Curaçao

Dushi Paradise

Knatschbunte Kaugummi- und Pastellfarben funkeln mit dem türkisblauem Meer und dem wolkenlosem Himmel um die Wette. Die Hauptstadt von Curaçao, Willemstad, hat sich für meinen Besuch heute besonders herausgeputzt.

Knatschbunte Kaugummi- und Pastellfarben funkeln mit dem türkisblauem Meer und dem wolkenlosem Himmel um die Wette. Die Hauptstadt von Curaçao, Willemstad, hat sich für meinen Besuch heute besonders herausgeputzt.
Die Legende besagt, dass der einstige Gouverneur der Insel, geplagt von schlimmer Migräne, anordnete, die bis dato strahlend weißen Häuser allesamt bunt zu streichen. Aus medizinischen Gründen sozusagen und auf anraten seines Hausarztes. Angeblich besaß selbiger Gouverneur gemeinsam mit diesem Arzt eine Farbenfabrik und verdiente sich so ein Vermögen.

Ob urbaner Mythos oder die Wahrheit, die bunten Häuserzeilen sind bis heute Wahrzeichen der Insel geblieben. Die Handelskade, die Uferstraße des alten Stadtzentrums Punda, mit ihren pastellfarbenen Giebelhäusern und Renaissancefassaden, ist das beliebteste Fotomotiv der Curaçao-Besucher.

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Traditionell werden alle Häuser der Insel zwischen Weihnachten und Neujahr in wechselnden Farben gestrichen. Der Korallenstein, der hier früher für den Bau benutzt wurde, und die salzige Luft machen dieses notwendig. Bereits nach kurzer Zeit frisst sich das aggressive Salz durch die Fassadenfarbe.

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Die Kaufmannshäuser von Punda zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe und locken jedes Jahr ganze Scharen von Kreuzfahrttouristen an. Diese können mit ihren Ozeanriesen quasi direkt bis ins Zentrum der Altstadt fahren. Das Schottegat, der natürliche Tiefseehafen Willemstads, macht’s möglich. Selbst die größten Tanker, beladen mit venezolanischem Öl für die nicht ganz so pittoreske Raffinerie der Insel, können passieren. Der rege Schiffsverkehr ist eine Sehenswürdigkeit für sich. Für jedes ankommende Schiff, von kleiner Jolle bis zum turmhohen Cruiser, wird die schwingende Königin-Emma-Brücke zur Seite gefahren. Ein Spektakel für die Touristen, für manch einen Fußgänger wohl eher ein Ärgernis, denn der einzige Fußweg von Punda nach Otrabanda („die andere Seite“) wird so für gut eine halbe Stunde abgeschnitten. Vom Ufer lässt sich manch heiße Szene beobachten, wenn Passanten noch schnell den Absprung auf die schwindende Brücke wagen. Denn sonst bleibt nur noch der Umweg mit dem Auto über die 57 Meter hohen Königin-Juliana-Brücke.

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Punda erinnert mich gleich ein wenig an den Europapark oder Disneyland. Schicke Fassaden verkleiden Shops, in denen die amerikanischen und europäischen Kreuzfahrer schäbigen Tand zu überteuerten Preisen erstehen können. Dazwischen reihen sich Boutiquen der gängigen Luxus- und Lifestylemarken, von Rolex bis zum Victoria Secrets-Store ist alles vertreten. Und auch McDonalds & Co haben es auf die Karibik-Insel geschafft. Ganze Straßenzüge sind tiptop renoviert. Schicke Boutiquehotels und Coffeestores holländischer Investoren haben frisch eröffnet und bringen die Gentrifizierung ehemaliger Problemviertel mit großen Schritten voran. Aus unsichtbaren Boxen werden die Einkaufsstraßen mit Kuschelrock der 80er und 90er beschallt. Echte Menschen scheinen hier nicht (mehr) zu leben.

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Diese findet man in Otrabanda – auf der anderen Seite. Hier ist es nicht weniger bunt, auch wenn alles ein wenig heruntergekommen und nicht so herausgeputzt ist wie in Punda. Auch hier liegt Musik in der Luft. Doch statt Brian Adams und Aerosmith schallen südamerikanische Rhythmen und der Klang von Steeldrums durch die Lüfte. Gelegentlich atme ich den süßlichen Duft von Gras und Marihuana ein, der von Gruppen junger Männer verströmt wird.
Was sofort auffällt ist die unglaubliche Gelassenheit und Behäbigkeit der Inselbewohner. Niemand hetzt sich ab, niemand scheint gereizt oder gestresst zu sein. Der Default-Gesichtsausdruck der Insulaner ist der eines buddhistischen Mönchs. Gelassen, aber ohne Gefühlsregung in die positive oder negative Richtung. Insgesamt ist das Tempo des Lebens hier gedrosselt. Bei einer Jahresdurchschnittstemperatur von 31 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 76 Prozent geht man die Dinge eben ruhiger an. Bida ta dushi – Life’s good!

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Bei einem Stadtrundgang durch Willemstad darf eines nicht fehlen – die Snacks. Essen ist eines, wenn nicht das größte Vergnügen der Insulaner. Man isst auf der Straße, dem Markt, an Buden, Foodtrucks, in Cafés und Restaurants. Auf Curaçao mag man es deftig und herzhaft, fleischig, fischig, aber auch klebrig süß und fettig und von allem ganz ganz viel – vom Frühstück bis weit in die tiefste Nacht.

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Dushi, Dushi – das bedeutet süß, aber auch lecker und ist eines der wichtigsten Wörter im Wortschatz der Inselbewohner. Es ist fast universell einsetzbar, vor allem im kulinarischen Kontext ist es jederzeit zu hören.
Den gemeinen Europäer mag es überraschen, dass auf der Insel bei gleißenden 32 Grad riesige Portionen von Stew aus Fleisch und Fisch, Reis, frittierten Bananen und in Honig triefenden Kürbispfannenkuchen verdrückt werden.
Während sich die schlanken Holländerinnen am Strand mit einem Sandwich oder einem Salat begnügt, werden in der Markthalle ganze Wagenladungen von glücklichmachendem Soulfood von Big Big Mamas und Papas verdrückt. Das Schönheitsideal scheint hier noch nicht durch westliche Medien versaut zu sein. Selbstbewusst stellen Männlein und Weiblein ihre enormen Kurven in knappen, bunt gemusterten und schrillen Farben zur Schau. Doch bei aller Liebe für ein entspanntes Körpergefühl, ist auch Vorsicht angebracht. Seit die amerikanischen Fastfood-Firmen von Burger King bis Kentucky Fried Chicken die Insel mit immer mehr Filialen überziehen, steigt das Durchschnittsgewicht der Bevölkerung noch weiter an. Zu dem bereits heftigen kreolischen Essen verspeist die Jugend jetzt noch vermehrt fettes amerikanisches Fast Food. Die Konsequenzen sind nicht zu übersehen und die Gesundheitshüter der Insel sind alarmiert. Seit Jahren schon gibt es Programme, die eine gesunde Ernährung promoten sollen. Der Erfolg ist leider dürftig. Sei’s drum. Mir schmeckt es hervorragend auf der Insel.

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Ich beginne meinen kulinarischen Streifzug an einem der Smoothie-Stände und gönne mir einen Mango-Shake, Caribean-Style, mit viel Zucker und Kondensmilch. Danach lasse ich mir deftige Teigtaschen und in Salzwasser eingelegte Nüsse vom Straßenstand schmecken. Vorbei an den Floating Markets, auf denen Händler von der Küste Venezuelas ihre Waren feilbieten. Ich koste eine frische Kokosnuss, die vor meinen Augen zerlegt wird und ziehe dann Richtung Plasa Bieu der alten Markthalle. Hier lassen sich an Garküchen die verschiedensten Inselspezialitäten verkosten, vom Stobá mit Moor (Schmorfleisch mit Reis und Bohnen), Arilla de Marisco (gegrillter Fisch und Meeresfrüchte) bis zur Suppa de Iguana (Leguansuppe).

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Auf Curaçao wächst aufgrund des trockenen Klimas nichts außer Kakteen, Aloe Vera und einer Bitterorangen-Unterart, die die Spanier auf der Insel, im Versuch Orangen anzubauen, kultivierten.
Und so isst man auf der Insel auch gerne Kaduschi (Kaktussuppe), trinkt den Saft der Aloe Vera und macht aus den Pomeranzen den berühmten Likör – den Curaçao. Der muss nicht immer blue sein, sondern kommt auch in rot, grün oder auch farblos daher. Er schmeckt übrigens immer gleich, nach Orange.

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Nach dem ausgiebigen Mittagessen bleibt eigentlich nur eine Option – Siesta machen, um dann gestärkt am Abend einen der vielen Trug´i pan, eine Art lokaler Foodtrucks, aufzusuchen. Hier geht es ab 22 bis 23 Uhr so richtig rund. In Scharen warten die Gäste auf Massen von köstlich gegrilltem Fleisch, das mit einer Unmenge an Soßen gewürzt wird und als Sandwich oder mit Pommes verspeist wird. Das ist nichts für Anfänger. Aber nach ein paar Tagen Curaçao hat man den Dreh raus. Manch ein Besucher fliegt wohl mit ein paar Kilos zusätzlich zurück, dafür aber mit einem seligen Grinsen im Gesicht.

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  1. Das Titelbild ist sooooo Mexiko ;)

  2. Pingback: Dushi Paradise - Reise nach Curaçao - Re...

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