Ich erinnere mich an die Zeit unterwegs: Je länger ich reiste, desto klarer war ich. Es war die Gegenwart, um die es ging, und die Zukunft war offen, weit, hell. Es war selten still, doch in mir war oft eine tiefe Ruhe. Es wird werden, das wusste ich.
Dieses Wissen habe ich behalten. Nur wird es immer wieder überdeckt: Von den Erwartungen, die ich an mich selbst stelle. Herausforderungen, die ich bestehen will. Der Sorge, ob die Zukunft so einfach und gut bleibt, wie die Gegenwart ist.

Ich neige dazu mich zu sorgen, bevor ein Problem tatsächlich existiert. Diese präventive Hysterie ist sehr verbreitet in Deutschland, und hat uns – positiv betrachtet – diesen hohen Lebensstandard bewahrt. Aber es ist auch eine unangenehme Angewohnheit, denn man lebt schon heute mit Problemen der Zukunft, die oft nie eintreffen.
Die Zukunft aber ist unvorhersehbar. Und wenn ich vergesse, die Gegenwart zu erleben, und zu oft in einer problembeladenen Zukunft denke, dann hat davon niemand etwas – am wenigsten ich selbst.
Dies im Alltag zu merken fällt mir schwer. Ich spüre nur eine unterschwellige Unruhe, und die nervt mich kolossal.




Heute treibt es mich hinaus: An den Fluss, spazieren, ich lasse mich treiben. Ohne Ziel wandere ich so weit wie nie, bis ans Ende der Insel. Treibgut wurde vom Hochwasser angespült, kuriose Dinge voller Geschichten.
Und je weiter ich gehe desto mehr löst es sich auf, das Gewusel der Gedanken.
Die Gelassenheit, die ich beim Reisen erfahren habe, zu bewahren ist nicht einfach. Mir helfen Momente, wo ich mich bewusst herausnehme aus dem Alltag.
Irgendwann denke ich nicht mehr an die Zukunft.
Ich muss es nicht – sie ist einfach da, weit und hell. Ich freue mich darauf!
Und ich bin da, wo ich bin. Im Frieden, zufrieden. Ruhig.


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