Paranoia Pushkar

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Paranoia Pushkar

Die lange Reise nach Pushkar

Delhi

Gerade hatte ich in den Bergen um Dharamsala und Manali etwas Abstand zu meinem alptraum­ar­tigen Einstand in Indien gewonnen. Doch nun musste ich wieder nach Delhi, um meine Reise nach Rajasthan fortzu­setzen. Auf den letzten Kilometern Fahrt in die Stadt hinein, war mir mulmig zumute. Meine ersten Erfahrungen mit der Stadt steckten mir noch immer im Nacken und meine Laune wurde immer düsterer, je länger wir an endlosen Slums und grauen Industrieanlagen entlang­fuhren. Immer wieder wähnte ich mich bereits in der Innenstadt, doch die Vorstädte und Industrieregionen sind von riesigem Ausmaß.

Schließlich angekommen, ließ ich mich auf einer Fahrradrikscha nach Paharganj fahren. Das Stadtviertel, das sich um die Main Bazar Road erstreckt, liegt in der Nähe des Hauptbahnhofs. Die Main Bazar Road selbst ist eine kilome­ter­lange Einkaufsstraße, in der man Alles findet. Direkt an der Straße und in zahllosen Nebenstraßen finden sich hunderte von Hotels – viele davon herun­ter­ge­kommen, dafür aber sehr billig. Der Portier meines Hotels infor­mierte mich gleich von einem Angebot für eine überteu­erte Rajasthan-Reise. Diesmal ohne mich! Ich wollte so schnell wie möglich wieder raus aus Delhi und den nächst­mög­li­chen Zug nach Jaipur buchen.

Am Bahnhof wimmelte es von zwielich­tigen Gestalten. Ihre Dreistigkeit machte mich sprachlos. Der erste wollte mich davon überzeugen, Touristen müssten sich vor einer Bahnfahrt am Conaught Place regis­trieren und könnten auch nur dort Tickets erstehen. Da hätte ich dann gleich noch eine Reise auf das Hausboot in Kaschmir mit meinen geliebten Freunden buchen können. Doch er versi­cherte mir, er handle aus reiner Menschenliebe und hatte die benötigten Formulare zur Hand. Kaum hatte ich ihn abgeschüt­telt, tauchte der Nächste „Helfer“ auf, der mir weismachte, man dürfe den Bahnhof nicht ohne gültiges Ticket betreten. Als ich auch ihm nicht auf den Leim gegangen war, wollte mir ein anderer Mann einreden, dass das Tourist Office an diesem Tag geschlossen sei. Den Vogel schoss der ab, der behaup­tete, das Büro sei abgebrannt. Es fiel mir schwer zu fassen, wie skrupellos und profes­sio­nell sie mir ins Gesicht logen. Letztlich ließ ich mich nicht völlig verun­si­chern und erstand mein Ticket nach Jaipur.

In der Wartezeit bis zum Abend machte ich einen Abstecher nach Old Delhi. Es war ein Fest für die Netzhaut. Nie zuvor hatte ich solche Menschenmasse gesehen und das immer­wäh­rende Verkehrschaos war an Wahnsinn kaum zu überbieten! Autos, Rikschas, Motorroller, Ochsenkarren, berit­tene Elefanten, streu­nende Kühe und Fußgänger verur­sa­chen ein unbeschreib­li­ches Chaos auf den Straßen. Es hat mich immer faszi­niert, das dieses »System« funktio­niert, ohne dass es alle zwei Sekunden einen Unfall gibt. Für den Uneingeweihten herrscht blanke Anarchie und es gehört eine große Portion Fatalismus dazu, sich keine Sorgen um die verblie­bene Lebensdauer zu machen.

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Doch inzwi­schen empfand ich auch eine irre Freude, Teil dieses Chaos zu sein. Die Geräuschkulisse von allge­gen­wär­tiger Musik, eine Mischung aus Hindipop und klassi­scher indischer Musik, dem endlosen Hupen (auf jedem Truck prangt die unnötige Aufforderung please horn!), den Tempelglocken und des Marktgefeilsches wirkte auf mich betörend, übermalt von den knall­bunten Farben der Saris. Der Geruch war jedoch stark gewöh­nungs­be­dürftig, eine Mischung aus wider­li­chem Gestank nach Fäkalien, Schweiß und Abgasen und gleich­zei­tigen Wohlgerüchen von Gewürzen und Sandelholz stiegen in meine Nase.

Oft konnte ich nur schwer nachvoll­ziehen, dass Menschen unter solchen Bedingungen leben können. Doch hier käme kaum einer auf die Idee, sich über die Zustände zu beschweren. Eine imponie­rende Gleichmut und Gelassenheit scheint den Indern zu Eigen. In diesen Momenten spürte ich, wie weit ich mich von allem Bekannten entfernt hatte. Ich hatte meine Fassung längst aufge­geben. Indien sprengte mit seiner Reizüberflutung meine Vorstellungskraft fortwäh­rend.

Zurück in Paharganj traf ich Craig wieder, den ich beim Ticketkauf kennen­ge­lernt hatte und der im selben Zug nach Jaipur gelangen würde. Ich war froh, nicht schon wieder alleine unter­wegs zu sein.

Nun saß ich also in der indischen Eisenbahn auf dem Weg von Delhi nach Jaipur. In Windeseile kamen die Einheimischen ins Gespräch mit mir. Die Neugier an meiner Person war riesig. Sie fragten mich, warum ich nach Indien gekommen war und was ich hier suchte; warum ich in meinem Alter noch nicht verhei­ratet sei und warum ich mich soweit von meiner Familie und meinen Freunden entfernt hatte. Eine Reise, um andere Kulturen kennen zu lernen, lag für die Meisten außer­halb ihrer Vorstellungskraft. Mehr noch – bei der Bedeutung von Familie in der indischen Gesellschaft – erschien es ihnen verrückt, so weit von zuhause entfernt alleine durch die Gegend zu ziehen. Das minderte ihr Interesse nicht und sie sagten, sie seien stolz, dass ich ihr Land bereiste.

Fasziniert betrach­tete ich das Treiben der fliegenden Händler, die Mahlzeiten, Snacks, Tee, Kaffee, Hygieneprodukte, sinnlosen Kitsch, Magazine oder Bücher im Angebot hatten. Einige zogen durch die Abteile, andere Geschäfte wurden in Sekundenschnelle durch die Zugfenster abgewi­ckelt. Der Blick aus dem Fenster berei­tete mir oft Unbehagen. Viele Menschen hatten sich am Rande der Eisenbahngleise angesie­delt und kämpften dort um eine beschei­dene Existenz.

 

Jaipur

Am Bahnhof von Jaipur wurden wir von zwei jungen Rikschafahrern angespro­chen. Saddam und Raja waren uns behilf­lich, ein billiges Hotel zu finden. Wir luden sie anschlie­ßend zu einem Bier ein. Sie erklärten uns, sie wollten kein Geld für ihre Dienste, sondern sie seien nur daran inter­es­siert, auslän­di­sche Freunde finden.

Craig fuhr am nächsten Morgen nach Pushkar weiter, um den Camel Fair, einen gigan­ti­schen Kamelmarkt zu sehen. In seiner Heimat Australien verdiente er sein Geld mit Kameltouren in der Nähe von Perth und er freute sich wie ein Kind auf das Fest. Ich beschloss bald nachzu­kommen, um mir ein eigenes Bild zu machen.

Die beiden jungen Männer tauchten wieder auf und ich verein­barte mit ihnen eine Fahrt zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Besonders in Rajasthan sind viele Straßenabschnitte in erschre­ckendem Zustand: Das Abwasser läuft überir­disch am Rande der Straße entlang, bei starkem Regen laufen die Kanäle über.

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Die Einheimischen scheinen die chaoti­schen Straßenverhältnisse gar nicht wahrzu­nehmen. Neben sehr baufäl­ligen Gebäuden erinnern ältere Prunkbauten an glanz­volle Zeiten.

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Das erzeugt einen spannenden, aber auch verstö­renden Kontrast. Unwillkürlich fragte ich mich, wie es möglich war, dem offen­sicht­li­chen Zerfall der Bausubstanz zuzusehen. Inneres Gleichgewicht schien über reinen Äußerlichkeiten zu stehen, die dadurch keine größere Bedeutung besaßen. Gerade diese Einstellung sprach mich an. In der westli­chen Kultur erlebte ich es oft umgekehrt. Es kam mir so vor, als sei es wichtiger, den äußeren Schein zu wahren, als sich mit der eigenen Person und seinem Wirken ausein­ander zu setzen. Doch auch in Indien wird Materialismus immer wichtiger.

Die touris­tisch bedeut­samen Orte ziehen Schlepper und Betrüger an – was dazu führt, dass man ihre Zahl leicht überschätzt neben all den ehrwür­digen und gastfreund­li­chen Menschen. Leider waren mit den einfa­chen Menschen Gespräche oft nur rudimentär möglich aufgrund ihrer einge­schränkten Englischkenntnisse und meinem Scheitern, mehr als ein paar wenige Worte Hindi aufzu­schnappen.

Zuallererst besich­tigten wir den „Monkey Temple“. Er liegt auf einer kleinen Anhöhe und die auf ihm lebenden Affen werden als heilig verehrt. Von oben bot sich ein umfas­sender Blick auf die Stadt. Danach steuerten wir die »rosarote Stadt« im Zentrum Jaipurs an. Wahrzeichen der Stadt ist der „Palast der Winde“ – ein Teil des Stadtpalastes. Er besteht heute nur noch aus einer Fassade mit kleinen Balkons und Erkern. Der Bau diente den Frauen des Harems dazu, das Leben auf den Straßen zu beobachten, ohne selbst gesehen zu werden – denn das war ihnen verboten.

Die Innenstadt schien mir ein einziger großer Bazar zu sein und die Händler waren selbst für indische Verhältnisse sehr aufdring­lich. Das Verkehrsaufkommen ist enorm. Jaipur hat 2,5 Millionen Einwohner und ist als Handels- und Wirtschaftszentrum die wohlha­bendste Stadt Rajasthans. Gleichzeitig zählt sie zu den fünfund­zwanzig am schnellsten wachsenden Städten der Welt und als einer der leben­digsten Handelsplätze Asiens.

Raja und Saddam wollten mir ihren Onkel vorstellen. Ich hatte ein ungutes Gefühl, doch ich wollte ihnen vertrauen. Außerdem fiel es mir sehr schwer, mich aus konfron­ta­tiven Situationen heraus­zu­winden. Die endlose Fahrt durch verwin­kelte Straßen und immer ärmli­chere Viertel erhöhte das Grimmen in meinem Bauch. Wir fuhren weit außer­halb der touris­ti­schen Gebiete von Jaipur. Ich hatte nicht den blassesten Schimmer, wo ich mich befand. Schließlich erreichten wir wieder ein wohlha­ben­deres Viertel. Der »Onkel«, Krishna, arbei­tete in einem Juwelierladen. Ich blickte in seine wachen und intel­li­genten Augen und nachdem wir einige Sätze ausge­tauscht hatten, war ich mir sicher, dass er mich einwi­ckeln wollte. Krishna machte einen sehr selbst­be­wussten Eindruck und ich mahnte mich zur Vorsicht. Er sagte zu mir, er würde nicht jeden zu sich einladen, aber ich sei herzlich aufge­for­dert, mit ihm zu kommen und mit ihm gemeinsam zu essen. Die Neugier war stärker als das Gefühl, dass ich mich in eine ungemüt­liche Situation begab, und ich willigte ein. Zumal es schwer gewesen wäre, die Einladung abzulehnen, ohne belei­di­gend zu sein. Mir war sehr wichtig, Niemanden vor den Kopf zu stoßen. Ich zahlte noch immer Lehrgeld für meine Gutgläubigkeit und ich hatte immer noch kein Gefühl dafür entwi­ckelt, die Menschen zu entde­cken, dir mir wirklich gut taten.

Krishna brachte mich in ein Haus, in dem er ein Apartment nutzte, dass von einem hollän­di­schen Pärchen bewohnt wurde. So wie sie durch die Wohnung huschten, war offen­sicht­lich, dass sie unter seinem Einfluss stand. Ich hatte den Eindruck, sie seien Junkies.

Er begann, mir sehr durch­dachte Fragen über meinen Aufenthalt in Indien zu stellen: Warum ich gekommen sei, wie ich Indien erlebt hatte und was mir für meine Zukunft vorschwebte. Ich trank mein Bier möglichst langsam, weil mir klar war: Das dicke Ende kommt noch. Die Fragen steuerten auf ein bestimmtes Ziel zu. Zwei grimmige Männer kamen hinzu. Dann begann Krishna von Geschäften zu reden. Er habe einige Juweliergeschäfte in Europa und suche jemanden, dem er vertrauen könne und der für ihn Juwelen außer Landes bringen könnte. Sein Wunsch sei, eine langfris­tige Zusammenarbeit zu entwi­ckeln. Der Transport über die Grenze sei kein Problem. So könne ein Tourist Waren im Wert von 10 000 € ausführen – in Wirklichkeit sind es weniger als 500 €. In Europa müsse ich sie nur einem Kontaktmann übergeben. Dafür würde ich eine saftige Prämie einste­cken.

Sehr freund­lich dankte ich ihm für sein großzü­giges Angebot, versi­cherte ihm jedoch: »I am not a business man and I will never be!« Ich bot ihm an, für das spendierte Bier zu zahlen, das Essen war zu diesem Zeitpunkt ohnehin kein Thema mehr. Er gab nicht gleich auf, sondern versuchte weiter, mir unser Geschäft schmack­haft zu machen. Irgendwann gab er sich jedoch zufrieden, er spürte, dass er bei mir nur mit Geduld weiterkam.

Wie ich später erfuhr, handelt es sich bei dieser Betrügerei um einen Dauerbrenner in Rajasthan. Besonders in Jaipur, dem Zentrum der Edelsteinindustrie Indiens. Das System funktio­niert seit Jahrzehnten so: Der »Freund« – häufig ein Rikschafahrer – bringt die Fahrgäste unter einem Vorwand in einen Juwelierladen und bekommt dafür bereits eine Provision, die sich je nach Grad des einge­fä­delten Deals weiter steigern kann. Nun hängt alles am Geschick des Verkäufers. Er versucht, die Touristen zur Teilnahme an einem angeb­lich fabel­haften Geschäft zu animieren. Es werden phantas­ti­sche Gewinne von mehreren hundert Prozent verspro­chen. Das Geschäft wird als völlig risikolos darge­stellt und zur Untermauerung werden dem Käufer Adressen und gerne auch Visitenkarten von Händlern in dessen Heimat genannt, die die Steine zum doppelten Preis sofort kaufen würden. Es wird einem vorge­gau­kelt, der indische Lieferant und sein europäi­scher Kunde bräuchten nur einen Kurier, der die Ware gegen eine hohe Provision durch den Zoll trans­por­tiert, um die Gebühren zu umgehen. Der Schock erwartet den Betrogenen dann spätes­tens in Europa, wenn er feststellt, dass die Qualität seiner Ware nicht den Versprechungen entspricht. Ich hatte für meinen Teil bereits meine Erfahrungen in Kaschmir gemacht und geldgierig war ich glück­li­cher­weise noch nie.

Und die Masche erscheint mir noch verhält­nis­mäßig human. In Agra gab es längere Zeit die miese Abzocke, einen Gast in einem Restaurant absicht­lich zu vergiften. Der plötz­lich auftau­chende „Helfer“ sorgte dafür, dass sich der Zustand auch im Krankenhaus nicht besserte, sondern erst dann, wenn der Tourist ausge­molken war.

Da ich die unbegrün­dete Sorge hatte, in Pushkar wegen dem Festival kein Zimmer zu bekommen, nahm ich jedoch seine Hotelempfehlung an; es hatte Aufnahme im Lonely Planet gefunden. Es sollte das letzte Mal sein, dass ich darauf etwas gab. Um grund­le­gende Informationen über einen Ort zu erhalten, mochte der Reiseführer ganz hilfreich sein. Doch die Bewertungen waren selten etwas wert. Zu viele Menschen reisten damit, so dass die Hotels und Restaurants oft überfüllt waren und man sich einen Dreck darum scherte, ob das Hotel verkam. Die Empfehlung allein brachte genug Touristen.

Nachdem meine Reise in Indien so schwierig begonnen hatte, war ich weit von meinem inneren Gleichgewicht entfernt und hatte oft das Gefühl, nur auf das reagieren zu können, was ohnehin mit mir passierte. Es war als folgte ich einem Befehl, den ich mir selbst aufer­legt hatte – nämlich um jeden Preis durch­zu­halten – ganz gleich, was auch geschehen mochte. Meine »Freunde« – die jungen Rikschafahrer – wollten jetzt doch Geld, nachdem die Nummer mit ihrem Onkel nicht zum erhofften Erfolg geführt hatte. So war ich ständig in Verhandlungen, die ich nicht führen wollte, anstatt mich deutlich von der Übergriffigkeit der Nepper zu distan­zieren.

 

Pushkar Festival

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Von Jaipur reiste ich im Bus weiter nach Pushkar, wo der Kamelmarkt statt­fand. Innerhalb einer Woche wechseln zehntau­sende Kamele den Besitzer. In den letzten Jahren ist das Spektakel auch unter Touristen immer populärer geworden.

Das Hotel, das mir Krishna empfohlen hatte machte erst mal einen guten Eindruck. Dort traf ich Frank – einen Finnen, mit dem ich mich auf Anhieb gut verstand. Er war schon länger in Pushkar und er nahm mich gleich mit, so dass ich mir ein erstes Bild von dem bunten Treiben in der Stadt verschaffen konnte. Die Geschäfte und Straßen in der Stadt waren reich und bunt dekoriert. 150 000 Menschen waren auf den Straßen unter­wegs, die eigent­lich auf die knapp 20 000 Menschen ausge­legt sind, die norma­ler­weise in der Kleinstadt am Rande der Wüste leben. Während der Feierlichkeiten ist Pushkar nichts für Menschen, die unter Platzangst leiden. Auch ich fühlte mich sehr beengt. Alles wurde immer fremder. Rajasthan wirkte nach dem musli­mi­schen Kaschmir und dem tibetisch geprägten Dharamsala sehr orien­ta­lisch. Einerseits genoss ich diese wechselnden Impressionen sehr – doch mir ging alles zu schnell und ich fand zu wenig Zeit zum Durchatmen und das Erlebte zu verar­beiten.

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In und um Pushkar sammeln sich jedes Jahr die Kamelbesitzer und deren Familien. Dazu gesellen sich unzäh­lige Neugierige, Schausteller, Kleinkünstler, Züchter, Gaukler, Händler, Nomaden, Schlangenbeschwörer, einhei­mi­sche und auslän­di­sche Fotojäger, Händler, Tänzer, Musiker und unzäh­lige Andere, die dem Ruf des Festes nach Pushkar gefolgt waren. Auch das indische Fernsehen war vertreten. Abends wurden tradi­tio­nelle Tänze aufge­führt und es gab verschie­dene Wettbewerbe. Besonders skurril war der Wettbewerb um den schönsten Bart.

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Nach sieben Tagen würden die Händler wieder in ihre Heimat in Indien, Pakistan oder den Golfstaaten ziehen und in Pushkar würde wieder Frieden einkehren.

Für mich war der Aufenthalt eine bizarre Erfahrung. Ich fühlte mich, als wäre ich auf einem anderen Planeten gelandet. Es fiel mir schwer, mich auf das Fest einlassen und blieb distan­zierter Beobachter.

In diesem Jahr war das Festival kleiner als gewöhn­lich, da aufgrund der allge­meinen Dürre in Rajasthan nicht genug Wasser zum Tränken der Tiere zur Verfügung stand.

Pushkar ist eine beson­dere Stadt für die Hindus. Gläubige pilgern aus ganz Indien hierher, um sich im heiligen Pushkarsee zu baden. Der Legende zufolge ließ der Schöpfergott Brahma ein Lotusblatt auf die Erde fallen. An der Stelle, an der die drei Lotusblüten zu Boden fielen, entsprang mitten in der Wüste Wasser. Pushkar (Sanskrit für Lotusblüte) war entstanden. Der See ist bis heute eine von Indiens heiligsten Stätten. Besonders im Oktober/​November, während einer Glück verhei­ßenden Vollmondphase, soll ein Bad die Seele von allen Verfehlungen reinigen und die Pilger strömen in die Stadt. Gleichzeitig findet auch der Kamelmarkt statt.

In diesem Jahr war der See völlig ausge­trocknet und man hatte für die Pilger einen Swimmingpool aus Plastik im trockenen See aufge­stellt, was äußerst merkwürdig auf mich wirkte, aber von den Pilgern offen­sicht­lich akzep­tiert wurde. Sadhus (Asketen) geben den Touristen gegen eine Spende Lotusblüten, die man in den See wirft, was Glück verhei­ßend ist. Wenn man sich bedrängen lässt, kann man sich auch zu einer größeren Spende genötigt fühlen.

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Ich ließ mich von Frank überreden, einen der berühmt-berüch­tigten Bhang lassi zu probieren. Dies ist ein Getränk aus den getrock­neten Blättern und kleinen Blütenständen der Cannabis-Pflanze. Die Pflanzenteile werden zu einer knetar­tigen Masse verdickt und anschlie­ßend in Milch zerstoßen. In Jaisalmer und Varanasi gibt es sogar von der Regierung autori­sierte Shops, die Bhang verkaufen dürfen. Mir war jedoch nicht bekannt, dass speziell der Bhang Lassi zu extremer Paranoia führen kann, was auch daran liegt, dass manchmal Stechapfel beigemischt wird. Und wie hieß es so schön bei Fear and Loathing in Las Vegas: »Das war kein guter Ort für psyche­de­li­sche Drogen…«

Wenn ich mir die Originalzeilen von diesem Abend so anschaue, lesen sie sich stellen­weise wie der Bericht eines Wahnsinnigen, der aus dem Gefängnis ausbre­chen will und sehen auch so aus. Als die Wirkung einsetzte, steigerte sich die empfun­dene Reizüberflutung noch um ein Vielfaches. Viel zu viele Eindrücke prasselten auf mich ein und ich konnte sie unter dem Einfluss der Droge nicht mehr verar­beiten. Mich überkam massive Orientierungslosigkeit. Da Frank gut und gerne das doppelte Körpergewicht auf die Waage brachte, war er aufgrund der langsa­meren Metabolisierung noch recht guter Stimmung, als ich bereits tief in Paranoia versunken war. Ich fühlte mich, als hätte ich keinen festen Boden mehr unter den Füßen. Frank amüsierte sich bei unserem Gang durch die hoffnungslos überfüllte Stadt herrlich über mich und meinen panischen Gesichtsausdruck und kriegte sich kaum ein vor Lachen. Ich empfand die Situation als weitaus weniger amüsant. Und auch ihm gelang es nicht mehr, den Weg zu unserem Hotel zu finden. Immer wieder meinte er, den Weg wieder zu erkennen, um dann laut und schal­lend lachend zu verkünden, er habe nicht die geringste Ahnung, wo wir uns befinden könnten und es sei ihm auch herzlich egal. Ich wollte nur zurück ins Hotel – in eine sichere Umgebung. Bettler zerrten an meinem Arm, Händler bedrängten mich und Gypsies schmierten mir ungefragt eine Mischung aus Kameldung und Hennafarbe auf die Hände, um darauf Mandalas zu malen, was sie erst nach heftigem Protest unter­ließen. Ich fühlte mich dermaßen unwohl, als würde ich in einen Trichter von Anarchie und Wahnsinn gesaugt. Zu allem Überfluss fiel auch noch der Strom aus, die Lichter erloschen und mein inneres Chaos war perfekt. Ich fühlte mich völlig verloren.

Als wir gar nicht mehr weiter wussten, teilten wir uns eine Fahrradrikscha, um endlich wieder zurück zu finden. Der arme Fahrer! Mit fast 200 kg auf der Rückbank musste der Unglückliche uns den Berg raufra­deln. Er tat mir richtig leid und ich schämte mich dafür, seine Dienste in Anspruch nehmen zu müssen. Ich war so glück­lich, endlich wieder beim Hotel anzukommen, dass ich ihm ein üppiges Trinkgeld in die Hand drückte. Ich steuerte direkt mein Zimmer an und verließ es bis zum nächsten Tag nicht mehr. Ich schrieb noch ein paar wirre Zeilen und verputzte unvor­sich­ti­ger­weise Erdnüsse in meinem Bett. Am Morgen erwachte ich in einem Meer von Ameisen, die ich mit den Schalen angelockt hatte.

Frank schaffte es nach seinem Bericht noch auf die Dachterrasse und konnte sich knapp zwei Stunden nicht mehr bewegen und lachte ohne Pause.

Frank war ohnehin ein ulkiger Bursche. Er war sich sicher, dass ich mich für immer an seine kranke Lache erinnern würde. Er war lange harter Trinker und Kiffer gewesen. Irgendwann hat er sich mit einem mächtigen Rocker angelegt, weil er mal wieder seine große Klappe nicht halten konnte. Dabei hatte er so derbe Schläge abgekriegt, dass er es fast nicht überlebt hätte. Er sprach von »brain damage« und das war auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Jedenfalls war das Gute daran, dass er das Trinken danach aufge­geben hat und jetzt nur noch kiffte wie blöd.

Auf dem Rückweg waren wir nochmal bei der Teestube, wo wir am Tag zuvor den Bhang lassi zu uns genommen hatten. Ich wollte nachfragen, was uns der Besitzer da kredenzt hatte. Nachdem er uns grinsend den riesen Bollen Bhang zeigte, wunderte mich gar nichts mehr. Der Sohn des Besitzers meinte, er hätte wesent­lich weniger verwendet, sein Vater habe aber gemeint, wir würden das schon vertragen. Der hatte gut reden, er trank nach eigener Aussage seit Jahrzehnten das Zeug jeden Tag und ein Blick in seine blutroten Augen bestä­tigte das hinrei­chend. Frank gönnte sich gleich noch einen dieser Lassis, mir war die Lust gründ­lich vergangen.

In unserem Gasthaus versam­melten sich jeden Abend die Besitzer verschie­dener Gasthäusern Rajasthans auf dem roof top. Sie waren mir ausge­spro­chen unange­nehm. Was für schmie­rige, selbst­süch­tige und arrogante Typen! Jeden Abend betranken sie sich, führten sich wie die Schweine auf und machten den jungen Touristinnen Avancen. Später begriff ich, dass sie vor allem hier waren, um Touristen in ihre jewei­ligen Hotels zu lotsen. Einer der Gasthausbesitzer, Suwai, erschien mir im Gegensatz zu den Anderen recht sympa­thisch und ich hatte verspro­chen, mir sein Hotel Desert in Jaisalmer anzusehen, das mit äußerst günstigen Preisen lockte. Allerdings warnte er mich: Es gäbe Leute, die mich vor seinem Hotel warnen würden. Das entspränge ihrem Neid auf sein erfolg­rei­ches Unternehmen.

Er hatte nicht zu viel verspro­chen. Als ich das Büro des Busunternehmens erreichte, mit dem ich nach Jaisalmer weiter­reisen wollte, tauchte sofort ein Fremder auf und warnte mich eindrück­lich davor, im Hotel Desert abzusteigen. Dabei hatte ich mein Ziel überhaupt nicht erwähnt. Das ist der Stoff, aus dem Paranoia gesponnen ist!

Gelegentlich hatte ich den Eindruck, dass Indien mich mit Haut und Haaren verschlingen würde. Es gab kaum Privatsphäre. Eigentlich hätte ich mir die Zeit nehmen müssen, um einen sicheren und angenehmen Ort zu finden, wo ich wieder etwas zu mir fand. Doch ich fühlte mich getrieben und wollte voran­kommen. Manchmal fürch­tete ich in diesen Tagen, ich würde verrückt werden und hatte keinen blassen Schimmer, wem ich wohl noch vertrauen konnte. Das kostete unheim­lich viel Kraft. Aber wie schrieb ein guter Freund so schön:

»Wenn du das Gefühl hast, alles fliegt dir um die Ohren und eine fremde Kraft, die sich deiner Kontrolle längst entzogen hat, spült dich durch das Land und die Leute, dann halte kurz inne. Genieße diese Kraft, atme sie, schmecke sie, das ist der Zauber, das ist das, was dich süchtig macht und was du vermissen wirst. Chaos und Kreativität, Unberechenbarkeit in jeder Hinsicht. Versuche das zu durch­dringen und zu verstehen.«

Das gelang mir nur selten. Ich war vollauf damit beschäf­tigt, grenz­pa­ra­noid durch das Land zu stolpern. Meine lang ersehnte Reise war zu einem einsamen Durchhaltemarathon verkommen. Nur mein Stolz hatte mich davon abgehalten, die Reise abzubre­chen. Mir waren dunkle Schatten aus meiner Vergangenheit wieder­be­gegnet. Es war mir nicht gelungen, mich abzugrenzen. Doch trotz und sogar inmitten katastro­phaler Erfahrungen in einem Land, das mich ständig überfor­derte, hatte ich eine Liebe zu den Menschen und dem unbeschreib­li­chen Wahnsinn um mich herum entwi­ckelt. Ich spürte, dass mich diese instink­tive, scheinbar absurde Liebe nie wieder loslassen würde. Die abgrund­tiefen Kontraste hatten mich angezogen und abgestoßen, die Menschen verwirrt und begeis­tert, die bittere Armut erschüt­tert und die Hoffnung gerührt. Die offen­sicht­li­chen Ungerechtigkeiten waren für mich schwer auszu­halten. Das Kastensystem ist längst verboten, aber es wirkt nach. Noch immer werden Menschen brutal ausge­beutet und schika­niert. Die Korruption stinkt zum Himmel. Die hygie­ni­schen Bedingungen für die Armen sind oft katastro­phal und das Bildungssystem bietet kaum Aufstiegschancen. Doch an gleicher Stelle erlebte ich Gastfreundschaft, Güte, unbän­digen Lebensmut und eine unglaub­liche Vielfalt verschie­dener Religionsgruppen und Völker. Das hatte in der Vergangenheit immer wieder zu fürch­ter­li­chen Pogromen geführt und doch muss man staunen, in welch relativem Frieden und Koexistenz so unter­schied­liche Menschen selbst­ver­ständ­lich mitein­ander leben. Indien ist ein riesiger Schmelztiegel. Das Chaos einer dauer­haften Reizüberflutung für alle Sinne hatte mich unter sich begraben, ausge­spuckt und dann wieder zu einem schel­mi­schen Grinsen verführt.

Das Land war so ambiva­lent wie ich selbst und hielt mir ständig den Spiegel vor. Ich hatte mich manchmal gefühlt, als wäre ich in einen Sog geraten, der mich in die Tiefe zu ziehen drohte und doch unwider­steh­lich war. Der Sog war zu schnell, zu mächtig, er machte mir Angst, aber er eröff­nete mir auch unbekannte Welten. Dieses ursprüng­liche, unbän­dige Leben mit all seiner Wucht war etwas, was mich für immer gefangen nehmen sollte. Diese Kraft vermisste ich nach meiner Rückkehr und die Ordnung und Stille in unseren Breiten kam mir dann wie der Tod vor.

Dennoch waren die Mails von Freunden und Familie in diesen Tagen sehr wichtig und haben mir immer wieder Kraft gegeben. Sie waren meine einzige Brücke zu meinem alten Leben.

 

Jaisalmer

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Es folgte die nächste Fahrt in einem dieser herrli­chen indischen Busse, die in Europa vor 30 Jahren ausge­mus­tert worden wären. Sie machten in aller Regel keinen vertrau­ens­er­we­ckenden Eindruck. Über den Sitzplätzen gibt es einige Boxen, in denen man sich ausstre­cken und schlafen kann. Ich reiste fast immer nachts, um Zeit und Geld zu sparen. Nun hatte ich zum ersten Mal das zweifel­hafte Vergnügen, in so einem »Sleeper« zu reisen. Für mich war die Liegefläche jedes Mal ein paar Zentimeter zu kurz, so dass ich mich nicht ganz ausstre­cken konnte. Doch es war mir immer noch deutlich lieber, als die ganze Nacht zu sitzen. Ausnahmsweise existierte hier ein Vorhang zum Flur des Busses, so dass mich keiner sehen konnte. Diese Freiheit nutzte ich dazu, bei weit geöff­netem Fenster einen Joint zu rauchen. Aus dem Fenster konnte ich bereits die Thar-Wüste sehen.

Mir gefiel der erhabene Blick aus dem »zweiten Stock«. Da die Busse in jeder noch so kleinen Ortschaft halten, um Menschen einzu­sam­meln und auszu­spu­cken oder für kurze Pausen zum Essen, bekommt man Einblicke in den Alltag der Menschen. Jeder Millimeter im Bus wird genutzt. Neben tonnen­weise Waren sind auch leben­dige Hühner an Bord. So bessern die Busfahrer ihr mickriges Gehalt auf, auch die Reisenden bringen so Begehrtes aus der Stadt in ihre Dörfer. Ein Belastungstest für jede Achse. Oft war ich der einzige Ausländer. Das war für mich ein beson­derer Reiz.

Kaum in Jaisalmer angekommen, ging es mit dem Wahnsinn weiter. Kurz vor der Ankunft rannte ein Mann hektisch durch den Bus, klopfte an jede Scheibe, und bläffte hinein: »Don’t trust the people from Hotel Desert«. In diesem Moment fragte ich mich ob die Gauner im Hotel Desert sitzen oder die sind, die vor ihnen warnen. Oder waren alle Gauner? Jedenfalls wurde ich am Busbahnhof bereits von einem Angestellten des Hotel Desert erwartet und fuhr mit gemischten Gefühlen zum Hotel. In diesem Fall war es mir lieber, als mich mit der aggres­siven Meute ausein­an­der­zu­setzen, die sich am Busbahnhof versam­melt hatte, um einen Schnitt zu machen. Das Einzige was mich wunderte war, dass man mir nicht das Gepäck aus der Hand riss und mich forttrug.

Jaisalmer ist eine Stadt inmitten der Wüste Thar, die sich bis ins 100 km entfernte Pakistan zieht. Besonders eindrucks­voll ist das Fort. Es wurde 1156 vom Fürsten Rawal Jaisal auf einem 120 Meter langen und 500 Meter breiten Felsen aus gelbbraunem Sandstein erbaut. Daher wird Jaisalmer auch als »die goldene Stadt« bezeichnet.

Das »Hotel Desert« befand sich direkt in einer der mächtigen Mauern des Forts. Aus meinem Fenster konnte ich auf die umlie­gende Stadt und in die Wüste sehen.

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Die Architektur von Jaisalmer ist überwäl­ti­gend. Besonders die Residenz der Fürstenfamilie, die später zu Maharadscha-Ehren kam, die filigranen Jaina-Tempel und die Havelis (Kaufmannshäuser) sind atembe­rau­bend.

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Jaisalmer war einst eine wichtige Station auf der Seidenstraße und gründete darauf ihren Reichtum. Die Karawanen legten hier einen Stopp auf der Überlandroute zwischen Zentralasien und Delhi ein und Jaisalmer war ein wichtiger Umschlagplatz für Seide, Opium und Gewürze. Die Stadt wirkt wie eine »Fata Morgana« – die Märchen aus »Tausend und eine Nacht« werden lebendig. Früher spielte sich nur Leben inner­halb seiner Mauern ab. Heute wuchert die moderne Stadt auch außer­halb des alten Festungsrings. Doch noch immer leben 2000 Menschen inner­halb der Fortmauern. 70 % stammen von den Brahmanen (der höchsten indischen Kaste) und 30 % von den Rajputen (der Kriegerkaste) ab. Daran wird deutlich, dass das Kastensystems und die Abstammung noch immer eine Rolle spielen – vor allem in den ländli­chen Regionen.In ihrer Blütezeit war die Stadt kaum einzu­nehmen.

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Der Haupteingang ist mit einer 180-Grad-Kurve versehen, so dass Elefanten den Befestigungsring nicht durch­schlagen konnten. Auf der Mauer liegen riesige runde Steine, die man von den Mauern auf Angreifer gestürzt hat. Auch Kanonen zeugen von der alten Stärke. Selbst die Armee der musli­mi­schen Sultane Delhis konnte Jaisalmer erst 1298 nach sieben­jäh­riger Belagerung erstmals einnehmen. Doch als die Niederlage feststand, ritten die Männer aus der Stadt in den sicheren Tod gegen die zahlen­mäßig deutlich überle­gene Belagerungsarmee. Die Frauen begingen rituellen Selbstmord (Johar), indem sie sich von den Mauern der Paläste in entzün­dete Scheiterhaufen stürzten. Dadurch konnten sich die siegrei­chen Truppen mitten in der Wüste nicht weiter versorgen und mussten die Besetzung der Stadt kurze Zeit später aufgeben. Nach weiteren Belagerungen wurden die Herrscher über Jaisalmer zwar ein Vasallenstaat Delhis, doch niemals vollständig unter­worfen.

Erst nach dem Aufstieg der Häfen von Surat und Bombay büßte die Stadt ihre Stellung ein. Die Überlandroute verlor an Bedeutung, weil sich ein großer Teil des Warentransports auf den Schiffsverkehr verla­gerte. Die Teilung der briti­schen Kolonie in Indien und Pakistan nahm der Stadt endgültig ihre wichtige Rolle als Handelsstadt. Durch die scharf bewachte Grenze wurde die Route von Pakistan nach Indien vollständig gekappt. Der einzige Grenzübergang liegt hunderte Kilometer weiter nördlich bei Amritsar. Keine hundert Kilometer von Jaisalmer entfernt, zieht sich die Grenze hunderte Kilometer durch die Wüste. Schmuggel hat immer noch Bedeutung. Doch im Wesentlichen prägt heute der Tourismus die Stadt. Ähnlich wichtig ist die strate­gi­sche Lage als Grenzposten für das Militär. Auch der Flughafen dient inzwi­schen nur noch militä­ri­schen Zwecken.

Nachdem drei sympa­thi­sche Reisende im Hotel einge­checkt hatten, beschloss ich gemeinsam mit ihnen auf Kamelsafari zu gehen. Eine Übernachtung in der Wüste wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Wir fuhren mit dem Jeep 60 km bis in den Desert National Park. Hier verwan­delte sich die Stein- in eine Sandwüste. Wir besich­tigten zunächst ein kleines Wüstendorf. Dann ritten wir über eine Stunde auf Kamelen, um den Sonnenuntergang in der Wüste zu erleben.

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Wer schon einmal auf einem Kamel geritten ist, weiß: Das ist kein Vergnügen, sondern ein Härtetest für das Knochengerüst. Manche werden sogar seekrank von dem schau­kelnden Gang der Tiere – nicht umsonst nennt man sie »Wüstenschiffe«. Anschließend gab es ein Mahl und unsere drei einhei­mi­schen Begleiter spielten orien­ta­li­sche Klänge auf Trommeln und einem einfa­chen Seiteninstrument. Beeindruckt hat mich dabei einer meiner Begleiter – ein Franzose. Durch Reisen in der algeri­schen Wüste, der seine Vorfahren entstammten, kannte Akim die Wüste gut. Bei einem Motorradunfall hatte er vor Jahren ein Bein verloren. Doch er hatte sich zurück ins Leben gekämpft und ließ sich nicht vom indivi­du­ellen Reisen in die entle­gensten Länder abbringen. Nun tanzte er ausge­lassen auf einem Bein. Ich bewun­derte, welche Kraft sein Lebensmut hatte.

Wir übernach­teten auf Decken direkt auf dem Wüstenboden und waren von einer himmli­schen Ruhe umgeben. Ich sog sie tief in mich ein. Es war Vollmond und bei meiner kleinen Wanderung über den Sand fühlte ich mich, als würde ich über den Mond laufen. Nur war ich nicht schwe­relos. Im Gegenteil – es war ziemlich anstren­gend zu laufen, während ich immer tiefer in den Boden einsank. Durch die Helligkeit des Mondes war die ganze Szenerie fast taghell erleuchtet. Ich fühlte mich von der Weite der Wüste magisch angezogen. In meinen neu erwor­benen weißen Gewändern und mit dem inzwi­schen langen Bart sah ich auch aus wie ein Wüstensohn.

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Seit 1986 wird Wasser über den 500 Kilometer langen Rajasthan-Kanal vom Punjab aus nach Jaisalmer geleitet. Erst dadurch wurde mehr landwirt­schaft­liche Nutzung möglich. Mit der Bewässerung verzehn­fachte sich die Bevölkerung und die Thar gilt als das am dichtesten bevöl­kerte Wüstengebiet weltweit. Doch die Wüstenbildung schreit voran. Durch Abholzung und Überweidung können die Böden immer weniger Wasser speichern und der Grundwasserspiegel sinkt immer weiter. Das ist hier beson­ders verhee­rend, da durch den Salzgehalt des Grundwassers keine Oasen existieren. Bei meinem Besuch war der See außer­halb des Forts vollständig ausge­trocknet. Die Dürren häufen sich immer mehr.

Am nächsten Morgen beschloss ich, das Hotel zu wechseln, um der Vetternwirtschaft zu entkommen, in der ich mich seit Jaipur bewegte. Bei meinem Auszug wollte mein »Freund« Suwai wissen, wohin es mich zog. Meine anfäng­liche Sympathie für ihn war vollständig verschwunden. Nun erschien er mir keinen Deut besser als die anderen Hotelbesitzer, die ich in Pushkar kennen gelernt hatte – nämlich nur vorder­gründig freund­lich und hinter der Fassade ein eiskalter Geschäftsmann, der sich einen Dreck für andere Menschen inter­es­siert. Ich hatte keine Lust ihm zu sagen, wohin es mich zog. Daraufhin verlangte er mehr Geld für das Zimmer. Aber ich ließ mir das nicht gefallen und zahlte den verein­barten Preis. Innerlich wurde ich stärker.

Doch wen sah ich keine dreißig Minuten später im neuen Hotel? Suwai. So leicht entkam man ihm doch nicht.

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Nachdem mir Jaisalmer in den ersten Tagen wie eine himmli­sche Oase schien, gingen mir die aufdring­li­chen Händler immer stärker auf die Nerven. Manche waren richtig unver­schämt und hatten offenbar kein Gefühl dafür, dass ihr wenig subtiles Auftreten ihre Verhandlungsposition keines­wegs stärkte. Es war ein schwie­riges Jahr für die Händler, die Touristenzahlen waren einge­bro­chen. Dadurch standen sie in großer Konkurrenz zuein­ander.

Doch zugleich liebte ich die Offenheit der Menschen – das war genau das, was ich in Deutschland so oft vermisste. Oft blieb ich irgendwo stehen und unter­hielt mich zehn Minuten mit einem Wildfremden. Meistens verblieben diese Gespräche völlig zwanglos und wo Worte fehlten, ersetzten Gesten und Lächeln die Botschaft. Wir scherzten gerne über das, was uns trennte und das, was uns verband. Ich fühlte mich eng mit den einfa­chen Menschen verbunden. Sie waren nichts anderes als meine Brüder. Ich mochte vor allem die Gelassenheit und die stoische Ruhe der alten Männer, die sich durch nichts aus der Fassung bringen ließen. Anderseits verliefen viele Gespräche sehr routi­niert ab. Ein wahrer Fragenkatalog wurde abgefeuert:

What is your good name? Where are you from? What is your profes­sion? Are you married?

Egal wie weltoffen man ist, wenn man diese Fragen das zwanzigste Mal am Tag hört, bekommt man einen Overkill. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass als nächstes die Einladung in den nächst­ge­le­genen Shop folgt. Ich gab mir jedoch größte Mühe höflich zu bleiben und ein gutes Bild abzugeben. In gewisser Weise verstand ich mich als Botschafter. Denn ich erlebte immer wieder unver­schämte Touristen, die sich einen Dreck um Kultur und die Belange der Menschen kümmerten. Dem wollte ich etwas entgegen stellen. Viele Reisende fuhren immer diese Schiene und gingen mit Tunnelblicken völlig unnahbar durch die Straßen. Sie ignorierten alles und jeden und wurden laut, wenn man ihnen zu nahe kam. Das wollte ich nicht, auch wenn ich wusste, wie viel einfa­cher ich mir das Leben hätte machen können. Schließlich war ich nach Indien gereist, um vor allem die Menschen kennen zu lernen und so viel wie möglich über die Kulturen Indiens zu lernen. Und ich wollte die wertvollen Begegnungen nicht missen. Oft fühlte ich mich enger mit den Einheimischen als mit anderen Reisenden verbunden.

Suwai tauchte immer wieder in meinem neuen Hotel auf und immer deutli­cher kam ein unerträg­li­cher Prahler zum Vorschein. Doch was mich an diesem ganzen eitlen Zirkel von Gasthausbesitzern am meisten abstieß, war ihre vollstän­dige Missachtung der Menschen, die für sie arbei­teten. »Everything is possible in India«, sagten sie ständig. Doch ihre Bediensteten behan­delten sie wie Dreck, so als wären sie Könige. Gerne hätte ich ihnen zugerufen: »Ja, fast alles ist möglich, aber eben nur für euch und auf Kosten anderer!« Es machte mich zuneh­mend wütend. Denn hinter den Kulissen schuften Niedriglöhner, um die Fassade für die Mittel- und Oberschicht aufrecht zu halten, für die, die es sich leisten können. Ich habe mich immer wieder bemüht, das Kastenwesen zu akzep­tieren, da es auch von vielen Menschen, die unten stehen, als etwas Notwendiges, eine Art gesell­schaft­li­cher Ordnung, akzep­tiert wird, aber es ist mir nicht gelungen. Offiziell ist das Kastenwesen abgeschafft; doch es spielt noch immer eine große Rolle im tägli­chen Leben. Das Erbe Gandhis wird völlig missachtet.

Als ich Suwai meinen endgül­tigen Abschied aus Jaisalmer ankün­digte, fragte er mich, ob ich schon in Jaipur gewesen sei. Als ich das bejahte, hakte er nach, ob ich nicht nochmal hinfahren wolle; er wollte mir gerne jemandem vorstellen und würde für Unterkunft und Fahrtkosten aufkommen. In diesem Moment schloss sich der Kreis und ich war 100 % sicher, wen ich da wohl treffen würde. Das konnte nur Krishna sein, der versucht hatte, mich für das Juwelengeschäft zu begeis­tern. Aus einer Laune heraus sagte ich ihm, ich wisse ganz genau, wen er mir vorstellen wolle. Für einen Moment war er völlig baff, denn ich lag richtig. Suwai war entgangen, dass ich den Kreis vom Ende aufge­rollt hatte. Er sah vorläufig ein, dass er auf Granit biss. Er versprach mir jedoch, ich könne ihn immer anrufen – egal wo ich mich in Indien befände – zehn Minuten später sei jemand mit meinem Namen auf einem Schild in meiner Nähe. Keine wirklich beruhi­gende Vorstellung!

 

Epilog

Es erscheint völlig absurd, dass ich trotzdem und erneut einem seiner „Tipps“ folgte und tatsäch­lich auch in Jodhpur in dem von ihm empfoh­lenen Hotel abstieg.

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Es war wieder mein verquerer Stolz und meine Harmoniesucht, denen ich folgte, ich wollte mich in jedem Fall sauber aus der Geschichte ziehen, ohne mein Gesicht zu verlieren. In dem Gasthaus forderte mich die Hausherrin dazu auf, den Preis für mein Zimmer selbst zu bestimmen, war dann aber mit dem Gebot nicht zufrieden und wenige Minuten später reichte sie mir das Telefon, Suwai wolle mich sprechen. Er sagte mir, dass ich zu wenig für mein Zimmer zahlen würde. Ich wies ihn darauf hin, dass dies eine Sache zwischen der Hausherrin und mir sei. Er ermahnte er mich, und forderte, ich müsse im Gegenzug für das günstige Zimmer Werbung für sein Hotel machen.

Trotz meiner zuneh­menden inneren Stärke, fühlte ich mich weiter sehr einsam und ich wünschte mir nichts sehnli­cher als die Begegnung mit anderen Reisenden, mit denen ich ein Wegstück teilen konnte. Und als ich schon verzwei­felt sinnierte, ob ich mich mit einem Schild auf den Marktplatz stellen sollte, mit der Aufforderung mich einzu­sa­cken, traf ich zufällig auf Neo am »Omelette Shop«.

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Neo stammte aus den U.S.A. und war mit einem Pärchen unter­wegs und nachdem ich ihm von den Fallstricken meiner Reise berichtet hatte, bot er mir ohne zu zögern an, ich könne mich ihnen anschließen. Nachdem ich mich auch mit den beiden anderen verstand, kam es genauso. Wir konnten noch ein Ticket für denselben Bus nach Mount Abu ergat­tern und ich änderte meine Reiseroute sehr gerne für die angenehme Gesellschaft. Meiner Hausherrin erzählte ich, ich würde wie geplant nach Udaipur weiter­reisen und ließ mir ein Hotel empfehlen, um es meiden zu können. Damit schloss sich auch dieser Kreis und ich war nicht traurig Suwai und Konsorten fortan nicht mehr zu begegnen. Suwais Visitenkarten nutzte ich fortan, um vor seinen Machenschaften zu warnen.


Kommentare

  1. Avatar von Berthold Wittmann
    Berthold Wittmann

    Namaste Oleander,
    Ich habe ihn auch, diesen wahnsin­nigen Indien Virus. Habe bereits 7 mal das Land bereist von Ladakh bis Kerala. In Jaiselmer haben wir auch Bang probiert. Es ging mir sauschlecht. Du beschreibst Land und Leute genau so, wie es wirklich in Indien ist. Über Varanasi liegt eine Mystik, die kaum auszu­halten ist, da kann ich Dir nur beipflichten.
    Großes Kompliment für Deine Berichte.

    Liebe Grüße
    Berthold

    1. Avatar von Oleander Auffarth

      Lieber Berthold! Herzlichen Dank! Schon verrückt, wie stark dieser »Indien-Virus« wirkt. Indien ist einfach in jeder Hinsicht intensiv, nicht zuletzt auch eine emotio­nale Achterbahnfahrt. Die nächste Reise kommt bestimmt.
      Ganz liebe Grüße!

      Oleander

  2. Avatar von Manfred L.
    Manfred L.

    Sehr schöner Bericht 🙂
    … auch ich habe die geschil­derten Orte besucht und gleiche Erfahrung gemacht. Prachtvolle Schönheit und Ekel (»Körpersprache« erlangt in Indien ganz neue Bedeutung), habe Herzensgüte und dumm-dreiste Verachtung erfahren.
    Jaisalmer zum Kamelfestival im Februar, alleine bei Viehhirten in der Wüste, mit dem Hotelboy bei seiner Steinmetz-Familie … riesige Sonnenuhren in »Pink-City« und schmer­zende Fußsohlen am Pushkar-Lake und vieles mehr sind beim Lesen Deines Berichtes wieder vor meinem inneren Auge erschienen.

    In wenigen Wochen werde ich wieder ein Flugzeug besteigen, um den Winter in Indien reisend zu verbringen.

    1. Avatar von Oleander Auffarth

      Lieber Manfred! Schön, dass Du Dich in meinem Bericht wieder­finden konntest und einige Erinnerungen wieder lebendig wurden! Die Ambivalenz Indiens ist manchmal echt schwer zu ertragen, aber das macht ja auch einen wesent­li­chen Reiz des Landes aus. Dir viel Freude in Indien! Liebe Grüße, Oleander

  3. Avatar von Romy Manes via Facebook

    Einer der besten Reiseberichte,die ich je gelesen habe . Sehr eindring­lich und mitreis­send. Danke für’s mitnehmen!

    1. Avatar von Oleander Auffarth

      Ganz herzli­chen Dank fürs Mitkommen und die Wertschätzung!

  4. Avatar von Christiane Feill via Facebook

    Sehr schöner Blog. Sobald ich mal etwas mehr Zeit habe, werde ich mich in den vielen tollen Reiseberichten verlieren. Aber allein, was ich gerade über Rajasthan gelesen habe, ließ auch bei mir wieder sehr viele Erinnerungen erwachen.

    1. Avatar von Oleander Auffarth

      Das freut uns sehr! Viel Spaß bei der Lektüre!

  5. Avatar von Gerhard
    Gerhard

    Ein paar Mal musste ich grinsen bei deiner Geschichte. Nein, nicht weil ich selbst schon mal in Indien gewesen wäre, das Land steht immer noch auf der Liste, aber weil sich deine Geschichte im Grunde genommen wie eine Erfahrungsreise zu dir selbst anhört. Eine Reise die auch ich seit vielen Jahren mache, an anderen Orten und auf andere Weise – aber im Grunde genommen mit den gleichen Effekten.

    Bei dir ist es eine Reise in entfernte Länder – bei mir eine schama­ni­sche Reise in ganz andere Welten – aber das Prinzip ähnelt sich doch. Vielleicht laufen wir uns ja mal über den Weg … würde mich freuen …

    Gerhard

    1. Avatar von Oleander Auffarth

      Lieber Gerhard!

      Vielen Dank für Deinen Kommentar! Selbstfindung und Selbsterfahrung spielen auf meinen Reisen und in meinem Leben eine große Rolle. Im Schreiben habe ich die Form der (Selbst)reflexion, die notwendig ist, um das Erlebte nach und nach zu verar­beiten und das Ausgedrückte einzu­ordnen.
      Auf meinen Reisen habe ich erleben dürfen, wieder in tiefen Kontakt mit meinen innersten Bedürfnissen und der Natur zu kommen. Die langen Wanderungen waren für mich Meditationen. Bei sich selbst anzukommen, am Gipfel eines Berges, beim Geruch des Salzes beim Erreichen des Meeres, am Ende einer strapa­ziösen Reise, die einem guten Ende entge­gen­geht und in diesem Zustand zu verharren und immer bewusster wahrzu­nehmen, welche Möglichkeiten sich auftun. Doch man muss keines­wegs raus in die Welt, man kann all das überall entde­cken und am Ende doch nur in sich selbst. Mir hilft der Spiegel fremder Kulturen. Am Ende entkommt man sich selbst ohnehin nicht, selbst wenn man vor sich selbst zu fliehen versucht. Es bleibt nur, sich zu stellen, zu reifen, zu strau­cheln, aufzu­stehen, sich zu finden und wieder zu verlieren. Immer wieder neu.
      Es hat mich auf meinen Reisen immer mehr zu den Mystikern, zu den Bettelmönchen oder den Sufis gezogen, von ihnen will ich mehr über Askese und Meditation lernen, am Ende jedoch meinen eigenen Weg bis zum Ende gehen. Auch meine psyche­de­li­schen Ausflüge waren sehr lehrreich und haben das Naturempfinden und die Einheit mit der Umgebung noch verstärkt. Rituale mit Zauberpflanzen als Lehrmeister.
      Vielleicht trifft man sich irgendwo in diesem wilden Leben. Liebe Grüße!

      Oleander

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