1. Kapi­tel

Von der Piratenparty in die Karibik

Vor mei­nen Augen flim­mert es. Bei 35 Grad Cel­sius und 80 Pro­zent Luft­feuch­tig­keit fällt das Atmen schwer.

Hin­ter mir eine Holz­hütte, selbst gezim­mert. Strom­an­schluss gibt es kei­nen. Was­ser muss täg­lich von einem Was­ser­hahn geholt wer­den. Müll­ab­fuhr – Fehl­an­zeige. Der Abfall ist orga­nisch. Bana­nen­blät­ter wer­den als Ein­weg­ge­schirr ver­wen­det und nach Gebrauch hin­ter die Hütte auf den Kom­post gewor­fen. Auf sel­tene Essens­ab­fälle stür­zen sich die all­ge­gen­wär­ti­gen Hunde und Hüh­ner. Flie­gen brum­seln im Zeit­lu­pen­tempo und lan­den auf mei­ner ver­schwitz­ten Haut. Ich liege auf einer aus­ge­frans­ten Schau­stoff­ma­tratze. Bill und Angela betrach­ten mich sor­gen­voll. Die bei­den haben mich in ihrer arm­se­li­gen Behau­sung auf­ge­nom­men und flö­ßen mir bit­te­ren Tee ein. Natur­me­di­zin, sagen sie. Tasse gibt es keine, ich trinke aus einer ram­po­nier­ten Kondensmilchdose.

Ich bin unfä­hig, zu ste­hen oder zu sit­zen, geschweige denn, mich fort­zu­be­we­gen. Meine Gast­ge­ber erschei­nen mir dafür so leicht­fü­ßig wie die mage­ren Hunde, die über­all her­um­wu­seln und schnüf­felnd nach Ess­ba­rem suchen. Bill und Angela sind bar­fuß – drin­nen wie drau­ßen. Ihre „rei­chen“ Nach­barn tra­gen Flip­flops. Die „Armen“ haben eine zen­ti­me­ter­di­cke Horn­haut. In Bills und Ange­las Dorf gibt es keine befes­tig­ten Stra­ßen. Alle Wege füh­ren über Sand, Steine, Wur­zeln; nur manch­mal über raue Holz­plan­ken, um nicht voll­stän­dig im Matsch zu ver­sin­ken. Nachts wird der Him­mel ein­zig durch Sterne und Mond erleuch­tet. Stra­ßen­la­ter­nen sind unbe­kannt. Dafür brennt fast immer irgendwo ein Feuer.

Vor vier Tagen bin ich noch knie­tief im Münch­ner Schnee ver­sun­ken. Nach Duha­ney Pen, an die Süd­ost­küste Jamai­kas, bin ich kata­pul­tiert wor­den. Ich kann selbst kaum glau­ben, wie schnell alles ging: Wir schrei­ben das Jahr 1986. Im jamai­ka­ni­schen Süd­os­ten gibt es weder Tou­ris­ten noch Ärzte. Ich fühle mich krank. Sehr krank. Und allein. Torkle fieb­rig herum. Ver­zwei­felt frage ich mich, ob ich gerade mit­ten im größ­ten Feh­ler mei­nes Lebens ste­cke. Hier ster­ben­sel­end her­um­zu­hän­gen ist nicht nur eine uner­träg­li­che Qual, ich ris­kiere womög­lich auch das Leben mei­nes sie­ben Monate alten Soh­nes. Wo ist er über­haupt? Ich habe ihn seit Stun­den nicht gese­hen. Und ver­flu­che das Faschings­fest, wo alles begann.

Auf einer „Herr der sie­ben Meere“-Party habe ich einen Pira­ten ken­nen­ge­lernt. Mit oliv­far­be­ner Haut und Ras­ta­lo­cken. Ich war als See­jung­frau ver­klei­det. Wir anker­ten. Der See­räu­ber stellte sich als Ken vor und schwärmte von sei­ner Hei­mat: Vom Meer, den Man­gos und Bob Mar­ley. „No Woman No Cry. In a Government Yard in Trench Town“ singt er – und lädt mich ein, mit­zu­kom­men. Seine Dre­ad­locks wip­pen ver­hei­ßungs­voll. Ich nehme Pei­lung auf wie ein Schmet­ter­ling auf die Lock­stoffe einer Venusfliegenfalle.

Zwei Wochen spä­ter sit­zen wir im Flug­zeug von Mün­chen nach King­s­ton, Jamai­kas Haupt­stadt. Aller­dings nicht neben­ein­an­der, son­dern so weit von­ein­an­der ent­fernt, wie es beim Ein­che­cken mög­lich war. Ich hatte mei­nen sie­ben Monate alten Sohn Gideon mit­ge­bracht. Pirat Ken war not amu­sed. Dabei hatte ich ihm auf dem Faschings­fest klipp und klar gesagt, dass ich eine „Sin­gle Mom“ sei. Er hatte nur „Sin­gle“ ver­stan­den – bei einer See­jung­frau hatte er nicht mit Anhang gerech­net. Gideon schreit wie am Spieß.

Bei unse­rer Ankunft in King­s­ton sieht sich Ken unent­wegt um. Mir ist unbe­hag­lich zumute. Bei der Aus­weis­kon­trolle wird er vom Fleck weg fest genom­men – wegen einer Vater­schafts­klage und Hei­rats­schwin­dels. Ein Tumult wie in einem Krimi. Ken steckt mir einen eilig gekrit­zel­ten Zet­tel zu – mit einem Orts­na­men: „Nur mit einem offi­zi­el­len Air­port Taxi dort hin­fah­ren!“ Die ande­ren Gau­ner, die ihre Dienste anbö­ten, wür­den mich sonst ent­füh­ren, aus­rau­ben, ver­ge­wal­ti­gen und ermor­den. In sei­nem Hei­mat­dorf soll ich zu Bill gehen. Damit der ihm aus der Pat­sche helfe. Wie heißt Bill denn mit Nach­na­men? Ken kann nicht mehr ant­wor­ten. Die Hand­schel­len kli­cken, er wird abge­führt. Mein Herz droht still­zu­ste­hen. Dann pumpt es wie­der, im Stak­kato. Ich höre nur noch seine wüten­den Ver­wün­schun­gen, die all­mäh­lich lei­ser wer­den. Fühle mich so alleine, wie ein Mensch nur sein kann. Mit einem Baby auf dem Arm und einem ver­knit­ter­ten Zet­tel in der Hand, der sich in mei­nem Schweiß auf­zu­lö­sen droht. „Duha­ney Pen“ steht drauf.

2. Kapi­tel

Gestrandet

Ich will nicht nach Duha­ney Pen. Zu einem Bill ohne Nach­na­men. Wahr­schein­lich genauso ein Filou wie Ken. Ich möchte mit dem nächs­ten Flie­ger zurück.

Aber ich habe kein Geld, um mir ein neues Ticket zu kau­fen. Äch­zend hieve ich den Ruck­sack vom Rücken und binde mir mein Baby vom Bauch, um mich hin­zu­set­zen, gleich hier. In Staub und Dreck. Ich beginne, hem­mungs­los zu schluch­zen. Wo soll ich hin? Zur deut­schen Bot­schaft ver­mut­lich. Eine Frau kommt auf mich zu und berührt mich an der Schul­ter. Sie hat Locken­wick­ler im Haar und steckt in einem tür­kis­far­be­nem Män­ner­hemd. Obwohl im Ren­ten­al­ter, ist sie von kat­zen­haf­ter Ele­ganz und Ero­tik. Über ihrer Brust spannt sich der Schrift­zug „One love“. Sie stu­diert mei­nen Zet­tel und nickt. Ich deute ihren kari­bi­schen Sing­sang als gutes Omen und steige in den klapp­ri­gen Wagen, ohne nach ihrer Taxi­li­zenz zu fra­gen. Ein Fehler?

Kin­der­sitz gibt es kei­nen. Die Bei­fah­rer­tür klemmt. Lie­ber Gott, bitte lass sie keine Mör­de­rin sein. Die Locken­wick­ler­frau lächelt mich von der Seite an. Ihre tiefe Stimme klingt nach Kara­mell und Scho­ko­lade: „Gott wird alles rich­ten, Swee­the­art.“ Kann sie Gedan­ken lesen? „Ich heiße Maxine“ stellt sie sich vor. Wir pas­sie­ren ein Durch­ein­an­der aus win­zi­gen Ver­kaufs­stän­den und bau­fäl­li­gen Gebäu­den am Stra­ßen­rand. Well­blech­hüt­ten, vor denen Hunde in der Abend­hitze dösen und bunt geklei­dete Frauen Früchte anbie­ten. Maxine nimmt mich kurz ent­schlos­sen mit – zu sich nach Hause. Ich schre­cke zurück, sehe schon die Schlag­zeile in der Bild-Zei­tung. „Junge Mut­ter im Urlaub spur­los ver­schwun­den.“ Sie ver­kün­det, ohne Wider­spruch zu dul­den: „Mor­gen fahre ich euch nach Duha­ney Pen. Ya man. Jetzt müsst ihr erst mal essen und schlafen.“

Wir lau­fen durch knö­chel­tie­fen Dreck einen dicht besie­del­ten Hügel hoch. Ich folge ihr wie ein bra­ves Haus­tier. Vor den Hüt­ten bren­nen Feuer, Kin­der spie­len bar­fuß Fan­gen. Immer wie­der kom­men magere Hunde und schnüf­feln an mir. Nicht jedoch an Maxine, die die Vier­bei­ner sofort wie läs­tige Insek­ten ver­scheucht. Sie trägt mei­nen Ruck­sack mit ihren mus­ku­lö­sen Armen, ich trage nur mein Baby. Trotz­dem schwitze ich wie in der Sauna und komme kaum hin­ter­her. Ich sehe Män­ner mit zot­te­li­gen Ras­ta­lo­cken und Busch­mes­sern an der Hose. Die jamai­ka­ni­schen Natio­nal­far­ben Gelb, Grün und Schwarz wehen an vie­len impro­vi­sier­ten Fah­nen­mas­ten. Alle begrü­ßen Maxine mit „Wha gwaan?“. Fra­gen schel­misch, wo sie mich auf­ge­ga­belt hätte. Meine Beschüt­ze­rin ant­wor­tet sto­isch: „Not­ten. Mind ya on buss­ness. Ya man!“. Über­setzt etwa: „Geht dich nix an!“ Ich ver­stehe alles. Eng­lisch ist Amts­spra­che auf Jamaika. Auf der gesam­ten Insel wird Patois gespro­chen – eine Mischung aus ein­fa­chem Eng­lisch und Wor­ten aus ande­ren kari­bi­schen Spra­chen. Patois ist mir durch Reg­gae-Musik ver­traut. Ich lerne: Kein jamai­ka­ni­scher Small­talk ohne die Flos­kel „Ya man“. Auch mich direkt fra­gen fei­xende Män­ner, aller­dings immer das Selbe – in Vari­an­ten: „Hast du schon mal mit einem Schwar­zen / Jamai­ka­ner / Afri­ka­ner Sex gehabt?“ Yes, lüge ich nach dem fünf­ten Mal, und unter­strei­che reso­lut mit „Ya man!“ Dann ist Ruhe.

Es riecht nach Mari­huana. „A lickle weed?“ Der Rausch- und Rauch­nach­schub wird stän­dig flüs­ternd ange­bo­ten. Selbst mir, der weiß­häu­ti­gen Unbe­kann­ten mit Säug­ling im Arm. In ihren Bauch­lä­den haben die Händ­ler getrock­ne­tes „Ganja“ in win­zi­gen Papier­tüt­chen. Ziga­ret­ten­pa­pier, Fil­ter­zi­ga­ret­ten und Fil­ter ver­kau­fen sie einzeln.

An jeder Ecke dreht irgend­wer ein Radio laut, um mit­zu­sin­gen. Bob Mar­ley ist auch nach sei­nem Tod all­ge­gen­wär­tig. Ich sehe ihn oft als Graf­fiti. Der Song­ti­tel „Africa unite“ prangt auf den T‑Shirt eines Man­nes, der ges­ti­ku­liert wie ein Boxer in Zeit­lupe. Er rüt­telt mit Dosen einen Rhyth­mus. Eine hohe Frau­en­stimme singt dazu. Die ganze Nach­bar­schaft fällt fei­er­lich mit ein. Schmet­ternd erle­di­gen die Frauen neben­bei die Haus­ar­beit. Sie fül­len Was­ser aus einem wind­schie­fen Hahn in Kanis­ter, kochen oder sei­fen ihre Babys ein.

Meine Gast­ge­be­rin wohnt in einem Wirr­warr aus zusam­men­ge­häm­mer­ten Holz­lat­ten und Auto­wrack­tei­len. Auf dem Weg dort­hin erbit­tet Maxine von Nach­ba­rin­nen Gemüse. Über ein paar schwe­len­den Holz­schei­ten setzt sie vor ihrer Hütte einen Was­ser­kes­sel auf. Ohne Hast schnei­det sie Koch­ba­na­nen, Süß­kar­tof­feln und Kür­bis, ras­pelt das Fleisch einer Kokos­nuss, mör­sert Kar­da­mom und Piment­blät­ter – und wirft alles zusam­men in einen ver­beul­ten Topf. Bald duf­tet es ver­füh­re­risch. Sie gießt uns Tee aus fri­schen Minz­blät­tern auf und schüt­tet meh­rere Löf­fel Zucker in die Kanne. Dann reicht sie mir den Tee in einem Schraub­glas. Tas­sen hat sie keine. Den Nes­cafe-Schrift­zug dar­auf kann ich noch lesen. Das Gekochte dra­piert sie auf Bana­nen­blät­ter. Arme-Leute-Essen, ent­schul­digt sie sich. Für mich schmeckt es bes­ser als im Gourmetlokal.

Maxine nimmt ein Brett und legt es über ein paar Zie­gel­steine, die als Füße die­sen. Löch­ri­ger Schaum­stoff fun­giert als Matratze. Ich begreife: Es ist ihre Bett­statt. Sie holt zwei Lein­tü­cher aus einer Obst­kiste, eins als Unter­lage, eins zum Zude­cken. Beide Laken rie­chen frisch wie aus der Wasch­mit­tel­wer­bung. Mein Brett-Bett ist zu schmal, als dass mein Baby neben mir lie­gen könnte. Ich balan­ciere Gideon auf dem Bauch, wickle meine Arme und das Laken um ihn, damit er im Schlaf nicht her­un­ter­fällt. Um uns herum Dreck, Schlamm und Schmutz – aber Gideon und ich lie­gen wie Königs­kin­der in einem blü­ten­rei­nen Schlafgemach.

Mein Schutz­en­gel legt sich auf den blan­ken Boden, fal­tet ihre Hände und mur­melt Gebete. God bless you, Dar­ling, flüs­tert Maxine mit ihrer Scho­ko­la­den­stimme. Ich weine zum zwei­ten Mal an die­sem Tag. Dies­mal vor Erleichterung.

3. Kapi­tel

Duhaney Pen

Am nächs­ten Mor­gen liegt ein silb­ri­ger Film aus schmut­zi­ger Luft über dem Him­mel – von den Feu­ern, die bereits in aller Frühe bren­nen. Ich wache von Bob Mar­leys „Could you be Loved“ auf.

Maxine ser­viert zur Musik­un­ter­ma­lung jamai­ka­ni­sches Früh­stück: Ackee, deren gel­bes Frucht­fleisch sie mit Salt­fish, Toma­ten und Zwie­beln schmort. Dazu reicht sie gebra­tene Koch­ba­na­nen. Der exo­ti­sche Geschmack legt sich woh­lig auf meine Zunge. Hm, schwärme ich. Und summe mit.

Maxine freut sich über mei­nen Appe­tit. Dann erzählt sie von sich. Dass sie viele Jahre in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten als Putz­frau gear­bei­tet hat. Schließ­lich musste sie – ohne wie erhofft reich gewor­den zu sein – zurück­keh­ren, um ihre alte Mut­ter zu pfle­gen. Sie schnieft: Die Mut­ter ist vor zwei Jah­ren gestor­ben. Maxine konnte die Hütte über­neh­men, obwohl die Fami­lie eigent­lich vom ande­ren Ende der Insel kommt, aus Negril. Meine Gast­ge­be­rin hat vier erwach­sene Kin­der von vier ver­schie­de­nen Vätern. Ihre fünf Geschwis­ter sind, genau wie ihre eige­nen Kin­der und Enkel, auf drei Kon­ti­nente ver­teilt, arbei­ten als Möbel­pa­cker, Nanny oder Putz­frau. Sie zeigt mir Fotos, deu­tet auf ihre her­aus­ge­putz­ten Kin­der mit ihren üppi­gen Kote­let­ten, Soul-Fri­su­ren, Per­len­zöpf­chen. Im Hin­ter­grund erkenne ich die Tower Bridge, das Empire State Buil­ding und die Oper von Syd­ney. Maxine ist als ein­zige wie­der in die Hei­mat zurück­ge­kehrt. Trotz­dem ist sie die Rebel­lin der Sippe: Sie hat als weib­li­ches Fami­li­en­mit­glied einen Füh­rer­schein! Als ich ihr erzähle, dass ich vier Mal durch die Fahr­prü­fung gefal­len bin, schüt­telt sie ungläu­big den Kopf. Manch­mal hilft es nicht, wenn du weiß bist, kon­sta­tiert sie schmun­zelnd. Und klatscht mich ab.

Nach dem Früh­stück fährt sie mich, wie ver­spro­chen, nach Duha­ney Pen. Ob wir vor­her nach Trench­town könn­ten, frage ich. Maxine zieht eine Augen­braue hoch: „Warum?“ Es ist einer der weni­gen Orte, des­sen Namen ich kenne. „Du wirst ent­täuscht sein. Ya man“, warnt sie mich. Trench­town, durch Reg­gae Hits welt­weit bekannt, ähnelt im Jahre 1986 einer Kriegs­zone. Zwei abge­brannte Stra­ßen­züge tei­len das Vier­tel wie eine häss­li­che Narbe. Die bür­ger­kriegs­ähn­li­chen Zustände, als Bewaff­nete um die Stra­ßen­ho­heit kämpf­ten, waren der Grund, warum Bob Mar­ley Trench­town ver­las­sen musste, sagt Maxine. Er und seine Frau wur­den ange­schos­sen. Wir ver­las­sen den trost­lo­sen Stadt­teil über die „Orange Lane“, wo die Stra­ßen­ver­käu­fer Jack­f­rüchte, Ana­nas und frit­tierte Bana­nen anbie­ten und King­s­ton afri­ka­ni­sches Flair ver­strömt. Maxine spen­diert uns einen frisch gepress­ten Zucker­rohr­saft. Ich ver­gesse alle War­nun­gen („Nie von der Straße essen!“). Der süße Saft ist erfri­schend wie ein Lebenselixier.

In ihrem klapp­ri­gen Gefährt fah­ren wir die Küste ent­lang; vor­bei an hohen Pal­men, dich­ten Man­gro­ven und fein­san­di­gen Strän­den. Ich sehe Bananen‑, Avo­cado- und Man­go­bäume. Hin­ter üppi­ger Tro­pen­ve­ge­ta­tion lie­gen geduckte Häu­ser und kleine Shops. Geh­steige sehe ich nirgendwo.

Nach zwei Stun­den sind wir in Duha­ney Pen, ein Stra­ßen­dorf, direkt am Meer, das mich an Maxi­nes Slum erin­nert, nur, dass die Hüt­ten viel wei­ter aus­ein­an­der ste­hen. Hän­ge­mat­ten schwin­gen unter Pal­men, Lachen liegt in der Luft. Kin­der kom­men zu mir gelau­fen. Sie rei­ben vor­sich­tig meine Haut, um zu sehen, ob nicht doch schwarz dar­un­ter durch­schim­mert. „Die haben noch nie eine Weiße gese­hen“, sagt Maxine amü­siert. Nach zehn Minu­ten Her­um­fra­gen pro­kla­miert sie: „Ich habe ihn gefun­den! Ya man!“ Als weib­li­che Taxi­fah­re­rin unter lau­ter groß­mäu­li­gen Kol­le­gen kann sie Alpha­männ­chen gleich erken­nen. Der hoch­ge­wach­sene Mann mit dem Welt­frie­dens-Lächeln stellt sich mir als Bill vor. Kens Cousin.

Bill nimmt mich und Gideon von Maxine wie ein Geschenk ent­ge­gen. Seine Haar­pracht hält er unter einer Woll­mütze in den pan­afri­ka­ni­schen Far­ben ver­steckt. Grün, gelb und rot. Bill ist Rasta. Er wäscht seine Haare täg­lich, schnei­det sie aber nie. Er kämmt sie auch nicht. So ent­ste­hen die lan­gen, wil­den Zöpfe sei­ner Mähne. Bevor ich ihm von Kens Ver­haf­tung am Flug­ha­fen erzäh­len kann, bringt Bills Frau Angela süßen Minz­tee. Auch Maxine bleibt, um sich zu ver­ge­wis­sern, dass Gideon und ich in guten Hän­den sind. Wir set­zen uns auf Kis­ten, Stühle gibt es nicht. Schnell wird klar: Alle wis­sen schon von Kens Drama am Flug­ha­fen. Ich hatte Maxine nichts erzählt. Sie wusste es trotz­dem: „Jamaika ist ein Dorf! Ya man!“ Des­we­gen habe sie sich um uns geküm­mert. Die kin­der­lose Angela knud­delt den ver­gnüg­ten Gideon und Bill gibt mir Geschichtsunterricht.

4. Kapi­tel

Friede und Liebe, Dreadlocks und Ganja

Inter­na­tio­nal bekannt wur­den Rasta­fa­ris seit den 70er Jah­ren durch die Reg­gae-Musik von Bob Mar­ley. Mil­lio­nen Men­schen ver­eh­ren ihn noch heute. Als spi­ri­tu­elle Natur­ge­walt, als Bot­schaf­ter des Frie­dens. Als ers­ter Super­star der Drit­ten Welt.

Der jamai­ka­ni­sche Sän­ger und Gitar­rist gab der schwar­zen Ghet­to­ju­gend der Kari­bik und der USA Selbst­be­wusst­sein. Er war erst 36 Jahre alt, als er 1981 an Krebs starb – als Vater von elf Kin­dern mit sie­ben ver­schie­de­nen Frauen. Mar­leys Songs mit ihren poli­ti­schen und reli­giö­sen Inhal­ten wie „Get Up, Stand Up“ oder „One Love“ packen Men­schen wei­ter­hin. Nicht nur in Jamaika, doziert Bill stolz: „Son­dern von den Metro­po­len Euro­pas bis zu klei­nen Dör­fern Asiens!“

„Weißt du, was Rasta­fari bedeu­tet?“ fragt Bill ver­schwö­re­risch, lüpft seine bunte Woll­mütze und wirft die Dre­ad­locks nach hin­ten. Er dreht sich einen Joint und senkt seine Stimme: „Hast Du schon mal mit einem Jamai­ka­ner Sex gehabt?“ In die­sem Moment kommt Gat­tin Angela, die Ant­wort bleibt mir erspart. „Wenn du Bobs Songs hörst, dann dyna­mi­siert dich der Beat und ent­spannt dich gleich­zei­tig. Rasta­man Vibra­tion! Du kannst tan­zen und du kannst Liebe machen. Am I right, Maxine?“ Meine Flug­ha­fen­be­schüt­ze­rin klatscht ihn ab. „Wir Ras­tas ernäh­ren uns, ohne zu töten“ erklärt Angela und gießt Minz­tee nach. Rasta­fa­ris sind nicht nur als Reg­gae-Musi­ker bekannt, son­dern auch als Vege­ta­rier und Gesund­heits­apos­tel. „Ital“ heißt ihr Zau­ber­wort. „Gesund­heit für Kör­per und Seele“, über­setzt das Bill. „Ras­tas haben schon bio gekocht, bevor es Mode wurde“.

In ihrer Reli­gion beru­fen sich die Ras­tas auf die Bibel, nach der die Schwar­zen außer­halb Afri­kas in der Ver­ban­nung leben wie einst die Israe­li­ten in der Baby­lo­ni­schen Gefan­gen­schaft. „Baby­lon“ steht für Skla­ve­rei und Unter­drü­ckung. Gerahmte Bibel­sprü­che bezeu­gen Got­tes Worte. In Bills und Ange­las Hütte hän­gen so viele hän­gen an der Wand, dass ich das Holz dahin­ter kaum noch sehe.

Bei der Kreu­zi­gung trug Jesus einen Pfer­de­schwanz – Bill klopft auf den Bibel­vers dazu – und das ist für einen Schwar­zen nur mit Dre­ad­locks mög­lich: Des­halb die ver­filz­ten Schwänz­chen. Nicht die ein­zige reli­giöse Dimen­sion: Viele Ras­tas iden­ti­fi­zie­ren sich mit der bibli­schen Figur des Sam­son, der seine Kraft in den Haa­ren trug. Nach­zu­le­sen im 4. Buch Mose: „Kein Scher­mes­ser soll sein Haupt berüh­ren, bis die Zeit abge­lau­fen ist, für die er sich dem Herrn (…) geweiht hat. Er ist hei­lig, er muss sein Haar ganz frei wach­sen las­sen.“ Ich nicke verwundert.

Ich hatte keine Ahnung, dass die Bewe­gung schon zu Beginn der 30er Jahre in den Armen­vier­teln von King­s­ton ent­stand. Der schwarze Akti­vist Mar­cus Gar­vey – heute ein jamai­ka­ni­scher Natio­nal­held – pro­phe­zeite, „die schwarze Rasse werde ihre Unter­drü­ckung über­win­den“ und nach Afrika zurück­keh­ren. Ebenso, dass in Afrika ein schwar­zer König gekrönt werde: „König der Könige!“ Die Majes­tät, von der Bill spricht, ist Haile Sel­as­sie, der ursprüng­lich „Ras Tefari“ hieß. Als er 1930 zum Kai­ser von Äthio­pien gekrönt wurde, gab er sich den Titel „Haile Sel­as­sie“, zu Deutsch: „Macht der Drei­fal­tig­keit“. Bill deu­tet auf den pas­sen­den Bibel­spruch: „Aus Ägyp­ten wer­den Prin­zen her­vor­ge­hen und Äthio­pien wird bald seine Hände nach Gott ausstrecken.“

Angela erklärt, dass Haile Sel­as­sie aus meh­re­ren Grün­den zum Mes­sias erko­ren wurde. Äthio­pien war der bis dahin ein­zige afri­ka­ni­sche Staat, der sich erfolg­reich den Kolo­ni­al­mäch­ten wider­setzt hatte: „Der Kai­ser kata­pul­tierte Äthio­pien aus dem Mit­tel­al­ter ins 20. Jahr­hun­dert und war das erste afri­ka­ni­sche Staats­ober­haupt, das ins Aus­land reiste. Auch nach Jamaika.“ Zudem wohn­ten Sel­as­sies Krö­nung viele euro­päi­sche Staats­ober­häup­ter bei, was den Mes­sias-Sta­tus aus dem Blick­win­kel sei­ner Anhän­ger unter­mau­erte. Seine größte Leis­tung war jedoch unzwei­fel­haft, dass Mus­lime und Chris­ten in Äthio­pien fried­lich neben­ein­an­der lebten.

Bob Mar­ley beschwor Haile Sel­as­sie vor jedem sei­ner Kon­zerte. 1978 kam er selbst nach Afrika und war ernüch­tert. Dort sah er die glei­chen Slums und hung­ri­gen Gesich­ter, die er aus sei­ner Hei­mat kannte. Der Sän­ger ermun­terte dar­auf­hin seine Glau­bens­brü­der: „Euer gelob­tes Land könnt ihr hier und jetzt ver­wirk­li­chen. War­tet nicht auf das Schiff zurück.“. Die­sen Spruch trägt Bill auf sei­nem T‑Shirt. Er zieht an sei­nem Joint, ein leuch­tend roter Kreis umkränzt die Spitze des „Spliffs“. Er brei­tet seine Arme aus, als ob er uns seg­nen wolle: „Wir rau­chen Ganja“, erklärt Bill, „um Geist und Seele zu öff­nen.“ Er leckt am Ziga­ret­ten­pa­pier und klebt den nächs­ten Joint zu.

Maxine muss los. Mein Ange­bot, ihre Fahr­dienste zu bezah­len, lehnt sie ab. In ihrer Stimme schwingt eine Mischung aus Empö­rung und müt­ter­li­cher Sorge. Kaum ist sie weg, beginnt mein kör­per­li­cher Zusam­men­bruch. Mir wird spei­übel, ich kann mich kaum auf den Bei­nen hal­ten. Ob ich statt Minz­tee womög­lich Mari­huana-Tee bekom­men habe? Bill und Angela ver­nei­nen. Sie neh­men mir Gideon aus den Armen, damit ich mich hin­le­gen kann. War es der Zucker­rohr­saft vom Stra­ßen­händ­ler? In der Zwi­schen­zeit kommt das ganze Dorf zusam­men gelau­fen. Gesund oder krank: Wir sind eine Attrak­tion, die sich kei­ner ent­ge­hen las­sen will.

5. Kapi­tel

Gideon! Gideon!

Alle Kin­der wol­len Gideon wie ein Püpp­chen her­um­tra­gen. „Gideon, Gideon“ stim­men sie an, sobald sie ihn sehen. Mal als Ruf, mal als Sing­sang. Ich hin­ge­gen sinke zu Boden. 

Zwei Tage lang geht es mir mise­ra­bel. In den 48 Stun­den mei­nes Deli­ri­ums sehe ich mei­nen Sohn nur kurz, wenn Angela ihn mir bringt, damit ich ihn stil­len kann. Falls ich dazu nicht in der Lage wäre, wäre es auch kein Pro­blem: Alle stil­len­den Mamas im Dorf bie­ten an, ihm die Brust zu geben. Nach zwei Tagen ver­schwin­det meine Krank­heit so plötz­lich, wie sie gekom­men ist. Gideon wird in der Zwi­schen­zeit bereits wie ein klei­ner Prinz her­um­ge­reicht; geherzt, geschau­kelt, gestrei­chelt und gefüt­tert. Immer sind Men­schen da, die ihn mir abneh­men wol­len. Er strahlt unent­wegt. Ich helfe jetzt oft in Ange­las Gar­ten beim ern­ten, und wenn ich Gideon in der Zwi­schen­zeit auf den Boden legen will, wie es andere Müt­ter machen, kommt sofort ein Kind und nimmt Gideon in die Arme, um mit ihm durchs Dorf zu stol­zie­ren. Hütet ihn wie eine Mons­tranz, dahin­ter lau­fen die ande­ren Dorf­kin­der wie bei einer Pro­zes­sion. Vor­sich­tig wird er wei­ter gereicht und geküsst. Wenn ich ihn hole, gluckst Gideon vergnügt.

Ein­mal am Tag, meis­tens mit­tags, reg­net es hef­tig. Nach jedem Guss dampft Duha­ney Pen wie eine sinn­li­che Ver­hei­ßung. Jamaika gleicht einem Gewächs­haus: frucht­bare Erde, Wärme und Feuch­tig­keit – alles gedeiht im Über­fluss. Das mach­ten sich die Kolo­ni­al­her­ren zunutze, erzählt mir Angela beim Kochen. Sie hol­ten Pflan­zen aus der gan­zen Welt hier­her. „Die Spa­nier brach­ten Bana­nen und Zucker­rohr, die Eng­län­der die Kokos­palme aus Poly­ne­sien“. „Die Ackee-Frucht kam im 18. Jahr­hun­dert aus West­afrika und war bil­lige Nah­rung für die Plan­ta­gen-Skla­ven.“ Wur­zeln, Ran­ken, kleine Stämme, bunte Blü­ten: Alles ver­wen­det Angela für ihren Spei­se­zet­tel. Vor mei­nen Augen schwenkt sie eine Yams-Wur­zel wie eine Zau­ber­künst­le­rin, die gerade ein Kanin­chen aus dem Zylin­der holt. Magisch ist ihr Gar­ten alle­mal: Koch­ba­na­nen, Brot­frucht und Süß­kar­tof­feln ern­tet sie mit leich­ter Hand, pflückt Ana­nas, Bana­nen und Früchte, die ich nie zuvor gese­hen habe. Sie deu­tet auf eine zwei Meter hohe schilf­ar­tige Pflanze hin­ter sich und tes­tet mein Wis­sen. Ich erkenne Ing­wer. Sie lobt mich; stolz wie eine Schul­di­rek­to­rin auf ihre Musterschülerin.

Immer nach dem Regen kommt Nach­bar Stan­ley und melkt Penny, die Kuh von Bill und Angela. Als Lohn bekommt er die Hälfte der Milch, drei Liter wer­den es sein. Stan­ley ist einen Kopf klei­ner als ich und sehr schüch­tern. Nach zwei Wochen fasst er sich ein Herz und will wis­sen, ob ich schon ein­mal mit einem schwar­zen Mann geschla­fen hätte. Er ist (gefühlt) der vor­letzte männ­li­che Dorf­be­woh­ner, der mich noch nicht gefragt hat. Mitt­ler­weile bin ich rou­ti­niert darin, das Gespräch in eine andere Rich­tung zu len­ken. Ich komme aus einer baye­ri­schen Bau­ern­sippe, sage ich, bei uns wer­den die Kühe mor­gens in aller Herr­gotts­frühe und abends zur Däm­me­rung gemol­ken. Sie geben zwei­mal am Tag ein Viel­fa­ches an Milch, Kuh Penny nur ein­mal einen knap­pen Eimer. Ist das immer so, Stan­ley? Stan­ley stot­tert und ist sicht­lich ver­wirrt. Er ist wie­der so schüch­tern wie eh und je, als er mit sei­nem Milch­ei­mer weg­trabt – ohne eine Ant­wort auf seine eigent­li­che Frage bekom­men zu haben.

Ich schaue auf Pen­nys schlabb­ri­ges Euter. In Deutsch­land wäre sie längst geschlach­tet wor­den. Für Bill und Angela ist Penny hin­ge­gen wie ein Fami­li­en­mit­glied, sie wird mit Namen ange­re­det und gestrei­chelt. Auch ihre drei Hüh­ner Wendy, Gaya und Mimi gehö­ren zu Bill und Angela wie neu­gie­rige Kin­der. Wenn sie sich vor der Hitze schüt­zen und in der Wohn­hütte nie­der­las­sen, wer­den sie nur zur Schla­fens­zeit rausgescheucht.

Wäh­rend Angela Pfann­ku­chen aus Pen­nys Milch, fri­schen Eiern und Mais­mehl wen­det, höre ich die Freu­den­schreie plant­schen­der Kin­der­hor­den vom Meer. Aus der Ferne klingt die Reg­gae Bal­lade „Redemp­tion Song“. Wie üblich singt das halbe Dorf mit. Eine sanfte Brise raschelt durch die Pal­men, treibt den Rauch aus Ange­las Küche bis aufs Meer hin­aus. Küche ist ein Euphe­mis­mus. Es gibt weder Stühle noch einen Herd, nur eine Feu­er­stelle. Auf dem krumm aus dem Sand ragen­den Stümp­fen liegt ein Brett: der Tisch, dar­auf eine Kür­bis-Kokos-Suppe. Die Pfann­ku­chen ser­viert meine Gast­ge­be­rin mit einer Kur­kuma-Ing­wer-Sauce und einem Berg Reis und Boh­nen auf Bana­nen­blät­tern. Es ist ihr Abschieds­es­sen für mich.

Ich schließe meine Augen und lehne mich an den küh­len Stamm einer Palme. Lau­sche der Brise in den Wip­feln. Oder ist es das Meer? Die Gril­len zir­pen, die Fächer­pal­men flüs­tern, die Bana­nen­blät­ter wie­gen sich im Wind. Ich kann kaum glau­ben, dass wir am nächs­ten Tag abrei­sen müs­sen. Einen Monat lang war ich nur bar­fuß unter­wegs, habe kein ein­zi­ges mal geduscht, mich nur mit den Frauen und Kin­dern mit Kern­seife im Fluß gewa­schen. Habe mir das Fahr­rad des Bür­ger­meis­ters aus­ge­lie­hen und bin nach­mit­tags die Küste ent­lang gera­delt. „Whitey! Whitey!“ rufen die Leute dann, ich ant­worte: „Bla­cky! Bla­cky!“ Dar­auf kommt ver­läss­lich Geläch­ter und Applaus. Ich habe oft den Ein­druck, dass man­che Ort­schaf­ten schon auf mein Vor­bei­kom­men war­ten. In der gan­zen Region werde ich bekannt, als ich in der nächst­grö­ße­ren Stadt Morant Bay nach Son­nen­milch frage. Davon hat noch nie jemand etwas gehört. Ah, damit rei­ben sich Weiße ein, um…? Nie­mand weiß die Ant­wort, es hört sich so unvor­stell­bar an, so sinn­los. Mitt­ler­weile lau­schen nicht nur die Shop-Inha­ber mit offe­nem Mund, son­dern auch deren Ver­wandte und Men­schen, die zufäl­lig gerade auf der Straße sind. Da drängt sich eine Frau vor, hebt thea­tra­lisch die Hände und sagt wie eine Red­ne­rin auf einer Bühne: Ja, Whitey hat recht. Bei den Wei­ßen sei die Haut merk­wür­dig. Man kann an ihr sogar sehen, ob sie Liebe gemacht hät­ten – an den „Love Bites“ (Knutsch­fle­cken). Aber Son­nen­milch gäbe es in Jamaika trotz­dem nur an den weni­gen Stel­len, dort, wo Tou­ris­ten sind. Hier nicht.

Am letz­ten Abend rich­tet das Dorf ein Fest für Gideon und mich aus. Die Leh­re­rin bie­tet mir einen Job in ihrer Schule an, falls ich blei­ben oder wie­der­kom­men möchte. Ebenso der Bür­ger­meis­ter. Ich könnte seine Sekre­tä­rin sein. Ich denke dar­über nach, sage ich seuf­zend. Er war nicht nur der Ein­zige mit Rad, son­dern auch einer, der mich nicht nach Geschlechts­ver­kehr mit Lands­leu­ten befragt hat. Hätte das Dorf ein Gol­de­nes Buch gehabt, ich hätte mich darin ver­ewi­gen müs­sen. Das Fest geht bis zum Mor­gen­grauen. Die Kin­der blei­ben lange auf, die Frauen brut­zeln unent­wegt, die Män­ner kif­fen. Alle sin­gen und tan­zen. Alle haben sich her­aus­ge­putzt. Wer eins hat, trägt zur Feier des Tages ein T‑Shirt mit Botschaft.

Angela und Bill brin­gen Gideon und mich nach weni­gen Stun­den Schlaf in öffent­li­chen Bus­sen und mit viel Umstei­gen zum Flug­ha­fen. Ich bekomme immer sofort einen Platz ange­bo­ten, es ist schö­ner als ein May­bach-Shut­tle. Klar, dass in den Klein­bus­sen wie­der mit­ge­schmet­tert wird, was der Bus­fah­rer ein­legt. Auch ich singe mitt­ler­weile laut­hals mit. Am Flug­ha­fen war­tet Maxine und umarmt mich. Sie schenkt mir ein T‑Shirt „Jamaika – clos­test Place to Hea­ven“ steht dar­auf. Am Flug­ha­fen-Coun­ter lehnt Ken, der ein gro­ßes Gewese um sei­nen ver­gan­ge­nen Monat macht. Ich hatte ihn fast ver­ges­sen. Angela zwin­kert mir zu: Er sei am Ende doch nicht im Gefäng­nis, son­dern bei einer sei­ner vie­len Frauen gewe­sen. Ich solle ihn bloß nicht bemit­lei­den. Ken erkennt mich kaum wie­der. Die Frauen haben mir lange Per­len­zöpfe aus Kunst­haar gefloch­ten, die mir klim­pernd bis zum Hin­tern rei­chen. Gideon scheint um Monate gereift. Als wir im Flie­ger sit­zen – dies­mal neben­ein­an­der – stellt mir Ken die Frage: „Hast du mit jemand aus Duha­ney Pen Sex gehabt?“ Ich ant­worte: „Not­ten. Mind ya on buss­ness. Ya man!“ Und bestelle bei der Ste­war­dess noch ein Gläs­chen für den glück­lich gluck­sen­den Gideon.

Cate­go­riesJamaika
Karin Lochner

Karin Lochner bastelte sich mit 13 Jahren ein Faschingskostüm als Rasende Reporterin. Fünf Jahre später veröffentlichte sie ihren ersten Artikel im Münchner Merkur. Seither schreibt sie über Reisen, Essen und Brauchtum. 2013 gewann sie den Walliser Medienpreis (1. Platz). Sie ist Autorin der Bücher »Heimat Ruhrgebiet«, »Sehnsucht Alm« und »Zu Gast in Bayern«. Wenn sie nicht unterwegs ist, unterrichtet sie Yoga und andere Bewegungskünste, die dabei helfen, sich biegsam in einen überfüllten Ochsenkarren zu schmiegen (Senegal), das Rütteln bei einer Überlandfahrt ohne Blessuren zu überstehen (Jamaica) oder das Schaukeln auf einem bockigen Kamel (Katar) mit Würde zu genießen. Die nächste Reise mit einem unkonventionellem Transportmittel kommt gewiss.

  1. Ilona says:

    Ein Dan­ke­schön für die­sen ehr­li­chen Rei­se­be­richt. Er lässt mich zurück­er­in­nern an eine Zeit, als auch ich dem Reg­gae Fie­ber ver­fal­len war, aber mich damals nie und nim­mer getraut hätte, alleine nach Jamaica zu rei­sen. Somit weiß ich was ich ver­paßt habe – aber nur weil die Reise für die Sin­gle-Mom gut ausging.….

  2. Anna-Maria says:

    Von die­sem außer­ge­wöhn­li­chen Erleb­nis­be­richt war ich der­art ergrif­fen, dass ich lange keine Worte fand.
    Ein Lehr­bei­spiel für selbst­ver­ständ­li­che Inte­gra­tion (Chris­ten und Mus­lime leben fried­lich nebeneinander).
    Fröh­li­che „Whity, whity“-Rufe und ein „Bla­cky, blacky“-Echo zurück. In jüngs­ter Zeit war in einem Rei­se­be­richt z.B. von P. Smolka von Stein­wür­fen von Kin­dern beim Durch­ra­deln von Äthio­pien zu lesen. Steckt dahin­ter Angst, dass „Fremde kom­men und ganze Län­de­reien in Afrika auf­kau­fen“, frage ich mich.
    Mut­ter und Kind erleb­ten damals bedin­gungs­lose Gast- und Menschenfreundlichkeit!
    „Was wohl erlebte eine Sin­gle-Mom vor über 30 Jah­ren nach der Geburt ihres Kin­des hier­zu­lande, dass sie die­sen Mut auf­bringt und das Wag­nis für so eine weite Reise azf sich nimmt“, waren auch Gedan­ken in mir, sind aber keine Frage. Herz­li­chen Dank für diese hoch­ka­rä­tige Schil­de­rung! Schade, dass diese Reise nicht ver­filmt wer­den kann.

  3. Weltbürger says:

    Jetzt bin ich total platt.… Du warst wirk­lich kürz­lich in Jamaika und hast Dich von Dei­ner Vergangenheit
    ein­ho­len lassen?
    Nun kenne ich vie­les von der Welt, aber in Jamaika und in der Kari­bik war ich noch nie.
    Aber mit Dei­ner span­nen­den Beschrei­bung habe ich tat­säch­lich ein Bild von der Insel und seinen
    Men­schen vor Augen.
    Wie immer groß­ar­ti­ger Stil, frisch, kurze Sätze, packend geschrieben.…
    und dann die authen­ti­schen Pho­tos dazu.…
    Was sagt Gideon zu Dei­nen … ja und sei­nen… Erleb­nis­sen mit Mitte drei­ßig dazu?
    Viel­leicht war er ja damals wirk­lich Dein Schutzengel?!
    Auch der Bezug der Ras­tas zu Äthio­pien und Haile Sel­as­sie als Macht der Drei­fal­tig­keit war mir ganz neu.
    Alles klingt wie ges­tern… was hat Dich bewo­gen nach über drei­ßig Jah­ren Deine Erleb­nisse von damals
    zu erzählen?
    Ich könnte im Blog noch fort­fah­ren… aber das wird zu lang…

  4. Renate Geist-Wree says:

    Wie berei­chernd über ein Land zu lesen in dem ich noch nie gewe­sen bin. Durch die so leben­dig und ehr­lich erzähl­ten per­sön­li­chen Geschichte fällt es leicht, Fak­ten über das Jamaika auf­zu­neh­men, und schenkt mir die Mög­lich­keit am Leben der Autorin teil­zu­neh­men. Vie­len Dank, ich schätze die­sen oft unkon­ven­tio­nel­len, krea­ti­ven Schreib­fluss sehr!

  5. Pingback:Jamaika - Karin Lochner

  6. Andreas says:

    Was für eine Story! Zum Grei­fen nah diese zu Geschichte geron­nene Mischung der 80er Jahre aus Armut und Anmut, Nai­vi­tät und Uner­schro­cken­heit, Glück und Unglück. Danke.

  7. Charlotte says:

    Alle Ach­tung! Sel­ber um diese Zeit eine junge Frau mit Baby hätte (und habe) ich mich das nicht getraut und habe den Text vol­ler Krib­beln und Span­nung gelesen.

  8. N. says:

    Unglaub­lich! Liest sich ja wie ein Aben­teu­er­ro­man, nur dass die Pira­tin eine allein­er­zie­hende Mama ist. Was für eine tolle Erfah­rung! Hätte mir das selbst NIE im Leben mit Baby zuge­traut. Und neben­bei erfährt man so viel von Jameika. Könnte man ohne wei­te­res zum rich­ti­gen Buch­ro­man „aus­bauen!“ Vie­len Dank für den Lese­ge­nuss… Und wun­der­bare Fotos. Mein Favo­rit ist das Baby­foto im Wasserfall.

  9. Waltraud says:

    Sehr, sehr mutig und spon­tan! Natür­lich auch leicht­sin­nig und gefähr­lich. Aber es sind diese und ähn­li­che Erin­ne­run­gen, die uns offen und nach­denk­lich wer­den las­sen für Neues und Unbe­kann­tes. Wer sol­che Aben­teuer erlebt ist ein rei­cher Mensch. Schön, dass wir Ande­ren über Bücher und Berichte daran teil­ha­ben dür­fen. Für mich ein wun­der­ba­rer Bericht und eine kleine Auf­for­de­rung, mehr zu wagen.…. hier und in der Ferne!

  10. Siglinde says:

    Eine berau­schende Erin­ne­rung an frü­here Zei­ten, mutig waren wir damals – oder ein­fach freier im Den­ken und Han­deln? Ein sehr inti­mer Rei­se­be­richt über Mut, Ver­rückt­heit, Ver­letz­lich­keit, ein glück­lich enden­des Aben­teuer. Würde man heute mit Baby eine sol­che Reise wagen, würde man für ver­rückt erklärt und sicher als ers­tes nach dem Impf­pass gefragt…

  11. Daniela Englert says:

    Frau Loch­ner hatte einen guten Schutz­en­gel. Und ich frage mich ange­sichts der beschrie­be­nen Armut und Gast­freund­schaft wie die Schil­de­rung einer mit­tel­lo­sen Frau mit Baby über ihre Ankunft im rei­chen Mün­chen im Jahr 2019 wohl klin­gen würde… Das Ganze ist gut geschrie­ben und man taucht ein in das Jamaika von damals. Liest sich gut!

  12. Uschi Müller says:

    Das liest sich ja sooooo span­nend, dass man/frau gar nicht auf­hö­ren kann. Ich habe den Rei­se­re­port je zur Hälfte vor und nach der Kom­mu­nion mei­ner Enke­lin gele­sen. Da mein Sohn fast im glei­chen Alter ist, kann ich die Zeit der spä­ten 80er mit Baby genau nach­emp­fin­den. Mutig, kann ich nur sagen, oder ein­fach jung, ver­trau­ens­se­lig und neu­gie­rig aufs Leben?! Jeden­falls SEHR beein­dru­ckend, aben­teu­er­lich und emo­tio­nal geschrie­ben. Dass nach über 30 Jah­ren die Erin­ne­rung bei Karin noch so leben­dig ist, zeugt davon, dass die­ses spon­tane Rei­se­er­leb­nis mit Gideon ein ech­tes High­light war, unplan­bar, ein­fach so „rein gestol­pert“ und wohl gerade des­halb so eine tiefe Erin­ne­rung, durch NICHTS zu top­pen! Abge­se­hen von der Erkran­kung natür­lich. Auch die Fotos sind ein „Genuss“!

  13. margie otte says:

    vie­len dank für diese sehr leben­dige unge­wöhn­li­che story!
    das hat mich sehr zum nach­den­ken gebracht, ich hätte mich das mit klei­nem baby in den 80ern nicht getraut,
    also kom­pli­ment karin,
    danke für die­sen sehr pri­va­ten ein­blick und deine unglaub­li­che gabe, sich in die insel jamaica hin­ein zu ver­set­zen und alles so zu neh­men, wie es kommt!

  14. Véronique Hartmann-Alvera says:

    Was für eine warm­her­zig emo­tio­nale Geschichte. Was für eine mutige und spon­tane junge Frau Karin Loch­ner war. Ich hätte mich das nie­mals getraut. Dafür kann sie jetzt diese wun­der­schöne Erin­ne­rung ihr eigen nennen.

  15. Sabine says:

    Eine der ein­drucks­volls­ten Erzäh­lun­gen, die ich bis­her gele­sen habe. Ich fühle mich emo­tio­nal sehr berührt und doch feh­len mir die Worte dazu. Danke für das tei­len die­ser Erleb­nisse mit uns Lesern.

  16. Jessica says:

    Ich wollte nur kurz rein­le­sen und bin total rein­ge­zo­gen wor­den. Das wol­len doch alle Autoren errei­chen, oder? :-) Diese Sog­wir­kung auf die Leser. Und lei­der pas­siert es trotz­dem sel­ten. Aber hier schon! Respekt!!!!

  17. Ralf Engels says:

    Vie­len Dank dür diese span­nende Geschichte, habe mit­ge­fie­bert, wie sie sich ent­wi­ckelt… Ich liebe die Tro­pen, das pralle Leben dort, die Üppig­keit der Natur, und die Leben­dig­keit und Freund­lich­keit der Men­schen, die viel­leicht nicht in jeder Hin­sicht auf der Son­nen­seite leben, aber oft näher am „Busen“ der Natur, zumin­dest noch zu der Zeit… Nur schade, dass die Welt seit­dem nicht bes­ser gewor­den ist, der Mas­sen-Tou­ris­mus, die Ver­mül­lung. Umso gol­de­ner die Erin­ne­run­gen, und umso Unwie­der­hol­ba­rer! Die erste Reise dei­nes Soh­nes, gleich so… ;-)

  18. Sibylle says:

    Ich konnte nicht auf­hö­ren den Rei­se­be­richt bis zum Ende zu lesen. Toll und span­nend geschrieben!

  19. Karin says:

    Ich bin über eine Freun­din auf die­sen span­nen­den Arti­kel gesto­ßen. Zuerst war ich etwas kon­ster­niert über so viel Nai­vi­tät, noch dazu mit einem Kind. Doch deine Erfah­run­gen erin­nern mich daran, wie ich auf mei­nen Rei­sen auf eigene Faust durch Indien auch immer wie­der unglaub­lich liebe und hilfs­be­reite Men­schen getrof­fen habe. Unsere Welt ist doch gar nicht so schlecht!

  20. Juliane Braun says:

    Ein sehr span­nen­der Mix aus per­sön­li­chen Erleb­nis­sen und Wis­sens­ver­mitt­lung. Wie schön, dass die aben­teu­er­lus­tige Autorin von so vie­len mensch­li­chen Schutz­en­geln beglei­tet wurde.

    1. Liebe Julia, zu Dei­ner Frage: Angela und Bill haben sich getrennt. Angela litt unter sei­ner Untreue. Bill wollte unbe­dingt nach Europa wie sein Cou­sin Ken. Und das große Geld machen. Ging erst nach Mün­chen. Aus­ge­rech­net im tiefs­ten Win­ter. Klar, dass er völ­lig über­for­dert von unse­rer hek­ti­schen Welt war. Von der Kälte. Noch dazu, wo er kein Wort deutsch konnte. Ich habe ihn dann nach einem Monat Mün­chen-Auf­ent­halt nach Lon­don beglei­tet und ver­sucht, ihm den Ein­stieg in unsere west­li­che Welt zu erleich­tern. Gideon war auch wie­der dabei, im Buggy. In Lon­don konnte er wenigs­tens die Lan­des­spra­che ver­ste­hen. Er schrieb mir nach Mona­ten einen Brief, dass er schlecht bezahlte Arbeit gefun­den hatte und ver­gaß darin, seine aktu­elle Adresse in Lon­don anzu­ge­ben. Das war das letzte Mal, dass ich von ihm hörte. War ja alles lange bevor es Inter­net gab. Auch spä­ter mit Google und Face­book habe ich ihn nicht mehr fin­den kön­nen. Tja. Schade. Liebe Grüße, Karin

  21. Dagmar Fischer says:

    So mutig, so leicht­sin­nig, so ein wun­der­schö­nes Aben­teuer… Ver­mut­lich kann man nur so wirk­lich ein­tau­chen in eine andere Kul­tur und ver­ste­hen was sie aus­macht. Danke für diese berüh­rende Reportage!
    Dagmar

  22. Monacopetra says:

    Eine groß­ar­tige Story und tief berüh­rend erzählt. Danke für die­sen per­sön­li­chen Einblick.

  23. König Burgi says:

    So ein schö­ner Arti­kel: wie aus einer völ­lig irra­tio­na­len Ent­schei­dung ein mensch­lich so anrüh­ren­des Erleb­nis wird. Ich war gefes­selt vom ers­ten Satz an und habe mich mit­ge­freut über den mehr als guten Aus­gang die­ses Abenteuers.

  24. Doris Schneider says:

    …so eine inter­es­sante Story – und soo viel Mut, diese Reise mit Baby zu machen! Gott­sei­dank ist alles gut gegangen!

  25. Margret says:

    Liebe Karin,
    ich liebe Deine Art zu erzäh­lenund bin beein­druckt von Dei­ner Lebens­kunst und dem Ver­trauen in das Leben über­haupt. Ich bin mir sicher, dass Du Dei­nem Sohn das alles mit auf sei­nen Weg gege­ben hast. Mehr geht nicht. Freue mich auf wei­tere Berichte von Dir, die das Leben erzählt…
    Margret

  26. Mario Falcke says:

    Liebe Karin,
    sehr warm geschrie­ben! Und man­che Details hast du mir damals gar nicht erzählt – aber auch durch dich war ich moti­viert Jamaica zu ent­de­cken. Du erin­nerst dich sicher an meine wil­den Eska­pa­den dort – und fast 30 Jahre spä­ter habe ich mei­nen hel­fen­den Rast­a­freud wie­der getrof­fen. Wir müs­sen uns auch bald wie­der sehen! LG an Gideon und W.

  27. Helma says:

    Whow, so ein span­nen­der Arti­kel! Meine Bewun­de­rung dafür, dass du dich so ins pralle Leben gestürzt hast. Das Glück, solch eine Erfah­rung machen zu dür­fen, ist wohl die­ser Alters­stufe vor­be­hal­ten. Welch wun­der­schöne Fotos von Mama und Baby, Yah man. Macht gleich Lust auf Reg­gae Music.

  28. Ulla Fuchs says:

    Erin­ne­run­gen trägt „Frau“ im ❤️ sie sind ein Leben lang gespei­chert und kann sie uns neh­men. Sehr schö­nes Erleb­nis von einem wun­der­schö­nen Land wie war und lei­der nie mehr sein wird. Herz­li­chen Dank fürs mitnehmen.

  29. Christel Hoffmann says:

    Eine unglaub­li­che Geschichte, habe ich förm­lich verschlungen.
    zwi­schen all den bad News heut­zu­tage eine tolle Geschichte aus dem ech­ten Leben.

  30. Angelika Nothaft says:

    Diese per­sön­li­che Geschichte hat mich total gefes­selt ich konnte gar nicht auf­hö­ren zu lesen. Mit sehr viel Herz und authen­tisch geschrie­ben, ich hatte das Gefühl mit­ten­drin zu sein.

  31. Camilla says:

    Ich habe die­sen Jamaika Bericht mit wach­sen­der Fas­zi­na­tion gele­sen, was für ein Abenteuer!
    Vie­len Dank fürs Teil­ha­ben-Las­sen an so per­sön­li­chen Erlebnissen!

  32. Traudl says:

    Wow, was für eine mutige Frau! Nur mit sol­chen Aben­teu­ern bringt man ein span­nen­des Leben zuwege. Auf Jamaica hat sich übri­gens nicht viel geän­dert. Bkifft anhän­gen, Reg­gae sin­gen und in Blech­hüt­ten hau­sen, das ist immer noch ange­sagt. Aller­dings sind inzwi­schen Mil­lio­nen von Tou­ris­ten über diese vor­mals schöne Insel her­ge­fal­len, was den Bau von unzäh­li­gen, am Strand lie­gen­den Lusus-Unter­künf­ten erfor­der­lich gemacht hat. Es wird dort über­all ganz offen her­um­er­zählt, daß kolum­bia­ni­sche Dro­gen­ba­rone die­ses Geschät fest in ihren Hän­den haben und mit dem Hotel­be­trieb ihr Geld waschen. Ja, schade. Wir waren dort vor 2 Jah­ren und wer­den nicht mehr hin­fah­ren, die Jamai­ka­ner, denen wir begeg­net sind, waren uns nicht wirk­lich gut gesinnt (pfui Weiße), und wenn man das gepflegte Hotel­ge­lände ver­lässt, dann ver­sinkt man wirk­lich bis an die Knie im Müll.

  33. Marianne says:

    Ein rich­tig span­nen­der Bericht über eine Reise, die mit dem Mut und der Zuver­sicht des Jung-Seins unter­nom­men wurde! Ein so klei­nes Baby ins Unge­wisse mit­zu­neh­men – ein Wag­nis, das aber zum Glück gut aus­ge­gan­gen ist! Ob sich wohl Gideon die kind­li­che Offen­heit von damals bewah­ren konnte und sich heute so sehr in aller Welt zuhause fühlt wie seine Mutter?

  34. Bathseba says:

    Da hab ich ja Gän­se­haut bekommen!
    Und bin froh, dass damals alles gut asge­gan­gen ist und du eine wun­der­bare Zeit erle­ben konntest!

  35. Sabine Manson says:

    Wow! Das hätte ich mich nie getraut! Wie schön, dass Du von Maxine, einer wirk­lich tol­len Frau, so lie­be­voll beschützt wur­dest. Starke Frauen kön­nen wirk­lich ein Leben ver­än­dern, ein gutes Vorbild.

  36. Vanessa wittmann says:

    ein tol­ler arti­kel! mir gefa­ellt auch die hin­ter­grund­in­for­ma­tion und der mut zum kurz­schluss­aben­teuer! viel­leicht sollte man oef­ters was wagen… aben­teuer pur in jedem fall und toll geschrie­ben. vie­len dank fuer den einblick!

  37. Johanna says:

    Sehr per­sön­lich und anschau­lich erzählt. Es erin­nert mich an eigene Fern­reise-Erfah­run­gen in den 80ern. nach dem Motto: Ein­fach los und dann sehn wir schon… Sehr schön geschil­dert auch die nicht nur „easy“ Rea­li­tät im kari­bi­schen “ Para­dies“, sowie die erfah­rene Hilfe und gute Auf­nahme durch Viele .

  38. Marion says:

    Eine fes­selnde Geschichte, die zeigt, dass man irgend­wie nie alleine ist;-) und über­all Mit­mensch­lich­keit zu fin­den ist…dein Mut und das Ver­trauen, das du gege­ben hast, ist zu dir zurück gekommen…

    1. Liebe Marion, genauso ist es: Ver­trauen aus­sen­den und es kommt zurück. Heute bin ich fest davon über­zeugt. Bei mir war es damals aller­dings nicht eine Lebens­phi­lo­so­phie, die dahin­ter steckte. Son­dern die Erkennt­nis: Was bleibt mir schon ande­res übrig? Aber heute zählt meine Nach auf dem Brett, das auf 2 Zie­gel­stei­nen auf­ge­bockt, war zu den wert­volls­ten Erin­ne­run­gen mei­nes Lebens: Wahn­sinn – Ich habe im Slum geschla­fen, nicht mal den Nach­na­men mei­ner Gast­ge­be­rin gewusst und mich den­noch sehr gebor­gen gefühlt! Herz­li­che Grüße, Karin

  39. Cornelia Hohnenegg (ehemals Hauser) says:

    liebe Karin,
    eine gelun­gene Mischung aus per­sön­lich Erleb­ten und Hin­ter­grund­in­for­ma­tion. Durch Deine Beschrei­bung konnte ich mir Dein Erleb­nis leb­haft gut vorstellen.

    lie­ben Gruß

  40. Sofia says:

    Der Arti­kel hat mich sehr berührt. Ich habe mir vor­ge­stellt, dass ich diese Reise mit mei­nem 7 Monate alten Kind Ben­ja­min gemacht hätte! Jetzt ist er schon 8 Jahre alt, aber als er so klein war, War ich zu die­sem Zeit­punkt, genau zu die­sem Zeit­punkt, auf einer Gesund­heits­wo­che am Starn­ber­ger See. Das fand ich schon auf­re­gend genug! Was Karin Loch­ner da erlebt hat, ist ein­fach nur mutig und sehr aben­teu­er­lich. Ich habe den Arti­kel ver­schlun­gen! Danke sehr!

  41. marion maierhofer says:

    Auf der Suche nach neuen, inter­es­san­ten Rei­se­zie­len stieß ich auf die Geschichte von Karin Loch­ner. Unglaub­lich. Zuerst dachte ich, dass es sich hier mehr um eine per­sön­li­che Bericht­erstat­tung han­delt, die mir keine ent­schei­den­den Infor­ma­tio­nen lie­fert. Doch weit gefehlt, je mehr ich las, desto tie­fer wurde ich hin­ein­ge­zo­gen. Durch die emo­tio­nale, bild­hafte Spra­che gelingt es der Autorin leben­dige Vor­stel­lun­gen zu erzeu­gen, gut unter­stützt durch die Fotos von damals. Frau Loch­ner ver­mit­telt einem die Lebens­weise und Lebens­ein­stel­lung der Jamai­ka­ner über exo­ti­sche Gewürze, Früchte, Knol­len und deren Zube­rei­tung. Der geschicht­li­che Anteil die­ser Repor­tage weckt Neu­gierde auf die Men­schen und ihre spi­ri­tu­elle Sicht der Welt.
    Vie­len Dank!

  42. Sibylla says:

    Eine tolle Geschichte! Und auch ein rich­ti­ges Aben­teuer… Da bekommt man gleich Lust, sich selbst mal wie­der auf den Weg zu machen!

  43. Katharina K. says:

    Eine span­nende Geschichte und ich bin heil­froh, dass sie gut aus­ging! So viel Mut hat man nur, wenn man jung ist! Mit 22 habe ich meine Hei­mat ver­las­sen, ohne mir einen Gedanke zu machen, wie es wei­ter geht. Und auch mir sind immer wie­der liebe und hilfs­be­reite Men­schen über den Weg gelau­fen. Die Erin­ne­run­gen las­sen mich mit Dank­bar­keit zurück bli­cken. Den­noch möchte ich mir nicht aus­ma­len, wie Karins Reise hätte aus­ge­hen kön­nen. Danke!

  44. Sigrid Meggle says:

    Eine tolle Geschichte, ich konnte nicht mehr auf­hö­ren zu lesen. Dabei hatte ich die ganze Zeit ein Grin­sen im Gesicht. Vie­len Dank.

  45. Isa Reiner says:

    Ein tol­ler Bericht, man kann sich gut rein­füh­len und bekommt Lust, den Ruck­sack zu packen und nach Jamaika zu flie­gen! Gehört viel Mut dazu, das mit einem so klei­nen Kind zu unter­neh­men. Aber ich kanns ver­ste­hen: habe vor 23 eine ähn­li­che Reise mei­nem mei­nem ein­jäh­ri­gen Sohn Lucas nach Thai­land gemacht.

    1. Liebe Isa, wie schön, dass Du mit Dei­nem Sohn auch so eine Reise nach Thai­land erlebt hast. Sol­che Erin­ne­run­gen sind so wertvoll!

  46. Andrea Kronmüller says:

    Eine inter­es­sante, sehr aben­teu­er­li­che Geschichte. Die Autorin ist unglaub­lich mutig! Ich habe es stau­nend gelesen!

    1. Hm, na ja. So mutig war ich gar nicht. Eher ziem­lich naiv sogar. Ihre Worte, dass die Geschichte für Sie aben­teu­er­lich und inter­es­sant war, freuen mich sehr, liebe Andrea.

  47. Ivon says:

    Wie schön, dass ich auf Ihren Bei­trag gesto­ßen bin. Hat mir einen unge­ahn­ten und sehr per­sön­li­chen Ein­blick zu Jamaika gewährt.

    1. Ja, liebe Mar­tina. Die 80er! Was für eine andere Zeit. Keine Han­dys, kein Inter­net, keine schnel­len Bot­schaf­ten über Whats­app. Und ein Tele­fon­an­ruf kos­tete ein Ver­mö­gen. Liebe Grüße, Karin

  48. Katharina Happ says:

    Schön frisch und wild geschrie­ben! Alles echt und auch das Baby bekommt einen sehr def­in­ti­ven Cha­rak­ter. Starke Sze­nen. Ich hätte da keine Fotos gebraucht. Muss zeit­weise sehr schlimm gewe­sen sein!
    Was ich nicht ent­rät­selt habe: Wo kam das Geld für den Rück­flug dann doch her? Viel­leicht von dem pro­be­ma­ti­schen Typ.
    Ich habe jeden­falls große Lust bekom­men: mal wie­der etwas aben­teu­er­li­cher zu ver­rei­sen … und dar­über zu schreiben.

    1. Danke liebe Katha­rina. Zur Frage: Ich hatte ja von Anfang an einen Hin- UND Rück­flug zu fest­ge­leg­ten Tagen. Umbu­chen wäre bei die­sem Bil­lig-Ticket nicht mög­lich gewe­sen. Für den Rück­flug zu einem ande­ren Ter­min hatte ich zu wenig Geld.

  49. Brigitte says:

    Schön einen Jugend­li­chen Leicht­sinn mit soviel nach­träg­li­chem Rea­lis­mus gepaart zu sehen.
    Wie viele haben Dinge getan, die wir im nach­hin­ein nie­mals wie­der so machen wür­den. Nur gut das zum Ende alles gut aus­ging und Mama und Sohn heil aus die­ser Geschichte herauskamen.
    Viel­leicht auch eine Geschichte für die, die heute über Leicht­sin­nig­kei­ten nachdenken.

    1. Ja, liebe Bri­gitte. Ich danke mei­nen Schutz­en­geln noch heute, dass alles gut aus­ge­gan­gen ist. Mehr noch, dass wir nach zwei Tagen holp­ri­ger Ankunft und Chaos sogar das Para­dies auf Erden erle­ben durften.

  50. Kerstin says:

    Wun­der­vol­ler Arti­kel, sehr span­nend und mit­rei­ßend. Herz­li­che Grüße und danke fürs teil­ha­ben las­sen an die­ser muti­gen Geschichte

  51. Petra Strehmel says:

    So aben­teu­er­lus­tig und mit klei­nem Kind ein­fach los­zu­zie­hen – war das Mut? Leicht­sinn? Gott­ver­trauen? Sie hat sehr liebe Men­schen ange­trof­fen – das zei­gen die vie­len freund­li­chen Gesich­ter auf den Fotos. Und sie hat uns mit die­sem Arti­kel mit ein­tau­chen las­sen in das Lebens­ge­fühl der Jamai­ka­ner, ihre Musik, ihre Düfte, ihre Lebens­freude, ohne die Armut und die schwie­ri­gen Lebens­ver­hält­nisse aus­zu­las­sen. Vie­len lie­ben Dank dafür!

    1. Tja, liebe Petra. Es war schon ziem­lich leicht­sin­nig. Wenn ich es von heute aus betrachte. Das hätte schlimm enden kön­nen. Wie schön, dass ich Schutz­en­gel hatte.

  52. Elena says:

    Eine sehr span­nende Geschichte, fes­selnd geschrie­ben. Es zeigt wun­der­bar ver­trauen us Leben trotz gefähr­li­chen Situa­tio­nen. Sehr berüh­rend auch die vie­len umlie­gen­den Hände für gideon.

    1. Ja, liebe Elena. Als ich meine Furcht im Slum los­ge­las­sen habe, und Ver­trauen geschöpft habe, war es eine Zeit vol­ler Gebor­gen­heit. Und wie die Men­schen sich um mein Baby küm­mer­ten: Das werde ich nie vergessen.

  53. Annette Metz says:

    Was für eine auf­re­gende, span­nende, aben­teu­er­li­che Reise! Jamaica muss ein Para­dies sein
    Eine wun­der­volle und wit­zige Geschichte von einer uner­schro­cke­nen Mutter!

    1. Es freut mich, liebe Annette, dass Dir meine Erin­ne­run­gen gefal­len haben. Ja, Jamaica war für mich wirk­lich ein Para­dies damals. Mir läuft noch heute das Was­ser im Munde zusam­men, wenn ich an all die Früchte denke, die ich pflück­frisch naschen konnte.

  54. Ulrike Beschel says:

    Ich bin schon etwas erschro­cken, wie blau­äu­gig Karin Loch­ner als junge Frau und Mut­ter in die Fremde gezo­gen ist. Aber es ist ja gut gegan­gen und Mut und Aben­teu­er­lust brin­gen einen im Leben voran. Danke für den ehr­li­chen Artikel.

    1. Anne Klein says:

      Unglaub­lich span­nende Geschichte! Sehr leben­dig beschrie­ben. Hat dem klei­nen Gideon bestimmt nicht gescha­det, eine so spon­tane und „unüber­legte“ Reise anzu­tre­ten. Eine Reise, die 1986 erlebt
      und 2019 aus dem Gedächt­nis nie­der­ge­schrie­ben wurde ? Wie auch immer – tolle Erzählung.

    2. Danke liebe Ulrike. Ja. Puh. Es ist glück­li­cher­weise gut gegan­gen. Ich wäre aber heut­zu­tage ent­setzt, wenn meine Toch­ter mit Baby so eine Reise antre­ten würde. Aber ich habe ja keine Toch­ter mit Baby. Und meine Mut­ter war ver­ständ­li­cher­weise auch scho­ckiert, als sie es im Nach­hin­ein erfah­ren hat.

    3. Danke liebe Anne, oje, jetzt habe ich die Ant­wor­ten an Anne und Ulrike ver­wech­selt. Ver­zeiht mir bitte, Ihr bei­den. Ich bin ganz gerührt, wie viele Reak­tio­nen ich auf meine Erleb­nisse bekomme, die sich schon im leztz­ten Jahr­tau­send zuge­tra­gen haben.

  55. Mingo Rauchfuß says:

    Uh! Was für eine gru­se­lige Geschichte, wenn man die „Fak­ten“ nimmt. Und was für eine köst­li­che Geschichte dar­aus gewor­den ist!
    Ist das der Mies-Kon­ver­ter, der im Nach­hin­ein fast alles rosig anhau­chen kann?
    Jetzt müsste der Gideon seine Seite der Haa­res­breite auf­schrei­ben können!
    Tolle Fotos auch – nur auf einem schaut er besorgt …

    1. Stell Dir vor, liebe Mingo, kein ein­zi­ges Foto ist von mir gemacht. Die habe ich alle damals von den Men­schen dort geschenkt oder mit der Post geschickt bekom­men. Ich hatte nicht mal eine Kamera dabei. In mei­ner Erin­ne­rung war Gideon aber vor­wie­gend sehr glück­lich. Kein Wun­der, er wurde hofiert und rum­ge­tra­gen wie ein Kron­prinz. Er konnte meist ohne Win­del sein (wie die Babys dort auch) und hat einen rie­si­gen Ent­wick­lungs­schub gemacht. Klar, ver­klärt man vie­les im Nach­hin­ein. Aber die­ses Gefühl von Gebor­gen­heit hatte ich in kei­nem ande­ren Land so stark. Es lag sicher daran, dass ich die Spra­che der Ein­hei­mi­schen ver­ste­hen konnte.

  56. Susanne Müller says:

    Bin mal wie­der in eine für mich fremde Welt ein­ge­taucht, spüre noch die Wärme und die Gerüche
    Bist du mal wie­der dort hin gereist?

    1. Liebe Susanne, ich habe meh­rere Anläufe genom­men, noch­mal hin­zu­rei­sen. Es hat nie geklappt. Mal war ein Wir­bel­sturm dort der Grund, mal die Krank­heit mei­ner Rei­se­be­glei­tung und ein drit­tes Mal habe ich am Flug­ha­fen gemerkt – wie unend­lich pein­lich!!! – dass mein Rei­se­pass abge­lau­fen war. Ich habe es mitt­ler­weile als Wink des Schick­sals akzep­tiert: Meine Erin­ne­run­gen von damals sol­len nicht „über­tüncht“ wer­den. Herz­lich, Karin

  57. Joanna says:

    Wun­der­vol­ler Arti­kel, vie­len Dank. Ich habe ihn mit viel Freude „ver­schlun­gen“ und zu Schluss herz­lich laut gelacht!

    1. Anita hatton says:

      Sehr ein­fühl­sam geschrie­ben und fas­zi­nie­rend wie sie die Men­schen beschreibt! Am liebs­ten würde ich gleich meine Kof­fer packen und dort­hin fliegen!

    2. Sabine Fiebig says:

      Eine atem­be­rau­bende, fes­selnde Geschichte! Unsag­bar wort­ge­wal­tig, span­nend, humor­voll und pit­to­resk geschildert!

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