Es sind nicht immer nur die großen, fernen Reisen, die nachhaltig in Erinnerung bleiben. Oftmals sind es die kleinen Abenteuer, Micro Adventures, bei denen man zuweilen auch kurzfristig mal die eigene Komfortzone verlässt, die dann aber umso länger ein Grinsen ins Gesicht zaubern. Und es gibt Abenteuer, bei denen es schwer fällt, die Freundin im Vorfeld vom Mitmachen zu überzeugen. Genau um solch ein Micro Adventure im Meraner Land geht es jetzt…

AUFREGUNG

Der Wecker klingelt. Ich liege auf einer 60 cm breiten Holzbank in der Küche der Kuhalm und versuche, mich zu orientieren. Meine Matratze besteht aus diversen Sitzkissen, die tagsüber von erschöpften Touristen vollgeschwitzt wurden. Hilfe, wo ist der Reißverschluss meines Schlafsacks? Was ich hier mache? Ganz einfach: Während meiner gemeinsamen Wanderung mit Katharina am Meraner Höhenweg plagte mich die Vorstellung drei Tage zu wandern und dabei keinen einzigen Gipfel erklommen zu haben. Dem wird heute Nacht ein Ende gesetzt. Ich will zum Sonnenaufgang auf der Mutspitze stehen – Cima Mutta, 2.291 m ü.d.M. – und den neuen Tag begrüßen, so wie damals am Mt. Meru in Tansania.

Wie ich in die Küche der Kuhalm komme? Drei Tage zuvor haben wir Bergbauer Adolf vom Oberhochmuthof kennengelernt. Am Telefon schlug ich ihm gestern Abend den Deal vor, schöne Fotos für seine neue Website zu machen – im Gegenzug würde ich den Schlüssel für die gemütliche Herberge bekommen, um in mein Micro Adventure zu starten. Er sagte bloß »Gut. Einverstanden. Komm vorbei.« Am Nachmittag traf ich dann am Oberhochmuthof ein, knipste was das Zeug hielt und machte mich gut 1,5 Stunden später samt Verpflegung auf den Weg zur Alm, auf den Weg zu meinem persönlichen Abenteuer.

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AUFBRUCH

Die Zähne sind geputzt, der Rucksack ist geschultert, Kamera und Stirnlampe sind am Start – es kann also los gehen. Als ich aus der Hütte trete kann ich mein Glück kaum fassen. Es ist Vollmond und die Sterne funkeln am Himmel. Perfekte Bedingungen für eine kleine Nachtwanderung! Ordnungsgemäß schließe ich das hölzerne Gartentörchen hinter mir zu und stapfe hinaus in die Nacht – einmal quer über die feuchte Almwiese, der Taufenscharte entgegen. Auch die unzähligen Falter, die vorhin noch bei jedem meiner Schritte wie in einer kitschigen Rosamunde Pilcher Schmonzette aufflatterten, scheinen jetzt friedlich zu schlummern. Jetzt muss ich nur noch den großen Stein finden, von dem »die Abkürzung« durch den Wald abgeht…

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VORFREUDE

Yes, das steilste Stück der Etappe – die Taubenscharte hinauf – habe ich relativ gut gemeistert. Wie schon die letzten drei Tage stehe ich auch jetzt wieder in meinem eigenen Saft vor lauter Anstrengung, aber das Gefühl heute etwas Großartiges zu erreichen und die Vorfreude auf den Gipfel lassen alle Qualen verblassen. Ich nuckle an meinem Camelbak, betrachte die Zickzack-Strecke durch die Scharte, die ich bereits zurückgelegt habe, und schaue auf die weit entfernten Lichter von Meran. Ein toller Ort. Die Kuhalm liegt friedlich am Fuße einer Lichtung. Hier oben ist es vor allem eins – still. Selbst die Kuhglocken sind verstummt. Es gibt nur mich und die gewaltigen, stummen Berge. Weiter geht es. Laut Adolf brauche ich von hier noch eine knappe Stunde zum Mutspitz-Gipfel – ich liege also gut in der Zeit.

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ENDSPURT

Das ging schneller als gedacht. Nach anfänglichen Orientierungsproblemen habe ich den Wanderweg 23 doch noch gefunden – nun stehe ich am Gipfelkreuz und weiß gar nicht in welche Richtung ich schauen soll. Es ist einfach überwältigend. Während die eine Seite des Bergkamms den Tagesanbruch erwartet, liegt die andere Seite noch schlummernd im Licht des schwächer leuchtenden Mondes. Immer wieder versuche ich mich zu entspannen und den Moment zu genießen, aber das ständig zunehmende Licht und die Suche nach dem perfekten Foto lassen mich euphorisch von einem Fels zum anderen springen. Wann wird wohl die Sonne über die entfernten Gipfel klettern?

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GLÜCK

Das Warten hat ein Ende. Zusammen mit zwei Locals, die regelmäßig vor der Arbeit hier hinauf rennen, um sich fit zu halten, haben sich drei Ziegen zu uns gesellt. Zu sechst blinzeln wir der Sonne entgegen. Was für ein toller Moment und was für ein wunderschönes Panorama. Wer auch immer sagt, dass Sonnenuntergänge das schönste sind – ich für meinen Teil begrüße lieber den Tag als ihn zu verabschieden.

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ZUFRIEDENHEIT

Der Rückweg ist entspannt, es geht ja auch nur bergab. Ich sammle in Ruhe meine restlichen Sachen in der Kuhalm ein und wandere leichten Schrittes zurück zum Oberhochmuthof, wo mich ein köstlicher Espresso erwartet. “Guten Morgen. Ich bin heil zurück und es war der Hammer… ” lautet meine SMS an Katharina. Oben auf dem Gipfel hatte ich kein Netz. Schön war es dort oben, auf der Mutspitze im Meraner Land.

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Mehr Informationen zum Wandern im Meraner Land: www.meranerland.com

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Katharina & Henryk

Aus dem Background der Berliner Medien- und Agenturwelt kommend wuchs in Katharina und Henryk in den letzten Jahren zunehmend der Gedanke, die bereits so häufig diskutierte Work-Life-Balance in Bezug auf ihr eigenes daily bizz kritisch zu hinterfragen. Ihr gemeinsamer Plan: Den statischen Office-Alltag zwischen Meetings, Calls und Pitches für einige Monate eintauschen gegen ein flexibleres Lebens- und Arbeitsmodell. Auf Reisen gehen, die Welt entdecken, Akkus aufladen – und gleichzeitig produktiv sein. Nun sind sie unterwegs!

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