Der Voll­mond steht über Aser­bai­dschan, als ich Mit­ten in der Nacht aus unse­rem Zelt krabble.
Ich werfe meine San­da­len vor mir in den Sand und leuchte den Boden mit der Stirn­lampe ab. Wenn es riecht wie im Busch und der ganze Kör­per mit einer Mischung aus Son­nen­creme, Staub, Sand und Schweiß über­zo­gen ist – dann kramt man ganz auto­ma­tisch ein paar Ur-Instinkte aus den Tie­fen des Unter­be­wusst­seins her­vor. Die neh­men dann die Plätze von Gewohn­hei­ten aus unse­rer Zeit ein, die man in die­sem Moment auf kei­nen Fall braucht. Auf einen bestimm­ten Klin­gel­ton zu regie­ren, zum Bei­spiel. Oder auf die Uhr­zeit zu ach­ten.

Viel wich­ti­ger ist es gerade statt­des­sen, dass im Licht­ke­gel der Stirn­lampe keine Skor­pione oder Schlan­gen ver­steckt sind. Oder, dass ich rich­tig liege und das bel­lende Geräusch, das mich geweckt hat, nicht von einer Hyäne kommt. Eigent­lich weiß ich das ja: Hyä­nen bel­len nicht, die kichern hin­ter­lis­tig und unheim­lich. Das Geräusch kenne ich aus den Näch­ten, die wir auf einem Fuß­marsch durch den afri­ka­ni­schen Busch unter dem Ster­nen­him­mel biwa­kiert haben.
Dort hat es sich völ­lig selbst­ver­ständ­lich ange­fühlt, nachts immer wie­der mit dem Licht­ke­gel der Stirn­lampe einen Kreis um sich zu zie­hen. Ganz in der Hoff­nung, dass keine Augen auf­leuch­ten.
Gerade mache ich das auch und schnaufe erleich­tert durch.
Hier fühlt sich das aller­dings nicht so selbst­ver­ständ­lich an.
Ich bin in Geor­gien.
Und ich habe mir vor­her eini­ges aus­ge­malt.
Nachts völ­lig ver­schwitzt und ver­staubt auf Hyä­nen und Skor­pione ach­ten zu müs­sen – das hat defi­ni­tiv nicht dazugehört.

Eigentlich sollten wir ja gar nicht hier sein

Wir sind noch keine Woche in Geor­gien – trotz­dem hab ich die Momente zu zäh­len auf­ge­hört, in denen Geor­gien mich vor Über­ra­schung fast umge­hauen hat. Im Guten.
Die Wein­re­gion mit ihren nicht enden wol­len­den, grü­nen Hügeln, eine Halb­wüste, eine Savanne, in der Gazel­len durch das hohe Gras huschen. Kro­ko­dile im Fluss, Gerü­che wie in Afrika.
Dass ich all das hier erle­ben werde, hätte ich nie erwar­tet. Und um genau zu sein, war das so auch nicht geplant.

Geor­gien sollte nach der Mon­go­lei unser nächs­tes Ziel für eine mehr­wö­chige Wan­der­tour sein. Ein Long-Distance-Hike durch das Kau­ka­sus-Gebirge. Nur wir beide, unsere Ruck­sä­cke mit allem, was man täg­lich eben so braucht zum Leben in der Wild­nis. Und dann kam eine Sache hinzu, die man defi­ni­tiv nicht braucht für so eine mehr­wö­chige Wan­de­rung mit schwe­rem Gepäck: ein Bän­der-Anriss. Drei Wochen, bevor es los­ging.
Felix war im Wald in Slo­we­nien über eine Wur­zel gestol­pert. Zack. Band ange­ris­sen. Long-Distance-Hike abge­bla­sen.
Ganz auf ein Aben­teuer ver­zich­ten? Das kam für uns trotz­dem nicht in Frage. Die Zeit war frei­ge­schau­felt, die Flüge gebucht. Und die Sehn­sucht viel zu groß.

Der neue Plan: Nach Georgien ohne Plan

Als wir also vor einer Woche in Geor­gi­ens Haupt­stadt Tif­lis ange­kom­men sind, haben wir uns ein klein biss­chen gefühlt wie aus­ge­spuckt. Wie bei unse­ren ers­ten Fern­rei­sen, als wir so gar kei­nen Schim­mer hat­ten, was in den kom­men­den Wochen pas­sie­ren wird. Keine Ahnung, was uns erwar­ten wird, wie es aus­se­hen, wie es sich anfüh­len wird.

Es ist ja nicht so, dass wir sonst einen Plan haben, wenn wir ein Land erkun­den wol­len. Wenn wir nicht gerade durch das dünn­be­sie­deltste Land der Welt lau­fen oder eine Insel mit dem Fahr­rad durch­que­ren wol­len, geht die Vor­be­rei­tung kaum über die Anreise hin­aus. Alles, was ab dem Moment pas­siert, in dem wir mit bei­den Bei­nen auf frem­dem Boden ste­hen, pas­siert spon­tan. Getrie­ben von den Begeg­nun­gen, die wir machen, von Rat­schlä­gen, Tipps der Ein­hei­mi­schen und von unse­rer Neu­gierde.
Trotz­dem haben wir im Hin­ter­kopf gewöhn­lich so eine grobe Idee. Wo sich die wil­den Ecken ver­ste­cken könn­ten, wo die Men­schen noch ganz unter sich leben.

Was Geor­gien angeht, haben wir uns aus­schließ­lich mit mög­li­chen Rou­ten im Kau­ka­sus-Gebirge beschäf­tigt. Alles süd­lich davon wür­den wir bei die­sem Aben­teuer sowieso nicht zu sehen bekom­men.
Dach­ten wir.
Und dann kam es eben doch anders. Wir wur­den am Flug­ha­fen aus­ge­spuckt, wir hat­ten kei­nen Plan und die­ses Mal noch nicht ein­mal eine grobe Idee. Wenn schon keine Wan­de­rung durch die Wild­nis, dann wenigs­tens das wilde Rei­se­ge­fühl, bei dem man sich auf alles ein­lässt, was pas­sie­ren wird. Dar­auf hat­ten wir vor­her eingeschlagen.

Das Erste, was uns pas­siert ist, war Rubo. Wir haben in einem Zim­mer in sei­ner Woh­nung im alten Teil von Tif­lis über­nach­tet, gleich unter­halb des hei­li­gen Bergs Mtazminda.
Rubo spricht Rus­sisch, Arme­nisch und Geor­gisch – wir nichts davon, zumin­dest nie mehr als ein paar Wör­ter. Sein WLAN und Google Trans­late über­brück­ten unsere Sprach­bar­riere. Bei Rubo löste die Robo­ter­stimme, die abwech­selnd ins Geor­gi­sche und ins Deut­sche über­setzt, sogar sowas wie kind­li­che Freude aus.
Wie alt er ist, wollte er uns trotz­dem nicht ver­ra­ten. Aber er hätte sich toll gehal­ten und könne dar­über sehr glück­lich sein, wie­der­holte er mehr­mals und zog noch im sel­ben Atem­zug zum Son­nen das T‑Shirt aus. Stolz klopfte er sich auf den Bauch, kniff sich selbst hin­ein und hob dann mit einem Lachen den selbst­ge­mach­ten Wein vom Boden hoch.

»Du bist die Treppe mit dem Ruck­sack nicht hoch­ge­kom­men«, sagte er zu Felix und deu­tete auf die Schiene an sei­nem Knö­chel. »Ihr braucht ein Auto, mit einem Auto wer­det ihr Geor­gien lie­ben.«
Wir nick­ten.
Bei so viel Über­zeu­gung kann man kaum was dage­gen sagen. Und ja, dass ein Auto Felix Fuß­ver­let­zung gut­tun würde, dar­über haben wir auch schon nach­ge­dacht. Zumin­dest jetzt, ganz am Anfang, kann er mit dem gro­ßen Rei­se­ruck­sack nicht kilo­me­ter­weit zwi­schen Bus­hal­te­stel­len, den schöns­ten Zelt­plät­zen und dem nächs­ten Ort pendeln.

Auf der Suche nach Georgiens wilden Regionen

Rubo wusste nicht nur, dass wir unbe­dingt ein Auto brau­chen. Er wusste auch, woher wir es bekom­men. Natür­lich.
Wir ver­such­ten, ihm zu erklä­ren, dass wir ein eini­ger­ma­ßen zuver­läs­si­ges Auto brau­chen. Eins, das wir auch auf Schot­ter­pis­ten neh­men dür­fen. Und wir hät­ten gehört, in Geor­gien lan­det man auf denen ziem­lich schnell.
»Also ein All­rad«, war Rubos Ant­wort. »Den braucht ihr auf jeden Fall, sobald ihr von tou­ris­ti­schen Rou­ten weg­wollt.«
Rubo ver­stand uns. Google Trans­late über­setzt wohl auch zwi­schen den Zei­len.

So schnell konn­ten wir gar nicht schauen, da bau­melte Rubos Freund mit den Schlüs­seln eines Gelän­de­wa­gens vor unse­ren Nasen.
Den könn­ten wir für vier Wochen gerne haben (ganz bestimmt), es gebe eine Ver­si­che­rung für Ver­mie­tun­gen (viel­leicht wirk­lich?) und der Preis wäre sehr gut (ziem­lich sicher).
Wir wäg­ten ab.
In einem geor­gi­schen Hin­ter­hof von pri­vat ein Auto zu mie­ten, ist ein güns­ti­ger Deal. Solange nichts pas­siert. Dann kann es schnell ent­we­der unglaub­lich teuer wer­den – oder auch nicht, weil der Geor­gier sei­nen ande­ren Cou­sin mit der Werk­statt anruft und ein­fach nur will, dass sein Auto wie­der fährt. Was von bei­dem pas­sie­ren würde, wird man vor­her nie wis­sen.
Um nicht ganz naiv gen Total­scha­den zu kur­ven, krit­zel­ten wir ein Abkom­men auf Eng­lisch und Geor­gisch auf eine DIN A4 Seite. Alle unter­schrie­ben – Rubos Freund mit hoch­ge­zo­ge­ner Augen­braue – und plötz­lich bau­mel­ten die Schlüs­sel nicht mehr vor unse­ren Nasen, son­dern ver­schwan­den in Felix Hosentasche.

»Ihr dürft damit über­all fah­ren«, sagte Rubos Freund zum Abschied. »Wenn die Straße zu schlecht wird, auf­hört oder ihr ste­cken bleibt, dann merkt ihr es ja. Man­che Berg­stra­ßen im Kau­ka­sus sind wirk­lich gefähr­lich, das müsst ihr wis­sen. Und ganz im Süd­os­ten, im Natio­nal­park an der Grenze zu Aser­bai­dschan ist eine Halb­wüste. Viel Sand, schwie­rige Tracks. Kein Mensch dort. Ganz schwie­rig hin­zu­kom­men. Wasch­lo­wani heißt die Gegend.«

Am nächs­ten Mor­gen stand Rubo wie­der mit nack­tem Ober­kör­per in der Tür.
»Und, wo geht’s als Ers­tes hin?«
»Wasch­lo­wani.« Felix und ich ant­wor­te­ten gleich­zei­tig.
Rubo grinste. »Natür­lich.«

Wir machen uns auf die Suche nach Geor­gi­ens wil­den Regionen.

Wo Aserbaidschan zum Greifen nah ist

Und so stehe ich hier jetzt.
Hin­ter mir unser Zelt, vor mir der Voll­mond. Unter mei­nen Füßen die Abriss­kante, mit der sich Geor­gien in fast senk­rech­ten zwei­hun­dert Metern in Aser­bai­dschan ver­wan­delt.
Ich liebe die Wüste. Und ich hätte nicht gedacht, dass ich sie nach unse­rer Reise in den Oman vor vier Mona­ten so schnell wie­der­se­hen darf.
Geor­gien = Kau­ka­sus?
Von wegen!

Der Wasch­lo­wani-Natio­nal­park zieht uns so sehr in sei­nen Bann, dass wir am liebs­ten viel län­ger blei­ben wol­len.
Die Sache ist aber: Das Gebiet ist wegen sei­ner unmit­tel­ba­ren Nähe zu Aser­bai­dschan streng vom Mili­tär über­wacht. Bevor man rein­fah­ren darf, muss man sich im Besu­cher­zen­trum regis­trie­ren und dann eine zweite Erlaub­nis bei der Grenz­po­li­zei in Dedo­pliszgaro abho­len. Es wird genau fest­ge­legt, wohin man fah­ren darf, wo und wie lange man über­nach­tet. Zwi­schen­durch muss man sich an Ran­ger­sta­tio­nen mel­den.
Die große, wilde Frei­heit nach Zeit­plan.

Den letz­ten Abend ver­brin­gen wir mit den Ran­gern, die auf ihrer Sta­tion direkt am Ala­sani-Fluss woh­nen.
Sie neh­men uns mit in den Fluss, in dem sie zwei­mal am Tag die Fischer­netze lee­ren, die in der Strö­mung trei­ben.
Wäh­rend wir uns unge­fähr zwei Kilo­me­ter von der Strö­mung mit­neh­men las­sen, macht Geor­gio Witze dar­über, dass wir uns nicht zu weit nach links trei­ben las­sen sol­len. Wir müss­ten auf­pas­sen, sonst wür­den wir näm­lich in Aser­bai­dschan lan­den.

Tat­säch­lich ist der Ala­sani die natür­li­che Grenze und die Sol­da­ten vom nächs­ten Mili­tär­check­point über­bli­cken fast den gesam­ten Fluss­lauf. Gerade gibt es wie­der Unru­hen, weil Aser­bai­dscha­ni­sche Trup­pen an ande­ren Stel­len zu weit nach Geor­gien vor­drin­gen. Eine umkämpfte Region, die seit Jahr­zehn­ten immer wie­der zu Strei­tig­kei­ten zwi­schen den bei­den Län­dern führt.

Wenn der Son­nen­un­ter­gang die schrof­fen Sand­stein­berge zum Glü­hen bringt, die Ran­ger den frisch gefan­ge­nen Fisch über dem Grill dre­hen, Wein nach­schen­ken, Brot backen und wir dar­über phi­lo­so­phie­ren, was Orte wild macht, fühl­ten sich Gren­zen und Mili­tär aber ganz weit weg an.

Von der Savanne zu den Gletschern

Wahr­schein­lich ist es gut, dass die Stra­ßen in Geor­gien über­sät sind von Schlag­lö­chern. Dass man für die meis­ten Stre­cken unglaub­lich lange braucht. Wahr­schein­lich ist das gut, weil man Zeit braucht, um zu ver­ar­bei­ten. Zum Bei­spiel, dass man plötz­lich nicht mehr mit Ran­gern Fische grillt und auf einer kur­vi­gen Sand­piste durch die Savanne schwimmt, son­dern umge­ben ist von hell­grü­nen Wein­ber­gen so weit das Auge reicht.
Was die Ent­fer­nung angeht, ist bei­des näm­lich nicht weit von­ein­an­der weg. 90 Kilo­me­ter sind es von Dedo­pliszgaro, dem letz­ten grö­ße­ren Ort vor dem Wasch­lo­wani-Natio­nal­park, bis nach Telawi – das Herz der Region Kache­tien, die für ihre Weine bekannt ist. Und in Telawi ist man sogar schon mit­ten­drin in der grü­nen Hügellandschaft.

Auf der Fahrt von den Wein­ber­gen zu den gro­ßen Gip­feln des Kau­ka­sus bin ich mir nicht ganz sicher, wie ich mich füh­len soll. Rie­sige Vor­freude und unge­zü­gel­ter Ent­de­cker­drang mischen sich mit Weh­mut, dass wir dort nicht die Wan­de­run­gen machen kön­nen, die wir uns ursprüng­lich in den Kopf gesetzt hat­ten. Wenn ich Berge sehe, dann will ich mich hin­ein­stür­zen in ihre Gip­fel­welt. Mit Felix Ver­let­zung kön­nen wir aber nicht ganz so weit und wild wan­dern wie sonst.
Als ich jeden Moment dar­auf warte, dass die ers­ten, gro­ßen Gip­fel vor der Wind­schutz­scheibe unse­res Gelän­de­wa­gens auf­tau­chen, und ich befürchte, Weh­mut könnte die Vor­freude bei­seite sto­ßen – ist nichts mehr da als pure Begeis­te­rung.
Die Land­schaft ist so atem­be­rau­bend, dass man stun­den­lang auf Berg­wie­sen sit­zen und sie ein­fach nur ein­sau­gen kann.

Wo Russland zum Greifen nah ist

Das schönste Pan­orama gibt es ja ganz oft in den Orten, die nicht für ihr Pan­orama bekannt sind. Ein­fach des­halb, weil diese Orte nicht extra her­ge­rich­tet wer­den, nicht ver­än­dert und ver­bo­gen werden.

Ein jun­ger Geor­gier, den wir an einem unse­rer ers­ten Abende in Tif­lis ken­nen­ge­lernt haben, hat sich vor­ge­stellt mit:
»Ich komme aus der Region Racha, aber da wer­det ihr bestimmt nicht hin­fah­ren, da fährt näm­lich nie­mand hin.«
Unsere Ant­wort war:
»Wo ist das genau? Dann fah­ren wir da hin!«
Racha ist von den bekann­ten Orten Mes­tia und Usch­guli in Swa­ne­tien aus gese­hen ein Tal wei­ter öst­lich. Luft­li­nie sind das in etwa 60 Kilo­me­ter – aber es scheint, als wür­den Wel­ten dazwi­schen lie­gen. Weil der Groß­teil aller Tou­ris­ten vor Swa­ne­tien nicht abbiegt.
Wir sind glück­lich, dass wir es schon getan haben. Dass wir schon vor­her Rich­tung Nor­den abge­bo­gen und fast bis an die rus­si­sche Grenze gereist sind.

Racha hat ein paar Wan­der­wege, die die Ein­hei­mi­schen irgend­wann ange­legt hat­ten, als sie dach­ten, die gro­ßen Tou­ris­ten­ströme wür­den bald kom­men. Ihre Dör­fer wur­den wegen der guten Luft schließ­lich sogar aus­ge­zeich­net.
Heute hat das große Natur-Resort, das sie zur sel­ben Zeit am Tal­ende gebaut haben, einen über­wach­se­nen Gar­ten und Hüt­ten, die erst reno­viert wer­den müs­sen, falls Racha doch noch ent­deckt wird.
Die Wan­der­wege sind zuge­wach­sen, irgend­wann hören man­che ein­fach auf. Die Wie­sen sind wild, die Bären kom­men teil­weise bis zu den Häu­sern und im Win­ter ist die Gegend nicht sel­ten so ein­ge­schneit, dass die Bewoh­ner ihre Dör­fer nicht mehr ver­las­sen können.

Wir haben uns sofort in Racha ver­liebt. Haben stun­den­lang von Berg­wie­sen aus auf Glet­scher geschaut, sind durch Wäl­der gestreift, durch Flüsse gewa­tet, haben in natür­li­chen Quel­len geba­det und an einem lauen Som­mer­abend das Natio­nal­ge­tränk Tschat­scha im Gar­ten einer geor­gi­schen Fami­lie gebraut.
Russ­land ist dabei nur ein paar Stein­würfe weit weg – alles andere aber Wel­ten entfernt.

Als wären wir nicht schon ver­liebt genug, als bräuch­ten wir noch ein biss­chen Über­zeu­gung, hat Geor­gien für unsere letz­ten Tage wie­der mal alles gege­ben. Auch eine neue Bil­der­buch-Kulisse. Das schönste Swa­ne­tien-Pan­orama der Inter­net-Foto­suche.
Was das Inter­net aber nicht aus­spuckt, ist das Gefühl, sich ein­mal im Kreis zu dre­hen und nichts zu sehen als Glet­scher. Auf zwei­ein­halb­tau­send Metern zu ste­hen und zu beob­ach­ten, wie eine Pul­ver­schnee-Lawine die steile Flanke des Uschba nach unten rast.

Auch unsere letz­ten Tage in Geor­gien waren schön wie in einem Traum. Viel­leicht auch, weil wir vor Mes­tia und Usch­guli noch ein­mal abge­bo­gen sind. Wilde Ecken hat Geor­gien eben über­all ver­steckt – und jede hält ihren ganz eige­nen Zau­ber inne.

Eine Liebeserklärung

Geor­gien hat uns bewie­sen, dass immer Gutes auf uns war­tet. Auch dann, wenn sich Pläne unfrei­wil­lig ändern und wir Ideen vor­erst begra­ben müs­sen. Es war­tet immer Gutes auf uns – auch dann, wenn wir es uns kaum vor­stel­len kön­nen, weil dafür Gutes wei­chen musste.

Wir sind ganz sicher, dass der Long-Distance-Trail im Kau­ka­sus ein ein­ma­li­ges Erleb­nis gewor­den wäre. Und bestimmt wird er irgend­wann mehr sein als ein zer­schla­ge­ner Plan.
Aber selbst, wenn nicht, wer­den wir immer glück­lich dar­über sein, in was sich unser Aben­teuer in Geor­gien ver­wan­delt hat.
Geor­gien hat uns an der Grenze zu Aser­bai­dschan laue Nächte Voll­mond­nächte geschenkt, die nach Aben­teuer, Wüste und Wild­nis gero­chen haben. Geor­gien hat uns Abende geschenkt, die voll waren mit der Herz­lich­keit, der Offen­heit und Wärme der Ein­hei­mi­schen. Und mit ihrem hoch­pro­zen­ti­gen Alko­hol. Geor­gien hat uns eine wun­der­bare Freund­schaft geschenkt.

Und in der aller­letz­ten Nacht mit unse­rem Zelt zwi­schen den Bäu­men im Kau­ka­sus – da haben wir an unsere aller­erste Nacht im Zelt zwi­schen Savan­nen­gras gedacht. Zwi­schen­drin, zwi­schen Aser­bai­dschan und Russ­land, da lie­gen unver­gess­li­che Momente in den wil­den Regio­nen Georgiens.

Cate­go­riesGeor­gien
  1. Ramona says:

    Das weckt die Sehn­sucht. Seid ihr im Mai 2020 zur Corona Zeit in Geor­gien ein­ge­reist? Geht das denn? Ich wollte Anfang Okto­ber dahin nur auf der Seite des Aus­wär­ti­gen Amtes steht das keine Ein­reise nach Geor­gien mög­lich ist.

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