Qatar

Märchenhafter Reichtum und sinnliche Genüsse

Was, du willst nach Qatar? Ich ernte abschätzige Blicke von meinen Freunden. Die Fußball-Weltmeisterschaft wird 2022 in Qatar stattfinden, da darf man sich doch für den Golfstaat in-teressieren, verteidige ich mich. Immer, wenn mir Qatar über meine Lippen kommt, folgen naserümpfend die Reizwörter: Bauarbeiter! Unzumutbare Zustände! Skandal! Ein finsteres Bild wird gemalt. Wer die westliche Berichterstattung liest, folgert: In Qatar werden alle ausländischen Bauarbeiter ausgebeutet.

Zugegeben: Die Wahl des Wüstenstaats zum WM-Austragungsort ist umstritten. Denn im Sommer klettern die Temperaturen auf über vierzig Grad – absolut fußball-weltmeisterschafts-untauglich. Zudem gilt die Vergabe als weniger sportlich denn finanziell motiviert. Wie viel Bestechung im Spiel war, wird wohl nie eindeutig geklärt werden. Jedenfalls hat Qatar momentan einen schlechten Ruf. Zu Recht? Ich fliege als Reisejournalistin hin. Die ersten fünf Tage bleibe ich „embeded“, also eingebettet in eine Gruppe Kollegen. Wir werden herumgefahren und hofiert, wie das bei Pressereisen üblich ist – schließlich wollen sich die Gastgeber von ihrer besten Seite präsentieren. Als die anderen abreisen, bleibe ich auf eigene Kosten eine Woche länger, um mir meinen eigenen Eindruck zu verschaffen.

 

Ich lerne Waad kennen. Die morgenländische Schönheit ist in Doha geboren und aufgewachsen: eine der 300.000 Einheimischen des Zwergstaats. Im Aufzug meines Hotels spreche ich die 30-Jährige an, denn sie erscheint mir nicht so unnahbar wie die anderen Frauen, die ihr Gesicht verhüllen.

Waads Blick dagegen ist offen, ihr Gesicht dezent geschminkt, ihre Augen mit den dichten Wimpern funkeln lebendig. Unter ihrer schwarzen, nachlässig geschnürten Abaya, dem traditionellen islamischen Überkleid, spitzen eine zerrissene Jeans und ein Glitzer-T-Shirt hervor. Sie lächelt mit Zähnen wie aus der Zahnpastawerbung. Ob ich sie interviewen dürfe? Ich hoffe auf eine halbe Stunde. Es werden mehrere Tage gemeinsames Erkunden ihrer Heimat daraus. Sie klärt mich auf: Die Verschleierung, bei der das Gesicht selbst beim Essen unsichtbar bleibt, praktizieren hauptsächlich Touristinnen, mit denen sie selbst auch nichts zu tun habe. Außer das gemeinsame Beten zu vorgeschriebenen Zeiten, als wir gemeinsam unterwegs sind. Und sie einen der allgegenwärtigen Gebetsräume aufsucht.

 

 

Die futuristischen Hotels in Doha wirken auf mich wie soeben gelandete Raumschiffe. Qatars Hauptstadt ist eine glamouröse Hotel- und Museumsstadt inmitten einer riesigen Baustelle. Arbeiter in Leuchtwesten transportieren Material in Schubkarren. Poliere in Pluderhosen und Turban haken Lieferscheine ab. Dazwischen flanieren Männer in weißen Gewändern, denen man den Stolz am Gang ansieht. Erhobenen Hauptes tragen sie Kuffiyas, die traditionellen Turbane der Beduinen. Waad erkennt ihre Landsleute anhand der Farbe und der Art, wie sie die Kuffiya um ihr Haupt schlingen. Sie kann genau sagen, woher der Träger kommt: aus dem Oman, aus Abu Dhabi, aus Kuwait. Die Mehrzahl der Menschen auf den Straßen, in den Hotels und den Restaurants sind arabische Touristen oder ausländische Gastarbeiter – letztere machen 85 Prozent der Bevölkerung Qatars aus. Das sei der Grund, warum die Einheimischen daheim nie westliche Kleidung trügen, erklärt Waad. Qataris zeigen durch ihre traditionellen Gewänder, dass sie die „Hausherren“ im Land sind. Männer in langen weißen Hemden und Frauen in schwarzen Ganzkörperumhängen.

Aus den Shishas von Cafés am Straßenrand riecht es nach Kardamom, Weihrauch und Minze. Waad ist wie alle einheimischen Frauen schwarz verschleiert. Doch ihre perfekt pedikürten Füße zieren elegante Schuhe, eine teure Handtasche ist immer griffbereit. Trotz ihrer Verschleierung hat Waad eine sinnliche Anziehungskraft. Spürbar selbst bei Alltagsverrichtungen, wenn sie mir beispielsweise Kaffee aus einer Kanne eingießt.

 

 

Sie fühlt sich wohl unter ihrer Abaya. Ein Schutzschild, erklärt Waad – und ich verstehe. Waad protzt weder mit ihrer Figur, noch schämt sie sich für vermeintliche Makel, wie das bei Geschlechtsgenossinnen meiner Kultur fast zwangsläufig verbreitet ist. Zu dicke Schenkel, zu großer Hintern, zu kleine Brüste, Bad Hair Day. Das ist Waad einfach egal. Qatarische Frauen bewegen sich sicher und stolz. Jedes westliche Mitleid über Verschleierung empfinde ich in Waads Gegenwart unangebracht. Ihre königlich anmutende Verschleierung soll Männer vor weiblicher Attraktivität (im Koran „Fitna“ genannt) schützen. Hm, ok, das klingt für uns kontrovers und frauenfeindlich. Doch: meine Geschlechtsgenossinnen hier nutzen die Vorteile. Manchmal, wenn sie es eilig hat, zieht Waad morgens nicht mal ihr Nachthemd aus und schlüpft nur unter ihre Abaya, „wie viele Frauen, wenn es pressiert“. Sollte sie einen Pyjama unter ihrem schwarzen Überkleid tragen, nimmt ihr das nichts an Würde. (Waad, schelmisch: „Und kein Mann wird gereizt.“)

 

 

Männer und Frauen, die nicht miteinander verwandt sind, vermischen sich in Qatar kaum. In den unterschiedlichsten Alltagssituationen werden die Geschlechter „auseinander dividiert“, erklärt sie. So warten Männer und Frauen in Banken etwa an unterschiedlichen Schaltern. „Durcheinander Anstellen ist undenkbar.“ Ich blicke mich immer wieder erstaunt um, sehe Verschleierte genauso wie Minirock-Trägerinnen – Gastarbeiterinnen und einige wenige Touristinnen – und frage Waad: „Warum wird Doha – eine Stadt aus Hotels und Museen – als Urlaubsziel immer attraktiver?“ Vor der Staatsgründung 1973 war die Hauptstadt ein Mittelding zwischen Dorf und Kleinstadt.

Potential ist zweifellos vorhanden. Nicht nur für sonnenhungrige Europäer und Amerikaner, die die Outdoor-Spa-Bereiche und Hotelbars bevölkern. Die Stadt hat einen langen Strand aus feinstem, weißen Pudersand, wie gemacht für eine Bacardi-Werbung. Die sieben Kilometer lange, sichelförmige Uferpromenade „Corniche“ zählt zu den Attraktionen von Doha. Hier räkeln sich trotzdem keine Bikini-Schönheiten bei Cocktails – Alkohol ist außerhalb großer Hotels ohnehin verboten. Nicht einmal Frauen in Burkinis – der geschlossenen Badekleidung islamischer Frauen – nutzen den makellosen, jungfräulichen Strand. Die einheimischen Männer gehen genauso wenig im türkisblauen Prachtmeer baden.

 

 

Doha ist in der Tat ein attraktives Urlaubsziel, wenn auch (noch) nicht zum Baden. Und auch (noch) nicht unbedingt für westliche Urlauber wie mich. Qatar gilt als Familienparadies, begeistert sich Waad. Überall entdecken wir phantasievolle öffentliche Spielplätze, die fast schon als Kunstwerke durchgehen. Betuchte Gäste aus Pakistan, Indien oder dem Iran spannen hier aus. Sie genießen den westlichen Luxus und können sich doch auf ihre muslimischen Wertvorstellungen verlassen. Der größte Pluspunkt, findet Waad: „Wir sind eine Insel des Friedens fast ohne Kriminalität.“ Ganz anders als bei ihren Glaubensbrüdern in Syrien, Afghanistan oder dem Jemen.

 

 

Das könnte daran liegen, dass die Qataris sich alles leisten können, was ihr Herz begehrt: Im weltweiten Vergleich erhalten sie das höchste Pro-Kopf-Einkommen, obwohl sie weit von einer 40-Stunden-Woche entfernt sind. Sagen Lästermäuler. Ein Grundstück plus Haus pro Familie gibt es vom Staat so gut wie geschenkt. Sagen Insider. Die Männer halten sich die teuren Falken, manche auch ein Pferd oder Kamel. Wer wollte da kriminell werden wollen?

Qatar verströmt prickelnde Lebenszufriedenheit. Der Golfstaat ist noch nicht einmal 50 Jahre alt. 15 Prozent der weltweiten Erdgasvorkommen liegen auf seinem Staatsgebiet, das kleiner ist als Oberbayern. Qatar will von der Staatengemeinschaft anerkannt werden. Deshalb auch die WM 2022. Deshalb werden hier Superlative gesammelt. Kapital und Erdgas, die wirken, als würden sie nie versiegen, pushen den sprudelnden Zukunftsglauben des Mini-Staats. Alles ist möglich. Alles ist machbar. Siehe Weltmeisterschaft.

Die berühmtesten Gastronomen aller Herren Länder reißen sich darum, hier eine Dependence zu errichten, um den Goldrausch mitzunehmen. Zum Beispiel Gordon Ramsay. Der britische Spitzenkoch betreibt drei Restaurants im St. Regis Hotel im Diplomatenviertel. „Mediterranean“ bietet High-End-Küche. Was sein Küchenchef Elias Gemayel in exklusivem Design-Ambiente in der West Bay von Doha serviert – dafür pilgern Gourmets aus aller Welt hierher. Die beiden anderen Lokale, „Opal“ und „The Raw Bar“ sind legerer. Für seine Restaurants bekam Gordon Ramsay bereits zahlreiche Auszeichnungen, darunter mehrere Michelin-Sterne.

 

 

Erstaunlich für ein Land, das an einheimischen Zutaten kaum mehr als Fisch und Kakteenfrüchte zu bieten hat. Doch auch kulinarisch gilt: Alles ist machbar. Sämtliche Zutaten, die die Maestros brauchen, werden vorerst importiert. Zwar beginnen gerade die ersten Versuche der Landwirtschaft, sich in Teilbereichen selbst zu versorgen. Dazu wurden Kühe aus Deutschland importiert und Bewässerungstechniken eingeführt, die bereits die Wüste im Negev und Sinai fruchtbar machten. Als Jahrzehnte lang tätige Restaurant-Testerin muss ich zugeben: Alle Gerichte sind köstlich und auf Spitzenniveau – von der unguten Ökobilanz einmal abgesehen. Waad hat mir die ersten heimischen Bio-Produkte schon im Einkaufscenter gezeigt und versichert, dass in ihrem Land auch am ökologischen Fußabtritt gearbeitet werde. Stichwort saisonal und regional.

Bei der größten japanischen Restaurantkette weltweit sind heimische qatarische Erzeugnisse tatsächlich zu finden: Das „Nobu“ ist auf dem Areal des Four Seasons Hotel in Doha zuhause und hat sich durch japanische Küche mit arabischem Touch einen Namen gemacht. Außerdem wegen seiner zwei atemberaubenden Räumlichkeiten für private Dinner – die mondäne „White Pearl Lounge“ und eine Dachterrasse, mit Innen- und Außenbereich und gigantischem Panoramablick auf den Golf. Waad ist stolz darauf, mir die Location zu zeigen. Ich bleibe – wie von ihr erwartet – mit offenem Mund stehen. Hier kommen viele exquisite Fische fangfrisch aus dem Meer direkt vor der Tür. Regionaler geht es nicht. Als Kontrast dazu fühlen wir uns, als wären uns Scotty auf einen intergalaktischen Stützpunk gebeamt. Doch das nächste Lokal kann den Science-Fiction-Faktor sogar noch toppen, verspricht Waad.

Im obersten Stock des futuristischen Museums of Islamic Art hat Starkoch Alain Ducasse sein Restaurant „Idam“. Der Franzose hat für seine weltweiten Lokale vom Guide Michelin mehrmals die Höchstwertung von drei Sternen erhalten. Auch in Doha gehört ein Restaurant zu seinem Imperium. Ganz ehrlich: Mister Chefkoch kommt zwar nur ein paar Mal im Jahr vorbei gejettet, er hat sich aber all das ausgedacht. So läuft es weltweit bei den Oberen der Ess-Klasse. Einen Besuch ist das atemberaubende Idam allemal wert. Alkoholisches steht zwar hier nicht auf der Karte, doch bei den kreativen Gerichten, die die arabische Küche auf höchstem Niveau mit den Rezepten Alain Ducasses vereint, verzichtet man gern auf Prozente. Kein Geringerer als Star-Designer Philippe Stark hat das Restaurant gestaltet. Ich schreite die spektakulären Fensterfronten ab, versinke im weichen Teppich mit den arabischen Kalligraphien und blicke hinunter auf die Küstenlandschaft mit Skulpturenpark. Auf einer Halbinsel hinter dem Museumsrestaurant steht der aus sieben langen, schmalen Stahlplatten gestaltete Turm „Wahrzeichen 7“ von Richard Serra. Waad erklärt: „Der Künstler spielt auf die Bedeutung der Zahl Sieben in der islamischen Kultur an.“

 

 

Ich habe mich auf Waads Empfehlung im W-Hotel einquartiert („Der Hotspot der Stadt!“) und fühle mich dort wie ein Filmstar. Mein Mini-Apartment öffnet sich mir hinter einem schweren Vorhang. Kaum rechte Winkel, üppig mit Kissen belegtes King Size Bett, ein Badezimmer wie ein Spa-Urlaub. Und überall ist mundgerechtes Obst und Luxus-Schokolade drapiert.

Ahs und Ohs kommen in der Lobby schon beim Eintreten: Das gesamte Hotel spielt in seiner Innenarchitektur mit Perlen, denn die Perlenfischerei brachte Qatar bereits vor Jahrhunderten Reichtum, lange bevor Öl und Erdgas entdeckt wurden. Ein kulinarischer Höhepunkt für Langschläfer ist der Sonntags-Brunch im „Spice Market Restaurant“. Doch auch den Rest des Tages und abends ist das Restaurant von Jean-Georges Vongerichten eine gute Anlaufstation. Der Küchenchef versteht es, arabische Einflüsse mit internationaler Haute Cuisine aufs Feinste zu vermählen.

Doha bereitet sich in jeder Hinsicht – eben auch kulinarisch – auf die WM vor. Sie wird nicht wie sonst im Juni und Juli stattfinden, sondern im November und Dezember. Sie zu verlegen hat nach anfänglichen Protesten geklappt. Die Temperaturen sind dann vergleichbar mit unseren europäischen Sommern, nur mittags wird es richtig heiß. Abends, wenn die Spiele stattfinden werden, herrscht angenehmes Klima, wie im mitteleuropäischen Hochsommer. Auch das Alkoholverbot wird in dieser Zeit wohl aufgehoben werden.

 

 

Kann ein Volk, bei dem Alkohol verboten ist, dessen Großväter noch als Perlenfischer oder Nomaden ihre Familien ernährten – und oft hungerten – etwas mit all diesen kulinarischen Überflügen anfangen? Mit einer WM? Mit all der Kunst im öffentlichen Raum? Waad bejaht. Ein junges, hungriges Land wie ihres belohnt das Engagement jedes Einzelnen schnell mit Bildung, Aufstieg und Erfolg. Das gilt keineswegs nur für Einheimische. Wer drei bis zehn Jahre in Qatar lebt und arbeitet, kommt sagenhaft reich nach Hause, sagen die Gastarbeiter. Kann sich hinterher in der Heimat ein Haus leisten. Egal, ob in Mazedonien, Südafrika, Usbekistan, Tansania, Indien oder in Thüringen.

Es gibt die anklagenden Zeigefingern auf die Hilfskräfte der Baubranche, seufzt Waad. Doch kaum sind sie im Land, staunen die wenigen Touristen darüber, dass die meisten der Gastarbeiter hervorragend ausgebildete Fachleute sind. Meist Akademiker. Sie realisieren architektonische, kulinarische und künstlerische Überflüge, von denen sie in ihrer Heimat nicht einmal träumen dürfen. Sei es, weil die Behörden dort hochfliegende Ideen vereiteln. Oder weil die Investition im Heimatland nicht zu stemmen wäre. Die Aussichten für die Fußball-WM 2022 erzeugen bei allen Gastarbeitern – ob aus der Baubranche oder hoch qualifiziert – ansteckende Vorfreude. Und erst recht bei den Einheimischen. Qatar wird sich als perfekter Ausrichter präsentieren, prophezeit Waad. „Am Ende werden alle sagen, sie war gut, die WM im Winter.“ Das Datum für das Endspiel hat sie sich schon in ihre beiden Smartphones eingetragen: 18.Dezember. Qatars Nationalfeiertag.

Waad lenkt ihren Porsche Panamera über die flache Sandpiste.

Bei unserem Ausflug kann ich eine beliebte Freizeitbeschäftigung männlicher Qataris aus nächster Nähe erleben: Dune Bashing. Mit Allrad-SUVs geht es Dünen auf- und abwärts. Die Fahrer lassen ein bisschen Luft aus den Reifen und heizen dann röhrend durch die Wüste. Der Sand spritzt in hohem Bogen von den Kotflügeln. Nichts für Waad. Sie rümpft ihre hübsche Nase, Männerspielplätze interessieren sie nicht. Sie liebt Kunst, Kultur und Kulinarik.

 

 

Nach zwei Stunden Fahrt erheben sich in der Weite der Steinwüste vier je 15 Meter hohe Stahlstehlen im Abstand eines Kilometers aufgestellt. Der Künstler Richard Serra – schon wieder taucht er auf – wollte damit die Endlosigkeit der Wüste durchbrechen. „Ost-West/West-Ost“ hat er sein Werk genannt, das er als die größte Erfüllung seines Schaffens bezeichnet. Den Kopf weit in den Nacken gelegt, stehen Waad und ich davor. Ich bin ein wenig ratlos. Waads Wangen leuchten in der Abendsonne. Voll ansteckender Begeisterung und mit ihrem immer hoffnungsvollen Blick in die Zukunft.

Auch die Kleinbusse sind vermutlich voller Hoffnungen, wenn sie die Bauarbeiter durch das Land zu den vielen Baustellen bringen. Deren harte Arbeitsbedingungen haben sich verbessert. Es gibt vorgeschriebene Mittagspausen, größere Unterkünfte und Schutzkleidung, strenger geregelt als in Deutschland. Mit westlichen Augen betrachtet ist nicht alles optimal, aber es wird besser.

Qatar lebt einen beneidenswerten Zukunftsoptimismus. Das wichtigste Investment in die Zukunft is t die Bildungsoffensive und die überall sichtbare Kunst. Um gerüstet zu sein für die Zeit nach dem Erdgas, will der Golfstaat zu einem Zentrum für Kultur, Sport und Tourismus im mittleren Osten aufsteigen. Wer hierher kommt, sieht: Das ist schon passiert. Längst. Trotz der Baustellen. Waad hakt sich unter: „Wirklich Zeit, den Blick vom Bauzaun zu heben!“ Ich trage mir nun auch den Termin für das WM-Endspiel 2022 ins Handy ein. „Du kommst aber vorher nochmal?“ will Waad wissen. Ich nicke in Vorfreude.

Titelbild: Michael Schneider

Karin Lochner

Karin Lochner bastelte sich mit 13 Jahren ein Faschingskostüm als Rasende Reporterin. Fünf Jahre später veröffentlichte sie ihren ersten Artikel im Münchner Merkur. Seither schreibt sie über Reisen, Essen und Brauchtum. 2013 gewann sie den Walliser Medienpreis (1. Platz). Wenn sie nicht unterwegs ist, unterrichtet sie Yoga und andere Bewegungskünste, die dabei helfen, sich biegsam in einen überfüllten Ochsenkarren zu schmiegen (Senegal), das Rütteln bei einer Überlandfahrt ohne Blessuren zu überstehen (Jamaica) oder das Schaukeln auf einem bockigen Kamel (Katar) mit Würde zu genießen. Die nächste Reise mit einem unkonventionellem Transportmittel kommt gewiss.

  1. Ach, wie schön! Alles glitzert und glänzt, die Bauarbeiter sind glücklich, die Frauen sind glücklich, dass sie sich verhüllen dürfen, es gibt Kunst und Bildung, deutsche Kühe, und die WM wird natürlich super.

    Nur ein paar Dinge fehlen in einem Bericht, der sich journalistisch, wenn auch reisejournalistisch nennt:
    – Es sind schon Hunderte an Bauarbeitern für die Fußball-WM gestorben.
    – Ausländische Bauarbeiter dürfen weiterhin ohne Zustimmung des Arbeitgebers das Land nicht verlassen. Erinnert ein wenig an Sklaverei, nicht wahr? Insbesondere bei den Hausangestellten führt diese Zwangslage oft zu sexuellem Missbrauch.
    – Ausländische Arbeiter dürfen keinen Gewerkschaften angehören.
    – Die ach so glücklichen Frauen haben im Familienrecht, im Erbrecht und im Staatsbürgerschaftsrecht nicht die gleichen Rechte wie Männer. Frauen, die nichtehelich schwanger werden, kommen ins Gefängnis, bis sie den Vater des Kindes heiraten.
    – Die deutschen Kühe mussten importiert werden, weil die Nachbarstaaten ein Embargo gegen Katar verhängt haben. (Das ist ausnahmsweise nicht die Schuld Katars, aber man könnte solche Zusammenhänge schon erklären.)
    – Homosexualität ist in dem ach so modernen Land strafbar.

    „Märchenhafter Reichtum“? Wohl eher Reichtum basierend auf der Ausbeutung von Arbeitern aus Nepal und Bangladesh.

    Normalerewise gibt es bei den Reisedepeschen ganz gute Artikel, die über das Sonne-Strand-alles-ist-schön-bla-bla der meisten Reiseblogs hinausreichen. Aber hier habt Ihr Euch einen PR-Artikel unterjubeln lassen.

    • Lieber Andreas Moser, ich verstehe Ihre Kritik. Es erscheint so leicht, dem Katar-Bashing zu folgen. Ich empfinde das als ungerecht. Lassen sie mich erklären: Es gibt auch ziemlich viel Deutschland-Bashing weltweit. Ein brasilianischer Freund, der seit Jahrzehnten in München lebt, erzählt, dass er beim jährlichen Besuch in seiner alten Heimat Rio (nach seinen Worten „einem der gefährlichsten Flecken Brasiliens“) jedes Mal von seinen Landsleuten vor der Rückkehr nach Deutschland gewarnt wird. Ausländer würden sadistisch ermordet, Asylbewerberheime angezündet, Flüchtlinge kommen grundlos ins Gefängnis und unter mysteriösen Umständen zu Tode. Die Deutschen seien halt meist noch immer Nazis. Und dieses wenig schmeichelhafte Bild, das ausländische Medien vermitteln, bestätigen mir auch Freunde aus den USA, aus Israel, den Niederlanden und Neuseeland, um nur einige zu nennen. Ist es in Deutschland wirklich so? Was meinen Sie? Fakt ist: Bezüglich Katar fühlen wir uns im Westen diesem mittelalterlichem Staat moralisch überlegen. Katar ist eine lupenreine Diktatur, daran gibt es keine Zweifel. Auch ich bin mit Vorurteilen hingereist. Was mich stört ist, dass es so viele andere Staaten gibt, die genauso zu kritisieren wären. Aber immer zeigen alle nur anklagend auf Katar, sobald mal etwas Positives über das Land gesagt wird; wenn etwas zu Sprache kommt, das nichts mit der Ausbeutung von Baustellen-Arbeitern zu tun hat. Oder dass sich Gastarbeiter dort wohl fühlen. Alle Punkte, die Sie zu Recht aufzählten, können vielen anderen Ländern vorgeworfen werden, die wir bereisen. Auch auf den Baustellen für die WM in Russland gab es Gastarbeiter, die tödlich verunglückt sind, ebenso in Brasilien und sogar in Europa, als die Olympiade in Griechenland 2004 statt fand. Ja, selbst auf den Baustellen unserer Hauptstadt Berlin sind etliche Bauskandale aufgeflogen, wo Bauarbeiter ausgebeutet und Unfälle vertuscht wurden. Homosexualität ist in den meisten Ländern des Globus ein Problem. Das Urlaubsparadies Jamaica beispielsweise gilt als eines der schwulenfeindlichsten Länder der Welt. Frauen werden weltweit unterdrückt und benachteiligt. Ich wollte mit meinen – zugegeben sehr persönlichen – Eindrücken die mir meine Zufallsbekanntschaft ermöglichte – einen Gegenpol setzen. Zum Innehalten. Nachdenken. Ist in unserer Kultur der Schlankheits-, Fitness- und Jugendwahn nicht auch Sklaverei? Es gibt in Katar vieles, das vorbildlich funktioniert, z.B. unglaublich viele Bildungsprogramme für die Jugend. Und auch die Gastarbeiterkinder sind da mit einbezogen, können kostenfrei Musikunterricht erhalten. Alle Museen sind gratis, ob für Kataris, Gastarbeiter oder Touristen. Ich könnte mir vorstellen, dass von einem Land wie Katar eine Aufbruchstimmung ausgehen kann, die diese krisengeschüttelte Region mitreißt. Die dem Mittleren Osten gut tut. Und damit auch dem Nahen Osten. Ich wollte vom großen Zukunftsoptimismus dieses Landes erzählen und dass mich die Gastfreundschaft von meiner katarischen Freundin Waad und ihrer Familie verzaubert hat. Ich hoffe sehr, dass dieser Zwergstaat sich unseren Werten öffnet. Ich wünsche mir zugleich, dass wir im Westen bereit sind, neugierig auf diese so völlig andere Kultur zuzugehen. Die guten Seiten erblicken, die der Reichtum ermöglicht. Und nicht immer nur verteufeln. Katar wurde in sieben Jahrzehnten von der Steinzeit in die Zukunft katapultiert. In Europa hat die Entwicklung vom Mittelalter bis in die heutige Demokratie sieben Jahrhunderte gedauert. Vergessen wir das nicht. Ich glaube, wir könnten voneinander lernen und profitieren. Vielleicht werden Sie Katar irgendwann einmal selbst bereisen und sich einen persönlichen Eindruck verschaffen? Ich wäre sehr neugierig, wie Sie das Land dann erleben.

    • lieber andreas moser, waren sie schon mal in katar? um ehrlich zu sein kling es nicht so. da wirkt karin lochner glaubwuerdiger. zumal recherche nicht ihre staerke zu sein scheint. in dem zusammenhang wuerde mich mal die quelle zu den hunderten toten bauarbeiten interessieren.
      liebe gruesse petwr von felbert

  2. Lieber Andreas Moser, Sie sind jemand, der meint er hätte Ahnung und könnte das von seiner eingebildeten hohen moralischen Warte alles beurteilen und verurteilen. Letztlich stellen Sie nur Unwissen und Vorurteile und schlimmstenfalls eine Agenda zur Schau. Ich will keinen Roman schreiben und nur mal den prominentesten Punkt aufgreifen: „Hunderte Tote auf WM-Baustellen“.

    Legen Sie mal einen Beweis vor. Sie werden keinen finden. Weil es diese hunderten Toten nicht gibt. Es gehört in Deutschland aber zum Allgemeinwissen, dass es in Katar tausende Tote auf WM-Baustellen gibt. Das hat eine einzige Quelle, nämlich 2 „Studien“ des internationalen Gewerkschaftsverbandes ITUC. Die letzte „Studie“ stammt von 2015. In Katar lebten damals rund 1,8 Mio. Gastarbeiter. Von diesen Gastarbeitern sind pro Jahr etwa 1.000 gestorben. Diese Zahl hat die ITUC einfach für die 7 Jahre bis zur WM hochgerechnet. Fertig waren 7.000 tote Bauarbeiter auf WM-Baustellen. Die ITUC hat dazu eine Pressemitteilung verfasst. Alle Medien haben die Pressemitteilung aufgegriffen „Gewerkschaft rechnet in Katar mit 7.000 WM-Toten bis zur WM“. Bämm, Fette Schlagzeile überall. Seitdem sind „tausende WM-Tote in Katar“ in Deutschland Allgemeinwissen.

    Die „Studie“ selbst hat leider keiner angeguckt. Sie können sie bei der ITUC herunterladen (Google: „Frontlines Report 2015 – Qatar: Profit and Loss“). Sie werden aus dem Lachen (oder Weinen) nicht mehr herauskommen. Weder hat die ITUC geschaut, was die 1.8 Mio Gastarbeiter arbeiten. Die übergroße Mehrheit arbeitet als Nanny, als Verkäufer, als Security, als Servicekraft, als Fischer … oder auf anderen Baustellen. Nur etwa 2-3% arbeiten auf WM-Baustellen. Spielt alles keine Rolle, für die ITUC ist jeder gestorbene Gastarbeiter ein WM-Toter. Noch hat die ITUC geschaut, woran diese Gastarbeiter überhaupt gestorben sind. Verkehrsunfälle, Kriminalität, Krankheiten, … Spielt alles keine Rolle. Alles WM-Tote.

    Die Krönung der Geschichte: Statistisch sterben in Katar von den Gastarbeitern 0,6 Promille pro Jahr (Zahlen mit denen die ITUC arbeitet). In Deutschland liegt die Sterberate im arbeitsfähigen Alter von 18-64 bei 2,6 Promille pro Jahr. Deutschland müsste dringendst in Katar nachfragen, wie die eine 4 mal geringere Mortalitätsrate hinbekommen. Und Sie müssten völlig empört über Deutschland sein, weil hier die Menschen mit mehr als 4 mal so hoher Wahrscheinlichkeit sterben wie Gastarbeiter in Katar. Wie finden Sie das?

    Wenn sie noch irgendwelche Zweifel an der Studie haben: In der Studie werden auch die WM-Kosten berechnet. Brasilien kam angeblich auf 15 Milliarden USD. Russland angeblich auf 12 Milliarden USD. In Katar wird die WM laut ITUC 200-222 Milliarden USD kosten. Ist ja klar: die Kataris sind einfach völlig bekloppte Vollidioten und man uss das anprangern. Wie kommt die ITUC auf die Zahl? Genau so „seriös“ wie auf die WM-Toten. Jede, wirklich jede Baustelle der letzten 20 Jahre in Katar ist für die ITUC eine WM-Baustelle. Erwähnt wird z.B. der neue Flughafen. Der wurde 2003 geplant. 2005 wurde mit dem Bau begonnen. Katar hat sich überhaupt erst 2009 für die WM beworben und 2010 zu den Zuschlag gewonnen. Der Flughafen war für die Expansion von Qatar Airways schon lange überfällig. Die Fakten spielen aber keine Rolle: Die Flughafenkosten sind für die ITUC zu 100% WM-Kosten.

    Einen weiteren Punkt will ich noch anreißen: In Deutschland ist man besorgt über Islamisierung und Abschaffung des Deutschen Volkes, wenn 2015 auf jeden Biodeutschen mal 0,02 Flüchtlinge dazu kommen. Rechtsextreme Parteien kommen Zulauf. Massendemos. Anschläge auf Flüchtlinge. 3 Jahre lang hat das Thema Flüchtlinge/Ausländer hier die Politik dominiert. Die Kataris sind längst eine winzige Minderheit im eigenen Land. Auf jeden Katari kommen 6-7 Ausländer. Ist es verständlich, dass die Bevölkerung da auch gewisse Ängste hat und man keine ungebremste Zuwanderung will (wie in Deutschland auch)? Weil man nicht die Strukturen hat, um bei fast 2 Millionen Gastarbeitern die Situation zu prüfen, hat man ein Sponsoring-System eingeführt. Derjenige, der einen Gastarbeiter ins Land holt (egal ob Bauarbeiter, Nanny, Zimmermädchen im Hotel), der haftet für diesen Gastarbeiter. Stellt der Gastarbeiter Unsinn an, haftet der Sponsor für Konsequenzen. Und dann wurde standardmäßig der Pass einkassiert, damit die nicht Unsinn anstellen und dann das Land verlassen. Das ist dann trotzdem nicht richtig und wird zurecht kritisiert. Aber mit Blick auf die teilweise Ausländer-Hysterie in Deutschland, wird es ein Stück weit verständlich. Und längst wurde da nachgebessert und die Gastarbeiter haben nun mehr Rechte und können sich wehren, falls ihre Sponsoren/Arbeitgeber sie nicht korrekt behandeln. Das ist noch nicht perfekt, aber um Lichtjahre besser als z.B. in Saudi-Arabien. Kritisiert wird aber immer nur Katar. Und haben Sie sich mal informiert, wie drakonisch Gastarbeiter in den UAE zum Teil bestraft werden? Nein, haben Sie nicht.

    Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Katar hat in vielen Punkten Kritik verdient. Und Katar hat sich mit der WM-Ausrichtung selbst freiwillig ins Schaufenster gestellt, dann muss Katar nun auch aushalten, das genauer hingeschaut wird. Uninformiertes Nachplappern von Fake News hilft aber niemandem weiter.

    • Lieber Guido,
      herzlichen Dank für die Mühe, die sich sich mit Ihrer Antwort an Andreas Moser machten. Welch konstruktive Diskussion Sie damit anstupsen – falls Katar-Gegner bereit sind, beim „Nachplappern von Fake News“ inne zu halten. Auch mir als Autorin haben Sie damit ein Geschenk gemacht, weil ich zukünftig die genannte Studie zitieren kann, wenn das Katar-Bashing wieder einsetzt. Ich habe bei meiner Reise ins Land intuitiv gespürt, was Sie mit Zahlen und Fakten darlegen. Ich wünschte, es gäbe mehr Kommentare wie Ihren im Netz. Es ist so einfach, empört anzuklagen. Viel schwerer ist es dagegen, andere Aspekte gelten zu lassen. Nachzuforschen, wo in unserer Kultur etwas im Argen liegt. Liegen könnte. Was wahr ist. Oder auch nur über den Tellerand zu schauen. Beziehungsweise in Katars Fall: Über den Bauzaun zu blicken.

    • Sigi Sausewind

      Hallo Guido,

      das Sponsering-System für Gastarbeiter hat mich sehr beeindruckt. Es wäre schön, wenn Sie das in Deutschland einmal publik machen würden. Obwohl man hier ja schon seit 40 Jahren nicht mehr von Gastarbeitern spricht.
      Sicherlich kann man in diesem Punkt Katar nicht mit der BRD vergleichen, denn hier tragen die einkommensteuerzahlenden Menschen die Hauptlast und keine sprudelnden Ölquellen (BRD-weit gesehen, auf der Kommunalebene ist es natürlich die Gewerbesteuer).

      Das Sponsering-System wäre auch ein Schritt in Richtung Integration und Verantwortung. Gruppenbildungen- und auseinandersetzungen, ein Nebeneinander-her-leben wäre so kaum mehr möglich.

      Wäre schön, wenn Sie das in der BRD an die Öffentlichkeit bringen könnten. Ich habe hier zum ersten Mal etwas darüber gelesen und würde gerne mehr hören.

  3. Ein sehr persönlicher Reisebericht, der sicherlich durch das Zusammentreffen mit einer jungen schönen und reichen Frau geprägt ist, die die Besucherin stolz mit den schönen Seiten ihrers Heimatlandes bekannt macht. 1001 Nacht, statt Skandale und Terror. Die Autorin macht selbst deutlich, dass sie keine politische Reportage schreibt. Also könnte man den Bericht einfach als Schilderung einer märchenhaften Zeit sehen und sich über die Probleme im Land auf anderer Ebene informieren. Ich finde es interessant, über ein Land zu lesen, das ich selbst nie bereisen würde. Und ich bin gespannt, wie zu Zeiten der WM über Quatar berichtet wird.

    • Es freut mich, dass Du durch meine Worte mitreisen konntest. Und an einen Ort gekommen bist, auf dem Du wohl keinen Fuß setzen wirst. Ich bin auch sehr gespannt, wie dann die Berichterstattung 2022 über Qatar sein wird!

  4. Wäre es nicht eine tolle Zeit, wenn die Einordnung von gut und böse, von richtig und falsch, von lieben und hassen nicht von irgendeiner Nationalität abhängen würde?
    Ich habe bisher Idioten aus den unterschiedlichsten Ländern erlebt, völlig unabhängig woher sie kamen.
    Aber, und das ist viel wichtiger, ebenso gibt es offene, intelligente, nette, interessierte und sympathische Menschen in allen Nationen.
    Kritik ist völlig okay, aber bitte auch noch ein bisschen mehr sehen und wissen wollen.
    Der Artikel von Karin Lochner ist für mich eben das. Hinschauen und nicht nur das sehen was angeblich ist.
    Mir ist ein persönlicher, sicher nicht 100% objektiver, Bericht viel lieber, als irgendeine zusammengestopselte Statistik.

    • Vielen lieben Dank, Brigitte. Genau wie Du sagst: Intelligente, interessante und sympathische Menschen gibt es überall. Ignorante halt leider auch.

  5. Danke für diese Eindrücke und Sicht auf Quatar und die schönen Bildern. So wird aus meinen Bedenken, eine Option, dort mal hinzureisen.

    • Eine Reise würde sich rentieren, liebe Susanne! Noch ist das Land nahezu unberührt von westlichen Besuchern. Und es gäbe noch so viel mehr zu entdecken. Auch ich habe vieles in diesem Zwergstaat noch nicht gesehen. UNESCO Weltkulturerbe, Mangroven-Wälder, einen unberührten Salzsee, der wie das Tote Meer sein soll. Ich habe schon wieder Sehnsucht nach dieser beeindruckenden Wüste.

  6. Ein sehr guter und interessanter Artikel! Absolut lesenswert!

  7. lesenswerterBeitrag!

  8. Sabine Danzer

    Liebe Karin, mir gefällt Dein Reisebericht. Ich habe ihn mit wachsender Begeisterung gelesen. Danke Dir. Herzliche Grüße

  9. Dagmar Schulz

    Danke für diesen interessanten und vor allem aufklärenden Artikel. Ich fühle mich motiviert, einmal mehr meine von Presse und Hörensagen gespeiste Meinung zu überprüfen und werde mich weiter mit diesem interessanten Land beschäftigen. Dagmar Schulz, München

    • Liebe Dagmar, genau das will ich: Motivieren, mal die ewig gleichen Pressemeldungen zu hinterfragen. Wir Deutsche sind ja auch – zu recht – empört, wenn wir alle flächendeckend als Nazis dargestellt werden.

  10. Schöner Artikel zu einem sehr kontrovers zu diskutierendem Land. als frau und demokratin tu ich mich schwer damit… aber es ist gut, dass der Artikel einem erlaubt mal genauer hinzugucken ohne selber hinfahren zu müssen! danke dafür! -die bilder bei dem dekor sind natürlich weltklasse! und der stil des artikels gefällt mir sehr!

    • Sehr gerne, liebe Vanessa, habe ich Dich mitgenommen ohne dass Du selbst in dieses Land reisen musst. Ja, zweifellos kontrovers für uns, die wir das Leben in einer Demokratie genießen können. Genau genommen, ja noch gar nicht so lange ….

  11. Ingrid Rauchfuß

    Ja! Und habt Ihr Euch das Foto von dem Herrn im weißen Gewand groß gezoomt?
    Hier erwarten Euch einige Überraschungen.
    Schade, dass das Format keine Bildunterschriften zulässt — ich wüsste gern, was die runden, gemauerten Bauten in seinem Hintergrund sind.

    • Liebe Ingrid, Danke für’s Feedback und die Anregung mit den Bildunterschriften. Die runden, gemauerten Bauten gehören zum Islamischen Museum. Ich hätte noch ewig über alles Mögliche schreiben können, über die architektonischen Höhenflüge im Allgemeinen und dieses sensationelle Bauwerk im Besonderen, das Fotograf Michael Schneider so märchenhaft eingefangen hat. Ich dachte erst, es wäre ein Gemälde …

  12. margie otte

    liebe karin,
    ich finde Deinen Artikel sehr interessant, mir hat er Lust gemacht, dieses Land im Aufbruch zu bereisen.

    vielen Dank!

  13. margie otte

    ich habe mir noch nie Gedanken über Qatar gemacht,
    danke für den Artikel, jetzt bin ich doch ein bisschen fasziniert, jetzt könnte ich mir auch eine reise in dieses Land vorstellen, allein schon wegen der Kunst von Richard Serra, den ich sehr bewundere.
    danke für die Inspiration.

    • Zweifellos, liebe Margie: Du musst hin, wenn Du Richard Serra bewunderst, der seine Kunst dort als „die größte Erfüllung seines Schaffens“ bezeichnet! Danke für Dein Feedback!

  14. Frau Véronique Hartmann-Alvera

    Ein interessanter Beitrag über ein Land mit dem ich in der Tat viele Vorurteile verbinde. Nach diesem Artikel würde ich mich gerne vor Ort vom Gegenteil überzeugen.
    Véronique Hartmann-Alvera, München.

    • Liebe Veronique, wenn auch Du Dich gerne vor Ort über diesen Zwergstaat informieren magst – um Vorurteile abzubauen – kann ich bald anfangen, eine Gruppenreise zu organisieren! Danke für Deine Worte.

  15. Doris Schneider

    Die Reiseberichte von Karin Lochner sind wie immer gut recherchiert, interessant, gut geschrieben, mit anschaulichen Bildern versehen!!! Macht Lust auf mehr !

  16. Charlotte Erichsen

    Ein sehr schöner Reisebericht, Karin! Mich hätte noch ein Blick in das futuristische Museum islamischer Kunst interessiert. Dass Frauen sich immer an die Gegebenheiten ihres Landes anpassen müssen und dabei aber viele Tricks entwickeln, mit der Situation umzugehen und Vorteile zu finden, das hat der Bericht sehr humorvoll dargestellt.
    Empfehlenswerte Lektüre!

    • Danke Dir, liebe Charlotte, das nächste Mal kommt noch der Blick ins Islamische Museum, versprochen. Und die Tricks der Ladies: Wow! Ich hatte den Eindruck, die helfen so dermaßen zusammen, dass wir uns im Westen was abschauen könnten. Die sind keine Rivalinnen, sondern Verbündete. Dadurch haben sie ihre Männer im Griff. Obwohl die denken, es sei umgekehrt. Weil ja theoretisch jeder Mann vier Frauen heiraten könnte. Der hat dann aber daheim nichts zu melden. (Egal, ob mit einer oder vier Ehefrauen!) Jedenfalls gehen die Frauen sehr fürsorglich und wohlwollend mit ihren Geschlechtsgenossinnen um. Und machen sich das Leben miteinander beneidenswert schön.

  17. Super Reisebericht, wunderbar geschrieben!
    Elke S.

  18. Sabine Manson

    Ich habe den Artikel gerne gelesen. Vielen Dank. Sabine

  19. Ein sehr interessanter Artikel! Nun sehe ich „die Kopftuchgeschichte“ mal anders, alles hat was Gutes und ein neuer Blickwinkel bietet neue Erkenntnisse.
    Wunderschöne Fotos!

    • Liebe Katharina, stell Dir vor, ich habe es sogar als richtig angenehme Erfahrung erlebt, unter dieser Abaya zu stecken, mit Kopftuch und von oben bis unten in das wallendem Gewand eingehüllt. Meine Freundin Waad ist Modeschöpferin und hat mich mal zum Spaß als Einheimische eingekleidet. Es ist ein bisschen, wie in manchen Schulen hierzulande, wo wegen des Markenwahns Schuluniformen eingeführt wurden. Schon mal gehört? Oder, bei den kirchlichen Festen, wie Erster Kommunion, wo das gegenseitige modische Übertrumpfen solche Ausmaße angenommen hatte, dass die Pfarreien die Kinder nur noch in schlichten, gleichen Kutten antreten lassen. Ich hätte es selbst nicht gedacht, aber die Abaya hat echt was von Schutz und Geborgenheit. Wir sollten sie nicht pauschal verteufeln.

  20. Toller Artikel und super Einblick in die Kultur Qatars!
    Qatar beweist, dass es durchaus ein interessantes Reiseziel ist, insbesondere wenn man sich für Kunst, Kulinarik und Architektur interessiert.
    Wenn man allerdings primär Erholung und Betätigung in der Natur sucht und auch deren Vielfalt, sind andere Reiseziele möglicherweise interessanter.
    Da Qatar aber auch schöne weiße Strände zu bieten hat, kann es sich als Badeurlaubsort ja noch entwickeln.
    Mal schauen, wie Qatar sein Potenzial zukünftig noch nutzen wird ;-)

  21. Sabine Wolff

    Wow, ich bin beeindruckt von diesen wunderschönen Bildern, die bei mir auch ohne Fotografien entstanden sind. Vielen Dank dafür und mehr davon. Sabine Wolff

  22. Dein Lob freut mich sehr, liebe Annabell. Ich glaube, das Land hat noch sehr viel Potential.

  23. Ingrid Rauchfuß

    Die Fotos sind toll! Ich habe jetzt jedes einzelne aufgezoomt, und es gibt jede Menge darauf zu entdecken. Körpersprache von Bauten und Menschen —

  24. Ralf Engels

    Bin ebenfalls gespannt, wie es mit Quatar weiter geht. Wieder einmal ein interessanter Reisebericht. Auch die kontroversen Kommentare zu diesem Land habe ich hier mit Interesse gelesen. Jede Reportage wirft ein eigenes Licht auf Situationen, Menschen und Länder; jeder nimmt die Welt auf seine Art wahr und das ist gut so. Die Welt ist so, wie wir sie wahrnehmen, und oft ganz anders, als wir es uns zuvor ausgemalt haben. Schön, dass die Reisedepeschen dazu beitragen immer wieder ein neue Seite vom Gesamtbild zu sehen. Gute Arbeit!

    • Herzlichen Dank, lieber Ralf. Ich stimme mit Dir überein: Die Welt ist so, wie wir sie wahrnehmen, und oft ganz anders, als wir es uns zuvor ausgemalt haben.

  25. Fuchs Ulla

    Liebe Karin,
    ganz toller Bericht von einem Land wo man meistens negative Bericht hört.
    Vielen Dank fürs „mitnehmen“.
    Herzliche Grüße
    Ulla

  26. Liebe Karin, Ich fand den Bericht über Qatar sehr bewegend und beeindruckend, weil er sehr persönlich ist. Mich hat gleich das Reisefieber etwas gepackt – irgendwohin. Danke, ich werde noch mehr von dir lesen.
    lg Irene

  27. Andrea Kronmüller

    Das ist ein sehr interessanter Bericht, der mich mit meinen Vorurteilen konfrontiert, die ich der arabischen Welt gegenüber bisher hatte! Sehr faszinierend und wichtig. Die lebhafte Diskussion bei den Kommentaren ist auch sehr interessant! Da kommt etwas in Bewegung, wunderbar!

    • Mich freut es auch, dass eine lebendige Diskussion in Gang gekommen ist, liebe Andrea! Mir ist in Qatar bewusst geworden, dass die Einheimischen dort auch große Vorurteile unserer Kultur gegenüber haben. Interessanterweise bemitleiden uns die qatarischen Frauen, weil sie das Bild haben, dass Frauen im Westen „ausgebeutet und gedemütigt“ werden. U.a. deswegen, weil bei einer Scheidung die Frauen in Deutschland meist Gerichtsverhandlungen hinter sich bringen müssen, um Unterhalt für ihre Kinder zu erhalten. So was wird dort bereits sehr großzügig vor der Hochzeit geregelt. Oder allein wegen der Tatsache, dass es bei uns flächendeckend Prostitution gibt. Fernsehberichte über Zwangsprostitution in unserer Kultur sind sozusagen das Gegenstück zu unseren Fernsehfilmen über ausgebeutete Bauarbeiter in Qatar.

  28. Heide Felsner

    Alles gut beschrieben.

  29. Katharina Happ

    Ich bin schon von Beruf´s wegen kritisch – schließlich kämpfe ich als Rechtsanwältin gegen Unrecht. Sollte ich deswegen (sogar noch mal) was zu dem Bericht etwas schreiben, obwohl ich dort noch nie wahr, nur, weil ich den Artikel gelesen habe? Ja. Und zwar deswegen, weil ich Karin Lochner seit vielen Jahren kenne. Ich war in einigen ihrer Schreibseminare, und habe ungefähr grob geschätzt 15 weitere Seminare mit ihr gemacht wie Yoga, Tanz, Qi Gung – und ein Seminar, dessen Titel in etwa lautete: „Wie verändert sich dein Leben, wenn du wie Pippi Langstumpf leben würdest?“ Karin ist ein total ehrlicher Mensch, sehr auf Gerechtigkeit bedacht, sie ist sehr weitgehend unbekümmert damit, ob sie anderen gefällt oder nicht. Also mutig.
    Und der Artikel hat mir gezeigt, wie sie das dort erlebt hat. Dass es für sie faszininierend ist, wie die Menschen dort versuchen, ihre Vorstellungen von Glück zu verwirklichen, die eben andere Vorstellungen sind. Auch von Erotik.
    Das andere, dass es dort auch Dunkles und Gefährliches gibt, ist in dem Bericht für mich gut fühlbar gewesen. Ich finde den Bericht sehr gut. Ich habe eine deutliche Vorstellung bekommen, wie sich dieses Land für mich anfühlen würde.
    Katharina Happ

    • Danke, liebe Katharina. Ich bin berührt, weil Du Dich trotz des „schlechten Rufs“ diesem Landes geöffnet hast für mögliche positive Seiten. Und das wegen „meines guten Rufs“! An Orten zu sein, wo alles ist wie daheim, kann gut tun. Erholsam sein. Zugleich machte ich persönlich oft die Erfahrung, dass ich gerade, wenn ich mich damit konfrontieren muss, dass Wertvorstellungen ganz anderes sind als meine, dass mich genau das stark anregt, meine heile Welt zu hinterfragen. Ich will keineswegs Diktaturen oder Dogmen idealisieren. Dennoch denke ich, dass auch wir in unserer Kultur diverse mentale Gefängnisse haben, die wir gar nicht mehr bemerken. Den Schlankheitswahn beispielsweise. In Qatar war es erfrischend zu erleben, wie egal es den Frauen war, ob sie einem Schlankheitsideal entsprechen.

  30. Barbara Bauer

    Der Blickwinkel der Einheimischen ist auf jeden Fall interessant. Es scheint sich im Hinblick auf die Stellung der Frau in der Gesellschaft und ihre Rechte in den arabischen Staaten zur Zeit doch etwas zu bewegen.
    Mißstände in einem Land treffen nicht alle, vor allem nicht so sehr die reichen und gebildeten Menschen,die meist ganz gut ausweichen können. Auch wir leben gemütlich in unseren Wohnungen während andere auf der Straße schlafen. Ein Reisebericht ist keine politische Abhandlung. Wer weitere Aspekte erfahren will, kann im Jahresbericht von amnesty international nachlesen.Ich finde es wichtig ein komplexes Bild zu bekommen. Wird nur Negatives berichtet, entsteht Angst und Angst ist ein schlechter Ratgeber.Viele Mosaiksteine ergeben erst ein Bild.

  31. Herzlichen Dank, liebe Barbara! Es freut mich, dass Du Dich von meinen Worten hast berühren lassen. Es bewegt sich tatsächlich viel für die Frauen dort. Wäre schön, wenn sich die Vorteile unsere Kultur und die der orientalischen zukünftig vereinen würden. Einen Riesen-Plus-Punkt hat Qatar bereits: Die Frauen sind sehr gebildet. Der Großteil der einheimischen Frauen studiert. Nirgendwo bei meinen Reisen durch die Welt habe ich mich mit meinen Geschlechtsgenossinnen besser auf Englisch unterhalten können als in Qatar.

  32. Hallo Frau Lochner,

    1000 Dank für diesen interessanten Einblick samt den zauberhaften Fotos: Lebendig, greifbar, spürbar! Das nächste Mal würde ich auf jeden Fall versuchen, eine wirklich längeren „Zwischenstopp“ einzulegen …

    • Herzlichen Dank, Andreas, es freut mich, dass ich Sie neugierig machen konnte. Den Zwischenstopp in Doha sollten Sie sich gönnen. Denn das Qatar Airways Netzwerk besteht aus über 150 Destinationen, da lässt sich manches Reiseziel einbinden. Mein Tipp: Bis zu 96 Stunden Zwischenaufenthalt in Qatar ist ohne Aufpreis beim „Qatar Airways Holidays Stopover Program“ möglich, wenn Sie dies bei der Buchung angegeben. So können Sie die Kultur und die Sehenswürdigkeiten Qatars mit einem kostenlosen Transitvisum entdecken. Falls Sie diese Option buchen, erhalten Sie sogar eine Übernachtung in einem der zahlreichen internationalen Hotels in Doha. Und brandneu: Angebote für zwei Übernachtungen gibt es bei Buchungen bis 28. Dezember und Reisen bis einschließlich 31. Dezember 2018. 

  33. Hallo Karin,
    dein Bericht ist wieder gewohnt perfekt, gibt wunderbare Einblicke in ein Land aus 1000 und 1 Nacht. Und hilft hoffentlich auch, Vorurteile abzubauen.
    Weiter so !

  34. Liebe Karin,
    perfekt ! Du hast wieder wunderbar den Ton gefunden und dieses schöne Land sehr gut beschrieben. Macht Lust auf mehr

    danke
    Conny

  35. Müller Uschi

    Ja, die Karin,
    beschreibt ihre diversen Reisen Super toll! So ist auch diese ein besonderes „Schmankerl“! Da ich erst kürzlich von der Hurtigrute zurückgekommen bin, die ebenfalls von Karin so treffend kommentiert wurde, werde ich jetzt erst mal eine Reisepause einlegen, auch um das finanzielle Polster wieder wachsen zu lassen. Dann „schau mer mal“, wohin die nächste Reise führt! :)
    Grüße von der Uschi

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