Ras al Khaimah: das Natur-Emirat

Ber­ge, Küs­te, Wüs­te: Kei­ne ande­re Regi­on der Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te hat eine so viel­fäl­ti­ge Natur wie Ras al Khai­mah. Das klei­ne Emi­rat eig­net sich für Strand- sowie Aktiv­ur­lau­ber und ist noch ein tou­ris­ti­scher Geheim­tipp.

Eine Bri­se schiebt das Kajak in den Kanal. Es ist Ebbe und das Fluss­bett nur knie­tief. Im Schlick jagen Stel­zen­läu­fer und wei­ße Riff­rei­her. Ein Schwarm Fla­min­gos schrei­tet durch die Abend­son­ne. Mit­ten durch die Haupt­stadt von Ras al Khai­mah, die so heißt wie das Land, win­det sich eine Man­gro­ven­la­gu­ne. Hier kön­nen Besu­cher stun­den­lang pad­deln. Das Laby­rinth aus Was­ser, Schlamm und Bäu­men gehört zu den Natur­wun­dern des Emi­rats, das sich gera­de erst tou­ris­tisch ent­wi­ckelt.

Wandern zwischen Felstürmen

Ras al Khai­mah ist das viert­größ­te der sie­ben Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te und besitzt mit „Mar­jan Island“ zwar eine künst­li­che Insel, auf der Spit­zen­ho­tels mit Pri­vat­strän­den und ein rie­si­ger Casi­no-Neu­bau lie­gen. Doch anders als in den berühm­ten Glit­zer­me­tro­po­len Abu Dha­bi und Dubai feh­len beim Nach­barn die Frei­zeit­parks, Mega-Malls und Wol­ken­krat­zer. Statt­des­sen setzt RAK, wie sich das Emi­rat kurz nennt, auf Natur und Kul­tur. „Die alten Stäm­me der Wüs­te, der Küs­te und der Ber­ge waren eng mit dem Land ver­bun­den. Daher schützt das Emi­rat vie­le Öko­sys­te­me“, erklärt Fadi Hachicho.

Der Trek­king-Gui­de reicht Kaf­fee mit Kar­da­mom. Wir sind durch Schluch­ten und Geröll­fel­der in ein ver­las­se­nes Dorf im Hajar gewan­dert. Gleich hin­ter der Küs­te an der Gren­ze zum Oman erhebt sich das ein­zi­ge Gebir­ge der gesam­ten Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te auf fast 2.000 Meter. Fels­tür­me umschlie­ßen die Hoch­ebe­ne, auf der Men­schen jahr­hun­der­te­lang wie in einer Art Alm­wirt­schaft Wei­zen anbau­ten, Zie­gen züch­te­ten und Honig sam­mel­ten. Jetzt, im Win­ter, tup­fen Sidrbäu­me und Kräu­ter­wie­sen Grün zwi­schen die Fel­sen, über denen noch vor ein paar Tagen Gewit­ter groll­ten. Das Was­ser sam­melt sich unter­ir­disch und ver­sorgt die Ebe­ne am Fuß des Hajar-Gebir­ges.

Dat­teln wer­den per Hand bestäubt und gepflückt. (© Mat­thi­as Kutz­scher) 

Datteln testen

Das Khatt ist eine Oasen­land­schaft, in der Gemü­se und Dat­teln gedei­hen, das Sym­bol für Gast­freund­schaft in Ara­bi­en. Palm­plan­ta­gen wir­ken fast streng: Stamm reiht sich an Stamm. Die Kro­nen bre­chen die Son­ne und wer­fen bizar­re Git­ter aus Licht und Schat­ten auf den Boden. Dat­teln ver­lan­gen Hin­ga­be. Sie müs­sen regel­mä­ßig bewäs­sert, beschnit­ten, ein­zeln bestäubt und per Hand geern­tet wer­den. „Dafür lie­fern sie ver­läss­lich 60 bis 100 Jah­re Früch­te“, sagt Kama­rul Anwar, der die kara­mel­lig-süße Sor­te Kha­las, leicht her­be Khenai­zi und die gro­ßen, bern­stein­far­be­nen Med­jool in einer Fabrik ver­kauft. Ich lege mich fest: Das ist der bes­te Dat­tel-Shop in den Emi­ra­ten!

Kama­rul Anwar ver­kauft die wohl bes­ten Dat­teln in den Emi­ra­ten. (© Mat­thi­as Kutz­scher)

Wo die Ebe­ne endet, beginnt die Wüs­te. Erst ragen noch meter­ho­he Aka­zi­en auf, bevor Sand und Wind sanf­te Hügel und Mul­den mit Sträu­chern for­men. Die Dünen­wel­len lau­fen bis zum Hori­zont, dar­über flim­mert die Son­ne in einem wol­ken­lo­sen Him­mel. Nichts ist zu hören. Der Sand schluckt Geräu­sche. „Eine Wüs­ten­tour ist mys­tisch“, meint Koen­raad Ghys.

Der Bel­gi­er führt seit über zehn Jah­ren durch RAK. Einer sei­ner Lieb­lings­ort ist die Kamel­renn­bahn Al Sawan, wo der Bio­lo­ge das Trai­ning, die Camps und Läden zeigt, die Kräu­ter­sal­ben für elas­ti­sche Haut oder Maul­kör­be für die sen­si­blen Jung­tie­re feil­bie­ten. Kame­le, genau­er gesagt Dro­me­da­re mit einem Höcker, lau­fen kaum lang­sa­mer als Pfer­de. Bei Wett­be­wer­ben jagen die Besit­zer mit Autos neben­her und steu­ern Robo­ter-Jockeys, die auf den Höckern sit­zen. „Beson­ders edle und erfolg­rei­che Tie­re kön­nen durch­aus bis zu einer Mil­li­on Euro kos­ten“, sagt Ghys, wäh­rend er den Hals eines älte­ren Reit­tiers krault.

Um sie für die Wett­be­wer­be per­fekt vor­zu­be­rei­ten, trai­nie­ren jung Dro­me­da­re fast täg­lich mit älte­ren Tie­ren. Beson­ders edle und erfolg­rei­che Dro­me­da­re kön­nen durch­aus bis zu einer Mil­li­on Euro kos­ten. (© Mat­thi­as Kutz­scher)

Tränen Gottes sehen

Von der Renn­bahn im Zen­trum bis nach Al Rams im Nor­den des Emi­rats fah­re ich 30 Minu­ten. RAK ist etwa so groß wie Luxem­burg. An dem Fischer­ha­fen schie­ben sich Lagu­nen mit Man­gro­ven zwi­schen Meer und Ber­ge. Ihr Was­ser ist so klar, dass dar­in Per­len wach­sen. Frü­her leb­ten vie­le Fami­li­en am Per­si­schen Golf von der Suche nach dem Aus­tern­gold; bis in den 1930er-Jah­ren in Japan die Zucht gelang. Heu­te ist „Suwai­di Pearls“ die ein­zi­ge Fir­ma in den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten, die Per­len kul­ti­viert.

Ein Holz­boot tuckert zur Farm. „Wir nen­nen Per­len Trä­nen Got­tes“, sagt Taki Uddin, weil sie Rein­heit ver­kör­pern und Tau­trop­fen ähneln wür­den. Auf einem roten Tuch brei­tet der 36-Jäh­ri­ge mit Per­len gefüll­te Samt­säck­chen, his­to­ri­sche Fein­waa­gen und Prüf­scha­len aus. Um Grö­ße und Qua­li­tät des begehr­ten Luxus­guts zu bestim­men, brauch­te es frü­her offen­bar wenig mehr als Erfah­rung. „Hun­ger, Hit­ze, sal­zi­ge Haut und stän­di­ge Erschöp­fung gehör­ten zum All­tag der Tau­cher“, erzählt Uddin. Eine alte Dau, mit der die Per­len­tau­cher wochen­lang die Fang­ge­bie­te abse­gel­ten, düm­pelt am Steg der schwim­men­den Anla­ge und flüs­tert Geschich­ten von Ent­beh­rung und Reich­tum.

Taki Uddin berich­tet vom Leben der Per­len­tau­cher frü­her und zeigt, wie die Qua­li­tät der Kos­ten­bar­kei­ten bewer­tet wur­de.
(© Mat­thi­as Kutz­scher)

Davon erzählt auch das Dha­yah Fort. Wie ein Adler­horst thront die Wehr­an­la­ge über Al Rams. Anfang des 19. Jahr­hun­derts über­fie­len die Eng­län­der die Küs­te nahe der Meer­enge von Hor­mus, weil die Regi­on stra­te­gisch wich­tig für den See­weg nach Indi­en war, dem Herz des Empire. „Die loka­len Stäm­me konn­ten der Kolo­ni­al­macht nicht lan­ge wider­ste­hen“, berich­tet Naw­fal Al Samrraee. Ich tref­fe den Exper­ten vom RAK-Natio­nal­mu­se­um in der Hügel­fes­tung. Er zeigt auf die Küs­te des Ara­bi­schen Golfs, das Hajar-Gebir­ge, die Oasen­land­schaft der Khatt-Ebe­ne und sagt: „Die Gegend wirkt rau, und doch leben hier Men­schen schon seit über 5.000 Jah­ren“.

Service-Informationen

Anrei­se: Emi­ra­tes und Euro­wings flie­gen von Düs­sel­dorf direkt nach Dubai; RAK liegt eine Stun­de Auto­fahrt nörd­lich.

Ein­rei­se: Deut­sche brau­chen 90 Tage kein Visum.

Rei­se­zeit: Von Novem­ber bis April lie­gen die Tem­pe­ra­tu­ren tags­über im Schnitt bei 28 Grad, im Som­mer wird es oft über 40 Grad heiß.

Über­nach­ten: Emp­feh­lens­wert ist das „SO/​“ mit All Inclu­si­ve Plus und Pri­vat­strand auf Majan Island. Das ers­te Ende 2025 eröff­ne­te Resort ver­bin­det avant­gar­dis­ti­sches Design mit exqui­si­tem Ser­vice und einer leger-coo­len Atmo­sphä­re. Das Haus ist damit per­fekt geeig­net für alle, die stil­voll und ohne Groß­stadt­tru­bel in RAK woh­nen wol­len. Als gute Basis im Emi­rat bie­ten sich auch das Resort „Anant­ara“ kurz vor der Haupt­stadt und das „Ras Al Khai­mah Hotel“ im Stadt­zen­trum an.

Tou­ren: Fadi Hachicho von „Adven­tur­a­ti Out­door“ bie­tet Trek­king-Tou­ren, etwa zum höchs­ten Camp der Emi­ra­te auf 1.770 Metern. Koen­raad Ghys ist mit „Unveil Ara­bia“ Spe­zia­list für Exkur­sio­nen in die Wüs­te, zu Dat­tel­far­men oder Kamel­renn­bah­nen.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: www.visitrasalkhaimah.com  /​ www.visitjebeljais.com

Die Rei­se wur­de von der Tou­ris­mus­be­hör­de Ras al Khai­mah und von SO/​ Hotels unter­stützt.

Grü­ne Hoch­ebe­nen durch­zie­hen im Win­ter das Hajar-Gebir­ge zwi­schen Ras al Khai­mah und dem Oman. (© Mat­thi­as Kutz­scher)


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