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Das Ende der Erinnerung

Das Smart­phone ist auf Rei­sen zum stän­di­gen Beglei­ter gewor­den. Das ist fatal. Wir ver­ler­nen eine Fähig­keit, die das Leben erst sinn­voll macht.

Vor eini­gen Jah­ren, also unge­fähr mit 19, hatte ich plötz­lich das Ver­lan­gen, wie­der in die Berge zu fah­ren – so wie frü­her als Kind. Ich fragte zwei Freunde, die noch nie 1000 Höhen­me­ter an einem Tag irgendwo hin­auf­ge­stie­gen waren, und sie fan­den die Idee sofort ziem­lich stark. Seit die­sem Som­mer vor eini­gen Jahr fuh­ren wir jedes Jahr in die Berge, jedes Mal in leicht wech­seln­der Besetzung.

Eigent­lich ist ein Urlaub in den Ber­gen, so wie wir ihn angin­gen, eine aus­ge­spro­chen ein­fa­che Unter­neh­mung: Man läuft den gan­zen Tag von einer Hütte zur nächs­ten, ras­tet und trinkt zwi­schen­durch, abends geht man um 21 Uhr schla­fen, und mor­gens ist man um 6 Uhr wie­der auf den Bei­nen. Auf den Pfa­den und Stei­gen im Hoch­ge­birge lenkt nichts den Geist ab, das Ganze hat etwas Medi­ta­ti­ves, was mei­ner Ansicht nach wenig mit dem neu­mo­di­schen Medi­tie­ren der Groß­städ­ter in ihren stil­si­cher ein­ge­rich­te­ten Alt­bau­woh­nun­gen zu tun hat.

Ich habe die Abende auf den Berg­hüt­ten immer als etwas unglaub­lich Erfül­len­des erlebt. Wir sind den gan­zen Tag mar­schiert, oft fegte uns stun­den­lang der Regen ins Gesicht. Aber abends saßen wir in einem vom offe­nen Feuer gewärm­ten Gast­raum, aßen Schnit­zel mit Kar­tof­feln, tran­ken Rad­ler, und der Kopf glühte im war­men Däm­mer­licht der Stube. Man fühlte sich auf eine höchst erhol­same Art voll­kom­men erschöpft. Dann kam der Som­mer in den Ort­ler Alpen.

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Auch in die­sem Jahr in Süd­ti­rol saßen wir nach einem lan­gen Wan­der­tag abends auf der Hütte an einem rus­ti­ka­len Holz­tisch in der Runde und bestell­ten Essen und Rad­ler und manch­mal auch einen Obst­ler. Doch etwas war anders. Auf­grund eines beson­de­ren Ange­bots der Tele­kom war es mög­lich, in einem EU-Land sei­ner Wahl kos­ten­los im Inter­net zu surfen.

Wir saßen also bei­sam­men, und der eine schrieb mit sei­ner Freun­din bei What’s App, der andere ver­folgte den Bun­des­liga-Live­ti­cker, und der dritte über­flog alle fünf Minu­ten die Face­book-Time­line. Die Smart­pho­nes, die meist auf dem Tisch lagen, wirk­ten wie Gra­vi­ta­ti­ons­punkte, denen sich die Hände immer wie­der näher­ten. Sie zogen die Auf­merk­sam­keit der Anwe­sen­den unter­schwel­lig auf sich wie eine Droge, von der man nicht die Fin­ger las­sen kann.

Aus heu­ti­ger Sicht scheint es mir, als hät­ten wir an die­sen Aben­den auf den Hüt­ten nicht wirk­lich mit­ein­an­der gespro­chen im Sinne von: etwas aus­ge­tauscht. Man sagt etwas, der ande­ren nimmt es auf, denkt nach, kommt zu einem Gedan­ken und gibt die­sen zurück – und dar­aus ent­steht diese dichte, bedeu­tende Stim­mung, die in dem ganz bestimm­ten Moment etwas zwi­schen Men­schen ver­än­dert. Unsere Abende aber blie­ben statisch.

Ein­mal spiel­ten wir Mensch ärgere dich nicht. In die­ser Stunde, in der wir unsere volle Auf­merk­sam­keit dem unvor­her­seh­ba­ren Reiz des Wür­fel­spiels wid­me­ten, ver­fie­len wir in Begeis­te­rung. Die Tem­pe­ra­tur am Tisch stieg. Doch schon nach kur­zer Zeit kehr­ten wir zurück zu unse­ren kurz­sil­bi­gen Gesprä­chen, und die Auf­merk­sam­keit ging weg vom Tisch in einen Raum, der woan­ders lag als die hei­me­lige Schank­stube der Hütte.

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Mit einem gewis­sen Bedau­ern blickte ich, der noch eine Woche in den Ber­gen blieb, auf die ver­gan­gene Woche in unse­rer alten Wan­der­gruppe zurück. Irgend­et­was hatte gefehlt, ich spürte eine dumpfe Ernüch­te­rung und gleich­zei­tig eine anhal­tende Sehn­sucht nach Momen­ten, die nicht ein­ge­tre­ten waren und deren Chance auf bal­dige Wie­der­ho­lung in unbe­stimm­ba­rer Ferne lag.

Als ich mich am Ende mei­ner Reise von Sul­den auf den Heim­weg machte, die Nach­mit­tags­sonne satt ins Tal schien und ich grund­los bes­ter Stim­mung war (noch am Mor­gen hatte ich auf dem Gip­fel des Ort­ler gestan­den), fiel mir ein Text in die Hände, der die Gedan­ken aus­for­mu­lierte, die ich nur vage im Kopf hatte.

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Chris­toph Scheu­er­mann schrieb im SPIEGEL fol­gende Sätze:

„All­mäh­lich begann sich etwas zwi­schen mir und mei­nen Freun­den zu ver­schie­ben. Wir wur­den unge­dul­di­ger, unkon­zen­trier­ter mit­ein­an­der, wenn wir uns sahen, viel­leicht in der Befürch­tung, etwas zu ver­pas­sen, was par­al­lel im Inter­net pas­siert. Wir stell­ten ein­an­der weni­ger Fra­gen, denn unsere Leben syn­chro­ni­sier­ten sich ja online. Noch ein Effi­zi­enz­ge­winn. Ich frage mich, was wir mit der gespar­ten Zeit gemacht haben. Unsere Spra­che wurde kurz­at­mi­ger, wir rutsch­ten in Super­la­tive ab – irre, krass, Wahn­sinn, geil. Die Zwi­schen­töne aber, die Selbst­iro­nie, die Zwei­fel, diese schöne, alberne Melan­cho­lie nach drei, vier Stun­den Plau­dern, all das, auf dem Ver­trauen wächst und spä­ter viel­leicht Freund­schaft, wurde seltener.“

Ich glaube nicht, dass sich der Wert unse­rer Freund­schaft durch die Reise nega­tiv ver­än­dert hat. Freund­schaft heißt, dass man, auch wenn man sich ein hal­bes Jahr nicht gese­hen hat, so offen und unver­stellt mit­ein­an­der reden kann, als sei kein Tag ver­gan­gen. Ohne auf die eigene Rolle zu ach­ten, auf das Bild, das man sich über die Jahre von sich selbst gemacht hat. Unsere Reise in die Berge war gemes­sen an die­sem Ideal mit Sicher­heit kein Aus­fall nach unten – aber was, wenn es immer so bliebe?

Heute zweifle ich manch­mal, ob die Leute meine Beden­ken zu Smart­pho­nes über­haupt nach­voll­zie­hen kön­nen. Und es wurde schon so viel über die Aus­wir­kun­gen des Inter­nets gesagt, dass man es nicht mehr hören kann (und dazu wird eine ganze Menge Schwach­sinn gesagt, was es nicht gerade leich­ter macht). Aber mitt­ler­weile glaube ich, dass uns etwas abhan­den kommt: die volle Prä­senz in der phy­si­schen Gegen­wart, eine urmen­sch­li­che Fähig­keit und Not­wen­dig­keit auf dem Weg zu einer erfüll­ten Existenz.

Die immer nur kurz­fris­tige, geteilte und flüch­tige Auf­merk­sam­keit der mobi­len Inter­net­nut­zung zer­stört die Fähig­keit, einen Moment im Leben voll und ganz wahr­zu­neh­men. Sie zer­stört damit auch die Fähig­keit, über­haupt Erin­ne­run­gen zu pro­du­zie­ren und, ganz all­ge­mein, bewusst zu leben. Die Ver­gan­gen­heit wird so zu einem vagen Dunst. Man erkennt im Rück­blick nicht mehr klar, was man über­haupt erlebt hat.

Erstaun­li­cher­weise glau­ben die Men­schen, dass sie mit ihrem Smart­phone ganz viele Erin­ne­run­gen ein­fan­gen und tei­len – das Gegen­teil ist der Fall.

Cate­go­riesIta­lien
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  3. Anja says:

    Hallo Phil­ipp,

    danke für den Arti­kel. Ich war die­ses Jahr nach acht Jah­ren Pause wie­der in Indien und ich war erstaunt, wie sehr sich durch das WLAN auch die Atmo­sphäre in den Hos­tels ver­än­dert hat. Hat man nicht frü­her mit den ande­ren Rei­sen­den gequatscht? Nun sitzt jeder vor sei­nem Smart­phone. Spooky. 

    Es gibt kaum noch Inter­net­ca­fés. Eben weil es über­all WLAN gibt.
    Restau­rants die kein WLAN anbie­ten blei­ben leer. 

    Ich hatte mein Smart­phone bewusst Zuhause gelas­sen. Bis kurz vor dem Abflug habe ich noch gezö­gert. Es fühlte sich an, als würde mir die rechte Hand fehlen ;)

    Any­way: beste Ent­schei­dung ever. 

    Nach­teil: Mails müs­sen in abge­rock­ten und oft ziem­lich lau­ten Inter­net­ca­fés beant­wor­tet werden. 

    Fazit: Am bes­ten in inter­net­freie Regio­nen reisen,
    wenn man wirk­lich, wirk­lich run­ter kom­men will oder eben: Disziplin.

    Schöne Grüße,

    Anja

  4. Jasmin says:

    Sehr schö­ner Bei­trag! Allein die Bil­der sind beein­dru­ckend aber der Text regt wirk­lich zum nach­den­ken an. Ich habe erst seit Okto­ber 2014 ein Smart­phone und hatte es im Dezem­ber auf mei­ner Marokko Reise 2014 dabei gehabt, es aber kaum genutzt – und das unab­sicht­lich. Klar hab ich mal paar Bil­der gemacht und war abends kurz im Face­book aber ver­bringe die Zeit auf Rei­sen doch lie­ber off­line! Als ich 2013 in Thai­land war, muss ich aber geste­hen das ich ziem­lich of im Inter­net war (im Hos­tels gibt es ein­fach IMMER kos­ten­lo­ses Wifi und Inter­net­ca­fés sind halt auch ein­fach güns­tig), da bin ich aber auch alleine gereist und habe neben­bei gebloggt, damit meine Lie­ben daheim auf dem Lau­fen­den sind. Im nach­hin­ein find ich das aber auch schwach­sin­nig :D Finde es jeden­fall sehr gut das du die­sen Bei­trag geschrie­ben hast!

    Liebe Grüße und einen schö­nen Sonn­tag dir noch :)

  5. Hendrik Ferneding says:

    Hallo lie­ber philipp,

    ich muss dir lei­der in einem punkt wider­spre­chen. der wan­del im mit­ein­an­der, den du beschreibst. der ist im vol­len gange und wird wei­ter­ge­hen. viel wei­ter, als dass wir uns das heute vor­stel­len kön­nen. vor über 2.000 jah­ren gab es an den grie­chi­schen uni­ver­si­tä­ten einen sehr üblen streit zwi­schen den men­schen über eine neue erfin­dung, die den men­schen das ler­nen erleich­terte. durch papy­rus muss­ten die men­schen nicht mehr so viel wis­sen aufnehmen/auswendig ler­nen, son­dern konn­ten es neben sich spei­chern. phy­si­ka­lisch aula­gern würde man heute wohl sagen. damals wur­den ähn­li­che gedan­ken geäus­sert, die du jetzt anführst. ja, ich denke wir wer­den eigen­schaf­ten ver­lie­ren! aber wir wer­den andere gewin­nen, wir wer­den viel mehr wis­sen mit­ein­an­der ver­net­zen, als es uns der­zeit oder jemals in unse­rer ver­gan­gen­heit mög­lich war. aber wie beim papier und spä­ter beim buch­druck in mei­nen augen eine große berei­che­rung statt­ge­fun­den hat, wer­den die men­schen nach uns auch ihr leben durch die tech­ni­schen mög­lich­kei­ten als berei­chert anse­hen. sie wer­den nicht mehr so sein wie wir es sind, aber sie wer­den so empfinden.

    1. Das sind für mich zwei Ebe­nen: die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten, die das Inter­net bie­tet und die zwei­fel­los außer­ge­wöhn­lich toll sind, und die soziale Pra­xis, wie diese Mög­lich­kei­ten genutzt wer­den. Der Fehl­schluss ist zu glau­ben, dass das, was tech­nisch geht, auch prak­tisch umge­setzt wer­den muss (in vie­len Bereichen). 

      Was ganz ent­schei­dend ist: Wis­sen hat nichts mit Erfah­rung zu tun. Erkennt­nisse (und nicht rei­nes Fak­ten­wis­sen) über und Bewusst­wer­dung von Umstän­den, unter den wir oder andere leben, ent­ste­hen erst durch Pra­xis und nicht durch Theo­rie. Du kannst, ein­fach gesagt, 5 Mil­lio­nen Web­sites gele­sen haben und trotz­dem keine Ahnung von der Wirk­lich­keit haben.

  6. Nora says:

    Inter­es­sante Gedan­ken… Ich merke das sel­ber auch. Auf Rei­sen ist es mir am liebs­ten, wenn man gezielt abends kurz Mails etc. checkt, aber dann das Handy wie­der weg legt… Abends in den Hos­tels traut man sich kaum, jeman­den anzu­spre­chen, weil alle nur an ihren Han­dys hängen.…

  7. Ich seh‘ eigent­lich kei­nen Nach­teil darin, dass das Smart­phone ein stän­di­ger Beglei­ter auf Rei­sen ist. Es ist doch eher von Vor­teil. Wenn man stän­dig damit rum­spie­len muss liegt das eher an der eige­nen Dis­zi­plin als am Smart­phone. Ich muss sagen dass ich die beschrie­be­nen Pro­bleme noch nicht hatte.

    1. Wo genau liegt denn der Vor­teil darin, auf Rei­sen stän­dig sein Smart­phone in der Hand zu haben und die Umge­bung nach dem nächs­ten Hin­weis auf „free wifi“ zu scannen?

    2. Markus says:

      Puh, das kann ich Dir man­gels Erfah­rung lei­der nicht sagen. „Stän­di­ger Beglei­ter“ habe ich jetzt so inter­pre­tiert, dass man das Handy nicht zwangs­läu­fig wie die Leute in Dei­nem Arti­kel in der Hand haben muss, son­dern auch ein Her­um­tra­gen in der Tasche mög­lich ist. Sorry für das Missverständnis!

  8. Vie­len Dank für die­sen Arti­kel, er spricht mir aus der Seele! Wobei das, was Du beschreibst, ja kein Phä­no­men nur auf Rei­sen ist: Bei jedem Tref­fen in der Kneipe oder im Restau­rant zücken alle per­ma­nent ihre Han­dys statt sich auf das Gespräch mit ihrem Gegen­über zu kon­zen­trie­ren. Ich habe auch ein Smart­phone und nutze es, wenn ich allein bin. Im Urlaub hin­ge­gen bleibt das Ding bewusst zu Hause. Ging frü­her auch ohne – genauso wie heute. Ich habe eine Kamera und einen Rei­se­füh­rer mit, und für den Kon­takt nach Hause ein­mal in der Woche gibt es (noch) Inter­net­ca­fés. Sich auf das Hier und Jetzt zu kon­zen­trie­ren und es zu genie­ßen, ist eine Fähig­keit, die vie­len lei­der abhan­den­ge­kom­men ist.

  9. Madlen says:

    Genau die­ses Gefühl ver­misse ich inzwi­schen auch auf mei­nen Rei­sen. Und habe selbst meist die Tech­nik im Gepäck. Aber nicht nur ich habe mich lei­der ver­än­dert und damit auch meine Art, Rei­sen wahr­zu­neh­men und zu erle­ben. Auch die Welt hat sich ver­än­dert. Erst am Wochen­ende war ich im ecua­do­ria­ni­schen Urwald unter­wegs – ohne Lap­top, Handy und Strom. Dann kam ich in einem klei­nen Kichwa-Dorf mit jun­gen Men­schen ins Gespräch, die sich über unse­ren Besuch sehr freu­ten. Zum Abschied frag­ten sie uns zöger­lich, ob wir denn auf Face­book seien. Jetzt habe ich wie­der ein paar FB-Freunde mehr, aus einer Gegend Ecua­dors, von der ich mir auf mei­ner Reise vor 16 Jah­ren noch nicht mal vor­stel­len konnte, dass sie in abseh­ba­rer Zeit über­haupt ein Tele­fon haben wür­den… LG, Madlen

    1. Um mit Leu­ten in Ver­bin­dung zu blei­ben, mit denen man es ohne Inter­net nicht könnte, ist das Netz unge­schla­gen. Aber hier geht es um etwas anderes.

  10. Hans-Dieter Knebel says:

    Schö­ner Beitrag,
    es ist wie mit allem: Nutze ich sinn­voll die mir gege­be­nen Mög­lich­kei­ten, oder mache ich mich zum Skla­ven. Abhän­gig­kei­ten und unselb­stän­di­ges Den­ken üben halt einen gro­ßen Ein­fluss auf die Mehr­heit aus. Aben­teuer erle­ben wir nicht unbe­dingt auf Rei­sen (obwohl ich lei­den­schaft­lich gerne reise) son­dern im Alltag.
    Gegen den main­stream (Indus­trie­norm) anzu­ge­hen hält einen ganz schön auf Trapp und ist so span­nend wie die Karl-May-Aben­teuer mei­ner Kindheit.

    Ein­fach das Ding daheim lassen.

  11. „Das Ende der Erin­ne­rung“ – meine Asso­zia­tion bei die­ser Über­schrift: indem wir alles mit dem Smart­phone oder der Digi­tal­ka­mera fest­hal­ten, glau­ben wir Erleb­tes für die Ewig­keit fest­hal­ten zu kön­nen. Mehr und mehr ver­ler­nen wir, dass Erin­ne­run­gen im Kopf ent­ste­hen, indem wir den Moment bewusst erle­ben, ohne dabei direkt auf den Aus­lö­ser drü­cken zu müs­sen. Denn eine Erin­ne­rung braucht die Erfah­rung mit all unse­ren Sin­nen, nur so kön­nen wir diese auch nach Jah­ren noch abru­fen. Oft halte ich inne, wenn ich wie­der ein­mal glaube, der Augen­blick muss auch mit einem Foto ver­ewigt wer­den. Inso­fern und auch Dei­ner sehr gedan­ken­vol­len Beschrei­bung fol­gend stimme ich Dei­nem Fazit voll und ganz zu!
    Viele Grüße
    Claudia

  12. Das hast du schön beschrie­ben. Ich finde, dass Smart­pho­nes ein­fach in der Tasche blei­ben soll­ten, wenn man sich mit Freun­den trifft. Auf Rei­sen habe ich meins immer dabei, weil’s eben so prak­tisch ist und ich dar­auf viele nütz­li­che Dinge gespei­chert habe.
    Aber ohne Inter­net geht auch mal. Letz­tes Jahr war ich 9 Tage in Nord­ko­rea unter­wegs mit Leu­ten, die ich bis dahin nicht kannte. Am Ende der Reise sind ein paar wirk­lich gute Freund­schaf­ten ent­stan­den. Und ich bin mir sicher, das lag u.a. daran, dass wir ein­fach nicht „abge­lenkt“ waren durch das Inter­net o.a. Spie­le­reien. Es gab abends nur das Hotel und uns, da ent­wi­ckelte sich eine tolle Grup­pen­dy­na­mik und eine gewisse Krea­ti­vi­tät bei der Abend­ge­stal­tung. ;-) Diese Momente feh­len mir tat­säch­lich manchmal…

    1. Mei­ner Wahr­neh­mung nach hat es da schon eine Sen­si­bi­li­sie­rung gege­ben, zumin­dest in mei­nem Freun­des­kreis. Wenn man mit jeman­dem am Tisch sitzt und sich unter­hält, ist es ein sozia­les Unding, par­al­lel ein Gespräch mit jeman­dem über What’s App zu füh­ren. Das ist gut!

      Es hat natür­lich eine gewisse Komik, wenn man in dem am meis­ten iso­lier­ten Staat der Welt bemerkt, wie schön es ist, eine Zeit ohne digi­tale Ablen­kung zu erle­ben. Das wäre sicher eine gute Geschichte!

  13. Ulrike says:

    Hallo Phil­ipp, da kann ich ja nur froh sein, dass ich schon so alt bin. Mir geht es schon, ganz ohne Alpen, auf den Geist, wenn man sich mit den Leu­ten, mit denen man gemein­sam unter­wegs ist, ein Bier trinkt und so, nicht unter­hal­ten kann, weil jeder auf sein Handy schaut und man lie­ber mit­ein­an­der twit­tert, obwohl man am glei­chen Tisch sitzt. Viel­leicht ist das, was du beschreibst, etwas, was viele mehr oder weni­ger unbe­wusst füh­len. UNd des­halb ist der Zulauf zu Medi­ta­ti­ons­grup­pen so groß.
    Danke für den Denkanstoß!
    Ulrie

    1. Ich finde diese Situa­tion, die du beschreibst, wirk­lich ganz ein­fach schreck­lich. Ob man des­we­gen gleich medi­tie­ren muss, bleibt sicher jedem selbst über­las­sen. Liebe Grüße!

  14. Es ist wahr! Trotz­dem, ich denke man sollte nicht der Tech­nik die Schuld geben. Frü­her wur­den Zei­tun­gen gele­sen oder der TV fla­ckerte im Hintergrund. 

    Wenn ich mit einem lie­ben und inter­es­san­ten Men­schen am Tisch sitze, dann spiel ich nicht mit dem Smart­phone rum – es sei denn das was ich online schauen will ist mir wichtiger/interessanter als mein Gegen­über. Und das ist mei­ner Mei­nung nach der Punkt.. 

    Ich denke nie­mand zieht das Smart­phone raus wenn einem der beste Kum­pel gerade erzählt, dass ihn seine Freun­din ver­las­sen hat oder man mit einem alten Schul­freund gerade in den Erin­ne­run­gen über den Schul­aus­flug nach Ams­ter­dam schwelgt..

    Wenn das Smart­phone gezückt wird, ist das Gespräch ein­fach zu lahm und wenn man sich schon lang­weilt, dann wenigs­tens online!

    1. Ich glaube nicht, dass es so ein­fach ist. Die Erzäh­lung von der Tren­nung des bes­ten Kum­pels mag ein Extrem­fall sein. Aber zu sagen, man beschäf­tigt sich mit dem Smart­phone, also muss das Gespräch lang­wei­lig sein – das ist eben der Feh­ler. Jedes Gespräch hat Län­gen, man braucht Denk­pau­sen, man muss dem ande­ren ent­ge­gen­kom­men, die Fäden ord­nen, einen wie­der auf­grei­fen. Nur so ent­ste­hen wert­volle Gesprä­che. Das braucht Kon­zen­tra­tion und Prä­senz. Das Smart­phone ist immer der leichte Aus­weg, wenn das Gespräch mal „hakt“.

  15. Ilona says:

    Schö­ner Text. Ich ver­stehe dich zu gut!
    ich besitze gar kein Smart­phone. Und ich möchte mir auch kei­nes zule­gen, da ich die Idee, stän­dig online sein zu kön­nen, nicht sehr erstre­bens­wert finde. Natür­lich denke ich mir manch­mal: JETZT würde ich gerne nach­se­hen kön­nen, ob der Zug pünkt­lich fährt oder wie die Stra­ßen­bah­nen fah­ren etc. Aber im End­ef­fekt gehts doch auch ohne. Rei­sen sind für mich per se inter­net­freie Zeiten.

    Ich hab schon erlebt, dass es Leu­ten im Urlaub echt die Stim­mung ver­saut hat, weil sie sich im Hotel nicht ins Wlan ein­log­gen konn­ten. Nicht, weil sie drin­gend etwas hät­ten nach­schauen kön­nen – das kön­nen die Herr­schaf­ten an der Rezep­tion schließ­lich auch – son­dern ein­fach aus Prin­zip, weil man ein Smart­phone dabei hat und damit ja ins Inter­net kön­nen *muss* Wozu hat man es schließlich?!?!

    Eine große Gefahr der SMS- und Chat-Kom­mu­ni­ka­tion ist für mich – das sehe ich lei­der häu­fig, da ich von vie­len mei­ner Freunde weit ent­fernt wohne – dass vie­les falsch ver­stan­den wird und Miss­stim­mun­gen und Strei­tig­kei­ten auf­tau­chen, wo keine nötig wären. 

    Ich bin ein alt­mo­di­scher und weit­ge­hend ana­log agie­ren­der Mensch. Ich habe Kar­ten aus Papier (auch wenn ich inzwi­schen Besit­zer eines GPS-Geräts bin), schreibe Briefe, male mir Stadt­pläne auf einen Zet­tel und bin furcht­bar froh, mit mei­nen Freun­den noch diese alt­mo­di­schen For­men der Kom­mu­ni­ka­tion zele­brie­ren zu können.

    1. Ilona says:

      DA hast du aller­dings Recht. Vll. muss ich dazu auch sagen, dass ich das Smart­phone gerade des­halb nicht habe, weil ich selbst befürchte, es stän­dig zu zücken und dass es ein gewis­ses Sucht­po­ten­tial für mich ent­wi­ckeln könnte. Meine ana­loge Her­an­ge­hens­weise ist also eher der Tat­sa­che geschul­det, dass ich fürchte, anfäl­lig für das Gegen­teil zu sein ;)

      Wenn mein GPS-Gerät eine App für den öffent­li­chen Ver­kehr hätte, wär ich aber nicht dagegen ;)

    2. Ich habe auch kein Smart­phone, noch nie gehabt und auch kein Kauf­wunsch, spä­tes­tens nach die­sem Artikel ;)

      Fehlt mir nicht, brauch ich nicht, muss nicht sein, ver­lier ich eh nur.

      Für so etwas wie Zug­ver­spä­tung habe ich einen Kindle Key­board 3G mit welt­wei­tem Inter­net. Der ist beim Brow­sen so grot­tig lang­sam, dass ich mir das 5 Mal über­lege und das ist gut so ;)

      Ohne WIFI in der Unter­kunft werde ich aber auch grantig…

  16. Es ist immer schade wenn man mit Freun­den zusam­men sitzt die das Handy nicht aus der Hand legen können.
    Grade bei Berg­tou­ren kommt es auf die Ruhe an. Da lasse ich mein Handy immer im Ruck­sack, sogar meist ausgeschaltet.
    Aber so ist es heut zutage lei­der. Über­all Men­schen mit Smartphones.

  17. Tanja says:

    Hallo Phil­ipp,

    wirk­lich schöne Gedan­ken. Ich wollte nicht ohne mein Smart­phone rei­sen, allein wegen der Kamera und eini­gen Apps, die ich wirk­lich gut und sinn­voll nutze, z.B. Wäh­rungs­rech­ner oder Aus­ga­ben­pla­ner. Extrem erhol­sam ist für mich aber schon, wenn plötz­lich kein Wlan da ist. Erst Ent­zug und dann purer Genuss. So ging es mir letz­tes Jahr in San­si­bar. Irgend­wann wollte ich nicht mal mehr täg­lich ins Inter­net­cafe, weil es mal gut war, ohne zu sein.

    Viele liebe Grüße
    Tanja

    1. Das ist inter­es­sant, täg­lich ins Inter­net­café. Wo man doch zuhause jeden Tag im Inter­net ist. Warum dann aus­ge­rech­net noch auf Rei­sen? Wo man für einen ver­gleich­bar sehr begrenz­ten Zeit­raum etwas um sich hat, dass man die nächs­ten Jahr so nicht wie­der um sich haben wird. Irre, oder nicht?

      Liebe Grüße!

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