Into the Wild

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Into the Wild

Lasst noch Wodka holen.
Denn wir sind Mongolen.
Und der Teufel kriegt uns früh genug!

Ich sitze im Zug nach Berlin Tegel und der Eurovision-Kracher Dschingis Khan von 1979 dudelt in Dauerschleife in meinem Kopfradio. Die Mongolei. Fern und fremd – und alles was mir dazu einfällt ist dieser alberne, rassis­ti­sche Song und die roman­ti­sche Ahnung eines riesigen Landes voll wilder Reiter, wo Wodka in Strömen fließt, und wetter­ge­gerbte Nomaden in schmu­cken Jurten hausen. Ein Sehnsuchtsziel für Naturliebhaber und Menschen auf der Suche nach Ursprünglichkeit, Ruhe und Entschleunigung, ein Ort, der aus unserer hyper­schnellen Echtzeitwelt heraus­fällt.

Bereits der Check-in am Flughafen Tegel mutet wie eine Reise zurück in graue Sowjetzeiten an. Von Nostalgikern geliebt, birgt der in die Jahre gekom­mene Flughafen einiges an Frustrationspotenzial. Dafür sieht alles schön oll und truschig aus. Am Schalter der mongo­li­schen Airline MIAT geht es entspre­chend rustikal und ruppig zu, doch irgendwie muss das genauso sein, wenn man nach Moskau fliegt, von wo es nach kurzem Stopp weiter nach Ulaan Bataar geht. Tegel ist eines der wenigen Ziele, das von MIAT in Europa bedient wird. Der Bordservice ist einfach aber herzlich, die Einreise nach Russland wie erwartet zackig im Ton, der Anschlussflug tiefen­ent­spannt, und so stehe ich frühmor­gens in der goldschim­mernden Ankunftshalle des, wie könnte er auch anders heißen, Chinggis Khaan International Airports. Unzählige Bauten, Straßen und Denkmäler sind dem berühm­testen Sohn des Landes gewidmet, was für Nichtmongolen ein wenig seltsam anmutet, gilt der Großkhan in vielen Teilen der Erde als grausamer Schlächter und einer der größten Massenmörder aller Zeiten. Es kommt einfach auf die Perspektive an.

Viel Zeit für Gedankenspiele bleibt nicht, unsere Reiseleitung Zerenzoo »Zoo« Dashnyam von Tsolmon Travel, das wohl sympa­thischste und agilste Kraftpaket der gesamten Mongolei, nimmt uns in Empfang. Die zierliche Zoo hat bereits Reinhold Messner auf die höchsten Gipfel der Mongolei begleitet, weiß praktisch alles über ihr Heimatland und spricht fließend Deutsch, hat sie doch zu DDR-Zeiten in Leipzig studiert. Generell bringt einen Deutsch in der Mongolei weiter als Englisch. Im Idealfall hat man ein wenig Russisch in Petto.

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Wir, das sind ich und eine illustre Gruppe Reiseverkehrskaufleute aus ganz Deutschland zwischen Anfang 20 und Mitte 70, werden eine Woche lang auf Einladung des Reiseveranstalters Lernidee die Wunder der Mongolei studieren. Dabei werden wir viel Zeit in unserem schnu­cke­ligen Reisebus verbringen, der uns von Schlagloch zu Schlagloch durch ein einziges Naturspektakel chauf­fieren wird. Gruppenreisen kenne ich aus Schulzeiten, aber ob Klassenfahrt oder Bildungsreise, die Regeln sind die selben. Dein Platz bleibt auf der gesamten Fahrt der immer gleiche und entscheidet darüber, mit wem du primär zu tun hast. Menschen sind unsicher, und die Kennenlernphase ist schräg bis Fremdscham auslö­send, aber auch anrüh­rend, denn es ist schon ein Spektakel Erwachsenen beim Selbstdarstellungsprogramm zuzusehen. Letztlich wollen wir doch alle nur gemocht werden.

Ich setze mich ganz nach Hinten in den Bus, eine Wahl, die sich schnell als gewagt heraus­stellt, handelt es sich bei der letzten Reihe doch eher um Schleudersitze. Bei jedem Schlagloch, und da gibt es wirklich viele, schieße ich in die Höhe. Was den Vorteil hat, dass ich zumin­dest nie einschlafe und so nichts von dem wunder­vollem Ausblick verpasse. Es gibt natür­lich gute Gründe für den holprigen Zustand der Straßen. Die Mongolei ist ein Land der Extreme. Die nächste Küste ist tausende von Kilometern entfernt, was zu einem inten­siven konti­nen­talem Klima führt. Die Folge sind Temperaturunterschiede von bis zu 40 Grad plus im Sommer, zu mögli­chen minus 40 Grad im Winter. Dazu lange Trockenperioden, gefolgt von Schneemassen – insge­samt Gift für den Straßenbelag und somit eine Herausforderung für jeden Auto- oder Motorradfahrer. Auch die tägli­chen Temperaturschwankungen sind enorm. Hier ist der Zwiebellook wirklich einmal angebracht.

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So überrascht uns die City von Ulaan Baatar, der kältesten Hauptstadt der Welt, Anfang Juni mit eitlem Sonnenschein und 30 Grad, worauf keiner der Reisenden outfit­tech­nisch vorbe­reitet ist. Wir befinden uns zudem 1.350 Meter über dem Meeresspiegel und die Sonne brezelt nur so auf uns nieder. Guter Sonnenschutz gehört definitiv ins Gepäck. Ulaan Baatar präsen­tiert sich auf dem Weg vom Flughafen in die Innenstadt als einziges Work-in-Progress und riesiges stadt­pla­ne­ri­sches Chaos, gestrandet irgendwo zwischen Tradition, Sozialismus und Moderne. Der Bauboom hat das Land gepackt und so schießen überall riesige Wohnblocks und Malls aus der Erde, die oftmals leer stehen oder mitten im Bau einge­stellt wurden, dazwi­schen thront ein Großkraftwerk, verein­zelt mischen sich Jurten, Wellblechverschläge und Tempelanlagen in das Stadtbild, die wenigen großen Straßen sind heillos überfüllt. Idyllisch ist anders.

Schätzungsweise lebt die Hälfte der gesamten mongo­li­schen Bevölkerung in Ulaan Baatar, zwischen 1.4 und 2 Millionen Einwohnern. Viele Menschen sind nicht regis­triert, was genaue Aussagen schwierig macht. Die Landflucht zieht vor allem die Jungen in die Hauptstadt, wo Jobs und ein modernes Leben warten. Das so fried­lich wirkende Nomadentum wird auch für einen Großteil der Mongolen immer antiquierter und stirbt aus Mangel an Nachfolge aus. Die noch verblie­benen Nomaden kämpfen mit den Folgen von Klimawandel, Überweidung, Umweltverschmutzung und Industrialisierung um das Überleben.

Eine traurige Randnotiz ist der steigende Alkoholismus vieler Männer, die zu den Verlieren dieses Wandels gehören. Auf der anderen Seite der Medaille gibt es aufstre­bende Straßenzüge, inter­na­tio­nale Ketten siedeln sich an und eine gebil­dete und aufge­schlos­sene Mittelschicht ist im Entstehen. Zentrum der Stadt ist der weitläu­fige Süchbaatar-Platz, der das Parlamentsgebäude, die Börse und die Oper behei­matet und von futuris­ti­schen Hochhäusern gesäumt wird.

Wir besich­tigen mit Zoo das buddhis­ti­schen Gandan-Kloster und den skurrilen Tschojdschin-Lama-Tempel. Gegen Geldspenden beten Mönche für Gesundheit, Wohlstand, Glück und 167 weitere Anlässe, die Preislisten hängen an der Wand. 1924 wurde das Land ein Satellitenstaat der UdSSR. Die Mongolische Volksrepublik sollte ein moderner kommu­nis­ti­scher Staat werden. Dies führte zu Stalinistischen Säuberungen, bei denen etwa 38 000 Mongolen ermordet wurden, vorwie­gend die Intelligenzija und buddhis­ti­sche Mönche. Klöster, sowie Überbleibsel des ursprüng­li­chen Schamanismus wurden zum Großteil vernichtet. Auch die 26 Meter hohe Goldstatue der Göttin Janraisig des Gandan-Klosters wurde einge­schmolzen, jedoch 1996 für umgerechnet fünf Millionen Dollar Spenden wieder neu erbaut.

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Auf dem Abendprogramm steht eine Aufführung tradi­tio­neller mongo­li­scher Folklore mit Kehlkopfgesang, Pferdegeigen, Nationaltrachten und Tänzen. Ich rechne mit einer schreck­li­chen Touristenshow, bin statt­dessen von der ersten Minute an komplett begeis­tert. Die hochta­len­tierten Musiker, Tänzer und Artisten bieten eine Riesen Show und schaffen es in Kürze Neugier auf den reichen Kulturschatz der Mongolei zu wecken. Dazu die Kostüme mit turmhohen Hüten und gewagten Farbkombinationen, einfach wunderbar schräg. Hier hat sich bestimmt der ein oder andere Science-Fiction-Masken-oder Kostümbildner inspi­rieren lassen, eine wilde Mischung irgendwo zwischen Game of Thrones und Star Wars.
Auf der Dachterrasse unseres inter­na­tional standar­di­siertem Ramada Hotels bietet sich uns ein spekta­ku­lärer Ausblick während wir bei mongo­li­schem Wodka das Eis in der Reisegruppe brechen.

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Früh morgens startet unser gelän­de­gän­gige Bus dann endlich into the wild, 300 Kilometer durch die mongo­li­sche Steppenlandschaft gen Westen nach Bayan Gobi. Da bleibt viel Zeit aus dem Fenster zu schauen, Kopfhörer auf und die Weite genießen. Schon kurz nach Ulan Baatar wird der Verkehr ruhig, Menschen erscheinen immer seltener im Bild, dafür zeigen sich uns Herden aus Schafen, Ziegen, Rindern, Kamelen und Pferden. 52 Millionen Weidetiere bevöl­kern schät­zungs­weise die kargen Böden des am dünnsten besie­delten Landes der Erde. Landwirtschaft ist praktisch nicht machbar, die Tiere sind die wertvollste Nahrungsquelle, Vegetarier haben es schwer, Veganismus ist schier unvor­stellbar.

Immer wieder fahren wir hupend an großen, bunt geschmückten Steinhaufen vorbei, die Anhöhen und Straßenkreuzungen säumen. Die so genannten Oboo sind Überbleibsel des Tengrismus, einer Form des Schamanismus. Opfer in Form bunter Tücher, Geldscheine, aber auch skurriler Gaben wie Krücken oder abgeschnit­tener Pferdebeine werden den Geistern und Vorfahren darge­bracht. Eigentlich muss der Hügel dreimal umrundet werden, sonst steht Unglück aus, aus Pragmatismus wurde dies durch dreifa­ches Hupen ersetzt. Quer durch die Szenerie zieht sich eine 800 Kilometer lange Wanderdüne, deren Ausläufer wir auf der Fahrt mehrfach kreuzen, bevor wir unser Nachtquartier, das Hogno Haan Jurten Camp errei­chen, das malerisch vor einer Felskulisse liegt. Die tradi­tio­nellen Nomadenzelte sind nicht nur design­tech­nisch ein Knaller, die Konstruktion aus Holz, Filz und Stoff ist eine einfach clever, minima­lis­tisch und trotzdem gemüt­lich. Im Winter und in kalten Nächten schnell kuschelig, dank des Ofen im Zentrum, im Sommer kühl. Auf jeden Fall eine ganz beson­deres »Hotel«. Die knurrenden Mägen werden mit einem fleisch­las­tigem Mahl gesät­tigt.

Für Foodies ist die Mongolei sicher kein Top-Reiseziel. Gewürzt wird wenig, der Speiseplan ist übersicht­lich, dafür ist der Wodka von Spitzenqualität. Wir vernichten zwei Flaschen der Spitzenmarke Chingghis, bevor wir glück­selig zu unseren Zelten taumeln, unter einem Heer von Sternen, denn Lichtverschmutzung gibt es hier quasi nicht. Das Feuer im Ofen knistert mich in einen tiefen, erhol­samen Schlaf.

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Tag drei der Reise führt uns nach Karakorum zu den Relikten der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Hauptstadt des mongo­li­schen Großreichs und der weitläu­figen Klosteranlage Erdene Zuu, die einst von 1.000 Mönchen bewohnt wurde. Ein spiri­tu­eller Ort. Die verblie­benen Mönche strahlen eine unglaub­liche Ruhe aus, die Szenerie berührt. Zu besich­tigen gibt es reiche Wandgemälde und Kunstgegenstände. Vor den Toren des Klosters können sich die Reisegruppen in tradi­tio­nellen mongo­li­schen Trachten fotogra­fieren lassen. Während ich einer chine­si­schen Truppe bei diesem Spaß zusehe, wird mir fast beiläufig ein enormer Steinadler auf den Arm gesetzt. Das Tier ist imposant, als facebook-Profilbild schlägt es all meine bishe­rigen Likes, aber eigent­lich ist das ja schlimm mit Tieren in Gefangenschaft und so. Mir wird jedoch versi­chert, dass in der Mongolei schon immer mit Steinadlern gejagt wurde, die entspre­chend domes­ti­ziert gehalten werden und es den Tieren gut geht. Ich hoffe das stimmt.

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Es wird früh dunkel und nach dem Abendessen und der obliga­to­ri­schen Wodka-Runde gibt es nicht wirklich was zu tun im Jurten-Camp. Eine Splittergruppe und ich wollen das so nicht hinnehmen und begeben uns auf Expedition Richtung »Stadt«, wir wollen eine Karaokebar, oder sonst eine Kaschemme ausfindig machen. Es ist stock­finster, nur unsere iPhone-Lampen leuchten uns den Weg durch die Pampa, von allen Seiten ertönt Hundegebell und Gejaule. Nach etwa 500 Metern steht plötz­lich ein Mongole auf Pferd vor uns und sieht uns völlig entgeis­tert an. Verständigung ist leider nicht möglich, er zeigt hektisch in Richtung des Camps und zieht von dannen. Das überstra­pa­ziert die Nerven der meisten Expeditionsteilnehmer, worauf sie sich zurück zum sicheren Camp begeben. Wir ziehen zu dritt weiter.

Nach einem etwa halbstün­digen Marsch errei­chen Patrick, Lars und ich die »Stadt« und hangeln uns von Lichtquelle zu Lichtquelle. Keine Menschenseele zeigt sich, das Hundegebell wird bedroh­li­cher, alles was von weitem einen einla­denden Eindruck macht, ist geschlossen. Irgendwann finden wir eine Zapfsäule, an der gerade getankt wird. Die vier Menschen am Auto sind irritiert, auch diese Begegnung schei­tert an der Sprachbarriere. Schließlich stolpern wir über ein Hotel, die Lobby ist geöffnet, Plakate bewerben eine Karaokeparty, doch es ist nur ein stein­alter Rezeptionist anzufinden, der ebenfalls kein Englisch oder Deutsch spricht. Wir kaufen ein Wasser, stellen die Suche ein und schlagen uns durch die finstre Nacht zurück ins Camp. Es fängt zu Regnen an, wir verlaufen uns in einer Tour, klettern über Zäune, stranden im falschen Jurten-Camp und errei­chen nach fast vier Stunden unsere Zelte, seltsam eupho­ri­siert. Zwar haben wir keine Kneipe gefunden, aber aufre­gend war das, schon fast ein richtiges Abenteuer. Als wir Zoo am nächsten Morgen davon berichten, schüt­telt diese nur den Kopf und warnt uns vor betrun­kenen Mongolen, die nachts peitsche­schwin­gend durch die Steppe reiten.

Nach dem Frühstück fahren wir zum Hustai-Nationalpark, wo die seltenen Przewalski-Wild-Pferde behei­matet sind. Das mongo­li­sche Wildpferd ist die einzige Unterart des Wildpferds, das in seiner Wildform bis heute überlebt hat. Kleinmädchenträume aus Wendy-Zeiten werden war. Die winzigen, beige­far­benen Wildpferde mit der borstigen Mähne jagen in ihren Familienclans durch die Hochebene. Das ist schon sehr erhaben. Ins Jurten Campt zurück führt eine traum­hafte Wanderung, auf der uns einige Murmeltiere hallo sagen.

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Bergfest. Als Gruppe sind wir gut einge­spielt, es herrscht gesel­lige und freund­schaft­liche Stimmung. Nach dem Abendessen okkupieren wir den Festsaal und was macht man so auf Gruppenreisen, Trinkspiele, ganz klar. Da sitzen wir, erwach­sene Menschen und klatschen mit unseren Händen im Takt auf den Tisch, bis einer einen Fehler macht, trinken muss und alle grölen. Wie schön. Manche Dinge ändern sich einfach nie. Sehr spät, für mongo­li­sche Verhältnisse, schlei­chen wir in unsere Jurten. Ich fühle mich wie mit 15 im Feriencamp.

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Der Morgen danach bringt Katerstimmung, vielleicht folgt auf das kollek­tive Hochgefühl zwangs­weise der Lager-Koller? Auf dem Weg in die Mongolische Schweiz stoppen wir bei dem monumen­talen Dschingis Khan Statue bei Tsonjin Boldog. Die begeh­bare Statue ist 30 Meter Hoch und damit derzeit das höchste Reiterstandbild der Welt. Das Sockel-Gebäude enthält Restaurants und Souvenirgeschäfte. Mit einem Fahrstuhl kann man zu einer Aussichtsplattform auf Höhe des gigan­ti­schen Kopfes fahren. Eingeweiht wurde die Statue im Jahr 2008 und sie ist definitiv ein Prestigeobjekt. Deutsche, die wir nun einmal sind, werden schnell alle Mängel der Statue ausfindig gemacht. Die Treppenstufen sind unter­schied­lich hoch, das Museum im Keller ist nur auf Russisch beschriftet, der Service im Restaurant mangel­haft. Die Reiseprofis nehmen das Objekt vor der armen Zoo regel­recht ausein­ander, ihr fehlt es immer schwerer die Contenance zu bewahren. Irgendwie ist der Wurm drin. Die Situation wird gerettet indem wir uns alle in diese verrückten Trachten schmeißen und für ein Gruppenbild posieren.

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Schnell weiter­fahren, zum Gorki Terelj Nationalpark. Und was nun kommt besänf­tigt alle Gemüter und Friede kehrt ein. Die mongo­li­sche Schweiz ist schlicht atembe­rau­bend schön. Bevor wir unser Camp errei­chen nutzen wir die Möglichkeit zum Besuch einer Nomaden-Familie. Solche Besuche sind keine Seltenheit, Besucher sind gerne willkommen. Als Gastgeschenk bringt man für die Kinder Süßigkeiten und für die Eltern ein wenig Geld mit. Wir bekommen den gewöh­nungs­be­dürf­tigen, sauren Milchtee und Käse aus eigener Herstellung zu Verkosten und können das Familienleben aus nächster Nähe begut­achten. Einfach ist es, doch moderne Technologien sind selbst in den entle­gensten Regionen angekommen. So zählen Mobiltelefon und Satellitenschüssel zur Standardausrüstung.

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Das Buuveit Camp im Terelj Nationalpark ist ein Traum. Idyllisch liegt es unter­halb imposanter Felsen auf einer satten grünen Wiese. Der wolken­lose Himmel strahlt in leuch­tendem Blau. Es ist das erste natur­freund­liche Camp der Mongolei. Recycling, Wasseraufbereitung und Umweltschutz werden groß geschrieben. Das Lager eignet sich hervor­ra­gend für Wanderer, Kletterer, Reiter und alle, die Ruhe suchen. Zum Abendessen wird ein tradi­tio­nelles Mahl für uns zubereitet, mit Fleisch und Kräutern gefüllte Teigtaschen, Buuds und Chuuschuur, dazu Lamm, das in einer großen Milchkanne auf Steinen, samt Kartoffeln gegart wird. Das bisher beste Essen der gesamten Reise. Als beson­dere Überraschung werden wir nach dem Abendessen zum Lagerfeuerplatz gebeten, wo der Ehemann der Camp Managerin Tsolmon, ein bekannter Kehlkopfsänger uns samt Pferdegeige ein mysti­sches Ständchen gibt. Nach einem erhol­samen, traum­losen Schlaf im bequemen Bett wartet mein persön­li­ches Highlight der Reise auf mich, ein Ritt auf einem dieser agilen, zierli­chen mongo­li­schen Pferde. Da ich seit Kindertagen auf keinem Pferd mehr gesessen bin, zeige ich erstmal gebotenen Respekt und lasse mich von dem jungen Guide führen. Nach wenigen Minuten fasse ich jedoch Vertrauen zu dem hübschen Warmblüter unter mir und meinen Fähigkeiten als Reiterin und fange, auf mich selbst­ge­stellt, an zu Traben und schließ­lich zu Galoppieren. Ich stehe in den Steigeisen, der Wind weht mir durchs offene Haar, Helm wird hier nicht getragen, wir jagen im Affenzahn über Berg und Tal, pures Adrenalin schießt mir durch den Körper, ich bin wie elektri­siert. Wow! Was für ein Gefühl.

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Das Hoch soll nach lange anhalten. Ungern verlasse ich das Camp. Hier stimmt einfach alles. Wochen könnte ich hier verbringen. Doch leider geht es zurück nach Ulaan Bataar. Auf dem Weg machen wir Halt bei einem Kaschmir Outlet. Das Land ist berühmt für gute Qualität zu moderaten Preisen. Während sich Teile der Reisegruppe auf Schnäppchenjagd begeben genieße ich die letzten Strahlen der mongo­li­schen Sonne. Zum Abschied wollen die »jüngeren« Gruppenmitglieder noch eine der zahlrei­chen Karaoke-Bars besuchen, auch wenn Zoo ein wenig besorgt um unser Wohlergehen auf den gefähr­li­chen Straßen der Hauptstadt ist. Wir lassen uns davon nicht abhalten und versa­cken bis früh morgens bei Bier und reich­lich Wodka in einer Keller-Bar, wo wir uns heiser singen. Leider ist Dschingis Khan nicht in der Playlist, dafür erschallt Moskau, Moskau, Moskau. Um 4 Uhr falle ich glück­selig in mein Bett, der Wecker klingelt um 6. Leicht verka­tert tuckern wir zum Flughafen. Auf geht´s zurück nach Berlin.

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Toll war das. Eine Reise geprägt von der Schönheit der Natur, einer sagen­haft inter­es­santen Kultur, voll Ruhe, aber auch Abenteuern, irgendwo zwischen Tradition und Moderne. Meine Angst vor Gruppenreisen habe ich überwunden. Das kann richtig Spaß machen mit so einer zusammen gewür­felten Truppe. Und Zoo, die ist einfach ein Schatz. Und natür­lich der Wodka. Ein paar Flaschen habe ich mit im Gepäck und jeder Schluck schmeckt ein wenig nach dieser unglaub­li­chen Weite und versetzt mich zurück auf den Rücken meines wilden schönen Pferdes.

Vielen Dank an Lernidee Erlebnisreisen für die Einladung und diese tolle Erfahrung.


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