Das Schweriner Schloss, ein Juwel des romantischen Historismus, ist ein Traumziel für Kulturinteressierte, Architekturbegeisterte und Freunde der Natur. Als Herzstück des Schweriner Residenzensembles gehört es seit dem Jahr 2024 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ein Streifzug durch die faszinierende Schlossanlage.
Schon beim ersten Anblick aus der Ferne wird dem Besucher klar: Das Schloss der mecklenburgischen Landeshauptstadt Schwerin, gelegen auf einer winzigen Insel inmitten einer idyllischen Seen- und Parklandschaft, ist ein Sehnsuchtsort von einer einzigartigen Schönheit.

Der ockerfarbene Prachtbau ist ein Traum aus luftigen Türmen und Erkern, kunstvoll gestalteten Kuppeln sowie reich ornamentierten Giebeln und steckt voller hübscher Details, an denen man sich kaum sattsehen kann. Immer wieder wandert der Blick über die schmalen Schornsteine und Obelisken, streift über die vergoldeten Turmspitzen, bis er schließlich an der kronenförmigen Kuppel, dem architektonischen i‑Tüpfelchen des Schweriner Wahrzeichens, haften bleibt.

Als Erstes empfiehlt sich ein Erkundungsspaziergang in der reizvollen Grünanlage, die sich harmonisch um die ehemalige Fürstenresidenz schmiegt. Der sogenannte Burggarten versprüht mit seinen alten, knorrigen Bäumen, den farbenfrohen Beeten und den beiden Siegesgöttinnen einen ganz besonderen Zauber. Vor allem die wuchtigen ahornblättrigen Platanen, die gegen 1860 rund um das Schloss angepflanzt wurden, verleihen der Gartenszenerie eine fast schon verwunschene Note.

Herzstück des Burggartens sind die Orangerie und ein damit verbundener lauschiger Säulenhof voller Topfpflanzen. Steigt man die Stufen hinauf zur begehbaren Kolonnade, eröffnet sich ein fantastischer Blick auf den Schweriner See. Kunst, Architektur und Natur sind an diesem Fleckchen Erde so wunderbar miteinander verbunden, dass es einem den Atem verschlägt. Spektakuläre Wolkenformationen bilden sich am strahlend blauen Himmel, Segel- und Motorboote gleiten über den glitzernden See, eine angenehme Brise weht über den Garten. Kurzum: Mediterranes Flair liegt in der Luft. Da wundert es nur wenig, dass die Kolonnade von einer stattlichen Herakles-Skulptur gekrönt wird, die den mythologischen Helden dabei darstellt, wie er den Stier von Kreta bezwingt.
In dem Gewächshaus mit der filigranen Glasfassade finden während der kalten Monate die unzähligen Kübelpflanzen der Gartenanlage Schutz vor Wind und Wetter. Von April bis Oktober ist hier ein Café bzw. Restaurant untergebracht. Doch heiß begehrt sind an milden Sonnentagen die Terrassentische und ‑stühle der Orangerie, denn sie bieten die perfekte Gelegenheit, die liebliche Atmosphäre des Burggartens auf sich wirken zu lassen.
Vom mittelalterlichen Burgplatz zum Residenzschloss
Die bewegte Geschichte des Schweriner Schlosses lässt sich bis ins tiefe Mittelalter zurückverfolgen. So hatte bereits im 10. Jahrhundert der slawische Stamm der Obotriten auf der kleinen Insel eine Wallanlage errichtet. Im 16. Jahrhundert wollte der protestantische Herzog Johann Albrecht I. ein neues Kapitel aufschlagen und machte es sich zur Aufgabe, die damalige Burg zu einem prächtigen Renaissanceschloss mit einer evangelischen Kirche umzubauen. Aus jener Zeit stammen auch die schmucken Terrakotta-Kacheln des Neuen Langen Hauses, die man von der Schlossterrasse aus bestaunen kann.
Nachdem 1764 das Schloss in einen langen Dornröschenschlaf verfallen war, entschied sich Mitte des 19. Jahrhunderts der noch blutjunge Großherzog Friedrich Franz II. dafür, seine neue Residenz zu modernisieren und repräsentativer zu gestalten.Nicht weniger als eine Handvoll Architekten unterbreiteten ihre Vorschläge. Der Hofbaumeister Demmler und der Architekt Willebrand unternahmen sogar eine Reise nach Frankreich, um sich dort von den Schlössern der Loire inspirieren zu lassen. Und das hat sich gelohnt. Das im Jahr 1857 fertiggestellte Schloss gilt als Paradebeispiel des romantischen Historismus.
Der Glanz der höfischen Geschichte Mecklenburgs lässt sich bei einem Rundgang in den restaurierten Räumen des Schlossmuseums bestens spüren, allen voran im symbolträchtigen Thronsaal, der heute wie damals den Gästen mit seiner verschwenderischen Opulenz imponiert. In der Ahnengalerie kann man die Porträts der Herzöge vergangener Zeiten betrachten, im Speisezimmer erfreut man sich am edlen Tafelparkett aus Mahagoni und Eiche, an den zierlichen Möbelstücken und den vergoldeten Prunkvasen.
Doch kaum ein Raum überrascht so sehr wie das Blumenzimmer. Mit seiner verspielten Anmut und Raffinesse fasziniert es nicht nur den Romantiker. Dem Großherzog war es eine Herzensangelegenheit, einen Raum zu gestalten, der allein seiner Gattin Auguste vorbehalten sein sollte. Die Wände des kreisrunden Zimmers sind verziert mit Skulpturen und kleinen Bildnissen seiner Ehefrau, jeweils mit unterschiedlichen Blüten im Haar. An der stuckverkleideten Decke prangen drei Genien sowie die Initiale ihres Vornamens. Und nicht zuletzt besticht es durch seine privilegierte Aussicht auf den Garten und den funkelnden See.
Vom Fürstensitz zum Landtag Mecklenburg-Vorpommern
Unglücklicherweise suchte 1913 ein Brand die Fürstenresidenz heim, wobei die Obergeschosse des Schlossgartenflügels sowie der gesamte Burgseeflügel zerstört wurden. Der ehemals prunkvolle Goldene Saal lag in Schutt und Asche. Seit 2017 ist hier der neue Plenarsaal des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern beheimatet. Wo anno dazumal rauschende Feste und Bälle des Adels abgehalten wurden, findet man heute einen Ort des politischen Dialogs und des demokratischen Handelns.
Nur einen Steinwurf vom Schloss entfernt entdeckt man eine der schönsten Barockanlagen Norddeutschlands. Der malerische Schlossgarten eignet sich hervorragend zum Entspannen: Spaziergänger schlendern durch die Lindenalleen, Kinder spielen in den Laubengängen, Einheimische lassen auf den weißen Holzbänken rund um den Kreuzkanal die Seele baumeln. Hier und da sieht man ein paar Fahrradfahrer, die zu einer Tour um den Schweriner Innensee aufbrechen.

Übrigens: Bei Einbruch der Dunkelheit sollte man es sich keinesfalls entgehen lassen, die einstige Fürstenresidenz von der Graf-Schack-Allee aus zu bewundern. Das hell erleuchtete Schloss erstrahlt nur so in zauberhaftem Glanz und seine Lichter erstrecken sich wie flüssiges Gold über den Burgsee. Da möchte man sagen: Dies ist ein Schloss wie aus dem Märchenbuch!


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