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Mit dem Wendler die Zeche prellen

Anflug auf Bue­nos Aires. Die Stadt ist ein Lich­ter­meer, das sich bis zum Hori­zont erstreckt. Bei Nacht fällt die Schach­brett­struk­tur des Stra­ßen­net­zes beson­ders auf. Ein sym­me­tri­sches Mus­ter mit schar­fen Kan­ten, die Stadt scheint im schwar­zen Nichts zu enden. In der Ferne tobt sich ein gewal­ti­ges Gewit­ter aus, Blitze zucken durch die Wol­ken und las­sen Licht­ke­gel über den Boden hüpfen.

Wir stei­gen aus der Maschine und wer­den selbst um kurz vor Mit­ter­nacht noch mit schwü­len 35°C emp­fan­gen. Wir müs­sen ent­schei­den, wie wir die 40 km bis zu unse­rem Nacht­quar­tier zurück­le­gen wol­len. Drau­ßen fällt die Ent­schei­dung für das Taxi. Wir kom­men mit unse­rem Fah­rer ins Gespräch, wäh­rend wir zu sei­nem Auto schlen­dern. Er habe deut­sche Vor­fah­ren, sagt er und hält mir sei­nen Aus­weis vor die Nase. Apel­lido: Wend­ler. Ein Omen?

Taxi-BA

Wir grü­beln, ob wir ihn dar­über auf­klä­ren sol­len, dass es einen eher streit­ba­ren Cha­rak­ter in der deut­schen „Musik­szene“ mit sei­nem Namen gibt, las­sen ihn dann aber doch im Dun­keln. Es herrscht kaum Ver­kehr auf der brei­ten Straße. Auch an den Maut­sta­tio­nen ist wenig Betrieb. Trotz­dem stel­len wir uns hin­ter einem Klein­wa­gen an und rasen los, bevor sich die Schranke hin­ter die­sem schließt. Was war das denn? An ein ille­ga­les Manö­ver den­ken wir gar nicht, denn auf der ande­ren Seite steht ein Strei­fen­wa­gen mit ein­ge­schal­te­tem Blau­licht. Er wird wohl eine Art Abo für die Auto­bahn haben, kom­men unsere müden Köpfe zum Fazit.

An der nächs­ten Maut­sta­tion ste­hen wir hin­ter einem Last­wa­gen, des­sen Fah­rer mit der Dame im Kas­sen­häus­chen schä­kert. Der Wend­ler igno­riert das Schild mit der durch­ge­stri­che­nen Hupe und berei­tet dem Klatsch mit sei­nem Getröte ein Ende. Der LKW fährt behä­big durch die Schranke und wir set­zen hin­ter­her. Dies­mal hören wir das Geze­ter der Kas­sen­wär­te­rin und wis­sen, dass es so etwas wie ein Maut-Abo nicht gibt, als uns mit einem ble­cher­nen Rumms die Schranke aufs Dach knallt.

Egal – Voll­gas wei­ter zum Ziel.

Cate­go­riesArgen­ti­nien
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Rebekka & Michael

Fasziniert von der Welt wollen sie mehr begreifen und alles mit eigenen Augen sehen. Deshalb gehört für die beiden Geographen das Reisen immer mit dazu. Zurzeit ziehen sie mit Rucksack und Zelt durch Südamerika. Ihre Erlebnisse halten Sie in Geschichten, Fotos und selbstgemachten Karten in ihrem Blog ArChiBoCo fest.

  1. Barbara says:

    Der Fah­rer war bestimmt ein ver­arm­ter Onkel des Schla­ger-Wend­lers, und weil die­ser ihn finan­zi­ell nicht unter­stützt, muss er halt die Zeche prel­len. Und Schuld ist nur der … Wendler! ;-)

    1. Michael says:

      Das Beste war, dass er nach der Fahrt auch noch ein paar Pesos mehr haben wollte: für die Maut! Das Trink­geld hat er sich verdient :)

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