Märchenhafter Reichtum und sinnliche Genüsse

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Märchenhafter Reichtum und sinnliche Genüsse

Zugegeben: Die Wahl des Wüstenstaats zum WM-Austragungsort ist umstritten. Denn im Sommer klettern die Temperaturen auf über vierzig Grad – absolut fußball-weltmeis­ter­schafts-untaug­lich. Zudem gilt die Vergabe als weniger sport­lich denn finan­ziell motiviert. Wie viel Bestechung im Spiel war, wird wohl nie eindeutig geklärt werden. Jedenfalls hat Qatar momentan einen schlechten Ruf. Zu Recht? Ich fliege als Reisejournalistin hin. Die ersten fünf Tage bleibe ich „embeded“, also einge­bettet in eine Gruppe Kollegen. Wir werden herum­ge­fahren und hofiert, wie das bei Pressereisen üblich ist – schließ­lich wollen sich die Gastgeber von ihrer besten Seite präsen­tieren. Als die anderen abreisen, bleibe ich auf eigene Kosten eine Woche länger, um mir meinen eigenen Eindruck zu verschaffen.

 

Ich lerne Waad kennen. Die morgen­län­di­sche Schönheit ist in Doha geboren und aufge­wachsen: eine der 300.000 Einheimischen des Zwergstaats. Im Aufzug meines Hotels spreche ich die 30-Jährige an, denn sie erscheint mir nicht so unnahbar wie die anderen Frauen, die ihr Gesicht verhüllen.

Waads Blick dagegen ist offen, ihr Gesicht dezent geschminkt, ihre Augen mit den dichten Wimpern funkeln lebendig. Unter ihrer schwarzen, nachlässig geschnürten Abaya, dem tradi­tio­nellen islami­schen Überkleid, spitzen eine zerris­sene Jeans und ein Glitzer-T-Shirt hervor. Sie lächelt mit Zähnen wie aus der Zahnpastawerbung. Ob ich sie inter­viewen dürfe? Ich hoffe auf eine halbe Stunde. Es werden mehrere Tage gemein­sames Erkunden ihrer Heimat daraus. Sie klärt mich auf: Die Verschleierung, bei der das Gesicht selbst beim Essen unsichtbar bleibt, prakti­zieren haupt­säch­lich Touristinnen, mit denen sie selbst auch nichts zu tun habe. Außer das gemein­same Beten zu vorge­schrie­benen Zeiten, als wir gemeinsam unter­wegs sind. Und sie einen der allge­gen­wär­tigen Gebetsräume aufsucht.

 

 

Die futuris­ti­schen Hotels in Doha wirken auf mich wie soeben gelan­dete Raumschiffe. Qatars Hauptstadt ist eine glamou­röse Hotel- und Museumsstadt inmitten einer riesigen Baustelle. Arbeiter in Leuchtwesten trans­por­tieren Material in Schubkarren. Poliere in Pluderhosen und Turban haken Lieferscheine ab. Dazwischen flanieren Männer in weißen Gewändern, denen man den Stolz am Gang ansieht. Erhobenen Hauptes tragen sie Kuffiyas, die tradi­tio­nellen Turbane der Beduinen. Waad erkennt ihre Landsleute anhand der Farbe und der Art, wie sie die Kuffiya um ihr Haupt schlingen. Sie kann genau sagen, woher der Träger kommt: aus dem Oman, aus Abu Dhabi, aus Kuwait. Die Mehrzahl der Menschen auf den Straßen, in den Hotels und den Restaurants sind arabi­sche Touristen oder auslän­di­sche Gastarbeiter – letztere machen 85 Prozent der Bevölkerung Qatars aus. Das sei der Grund, warum die Einheimischen daheim nie westliche Kleidung trügen, erklärt Waad. Qataris zeigen durch ihre tradi­tio­nellen Gewänder, dass sie die »Hausherren« im Land sind. Männer in langen weißen Hemden und Frauen in schwarzen Ganzkörperumhängen.

Aus den Shishas von Cafés am Straßenrand riecht es nach Kardamom, Weihrauch und Minze. Waad ist wie alle einhei­mi­schen Frauen schwarz verschleiert. Doch ihre perfekt pedikürten Füße zieren elegante Schuhe, eine teure Handtasche ist immer griff­be­reit. Trotz ihrer Verschleierung hat Waad eine sinnliche Anziehungskraft. Spürbar selbst bei Alltagsverrichtungen, wenn sie mir beispiels­weise Kaffee aus einer Kanne eingießt.

 

 

Sie fühlt sich wohl unter ihrer Abaya. Ein Schutzschild, erklärt Waad – und ich verstehe. Waad protzt weder mit ihrer Figur, noch schämt sie sich für vermeint­liche Makel, wie das bei Geschlechtsgenossinnen meiner Kultur fast zwangs­läufig verbreitet ist. Zu dicke Schenkel, zu großer Hintern, zu kleine Brüste, Bad Hair Day. Das ist Waad einfach egal. Qatarische Frauen bewegen sich sicher und stolz. Jedes westliche Mitleid über Verschleierung empfinde ich in Waads Gegenwart unange­bracht. Ihre könig­lich anmutende Verschleierung soll Männer vor weibli­cher Attraktivität (im Koran „Fitna“ genannt) schützen. Hm, ok, das klingt für uns kontro­vers und frauen­feind­lich. Doch: meine Geschlechtsgenossinnen hier nutzen die Vorteile. Manchmal, wenn sie es eilig hat, zieht Waad morgens nicht mal ihr Nachthemd aus und schlüpft nur unter ihre Abaya, „wie viele Frauen, wenn es pressiert“. Sollte sie einen Pyjama unter ihrem schwarzen Überkleid tragen, nimmt ihr das nichts an Würde. (Waad, schel­misch: „Und kein Mann wird gereizt.“)

 

 

Männer und Frauen, die nicht mitein­ander verwandt sind, vermi­schen sich in Qatar kaum. In den unter­schied­lichsten Alltagssituationen werden die Geschlechter „ausein­ander dividiert“, erklärt sie. So warten Männer und Frauen in Banken etwa an unter­schied­li­chen Schaltern. „Durcheinander Anstellen ist undenkbar.“ Ich blicke mich immer wieder erstaunt um, sehe Verschleierte genauso wie Minirock-Trägerinnen – Gastarbeiterinnen und einige wenige Touristinnen – und frage Waad: „Warum wird Doha – eine Stadt aus Hotels und Museen – als Urlaubsziel immer attrak­tiver?“ Vor der Staatsgründung 1973 war die Hauptstadt ein Mittelding zwischen Dorf und Kleinstadt.

Potential ist zweifellos vorhanden. Nicht nur für sonnen­hung­rige Europäer und Amerikaner, die die Outdoor-Spa-Bereiche und Hotelbars bevöl­kern. Die Stadt hat einen langen Strand aus feinstem, weißen Pudersand, wie gemacht für eine Bacardi-Werbung. Die sieben Kilometer lange, sichel­för­mige Uferpromenade „Corniche“ zählt zu den Attraktionen von Doha. Hier räkeln sich trotzdem keine Bikini-Schönheiten bei Cocktails – Alkohol ist außer­halb großer Hotels ohnehin verboten. Nicht einmal Frauen in Burkinis – der geschlos­senen Badekleidung islami­scher Frauen – nutzen den makel­losen, jungfräu­li­chen Strand. Die einhei­mi­schen Männer gehen genauso wenig im türkis­blauen Prachtmeer baden.

 

 

Doha ist in der Tat ein attrak­tives Urlaubsziel, wenn auch (noch) nicht zum Baden. Und auch (noch) nicht unbedingt für westliche Urlauber wie mich. Qatar gilt als Familienparadies, begeis­tert sich Waad. Überall entde­cken wir phanta­sie­volle öffent­liche Spielplätze, die fast schon als Kunstwerke durch­gehen. Betuchte Gäste aus Pakistan, Indien oder dem Iran spannen hier aus. Sie genießen den westli­chen Luxus und können sich doch auf ihre musli­mi­schen Wertvorstellungen verlassen. Der größte Pluspunkt, findet Waad: „Wir sind eine Insel des Friedens fast ohne Kriminalität.“ Ganz anders als bei ihren Glaubensbrüdern in Syrien, Afghanistan oder dem Jemen.

 

 

Das könnte daran liegen, dass die Qataris sich alles leisten können, was ihr Herz begehrt: Im weltweiten Vergleich erhalten sie das höchste Pro-Kopf-Einkommen, obwohl sie weit von einer 40-Stunden-Woche entfernt sind. Sagen Lästermäuler. Ein Grundstück plus Haus pro Familie gibt es vom Staat so gut wie geschenkt. Sagen Insider. Die Männer halten sich die teuren Falken, manche auch ein Pferd oder Kamel. Wer wollte da krimi­nell werden wollen?

Qatar verströmt prickelnde Lebenszufriedenheit. Der Golfstaat ist noch nicht einmal 50 Jahre alt. 15 Prozent der weltweiten Erdgasvorkommen liegen auf seinem Staatsgebiet, das kleiner ist als Oberbayern. Qatar will von der Staatengemeinschaft anerkannt werden. Deshalb auch die WM 2022. Deshalb werden hier Superlative gesam­melt. Kapital und Erdgas, die wirken, als würden sie nie versiegen, pushen den sprudelnden Zukunftsglauben des Mini-Staats. Alles ist möglich. Alles ist machbar. Siehe Weltmeisterschaft.

Die berühm­testen Gastronomen aller Herren Länder reißen sich darum, hier eine Dependence zu errichten, um den Goldrausch mitzu­nehmen. Zum Beispiel Gordon Ramsay. Der briti­sche Spitzenkoch betreibt drei Restaurants im St. Regis Hotel im Diplomatenviertel. „Mediterranean“ bietet High-End-Küche. Was sein Küchenchef Elias Gemayel in exklu­sivem Design-Ambiente in der West Bay von Doha serviert – dafür pilgern Gourmets aus aller Welt hierher. Die beiden anderen Lokale, „Opal“ und „The Raw Bar“ sind legerer. Für seine Restaurants bekam Gordon Ramsay bereits zahlreiche Auszeichnungen, darunter mehrere Michelin-Sterne.

 

 

Erstaunlich für ein Land, das an einhei­mi­schen Zutaten kaum mehr als Fisch und Kakteenfrüchte zu bieten hat. Doch auch kulina­risch gilt: Alles ist machbar. Sämtliche Zutaten, die die Maestros brauchen, werden vorerst impor­tiert. Zwar beginnen gerade die ersten Versuche der Landwirtschaft, sich in Teilbereichen selbst zu versorgen. Dazu wurden Kühe aus Deutschland impor­tiert und Bewässerungstechniken einge­führt, die bereits die Wüste im Negev und Sinai fruchtbar machten. Als Jahrzehnte lang tätige Restaurant-Testerin muss ich zugeben: Alle Gerichte sind köstlich und auf Spitzenniveau – von der unguten Ökobilanz einmal abgesehen. Waad hat mir die ersten heimi­schen Bio-Produkte schon im Einkaufscenter gezeigt und versi­chert, dass in ihrem Land auch am ökolo­gi­schen Fußabtritt gearbeitet werde. Stichwort saisonal und regional.

Bei der größten japani­schen Restaurantkette weltweit sind heimi­sche qatari­sche Erzeugnisse tatsäch­lich zu finden: Das „Nobu“ ist auf dem Areal des Four Seasons Hotel in Doha zuhause und hat sich durch japani­sche Küche mit arabi­schem Touch einen Namen gemacht. Außerdem wegen seiner zwei atembe­rau­benden Räumlichkeiten für private Dinner – die mondäne „White Pearl Lounge“ und eine Dachterrasse, mit Innen- und Außenbereich und gigan­ti­schem Panoramablick auf den Golf. Waad ist stolz darauf, mir die Location zu zeigen. Ich bleibe – wie von ihr erwartet – mit offenem Mund stehen. Hier kommen viele exqui­site Fische fangfrisch aus dem Meer direkt vor der Tür. Regionaler geht es nicht. Als Kontrast dazu fühlen wir uns, als wären uns Scotty auf einen inter­ga­lak­ti­schen Stützpunk gebeamt. Doch das nächste Lokal kann den Science-Fiction-Faktor sogar noch toppen, verspricht Waad.

Im obersten Stock des futuris­ti­schen Museums of Islamic Art hat Starkoch Alain Ducasse sein Restaurant „Idam“. Der Franzose hat für seine weltweiten Lokale vom Guide Michelin mehrmals die Höchstwertung von drei Sternen erhalten. Auch in Doha gehört ein Restaurant zu seinem Imperium. Ganz ehrlich: Mister Chefkoch kommt zwar nur ein paar Mal im Jahr vorbei gejettet, er hat sich aber all das ausge­dacht. So läuft es weltweit bei den Oberen der Ess-Klasse. Einen Besuch ist das atembe­rau­bende Idam allemal wert. Alkoholisches steht zwar hier nicht auf der Karte, doch bei den kreativen Gerichten, die die arabi­sche Küche auf höchstem Niveau mit den Rezepten Alain Ducasses vereint, verzichtet man gern auf Prozente. Kein Geringerer als Star-Designer Philippe Stark hat das Restaurant gestaltet. Ich schreite die spekta­ku­lären Fensterfronten ab, versinke im weichen Teppich mit den arabi­schen Kalligraphien und blicke hinunter auf die Küstenlandschaft mit Skulpturenpark. Auf einer Halbinsel hinter dem Museumsrestaurant steht der aus sieben langen, schmalen Stahlplatten gestal­tete Turm „Wahrzeichen 7“ von Richard Serra. Waad erklärt: „Der Künstler spielt auf die Bedeutung der Zahl Sieben in der islami­schen Kultur an.“

 

 

Ich habe mich auf Waads Empfehlung im W‑Hotel einquar­tiert („Der Hotspot der Stadt!“) und fühle mich dort wie ein Filmstar. Mein Mini-Apartment öffnet sich mir hinter einem schweren Vorhang. Kaum rechte Winkel, üppig mit Kissen belegtes King Size Bett, ein Badezimmer wie ein Spa-Urlaub. Und überall ist mundge­rechtes Obst und Luxus-Schokolade drapiert.

Ahs und Ohs kommen in der Lobby schon beim Eintreten: Das gesamte Hotel spielt in seiner Innenarchitektur mit Perlen, denn die Perlenfischerei brachte Qatar bereits vor Jahrhunderten Reichtum, lange bevor Öl und Erdgas entdeckt wurden. Ein kulina­ri­scher Höhepunkt für Langschläfer ist der Sonntags-Brunch im „Spice Market Restaurant“. Doch auch den Rest des Tages und abends ist das Restaurant von Jean-Georges Vongerichten eine gute Anlaufstation. Der Küchenchef versteht es, arabi­sche Einflüsse mit inter­na­tio­naler Haute Cuisine aufs Feinste zu vermählen.

Doha bereitet sich in jeder Hinsicht – eben auch kulina­risch – auf die WM vor. Sie wird nicht wie sonst im Juni und Juli statt­finden, sondern im November und Dezember. Sie zu verlegen hat nach anfäng­li­chen Protesten geklappt. Die Temperaturen sind dann vergleichbar mit unseren europäi­schen Sommern, nur mittags wird es richtig heiß. Abends, wenn die Spiele statt­finden werden, herrscht angenehmes Klima, wie im mittel­eu­ro­päi­schen Hochsommer. Auch das Alkoholverbot wird in dieser Zeit wohl aufge­hoben werden.

 

 

Kann ein Volk, bei dem Alkohol verboten ist, dessen Großväter noch als Perlenfischer oder Nomaden ihre Familien ernährten – und oft hungerten – etwas mit all diesen kulina­ri­schen Überflügen anfangen? Mit einer WM? Mit all der Kunst im öffent­li­chen Raum? Waad bejaht. Ein junges, hungriges Land wie ihres belohnt das Engagement jedes Einzelnen schnell mit Bildung, Aufstieg und Erfolg. Das gilt keines­wegs nur für Einheimische. Wer drei bis zehn Jahre in Qatar lebt und arbeitet, kommt sagen­haft reich nach Hause, sagen die Gastarbeiter. Kann sich hinterher in der Heimat ein Haus leisten. Egal, ob in Mazedonien, Südafrika, Usbekistan, Tansania, Indien oder in Thüringen.

Es gibt die ankla­genden Zeigefingern auf die Hilfskräfte der Baubranche, seufzt Waad. Doch kaum sind sie im Land, staunen die wenigen Touristen darüber, dass die meisten der Gastarbeiter hervor­ra­gend ausge­bil­dete Fachleute sind. Meist Akademiker. Sie reali­sieren archi­tek­to­ni­sche, kulina­ri­sche und künst­le­ri­sche Überflüge, von denen sie in ihrer Heimat nicht einmal träumen dürfen. Sei es, weil die Behörden dort hochflie­gende Ideen verei­teln. Oder weil die Investition im Heimatland nicht zu stemmen wäre. Die Aussichten für die Fußball-WM 2022 erzeugen bei allen Gastarbeitern – ob aus der Baubranche oder hoch quali­fi­ziert – anste­ckende Vorfreude. Und erst recht bei den Einheimischen. Qatar wird sich als perfekter Ausrichter präsen­tieren, prophe­zeit Waad. „Am Ende werden alle sagen, sie war gut, die WM im Winter.“ Das Datum für das Endspiel hat sie sich schon in ihre beiden Smartphones einge­tragen: 18.Dezember. Qatars Nationalfeiertag.

Waad lenkt ihren Porsche Panamera über die flache Sandpiste.

Bei unserem Ausflug kann ich eine beliebte Freizeitbeschäftigung männli­cher Qataris aus nächster Nähe erleben: Dune Bashing. Mit Allrad-SUVs geht es Dünen auf- und abwärts. Die Fahrer lassen ein bisschen Luft aus den Reifen und heizen dann röhrend durch die Wüste. Der Sand spritzt in hohem Bogen von den Kotflügeln. Nichts für Waad. Sie rümpft ihre hübsche Nase, Männerspielplätze inter­es­sieren sie nicht. Sie liebt Kunst, Kultur und Kulinarik.

 

 

Nach zwei Stunden Fahrt erheben sich in der Weite der Steinwüste vier je 15 Meter hohe Stahlstehlen im Abstand eines Kilometers aufge­stellt. Der Künstler Richard Serra – schon wieder taucht er auf – wollte damit die Endlosigkeit der Wüste durch­bre­chen. „Ost-West/West-Ost“ hat er sein Werk genannt, das er als die größte Erfüllung seines Schaffens bezeichnet. Den Kopf weit in den Nacken gelegt, stehen Waad und ich davor. Ich bin ein wenig ratlos. Waads Wangen leuchten in der Abendsonne. Voll anste­ckender Begeisterung und mit ihrem immer hoffnungs­vollen Blick in die Zukunft.

Auch die Kleinbusse sind vermut­lich voller Hoffnungen, wenn sie die Bauarbeiter durch das Land zu den vielen Baustellen bringen. Deren harte Arbeitsbedingungen haben sich verbes­sert. Es gibt vorge­schrie­bene Mittagspausen, größere Unterkünfte und Schutzkleidung, strenger geregelt als in Deutschland. Mit westli­chen Augen betrachtet ist nicht alles optimal, aber es wird besser.

Qatar lebt einen benei­dens­werten Zukunftsoptimismus. Das wichtigste Investment in die Zukunft is t die Bildungsoffensive und die überall sicht­bare Kunst. Um gerüstet zu sein für die Zeit nach dem Erdgas, will der Golfstaat zu einem Zentrum für Kultur, Sport und Tourismus im mittleren Osten aufsteigen. Wer hierher kommt, sieht: Das ist schon passiert. Längst. Trotz der Baustellen. Waad hakt sich unter: „Wirklich Zeit, den Blick vom Bauzaun zu heben!“ Ich trage mir nun auch den Termin für das WM-Endspiel 2022 ins Handy ein. „Du kommst aber vorher nochmal?“ will Waad wissen. Ich nicke in Vorfreude.

Titelbild: Michael Schneider


Kommentare

  1. Avatar von Ingrid
    Ingrid

    Ich finde den Bericht sehr schön und er macht mich neugierig auf das Land. Natürlich gibt es vieles zu kriti­sieren an Quatar aber wie Karin richtig sagt, das gibt es über sehr viele Länder die wir ohne groß nachzu­denken bereisen. Ich liebe Reisen in fremde Kulturen und wenn ich die Möglichkeit habe werde ich auch nach Quatar reisen und mir selbst ein Bild von dem Land machen. Vielen Dank Karin .

    1. Avatar von Karin Lochner

      Danke, Ingrid, freut mich, dass ich Dir eine Freude bereiten konnte, durch ein wenig »Mitreisen«!
      Winterliche Grüße (also weit von Katarischen Wetterverhältnissen entfernt)
      Karin Lochner

  2. Avatar von Müller Uschi
    Müller Uschi

    Ja, die Karin,
    beschreibt ihre diversen Reisen Super toll! So ist auch diese ein beson­deres »Schmankerl«! Da ich erst kürzlich von der Hurtigrute zurück­ge­kommen bin, die ebenfalls von Karin so treffend kommen­tiert wurde, werde ich jetzt erst mal eine Reisepause einlegen, auch um das finan­zi­elle Polster wieder wachsen zu lassen. Dann »schau mer mal«, wohin die nächste Reise führt! 🙂
    Grüße von der Uschi

    1. Avatar von Karin Lochner

      Und sollte Dich Dein Reisefieber dann auch mal nach Qatar bringen, lass es mich bitte wissen, liebe Uschi!

  3. Avatar von Conny H.
    Conny H.

    Liebe Karin,
    perfekt ! Du hast wieder wunderbar den Ton gefunden und dieses schöne Land sehr gut beschrieben. Macht Lust auf mehr

    danke
    Conny

    1. Avatar von Karin Lochner

      Liebe Conny, es freut mich, dass ich Dir Lust auf Qatar machen konnte!

  4. Avatar von Rainer
    Rainer

    Hallo Karin,
    dein Bericht ist wieder gewohnt perfekt, gibt wunder­bare Einblicke in ein Land aus 1000 und 1 Nacht. Und hilft hoffent­lich auch, Vorurteile abzubauen.
    Weiter so !

    1. Avatar von Karin Lochner

      Vielen dank, lieber Rainer!

  5. Avatar von Andreas
    Andreas

    Hallo Frau Lochner,

    1000 Dank für diesen inter­es­santen Einblick samt den zauber­haften Fotos: Lebendig, greifbar, spürbar! Das nächste Mal würde ich auf jeden Fall versu­chen, eine wirklich längeren »Zwischenstopp« einzu­legen …

    1. Avatar von Karin Lochner

      Herzlichen Dank, Andreas, es freut mich, dass ich Sie neugierig machen konnte. Den Zwischenstopp in Doha sollten Sie sich gönnen. Denn das Qatar Airways Netzwerk besteht aus über 150 Destinationen, da lässt sich manches Reiseziel einbinden. Mein Tipp: Bis zu 96 Stunden Zwischenaufenthalt in Qatar ist ohne Aufpreis beim „Qatar Airways Holidays Stopover Program“ möglich, wenn Sie dies bei der Buchung angegeben. So können Sie die Kultur und die Sehenswürdigkeiten Qatars mit einem kosten­losen Transitvisum entde­cken. Falls Sie diese Option buchen, erhalten Sie sogar eine Übernachtung in einem der zahlrei­chen inter­na­tio­nalen Hotels in Doha. Und brandneu: Angebote für zwei Übernachtungen gibt es bei Buchungen bis 28. Dezember und Reisen bis einschließ­lich 31. Dezember 2018. 

  6. Avatar von Karin Lochner

    Herzlichen Dank, liebe Barbara! Es freut mich, dass Du Dich von meinen Worten hast berühren lassen. Es bewegt sich tatsäch­lich viel für die Frauen dort. Wäre schön, wenn sich die Vorteile unsere Kultur und die der orien­ta­li­schen zukünftig vereinen würden. Einen Riesen-Plus-Punkt hat Qatar bereits: Die Frauen sind sehr gebildet. Der Großteil der einhei­mi­schen Frauen studiert. Nirgendwo bei meinen Reisen durch die Welt habe ich mich mit meinen Geschlechtsgenossinnen besser auf Englisch unter­halten können als in Qatar.

  7. Avatar von Barbara Bauer
    Barbara Bauer

    Der Blickwinkel der Einheimischen ist auf jeden Fall inter­es­sant. Es scheint sich im Hinblick auf die Stellung der Frau in der Gesellschaft und ihre Rechte in den arabi­schen Staaten zur Zeit doch etwas zu bewegen.
    Mißstände in einem Land treffen nicht alle, vor allem nicht so sehr die reichen und gebil­deten Menschen,die meist ganz gut auswei­chen können. Auch wir leben gemüt­lich in unseren Wohnungen während andere auf der Straße schlafen. Ein Reisebericht ist keine politi­sche Abhandlung. Wer weitere Aspekte erfahren will, kann im Jahresbericht von amnesty inter­na­tional nachlesen.Ich finde es wichtig ein komplexes Bild zu bekommen. Wird nur Negatives berichtet, entsteht Angst und Angst ist ein schlechter Ratgeber.Viele Mosaiksteine ergeben erst ein Bild.

  8. Avatar von Katharina Happ
    Katharina Happ

    Ich bin schon von Beruf´s wegen kritisch – schließ­lich kämpfe ich als Rechtsanwältin gegen Unrecht. Sollte ich deswegen (sogar noch mal) was zu dem Bericht etwas schreiben, obwohl ich dort noch nie wahr, nur, weil ich den Artikel gelesen habe? Ja. Und zwar deswegen, weil ich Karin Lochner seit vielen Jahren kenne. Ich war in einigen ihrer Schreibseminare, und habe ungefähr grob geschätzt 15 weitere Seminare mit ihr gemacht wie Yoga, Tanz, Qi Gung – und ein Seminar, dessen Titel in etwa lautete: »Wie verän­dert sich dein Leben, wenn du wie Pippi Langstumpf leben würdest?« Karin ist ein total ehrli­cher Mensch, sehr auf Gerechtigkeit bedacht, sie ist sehr weitge­hend unbeküm­mert damit, ob sie anderen gefällt oder nicht. Also mutig.
    Und der Artikel hat mir gezeigt, wie sie das dort erlebt hat. Dass es für sie faszin­i­nie­rend ist, wie die Menschen dort versu­chen, ihre Vorstellungen von Glück zu verwirk­li­chen, die eben andere Vorstellungen sind. Auch von Erotik.
    Das andere, dass es dort auch Dunkles und Gefährliches gibt, ist in dem Bericht für mich gut fühlbar gewesen. Ich finde den Bericht sehr gut. Ich habe eine deutliche Vorstellung bekommen, wie sich dieses Land für mich anfühlen würde.
    Katharina Happ

    1. Avatar von Karin Lochner

      Danke, liebe Katharina. Ich bin berührt, weil Du Dich trotz des »schlechten Rufs« diesem Landes geöffnet hast für mögliche positive Seiten. Und das wegen »meines guten Rufs«! An Orten zu sein, wo alles ist wie daheim, kann gut tun. Erholsam sein. Zugleich machte ich persön­lich oft die Erfahrung, dass ich gerade, wenn ich mich damit konfron­tieren muss, dass Wertvorstellungen ganz anderes sind als meine, dass mich genau das stark anregt, meine heile Welt zu hinter­fragen. Ich will keines­wegs Diktaturen oder Dogmen ideali­sieren. Dennoch denke ich, dass auch wir in unserer Kultur diverse mentale Gefängnisse haben, die wir gar nicht mehr bemerken. Den Schlankheitswahn beispiels­weise. In Qatar war es erfri­schend zu erleben, wie egal es den Frauen war, ob sie einem Schlankheitsideal entspre­chen.

  9. Avatar von Heide Felsner
    Heide Felsner

    Alles gut beschrieben.

    1. Avatar von Karin Lochner

      Dein Lob freut mich, liebe Heidi!

  10. Avatar von Andrea Kronmüller
    Andrea Kronmüller

    Das ist ein sehr inter­es­santer Bericht, der mich mit meinen Vorurteilen konfron­tiert, die ich der arabi­schen Welt gegen­über bisher hatte! Sehr faszi­nie­rend und wichtig. Die lebhafte Diskussion bei den Kommentaren ist auch sehr inter­es­sant! Da kommt etwas in Bewegung, wunderbar!

    1. Avatar von Karin Lochner

      Mich freut es auch, dass eine leben­dige Diskussion in Gang gekommen ist, liebe Andrea! Mir ist in Qatar bewusst geworden, dass die Einheimischen dort auch große Vorurteile unserer Kultur gegen­über haben. Interessanterweise bemit­leiden uns die qatari­schen Frauen, weil sie das Bild haben, dass Frauen im Westen »ausge­beutet und gedemü­tigt« werden. U.a. deswegen, weil bei einer Scheidung die Frauen in Deutschland meist Gerichtsverhandlungen hinter sich bringen müssen, um Unterhalt für ihre Kinder zu erhalten. So was wird dort bereits sehr großzügig vor der Hochzeit geregelt. Oder allein wegen der Tatsache, dass es bei uns flächen­de­ckend Prostitution gibt. Fernsehberichte über Zwangsprostitution in unserer Kultur sind sozusagen das Gegenstück zu unseren Fernsehfilmen über ausge­beu­tete Bauarbeiter in Qatar.

  11. Avatar von Irene
    Irene

    Liebe Karin, Ich fand den Bericht über Qatar sehr bewegend und beein­dru­ckend, weil er sehr persön­lich ist. Mich hat gleich das Reisefieber etwas gepackt – irgend­wohin. Danke, ich werde noch mehr von dir lesen.
    lg Irene

    1. Avatar von Karin Lochner

      Dank Dir, liebe Irene. Wünsch Dir, dass Du Dein Reisefieber bald stillen kannst!

  12. Avatar von Fuchs Ulla
    Fuchs Ulla

    Liebe Karin,
    ganz toller Bericht von einem Land wo man meistens negative Bericht hört.
    Vielen Dank fürs »mitnehmen«.
    Herzliche Grüße
    Ulla

    1. Avatar von Karin Lochner

      Gerne habe ich dich mitge­nommen, liebe Ulla!

  13. Avatar von Ralf Engels
    Ralf Engels

    Bin ebenfalls gespannt, wie es mit Quatar weiter geht. Wieder einmal ein inter­es­santer Reisebericht. Auch die kontro­versen Kommentare zu diesem Land habe ich hier mit Interesse gelesen. Jede Reportage wirft ein eigenes Licht auf Situationen, Menschen und Länder; jeder nimmt die Welt auf seine Art wahr und das ist gut so. Die Welt ist so, wie wir sie wahrnehmen, und oft ganz anders, als wir es uns zuvor ausge­malt haben. Schön, dass die Reisedepeschen dazu beitragen immer wieder ein neue Seite vom Gesamtbild zu sehen. Gute Arbeit!

    1. Avatar von Karin Lochner

      Herzlichen Dank, lieber Ralf. Ich stimme mit Dir überein: Die Welt ist so, wie wir sie wahrnehmen, und oft ganz anders, als wir es uns zuvor ausge­malt haben.

  14. Avatar von Ingrid Rauchfuß
    Ingrid Rauchfuß

    Die Fotos sind toll! Ich habe jetzt jedes einzelne aufge­zoomt, und es gibt jede Menge darauf zu entde­cken. Körpersprache von Bauten und Menschen —

    1. Avatar von Karin Lochner

      Danke, liebe Ingrid, das Aufmacherbild liebe ich auch sehr. Michael Schneider hat es fotogra­fiert.

  15. Avatar von Karin Lochner

    Dein Lob freut mich sehr, liebe Annabell. Ich glaube, das Land hat noch sehr viel Potential.

  16. Avatar von Sabine Wolff
    Sabine Wolff

    Wow, ich bin beein­druckt von diesen wunder­schönen Bildern, die bei mir auch ohne Fotografien entstanden sind. Vielen Dank dafür und mehr davon. Sabine Wolff

  17. Avatar von Annabelle
    Annabelle

    Toller Artikel und super Einblick in die Kultur Qatars!
    Qatar beweist, dass es durchaus ein inter­es­santes Reiseziel ist, insbe­son­dere wenn man sich für Kunst, Kulinarik und Architektur inter­es­siert.
    Wenn man aller­dings primär Erholung und Betätigung in der Natur sucht und auch deren Vielfalt, sind andere Reiseziele mögli­cher­weise inter­es­santer.
    Da Qatar aber auch schöne weiße Strände zu bieten hat, kann es sich als Badeurlaubsort ja noch entwi­ckeln.
    Mal schauen, wie Qatar sein Potenzial zukünftig noch nutzen wird 😉

  18. Avatar von Katharina
    Katharina

    Ein sehr inter­es­santer Artikel! Nun sehe ich »die Kopftuchgeschichte« mal anders, alles hat was Gutes und ein neuer Blickwinkel bietet neue Erkenntnisse.
    Wunderschöne Fotos!

    1. Avatar von Karin Lochner

      Liebe Katharina, stell Dir vor, ich habe es sogar als richtig angenehme Erfahrung erlebt, unter dieser Abaya zu stecken, mit Kopftuch und von oben bis unten in das wallendem Gewand einge­hüllt. Meine Freundin Waad ist Modeschöpferin und hat mich mal zum Spaß als Einheimische einge­kleidet. Es ist ein bisschen, wie in manchen Schulen hierzu­lande, wo wegen des Markenwahns Schuluniformen einge­führt wurden. Schon mal gehört? Oder, bei den kirch­li­chen Festen, wie Erster Kommunion, wo das gegen­sei­tige modische Übertrumpfen solche Ausmaße angenommen hatte, dass die Pfarreien die Kinder nur noch in schlichten, gleichen Kutten antreten lassen. Ich hätte es selbst nicht gedacht, aber die Abaya hat echt was von Schutz und Geborgenheit. Wir sollten sie nicht pauschal verteu­feln.

  19. Avatar von Sabine Manson
    Sabine Manson

    Ich habe den Artikel gerne gelesen. Vielen Dank. Sabine

    1. Avatar von Karin Lochner

      Das freut mich, liebe Sabine!

  20. Avatar von Seeberger
    Seeberger

    Super Reisebericht, wunderbar geschrieben!
    Elke S.

    1. Avatar von Karin Lochner

      Vielen lieben Dank, liebe Elke!

  21. Avatar von Charlotte Erichsen
    Charlotte Erichsen

    Ein sehr schöner Reisebericht, Karin! Mich hätte noch ein Blick in das futuris­ti­sche Museum islami­scher Kunst inter­es­siert. Dass Frauen sich immer an die Gegebenheiten ihres Landes anpassen müssen und dabei aber viele Tricks entwi­ckeln, mit der Situation umzugehen und Vorteile zu finden, das hat der Bericht sehr humor­voll darge­stellt.
    Empfehlenswerte Lektüre!

    1. Avatar von Karin Lochner

      Danke Dir, liebe Charlotte, das nächste Mal kommt noch der Blick ins Islamische Museum, verspro­chen. Und die Tricks der Ladies: Wow! Ich hatte den Eindruck, die helfen so dermaßen zusammen, dass wir uns im Westen was abschauen könnten. Die sind keine Rivalinnen, sondern Verbündete. Dadurch haben sie ihre Männer im Griff. Obwohl die denken, es sei umgekehrt. Weil ja theore­tisch jeder Mann vier Frauen heiraten könnte. Der hat dann aber daheim nichts zu melden. (Egal, ob mit einer oder vier Ehefrauen!) Jedenfalls gehen die Frauen sehr fürsorg­lich und wohlwol­lend mit ihren Geschlechtsgenossinnen um. Und machen sich das Leben mitein­ander benei­dens­wert schön.

  22. Avatar von Doris Schneider
    Doris Schneider

    Die Reiseberichte von Karin Lochner sind wie immer gut recher­chiert, inter­es­sant, gut geschrieben, mit anschau­li­chen Bildern versehen!!! Macht Lust auf mehr !

    1. Avatar von Karin Lochner

      Herzlichen Dank, liebe Doris!

  23. Avatar von Frau Véronique Hartmann-Alvera
    Frau Véronique Hartmann-Alvera

    Ein inter­es­santer Beitrag über ein Land mit dem ich in der Tat viele Vorurteile verbinde. Nach diesem Artikel würde ich mich gerne vor Ort vom Gegenteil überzeugen.
    Véronique Hartmann-Alvera, München.

    1. Avatar von Karin Lochner

      Liebe Veronique, wenn auch Du Dich gerne vor Ort über diesen Zwergstaat infor­mieren magst – um Vorurteile abzubauen – kann ich bald anfangen, eine Gruppenreise zu organi­sieren! Danke für Deine Worte.

  24. Avatar von margie otte
    margie otte

    ich habe mir noch nie Gedanken über Qatar gemacht,
    danke für den Artikel, jetzt bin ich doch ein bisschen faszi­niert, jetzt könnte ich mir auch eine reise in dieses Land vorstellen, allein schon wegen der Kunst von Richard Serra, den ich sehr bewun­dere.
    danke für die Inspiration.

    1. Avatar von Karin Lochner

      Zweifellos, liebe Margie: Du musst hin, wenn Du Richard Serra bewun­derst, der seine Kunst dort als »die größte Erfüllung seines Schaffens« bezeichnet! Danke für Dein Feedback!

    2. Avatar von Tania Fecht
      Tania Fecht

      Die Kunst von Richard Sera ist mein magischer Ort in Qatar. Ich gehe dort immer zum wilden Campen hin.…
      Herzlichen Gruß aus Qatar, Tania Fecht

  25. Avatar von margie otte
    margie otte

    liebe karin,
    ich finde Deinen Artikel sehr inter­es­sant, mir hat er Lust gemacht, dieses Land im Aufbruch zu bereisen.

    vielen Dank!

    1. Avatar von Karin Lochner

      Danke, liebe Margie. Es freut mich, wenn Dir meine Worte Lust gemacht haben!

  26. Avatar von Ingrid Rauchfuß
    Ingrid Rauchfuß

    Ja! Und habt Ihr Euch das Foto von dem Herrn im weißen Gewand groß gezoomt?
    Hier erwarten Euch einige Überraschungen.
    Schade, dass das Format keine Bildunterschriften zulässt — ich wüsste gern, was die runden, gemau­erten Bauten in seinem Hintergrund sind.

    1. Avatar von Karin Lochner

      Liebe Ingrid, Danke für’s Feedback und die Anregung mit den Bildunterschriften. Die runden, gemau­erten Bauten gehören zum Islamischen Museum. Ich hätte noch ewig über alles Mögliche schreiben können, über die archi­tek­to­ni­schen Höhenflüge im Allgemeinen und dieses sensa­tio­nelle Bauwerk im Besonderen, das Fotograf Michael Schneider so märchen­haft einge­fangen hat. Ich dachte erst, es wäre ein Gemälde …

  27. Avatar von Vanessa
    Vanessa

    Schöner Artikel zu einem sehr kontro­vers zu disku­tie­rendem Land. als frau und demokratin tu ich mich schwer damit… aber es ist gut, dass der Artikel einem erlaubt mal genauer hinzu­gu­cken ohne selber hinfahren zu müssen! danke dafür! ‑die bilder bei dem dekor sind natür­lich weltklasse! und der stil des artikels gefällt mir sehr!

    1. Avatar von Karin Lochner

      Sehr gerne, liebe Vanessa, habe ich Dich mitge­nommen ohne dass Du selbst in dieses Land reisen musst. Ja, zweifellos kontro­vers für uns, die wir das Leben in einer Demokratie genießen können. Genau genommen, ja noch gar nicht so lange .…

  28. Avatar von Dagmar Schulz
    Dagmar Schulz

    Danke für diesen inter­es­santen und vor allem aufklä­renden Artikel. Ich fühle mich motiviert, einmal mehr meine von Presse und Hörensagen gespeiste Meinung zu überprüfen und werde mich weiter mit diesem inter­es­santen Land beschäf­tigen. Dagmar Schulz, München

    1. Avatar von Karin Lochner

      Liebe Dagmar, genau das will ich: Motivieren, mal die ewig gleichen Pressemeldungen zu hinter­fragen. Wir Deutsche sind ja auch – zu recht – empört, wenn wir alle flächen­de­ckend als Nazis darge­stellt werden.

  29. Avatar von Sabine Danzer
    Sabine Danzer

    Liebe Karin, mir gefällt Dein Reisebericht. Ich habe ihn mit wachsender Begeisterung gelesen. Danke Dir. Herzliche Grüße

    1. Avatar von Karin Lochner

      Freut mich, dass ich Dich mit meiner Begeisterung anste­cken konnte, liebe Sabine!

  30. Avatar von Carlotta
    Carlotta

    lesenswerterBeitrag!

    1. Avatar von Karin Lochner
  31. Avatar von Sofia
    Sofia

    Ein sehr guter und inter­es­santer Artikel! Absolut lesens­wert!

  32. Avatar von Susanne
    Susanne

    Danke für diese Eindrücke und Sicht auf Quatar und die schönen Bildern. So wird aus meinen Bedenken, eine Option, dort mal hinzu­reisen.

    1. Avatar von Karin Lochner

      Eine Reise würde sich rentieren, liebe Susanne! Noch ist das Land nahezu unberührt von westli­chen Besuchern. Und es gäbe noch so viel mehr zu entde­cken. Auch ich habe vieles in diesem Zwergstaat noch nicht gesehen. UNESCO Weltkulturerbe, Mangroven-Wälder, einen unberührten Salzsee, der wie das Tote Meer sein soll. Ich habe schon wieder Sehnsucht nach dieser beein­dru­ckenden Wüste.

  33. Avatar von Brigitte
    Brigitte

    Wäre es nicht eine tolle Zeit, wenn die Einordnung von gut und böse, von richtig und falsch, von lieben und hassen nicht von irgend­einer Nationalität abhängen würde?
    Ich habe bisher Idioten aus den unter­schied­lichsten Ländern erlebt, völlig unabhängig woher sie kamen.
    Aber, und das ist viel wichtiger, ebenso gibt es offene, intel­li­gente, nette, inter­es­sierte und sympa­thi­sche Menschen in allen Nationen.
    Kritik ist völlig okay, aber bitte auch noch ein bisschen mehr sehen und wissen wollen.
    Der Artikel von Karin Lochner ist für mich eben das. Hinschauen und nicht nur das sehen was angeb­lich ist.
    Mir ist ein persön­li­cher, sicher nicht 100% objek­tiver, Bericht viel lieber, als irgend­eine zusam­men­ge­stop­selte Statistik.

    1. Avatar von Karin Lochner

      Vielen lieben Dank, Brigitte. Genau wie Du sagst: Intelligente, inter­es­sante und sympa­thi­sche Menschen gibt es überall. Ignorante halt leider auch.

  34. Avatar von SiK
    SiK

    Ein sehr persön­li­cher Reisebericht, der sicher­lich durch das Zusammentreffen mit einer jungen schönen und reichen Frau geprägt ist, die die Besucherin stolz mit den schönen Seiten ihrers Heimatlandes bekannt macht. 1001 Nacht, statt Skandale und Terror. Die Autorin macht selbst deutlich, dass sie keine politi­sche Reportage schreibt. Also könnte man den Bericht einfach als Schilderung einer märchen­haften Zeit sehen und sich über die Probleme im Land auf anderer Ebene infor­mieren. Ich finde es inter­es­sant, über ein Land zu lesen, das ich selbst nie bereisen würde. Und ich bin gespannt, wie zu Zeiten der WM über Quatar berichtet wird.

    1. Avatar von Karin Lochner

      Es freut mich, dass Du durch meine Worte mitreisen konntest. Und an einen Ort gekommen bist, auf dem Du wohl keinen Fuß setzen wirst. Ich bin auch sehr gespannt, wie dann die Berichterstattung 2022 über Qatar sein wird!

  35. Avatar von Guido
    Guido

    Lieber Andreas Moser, Sie sind jemand, der meint er hätte Ahnung und könnte das von seiner einge­bil­deten hohen morali­schen Warte alles beurteilen und verur­teilen. Letztlich stellen Sie nur Unwissen und Vorurteile und schlimms­ten­falls eine Agenda zur Schau. Ich will keinen Roman schreiben und nur mal den promi­nen­testen Punkt aufgreifen: »Hunderte Tote auf WM-Baustellen«.

    Legen Sie mal einen Beweis vor. Sie werden keinen finden. Weil es diese hunderten Toten nicht gibt. Es gehört in Deutschland aber zum Allgemeinwissen, dass es in Katar tausende Tote auf WM-Baustellen gibt. Das hat eine einzige Quelle, nämlich 2 »Studien« des inter­na­tio­nalen Gewerkschaftsverbandes ITUC. Die letzte »Studie« stammt von 2015. In Katar lebten damals rund 1,8 Mio. Gastarbeiter. Von diesen Gastarbeitern sind pro Jahr etwa 1.000 gestorben. Diese Zahl hat die ITUC einfach für die 7 Jahre bis zur WM hochge­rechnet. Fertig waren 7.000 tote Bauarbeiter auf WM-Baustellen. Die ITUC hat dazu eine Pressemitteilung verfasst. Alle Medien haben die Pressemitteilung aufge­griffen »Gewerkschaft rechnet in Katar mit 7.000 WM-Toten bis zur WM«. Bämm, Fette Schlagzeile überall. Seitdem sind »tausende WM-Tote in Katar« in Deutschland Allgemeinwissen.

    Die »Studie« selbst hat leider keiner angeguckt. Sie können sie bei der ITUC herun­ter­laden (Google: »Frontlines Report 2015 – Qatar: Profit and Loss«). Sie werden aus dem Lachen (oder Weinen) nicht mehr heraus­kommen. Weder hat die ITUC geschaut, was die 1.8 Mio Gastarbeiter arbeiten. Die übergroße Mehrheit arbeitet als Nanny, als Verkäufer, als Security, als Servicekraft, als Fischer … oder auf anderen Baustellen. Nur etwa 2–3% arbeiten auf WM-Baustellen. Spielt alles keine Rolle, für die ITUC ist jeder gestor­bene Gastarbeiter ein WM-Toter. Noch hat die ITUC geschaut, woran diese Gastarbeiter überhaupt gestorben sind. Verkehrsunfälle, Kriminalität, Krankheiten, … Spielt alles keine Rolle. Alles WM-Tote.

    Die Krönung der Geschichte: Statistisch sterben in Katar von den Gastarbeitern 0,6 Promille pro Jahr (Zahlen mit denen die ITUC arbeitet). In Deutschland liegt die Sterberate im arbeits­fä­higen Alter von 18–64 bei 2,6 Promille pro Jahr. Deutschland müsste dringendst in Katar nachfragen, wie die eine 4 mal gerin­gere Mortalitätsrate hinbe­kommen. Und Sie müssten völlig empört über Deutschland sein, weil hier die Menschen mit mehr als 4 mal so hoher Wahrscheinlichkeit sterben wie Gastarbeiter in Katar. Wie finden Sie das?

    Wenn sie noch irgend­welche Zweifel an der Studie haben: In der Studie werden auch die WM-Kosten berechnet. Brasilien kam angeb­lich auf 15 Milliarden USD. Russland angeb­lich auf 12 Milliarden USD. In Katar wird die WM laut ITUC 200–222 Milliarden USD kosten. Ist ja klar: die Kataris sind einfach völlig bekloppte Vollidioten und man uss das anpran­gern. Wie kommt die ITUC auf die Zahl? Genau so »seriös« wie auf die WM-Toten. Jede, wirklich jede Baustelle der letzten 20 Jahre in Katar ist für die ITUC eine WM-Baustelle. Erwähnt wird z.B. der neue Flughafen. Der wurde 2003 geplant. 2005 wurde mit dem Bau begonnen. Katar hat sich überhaupt erst 2009 für die WM beworben und 2010 zu den Zuschlag gewonnen. Der Flughafen war für die Expansion von Qatar Airways schon lange überfällig. Die Fakten spielen aber keine Rolle: Die Flughafenkosten sind für die ITUC zu 100% WM-Kosten.

    Einen weiteren Punkt will ich noch anreißen: In Deutschland ist man besorgt über Islamisierung und Abschaffung des Deutschen Volkes, wenn 2015 auf jeden Biodeutschen mal 0,02 Flüchtlinge dazu kommen. Rechtsextreme Parteien kommen Zulauf. Massendemos. Anschläge auf Flüchtlinge. 3 Jahre lang hat das Thema Flüchtlinge/​Ausländer hier die Politik dominiert. Die Kataris sind längst eine winzige Minderheit im eigenen Land. Auf jeden Katari kommen 6–7 Ausländer. Ist es verständ­lich, dass die Bevölkerung da auch gewisse Ängste hat und man keine ungebremste Zuwanderung will (wie in Deutschland auch)? Weil man nicht die Strukturen hat, um bei fast 2 Millionen Gastarbeitern die Situation zu prüfen, hat man ein Sponsoring-System einge­führt. Derjenige, der einen Gastarbeiter ins Land holt (egal ob Bauarbeiter, Nanny, Zimmermädchen im Hotel), der haftet für diesen Gastarbeiter. Stellt der Gastarbeiter Unsinn an, haftet der Sponsor für Konsequenzen. Und dann wurde standard­mäßig der Pass einkas­siert, damit die nicht Unsinn anstellen und dann das Land verlassen. Das ist dann trotzdem nicht richtig und wird zurecht kriti­siert. Aber mit Blick auf die teilweise Ausländer-Hysterie in Deutschland, wird es ein Stück weit verständ­lich. Und längst wurde da nachge­bes­sert und die Gastarbeiter haben nun mehr Rechte und können sich wehren, falls ihre Sponsoren/​Arbeitgeber sie nicht korrekt behan­deln. Das ist noch nicht perfekt, aber um Lichtjahre besser als z.B. in Saudi-Arabien. Kritisiert wird aber immer nur Katar. Und haben Sie sich mal infor­miert, wie drako­nisch Gastarbeiter in den UAE zum Teil bestraft werden? Nein, haben Sie nicht.

    Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Katar hat in vielen Punkten Kritik verdient. Und Katar hat sich mit der WM-Ausrichtung selbst freiwillig ins Schaufenster gestellt, dann muss Katar nun auch aushalten, das genauer hinge­schaut wird. Uninformiertes Nachplappern von Fake News hilft aber niemandem weiter.

    1. Avatar von Karin Lochner

      Lieber Guido,
      herzli­chen Dank für die Mühe, die sich sich mit Ihrer Antwort an Andreas Moser machten. Welch konstruk­tive Diskussion Sie damit anstupsen – falls Katar-Gegner bereit sind, beim »Nachplappern von Fake News« inne zu halten. Auch mir als Autorin haben Sie damit ein Geschenk gemacht, weil ich zukünftig die genannte Studie zitieren kann, wenn das Katar-Bashing wieder einsetzt. Ich habe bei meiner Reise ins Land intuitiv gespürt, was Sie mit Zahlen und Fakten darlegen. Ich wünschte, es gäbe mehr Kommentare wie Ihren im Netz. Es ist so einfach, empört anzuklagen. Viel schwerer ist es dagegen, andere Aspekte gelten zu lassen. Nachzuforschen, wo in unserer Kultur etwas im Argen liegt. Liegen könnte. Was wahr ist. Oder auch nur über den Tellerand zu schauen. Beziehungsweise in Katars Fall: Über den Bauzaun zu blicken.

    2. Avatar von Sigi Sausewind
      Sigi Sausewind

      Hallo Guido,

      das Sponsering-System für Gastarbeiter hat mich sehr beein­druckt. Es wäre schön, wenn Sie das in Deutschland einmal publik machen würden. Obwohl man hier ja schon seit 40 Jahren nicht mehr von Gastarbeitern spricht.
      Sicherlich kann man in diesem Punkt Katar nicht mit der BRD verglei­chen, denn hier tragen die einkom­men­steu­er­zah­lenden Menschen die Hauptlast und keine sprudelnden Ölquellen (BRD-weit gesehen, auf der Kommunalebene ist es natür­lich die Gewerbesteuer).

      Das Sponsering-System wäre auch ein Schritt in Richtung Integration und Verantwortung. Gruppenbildungen- und ausein­an­der­set­zungen, ein Nebeneinander-her-leben wäre so kaum mehr möglich.

      Wäre schön, wenn Sie das in der BRD an die Öffentlichkeit bringen könnten. Ich habe hier zum ersten Mal etwas darüber gelesen und würde gerne mehr hören.

  36. Avatar von Andreas Moser

    Ach, wie schön! Alles glitzert und glänzt, die Bauarbeiter sind glück­lich, die Frauen sind glück­lich, dass sie sich verhüllen dürfen, es gibt Kunst und Bildung, deutsche Kühe, und die WM wird natür­lich super.

    Nur ein paar Dinge fehlen in einem Bericht, der sich journa­lis­tisch, wenn auch reise­jour­na­lis­tisch nennt:
    – Es sind schon Hunderte an Bauarbeitern für die Fußball-WM gestorben.
    – Ausländische Bauarbeiter dürfen weiterhin ohne Zustimmung des Arbeitgebers das Land nicht verlassen. Erinnert ein wenig an Sklaverei, nicht wahr? Insbesondere bei den Hausangestellten führt diese Zwangslage oft zu sexuellem Missbrauch.
    – Ausländische Arbeiter dürfen keinen Gewerkschaften angehören.
    – Die ach so glück­li­chen Frauen haben im Familienrecht, im Erbrecht und im Staatsbürgerschaftsrecht nicht die gleichen Rechte wie Männer. Frauen, die nicht­ehe­lich schwanger werden, kommen ins Gefängnis, bis sie den Vater des Kindes heiraten.
    – Die deutschen Kühe mussten impor­tiert werden, weil die Nachbarstaaten ein Embargo gegen Katar verhängt haben. (Das ist ausnahms­weise nicht die Schuld Katars, aber man könnte solche Zusammenhänge schon erklären.)
    – Homosexualität ist in dem ach so modernen Land strafbar.

    »Märchenhafter Reichtum«? Wohl eher Reichtum basie­rend auf der Ausbeutung von Arbeitern aus Nepal und Bangladesh.

    Normalerewise gibt es bei den Reisedepeschen ganz gute Artikel, die über das Sonne-Strand-alles-ist-schön-bla-bla der meisten Reiseblogs hinaus­rei­chen. Aber hier habt Ihr Euch einen PR-Artikel unter­ju­beln lassen.

    1. Avatar von Karin Lochner

      Lieber Andreas Moser, ich verstehe Ihre Kritik. Es erscheint so leicht, dem Katar-Bashing zu folgen. Ich empfinde das als ungerecht. Lassen sie mich erklären: Es gibt auch ziemlich viel Deutschland-Bashing weltweit. Ein brasi­lia­ni­scher Freund, der seit Jahrzehnten in München lebt, erzählt, dass er beim jährli­chen Besuch in seiner alten Heimat Rio (nach seinen Worten »einem der gefähr­lichsten Flecken Brasiliens«) jedes Mal von seinen Landsleuten vor der Rückkehr nach Deutschland gewarnt wird. Ausländer würden sadis­tisch ermordet, Asylbewerberheime angezündet, Flüchtlinge kommen grundlos ins Gefängnis und unter myste­riösen Umständen zu Tode. Die Deutschen seien halt meist noch immer Nazis. Und dieses wenig schmei­chel­hafte Bild, das auslän­di­sche Medien vermit­teln, bestä­tigen mir auch Freunde aus den USA, aus Israel, den Niederlanden und Neuseeland, um nur einige zu nennen. Ist es in Deutschland wirklich so? Was meinen Sie? Fakt ist: Bezüglich Katar fühlen wir uns im Westen diesem mittel­al­ter­li­chem Staat moralisch überlegen. Katar ist eine lupen­reine Diktatur, daran gibt es keine Zweifel. Auch ich bin mit Vorurteilen hinge­reist. Was mich stört ist, dass es so viele andere Staaten gibt, die genauso zu kriti­sieren wären. Aber immer zeigen alle nur ankla­gend auf Katar, sobald mal etwas Positives über das Land gesagt wird; wenn etwas zu Sprache kommt, das nichts mit der Ausbeutung von Baustellen-Arbeitern zu tun hat. Oder dass sich Gastarbeiter dort wohl fühlen. Alle Punkte, die Sie zu Recht aufzählten, können vielen anderen Ländern vorge­worfen werden, die wir bereisen. Auch auf den Baustellen für die WM in Russland gab es Gastarbeiter, die tödlich verun­glückt sind, ebenso in Brasilien und sogar in Europa, als die Olympiade in Griechenland 2004 statt fand. Ja, selbst auf den Baustellen unserer Hauptstadt Berlin sind etliche Bauskandale aufge­flogen, wo Bauarbeiter ausge­beutet und Unfälle vertuscht wurden. Homosexualität ist in den meisten Ländern des Globus ein Problem. Das Urlaubsparadies Jamaica beispiels­weise gilt als eines der schwu­len­feind­lichsten Länder der Welt. Frauen werden weltweit unter­drückt und benach­tei­ligt. Ich wollte mit meinen – zugegeben sehr persön­li­chen – Eindrücken die mir meine Zufallsbekanntschaft ermög­lichte – einen Gegenpol setzen. Zum Innehalten. Nachdenken. Ist in unserer Kultur der Schlankheits‑, Fitness- und Jugendwahn nicht auch Sklaverei? Es gibt in Katar vieles, das vorbild­lich funktio­niert, z.B. unglaub­lich viele Bildungsprogramme für die Jugend. Und auch die Gastarbeiterkinder sind da mit einbe­zogen, können kosten­frei Musikunterricht erhalten. Alle Museen sind gratis, ob für Kataris, Gastarbeiter oder Touristen. Ich könnte mir vorstellen, dass von einem Land wie Katar eine Aufbruchstimmung ausgehen kann, die diese krisen­ge­schüt­telte Region mitreißt. Die dem Mittleren Osten gut tut. Und damit auch dem Nahen Osten. Ich wollte vom großen Zukunftsoptimismus dieses Landes erzählen und dass mich die Gastfreundschaft von meiner katari­schen Freundin Waad und ihrer Familie verzau­bert hat. Ich hoffe sehr, dass dieser Zwergstaat sich unseren Werten öffnet. Ich wünsche mir zugleich, dass wir im Westen bereit sind, neugierig auf diese so völlig andere Kultur zuzugehen. Die guten Seiten erbli­cken, die der Reichtum ermög­licht. Und nicht immer nur verteu­feln. Katar wurde in sieben Jahrzehnten von der Steinzeit in die Zukunft katapul­tiert. In Europa hat die Entwicklung vom Mittelalter bis in die heutige Demokratie sieben Jahrhunderte gedauert. Vergessen wir das nicht. Ich glaube, wir könnten vonein­ander lernen und profi­tieren. Vielleicht werden Sie Katar irgend­wann einmal selbst bereisen und sich einen persön­li­chen Eindruck verschaffen? Ich wäre sehr neugierig, wie Sie das Land dann erleben.

    2. Avatar von peter von felbert

      lieber andreas moser, waren sie schon mal in katar? um ehrlich zu sein kling es nicht so. da wirkt karin lochner glaub­wuer­diger. zumal recherche nicht ihre staerke zu sein scheint. in dem zusam­men­hang wuerde mich mal die quelle zu den hunderten toten bauar­beiten inter­es­sieren.
      liebe gruesse petwr von felbert

    3. Avatar von Tania Fecht
      Tania Fecht

      Hallo Herr Moser,
      ich lebe seit 6 Jahren gerne in Qatar und arbeite dort als Reiseführerin. Ich bin es auch echt leid, dass immer nur auf diesem kleinen Land herum­ge­hackt wird! Es gibt unglaub­lich viele Dinge, die schöner und besser sind als mittler­weile in Europa. Die unglaub­liche Gastfreundschaft dieses Landes faszi­niert mich täglich aufs Neue! Ja, es gibt einige Dinge, die ich nie verstehen/​ akzep­tieren kann, aber das gibt es sicher­lich in jedem Land!
      Kommen Sie doch mal zu Besuch und lassen Sie sich verzau­bern.…

      Danke liebe Frau Lochner, für den schönen Bericht!
      Viele Grüße

      Tania Fecht

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