Das Hei­lig­tum der Venus auf dem Berg Eryx war im Alter­tum berühmt für seine Kulte. Die Pries­ter­die­ne­rin­nen gaben sich den Tem­pel­be­su­chern preis, wenn man der Gott­heit ein Mit­bring­sel darbrachte. In Erice, Sizilien.

Unweit der Hafen­stadt Tra­pani erhebt sich der 750 Meter hohe Monte Erice, auf dem das gleich­na­mige kleine Städt­chen seit Jahr­tau­sen­den die wech­sel­volle Geschichte Sizi­li­ens mit ansieht, mit erlebt, ja manch­mal auch erlei­det. Punier, Römer, Ara­ber, Nor­man­nen, Mafiosi, alle waren mal da.

Als ich an die­sem Mor­gen den Bus dort­hin besteige hängt eine kleine weiße Wolke (genau genom­men die ein­zige Wolke, die man am herr­lich blauen Him­mel fin­det) auf der Spitze des Berges.

Diese Wolke nimmt den gro­ßen Bus, des­sen ein­zi­ger Fahr­gast ich bin, in sich auf, und ich darf aus­stei­gen. Nie­mand ist hier. Ich wan­dere durch die mit­tel­al­ter­li­chen Gas­sen und in mei­nem Geist erwa­chen ver­ges­sene Mythen und magi­sche Zir­kel zu neuem Leben. Nie­mand sieht mich, als ich den alten Glo­cken­turm betrete und auf den Platz vor dem Dom bli­cke. Zwei Frauen ste­hen dort, doch der Nebel ver­schluckt ihr Gespräch. Ich ver­stehe trotz­dem. Tem­pel­die­ne­rin­nen sind die nicht. Mist.

Mein Mit­bring­sel kann ich wie­der einpacken.

Ich komme zu spät. Mal wie­der. Ver­mut­lich gut zwei­tau­send Jahre.

Ver­dammt.

 

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Die Wolke geht als die Tou­ris­ten­busse ankom­men. Ich gehe mit ihr.

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Alle Fotos ana­log, Novem­ber 2009

Cate­go­riesIta­lien
Johannes Klaus

Johannes Klaus hängte seinen Job als Grafikdesigner an den Nagel, um 14 Monate um die Welt zu reisen. Seine Website Reisedepesche wurde 2011 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. In unbeobachteten Momenten streichelt er den Preis zärtlich, besteht ansonsten aber darauf, dass ihm so was völlig egal sei.

  1. SaBö says:

    Habe Sie gerade im Früh­stücks­fern­sehn gese­hen. Super Beitrag.
    Wir waren im Okto­ber in dem schö­nen Erice. Tolle Bil­der! Uns hat es auch in sei­nen Bann gezo­gen. Lei­der habe ich mir dort alle Bän­der und den Menis­kus im Knie geris­sen. Trotz­dem fand ich die Stadt faszinierend.

  2. Imam says:

    Wow…!!! Was für Fotos.….!!!!!!!!!! Eine geheim­nis­um­wo­bene Stim­mung wie in den Roma­nen von Car­los Ruíz Zafón – im wahrs­ten Sinne des Wor­tes: phantastisch…!

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