Das Heiligtum der Venus auf dem Berg Eryx war im Altertum berühmt für seine Kulte. Die Priesterdienerinnen gaben sich den Tempelbesuchern preis, wenn man der Gottheit ein Mitbringsel darbrachte. In Erice, Sizilien.
Unweit der Hafenstadt Trapani erhebt sich der 750 Meter hohe Monte Erice, auf dem das gleichnamige kleine Städtchen seit Jahrtausenden die wechselvolle Geschichte Siziliens mit ansieht, mit erlebt, ja manchmal auch erleidet. Punier, Römer, Araber, Normannen, Mafiosi, alle waren mal da.
Als ich an diesem Morgen den Bus dorthin besteige hängt eine kleine weiße Wolke (genau genommen die einzige Wolke, die man am herrlich blauen Himmel findet) auf der Spitze des Berges.
Diese Wolke nimmt den großen Bus, dessen einziger Fahrgast ich bin, in sich auf, und ich darf aussteigen. Niemand ist hier. Ich wandere durch die mittelalterlichen Gassen und in meinem Geist erwachen vergessene Mythen und magische Zirkel zu neuem Leben. Niemand sieht mich, als ich den alten Glockenturm betrete und auf den Platz vor dem Dom blicke. Zwei Frauen stehen dort, doch der Nebel verschluckt ihr Gespräch. Ich verstehe trotzdem. Tempeldienerinnen sind die nicht. Mist.
Mein Mitbringsel kann ich wieder einpacken.
Ich komme zu spät. Mal wieder. Vermutlich gut zweitausend Jahre.
Verdammt.
Die Wolke geht als die Touristenbusse ankommen. Ich gehe mit ihr.
Alle Fotos analog, November 2009











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