sowie Recyclingmaßnahmen. Gastronomisch verfolgt es einen Farm-to-Table-Ansatz mit lokalen und saiso­nalen Zutaten, die zu einem großen Teil aus dem eigenen Biogarten stammen. Das ganzheit­liche Konzept zeigt sich auch in der Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften, Lieferanten und Kunsthandwerkern sowie im Bemühen, thailän­di­sches Kulturerbe zu bewahren

Zum Lunch tischt das Hotel noch einmal groß auf. Ein letztes Festmahl, bevor es Richtung Flughafen geht.

Direkt am Fluss gelegen, besitzt das Capella natür­lich einen eigenen Bootssteg. Mit dem Shuttleboot fahren wir zur legen­dären IconSiam Mall, um die letzten Baht auszu­geben und all den Luxus zu bestaunen.

Dank eines großzü­gigen späten Check-outs genieße ich anschlie­ßend noch ein Bad im Swimmingpool und ein Glas Champagner im Living Room, bevor es Zeit wird, zum Flughafen aufzu­bre­chen. Der Abschied fällt schwer. Dieser Ort ist wirklich beson­ders.

Buddhistische Mönche in orangefarbenen Roben vor einem Tempelgebäude
Swimmingpool mit Sonnenschirmen im Capella Bangkok
Eine Frau zwischen Gemüsebeeten und tropischen Pflanzen im Garten des Capella Bangkok

Abschied aus Thailand

Der Rückflug startet mit Verspätung, und die Stunden am Flughafen ziehen sich, bis wir schließ­lich um zwei Uhr morgens abheben. Hinter mir liegen Tage voller Erlebnisse, beson­derer Orte und kulina­ri­scher Entdeckungen.

Ich fühle mich geehrt, diese Art des Reisens erleben und Menschen begegnen zu dürfen, die mit Leidenschaft an einem nachhal­ti­geren Tourismus arbeiten. Sie teilen die Schönheit und den Reichtum ihrer Heimat mit Gästen und wollen beides zugleich bewahren.

Thailand hat abseits der gewohnten Routen noch viele authen­ti­sche und faszi­nie­rende Orte zu bieten. Die Branche tritt selbst­be­wusst für einen respekt­vollen und nachhal­tigen Tourismus ein und fordert diesen Respekt auch von ihren Gästen.

Ich bin aufs Neue verzau­bert von der Schönheit des Landes, der Gastfreundschaft und der Fülle seiner Kultur. Bis zum nächsten Mal.

Bunt verzierte Wächterfigur im Terminal des Flughafens in Bangkok

Vielen Dank an Amazing Thailand für die Einladung!


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert