„Mann“ Sein. In Indien.

Als ich mei­ne Frau vor ein biss­chen mehr als 16 Mona­ten hei­ra­te­te, wuss­te ich nicht wie das ist, wenn man „Ehe­mann“ ist! Wird sich unse­re Bezie­hung ändern? Wer­de ich mich ändern? Wird die Ver­ant­wor­tung mich ändern? Natür­lich fühlt sich das nun alles anders an: Wir sind eine klei­ne Fami­lie gewor­den. Da ist eine Ver­ant­wor­tung. Eine spe­zi­el­le, ande­re Ver­ant­wor­tung. Und die­se Ver­ant­wor­tung fühlt sich wun­der­bar an. Wobei ich ehr­li­cher­wei­se zuge­ben muss, dass ich nicht genau weiß, ob es ganz allein an unse­rer wun­der­schö­nen Ehe liegt oder auch dar­an, dass wir zusam­men in ein gro­ßes Aben­teu­er gesprun­gen sind.

Schon vor unse­rer Hei­rat waren wir bei­de sehr unab­hän­gi­ge und selb­stän­di­ge Men­schen. Kamen sehr gut allei­ne zurecht. Und haben das „Din­ge auf eige­ne Faust tun“ bei­de sehr genos­sen! Was soll sich also nun wegen einer Ehe­schlie­ßung ändern?

Seit wir mit unse­rem eige­nen Zuhau­se los­ge­fah­ren sind, haben wir in den unter­schied­lichs­ten Gegen­den über­nach­tet, auf den zwei­fel­haf­tes­ten Märk­ten ein­ge­kauft, mit zwie­lich­ti­gen aber auch mit den wun­der­volls­ten Men­schen gespro­chen und haben aller­lei Din­ge auch ganz allei­ne gemacht. Natür­lich habe ich mich an man­chen Orten gefragt, ob es in Ord­nung ist wenn mei­ne Frau allei­ne „los­zieht“. Und ich habe mich jedes Mal rie­sig gefreut, wenn sie wie­der zurück war. Weil ich sie ver­misst habe! Und nicht vor Erleich­te­rung, weil sie gesund zurück kam und nichts pas­siert war!

Und nach ein paar Mona­ten auf Rei­sen kam mir das ganz nor­mal vor, dass auch jeder mal für sich „los­zieht“. Dass wir auf einem Bazar mal ganz in Ruhe allei­ne stö­bern kön­nen und uns nicht nur händ­chen­hal­tend fort­be­we­gen. Dass wir an der Tank­stel­le oder vor einer Werk­statt bei­de aus dem Auto sprin­gen. Dass mei­ne Frau von ande­ren Män­nern und Frau­en höf­lich ange­spro­chen wird. Dass ich mei­ner Frau nicht immer die Tür des Uni­mogs auf­hal­ten muss. Dass ich auch nach Ein­bruch der Dun­kel­heit nicht über­le­ge, ob es okay ist, irgend­wo aus­zu­stei­gen. Ganz ein­fach: wir bei­de bewe­gen uns als eigen- und selb­stän­di­ge Men­schen in die­sen so unter­schied­li­chen Kul­tu­ren. Bis zu die­sem einen Tag, an dem sich alles so schlag­ar­tig ver­än­der­te.

Natür­lich sind die unge­heu­er­li­chen Grau­sam­kei­ten, die in jüngs­ter Ver­gan­gen­heit indi­schen genau­so wie nicht-indi­schen Frau­en ange­tan wur­den (und sich unfass­ba­rer Wei­se jeden Tag wie­der­ho­len) nicht an uns vor­bei gegan­gen. Natür­lich haben wir die Bericht­erstat­tung ver­folgt, Mei­nun­gen von befreun­de­ten Indern ein­ge­holt, Kom­men­ta­re gele­sen. Und natür­lich haben wir ver­sucht offen zu blei­ben und den 1,3 Mil­li­ar­den Men­schen in Indi­en völ­lig unvor­ein­ge­nom­men gegen­über zu tre­ten. Und ich wage zu behaup­ten, dass es uns gelun­gen ist, weil wir hier so groß­ar­ti­ge Men­schen ken­nen­ler­nen durf­ten, weil wir zusam­men gelacht, gelernt, dis­ku­tiert und ver­stan­den haben. Aber dann war die­se Offen­heit weg und was kam war Miss­trau­en und Vor­sicht. Gro­ße Vor­sicht!

Am hell­lich­ten Tag springt Jen aus dem Auto um an einem Stand ein paar Früch­te zu kau­fen. Ich blei­be im Auto sit­zen. Sie kommt zurück, ich sehe sie vor der geöff­ne­ten Bei­fah­rer­tür ste­hen. Lachend und freund­lich wie immer sagt sie zu jeman­dem, den ich nicht sehen kann „No, thank you.“ Sie wie­der­holt es mit etwas mehr Nach­druck und dreht sich um, um in unse­ren Truck zu stei­gen. Und plötz­lich sehe ich einen frem­den Arm fest – zu fest – um die Tail­le mei­ner Frau grei­fend. Sie schreit laut auf! Und knallt die Tür zu! Ich sprin­ge aus dem Auto und ren­ne auf die ande­re Sei­te. Vor mir steht ein Mann, der mir war­um auch immer eine Kicher­erb­se vor die Nase hält. Und er grinst. Brül­lend, mit geho­be­ner Hand deu­te ich ihm, dass er nie wie­der mei­ne Frau anzu­fas­sen hat … dass er nie wie­der eine Frau so anzu­fas­sen hat!

Ob er mich ver­stan­den hat? Ob er debil ist? Oder ein­fach nur zuge­dröhnt? Ich weiß es nicht. Ob ich ihm ger­ne zwi­schen die Bei­ne getre­ten hät­te? Ja! Ob ich es bereue, dass ich es nicht getan habe? Wenn ich manch­mal genervt bin, weil wir uns gezwun­gen füh­len, jetzt viel vor­sich­ti­ger zu sein, dann ja! Das öffent­li­che Bloß­stel­len durch mei­ne Tade­lung auf offe­ner Stra­ße war wahr­schein­lich effek­ti­ver für sei­nen Lern­pro­zess (so mei­ne nai­ve Hoff­nung). Es war aber nicht unbe­dingt „heil­sa­mer“, um die­se Situa­ti­on schnellst­mög­lich bewäl­ti­gen zu kön­nen – für kei­nen von uns bei­den.

Was bleibt ist die­se Vor­sicht: seit­her will ich nicht, dass mei­ne Frau allei­ne los­zieht! Zumin­dest nicht über­all! In einer Gas­se allei­ne ein paar Früch­te ein­kau­fen fühlt sich nicht rich­tig an. Jen geht jetzt nicht mehr über­all ohne mich hin. Weil es mir lie­ber ist. Und sie sich das nicht mehr über­all traut. Und ich beglei­te sie zur Auto­tür. Und schlie­ße die­se hin­ter ihr.
Unend­lich scha­de! Die­ser eine ein­zi­ge Vor­fall, der auch in jedem ande­ren Land hät­te pas­sie­ren kön­nen, die­ser Vor­fall hat aus­ge­reicht, um unse­re Befürch­tun­gen und vor allem die Kon­se­quen­zen für unser Ver­hal­ten Wirk­lich­keit wer­den zu las­sen! So sehr wir uns auch dage­gen weh­ren. Sie sind ein­fach da. Und der Ver­trau­ens­vor­schuss weg.
„Mann“ Sein in Indi­en kann ganz schön anstren­gend sein. Aber wie muss es sein „Frau“ zu sein! In Indi­en. Jeden Tag. Ein gan­zes Leben. Für Män­ner ist das wahr­schein­lich unvor­stell­bar. Und mei­ne “Anstren­gung” mehr als lächer­lich ver­gli­chen mit der Situa­ti­on einer Frau. In Indi­en. Und in vie­len ande­ren Län­dern die­ser Welt.

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  1. Avatar von Chris

    Indi­en ist eine Sache für sich. Wir hat­ten uns auch vor­ge­nom­men, den Indern offen ent­ge­gen zu tre­ten. Das hat auch ganz gut funk­tio­niert. Der ers­te Ein­druck bestä­tig­te bereis, dass nicht alle Inder kri­mi­nel­le Ver­ge­wal­ti­ger sind, son­dern man (fast) aus­schließ­lich auf sehr net­te, hilfs­be­rei­te Men­schen trifft. Das waren die ers­ten Ein­drü­cke, die ers­ten Wochen. Nach eini­ger Zeit jedoch merkt man immer wie­der, das nicht alles so schön und gut ist, wie es den Anschein macht. Die Art, wie Tou­ris­tin­nen und mei­ne Freun­din begafft wer­den, wie Män­ner jeg­li­chen kör­per­kon­takt in engen Gas­sen in Form von vor­bei lau­fen suchen, das Grin­sen von Män­ner­grup­pen und die Sät­ze, die auf Hin­di zuge­sagt wer­den las­sen erken­nen, wie die indi­sche Män­ner­welt Frau­en ansieht und respek­tiert. Und aus die­ser Erfah­rung her­aus fin­de ich auch, dass das Allei­ne – Rei­sen für Frau­en in Indi­en ganz schön unan­ge­nehm wer­den kann. Natür­lich – es war­tet nicht an jeder Ecke ein poten­zi­el­ler Ver­ge­wal­ti­ger, man muss schon Pech haben, jedoch ist die Hemm­schwel­le sehr nied­rig und das recht­fer­tigt auch nicht die Anzahl der Men­schen. Wie Inder man­che Frau­en begaf­fen, das ist nicht nor­mal. Und als Frau muss man schon harsch sein, dass man in unan­ge­neh­me Situa­tio­nen ver­mei­det. Sei es, ein net­tes Gespräch mit einer Grup­pe jun­ger Inder zu hal­ten – es ist kei­ne gute Idee. Fast jeder Mann sieht eine aus­län­di­sche Frau als idea­les Sex­ob­jekt und ich den­ke, sol­che Situa­tio­nen kön­nen schon in die fal­sche Rich­tung gehen. Wie mein­te mal ein Inder zu mir: »wir in Indi­en sagen, solan­ge man nicht stirbt an etwas Schlim­men, ist es nicht so schlimm. Wenn ich mich für einen Mann pro­sti­tu­ie­ren müss­te (er war ein Mann und es ging dar­um, ob er das könn­te für Geld) dann wür­de ich das nicht ger­ne tun, aber es wür­de mich nicht umbrin­gen, also wäre es nicht so schlimm«
    Bei dem Satz muss­te ich sofort an die gan­zen Über­grif­fe den­ken und dach­te mir nur, wenn natür­lich alle Män­ner so den­ken ist es kein Wun­der, dass immer wie­der sol­che Taten vor­kom­men und schein­bar vie­le Män­ner nichts dage­gen haben.

    1. Avatar von Peter und Jen

      Hi Chris und vie­len Dank für dei­ne Rück­mel­dung!
      …wie du schon sagst, es gibt unglaub­lich vie­le freund­li­che, hilfs­be­rei­te, sehr erfin­de­ri­sche Men­schen in Indi­en! Wir waren mehr als 8 Mona­te in Indi­en unter­wegs und aus­ser der beschrie­be­nen Situa­ti­on hat­ten wir kei­ne ande­re »hand­greif­li­che« Erfah­rung mehr! Gott sei Dank! (..und wenn wir Indi­en nicht so anzie­hend emp­fun­den hät­ten, wären wir sicher nicht so lan­ge geblie­ben!)

      Die Rol­le und der Sta­tus der Frau in der indi­schen Gesell­schaft ist aller­dings äus­serst bedenk­lich. Ich fin­de es nach wie vor grau­en­voll, dass die­se Ent­wür­di­gung von der Gesell­schaft nicht kon­se­quen­ter ver­ur­teilt wird. Mei­ne Erfah­rung ist, dass man von der indi­schen Poli­zei nicht all­zu erwar­ten darf (aus­ser in Delhi!).
      Aber Män­ner und Frau­en, die ihrer­seits auch Väter und Müt­ter von Mäd­chen und Frau­en sind (und von den Jungs!), ich ver­ste­he nicht, war­um sich hier nicht noch mehr Wider­stand formt!? Ich weiss nicht, wie in den deut­schen Medi­en berich­tet wird. Es scheint aber wohl so zu sein, dass Ver­ge­wal­ti­gung als Züch­ti­gung in dörf­li­chen Struk­tu­ren ein recht häu­fig ein­ge­setz­tes Mit­tel ist. War­um eine Gesell­schaft, die Füh­rungs­an­spruch in der Welt anmel­det, so etwas zulässt und die­se ideo­lo­gisch völ­lig ver­stör­ten Dorf­äl­tes­ten nicht end­lich aus dem Dorf jagt, kann und will ich nicht ver­ste­hen! Es gibt da noch eini­ges zu tun.
      Aber: Indi­en ist sehr span­nend!
      Vie­le Grüs­se
      Peter

  2. Avatar von Anna
    Anna

    Sehr gelun­ge­ner Arti­kel! Ich rei­se zur Zeit eben­falls durch Indi­en- glück­li­cher­wei­se mit mei­nem Freund. Obwohl ich sehr posi­tiv über­rascht von die­sem Land war, den­ke ich, ich wür­de nicht unbe­dingt allei­ne her­kom­men wol­len. Nicht weil es mir zu unsi­cher wäre, son­dern ein­fach weil es so vie­le klei­ne Situa­tio­nen gibt, die mir unan­ge­nehm wären wür­de ich allei­ne Rei­sen. Ich glau­be als Allein­rei­sen­de Frau kann man schnell den Spaß an indi­en ver­lie­ren!
    Was mir eben­falls auf­ge­fal­len ist, ist, dass mein Freund und ich die­sel­be Situation/​ den­sel­ben Aspekt oft ganz unter­schied­lich auf­fas­sen – gera­de das macht indi­en so span­nend!

    Lie­be Grü­ße,
    Anna

    1. Avatar von Peter und Jen

      Dan­ke Anna für dein Feed­back!
      Was du sagst wür­de ich zu 100% unter­schrei­ben!
      Aber wenn man mal mit Indi­en ange­fan­gen hat und die ers­ten Hür­den genom­men hat, dann kann sehr viel Gefal­len an die­sem Land ent­wi­ckeln!
      Viel Spass beim Rei­sen!
      Peter

  3. Avatar von M
    M

    Wir böööööö­sen, böööööö­sen Män­ner. Wo ist mei­ne Peit­sche? Die letz­te Selbst­geis­se­lung ist jetzt schon zwei Stun­den her! 😮

    1. Avatar von Peter und Jen

      Hal­lo »M«, lei­der ver­steh ich dei­nen Kom­men­tar nicht! VG, Peter

  4. Avatar von Hildegard
    Hildegard

    Hal­lo Jen­ny und Peter, mir ist so etwas ein­mal als jung­ver­hei­ra­te­te Frau mit mei­nem Achim in Tune­si­en pas­siert ! Wir sind händ­chen­hal­tend am Strand spa­zie­ren­ge­gan­gen und plötz­lich hat mich ein Tune­si­er mit bei­den Hän­den an den Po gefasst und auch noch schmerz­haft zuge­drückt und mit einer Hand zwi­schen die Bei­ne gegrif­fen. Ich war starr vor Schreck und Ent­set­zen, und bis Achim rea­li­siert hat­te, was pas­siert war, war der Mann schon los gesprin­tet , und Achim konn­te nur noch laut­star­ke Droh­ge­bär­den – und Wor­te hin­ter ihm her schi­cken. Die Fol­ge: nie im Leben möch­te ich mehr in die­ses Land rei­sen. Sehr scha­de!! Der Bericht ist Peter sehr gut gelun­gen. Die Gefüh­le und Gedan­ken sind nach­voll­zieh­bar. Ich wün­sche Euch von Her­zen, dass ihr im wei­te­ren Ver­lauf eurer Rei­se wei­te­re vie­le posi­ti­ve Erfah­run­gen mit Men­schen macht.
    Alles Gute von Hil­de­gard und Achim aus Ham­burg

    1. Avatar von Jennifer und Peter

      Dan­ke für dei­ne guten Wün­sche, lie­be Hil­de!
      Die Geschich­te aus Tune­si­en klingt … nicht schön. Trau­rig dass man die­se Art der Erin­ne­rung mit einem ganz bestimm­ten Ort oder Land abspei­chert. Aber das pas­siert eben. Lei­der.
      Wir hof­fen es geht euch gut. Herz­lich aus Man­da­lay, Jen und Peter

  5. Avatar von Patrick

    Hal­lo Peter,
    (un)schöner Bericht, der sicher tol­ler bis zum zwei­ten Abschnitt wäre.

    Ich kann dein Gefühl der Wut und Unsi­cher­heit äus­serst gut nach­voll­zie­hen.
    Mir und mei­ner Frau ist etwas ähn­li­ches pas­siert. An einem Ort, an dem ich das selbst für unmög­lich gehal­ten hät­te.
    In Myan­mar am Inle See sind wir bei einer ein­hei­mi­schen Fami­lie bei den Floa­ting Vil­la­ges Mit­tags ein­ge­la­den gewe­sen.
    Wir durf­ten eine Run­de auf einem Lang­boot durch das Dorf fah­ren. Mei­ne Frau woll­te aller­dings nicht mit und blieb bei der rest­li­chen Fami­lie. Ich bin dann allei­ne mit einem Boots­fah­rer durchs Dorf gepad­delt.
    Als ich zurück kam, woll­te mei­ne Frau unbe­dingt zurück zum Hotel. Ich war da bereits etwas ver­wun­dert.
    Auf dem Rück­weg, noch im Boot auf dem See, erzähl­te Sie mir dann, das der Taub-Stum­me Gast­ge­ber sie im Haus her­um­führ­te. Im Schlaf­zim­mer hat er ihr dann an die Brüs­te gefasst.
    Mehr ist zum Glück nicht pas­siert…
    Schon nur wenn ich die­se Zei­len schrei­be, steigt in mir ein ziem­li­cher Zorn auf. Ich wuss­te damals nicht so rich­tig wie reagie­ren. Der Gedan­ke dar­an, dass da hät­te mehr pas­sie­ren hät­te kön­nen und ich nicht da gewe­sen wäre…
    In ganz Myan­mar die­se über­aus freund­li­chen Men­schen – wer denkt da an so was…

    Grüs­se und bes­se­re Rei­se­er­fah­run­gen für die Zukunft
    Patrick

    1. Avatar von Jennifer und Peter

      Hal­lo Patrick
      tut mir auf­rich­tig leid, dass ihr bei­de auch so eine Erfah­rung machen muss­tet!
      Wir fra­gen uns immer wie­der was in so einem Kopf vor­ge­hen muss!? Ob das ein Ver­hal­ten ist, was man­che Män­ner nur aus­län­di­schen Frau­en gegen­über zei­gen oder allen Frau­en gegen­über. Eine ver­nünf­ti­ge Ant­wort dar­auf haben wir bis­her nicht gefun­den.
      Aber eigent­lich ist das so ein Ver­hal­ten bei dem es – ver­zeih bit­te – scheiss­egal ist, ob man es ver­ste­hen kann oder nicht! Man darf, eigent­lich muss man so ein Ver­hal­ten ein­fach nur als das ver­ur­tei­len was es ist: eine abson­der­li­che Respekt­lo­sig­keit!
      Bleibt zu hof­fen, dass sich das schnell rum­spricht!
      Inter­es­san­ter­wei­se sind wir gera­de auf dem Weg nach Myan­mar!
      Euch bei­den ganz wun­der­ba­re neue Rei­se­er­leb­nis­se!
      Lie­be Grüs­se

  6. Avatar von Mossi

    Immer wie­der lernt »Mann« auf Rei­sen Din­ge, wel­che einem zuhau­se so nicht pas­sie­ren. Wenn das nicht der Reiz ist, den wir beim rei­sen suchen? Sehr schö­ner Bericht.

  7. Avatar von Hanna Ørum Madsen

    hey
    Erst­mal, rich­tig guter Arti­kel. Ich lese eure Bei­trä­ge wirk­lich ger­ne.
    Ich kann gut ver­ste­hen wie es euch damit geht. Ich rei­se jetzt seit vier Mona­ten mit einem Freund durch Süd­ost­asi­en und hab mich immer völ­lig frei bewegt. Ich hab mich natür­lich immer den Lan­des­ge­wohn­hei­ten ent­spre­chend ange­zo­gen (also Bei­ne bede­cken in Nepal und ähn­li­ches) und hab mich wahr­schein­lich auch des­we­gen nie fürch­ten müs­sen.
    In Thai­land dann, an unse­rem ers­ten Abend in einer neu­en Stadt bin ich am Abend noch­mal kurz raus um was zu besor­gen. In einer Sei­ten­gas­se hat plötz­lich jemand mei­nen Hin­tern gepackt. Wie dun­kel die Gas­se war, ist mir erst in dem Moment auf­ge­fal­len.
    Es ist nichts pas­siert und ich bin mit einem ordent­li­chen Schreck davon gekom­men.
    Das gan­ze ist inzwi­schen ein paar Wochen her und ich beweg mich wie­der genau­so frei wie davor, aber trotz­dem bringt einen sowas zum Nach­den­ken. Um ehr­lich zu sein rei­se ich mit einem Freund, weil es mir zu Hau­se noch als zu ris­kant erschien als Frau allein durch Süd­ost­asi­en zu rei­sen. Eine Hal­tung, die ich seit­her oft hin­ter­fragt habe. Auf mei­ner Rei­se kam es mir immer mehr wie eine unnö­ti­ge Vor­sicht vor, die aus den west­li­chen Vor­ur­tei­len und den ein­sei­ti­gen Medi­en­be­rich­ten ent­stan­den ist. Ich weiß jetzt, dass ich auch pro­blem­los allei­ne hät­te rei­sen kön­nen, aber da ist auch die ande­re Sei­te. Das es ein­fach kein Risi­ko ist das man ein­ge­hen kann.
    Es ist eine schwie­ri­ge Situa­ti­on. Man macht so vie­le gute Erfah­run­gen, taucht open min­ded in neue Län­der, in neue Kul­tu­ren ein, ver­traut auf sich und auf ande­re Men­schen. Und dann reicht eine hal­be Minu­te um all das ins Wan­ken zu brin­gen. Dann sieht man plötz­lich wie schnell so etwas gehen kann und dass es egal ist wenn man 100 gute Erfah­run­gen macht und genau­so vie­len offe­nen, freund­li­chen und ver­trau­ens­wür­di­gen Men­schen begeg­net, wenn ein ein­zi­ges Mal etwas pas­siert.
    Wie erlebt ihr sonst die Situa­ti­on der Frau­en in Indi­en? Bekommt man als Besu­cher über­haupt etwas davon mit?
    lg,
    hon­ney

    1. Avatar von Jennifer und Peter

      Hi Hon­ney
      das The­ma »Gewalt gegen Frau­en« scheint ein sehr Rea­les in Indi­en zu sein.
      Indi­sche Tages­zei­tun­gen berich­ten täg­lich davon, inter­na­tio­na­le Medi­en berich­ten natür­lich nur die abar­tigs­ten Grau­sam­kei­ten und indi­sche Frauen/​Mütter wis­sen genau, wie sie ihre Töch­ter erzie­hen müs­sen. Näm­lich »stay away from boys! espe­ci­al­ly when they are drunk!«
      Das Besorg­nis Erre­gen­de ist eigent­lich, dass es immer noch kein all­ge­mei­nes Gedan­ken­gut zu sein scheint, dass Gewalt gegen Frau­en abso­lut inak­zep­ta­bel ist. Zu vie­le Men­schen (auch Offi­zi­el­le) schei­nen das »alles nicht so schlimm« zu fin­den!
      Wenn man mit den Men­schen redet, dann bekommt man das auch als Besu­cher sehr deut­lich mit.
      Wir sind jetzt mal gespannt, wie es uns in Süd­ost­asi­en ergeht!
      Lie­be Grüs­se

  8. Avatar von Viaje el mundo via Facebook

    Dem kann ich nur bei­pflich­ten. Ein sehr inter­es­san­ter Bei­trag. Ich war damals mit 21 Jah­ren allei­ne nach Indi­en gereist. Doch mich lie­ßen die Vor­fäl­le in den Medi­en nicht unbe­rührt. Mei­ne Gefüh­le sind gemischt und ich wür­de jetzt nur noch in Beglei­tung dahin rei­sen.

    1. Avatar von Jennifer und Peter

      Wir haben in den letz­ten Mona­ten auch vie­le allein-rei­sen­de Frau­en und Män­ner ken­nen­ge­lernt. Und alle haben posi­ti­ve Erfah­run­gen gemacht.
      Ehr­lich gesagt, ich möch­te nie mehr ohne mei­ne Frau rei­sen. Aber abge­se­hen davon, bin ich lei­der davon über­zeugt, dass man in man­chen Län­dern schon ein biss­chen mehr auf­pas­sen muss. Der in Indi­en vie­ler­orts »zele­brier­te« Fata­lis­mus und die oft geleb­te Kon­se­quenz­lo­sig­keit öff­net jede Tür (und senkt die Hemm­schwel­le) für sol­che und ande­re Bru­ta­li­tä­ten…
      Lie­be Grüs­se

  9. Avatar von Janine

    Hal­lo Peter,

    vie­len Dank für die­sen inter­es­san­ten Bei­trag! Ich kann eure Gedan­ken sehr gut nach­voll­zie­hen. Seit 12 Jah­ren rei­se ich allei­ne. Mit 21 Jah­ren ging ich sogar allei­ne nach Indi­en für meh­re­re Wochen. Doch auch mich lie­ßen die Vor­fäl­le in dem Medi­en jetzt nicht unberührt.…ganz im Gegen­teil. Toi, toi, toi…Indien hat mein Leben damals sehr posi­tiv ver­än­dert und geprägt. Dafür bin ich unend­lich dank­bar! Es war mit die bes­te Zeit, die ich hat­te.
    Doch das was in den Medi­en war, scho­ckier­te mich und ging mir unend­lich nah. Als ich jetzt vor kur­zem noch aus dem Bekann­ten­kreis erfuhr, dass die Toch­ter einer Freun­din nach dem Abi nach Indi­en ging und von fünf Män­nern ver­ge­wal­tigt und anschlie­ßend auf die Bahn­glei­se gewor­fen wur­de, war ich nur ent­setzt. Das ist so schreck­lich und grau­sam! Indi­en hat­te für mich immer die­sen Zau­ber. Aller­dings bin ich auch nicht mehr ohne Vor­be­hal­te. Jetzt habe ich sehr gemisch­te Gefüh­le und wür­de ehr­lich gesagt, nicht mehr allei­ne dahin rei­sen :/​.

    Vie­le Grü­ße,
    Jani­ne

    1. Avatar von Jennifer und Peter

      Hal­lo Jani­ne
      die Grau­sam­keit, die der Toch­ter dei­ner Freun­din ange­tan wur­de, tut mir unend­lich leid!
      Wir selbst hat­ten nur die­se eine Erfah­rung, die natür­lich sehr harm­los ist im Ver­gleich zu dem Ver­bre­chen an der Toch­ter dei­ner Freun­din.
      Jen und ich haben sehr viel über die­se Erfah­rung und ande­re Grau­sam­kei­ten gespro­chen. Wir muss­ten lei­der auch fest­stel­len, dass wir immer noch nicht genug von der indi­schen Gesell­schaft ver­ste­hen, um irgend­wie zu begrei­fen, wie so etwas andau­ernd pas­sie­ren kann – »andau­ernd« ist lei­der kei­ne Über­trei­bung: wenn man eine loka­le indi­sche Tages­zei­tung auf­schlägt fin­det man mit Sicher­heit 3 oder mehr Vor­fäl­le! Jeden Tag!
      Eine indi­sche Freun­din und Mut­ter hat vor kur­zem etwas sehr Zutref­fen­des auf FB gepos­ted: »Stop asking your daugh­ters to stay at home! Start reques­t­ing your sons to behave pro­per­ly!«
      Es ist an der Zeit! Indi­en ist näm­lich in der Tat ein sehr span­nen­des Land!
      Lie­be Grüs­se
      Peter

  10. Avatar von the travelogue via Facebook

    wirk­lich sehr inter­es­san­ter Bei­trag!

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