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Mit dem Heißluftballon über Kappadokien

Über Kap­pa­do­kien geht die Sonne auf. Keine Wolke ist am noch dun­kel­blauen Him­mel zu sehen. Die Luft ist klar und kalt, bei­nahe wind­still. Ich trage meine Klei­dung im Zwie­bel­sys­tem und den­noch zit­tere ich, ziehe meine Woll­mütze tie­fer ins Gesicht. Noch gibt die fros­tige Nacht nicht kampf­los auf.

Eine rie­sige Flamme bricht mit lau­tem Getöse los. Sie erwärmt die Mor­gen­luft, schickt 350.000 Kubik­me­ter davon in einen elas­ti­schen Sack – ein Volu­men, wel­ches den Köl­ner Dom zum Plat­zen brin­gen würde.

Heißluftballon, Kappadokien Stich­flamme in der kal­ten Morgendämmerung

Heißluftballon, Kappadokien

Lang­sam, bei­nahe unmerk­lich, ver­las­sen wir den Boden unter unse­ren Füßen. Als Kind habe ich mal ver­sucht, so viele Luft­bal­lons auf­zu­pus­ten, dass sie mich hät­ten tra­gen kön­nen. Doch schei­terte das Pro­jekt einst an feh­len­dem Mate­rial. Es gab nicht genug Ballons.

Jetzt schwe­ben wir in einem gefloch­te­nen Korb bereits 20 Meter über dem Boden und stei­gen gemein­sam mit der auf­ge­hen­den Sonne. Immer höher geht es hin­auf. Die anfäng­li­che Kälte ver­fliegt. In der Nähe des Gas­bren­ners ist es bei­nahe ange­nehm warm.

Die skur­ri­len Fels­for­ma­tio­nen Kap­pa­do­ki­ens lie­gen unter uns. Spitze Berge aus wei­chem, vul­ka­ni­schem Ero­si­ons­ge­stein, in Jahr­tau­sen­den geformt. Doch spek­ta­ku­lär ist nicht nur die Land­schaft, son­dern auch der Luft­ver­kehr. 100 Heiß­luft­bal­lons sind jeden Mor­gen in der Luft, um die Schön­heit der Natur aus der Vogel­per­spek­tive zu beob­ach­ten. Mehr als 1.300 Flug­gäste pro Tag. Kap­pa­do­kien ist mit Abstand das zah­len­mä­ßig größte Flug­ge­biet für Heiß­luft­bal­lons welt­weit. Der Him­mel ist über­sät mit bun­ten Punk­ten. Hier und da zün­gelt eine Flamme unter den enor­men Ballons.

Heißluftballon, Kappadokien Heißluftballon, Kappadokien Heißluftballon, Kappadokien Heißluftballon, Kappadokien

Über das offene Wal­kie-Tal­kie unse­res Pilo­ten Halis kön­nen wir die Manö­ver der ande­ren Bal­lon­füh­rer mit­ver­fol­gen. Sie stei­gen mal auf und mal ab, immer auf der Suche nach geeig­ne­ten Win­den, die den Bal­lon in eine noch ein­drucks­vol­lere Ecke der Gegend treiben.

Lila Wol­ken ste­hen am Him­mel. Wir schwe­ben über einer atem­be­rau­ben­den Kulisse. Seit 1985 gehö­ren Kap­pa­do­ki­ens Stein­for­ma­tio­nen zum UNESCO-Welt­na­tur­erbe und wir kön­nen uns kaum satt­se­hen an den unzäh­li­gen Abtra­gun­gen, Schluch­ten und Tälern, die den Reiz der Umge­bung aus­ma­chen. Fels­schorn­steine ragen, Phal­lus­sym­bo­len gleich, aus dem Erd­bo­den. Seit ein paar Fran­zo­sen diese For­ma­tio­nen ent­deck­ten, sind sie als das Love Val­ley bekannt.

Plötz­lich sin­ken wir wie­der. Nur wenige Meter glei­ten wir an einer stei­len Fels­wand vor­bei. Halis manö­vriert zu unse­rem Stau­nen den gro­ßen Heiß­luft­bal­lon durch eine so schmale Öff­nung zwi­schen zwei Berg­spit­zen, dass wir bei­nahe das Gestein berüh­ren kön­nen. „Ich mache das nicht, um euch zu beein­dru­cken. Mir macht das ein­fach Spaß!“, scherzt er.

Love Valley Love Valley

Heißluftballon, KappadokienSonnenaufgang über Kappadokien Heißluftballon, Kappadokien Heißluftballon, Kappadokien Heißluftballon, Kappadokien Heißluftballon, Kappadokien Heißluftballon, Kappadokien Heißluftballon, Kappadokien

Dann geht es wie­der hin­auf. Immer höher, der Sonne hin­ter­her, die mitt­ler­weile den Tag voll­ends ein­ge­läu­tet hat. Unmerk­lich stei­gen wir auf eine Höhe von 600 Metern. Ich kann es kaum glau­ben und erst ein vor­sich­ti­ger Blick über die Brüs­tung des Kor­bes bestä­tigt die Angabe des Höhen­mes­sers auf erschre­ckende Weise. Doch für meine Höhen­angst habe ich keine Zeit. Zu fas­zi­niert bin ich vom Flug, von der Stille, von der Klar­heit des Mor­gens, von der Schön­heit der Natur.

Nach etwas mehr als einer Stunde set­zen wir zur Lan­dung an. Mit drei Metern pro Sekun­den kom­men wir der Erde wie­der näher. Kurz vor dem Auf­set­zen wird der Bal­lon an einem lan­gen Seil in die rich­tige Posi­tion gezo­gen und lan­det per­fekt und uner­war­tet but­ter­weich auf dem Anhän­ger eines Pick-Ups.

Zum Abschluss ser­viert uns Halis, nach Tra­di­tion der Heiß­luft­bal­lon­fah­rer, Cham­pa­gner, den wir uns hier, auf einem brach­lie­gen­den Acker, fei­er­lich schme­cken lassen.

600 Meter über dem Boden 600 Meter über dem Boden

Heißluftballon, Kappadokien

Champagner zum Abschluss Halis spen­diert uns Cham­pa­gner zum Abschluss

 

Wir bedan­ken uns bei Cap­pa­do­cia Voya­ger Bal­loons für die Ein­la­dung zur Fahrt im Heißluftballon.

Cate­go­riesTür­kei
Morten & Rochssare

Per Anhalter und mit Couchsurfing reisen Morten und Rochssare ab 2011 zwei Jahre lang zwischen Feuerland und der Karibik kreuz und quer durch Südamerika. Seit 2014 trampen die beiden auf dem Landweg von Deutschland nach Indien und weiter nach Südostasien. Von ihren Abenteuern und Begegnungen erzählen sie auf ihrem Blog und in ihren Büchern „Per Anhalter durch Südamerika“ und „Per Anhalter nach Indien“, jeweils erschienen bei Malik National Geographic.

    1. Morten & Rochssare says:

      Ja, die Aus­sicht ist wahn­sin­nig schön. Das ganze Erleb­nis ist faszinierend.
      Viele Grüße

  1. Pingback:Landkarte Kontinente - MALVORLAGEN234

    1. Morten & Rochssare says:

      Hey Ste­fan,
      nach unten zu schauen war schon aben­teu­er­lich, aber der Blick in die Weite ist dafür fan­tas­tisch. Letzt­end­lich ist es aber auch egal, weil wir in bei­den Fäl­len auf­ge­regt waren.

    1. Morten & Rochssare says:

      Ja, das soll­test du unbe­dingt mal machen. Dann kannst du auch schnell wie­der zurück ans Meer ;-)

    1. Morten und Rochssare says:

      Wahre Worte lie­ber Andreas,

      Eine Reise im Heiß­luft­bal­lon ist das abso­lute High­light jeder Kappadokienreise.

  2. Rici says:

    Kap­pa­do­kien- Das ein­ma­lige Reiseziel

    Vor meh­re­ren Mil­lio­nen von Jah­ren gab es eine Ero­sion, die eine fas­zi­nie­rende Ort­schaft hat her­vor­tre­ten las­sen. Kap­pa­do­kien wird diese inzwi­schen genannt und hat viel­fäl­tige Pro­vin­zen zu bie­ten. Die Pro­vin­zen hei­ßen Nev­se­hir, Aks­aray, Kir­se­hir, Nigde wie Kay­seri. Den Urlau­bern bekannt ist vor allem der Ort Göreme, denn hier gibt es Fels­for­ma­tio­nen, die ein­fach traum­haft anzu­se­hen sind. Die aus Tuff­stein­fel­sen gehaue­nen Höh­len- und Fel­sen­kir­chen muss man ein­fach gese­hen haben. Sie wur­den sogar im Jahre 1985 zum Welt­kul­tur­erbe ernannt, natür­lich von der UNESCO. Es ist kei­nes­falls ver­wun­der­lich, dass Göreme das Herz­stück von Kap­pa­do­kien ist. 

    Kap­pa­do­kien wird auch gerne als Stadt der Pferde benannt, weil die Urlau­ber auf dem Rücken der Tiere Göreme erkun­den kön­nen. Ande­rer­seits auch, weil Kap­pa­do­kien über­setzt in der Tat Land der schö­nen Pferde bedeu­tet. Da gibt es eine Menge zu sehen, so die unter­ir­di­schen Städte Der­in­kuyu und Kay­makli, die bis zu 10 Eta­gen in die Tiefe gehen. Sel­bige wur­den in den 60er Jah­ren von Archäo­lo­gen entdeckt. 

    Wer Natur­wun­der mag, muss Kap­pa­do­kien auf­su­chen. Die bizar­ren Fels­for­men wer­den begeis­tern kön­nen, ebenso wie die ein­ge­haue­nen Höh­len und Woh­nun­gen oder Kir­chen wie auch Klös­ter. Die Töp­fer­stadt Ava­nos wird die Rei­sen­den oben­drein begeis­tern wie auch die Stadt Ürgüp. 

    Bevor man den Urlaub bucht, kann man sich mit Freude über sons­tige tür­ki­sche Urlaubs­orte auf http://www.nevsehir-kappadokien.de infor­mie­ren. So weiß man, wo genau der Urlaub unver­gess­lich wer­den wird.

    1. Morten und Rochssare says:

      Kap­pa­do­kien ist sur­real und wun­der­schön. Egal ob man die Region auf dem Rücken der Pferde, zu Fuß oder aus dem Heiß­luft­bal­lon her­aus erkun­det. Es gibt jede Menge zu entdecken.

  3. Carina says:

    Ein tol­ler, gut geschrie­be­ner Bericht!

    Ich wollte zwar schon vor­her immer schon eine Bal­lon­fahrt in Kap­pa­do­kien machen, aber durch eure Bil­der ist mein Wunsch nur noch grö­ßer gewor­den :D
    Diese ein­ma­lige Land­schaft (über die ich heute übri­gens zufäl­li­ger­weise auch einen Arti­kel geschrie­ben habe) muss aus der Luft bestimmt noch viel sur­rea­ler aussehen!
    Außer­dem gut zu wis­sen, dass immer so viele Bal­lons unter­wegs sind. Ich dachte vor­her immer, dass so viele sich immer nur für eine Art „Fes­ti­val“ treffen.

    Danke für den Bericht und die tol­len Fotos!

    1. Morten und Rochssare says:

      Hallo Carina,
      vie­len Dank für die net­ten Worte. Wir freuen uns, dass wir deine Fas­zi­na­tion für Kap­pa­do­kien noch ein biss­chen stei­gern konn­ten. Der Kap­pa­do­kien-Arti­kel auf dei­nem Blog hat uns sehr gut gefal­len. Die ganze Region ist ein­ma­lig – sowohl aus der Vogel­per­spek­tive als auch von unter Tage.

      Beste Grüße.

  4. Gisela Voss-Goerge says:

    Wun­der­schön beschrie­ben! Ich kann den Ein­drü­cken nur zustim­men. Ich habe auch im Novem­ber Kap­pa­do­kien aus dem Heiß­luft­bal­lon bewun­dert. Es ist live noch beein­dru­cken­der als auf den tolle Fotos! Ein „Must“ wenn man/frau dort ist!
    Wei­ter­hin gute und erleb­nis­rei­che Reise :-)

    1. Morten und Rochssare says:

      Liebe Gisela,
      vie­len Dank für dein Lob. Tat­säch­lich ist es schwer Worte zu fin­den, die die­sem Erleb­nis gerecht wer­den. Ein Flug im Heiß­luft­bal­lon über Kap­pa­do­kien gehört auf jeden Fall zu den ein­drucks­volls­ten Erfah­run­gen unse­rer Reise.

    1. Morten und Rochssare says:

      So ein Flug ist wirk­lich ein­ma­lig. Wir sind noch immer vol­ler Begeisterung.

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