Leben am Flughafen

Leben am Flughafen

Für Menschen, die sich norma­ler­weise zufrieden stellen lassen, wenn sie unter Brücken oder an windge­schützten Orten schlafen können, ist ein Flughafen, wie der lang ersehnte Luxusurlaub. Deswegen bin ich auch zwei Tage vor meinem Flug schon am Vancouver Flughafen angekommen. Hatte gehört, dort gibt es Teppich auf dem Fußboden. Und da konnte ich natür­lich nicht nein sagen.

17.02.2016, 17:43 Uhr

Angekommen im Hotel. Nun gilt es erstmal Schuhe ausziehen, es sich gemüt­lich machen und die Beine hoch legen. Die freund­liche Dame am Empfang hat mich darauf hinge­wiesen, dass der US-Departure Bereich um 20:30 Uhr schließt und sich danach in einen Relaxing-Wellness-Bereich verwan­deln wird. Da dies ein Selbstversorgerhotel ist, habe ich mir mein Abendessen im China Supermarkt gekauft. Reis mit Schweinefleisch süß-sauer. Etwas viel, davon werde ich in der Nacht noch essen können. Dazu eine schöne San Pellegrino Blutorange Limo. All inclu­sive. Mein Zimmernachbar ist auch schon da, schläft aber gerade, daher hab ich mich noch nicht vorge­stellt.

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16:37 Uhr

Da ich so viele Tüten mit Essen dabei habe, ist das herum­laufen etwas mühseelig. Nun hab ich mir diesen schönen Trolli gegönnt und gleich mal eine Runde durch mein neues zu Hause gedreht.

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17:11 Uhr

Die Empfangsdame ist herzal­ler­liebst. Habe sie gerade nach Duschen gefragt und ihr mitge­teilt, dass ich die nächsten zwei Tage hier am Flughafen bleibe. Daraufhin war sie voll dabei, meinte ich solle doch da hinten hin gehen, weil ich dort meine Ruhe in der Nacht hätte. Und immer schön alle Wertsachen bei mir haben! Ob mich die Security beläs­tigen würde? Aber nein! Die sind doch Leute gewohnt, die hier schlafen. Mal sehen ob sie es immer­noch so gewohnt sind, wenn ich meinen Schlafsack und meine Isomatte ausge­breitet habe.

Duschen leider nur für VIP oder im Hotel. Hotel will 18 Dollar dafür. Fuck that, dachte ich. Aber die Empfangsdame meinte, dass man dafür drei Stunden dort bleibe kann. Vielleicht geh ich also morgen Abend mal ins (nicht kosten­freie) hotel­ei­gene Bad am Abend und bleibe dort für ein paar Stunden.

17:21 Uhr

Ja geil, hier in der letzten Ecke gibt es sogar ne Steckdose. Ein weiteres Versorgungs-Problem gelöst.

19:55 Uhr

Gerade kam einer der Flughafenangestellten, hat eine kleine Serviette auf den Boden gelegt und dann nach Mekka gebetet. Gute Stelle hier. Schön ruhig und abseits.

20:57 Uhr

Nun logger im Jogger.

21:42 Uhr

Mein persön­li­ches Ruheempfinden ist gestört. Hier ist so ein Typ mit Teppichpolierer unter­wegs. Das ist ansich nicht so schlimm. Aber sein Vorarbeiter steht perma­nent neben ihm und quatscht ihn voll. Macht der Typ auch was anderes, als hier laut durch die Halle zu brüllen, wie man diesen verf… Teppich zu reinigen hat?

22:05 Uhr

Frag mich wirklich, was der für einen Job hat. Steht da 50m entfernt mit verschränkten Armen und macht schon die ganze Zeit nichts, außer neunmal­kluge Ratschläge zu geben.

22:48 Uhr

Schlafenszeit. Bettchen ist gemacht. Etwas frisch hier, aber ich hab zum Glück zwei Schlafsäcke dabei. Der Sommerschlafsack tut es auf jeden­fall.

18.2.2016, 02:44

Anscheinend sind weitere Personen diese Nacht in unserem Mehrbettzimmer einge­troffen.

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11:26 Uhr

Frühstück. Käsestangen mit Paprika und Avocado. Dazu irgendein Billigkäse. Ich sitze im Flughafengebäude an einem Brunnen. Draußen regnet es. Auf einmal sind zwei fette Spatzen aufge­taucht. Die wollten meine Krümel essen. Hab den kleinen Kerlchen einen Haufen Krümel auf den Boden verstreut. Aber da waren sie schon verschwunden.

12:41 Uhr

Der Reinigungsdienst war schneller, aber nun sind die kleinen dummen Spatzen wieder da. Und schauen dumm aus der Wäsche. Keine Krümel mehr da.

13:45 Uhr

Ehrlich gesagt nicht viel los hier. Aber gut zum Artikel schreiben. Ich mach mal Mittagsschlaf.

16:04 Uhr

Vanille Pudding. Hab leider keinen Löffel und muss mit den Händen essen.

16:51 Uhr

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Das Flughafen-Boot-Camp ging hinter mir los. Ich hab dann mal einge­packt und bin weiter gebum­melt. Gerade auch entdeckt, dass der Flughafen eine zweite Etage hat, die mir bisher vollständig verborgen geblieben ist. Gleich mal auf Erkundungstour gehen. Da unten scheint es viel Teppich zu geben.

17:20 Uhr

Natürlich gibt es hier auch ein Tim Hortons. Leider ohne heiße Schokolade. Was ein Saftladen. Dafür hab ich aber schon Geld getauscht. Hatte noch kolum­bia­ni­sche Pesos und ein paar Dollar. Gebührenfrei gegen die ersten japani­schen Yen gewech­selt. Schöne Scheine.

17:51 Uhr

Ein älterer Herr macht hier Tai-Chi vor mir. Scheint eine richtige Work-Out Welle hier auszu­bre­chen. Ich werde mir gleich mal ein Gefäß suchen und dann auf gute indische Art duschen gehen. Gibt ein Waschbecken und einen Abfluss im Klo. Scheiß auf die 18$. 🙂

20:20 Uhr

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Die Idee mit dem Duschen. Fing alles ganz normal an. Wasser war kalt und die ersten beiden Becher etwas unange­nehm, aber sowas war ich aus Südamerika ja schon gewohnt. Zu meiner Freude wurde das Wasser dann schön warm, nachdem es eine Zeit lang gelaufen ist. Ich habe außerdem den Bewegungssensor mit Papier manipu­liert. Das Wasser wechselte dann aller­dings von warm auf heiß. So heiß, dass es etwas weh tat, als ich versuchte die Seife damit abzuwa­schen. Außerdem konnte ich den Wasserhahn nicht mehr kontrol­lieren, da sich der Bewegungssensor irgendwie umgekehrt hatte und das Wasser nur noch stoppte, wenn ich meine Hand „davor“ hielt. Ich hab versucht das Wasser kurz stehen­zu­lassen. Dauerte zu lange. Dann hab ich es von einem Becher in den Nächsten geschüttet, wie ein marok­ka­ni­scher Teehändler. Das war auch nicht das wahre. Am Ende war meine warme Dusche dann etwas schmerz­haft. „18$, 18$“, hab ich mir immer wieder beim abspülen gedacht.

Aber schön. Hab geduscht. Bald ist wieder Bettzeit.

21:00 Uhr

Vorher aber erstmal Abendessen. Hab noch Wurst, ne halbe Avocado vom Frühstück, Vanillie Pudding, Pitas, Naans, Hummus, Gurke, Schokoriegel und natür­lich Don Pellegrino Limo mit Blutorange Geschmack. Noch drei Dosen, die muss ich bis zum einche­cken morgen früh um 6:30 Uhr noch vernichten, weil die nicht mit in den Flieger dürfen.

21:03 Uhr

Vier Dosen.…..

22:22 Uhr

Fressparty beendet. Zum Abschluss noch einen Pudding mit den Fingern.

19.2.2016, 00:10

Zeit zum schlafen. Aber vorher.…noch ne San Pellegrino Blutorange.

08:48 Uhr

Bin durch den Check-In. Hab immer­noch soviel Essen, dass mir der Arm weh tut, beim Tragen. Aber sind noch 20 Stunden Aufenthalt in China dazwi­schen. Ich bin vorbe­reitet, für die nächste Woche.

09:46 Uhr

Während ich hier essen vernichte und auf das Boarding warte, ist mir aufge­fallen, dass meine Dosen sich durch den Security Check geschmug­gelt haben. Diese kleinen Frechdachse. Darauf gibt es erstmal eine Gewinner-Blutorange!

10:32 Uhr

Im Flieger. Irgendwer hat hier wider­liche Blähungen. Junge, reisse dich!

10:42 Uhr

Ich versteh hier übrigens nichts. Aber es gibt einen schönen Bildschirm und meine Fernbedienung ist gleich­zeitig ein Controller. Warum ist darauf eigent­lich noch niemand vorher gekommen. Zocken im Flugzeug. Könnte ein riesen Spaß sein. Nun würde ich gerne Super Smash Brothers oder Mario Kart gegen die Anderen spielen.

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20:41 Uhr

„Airplane Relaxation Exercises“ zum lockern der Muskeln auf dem Bildschirm. Und alle machen mit. Geil!

21:37 Uhr

Umsteigen. Auschecken. Die Chinesen waren besser als die Kanadier und haben meine Schere, sowie das Feuerzeug aus meinem Handgepäck entfernt. Ich hätte das ganze verf… Flugzeug entführen können.….

22:10 Uhr

Übrigens, du merkst, dass du ein Langstreckentramper bist, wenn du einen 9 Stunden Flug auf einer Arschbacke absitzt und dich danach freust, dass es so schnell ging.

20:20 Uhr, glaube der 20.02.2016

Mitten in China. Internet funktio­niert gerade irgendwie so…halb. Facebook geht nicht, Google auch nicht. Das wird eine trost­lose Nacht. Einziger Lichtblick, mein urugua­ya­ni­scher Stecker funktio­niert hier.

21:49 Uhr

Relax-Area mit Liegestühlen und Dusche. Naja, so schlecht isses dann doch nicht.

21.02.2016, 05:58 Uhr

Schwere Not. Als ich in den Flieger einge­stiegen bin, gab es nochmal drei Mahlzeiten, bis wir in Zentralchina gelandet sind. Heute morgen, auf dem Weg zur Toilette, hat es mich fast zerissen. Brauner Sturm nicht nur in Clausnitz, sondern auch in Chengdu. Sichuan Airlines wird zur kulina­ri­schen Herausforderung. Ich glaube auf meinem Anschlußflug verzichte ich auf das Essen.

08:47 Uhr

Die letzte Dose San Pellegrino. Genau das, was mein Bauch jetzt brauch.

10:37 Uhr

Am Check-In haben manche schon süße bunte Patches auf ihren Jacken oder Socken. Man sieht sofort, dass wir nach Japan fliegen. Niedlich.

Dann gings zum Check-Out aus meinem Flughafen Hotel. Gegessen wurde nichts mehr, in Japan erwar­tete mich die volle Breitseite der sozialen Netzwerke und nun bin ich hier.…in Asien.


Kommentare

  1. Avatar von Marvin

    »10:42 Uhr

    Ich versteh hier übrigens nichts. Aber es gibt einen schönen Bildschirm und meine Fernbedienung ist gleich­zeitig ein Controller. Warum ist darauf eigent­lich noch niemand vorher gekommen. Zocken im Flugzeug. Könnte ein riesen Spaß sein. Nun würde ich gerne Super Smash Brothers oder Mario Kart gegen die Anderen spielen.«

    Zocken im Flieger gibt es doch schon 🙂 – OK kein Mariokart aber gegen andere Fluggäste lässt sich immer ne Partie Schiffe versenken, Schach, Dame, 4‑Gewinnt oder Fussball eröffnen

    Liebe Grüße

  2. Avatar von Rainer Feichter

    Du zügel­loses Genussschwein du!
    Wie kann man nur so hedonis­tisch sein.…
    Bravo!

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