Ber­bera – welch ein Name! Man schmeckt gera­dezu die exo­ti­schen Gewürze auf der Zunge, um die die Händ­ler feil­schen und sieht die Pira­ten das erbeu­tete spa­ni­sche Gold ent­la­den, hört die Möwen um die Reste des Fangs strei­ten und Kolo­ni­al­her­ren bei einem Gin Tonic über den Son­nen­un­ter­gang über dem indi­schen Ozean sinnieren.

Um ehr­lich zu sein, das war ein­mal. Ber­bera ist heute ein stau­bi­ges Städt­chen am Meer, was nur durch seine deko­ra­tiv ver­fal­len­den klei­nen kolo­nia­len Gebäude an eine glor­rei­che Ver­gan­gen­heit erin­nert. Im Hafen lie­gen rie­sige halb­ver­sun­kene Schiffe, ros­tende Denk­mä­ler, wie für die Kulisse eines Hol­ly­wood-Film­sets. Das Leben spielt sich in klei­nen, aus Holz und Müll gebau­ten Hüt­ten am Stra­ßen­rand ab, wo Tee, Oran­gen und Khat ver­kauft wird. Post­apo­ka­lyp­tisch sieht das Land aus, wenn man nach Osten in Rich­tung der Strände läuft, ein paar Kamele lie­gen müde auf der von Müll und Rui­nen ver­zier­ten Erde.

Doch der Strand ist schön und das Meer herr­lich warm; ein wag­hal­si­ger Unter­neh­mer hat sogar begon­nen ein Resort zu bauen – lei­der wurde er offen­sicht­lich von einer Mili­tär­ka­serne inspiriert.

Johannes Klaus

Johannes Klaus hängte seinen Job als Grafikdesigner an den Nagel, um 14 Monate um die Welt zu reisen. Seine Website Reisedepesche wurde 2011 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. In unbeobachteten Momenten streichelt er den Preis zärtlich, besteht ansonsten aber darauf, dass ihm so was völlig egal sei.

  1. Kiki says:

    Sach mal, hast du bei dei­nem heroi­schen Pira­ten­ge­met­zel einen hal­ben Schnei­de­zahn ver­lo­ren oder sieht das nur so aus?

    1. klys says:

      hmm, das ist doch kei­ner rede wert so ein zahn, als pirat. kannst froh sein, wenn ich nicht mit haken und holz­bein wiederkomme!

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