Die alba­ni­schen Alpen wer­den auf der mon­te­ne­gri­ni­schen Seite die „ver­fluch­ten Berge“ genannt. Viel­leicht liegt es an den schrof­fen Fel­sen, die aus den Buchen­wäl­dern und blu­men­be­wach­se­nen Almen in den Him­mel empor­sto­ßen. In jedem Falle sind die Men­schen wohl etwas theatralisch… ;-)

Valbona war für mich eine Über­ra­schung. Ich hatte einen klei­nen Ort erwar­tet, viel­leicht mit einem klei­nen Mini­markt, und einem Café, wo die Män­ner abhän­gen. Doch als wir mit dem VW-Bus zum zwei­ten Mal das tro­ckene Fluß­bett über­quert hat­ten, wurde klar, dass wir bereits vor­bei­ge­ru­ckelt waren… Diese drei Höfe, die alle paar hun­dert Meter am Hang ste­hen sind also Valbona. Ein ein­sa­mes Schild weist uns den Weg zu einem „Hotel Fami­liar“… (Am nächs­ten Tag ent­de­cke ich noch drei Höfe, die teil­weise auch Über­nach­tun­gen und Essen anbie­ten, immer kor­rekt bleiben).

Zeit­reise.

Die Natur, die Pan­ora­men, Stra­ßen und Pfade, die mit Lat­ten­zäu­nen umgrenz­ten Höfe. Die aus Natur­stei­nen und Holz gebau­ten Häu­ser und Scheu­nen, gackernde Hüh­ner flat­tern herum, glück­li­che Schweine grun­zen. Am Abend wer­den eine hand­voll glo­cken­läu­tende Zie­gen und Kühe in die Ställe getrie­ben. Die Men­schen, freund­lich, auch wenn man kein Wort ver­steht. Das Essen, ein­fach aber sät­ti­gend und gut. Die Satellitenschüssel.

So war es viel­leicht in den Alpen, vor hun­dert Jah­ren. Ohne die Satellitenschüssel.

Die meis­ten der weni­gen Tou­ris­ten blei­ben eine Nacht, um sich dann auf eine Tages­wan­de­rung in einen ande­ren Ort, Theth, zu machen. Das ist wohl sehr schön, aber da ich weder Lust hatte, mein Gepäck durch die Berge zu schlep­pen noch einen Trä­ger zu bezah­len, und auch keine Karte hatte, blieb ich ein­fach drei Nächte bei den net­ten Menschen.

Und wan­derte ein­mal mit einer Gruppe, die ich unter­wegs traf nen Berg hinauf:

Am nächs­ten Tag wan­derte ich in die andere Rich­tung das Tal ent­lang und ent­deckte ver­las­sene Höfe, die seit den Unru­hen Ende der 90er Jahre nicht mehr bewirt­schaf­tet werden.

Zur Auf­mun­te­rung noch­mal eines mei­ner hun­dert­tau­sen­den Panoramen:

Danach gab’s erst­mal ein gutes Tirana (ist eigent­lich nicht so beson­ders, leider).

Noch viel mehr süße Blü­me­lein, geile Berge und lus­ti­ges Getier gibt’s hier.

Johannes Klaus

Johannes Klaus hängte seinen Job als Grafikdesigner an den Nagel, um 14 Monate um die Welt zu reisen. Seine Website Reisedepesche wurde 2011 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. In unbeobachteten Momenten streichelt er den Preis zärtlich, besteht ansonsten aber darauf, dass ihm so was völlig egal sei.

  1. Bernd says:

    Also dass Tirana Bier nicht schmeckt kann ich nicht bestä­ti­gen. Nach einem anstren­gen­den Wan­der­tag (wir waren die­ses Jahr eine Woche Wan­dern in Mon­te­ne­gro und den nord­al­ba­ni­schen Alpen) kommt Tirana Bier sehr gut. Diese Gegend ist wie aus der Zeit gefal­len, sehr exo­tisch mit wirk­lich net­ten Men­schen. Die Bil­der sind toll. Vie­len Dank dafür. 

    Grüße Bernd

    1. Hi Bernd! Jetzt weiß ich das lei­der auch nicht mehr so genau, wie das schmeckte :-) Aber nach einem lan­gen Wan­der­tag würde mir wohl auch alles ganz gut schmecken ;-)

  2. klys says:

    hey ralf,
    freut mich sehr, dass ich dich ein wenig inspi­riere, wäh­rend ihr in deutsch­land transpiriert…
    meine mei­nung zu dem rtw-ticket oder über­land­rei­sen-dilemma ist wahr­schein­lich offen­sicht­lich! ich denke, dass bei­des seine guten sei­ten hat – und es kommt auf dich an, wie du die zeit gestal­ten willst. aber da dich dies hier inter­es­siert, würde ich wet­ten, dass die über­land­ge­schichte dir mehr brin­gen wird. flüge unter­wegs zu buchen wird auch auf mich zukom­men, und ist meist kei­ner­lei pro­blem. doch du bist im kopf frei, und musst nicht stän­dig ter­mine ver­schie­ben, umbu­chen etc.
    ich habe kei­nen fes­ten zeit­rah­men, zurück komme ich, wenn das geld alle ist, oder ich keine lust mehr habe! Ein wun­der­voll ent­spann­tes gefühl.
    wün­sche dir alles gute beim träu­men und pla­nen, und stehe gerne für fra­gen zu verfügung!

    1. Ralf says:

      Ja RTW-Tickets haben sicher Vor­teile, z.B. ein garan­tier­tes Wei­ter­flug­ti­cket (für Län­der die sowas ver­lan­gen, ziem­lich viele lei­der) und eine rela­tiv feste Kos­ten­kal­ku­la­tion im Vor­raus. Und es kommt natür­lich dem teu­to­ni­schen Pla­nungs­drang entgegen… ;-)
      Die Nach­teile wie­gen aller­dings schwer. Am Schwers­ten: Der Ver­lust von Spon­ta­ni­tät („ich muss in 2 Wochen dort­hin um den Flug nach XY zu krie­gen oder „ach wie gern bliebe ich hier noch nen Monat, kann aber lei­der nich“). Da der ganze Sinn er sol­chen Reise eigent­lich das Aus­le­ben von „Frei­heit“ ist (zumin­dest ist das für mich neben „Neu­gier auf die Welt“ der größte Moti­va­tor) — ist es eigent­lich Quatsch sich in so ein Kor­sett zu zwän­gen. Auch müs­sen RTW-Tickets nicht immer zwin­gend güns­ti­ger sein als selbst buchen, vor allem wenn man viel Über­land macht und war­tet bis güns­tige Flüge da sind…

      Hmm jetz hab ich das alles erkannt – jetzt muss ich nur noch mei­nen teu­to­ni­schen Pla­nungs­zwang able­gen und mich ein­fach mal auf ein Risiko ein­las­sen. Naja ein paar Monate hab ich eh noch Zeit.…

    2. klys says:

      Abso­lut meine Mei­nung. Und eins kann ich dir sagen: es ist weder gut mög­lich noch nötig, im vor­hin­ein zu pla­nen. Meine kon­krete Route hat sich schon in die­sen zwei Mona­ten sehr oft geän­dert, und das war immer gut so.
      Wel­che Plätze man als inter­es­sant erlebt, und wel­che nicht, ist nicht abzu­se­hen. Warum sich ein­engen lassen?
      Aus­ser­dem: die klei­nen Her­aus­for­de­run­gen (Wie komme ich in ein land ohne Wei­ter­rei­se­nach­weis, etc.) lösen sich vor Ort doch manch­mal ganz anders und uner­war­tet ein­fach als vor­ge­stellt. Da würde ich mir keine Sor­gen machen.

    3. Ralf says:

      Ja sowas hab ich mir schon gedacht. Bin mal gespannt zu lesen wie’s bei dir klappt bei dei­nem wei­te­ren Weg Rich­tung Osten. Gutes Gelingen.

  3. Ralf says:

    Hi wollte nur ein­fach mal schrei­ben wie gelun­gen ich deine Seite finde! Bin über dei­nen Post im Forum von http://www.weltreise-info dar­auf auf­merk­sam gewor­den. Ich will auch bald eine län­gere Reise machen und finde Blogs wie den Dei­nen sehr inspi­rie­rend und moti­vie­rend. Was ich vor allem toll finde ist deine Art zu Rei­sen: Über­land – gemäch­lich – mit dei­nem eige­nen Tempo – grad so wie du Lust hast. So lang­sam dass du echt Zeit hast die Län­der und Leute wahr­zu­neh­men. Das ist für mich die wahre Art zu Rei­sen. REISEN im eigent­li­chen Sinne. Wollte mir eigent­lich ein RTW Ticket neh­men aber jetz über­lege ich ernst­haft es auch Über­land zu pro­bie­ren, ohne Ter­min­druck… Bin mal gespannt wie du das syri­sche Visums­pro­blem löst.…

    Wei­ter so – freue mich auf die kom­men­den Berichte!

    Ach ja, noch eine Frage: Hast du einen fes­ten Zeit­rah­men, wie z.B. 12 Monate, oder reist du ein­fach so lange du Lust (oder Geld) hast?

    P.S. Bil­der sind toll, vor allem von den Ber­gen und im letz­ten Bei­trag vom See: Die Pan­ora­men vom See sahen teil­weise aus wie gewisse Sze­nen in Herr der Ringe (die Gefäh­ren glaub‘ ich…)

  4. Stefan says:

    Suu­per, bin über­rascht wie schön die Alpen in dem Alba­nien sind und das sag ich als Schweizer.
    Wir gehen in 40 Tagen um die Welt aller­dings mit Flie­ger und als ers­tes Rich­tung Wes­ten. Aber auch wir sind irgend­wann in Asien, also bis dann:-)
    Ich ver­link dich mal auf mei­ner Seite wenns dich nicht stört

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