Das Heilsversprechen der Digitalen Nomaden

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Das Heilsversprechen der Digitalen Nomaden

Digitale Nomaden. Reisen und dabei Geld verdienen, nur mit dem Laptop. Ungebunden, dort, wo man will. Keine Verpflichtungen, kein materi­eller Ballast. Frei!

Das ist, was mir immer stärker auf allen mögli­chen Kanälen entgegen schallt, auf Reiseblogs, Social Media oder Spiegel Online. Zehn Schritte zum Glück: so wirst du Nomade, so wirst du glück­lich!

Warum mich das ziemlich nervt, führe ich hier aus.

 

1. Toll: Reisen

Kaum zu übersehen ist, dass ich Reisen ganz großartig finde. Nichtsdestotrotz möchte ich dies zu Anfang aber noch mal deutlich sagen: Reisen ist zu meinem größten Hobby und manchmal auch Beruf geworden, und ich liebe es. Doch es ist nicht alles.

2. Schade: Wegsein

Denn es ist manchmal sehr schade, weg zu sein. Gerade auf langen Reisen verpasst man wichtige Ereignisse: glück­liche – und traurige. Man verpasst es, mit seinen Freunden ohne beson­deren Grund gemeinsam zu kochen und ein paar Flaschen Rotwein zu trinken. Man verpasst die Geburt des ersten Kindes der besten Freundin. Man verpasst eine Party des Jahrhunderts (oder so).

3. Immer: Kompromiss

Die meisten Dinge im Leben müssen ein Kompromiss sein. Es gibt immer ein entweder/​oder. Entweder ich bin hier, oder ich bin dort. Entweder ich mache Urlaub oder ich verdiene Geld. Beides geht eigent­lich nicht, und wer das nicht aushält hat ein echtes Problem – ich kann nicht auf zwei Hochzeiten zur selben Zeit tanzen. Also muss ich Prioritäten setzen.

Das Digitale Nomadentum verspricht nun die Lösung von einem dieser Kompromisse: Gleichzeitig Reisen UND Geld verdienen. Das ist natür­lich wunder­voll, und funktio­niert mit etwas Geschick auch. Dagegen habe ich überhaupt nichts.

Welches Dilemma löst es nicht? Den Verlust dessen, was man unter dem schönen Wort Heimat zusam­men­fassen könnte.

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4. Fehlt: Heimat

Aber braucht ein Nomade denn eine Heimat? Ist das nicht sogar ein Widerspruch?

Das wirft zwei Fragen auf. Erstens: Was ist ein Nomade? Und zweitens: Was ist Heimat?

Nomaden im herkömm­li­chen Sinn reden nicht nur mit ihren Schafen. Normalerweise ziehen sie mit ihren Familien umher, haben also die wichtigsten Menschen immer bei sich. Sie ziehen auch nicht umher weil sie soviel Spaß am Verreisen haben. Sondern weil es für sie notwendig ist um zu überleben.

Sich als Reisender selbst Nomade zu nennen ist vor diesem Hintergrund eine ähnlich verquere Romantisierung des Begriffs, wie es in unserem Umfeld gerne auch beim Wort Zigeuner vorkommt. Fast keiner der neuen „Nomaden“ zieht wirklich durch die Welt, und lebt das, was der Begriff impli­ziert. Zumeist hat man seinen schön geregelten Wohnsitz in Deutschland und geht überdurch­schnitt­lich oft ins Ausland. Und dann kommt man wieder.

Es mag klein­lich sein, aber ich finde, dass „Nomade“ ein Wort ist, was das Tatsächliche überhöht.
Das mag ich nicht.

Und dann die Heimat. Jeder definiert sie anders. Für den einen ist es wichtig, vom Bäcker mit Namen begrüßt zu werden. Für andere bedeutet es vor allem, langfristig soziale Bindungen pflegen zu können. Das Letztere gilt für mich.

Heimat bedeutet sich zu binden. Ob an einen Ort oder an andere Menschen, das ist indivi­duell unter­schied­lich. Ein konse­quent herum­rei­sender Digitaler Nomade kann solche Bindungen nach Hause nur über ein Glasfaserkabel pflegen. Das geht zwar, begrenzt, doch man kann sich nicht umarmen, man kann nicht zusammen ein Bier trinken. Es ist definitiv nicht vergleichbar mit direktem Kontakt.

Doch trifft man nicht auch so jede Menge Menschen, quasi überall? Natürlich. Aber in der Regel sind dies zwar oft erquick­liche, und durchaus auch persön­liche Begegnungen – meist aber von begrenzter Dauer.

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5. Seltsam: Religion

Doch diese Dinge werden selten erwähnt. Ich habe mehr den Eindruck, dass das Digitale Nomadentum in einen quasi religiösen Status gehoben wird – mit den seltsamen Blüten, die die Überhöhung einer sehr irdischen Sache mit sich bringt.

6. Hässlich: Mission

Vieles, was geschrieben wird, finde ich gut und wichtig. Der Punkt, der mir unange­nehm aufstößt, ist ein gewisser missio­na­ri­scher Eifer, der oft mitklingt. Als gäbe es keine annehm­bare Alternative dazu, einen minima­lis­ti­schen, „nomadi­schen“ Lebensstil zu führen. Als wäre nur dies der Weg zum Paradies (und seinen Jungfrauen).

Natürlich wird dies so nicht formu­liert. Ich spüre es aber heraus, aus den Zehn-Punkte-Plänen, aus den Ratgebern und vor allem dann, wenn neue Gläubige ohne beson­dere Erfahrung in diesem Feld begeis­tert das Heilsversprechen verbreiten: Yes, ich bin neuer Digitaler Nomade und bin jetzt wirklich echt doll glück­lich! Werde du es auch!

7. Schön: Differenzierung

Doch so wird es nicht sein: Denn alles Tolle (und das ist das Reisen in vielen Punkten) hat seine Kehrseite. Ein rundes Bild über die Lebensart, die sich momentan Digitaler Nomade nennt, zu vermit­teln – das würde ich mir wünschen. Mehr inhalt­liche Tiefe, als nur die besten Tipps um Geld zu sparen. Mehr kriti­sche Selbstreflexion, das fände ich wirklich spannend.

Ist Digitales Nomadentum wirklich eine Alternative zu einem konven­tio­nel­leren Lebensstil? Oder ist es nur eine Variante vom Reisenden, der doch nach ein oder zwei Jahren in der Welt nach Hause kommt und eine Familie gründet? Wer will und kann das füllen, was als Versprechen verbreitet wird?

Das würde mich inter­es­sieren. (Und nicht die 312. Bucketlist und die 25 neuesten Arten, unter­wegs Geld zu verdienen, suchma­schi­nen­op­ti­miert getextet).

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Zusatz vom 11.Oktober – neue Beiträge zum Thema: 
Oli vom Weltreiseforum: Kommentar: Was dir die digitalen Nomaden nicht verraten
Auf Reisemeisterei: Bloggen ist nicht alles
Florian vom Flocblog: Warum das Leben als digitaler Nomade nichts für Dich ist
Conni von Planet Nomad: Hey Kritiker, I love you
Tim von Earthcity: Digitale Nomaden – Der Weg zum ultima­tiven Glück?

Ein neuer, sehr lesens­werter Beitrag kommt von Tim von Earthcity: Brauchst du überhaupt Ortsunabhängigkeit?


Kommentare

  1. Avatar von Kay

    Hallo,

    zum Thema Reisen und auch Auswandern mit Visa Karten und vorallem in Kombination mit Kryptowährungen möchte ich Euch meinen Artikel empfehlen. Schaut mal vorbei.

    https://informationsartikel.ichmichmirmeins.de/auswandern-und-reisen-mit-kryptowaehrungen/

    Grüsse
    Kay

  2. Avatar von Laura

    Hallo Johannes! Danke für diesen tollen Artikel, finde du hast super tolle Ansätze erläu­tert. Ich beschäf­tige mich auch schon länger mit dem Thema Leben als Digitaler Nomade und ich würde gerne ab nächstem Jahr meinen Arbeitsplatz nach Thailand verlegen. Ich bin mit meinem Projekt noch relativ am Anfang, falls jemand Zeit und Lust hat würde ich mich über einen Besuch von meinem Shop für Reiseliebhaber freuen und bin gerne offen für Feedback.

    https://www.trvllover.com/

    Liebe Grüße Laura

  3. Avatar von Dominik

    Ich finde es gut wie du den »Lifestyle« darstellst. Ich verdiene selbst etwas Geld im Internet und habe schon öfters mit dem Gedanken gespielt auszu­steigen, jedoch sind gerade die Familie und Freunde ein guter Grund nicht dauer­haft zu reisen.
    Als Kompromiss gibt es eben mal 1 Monat unbezahlten Urlaub, wenn es der Geldbeutel eralubt, um im Jahr öfters weg zu kommen.
    Etwas neidisch bin ich trotzdem wenn ich sehe das es manche schaffen 🙂

  4. Avatar von Anna Neumann
    Anna Neumann

    Super ist ortsun­ab­hän­giges Arbeiten auch, wenn man Familie und Beruf nicht vonein­ander trennen will. Ich habe keine Kinder, aber wenn, kann ich meinen Beruf trotz Kindern weiter­führen. Vielleicht nicht ganz im gleichen Außmaß, aber aus dem Berufsleben ausscheiden muss ich nicht.

  5. Avatar von Marius

    Ich finde es ziemlich spannend, wie sich dieser Modebegriff entwi­ckelt hat. Ich habe 2008 zirka mit dem mobilen bloggen/​schreiben begonnen. Damals war das alles unglaub­lich kompli­ziert und nichts hat funktio­niert aber der Traum war da.
    Mittlerweile, ca 10 Jahre später geht vieles technisch deutlich leichter, aber auch die Schattenseiten dieses Lebensstils werden deutlich.
    Habe es immer wieder an verschie­denen Punkten im Leben versucht und für mich ist dies auf Dauer keine gute Lösung, wohl aber auf bestimmte Zeit. Wer die Risiken streut und mit den negativen Wirkungen zurecht kommt, kann hier ein ziemlich nettes Leben führen. Ganz ohne klassisch Geld verdienen wird es aber für die Wenigsten in der Kategorie »irgendwas mit Medien« gehen – anders sieht es sicher­lich derzeit bei Entwicklern/​Programmierern aus.
    Meine Lösung seit einigen Jahren ist: Ich leben an einem Ort, der nicht perfekt, aber doch relativ gut geeignet für die Anfoderungen meiner Tätigkeiten ist. Gelegentliche Ausflüge längerer Art, die auch gerne Arbeiten beinhalten, kommen dann dazu und lockern auf, ohne zu viel Stress zu produ­zieren.

  6. Avatar von Alexander Kluge

    Danke für diesen Beitrag, lieber Johannes. Ich arbeite selbst ortsun­ab­hängig, war auch mehrere Monate im Ausland (teilweise statisch, teilweise wirklich reisend) und arbeite auch viel in Deutschland, wo ich auch gemeldet bin.

    Mir gefällt an deinem Beitrag die Differenzierung, die du im Punkt »4. Fehlt: Heimat« vornimmst, beson­ders deine Aussage:

    »Nomaden im herkömm­li­chen Sinn reden nicht nur mit ihren Schafen. Normalerweise ziehen sie mit ihren Familien umher, haben also die wichtigsten Menschen immer bei sich. Sie ziehen auch nicht umher weil sie soviel Spaß am Verreisen haben. Sondern weil es für sie notwendig ist um zu überleben.

    Sich als Reisender selbst Nomade zu nennen ist vor diesem Hintergrund eine ähnlich verquere Romantisierung des Begriffs, wie es in unserem Umfeld gerne auch beim Wort Zigeuner vorkommt. Fast keiner der neuen „Nomaden“ zieht wirklich durch die Welt, und lebt das, was der Begriff impli­ziert. Zumeist hat man seinen schön geregelten Wohnsitz in Deutschland und geht überdurch­schnitt­lich oft ins Ausland. Und dann kommt man wieder.

    Es mag klein­lich sein, aber ich finde, dass „Nomade“ ein Wort ist, was das Tatsächliche überhöht.«

    Ich stimme dir hierzu und finde, dass sich der Begriff einfach gut vermarkten lässt. Mehr auf den Boden gebracht finde ich die Bezeichnung »Remote Worker«, für das was die Leute wirklich tun.

    Ich möchte als Anregung auf Yann Girards Post »The digital nomad lie« http://yanngirard.typepad.com/yanns_blog/2015/12/the-digital-nomad-lie.html vom 22. Dezember 2015 hinweisen und auf die Diskussion bei Hacker News (https://news.ycombinator.com/item?id=10801841), die ich mit einer einfa­chen Frage dort initi­iert habe: »Is Being a Digital Nomad a Lie?«

  7. Avatar von Daniel Löffler

    Gerade über unsere Stadtzeitung euren Beitrag entdeckt: http://www.lvz.de/Ratgeber/Lifestyle/Die-Arbeitswelt-der-Internet-Nomaden

    Wirklich toller Beitrag mit einigen Punkten, die sonst selten aufge­griffen werden.

    Ich fühle mich häufig als Teilzeit-Nomade, da ich beruf­lich häufig im Süden von Afrika unter­wegs bin und dort ja dennoch arbeite.

    Eventuell denkst du ja noch einmal neu nach und fügst ein paar aktuelle Punkte ein, falls es überhaupt welche gibt?

    LG Daniel

  8. Avatar von Leon

    Wir haben http://digitalnomad-jobfinder.com entwi­ckelt, um es zukünf­tigen Nomaden einfa­cher zu machen passende Projekte zu finden und Jobs zualler­erst inner­halb der Nomaden-Community zu teilen. Wie gefällt euch das kosten­lose Jobbord? Gruß, Leon

  9. Avatar von Incamas SRL- Asuncion / Paraguay

    Dieser Bolg ist sehr infor­mativ. Wer einen Wohnsitz bei uns in Paraguay möchte, kann sich gerne an uns wenden ! Da es in Paraguay weder ein Meldewesen noch eine Steuerpflicht gibt eignet es sich hier sehr gut als »Homebase« ! Wir sind in der Lage einen Wohnsitznachweis auch poista­lisch ohne persön­liche Anreise zu reali­sieren !

  10. Avatar von Tatiana Teepunkt via Facebook

    Vielleicht ist der Hype ja tatsäch­lich (endlich) mal vorbei 🙂

  11. Avatar von Planet Hibbel

    Ich muss gestehen, daß ich manchmal fast schon ein wenig genervt bin von diesem Hype »Digitales Nomadentum«. Ich gehöre noch zur Generation »analoge Nomaden« und war 1999 zwei Jahre unter­wegs in der Welt. Da wurde einfach nur gereist, Abenteuer erlebt und man war z.T. lange Zeit so richtig off. Heute muss jeder der mal längere Zeit unter­wegs ist ne Riesensache daraus machen, alles im Internet breit­treten und verpasst dabei das Beste: einfach mal nur zu Reisen und bei sich zu sein. Mal ganz davon abgesehen wird auch Reisen irgend­wannn einfach Alltag und nach dem 77.000 Wasserfall verliert man den Blick fürs Besondere. Und man kann auch nicht für immer reisen. Irgendwann muss man sich einfach entscheiden, ob man als zöpfchen­flech­tender Hippie an irgend­einem Strand der Welt enden will oder vielleicht doch nach Hause geht und das macht was die Meisten machen: ne Familie gründen und sesshaft werden. 😉 LG, Nadine

  12. Avatar von Ilona

    Jetzt hab ich mich kürzlich erst hinge­setzt und meine Gedanken dazu aufge­schrieben, warum ich gar kein Digitaler Nomade sein muss und jetzt klick ich mich durch die Beiträge, die ich dazu finde – und finde viele spannende und inter­es­sante Ideen und Gedanken.
    danke dafür.

  13. Avatar von Maik

    Danke, ich finde, Du beschreibst mit Deinem offenen, aber auch kriti­schen Ansatz die Sache sehr gut. Auch Dein Schreibstil ist Klasse!
    Habe unter­wegs durchaus negative Folgen des digitalen Pseudonomadentums bei Mitreisenden kennen­ge­lernt (Alkoholabhängigkeit z.B.), bin selber keiner. Auch wenn ich dann Einige dann doch mal beneidet habe …
    Eine gewisse Distanz und Ehrlichkeit bei der Betrachtung ist jeden­falls immer gut, bei allen Dingen.

  14. Avatar von seb
    seb

    es ist ja schon viel hier gesagt worden, aber ein paar dinge möchte ich trotzdem noch anführen.
    da ich seit beginn sehr stark in der hospex-szene (hc, bw, couch­sur­fing) engagiert bin, habe ich viele reisende inkl. deren erfah­rungen erlebt – lange bevor es den begriff digital nomad gab.

    1. defini­tion
    jeder definiert doch selbst für sich, wie er unter­wegs sein möchte.
    die einen sind richtige nomaden, die ständig unter­wegs sind, die anderen leben immer für ein paar monate an einem ort und ziehen dann weiter oder bleiben für lange an einem ort.
    daran würde ich mich in einer diskus­sion nicht abarbeiten… der sinn ist doch einfach nur seinen eigenen horizont zu erwei­tern.

    2. reise­stil
    ich empfehle jedem erstmal wirklich gründ­lich den eigenen reise­stil zu ergründen.
    die meisten »normalen« menschen außer­halb meines hospex-kreises kennen halt nur die klassiker (strand­ur­laub, vollpen­sion, mit freunden – quasi einfach nur orts- aber keinen wirkli­chen kultur­wechsel). das ist in ordnung, hat aber mit der realität nichts zu tun.

    man sollte sich die fragen stellen oder ab besten durch erfah­rung schon beant­wortet haben:
    kann ich über mehrere wochen allein reisen und komme mit mir klar?
    kann ich kontakte knüpfen?
    kann ich mich schnell sozial in anderen kulturen integrieren?
    kann ich mich auch ohne die sprache durch­kämpfen?
    kann ich in schweren situa­tionen die heraus­for­de­rung meistern (und damit meine ich nicht mal kein wlan zu haben)?
    die meisten schei­tern ja schon an punkt 1, da unsere gesell­schaft einen lebens­stil der externen dauer­be­ri­se­lung predigt.

    3. soziale bindungen
    dieser punkt wurde ja gut beleuchtet und er wird von den meisten absolut unter­schätzt.
    ich kenn viele langzeit-traveller und alle haben nach ein paar jahren einen koller bekommen und sind für mindes­tens ein paar monate dann an einem ort geblieben, um wieder geerdet und verwur­zelt zu sein.
    was grund­sätz­lich hilft ist ein weit gestreutes netz an freunden und bekannten (das lässt sich natür­lich nur über jahre aufbauen). aber dann habe ich in vielen ländern einen anlauf­punkt und sicheren hafen. der luxus einfach bei einem freund anzukommen, ruhe zu haben und abzuschalten ohne sich um etwas kümmern zu müssen – unbezahlbar und dringend notwendig.

    sehr viel einfa­cher (oder in manchen aspekten auch schwerer) ist das reisen mit dem partner.
    wohl dem, der einen passenden sidekick hat – und passen muss er, sonst endet die bezie­hung on the road sehr, sehr schnell (was dann sicher auch das beste ist).

    außerdem sehe ich noch einen großen unter­schied im alter. anfang 20 hat man ja ganz andere inten­tionen bzgl. reisen, als wenn man sich zb. zwischen 30–40 entscheidet, die zelte abzubre­chen und mit einem bestehendem business im space­camper durch die welt zu gondeln. da sind die sozialen gefüge schon sehr unter­schied­lich – fest im ausfül­lenden und fordendem job bedeuted mitunter leider auch, dass man den bekannten in der nachbar­stadt mitunter weniger sieht als den bekannten in budapest im urlaub…

    4. kinder
    die bedenken bzgl. kinder klassi­fi­ziere ich mal als etwas »deutsch« (was immer das auch heißen mag). überall auf der welt werden kinder geboren und erzogen. relevant ist nur die eigene einstel­lung – hier sehe ich sehr große kultu­relle unter­schiede, wenn ich zb. an meine freunde aus den balti­schen staaten denke. die reisen mit erheb­lich weniger budget und haben ihre kinder immer dabei – die kids werden später auf jeden fall etwas andere geschichten zu erzählen haben, als der durch­schnitts-stadt­nach­komme, der seine kindheit auf einem 10x10m beton-spiel­platz verbracht hat…
    richtig organi­siert sind kinder kein problem, sondern in vielen ländern (ja, es gibt länder in denen kinder hoch geschätzt werden – ganz anders als in de) sogar ein kleiner vorteil. und internationale/​deutsche schulen gibt es an vielen orten.

    5. naturverträglichkeit/​konsum
    irgendwie gibt es immer den einen, der die moral-saure billig­flieger-keule in reise-diskus­sionen schwingt. in gewisser weise zurecht, aber nie produktiv.
    es gibt, beson­ders für langzeit­rei­sende, nun wirklich mehr als genug alter­na­tiven – die mir auch land, kultur und leute erheb­lich näher bringen. das ist natür­lich heruas­for­dender und einfach eine sache der eigenen einstel­lung (und ich vermute, dass menschen, die wirklich für das nomadentum gemacht sind, nicht ständig nur im flieger jetten…).
    gleiches gilt doch für den sonstigen konsum.

    6. zwischen­mensch­liche verglet­scherung
    full ack und sehr passendes bild. wenn ich daran denke, wie hostels früher waren und heute… traurig, aber das ist der lauf der dinge. abgesehen davon findet man immer und überall leute, die ein richtiges leben jenseits von facebook etc. haben.

    7. das liebe geld
    jedem ist natür­lich sebst überlassen, wie er sein geld verdient. aber losziehen und mit einem reise-block überleben wollen? viel spass… ohne schnei­dende idee (nur bilder von dir am strand und bericht x über die schön­heit von y inter­es­sieren exakt keinen) tiefere kenntnis von webtech­niken, seo, pr, etc. gebe ich den meisten keine überle­bens-chance. und wer das hat, der setzt wohl eher andere projekte als einen reise-blog zum moneta­ri­sieren um.
    den vergleich goldgräber – pfanne finde ich sehr gut. und ich beglück­wün­sche die leute, die entspre­chende geschäfts­ideen darauf aufbauend umgesetzt haben und wirklich mehrwert bringen.

    gruss, seb

  15. Avatar von Max
    Max

    80 Kommentare zeigen, dass dieses Thema wohl gut für Diskussionsstoff sorgt 🙂 Ich weiss garnicht­mehr wie ich den Beitrag gefunden habe, aber möchte doch auch noch meinen Senf dazu abgeben.

    Ich bin auch ortsun­ab­hängig seit mehreren Jahren in der Welt unter­wegs, aller­digs stehe ich, wie der Großteil von Menschen, die ortsun­ab­hängig arbeiten, nicht mit irgend­einem Blog in der Öffentlichkeit. Die aller­we­nigsten »Digitalen Nomaden« stehen überhaupt in der Öffentlichkeit, da man, wenn man nicht gerade über diesen Kanal Geld verdienen möchte garnicht die Zeit neben den eigent­li­chen Projekten hat, sich um einen öffent­li­chen Auftritt zu kümmern.

    Deswegen finde ich es auch komisch, dass sich alle im Zusammenhang mit »Digitalen Nomaden« auf diese »Reiseblogs« einge­schossen haben. Beim ortsun­ab­hän­gigen Arbeiten geht es ja nicht in erster Linie um Reiseblogs. Und schon gar nicht um Reiseblogs, die als Haupteinnahmequelle betrieben werden. Die Leute die das tun kann man, zumin­dest in Deutschland, an einer Hand abzählen.

    Vielmehr geht es wie bei jedem Selbstständigen darum, ein eigenes Geschäft zu betreiben. Dank der modernen Technik ist dies heutzu­tage, im Gegensatz zu vor 20 Jahren, eben auch ortsun­ab­hängig möglich. Deshalb sind »Digitalen Nomaden« auch mit den selben Nachteilen und Vorteilen konfron­tiert, wie jeder andere Unternehmer auch.

    Dazu zählt einer­seits natür­lich die Selbstbestimmtheit, alle Entscheidungen selbst treffen zu können, die sich um das Unternehmen drehen.Andererseits fällt es dadurch natür­lich schwer »abzuschalten«, mal nicht ans WLAN zu denken und ein paar Tage garnichts zu machen. Aber das ist doch bei jedem Unternehmer oder auch Angestellten in Positionen mit viel Verantwortung dem Unternehmen gegen­über das selbe.

    Ich glaube nicht, dass z.B der BWM Vorstand einfach »abschalten« kann, genauso wenig kann das der selbst­stän­dige Schreiner mit eigener Werkstatt. Mein Onkel hat ein eigenes Restaurant, der kann nie abschalten, weil der Laden ohne ihn halt einfach nicht läuft. Der muss dazu auch immer vor Ort sein.

    Da hat man es mit einem Online Geschäft schon einfa­cher. Webseiten können auch mal ne Woche alleine weiter­laufen, ohne dass man was tun muss. Mann kann auch einfach mal nen Monat keine Aufträge annehmen etc.

    Klar ist es für einen »Angestellten« leichter, der nimmt sich 14 Tage frei und inter­es­siert sich auch nicht dafür, wie das Unternehemn in dieser Zeit läuft, klar, das ist ja auch nicht seine Aufgabe.

    Aber als Selbstständiger hat man eben »sein eigenes Baby« und darum möchte man sich eben am liebsten jeden Tag kümmern.

    Ich mag es momentan jedes Jahr in einem anderen Land zu verbringen, viel von der Welt zu sehen, Kontakt zu fremden Kulturen und Personen zu suchen. Das ortsun­ab­hän­gige Arbeiten ermög­licht dies eben, aber genauso schließt es ja nicht aus, dass ich in 10 Jahren in einer Doppelhaushälfte in Deutschland mit Frau, zwei Kindern und nem Hund lebe und auch glück­lich bin.

    Digitalen Nomaden, die den Weg in die Öffentlichkeit gehen, um den Lifestyle zu verkaufen, müssen natür­lich haupt­säch­lich die positiven Punkte anpreisen.

    Der Metzger erzählt dir auch nichts von der brutalen Schlachtung von Jungtieren, wenn du Kalbsschnitzel kaufst. Auch der Verkäufer im Elektromarkt sagt dir nicht, dass dein Telefon von chine­si­schen Zwangsarbeitern unter miesera­belsten Umständen herge­stellt wurde.

    Die Leute wollen über ihren Blog verkaufen und das ist ihr gutes Recht.

    Und natür­lich müssen Sie das spannende »um die Welt reisen«, »raus aus Deutschland ab ins Abenteuer« Gefühl verkaufen, denn Doppelhaushälfte mit Familie und Hund, diese Sehnsüchte anzuspre­chen, ist ja bereits von sämtli­chen Konzernen und Parteien in Deutschland besetzt.

    Zudem, man glaubt doch auch nicht alles was in der Zeitung steht. Und vorallem im Interent, wo (zum Glück) jeder das schreiben und vermarkten kann, was er möchte, da sollte man einfach vorraus­setzen, dass Leser mit entspre­chendem gesunden Menschenverstand die Artikel hinter­fragen und nicht alles für bare Münze nehmen, was auf irgend­wel­chen Blogs geschrieben wird. Ich denke nicht, dass sich irgendwer dadurch verleitet fühlt gleich Familie und Besitz aufzu­geben und abzuhauen.

    Leben und leben lassen, jeder geht seinen eigenen Weg, denn jeder ist für sein Leben selbst verant­wort­lich.

  16. Avatar von Bettina F.

    Sehr schöner Artikel. Mich nervt das missio­na­ri­sche auch. Als wäre es der einzigste Weg wirklich glück­lich zu werden. Für mich wäre das digitale Nomadentum nichts. Ich könnte nicht ständig von einem Ort in den nächsten ziehen. Wenn es für andere klappt, ist das natür­lich super, aber für mich (und sicher­lich viele andere) liegen die Vorteile vom ortsun­ab­hän­gigen arbeiten ganz wo anders.

    Ich selbst wohne seit einigen Jahren im Ausland (schon allein deswegen weiß ich, dass im Ausland sein nicht immer toll ist) und bin seit einiger Zeit Selbstständig im Netz. Für mich ist das eine tolle Sache: Ich bin nun nicht nur finan­ziel unabhängig, sondern auch ortsun­ab­hängig. Ich bin nicht an die Urlaubstage eines Arbeitsgeber gebunden und kann bei Heimweh einfach für längere Zeit nach Deutschland zurück. Im Angestelltenverhältnis ginge das nicht – da bekäme ich vielleicht 10 Urlaubstage pro Jahr (!!).

    Super ist ortsun­ab­hän­giges Arbeiten auch, wenn man Familie und Beruf nicht vonein­ander trennen will. Ich habe keine Kinder, aber wenn, kann ich meinen Beruf trotz Kindern weiter­führen. Vielleicht nicht ganz im gleichen Außmaß, aber aus dem Berufsleben ausscheiden muss ich nicht.

    Für mich sind das die wichtigsten Vorteile.

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Danke, Bettina, für deine Sichtweise!

  17. Avatar von Monika

    Schön geschrieben, vor allem, weil beide Seiten beleuchtet werden. Alles hat eben seine zwei Seiten und ich denke die Aufgabe jedes Einzelnen ist es eben heraus­zu­finden, auf welcher dieser Seiten er gerade stehen möchte und die »Opportunitätskosten« dafür zu zahlen. Und das Gute daran ist, dass man im Laufe seines Lebens immer wieder alles überdenken und umstruk­tu­rieren kann (… und sollte) LG Monika

  18. Avatar von Mandy // Movin'n'Groovin

    Ich bin eben durch Zufall auf deinen Beitrag gestoßen (bei der Suche nach dem Link zur Digitalen Nomaden Konferenz in Berlin ;). Ich bin recht frisch in dem Thema und denke darüber nach, irgend­wann mal mehr oder weniger dauer­haft zu reisen und bin seit ein paar Wochen dabei mich darüber zu infor­mieren… und deinen Eindruck kann ich nur bestä­tigen! Ratgeber und eBooks zum Thema sind sicher­lich ein stück­weit inter­es­sant, aber das Wichtigste – die eigene Einstellung und das »sich drauf einlassen« und Ausprobieren, ist m.E. viel wichtiger als ein perfekt durch­dachter Plan. »Nomade« finde ich auch irgendwie viel zu aufge­blasen. Aber was weiß ich schon, bin ja neu hier. 😉

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Hi Mandy,
      dauer­haft reisen und Geld verdienen ist ne tolle Sache, bestimmt… Aber ob das Geld verdienen mit einem guten »Reise»blog vereinbar ist, da habe ich meine Zweifel!
      Ich glaube dass da momentan ein kleiner Goldrausch statt­findet, und unter Umständen nur die verdienen, die die Pfannen verkaufen.
      Aber das ist ja kein Grund aufs Reisen und Schreiben zu verzichten 🙂 Viel Spaß dabei!

  19. Avatar von Simon

    Vielen Dank für den erfri­schenden Artikel.

    Leider geben die Leserzahlen den »Digitalen Nomaden« recht.
    Man sagt »Die einzigen Blogs, mit denen Geld verdient wird, sind dieje­nigen, welche übers Geld verdienen schreiben«. So scheint es auch in der Reisebloggerszene zu sein.

    Es ist nunmal so, dass die erfolg­rei­chen (Backpacker-)Blogs in erster Linie damit angeben, frei zu sein. Die Leser inter­es­siert das offenbar. Wenn es den Bloggern zusätz­lich gelingt, sich selbst als das einzig Wahre darzu­stellen, sind viel Leser hörig. Das ist schlicht nicht abzustreiten – die Zahlen geben ihnen recht.

    Es ist daher schwer, nicht im selben Strom mit zu schwimmen, als neues oder kleines Reiseblog, welches gelesen werden will.

    Liebe Grüsse aus Mexiko.
    Simon

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Hi Simon,
      was einen Reiseblog definiert, ist ja sehr offen. Ich persön­lich sehe das aber recht eng: Ein Blog, der über das Geldverdienen schreibt, ist für mich ein Ratgeber-Blog. Ein Reiseblog erzählt vom Reisen. Und: ja, mit Geschichten Geld zu verdienen ist schwer bis unmög­lich. Aber muss das denn überhaupt sein?
      Liebe Grüße!

  20. Avatar von Bianca Savcenco

    Hi Johannes. Mir gefällt, wie diffe­ren­ziert du schreibst. Und ich stimme dir in allem zu. Vor allem im Punkt Heimat. Und dass, obwohl ich als »echte Nomadin«, die über Jahre in einem Land lebt und mit Familie von Posten zu Posten zieht, ein vermeint­lich beque­meres Leben habe. Aber die Sehnsucht nach den alten Freunden und Bindungen zerreißt mich jedes Mal, wenn ich ein Land verlasse, und sie lässt sich auch nicht beschö­nigen!

    1. Avatar von Bianca Savcenco

      …und wenn du im nächsten halben Jahr nach Marokko kommst, kannst du gerne bei uns in Rabat vorbei­schauen

    2. Avatar von Johannes Klaus

      Hi Bianca, das finde ich sehr spannend! Ich glaube du kannst sehr viel bedeu­tender über ein nomadi­sches Leben erzählen…

  21. Avatar von Janas Reisefieber

    Danke für deinen inter­es­santen Beitrag. Ich habe die vielen Kommentare gelesen und finde, dass jeder selbst entscheiden sollte, welchen Lebensweg er derzeit für richtig hält. Einen macht es eben glück­lich, monate­lang mit wenig Geld und einem Rucksack durch die Welt zu ziehen und von überall zu arbeiten. Ein anderer arbeitet lieber von seiner Homebase aus, verbringt seine Freizeit mit seiner Familie und seinen Freunden und fährt jedes Jahr für nur 3 Wochen in den Urlaub, lässt es dann aber so richtig krachen.

    Hut ab, für den Mut vieler Reisenden, einfach den Koffer zu packen und um die Welt zu reisen. Die Möglichkeit beim Reisen zu arbeiten, auch wenn dies die Reiseerlebnisse schmä­lert, finde ich super, denn so kommt Geld in die klamme Reisekasse und die Reise wird länger und vielleicht auch aufre­gender.

    Ich wähle zur Zeit den goldenen Mittelweg. Ich habe eine gemüt­liche Homebase, einen liebe­vollen Ehemann, einen festen Job und tolle Freunde. Allerdings packt mich in unregel­mä­ßigen Abständen das Reisefieber und ich steige ins nächste Flugzeug – am liebsten mit meinem Ehemann, denn ohne ihn ist das Reisen nur halb so schön.

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Absolut, Jana, keine Frage! Aber ich finde, das man trotzdem sich Gedanken über manche Entwicklungen machen muss – alles hat ja auch eine Außenwirkung. Und die vermit­telt manchmal ein unaus­ge­wo­genes Bild eines Lebensstils. Darum ging es in meinem Artikel.

  22. Avatar von Christian Roth
    Christian Roth

    Hat meine Recherche zum Thema ›Digitales Nomadentum‹ sehr berei­chert. Mich nerven diese Heilsversprechen ungemein, ich lese aus den meisten Blogs folgendes heraus:
    * Ich will auch Tim Ferris sein.
    * Jeder muss mein eBook kaufen bzw. seine Email-Adresse eintragen damit ich ihn nerven kann.
    * Wie mache ich es, dass jeder meine Amazon-Links anklickt?
    * Alles ist so ›EASY‹.
    * Wie verdiene ich Euro und kann die dann in einem Entwicklungsland ausgeben.
    * Jeder ist Social-Media-Experte.
    Ich suche den richtigen Weg, aber Recherchen im Netz sind dazu schwierig.

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Hi Christian,
      du triffst ein paar Punkte ganz gut, wie ich finde… 🙂

  23. Avatar von Caroline

    Wenn ich mit Menschen mit Doppelhaushälften und festen Jobs rede, spüre ich auch von ihrer Seite missio­na­ri­schen Eifer. Begegne nur ich so vielen Menschen, die mir raten, irgend­wann »richtige Arbeit« zu suchen, so vielen Rechtschaffenden, die mich auf meine »Realitätsflucht« hinweisen?Vielleicht ist das, was hier als Missionieren empfunden wird, eher eine Rechtfertigung ihnen gegen­über? Die Doppelhausmenschen sind doch gesell­schaft­lich viel eher anerkannt, vielleicht wird nur das Bild gerade gerückt, das so lange schief hing.

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Interessanter Punkt! Da gibt es sicher sehr festge­fah­rene Vorstellungen, und dementspre­chende Ansprüche an viele, die nicht danach leben. Ich weiß aber nicht, ob ein ähnli­ches Verhalten, nur im anderen Extrem, die Lösung ist… Mich überzeugt es nicht – nach wie vor meine ich nicht den Lebensstil, sondern die Art und Weise der Verkündung.

  24. Avatar von Claudia

    Schöner Beitrag! Ich schließe mich mal Guido weiter unten an. Mit Anfang 20 war ich mir auch sicher, dass ich niemals Kinder haben, für immer ungebunden durchs Leben ziehen und eine eigene Familie niemals auf meiner Wunschliste stehen würde. Als Freelancer brauchte ich auch »damals« schon nur meinen Laptop zum Arbeiten und konnte ihn theore­tisch aufklappen, wo ich wollte. Nur nannte man das in der Zeit noch Freiberufler und nicht Nomade 😉 Auch heute arbeite ich noch remote, manchmal im Ausland, manchmal im Coffeeshop und gerne auch am heimi­schen Küchentisch. Den habe ich, mit zwei Kids, nach denen dann doch irgend­wann der Wunsch aufkam, durchaus schätzen gelernt, da sich wechselnde WG-Zimmer nur bedingt als Unterkunft für den Nachwuchs eignen. Auf Reisen sind wir immer noch viel – das geht auch mit Kiddies im Gepäck. Und ist außerdem richtig spannend, weil es einem ganz neue Blickwinkel eröffnet. Insofern lese ich mit meinem »alters­weisen« 😉 36 Jahren die Berichte der »digitalen Nomaden« immer mit einem fröhli­chen und leicht nostal­gi­schen Schmuzeln. Viel wichtiger, als einen Lebensstil irgendwie zu benennen, ist es doch ihn zu genießen und dabei offen dafür zu bleiben, dass sich das Leben in 10 Jahren vielleicht ganz anders – aber auch gut – anfühlt.

    1. Avatar von Johannes Klaus

      »Viel wichtiger, als einen Lebensstil irgendwie zu benennen, ist es doch ihn zu genießen und dabei offen dafür zu bleiben, dass sich das Leben in 10 Jahren vielleicht ganz anders – aber auch gut – anfühlt.«
      Das finde ich eine großar­tige Einstellung. Danke, Claudia!

  25. Avatar von Desiree

    Dein Text spricht mir aus der Seele!

    Immer wenn ich auf bestimmte Reiseblogs stoße, frage ich mich, ob ich ein digitaler Nomade werden muss, nur um Bloggen zu dürfen oder mit meinem Leben zufrieden zu sein. Ich meine, was spricht dagegen, sein Leben Zuhause zu leben (das muss jetzt nicht Deutschland sein, Auswandern ist erlaubt) – mit dem ganz normalen Alltag?! Natürlich ist Reisen schön. Aber inwie­weit reise ich überhaupt noch entspannt, wenn ich eigent­lich nebenbei einen Job zu machen habe?

    Ich jeden­falls bin seit zwei Monaten unter­wegs und freue mich schon jetzt ab und zu auf »Zuhause«: meine Familie, meine Freunde. meine Stadt, …
    Und ganz ehrlich: ich hoffe, dass ich einen Beruf ergriffen habe, den ich noch lange mag. Da macht es mit dann auch nichts aus nur einige Wochen im Jahr auf Reisen zu sein. Vielleicht ist das ja das wahre Problem der digitalen Nomaden: Sie haben sich selbst nicht gefunden und ihr propa­giertes Leben ist eigent­lich nur eine Flucht … Mehr nicht.

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Hallo Desiree, großartig, wenn man einen Job hat, der wirklich Freude macht! Ist aber sicher­lich schwer, so etwas zu verall­ge­mei­nern, mancher ist vielleicht zufrieden mit völlig anderen Dingen.
      Am Ende geht es vor allem um die Kommunikation, finde ich. Begeisterung ist natür­lich toll – wenn aber die Begeisterung zum Geschäft wird, wird es komisch.

  26. Avatar von Oli

    Eine kriti­sche Auseinandersetzung mit dem Thema digitaler Nomadismus gibt es leider tatsäch­lich nur sehr selten. Dabei verdeckt diese ganze Romantisierung eines »neuen« Lebensstils, dass dieser Lebensentwurf auch ein paar ganz prakti­sche Probleme mit sich bringt.

    Ich war auch eine Weile digitaler Nomade – aller­dings zu einer Zeit, als dieser Begriff noch nicht so gebräuch­lich war. Meine Erfahrungen dazu findest du hier: http://www.goo.gl/6LleaB

    Ich habe das wohl nicht beson­ders klug einge­fä­delt. aber bei mir war die Bilanz am Ende eher so, dass ich mir unter­wegs für sehr wenig Geld den Urlaub ruiniert habe. Denn wenn du Termine einhalten musst, dann ist das gerade in Ländern wie Indien (wo ich damals war) eine grosse Qual. Mit einem besseren Konzept und vernünf­ti­geren Einnahmen würde ich es aller­dings wohl wieder machen.

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Hi Oli, du beschreibst inter­es­sante Aspekte zum Thema!

  27. Avatar von Robin von Weltreisejunkies.de

    Sehr schöner Artikel, der zum Nachdenken anregt.

    Hier meine Gedanken:

    Die Bezeichnung Digitaler Nomade mag unprä­zise sein, aber daran sollte man sich nicht aufhängen. Wie Tim schon geschrieben hat, geht es um die Möglichkeiten, die ein ortsun­ab­hän­giges Arbeiten mit sich bringt – fokus­siert auf das Thema Reisen. Denn – und das ist Fakt – das ortsun­ab­hän­gige Arbeiten ermög­licht es tatsäch­lich während einer Reise Geld zu verdienen und kann damit für manche die Lösung sein, ohne die sie vielleicht garnicht auf Reisen gegangen wären. Das alleine ist bemer­kens­wert und wäre vor – sagen wir mal 15 Jahren – in der Form nicht möglich gewesen. Dass eine solche Reise dann anders ablaufen muss, als eine, auf die man vorher gespart hat, und nicht auf Einnahmen angewiesen ist, liegt auf der Hand. Von »Urlaub« würde ich hier nicht sprechen. Eine mehrmo­na­tige Reise bezeichne ich aller­dings auch nicht als Urlaub.

    Das Digitale Nomadentum ist ein (Reise-)Konzept, das seine Berechtigung hat. Es hat Vor- und Nachteile. Jeder muss selbst entscheiden, ob es das Richtige für ihn ist. Dafür wären etwas diffe­ren­zierte Artikel in der Tat hilfreich.

    Bei den Themen »Wegsein« und »Heimat« möchte ich die kölsche Redensart zitieren »Jeder Jeck ist anders«. Soll heißen: Dem Einen sind langjäh­rige Freunde und die Familie sehr wichtig, der Andere findet seine Erfüllung eher in den losen und unver­bind­li­chen Bekanntschaften auf Reisen. Auch hier muss jeder wissen, was für ihn richtig ist. Wer das nicht weiß, kann das auf Reisen versi­chen heraus­finden.

    In diesem Sinne: Gute Reise euch allen!

    1. Avatar von Florian Blümm

      »Jeder Jeck ist anders«
      Genau darum geht es. Wenn Du glaubst das Leben als digitaler Nomade ist nichts für Dich, dann liegt das daran dass es nichts für Dich ist.

      Warum das Leben als digitaler Nomade Nichts für Dich ist
      http://www.flocutus.de/warum-digitale-nomadentum-nichts-fuer-dich-istwhy-the-life-of-a-digital-nomad-is-not-for-you/

    2. Avatar von Johannes Klaus

      Hi Robin, bei den Punkten zu Wegsein und Heimat gebe ich dir Recht, für jeden sind unter­schied­liche Dinge wichtig, in unter­schied­li­chen Phasen. Was das Wort Nomade angeht, bin ich etwas anderer Meinung: Ich finde schon wichtig, welche Begriffe man verwendet. Aber das ist vielleicht eine persön­liche Sache…
      Gute Reisen auch dir!

    3. Avatar von Johannes Klaus

      Hey Florian,
      ich sehe viele Punkte, die du in deinem Artikel beschreibst, anders, aber das werde ich fairer­weise auf deiner Seite kommen­tieren 🙂

  28. Avatar von Michael
    Michael

    Danke für diesen Artikel, für den es mehr als Zeit wurde.

    Die ›Digitale Nomaden Bewegung‹ ist für mich die bisher perver­sesten Formen unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft was insofern ironisch ist, da digitale Nomaden in ihren Blogs ja gerade einen auf Konsumverweigerer/​Fight Club Nullpunkter etc machen. Aber das ist natür­lich eine Selbstlüge – denn hier geht es ja darum, nur noch mehr konsu­mieren zu können, indem man in EUR verdient und z.B. Baht ausgibt – anders herum wird es ja kaum funktio­nieren – und man kann sich somit um sein Geld noch mehr kaufen. Billigflüge machen Ferneisen zum Massenprodukt, das man sich jeder­zeit leisten kann – allzu leicht vergisst man dabei, wie viel Kerosin dabei verbraucht wird, eine Maschine in die Luft zu bewegen – Kerosin das mühevoll aus der Erde gepumpt wurde und in etwa nur noch dieser und ein paar weiteren Generationen zur Verfügung stehen wird.

    Weggeworfen wird das eigene Land/​die Heimat und alles was dort an sozialen Errungenschaften aufge­baut wurden – es tut mir auch weh, wenn ich meine Steuerabrechnung sehe, aber, wenn ich die sozialen Standards in den angeprie­senen, fernen Ländern ansehe, weiss ich, warum ich so hohe Abgaben zahlen muss.

    Sollte das digitale Nomandentum zum Massenphänomen werden – was nat. sehr unwahr­schein­lich ist, würde das wohl keine Volkswirtschaft verkraften. Sagt auch einiges über dieses egois­ti­sche Lebenskonzept aus.

    Last but not least denke ich mir auch, dass sich digitale Nomaden ja genau das, was sie ja an den fernen Ländern suchen durch ihr Verhalten selbst zerstören. Sie bringen die gestresste iphone Gesellschaft an den weissen Strand in einem Paradis.. Jeder glotzt nur noch in sein Device – zwischen­mensch­liche Vergletscherung, da alles digital ist.

    http://imgur.com/lDpRGSN

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Hey Michael, finde ich eine spannende Sichtweise!

  29. Avatar von Steve

    Hey Johannes,

    ich finde gute das sich mal jemand mit dem Thema kritisch ausein­an­der­setzt. Jedoch gibt es für mich hier kein richtig oder falsch, nur: verschie­dene Lebensentwürfe.
    Den »richtigen« und »einzigen« Lebensstil gibt es nicht – nur den der einen persön­lich glück­lich macht. Ich rate jedem es einfach selbst auszu­pro­bieren und sich auf diesem Experiment desöf­teren kritisch zu hinter­fragen.

    Ich habe zuletzt 7 Monate nomadisch in Südamerika verbracht und fand es die ersten 5 Monate großartig, danach hat sich so langsam eine gewisse Reisemüdigkeit einge­schli­chen. Hierdurch hat auch die qualität meiner Arbeit als Videographer gelitten. Daher habe ich mich dazu entschieden eine feste Heimat oder Basis zu haben und damit verbunden auch ein feste Büro. Dies heißt jedoch nicht das ich meinen Job aufgebe – ich gehe es nunmehr in Etappen an, als Teilzeitnomade sozusagen.
    Das macht mich glück­lich und wenn ich mag bin ich für 2–3 Monate woanders, mit dem Wissen um einen Ankerpunkt.

    Dies ist kein Wettbewerb und es geht auch nicht darum seinen Freunden etwas »viel besseres« vorzu­leben, sei es nun als Nomade, Teilzeitreisender oder Beamter.

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Stimme zu, Steve!

  30. Avatar von Jenny

    Danke für diesen verbalen »Ausbruch« 🙂
    Ich möchte den vielen inter­es­santen Gedanken noch hinzu­fügen: Meiner Meinung (und Erfahrung) nach kann man nicht wirklich gleich­zeitig reisen und arbeiten. Ich meine, doch, klar, das geht: Als freie Lektorin ist es mir prinzi­piell egal, wo ich meinen Laptop hinstelle. Und da ich meine Familie auf Reisen immer dabei habe, fallen Heimweh und soziale Isolierung auch weg.
    Aber wenn ich daran denke, wie oft ich schon verzwei­felt auf der Suche nach Wifi war, weil ich dringend Deadlines einhalten musste, oder wie viele Ausflüge mit meiner Familie ich verpasst habe, weil ich in der Zeit eben arbeiten musste (und da war es kaum ein Trost, dass ich beim Tippen nicht am Schreibtisch, sondern auf meiner Isomatte im feucht­kalten Zelt saß), dann kann ich mir so ein Leben nicht wirklich dauer­haft und prakti­kabel vorstellen. Das ist für mich einfach kein »Reisen«.
    Vielleicht ist das auch ein Grund, warum die meisten (nicht alle, Guido! Ich kenne einige amerikanische/​englische Familienreiseblogs) »digitalen Nomaden« kinderlos und jung sind: Sie preisen eine Phase ihres Lebens als DEN Lebensentwurf, weil sie einfach noch nicht reali­siert haben, dass das langfristig gar nicht soo sehr fetzt. Na, werden sie schon noch merken – und bis dahin lese ich einfach andere Blogs 😉

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Hi Jenny, zum Glück gibt es ja jede Menge Auswahl 😀

    2. Avatar von Tim

      Ich muss einfach mal meinen Senf zu der Wifi-Thematik und den Familienausflügen abgeben: Das ist eine ganz andere Form des Reisens. Wer sich z.B. 4 Wochen oder auch 4 Monate an einem Ort aufhält, bevor er weiter­zieht, der wird keine Probleme mit Wifi und Familienausflügen haben. Wer zudem in der »Community« gut vernetzt ist, der hat auch NULL Probleme, gutes Wifi zu finden. Ein Post oder eine Mail in der richtigen Gruppe, und du weißt, wo du am besten arbeiten kannst. Arbeiten und reisen geht wunderbar, man muss es nur profes­sio­nell angehen, und dabei das Arbeiten als Priorität 1 sehen und das Reisen erst als Priorität 2, und nicht umgekehrt.

  31. Avatar von Elisabeth

    Danke. Du sprichst mir aus dem Herzen. Eine stink­nor­male Reisende 😉

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Stinknormal!? Sowas gibt’s doch gar nicht 😉

  32. Avatar von Tim S.

    In 2 Punkten können die Meinungen SEHR weit ausein­ander gehen, finde ich:

    1. »Nomade« und »Heimat« kann jeder definieren und benutzen wie er lustig ist.

    Warum?

    Weil wir FREI sind. Leider ist es gerade »typisch deutsch«, sich darüber aufzu­regen, wenn bestimmte Begriffe anders verwendet werden, als man es gerne hätte.

    2. Es gibt tatsäch­lich Menschen, die KEINE feste Heimat brauchen. Ja, es gibt sogar Menschen, die KEINE Freunde oder Familie ständig vor Ort brauchen.

    Wenn Menschen dieser Art glück­lich genug mit sich ganz allein sind, dann können sie das doch auch als »DEN Lifestyle« anpreisen, oder nicht?

    Ich finde für meinen Teil viel wichtiger, dass durch die ganzen »Digitalen Nomaden« es auch hier in Deutschland immer mehr in die Öffentlichkeit rutscht, DASS man im Internet sein Geld verdienen kann.

    Statt dämli­chen Diskussionen über Grundeinkommen sollte man eher spezi­elle Gründungszuschüsse für Internet-Gründer in Betracht ziehen.

    Warum?

    Weil im Internet die Zukunft unserer gesamten Generation liegt. Wer sich heute noch 5–7 Jahre via Studium auf einen festge­legten Beruf vorbe­reitet, wird in wenigen Jahren einen MORDSSCHRECK erleben.

    Denn in den kommenden 10 Jahren vergeht der Fortschritt so schnell wie in den vergan­genen 100(!) Jahren insge­samt.

    Da können KEIN Studium, KEINE Ausbildung und KAUM Angestellten-Eltern darauf vorbe­reiten. Denn sie alle kennen nichts anderes als »sicheren Job suchen«.

    Mehr dazu findet ihr ab und zu auf meinem Blog – bald auch in Videoform.

    Wer Englisch kann, sollte DRINGEND nach »Ray Kurzweil – Singularity« bei Youtube suchen.

    Bis bald,

    MfG

    Greatim

    1. Avatar von Guido
      Guido

      Gründungsszuschüsse für Internet-Gründer statt Grundeinkommen? Sicherer Job? Studium sinnlos? Sorry, aber Du bist nicht visionär, sondern kilome­ter­weit von den Realitäten in dieser Welt entfernt. Wenn ich den Text auf Deiner hier verlinkten Website lese: Ich könnte nicht mehr in den Spiegel schauen, wenn ich so etwas abson­dern würde. Da bin ich doppelt froh, nicht den »Mobilen Internet-Lifestyle« zu leben und meine Großmutter und Kinder mit Schnellballsystemen zum Bloggen bringen zu müssen.

    2. Avatar von Johannes Klaus

      Puh, Tim, da hab ich jetzt auch Probleme, das alles zu glauben.

    3. Avatar von Reinsch
      Reinsch

      Wir brauchen also noch mehr Leute die ihr Geld verdienen indem sie einen Blog schreiben in dem sie erzählen wie sie ihr Geld verdienen indem sie diesen Blog schreiben… ähm…

  33. Avatar von Siola

    Zu grossen Teilen kann ich deine Punkte ganz gut nachvoll­ziehen. Und: über das Kleingedruckte und die Kehrseite des Reisens zu berichten, hat noch keinem Blog geschadet. Im Gegenteil. Bei mir fand sowas oft sogar mehr Leser.
    Dem Begriff »digitaler Nomade« würde ich jedoch keines­falls dermassen viel Aufmerksamkeit widmen. Denn meiner Ansicht nach entbehrt er jeder Logik. Überleben wird diese Worthülse also ohnehin nicht. Derzeit hilft sie aller­dings Phrasendrescher von passio­nierten Reisenden zu unter­scheiden, was ein Gutes hat.
    Ich bin mir nur nicht sicher, wie sinnvoll es ist, das Glücksrad der überhö­henden Worte noch weiter zu drehen und in diesem Kontext von Heilsbringern und Religion zu schreiben und das zu kriti­sieren. Die breite Masse an Reiseblogs und der Berichterstattung liefert ledig­lich manchmal leiden­schaft­liche manchmal trockende Einblicke in den Alltag einer Langzeitreise. Nicht mehr und nicht weniger. Diejenigen, die sich dorthin verirren, haben meist auch eine Schwäche fürs Reisen und fühlen sich unter­halten oder gar infor­miert. Aber von keinem der Blogs, die ich je gelesen habe, habe ich mich genötigt gefühlt zu reisen. Menschen mit einer gut entwi­ckelten Meinung lassen sich davon nicht beein­dru­cken. Es ist wohl noch keiner gereist weil es ihm ein Blog schön­ge­redet hat. Und es hat sich wohl noch keiner mit seiner hart erarbei­teten Doppelhaushälfte, seinem Auto in der Garage und seinem jährli­chen 14-Pauschalurlaub mit Reise-Lobhudelei-Berichten herab­ge­setzt gefühlt, weil ein paar Medien das Reisen zum Nonplusultra für Jedermann glori­fi­zieren. Reisen bleibt Reisen. Nicht mehr und nicht weniger.
    Und dieje­nigen die derzeit durch­drehen vor lauter ultima­tiven Reisetipps werden schon noch merken, dass damit bereits mittel­fristig kein Stück vom Kuchen abzukriegen ist.

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Hi Siola!

      Das hier… »Und es hat sich wohl noch keiner mit seiner hart erarbei­teten Doppelhaushälfte, seinem Auto in der Garage und seinem jährli­chen 14-Pauschalurlaub mit Reise-Lobhudelei-Berichten herab­ge­setzt gefühlt, weil ein paar Medien das Reisen zum Nonplusultra für Jedermann glori­fi­zieren.« … sehe ich anders.

      Ich habe deutlich das Gefühl, dass da medien­über­grei­fend Druck aufge­baut wird, bei dem der klassi­sche Arbeitnehmer ein ziemlich schlechtes Gefühl bekommen kann. Was unfair ist.

  34. Avatar von Tim

    Ein insge­samt schöner Artikel, dem ich aber in diversen Punkten wider­spre­chen möchte.

    Wie man es doch am Ende nennt, ist zweit­rangig. Dass die Bezeichnung »Nomade« etwas unpas­send ist, da muss ich in der Tat zustimmen.

    Das »ortsun­ab­hän­gige Arbeiten« sollte in den Fokus gerückt werden. Auch ich habe meinen festen Wohnsitz, einen Partner (der eher selten mitreist) und bin auch »nur« 3–5 Monate im Jahr unter­wegs. Sich dabei Nomade zu nennen, passt weniger. Aber irgendwer hat sich diesen Namen irgend­wann mal ausge­dacht.

    Die Brillianz dieses Lebensstils (wenn man ihn überhaupt als solchen bezeichnen kann) liegt meiner Meinung eben darin, seine Arbeit von überall ausführen zu können. Das schliesst auch all die Leute ein, die täglich im St. Oberholz in Berlin sitzen und ihre Arbeit bei Latte Macchiatto erledigen, genauso wie solche, die zuhause arbeiten während sie auf ihre Kinder aufpassen.

    Man hat einfach so viele Möglichkeiten der Selbstbestimmung. Das Reisen ist nur ein Aspekt davon. Jemand, dessen grösstes Hobby aber das Reisen ist (und dazu zähle ich mich auch) muss sich diese Möglichkeit einfach zu nutze machen.

    Wie auch schon Patrick vor mir schrieb, das Thema zieht! Und daher muss man es auch in gewisser Weise den Lesern ›verkaufen‹, ohne jedoch dabei Dinge zu behaupten, die nicht stimmen. Wer aber sein Auto verkaufen will, zählt auch nicht als erstes die Beschädigungen an der Karosserie auf.

    Die Kritik an zu wenig Selbstkritik und Reflektion in Bezug auf das Thema ist berech­tigt. Ich nehme sie an und verspreche als einer der ›digitalen Nomaden Blogger‹ auch einmal mehr die negativen Seiten zu durch­leuchten.

    1. Avatar von Marco

      Ich kann mich zu 100% mit Tim’s Aussagen identi­fi­zieren!
      Wie etwas benannt wird oder in welcher Form man das Ortsunabhängige Arbeiten für sich nutz ist doch indivi­duell!
      Warum muss so etwas überhaubt bewertet werden?
      Aber ich finde auf jeden­fall auch, dass man auch mal über die »unange­neh­meren« Themen schreiben kann/​soll. Werd ich mir auf jeden­fall zu Herzen nehmen.

    2. Avatar von Johannes Klaus

      Hi ihr beiden, in einem Punkt möchte ich leise wider­spre­chen: Ich finde es nicht unerheb­lich, wie man etwas nennt. Dafür gibt es ja Worte, dass sie Sinn ergeben. Gerade für jemanden, der mit Worten arbeitet, sollte es nicht reichen zu sagen: Das ist halt so. Wenn es keinen Sinn ergibt, muss man sich was neues ausdenken 🙂

  35. Avatar von Guido
    Guido

    Was immer wieder auffällt: Gefühlte 90 Prozent der »Digital-Nomaden« sind jung, Single, kinderlos. Weitere 10% sind junge, kinder­lose Paare. Kinder kommen bei Digital-Nomaden in der Regel nicht vor. Wäre das digitale Nomadentum tatsäch­lich der einzig wahre Lebensweise und mehr als eine kurze Episode im eigenen Leben, dann würde sich unsere Spezies anschei­nend ausrotten.

    Diese Erde hat unglaub­lich viele unfassbar schöne Ecken (und eben so viele brutal hässliche Ecken). Viel davon zu sehen, berei­chert das eigene Leben ungemein und erwei­tert den eigenen Horizont. Ich werde immer ein Freund des Reisens sein und gerade jungen Leuten zum Reisen raten.

    Für richtig halte ich auch ein gewisses Maß an Minimalismus. Wie bekloppt zu arbeiten, um mit dem verdienten Geld dann Statussymbole anzuhäufen, führt sicher auch nicht zu einem reichen, zufrie­denen Leben.

    Ich wollte nie Kinder – u.a. weil ich mir nicht vorstellen konnte, mit kleinen Kindern durch Afrika zu reisen. Wenn andere auf Parties von ihren Kindern erzählten, habe ich mich gezwungen, 3 mal mit ausfge­setztem Lächeln freund­lich mit dem Kopf zu nicken und mich dann genervt und gelang­weilt wegge­dreht. Irgendwann wurden Parties zur Hölle, weil im Umfeld fast alle Kinder hatten und nur noch über Kinder sprachen. Heute mit Kind reise ich immer noch – bald zusätz­lich einge­schränkt vom deutschen Schulkalender. Aber es geht überra­schend viel auch mit Kind. Und es macht Spaß. Ich erlebe vieles aus einer zusätz­li­chen Perspektive. Natürlich wäre es einfältig, das Glück der Erde nun ausschließ­lich an eigenen Kindern festzu­ma­chen. Kinder können unfassbar anstren­gend sein. Aber sie geben eben auch eine Art von Glück und Zufriedenheit, die das Reisen allein einem niemals geben kann. So lange man selbst keine Kinder hat, kann man das nicht beurteilen.

    Die richtige Balance zu finden, aus Reisen, aus Konsum und Besitz, aus einem gewissen Maß an Spießigkeit und ein paar weiteren Punkten, das scheint mir die tatsäch­liche Formel zum Glück zu sein. Wenn man überhaupt mal über solche Themen nachdenkt und nicht blind den geraden aktuellen Trendgurus nachrennt, die das digitale Nomadentum oder etwas anderes zur ultima­tiven Lebensweise erklären, dann ist man schon auf einem ganz guten Weg.

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Hey Guido, ich bin gespannt, wie es mit Kind sein wird (wenn es mal eins gibt) 🙂

  36. Avatar von Patrick

    Schöner Artikel.
    Ich bin ja – als Teil der Nomaden-Fraktion, die keine echten »Nomaden« sind – selbst schon etwas angeödet von dem Thema und der missio­na­ri­sche Eifer ist auch nicht mein Ding.
    Genauso öden mich aber auch Leute an, die jetzt vorher­sagbar energisch zustimmen und meinen, dass das schon längst mal gesagt werden musste!

    Jeder soll sein Ding machen. Digitales Nomadentum muss nicht heißen, dass man seinen Reiseblog prosti­tu­iert, wie hier in den Kommentaren behauptet wird. Das wird genauso gut von einigen Pressereisenden betrieben – von anderen wiederum nicht.
    Tatsache ist, das Thema inter­es­siert viele Leute. Ich habe kürzlich meine Leser gefragt, worüber sie mehr lesen wollen und was sie weniger inter­es­siert. Recht viele können auf Themen zum Nomadentum verzichten. Aber etliche haben viele konkrete Fragen. Und deshalb sind diese Informationen in den Blogs keine SEO-Texte. SEO wird hier völlig überschätzt, da geht gar nichts! Es sind tatsäch­liche Leser, die das wissen wollen. Irgendetwas zieht den Menschen einfach dorthin, wo von Reisen & Arbeiten gespro­chen wird.

    Ich stimme aber zu, dass das überschätzt wird. Ich bezweifle, dass irgend­je­mand glück­lich wird, nur weil er/​sie zum digitalen Nomaden wird.

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Hi Patrick, mein Beitrag ist sich keine ausge­wo­gene Abhandlung über dieses Nomadentum. Und gerade du schreibst tatsäch­lich spannende Artikel über die verschie­denen Seiten, wie hier: http://www.101places.de/schatten-meiner-freiheit und hier: http://www.101places.de/langzeitreisender-vergiss-nicht-wo-du-herkommst
      Ich möchte nicht diesen Lebensstil kriti­sieren, sondern einfach mehr solcher Artikel sehen!

  37. Avatar von Tobias

    Schöne Gedanken zum Thema. Es ist immer eine diffi­zile Balance zwischen »was bringt Traffic und Geld« und »mache ich noch warum ich angefangen habe zu reisen und bloggen?«

    Am Ende sind unsere Blogs so unter­schied­lich wie wir und unsere Lebensstile, laut oder leise, ratge­bend oder erzäh­lend. Gegen Unsicherheit sind 10-Punkte-Pläne manchmal meine Checklist und für’s Herz bin ich oft und gerne bewegt von tollen Geschichten, Begegnungen und Fundstücken (erwähnte ich, dass ich die gerade gesam­melt habe? ;)).

    Danke für deinen Artikel und den Denkanstoß, auf Reisen nicht immer gleich nach dem Wlan zu fragen 🙂

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Hi Tobias, das stimmt, und geht mir bei manchem Blog verloren: Warum habe ich angefangen zu bloggen? Und was ist jetzt meine Motivation?

  38. Avatar von Chris

    100% agree, Danke sehr für diesen Artikel!

    Ich finde es auch toll, wenn jeder Mensch sein persön­li­ches Lebensglück findet. Sei es mit dem besten Partner der Welt zu Hause, mit einem tollen Job im Ausland oder eben mit dem so genannten digitalen Nomadentum. Was aber meiner Meinung nach nicht geht – und da bin ich voll bei dir und bei den anderen Kommentaren – ist das ewige Predigen dieses Lebensstils, sodass man sich schon fast schlecht vorkommen soll, wenn man kein solcher Digitaler Nomade ist. Das nimmt auf einigen Blogs überhand!
    Diesen Begriff kann ich übrigens auch nicht mehr hören. Deswegen hatte ich schon fast Angst, deinen Artikel zu lesen, der ja auch mit dieser Überschrift beginnt. 😉

    Aber, ich gönne es den Freunden der »digitalen Nomaden« (bin selbst zu vielleicht 1/​3 einer) sehr, also bitte keine Neid-Debatte à la »ihr schreibt das doch bloß weil ihr selbst so einen Lebensstil nicht schafft«.

    P.S.: In deinem Artikel gibt es zweimal »4.« 🙂

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Ha, Chris, hab ich korri­giert 😀

      Und ein wichtiger Punkt: Die Kritik auf den Neid des Kritisierenden zu schieben, ist sehr billig…

  39. Avatar von Melanie von dein-bestes-leben.de

    Ich bin in 7 Jahren 13 mal umgezogen und ich muss sagen, dass es Spaß gemacht hat, ich aber immer eine inner­liche Leere in mir hatte. An jedem neuen Ort, hat mein Unterbewusstsein gesagt, dass es ja eh nicht für lange ist. Das Regal braucht also nicht an die Wand, beim Date muss ich keine Gefühle inves­tieren und den Mixer, den ich eigent­lich wirklich wirklich toll finde, kaufe ich mir auch lieber nicht. Jetzt lebe ich seid 2 Jahren in München und fühle das erste Mal im Leben so etwas wie Heimat. Ich reise immer noch, aber ich habe ein Basislager und so fühle ich mich sehr wohl.

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Hey Melanie, das ist wirklich eine Menge 🙂 Schön, dass du einen Platz für dich gefunden hast.

  40. Avatar von Jeremy Kunz

    Einmal mehr sehr gut geschrieben. Wie immer im Leben, gibt es kaum DIE Lösung für die Art zu leben, zu reisen, zu arbeiten usw. jeder muss seinen eigenen Weg finden, den Ihn glück­lich macht. Ob digitaler Nomade oder nicht, das muss jeder für sich entscheiden.

    Zu sagen: Wenn du unter­wegs bist und arbei­test bist du glück­lich, halte ich für übertrieben. Vielleicht ist es ja gar das Gegenteil – unter­wegs zu sein, täglich einige Stunden am Laptop verbringen zu müssen stelle ich mir schreck­lich unlustig vor.

    Ich bin zur Zeit gerade in der Phase, in der ich in drei Monaten zu einer Reise mit »open End« aufbre­chen werde. Auch ich einer von denen, die unter­wegs arbeiten werden. Auch ich einer von denen, die »die Freiheit« nutzen, von überall auf der Welt zu berichten und damit Geld zu verdienen.
    Doch das bringt einige Nachteile mit sich. Nicht nur, das man sein Zuhause auf unbestimmte Zeit verlässt, vielmehr sind es die Freunde, die gemein­samen Momente mit Bier in der Hand am Grill oder das schwimmen im Fluss oder eben, das man auch unter­wegs arbeiten »muss«.

    In meinem Fall geht es mir darum, das ich mich in einer neuen, ungewohnten und für mich heraus­for­dernden Umgebung selbst ein Stück besser kennen­lernen will. Einige Werte vielleicht neu definieren werde und insbe­son­dere mir einfach auch mal viel Zeit für einen Ort nehme. Weit weg von »48 Stunden in.…« viel näher an »48 Tage in…« da wird es unwei­ger­lich so sein, das man Menschen und Orte näher kennen­lernt – selbst wenn man einige Stunden pro Tag arbeitet, geht man irgend­wann mal essen (Das hoffe ich zumin­dest 😉 ). Das »digitale Nomadentum« hilf mir dabei, das diese Reise länger dauern kann als sonst – weil auch während der Reise Geld aufs Konto kommt. Wenn ich daran denke, wie viel Geld meine Eltern sparen mussten, um sich Ihre Backpackerreise nach Asien zu finan­zieren – da sind wir heute in einer gewissen Luxussituation.

    Es hat also viel mehr pragma­ti­sche als roman­ti­sche Gründe, diese Art des Reisens leben zu wollen. Und ich würde meinen, das geht vielen so, welche sich dafür entschieden haben.

    Kann sein, das ich dies in einigen Monaten anders sehe – ich werde an den Kommentar hier denken und Ihn korri­gieren, wenn es nötig sein sollte 😉

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Hi Jeremy! Das Pragmatische, was du beschreibst, das ist ein wichtiger Punkt. Ich hoffe auch, dass du zwischen­durch was zu Essen bekommst 😉
      Ich möchte den Beitrag eigent­lich nicht als Argumenattion gegen diesen Lebensstil verstanden wissen, sondern nur gegen die etwas extreme Verkündigung. Die nicht nur auf Blogs statt­findet, sondern eben auch bei Spiegel Online, etc.
      Dir wünsche ich auf jeden Fall eine fantas­ti­sche Tour!!

  41. Avatar von Jana

    Oh man, du sprichst mir aus der Seele. Ich kann das Wort Digitaler Normade schon nicht mehr ertragen. Klar liebe ich das Reisen, aber ich brauche auch irgend­einen Anker. Bei mir ist der nicht unbedingt an Orte gebunden, sondern eher an Personen. Aber ich kann ja schlecht meine ganze Familie verdon­nern mit mir durch die Welt zu ziehen. Auch wenn ich manchmal ganz gerne alleine reise: auf die Dauer wär das nix für mich. Und ich glaube auch, dass ich das Reisen nicht mehr wertschätzen könnte, wenn es erstmal zu meinem »Alltag« geworden ist…
    Liebe Grüße, Jana

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Hi Jana, stimmt: gut ist, wenn man heraus­ge­funden hat, was man für sich braucht 🙂

  42. Avatar von Maike von Reisetageblog

    Danke für diesen Beitrag, der das wirklich viel roman­ti­sierte »Nomadentum« einmal mit etwas Distanz betrachtet. Mir geht es auch oft auf die Nerven, dass nie die Rede davon ist, dass so ein Lebensstil auch Schattenseiten bzw. einen Preis hat.

    Das »Missionarische« hingegen stört mich gar nicht. Ich freue mich eher, dass die (oft sehr jungen) Blogger, die mit dem Vielreisen gerade erst anfangen und noch völlig enthu­si­as­tisch-verblendet sind, ihr Glück mit anderen teilen wollen und es anderen ermög­li­chen möchten, es ihnen nachzutun, statt eifer­süchtig ihre Tipps zu hüten.

    Du hast sicher Recht, die meisten von denen, die jetzt vom»Nomadentum« schwärmen, werden irgend­wann von selbst merken, dass man für tolle Begegnungen und »Reise«-Erlebnisse manchmal nur einen Schritt vor die Tür tun muss. Vielleicht muss man für diese Erkenntnise auch eine Weile wild herum­ge­reist sein, so war es jeden­falls bei mir. Wenn ich als Reisefreak vor 15 Jahren die Möglichkeiten gehabt hätte, die es heute im digitalen Zeitalter gibt, ich hätte mich wahrschein­lich vor Begeisterung überschlagen und wäre ganz unerträg­lich vor lauter Enthusiasmus gewesen 🙂

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Haha, Maike, da hast du natür­lich auch wieder recht!

  43. Avatar von Gigi

    Ich möchte das unter­schreiben.
    🙂
    So richtig!

    1. Avatar von Johannes Klaus

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      hier unter­zeichnen

  44. Avatar von Katja
    Katja

    Danke für die kriti­sche Auseinandersetzung mit dem Thema. In vielen Blogs liest man ja mittler­weile von nichts anderem mehr (in etwa »Die besten Tipps wie Du beim Reisen Geld verdienst«)… Ich stelle mir immer die Frage, auf wie viele von den Lesern das zutrifft? Wie viele denken darüber nach, alles stehen und liegen zu lassen, Familie und Freunde auf die Seite zu schieben und für eine unbegrenzte Zeit (oder für immer) abzudüsen? Und wie viele machen es dann auch? Mir ist es außerdem etwas suspekt, sich digitaler Nomade zu nennen und den Lebensstil im eigenen Blog stets zu loben, nie jedoch die Schattenseiten zu beleuchten. In diesem Sinne, danke.

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Hi Katja, gerne! Ich möchte nicht über den Lebensstil urteilen (den ich ja in Teilen auch lebe). Nur die missio­na­ri­sche Verkündigung geht mir auf die Nerven.

  45. Avatar von Martin

    Danke – super Artikel! Ausserdem sollte man beim unter­wegs sein auch nie vergessen wirklich zu reisen, manchmal die Fotoausrüstung im Gästehaus zu lassen und einfach nur geniessen tut auch gut, einige Tage ohne Wi-Fi zu verbringen, um das gehts doch irgendwie auch beim reisen…danke für den ehrli­chen Bericht! Lieber Gruss, Martin

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Hey Martin, es fällt mir tatsäch­lich schwer, das Internet auszu­schalten, wenn es da ist. Umso besser ist es, wenn es einfach keines gibt… 🙂 Die Kamera hab ich aber immer dabei…

  46. Avatar von Naninka

    Danke! Wie oft hatte ich bei manchem Blogs schon das gleiche Gefühl… als würde man mich dazu bewegen wollen, dass ich hier alles liegen und stehen lasse. Ja, manchmal ist mir danach, und eine Zeit lang könnte ich das sicher auch genießen. Aber was kommt dann? Nach einem halben Jahr in Hamburg habe ich meine Freunde und Familie so vermisst, das ich drei Monate später zurück nach Nürnberg gezogen bin. Und wenn das nach einem geilen Jahr auf Reisen, das ich mir zum Beispiel in Südostasien problemlos auch leisten könnte, auch so ist? Dann komme ich zurück und muss die Freundschaften neu beleben, mich selbst neu einleben und am wichtigsten: ich würde bei einer Neueinstellung im gleichen Bereich ca 800 Euro pro Monat (!!) weniger verdienen. Sorry, da bleibe ich lieber und inves­tiere die 800 Euro in Reisen!

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Hi Naninka, die Idee beim Digitalen Nomaden ist ja grund­sätz­lich, nicht wieder nach einem Jahr zurück zu kommen. Und das ist sicher nicht für alle das Richtige, genauso wenig wie es ein Jahr Weltreise ist… 🙂

  47. Avatar von Gerhard Zirkel

    Digitale Nomaden sind NICHT frei! Ich weiß, es wird Gebetsmühlenartig wieder­holt, immer und immer wieder. Ich selbst verdiene mein Geld im Web und habe auch einmal davon geträumt mit dem Laptop um die Welt zu ziehen. Mittlerweile nicht mehr.

    1. Du bist primär auf der Suche nach dem Web. Egal wo du hinkommst, die erste Sorge ist, wo finde ich Zugang zum Web. Finde ich keinen, habe ich ein Problem. Das kann je nach Gegend zum überle­bens­wich­tigen Stressproblem werden.

    2. Du verkaufst deine Seele. Um heutzu­tage mit einer reinen Reisewebsite überleben zu können, landest du unwei­ger­lich irgend­wann bei Vermarktungsformen die dir viel Fantasie abfor­dern um abends noch in den Spiegel sehen zu können. Du schreibst dann nämlich sehr schnell nicht mehr worüber du schreiben willst, sondern worüber deine Kunden geschrieben haben wollen und von da ist es bis zur Schleichwerbung und dem Linkverkauf nicht mehr weit. Ende mit Freiheit!

    3. Du kannst nicht abschalten – Niemals! Bist du im Urlaub kannst du machen was du willst. Arbeitest du, geht das eben nicht. Arbeitest du auf Reisen und im Web, arbei­test du immer. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und 52 Wochen im Jahr. Es gibt keine Auszeit mehr, denn die kannst du dir gar nicht leisten und irgend­wann kannst du gar nicht mehr abschalten, selbst wenn das Geld reichen würde.

    Mag sein, dass es ein paar Leute gibt, die einen solchen Lebensstil mögen und wer seine Seite in engli­scher Sprache schreibt und inter­na­tional vermarktet hat sicher mehr Luft als ein rein deutsch­spra­chiger Blog, aber für die meisten Menschen ist so ein Lebensstil einfach nicht geeignet. Ich persön­lich genieße den Luxus, Zuhause einen festen Arbeitsplatz mit einem großen Schreibtisch zu haben, anstatt ständig den Laptop auf den Knien zu balan­cieren. Auf Reisen die Fotos für meine Seiten zu machen, ist schon Stress genug.

    Gerhard

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Hi Gerhard,
      da hat jeder bestimmt unter­schied­liche Schmerzgrenzen… Danke für die Schilderung von deiner!

    2. Avatar von Elke
      Elke

      Danke, dachte schon das lese ich nirgends mehr. Ich sehe berufs­mä­ßiges Reisebloggen auch nicht als Befreiung. Bloß ein mobiles Hamsterrad. Und irgendwie wider­sprüch­lich, diese werbe­fi­nan­zierten Aussteigerstories.

  48. Avatar von Sonya

    Danke für den etwas anderen Blick auf das digitale Nomadentum. Du hast wichtige Punkte angespro­chen über die es lohnt nachzu­denken. Freund, Freunde und Familie zu verlassen ist nicht zu unter­schätzen, auch wenn gute Freundschaften die Distanz problemlos überleben. Selbst Menschen, die einfach nur oft umgezogen sind, merken wie sich Freundschaften ändern, wenn man nicht mehr am gleichen Ort wohnt.

    1. Avatar von Johannes Klaus

      Hallo Sonya, danke für dein Kommentar!

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