Der Weg in die alba­ni­schen Alpen führt nur über den Komani-Stau­see. Blau­grü­nes Was­ser, schroffe Fel­sen, eine Fähre täglich.

Schon der Weg zur Anle­ge­stelle, dort wo ein Stau­damm aus den 70er Jah­ren den Fel­sen ver­schließt, ist ein klei­nes Aben­teuer: Um halb­sechs in Tirana auf­ge­stan­den, nehme ich ein Taxi zur Abfahrts­stelle der Busse nach Shko­der (die Plätze ändern sich so oft, dass selbst die Ein­woh­ner sich meist erkun­di­gen müs­sen, es gibt kei­nen Bus­bahn­hof, und das bei etwa 900.000 Ein­woh­nern). Der Mini­bus lässt mich nach zwei Stun­den Fahrt an einer Abzwei­gung raus. Da es noch ein gutes Stück ist, und die Fähre um zehn Uhr ablegt, nehme ich das Ange­bot eines freund­li­chen „Taxi“-Fahrers an, er bringt mich hin… und saust mit sei­nem uralten klap­pern­den Polo über die Schot­ter­piste, ohne jede Gnade dem armen Gefährt gegen­über! Noch eine gespens­ti­sche Fahrt durch eine Art Mine, nur erleuch­tet vom spo­ra­disch auf­leuch­ten­den Polo – und wir sind hin­ter dem Damm an der Anle­ge­stelle. Fürst­li­che Bezah­lung. Herz­li­che Verabschiedung.

In einem kino­rei­fen Spek­ta­kel wird die Fähre mit Mini­bus­sen, Gelän­de­wa­gen, klei­nen LKWs, rie­si­gen LKWs, bela­den, ran­giert, geze­tert, wie­der raus­ge­fah­ren, etwas geschrien, in neuer Rei­hen­folge wie­der zen­ti­me­ter­scharf  ein­ge­lenkt – und nach einer guten Stunde sind tat­säch­lich alle an Bord!

Die Fahrt geht etwa zwei­ein­halb Stun­den durch ein fluss­ähn­li­ches Tal, karge Fel­sen und grüne, baum­be­wach­sene Hügel, in der Ferne die blau­grauen Berge der Alpen… sehr schön…

An Bord lerne ich ein net­tes Augs­bur­ger Paar ken­nen, die mit ihrem VW-Bus durch den Bal­kan fah­ren. Ich frage sie, ob sie mich in die Berge mit­neh­men. Per­fekt! Auf geht’s mit (unglaub­li­cher Bein­frei­heit) über die Buckel­piste nach Valbone, tief in die Berge…

Johannes Klaus

Johannes Klaus hängte seinen Job als Grafikdesigner an den Nagel, um 14 Monate um die Welt zu reisen. Seine Website Reisedepesche wurde 2011 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. In unbeobachteten Momenten streichelt er den Preis zärtlich, besteht ansonsten aber darauf, dass ihm so was völlig egal sei.

  1. Christian Hohn says:

    Hallo, ich bin die eine Hälfte des net­ten augs­bur­ger Paa­res. War eine schöne Reise und hier sieht man schöne Erin­ne­run­gen daran. Seit­her hat sich bei uns vie­les ver­än­dert, aber bei Dir wohl auch, oder?

    1. klys says:

      oh wie nett von euch zu hören! ja das rei­se­le­ben ist fröh­lich… macht wei­ter­hin große freude. was sich bei euch ver­än­dert hat, inter­es­siert mich, aber das kannst du ja mal per mail schrei­ben, wenn du willst…

  2. Philipp says:

    Das Bier aus Tirana
    gibt ein gutes Karma
    säufst du dich ins Nirvana
    dann war­tet eine schöne Frau da.

    Alla hop und Goodbye.

    1. klys says:

      Am vier­ten Tage end­lich gar
      Der Kas­par wie ein Fäd­chen war.
      Er wog viel­leicht ein hal­bes Lot —
      Und war am fünf­ten Tage tot.

  3. Philipp says:

    Noch aus Jugend­zei­ten weiß ich: im Brett­spiel „Euro­pa­reise“ hat Tirana keine andere Anbin­dung als einen Flug­ha­fen!!! Das werd ich nicht ver­ges­sen. Viel Spaß!
    Ach, und: Was macht ein Argen­ti­nier, wenn sein Team Welt­meis­ter wurde?
    Er macht die Play­sta­tion aus. Haha! Mehr Ver­nünf­ti­ges in der EMail… LG Philipp

    1. klys says:

      das ist heute auch noch so, die zwei, drei alba­ni­schen züge tuckeln mit 30 km/h durch die land­schaft – ich hab die gleise gese­hen, da wun­dert mich nichts mehr.

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